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Gute Witze nehmen sich selber auf die Schippe

von Kurt-Helmuth Eimuth 23. Januar 2015

Wirklich gute Witze gehen nicht auf Kosten anderer, sondern nehmen sich auf feine Art selbst „auf die Schippe“. Das gilt gerade auch für die Kirche. Nur Sekten sind humorlos.

Es ist gar nicht so leicht, andere zum Lachen zu bringen. Hier Pfarrerin und Clownin Gisela Mattiae bei einem Workshop in der Evangelischen Akademie Frankfurt. Foto: Ilona Surrey
Es ist gar nicht so leicht, andere zum Lachen zu bringen. Hier Pfarrerin und Clownin Gisela Mattiae bei einem Workshop in der Evangelischen Akademie Frankfurt. Foto: Ilona Surrey

„Eine alte Frau kommt nach dem Gottesdienst aus der Kirche. Sie schaut zur Turmuhr und sagt vor sich hin: Jetzt kann ich wieder laufen, jetzt kann ich wieder laufen. Der Pfarrer hört das und fragt: Sagen Sie, gute Frau, haben Sie gerade ein Wunder erlebt? Seien Sie froh und dankbar, dass Sie wieder laufen können! Nein, antwortet die Frau, ich habe kein Wunder erlebt. Wegen Ihrer langen Predigt habe ich den Bus verpasst, und jetzt kann ich wieder nach Hause laufen!“

Das ist ein typischer Witz, wie er gerne in kirchlichen Kreisen erzählt wird;  besonders unter Pfarrerinnen und Pfarrern. Im Kern überspitzten Witze Entwicklungen und machen Tendenzen sichtbar.

„Ein Pfarrer ärgert sich, dass so viele Leute zu spät zum Gottesdienst kommen und bringt an der Kirchtür ein Schild an: Wer zu spät kommt, stört! Am nächsten Sonntag muss er lesen, was jemand heimlich hinzugefügt hat: Aber er kommt!“

Die eigenen Gewissheiten in Frage stellen

Gute Witze gehen nicht auf Kosten anderer, sondern nehmen sich auf feine Art „selbst auf die Schippe“. Über sich selbst lachen zu können zeigt die Bereitschaft, auch mal eine andere Perspektive zu wählen als die eigene. Das ist eine Fähigkeit, die man in sektiererischen Gruppen nicht findet. Dass sie ihrer eigenen Organisation oder Dogmatik nicht mit Humor begegnen können, ist ein Kennzeichen von Sekten. Denn witzige Selbstironie ist immer auch eine Form, sich selbst und die eigenen Gewissheiten in Frage zu stellen. In Sekten dürfen Selbstzweifel aber nicht aufkommen.

Zum christlichen Glauben gehört der Zweifel aber ebenso dazu wie der Humor. Humor ist ja auch nicht die schlechteste Art, mit den Unzulänglichkeiten der Welt fertigzuwerden. Dabei geht es nicht darum, religiöse Gefühle von Gläubigen zu verletzen. Es gibt moralische und ethische Grenzen für Witzeleien. Schon Goethe schrieb: „Erlaubt ist, was sich ziemt“.

Religion muss Satire aushalten

Satire hingegen nimmt, wenn sie von außen auf eine Religionsgemeinschaft blickt, kaum Rücksicht auf die Gefühle der Gläubigen – frei nach dem Tucholsky-Motto: „Satire darf alles.“ Und das müssen Religionsgemeinschaften auch aushalten. Grenzen und Regeln, die eine Glaubensgemeinschaft sich selbst gibt, kann sie nicht Außenstehenden vorschreiben. Die Meinungsfreiheit ist in freiheitlichen Demokratien ein sehr hohes Gut. Schließlich war es auch die Erfahrung der Diktatur, die den Satz „Zensur findet nicht statt“ ins Grundgesetz brachte.

Kurz lässt es sich so auf den Punkt bringen: Die Kirche braucht Humor, die Gesellschaft braucht Satire. Beides sind Formen einer geistigen Auseinandersetzung mit wichtigen Themen, des öffentlichen Diskurses. Und beides trägt zur Meinungsbildung bei.

Musik „handgemacht“

Kurt-Helmuth Eimuth. Foto: Ilona Surrey

Man meint, dass es die Gethsemanegemeinde nicht erwarten kann. „Weihnachts-Ansingen“ – so ist das alljährliche Weihnachtskonzert am Dritten Advent im Nordend betitelt, am 14. Dezember, um 17 Uhr in der Eckenheimer Landstraße 90. Vor den bereits im Altarraum aufgestellten Weihnachtsbäumen musiziert dann das Gethsemane-Quartett, der Flötenkreis spielt als längeres Werk das Magnificat von Johann Pachelbel, und der Chor singt passend zum 25. Jahr des Mauerfalls ein Lied von Klaus Heizmann mit dem Text „Es war ein Tag der großen Wende“. Das ist Musik handgemacht, von Menschen, denen das Musizieren Freude bereitet, und die mit ganzem Herzen bei der Musik und dem bevorstehenden Fest sind. Und natürlich gibt es im Anschluss Tee und Plätzchen im neuen Gemeindesaal.

Von Bockenheim in den Dschihad

Von Kurt-Helmuth Eimuth – 22. November 2014

Warum werden Jugendliche aus Frankfurt fanatische Islamkämpfer und ziehen in den Krieg? Diskussion beim „Salon am Kirchplatz“ in der Gemeinde Bockenheim.

Ilyas Mec hat für die ARD die Dokumentation „Sterben für Allah?“ gedreht. Foto: Kurt-Helmuth Eimuth

„Von Bockenheim in den Dschihad“ – dieser Titel fasst die Geschichte des 16-jährigen Enes zusammen. Ein Jugendlicher aus dem Stadtteil, dessen Schicksal Ilyas Mec in einem halbstündigen Film dokumentiert hat. „Das Thema hat hier große Betroffenheit ausgelöst, weshalb wir heute aufklären wollen“, sagte Pfarrer Rüdiger Kohl zu Beginn des Abends. Das geschehe aber nicht in einer überheblichen Haltung: „Jede Religion kann missbraucht werden.“

Christamaria Weber vom Amt für multikulturelle Angelegenheiten führte aus, dass inzwischen zehn Frankfurter als Kämpfer gestorben sind. Vierzig Personen seien derzeit ausgereist, 18 davon seien durch die salafistische Koranverteilungs-Kampagne „Lies!“ angeworben worden. So erschreckend das sei, ist es doch nur ein winziger Teil der insgesamt 84?000 Muslime und Musliminnen, die in Frankfurt leben.

Radikalisierung geht extrem schnell

In der Diskussion wurde vor allem über die möglichen Motive der jungen Menschen diskutiert. „Was bewegt Menschen, sich einer Ideologie des Todes anzuschließen?“ fragte Ilona Klemens, Pfarrerin für interreligiösen Dialog. „Der Prozess der Radikalisierung geht so schnell, dass selbst Angehörige überrascht sind“, erläuterte der Filmemacher Mec. Es gebe in den Biografien fast immer Bereiche, wo diese jungen Menschen Orientierung brauchen. So habe Enes nach der Scheidung seiner Eltern „so eine Art Ersatzfamilie gesucht“. Es gebe aber auch den Salafismus als eine Art jugendlicher Protestkultur.

Christamaria Weber vom Amt für multikulturelle Angelegenheiten konnte auf die Präventionsmaßnahmen der Stadt und des Landes hinweisen. Foto: Kurt-Helmuth Eimuth

Der in Frankfurt vor fünf Jahren gegründete Rat der Religionen, dem neun Religionsgemeinschaften angehören, hat in einem Positionspapier den „religiös begründeten Extremismus“ bereits verurteilt. Trotzdem forderte Mec, die Moscheegemeinden mehr in die Pflicht zu nehmen.

Deutlich wurde, dass eine Ursache für die Attraktivität extremistischer Gruppen unter Jugendlichen die Erfahrung der Ausgrenzung ist. Gerade Jugendliche, die bereits in zweiter und dritter Generation in Deutschland leben, seien auch aufgrund ihrer Bildung hier hoch sensibel, sagte Christamaria Weber. So wurde eine deutsche Willkommenskultur gefordert. Weber verwies auf die Anstrengungen der Stadt: Sie bietet Schulungen für Lehrkräfte an, hat eine Beratungsstelle eröffnet und plant Maßnahmen zur Stärkung der Jugendarbeit in Moscheegemeinden.

Der Film „Sterben für Allah?“ von Ilyas Mec ist noch in der ARD-Mediathek zu finden.

„Gott nicht für Gewalt missbrauchen“

Von Kurt-Helmuth Eimuth – 1. November 2014

Beim zentralen Reformationsgottesdienst in der Katharinenkirche an der Hauptwache kritisierte der evangelische Frankfurter Stadtdekan Achim Knecht den Missbrauch von Religion.

Erstmals stand Stadtdekan Achim Knecht auf der Kanzel der Frankfurter Katharinenkirche. Foto: Kurt-Helmuth Eimuth

„Wir erleben im Nahen Osten, wie im Namen der Religion Gewalt verübt wird“, sagte Knecht in seiner Predigt. Die Gruppe „Islamischer Staat“ (IS) nehme Gott in Anspruch, um seine brutale Gewalt zu legitimieren.

Der Stadtdekan mahnte: „Menschen sollten sich nicht anmaßen den Willen Gottes auf ihrer Seite zu haben. Wir brauchen Gott nicht nachzuhelfen.“ Knecht forderte ein solidarisches Miteinander. Allerdings gäbe es keine Patentrezepte für das Zusammenleben in einer Gesellschaft.

Der neue evangelische Stadtdekan, der im September sein Amt angetreten hat, predigte erstmals in der Katharinenkirche. Wie Pröpstin Gabriele Scherle ankündigte, wird er künftig das zentrale Reformationsgedenken in Frankfurt verantworten.

Auszeichnung für Engagement gegen religiös-totalitäre Gruppen

Von Redaktion – 29. Oktober 2014

Der Leiter der Redaktion von „Evangelisches Frankfurt“, Kurt-Helmuth Eimuth, erhält für sein ehrenamtliches Engagement in der Sekteninformation und Selbsthilfe Hessen (SINUS) den Ehrenbrief des Landes Hessen.

Frankfurt: Kurt-Helmuth Eimuth Portrait Foto aufgenommen am 01.10.2013 Foto: Rolf Oeser

Kurt-Helmuth Eimuth erhält den Ehrenbrief des Landes Hessen. Foto: Rolf Oeser

Der ehemalige Weltanschauungsbeauftragte des Evangelischen Regionalverbandes gehört zu den Gründungsmitgliedern von SINUS. Der Verein berät und informiert seit zwanzig Jahren Angehörige und ehemalige Mitglieder von religiös-totalitären Gruppen wie Scientology oder auch verschiedenen Guru-Bewegungen.

„Gerade in einer Zeit der Auseinandersetzung mit dem Salafismus zeigt sich die Notwendigkeit einer solchen Arbeit, denn es gibt in der Motivation, sich solchen Gruppen anzuschließen, viele Parallelen“, sagt Eimuth. Nach seiner Erfahrung schlössen sich junge Menschen solchen Gruppen an, da zum einen ihr Ego dadurch subjektiv aufgewertet werde und zum anderen sie für ihr derzeitiges Leben keine Perspektive sähen. Hier ein Kommentar, den Eimuth darüber vor kurzem schrieb.http://www.evangelischesfrankfurtarchiv.de/2014/07/salafismus-ist-ein-soziales-problem/

Kurt-Helmuth Eimuth studierte in Frankfurt Erziehungswissenschaften, Theologie und Soziologie. Für Aufsehen sorgte vor allem seine Analyse der Situation der Kinder, die in Sekten aufwachsen. Hauptberuflich verantwortet Eimuth heute den Arbeitsbereich Kindertagesstätten des Diakonischen Werks des Evangelischen Regionalverbandes.

Der Ehrenbrief wird ihm am Donnerstag, 6. November, um 11 Uhr von Oberbürgermeister Peter Feldmann im Frankfurter Römer überreicht.

Mahnende Glocke der Erlöserkirche in Oberrad

Von Kurt-Helmuth Eimuth – 22. Oktober 2014

Die „kleine“ Glocke im Hof der Erlösergemeinde am Melanchthonplatz lädt zum Gedenken ein: Wie halb Oberrad wurde auch die Glocke im Zweiten Weltkrieg förmlich zerrissen. Jetzt mahnt sie stumm.

Sie wurde bei der Bombardierung Oberrads 1943 zerstört und mahnt jetzt im Hof der Erlösergemeinde gegen den Krieg: die kleine Glocke der alten Erlöserkirche.
Foto: Anne-Elisabeth Eimuth

Sie wurde bei der Bombardierung Oberrads 1943 zerstört und mahnt jetzt im Hof der Erlösergemeinde gegen den Krieg: die kleine Glocke der alten Erlöserkirche. Foto: Anne-Elisabeth Eimuth

Kirchenglocken sind imponierende Klangkörper. Man hört sie weithin. Nur zu sehen sind sie meist nicht, dazu müsste man in der Regel zahlreiche Treppen bis in die Kirchturmspitze erklimmen.

Nicht so in Oberrad. Im Hof der Erlösergemeinde am Melanchthonplatz ist eine zu sehen – beeindruckend, obgleich es sich nur um die „kleine“ Glocke handelt. Sie lädt zum Gedenken ein: Wie halb Oberrad wurde auch die Glocke im Zweiten Weltkrieg förmlich zerrissen.

Als am 4. Oktober 1943 die westliche Hälfte von Oberrad durch Brandbomben in Schutt und Asche gelegt wurde, brannte auch die in den Jahren 1912 bis 1914 erbaute frühere Erlöserkirche aus. Wenige Wochen später, am 18. März 1944, wurden Kirchenschiff und Turm mittels Sprengbomben in einen Steinhaufen verwandelt.

Die beschädigte „kleine Glocke“ diente dann bis zum Wiederaufbau der Erlöserkirche im Jahr 1956 als Geläut einer provisorischen Notkirche. Da sie nicht mehr geschwungen werden konnte, wurde sie mit einem Klöppel geschlagen.

Anschließend hat man die Glocke dann im Innenhof aufgestellt und ihr eine Inschrift gegeben: „1914 – 1956 – Ich rief zu Gott in zwei Kriegen, Not und Hungerszeit, jetzt mahn’ ich stumm“.

Kita-Erweiterung am Bornheimer Hang

Von Kurt-Helmuth Eimuth – 11. Oktober 2014

Der Kindergarten der Evangelischen Nord-Ost Gemeinde hat heute seine neuen Räume offiziell in Betrieb genommen. Sogar Oberbürgermeister Peter Feldmann war gekommen.

Oberbürgermeister Peter Feldmann lobte das Engagement des Investors und der Evangelischen Nord-Ost Gemeinde. Foto: Kurt-Helmuth Eimuth

Der Oberbürgermeister betonte die Bedeutung der Kinderbetreuungseinrichtungen für die Stadt. „Da wo Familien wohnen, müssen beide Eltern arbeiten. Deshalb brauchen wir qualifizierte Kindertagesstätten“, so Feldmann. da der Zuzug nach Frankfurt anhalte, benötige die Stadt ständig eine größere Anzahl von Kita-Plätzen „und vor allem Kitas, die besser ausgestattet sind.“

Den Kita der Nord-Ost Gemeinde hat die Justizbau-Genossenschaft für 750.000 € erweitert. Nun bietet die Einrichtung Platz für 40 Kinder von 0 bis 6 Jahren. Durch einen Anbau konnte die Grundfläche von 112 Quadratmeter auf 260 Quadratmeter mehr als verdoppelt werden.

Hell und angenehm groß sind die neuen Räume der Kita. Foto: Kurt-Helmuth Eimuth

Dankbar für den Frieden sein

Von Kurt-Helmuth Eimuth – 4. Oktober 2014

Hilflos, sprachlos und atemlos verfolgt man derzeit die Nachrichten. Kann es wirklich sein, dass die Welt 100 Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs und 75 Jahre nach dem deutschen Überfall auf Polen so aus den Fugen gerät? Hat denn niemand etwas gelernt?

Kurt-Helmuth Eimuth ist Leiter der Redaktion von „Evangelisches Frankfurt“. Foto: Rolf Oeser

Überall scheint es „bewaffnete Konflikte“ zu geben, wie Krieg oft verniedlichend genannt wird: Gaza, der schon so lange andauernde Kampf zweier Völker, die seit Generationen ineinander verhakt sind. Syrien und Irak, die schreckliche Invasion von Terroristen, die einen Gottesstaat errichten wollen. Die inzwischen nicht mehr heimliche Annexion der Ukraine. Gewalt, Tod und Vertreibung sind die Folge des Krieges. Alleine in Syrien sollen sechs Millionen Menschen auf der Flucht sein. Vierzig „gewaltsame Auseinandersetzungen“, also Kriege, soll es derzeit auf der Welt geben.

Angesichts all dieser Gewalt können wir in Deutschland dankbar auf die letzten Jahrzehnte zurückschauen. Dankbar als Nachkriegsgeneration, dass wir in Frieden aufgewachsen sind und bis heute leben. Dankbar auch für ein geeintes Europa. Viele haben es im Sommerurlaub genossen: Ob man von Deutschland aus nach Schweden, Österreich oder Ungarn fährt – man muss schon genau aufpassen, um zu bemerken, wann man die Staatsgrenze passiert. Europa ist zusammengewachsen, und das ist gut so.

Das Erntedankfest am 5. Oktober ist ein guter Anlass, uns an all das zu erinnern. Dank zu sagen für den Frieden, der immer und überall die erste Voraussetzung für ein Leben in Freiheit, Wohlstand und seelischer Unverletztheit ist. Deshalb muss Friedenspolitik in allen internationalen Konflikten immer die höchste Priorität haben. Über den Weg, wie bedrohten Menschen zu helfen ist, ist zu diskutieren. Die Völkergemeinschaft muss die Terroristen des IS stoppen. Und dabei gerät man immer in ein moralisches Dilemma: Wenn man militärisch eingreift, wird man schuldig, wenn man dem Massenmord tatenlos zuschaut, wird man es ebenfalls.

Wichtig ist jedoch, bestmöglich die Verantwortung zu übernehmen und sich Entscheidungen niemals leicht zu machen. Die Debatte muss intensiv, aber ohne Häme geführt werden. Und es darf keine isolierte Diskussion über militärische Maßnahmen sein, sondern sie muss immer einhergehen mit der Frage, wie wir als Deutsche humanitär helfen können. Die Aufnahme von Flüchtlingen zum Beispiel ist eine solche humanitäre Maßnahme. Und zwar eine, die wir sofort umsetzen können.

Die EF-Redaktion

Frankfurt, 30.09.2014, Gruppenfoto der Redaktion Evangelisches Frankfurt Foto: Rolf Oeser

Von links nach rechts: Stephanie von Selchow, Kurt-Helmuth Eimuth, Wilfried Steller, Antje Schrupp, Ralf Bräuer, Anne Lemhöfer. Foto: Rolf Oeser

Kurt-Helmuth Eimuth (E-Mail)

  • Pädagoge und Publizist
  • geboren 1954 in Frankfurt am Main
  • Studium der Erziehungswissenschaften, der Ev. Theologie und Soziologie
  • seit 1998 für die Herausgabe im Sinne des Presserechts verantwortlich, hautberuflich Leiter des Arbeitsbereichs Kindertagesstätten im Diakonischen Werk für Frankfurt des Evangelischen Regionalverbandes

Dr. Antje Schrupp (E-Mail)

  • Journalistin und Politologin
  • geboren 1964 in Weilburg
  • Studium der Ev. Theologie, Philosophie und Politikwissenschaft in Frankfurt
  • seit 1989 Redakteurin bei der Ev. Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt
  • seit 2000 geschäftsführende Redakteurin bei “Evangelisches Frankfurt”

Ralf Bräuer (E-Mail)

  • Pfarrer und Kommunikationswirt
  • geboren 1961 in Braunschweig
  • Studium der Ev. Theologie in Marburg, Mainz und Frankfurt
  • 1993-1996 Pfarrer in der Ev. Dornbuschgemeinde
  • 1997-2001 Projektmanager bei der Kommunikationsinitiative “Brücken bauen” der EKD
  • seit 2002 Leiter der Evangelischen Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt am Main

Anne Lemhöfer

  • Journalistin und Soziologin
  • geboren 1978 in Frankfurt am Main
  • Studium der Soziologie und Skandinavistik in Frankfurt und Falun (Schweden)
  • 2005 Volontariat bei der Frankfurter Rundschau
  • seit 2007 FR-Redakteurin mit den Schwerpunkten Hochschule, Kultur und Reportage sowie freie Autorin  für den Reiseteil der ZEIT, die Magazine NEON und Publik Forum und andere

Stephanie von Selchow

  • Journalistin und Bibliothekarin
  • geboren 1963 in Essen
  • Studium der Germanistik, Hispanistik in Bonn und Salamanca
  • 1991-1993 Volontariat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Econ-Verlag Düsseldorf
  • seit 1995 freie Journalistin mit Schwerpunkt Kinderliteratur, Literatur und soziale Themen
  • seit 2006 Aufbau und Leitung der Grundschulbibliothek der Europäischen Schule Frankfurt
  • Herbst 2010: Verkürzte bibliothekarische Lehre mit Abschluss FaMI (Fachangestellte Medien- und Informationsdienste

Wilfried Steller (E-Mail)

  • Pfarrer
  • geboren 1953 in Alsfeld/Oberhessen
  • 1972 bis 1979: Studium der Evangelischen Theologie in Marburg und Tübingen
  • 1980 bis 1983: Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Augsburg
  • 1984 bis 1985: Vikar in der Ev. Dornbuschgemeinde Frankfurt
  • 1985 bis 1987: Pfarrer in der Ev. Weißfrauengemeinde Frankfurt
  • seit 1987 Pfarrer der Ev. Glaubenskirchengemeinde Frankfurt, seit 2007 Kirchengemeinde Fechenheim

Weitere Autorinnen und Autoren

  • Doris Stickler
  • Susanne Schmidt-Lüer
  • Anne-Rose Dostalek
  • Lieselotte Wendl
  • Joachim Schreiner
  • Regina Busch
  • Gisela Pagés
  • Silke Kirch

Fotografinnen & Fotografen

  • Rolf Oeser
  • Ilona Surrey

Wenn Betteln organisiert wird, ist das für Städte ein Problem

von Kurt-Helmuth Eimuth 29. September 2014

„Bild“ spricht vom „Bettlerkrieg“ auf der Zeil. Es gebe ein Gerangel um die besten Plätze, und selbst Passanten würden angegriffen. In Norwegen will man das Betteln gar ganz verbieten. Städte wissen sich gegen das organisierte Betteln offenbar nicht anders zu helfen.

Nicht alle betteln freiwillig, manche werden abends abkassiert. Wie hoch das Ausmaß der organisierten Ausbeutung ist, ist jedoch Spekulation. Foto: Rolf Oeser
Nicht alle betteln freiwillig, manche werden abends abkassiert. Wie hoch das Ausmaß der organisierten Ausbeutung ist, ist jedoch Spekulation. Foto: Rolf Oeser

Das Geben von Almosen gehört schon immer zur christlichen Tradition, die Unterstützung der Armen ist gute Praxis auch im Judentum und im Islam. Menschen in Not gilt es zu unterstützen, ihnen soll man helfen, da sind sich alle Religionen einig.

In der Folge – sozusagen die Kehrseite der Medaille – fordern arme Menschen die „milden Geben“ auch selbst ein, sie betteln. Dies und selbst die Zurschaustellung von Elend müsse man ertragen, urteilte in den 1970er Jahren das Verfassungsgericht. Der Bettler, der stumm an der Ecke sitzt, dürfe nicht vertrieben werden.

Der schweizerische Reformator Johannes Calvin hingegen setzte erstaunlicherweise schon vor 500 Jahren in Genf ein striktes Verbot des Bettelns durch. Jeder müsse von seiner Arbeit leben können, meinte Calvin. Und wenn das nicht gegeben sei, müsse er Zuwendungen bekommen. Deshalb wird in jedem Gottesdienst mit dem Klingelbeutel für diakonische Aufgaben gesammelt. Gottesdienst feiern und an die Armen denken gehören also untrennbar zusammen.

Doch spätestens seit Brechts Dreigroschenoper ist bekannt, dass Betteln eben auch organisiert wird. „Manche müssen das Geld, dass sie erbetteln, abgeben“, sagt Bettina Bonett, Straßensozialarbeiterin bei der Obdachlosenhilfe „Weser 5“. „Neulich habe ich beobachtet, wie ein Typ zwei Frauen richtig verfolgt hat, damit sie ihm das Geld geben“, erzählt sie.

„Zahlen über das Ausmaß des organisierten Bettelns gibt es nicht, nur subjektive Empfindungen“, sagt Ralph Rohrer vom Frankfurter Ordnungsamt. Doch immer mehr Zeitungen haben in letzter Zeit über das Phänomen berichtet: Die Banden seien straff organisiert, holten Menschen aus osteuropäischen Staaten mit falschen Versprechungen in den Westen, die dann in den Fußgängerzonen systematisch zum Betteln eingesetzt würden. Der Gewinn sei beträchtlich. Es wird geschätzt, dass jeder Bettler, jede Bettlerin 100 Euro am Tag einbringen muss. Die Banden operierten europaweit.

„Geben Sie nur dem Bettler ihres Vertrauens etwas“, rät Rohrer. Der Mann vom Ordnungsamt meint jene, die schon seit Jahren am selben Platz sitzen, die sozusagen persönlich bekannt sind. Oder man verweist an das Diakoniezentrum „Weser 5“. Für 1,50 Euro bekommt man dort ein Mittagessen. Bettina Bonett verteilt statt Geld manchmal Essensgutscheine.