Seit 25 Jahren betreibt der Frankfurter Theologe und Schriftsteller Georg Magirius seine „Heilspraxis“, in der er Menschen durch Spaziergänge und Gespräche zum Nachdenken anregt. In seinem neuen Buch präsentiert er nun „Zehn Perlen der Bibel“ – ein Werk, das sich der Kategorisierung als klassischer Ratgeber oder reines Andachtsbuch entzieht. Magirius möchte biblische Bilder nicht lediglich theoretisch auslegen, sondern sie, wie er es im Podcast Conny&Kurt formuliert, „auf die Perle bringen“.
Zentrales Motiv seines Denkens ist die Bewegung. Für Magirius ist die Heilige Schrift im Kern ein „Wanderbuch“ voller Geschichten des Aufbruchs. In der zehnten Perle der Weisheit formuliert er radikal: „Wenn alles am Ende ist, geht es weiter“. Selbst die „allerletzte geheimnisvollste Grenze“ sei kein Schlusspunkt, sondern ein neuer Anfang. Diese Zuversicht speist sich aus einfachen Naturbeobachtungen: Dass die Sonne jeden Morgen aufgeht, ohne dass der Mensch etwas dafür tun muss, bezeichnet er als „unglaubliches Geschenk“ und zugleich als eine „Provokation“ für unsere moderne Macher-Mentalität.
Die nötige Glaubwürdigkeit gewinnt der Autor dabei aus einer konsequenten Subjektivität. Anstatt sich hinter theologischen Abhandlungen zu verstecken, setzt er auf das persönliche Zeugnis: Er könne biblische Worte nur dann glaubhaft weitergeben, wenn er von sich selbst erzähle. Erst durch das Zeigen der eigenen Wunden könne wahre Menschlichkeit entstehen. Ob es um die Heilung der blutflüssigen Frau oder die „Qualität der Berührung“ geht – Magirius sucht stets den lebendigen, existentiellen Kern der Sprache. Sein Buch richte sich daher an „jeden und jede“, die bereit sind, sich von der verwandelnden Kraft biblischer Bilder „mitreißen“ zu lassen.
Angesichts globaler Krisen fordert Manfred Rekowski, der von 2013 bis 2021 als Präses (Bischof) die Geschicke der Rheinischen Kirche leitete, im Podcast Conny&Kurt eine Rückbesinnung auf die Friedensethik, ohne in naiven Pazifismus zu verfallen. Mit Verweis auf die Barmer Erklärung und Dietrich Bonhoeffer spricht er von notwendiger „Schuldübernahme“. Wer Gewalt anwende, um Opfer zu schützen, werde schuldig – wer sie jedoch unterlasse und die Opfer den Aggressoren überlasse, ebenso. „Jede Anwendung von Gewalt ist eben Schuldübernahme“, so Rekowski, der mahnt, stets eine opferorientierte Perspektive einzunehmen, da es in kriegerischen Konflikten letztlich nur Verlierer gebe.
Manfred Rekowski,, ist ein Wanderer zwischen den Welten. Geboren in Masuren, geprägt durch den Umzug ins Ruhrgebiet und schließlich ins Rheinland, sieht er sich heute als jemanden, der früh „gelernt hat, mit Veränderung zu leben“. Der „Altpräses“ blickt auf eine Institution, die sich zwischen Mitgliederschwund und technologischem Wandel neu erfinden muss.
Rekowski mahnt zur Gelassenheit gegenüber zentralistischen Reformen. Fusionen seien keine Patentlösung: „Bindungskraft entwickeln nach meiner Wahrnehmung nicht neu entstehende Rechtsträger (…), sondern Bindungskraft haben Menschen oder Gebäude oder Themen“. Statt „normierter Einheitsgemeinden“ fordert er Lösungen, die dem lokalen Kontext gerecht werden. Auch bei der Digitalisierung warnt er vor bürokratischem Größenwahn. Statt teurer, eigens entwickelter Finanzsoftware plädiert er für handelsübliche Programme: „Die ganz großen Lösungen, die sind auch manchmal ganz schön teuer“.
Zur Person: Manfred Rekowski war von 2013 bis März 2021 Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Dass er einmal oberster Repräsentant der zweitgrößten EKD-Gliedkirche werden würde, war dem am 11. Februar 1958 in Polen geborenen Wahl-Wuppertaler nicht in die Wiege gelegt. „Wahrscheinlicher war damals, dass ich Landwirt in den Weiten Masurens werde“, sagt Rekowski. Aber als der Junge fünf Jahre alt ist, verlässt seine Familie ihren Bauernhof und siedelt in die Bundesrepublik über. Erste Stationen dort sind Gladbeck und Honrath im Rhein-Sieg-Kreis.
„Ich habe erlebt, dass das Leben, das einem so vertraut erscheint, immer auch ganz anders sein kann – und das von jetzt auf gleich“, resümiert der frühere Präses. „Während wir auf dem kleinen Bauernhof in Polen gelebt haben, gehörten wir als Deutschstämmige zu einer Minderheit. Dann zogen wir nach Deutschland, wohnten mit sechs Personen in einer Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung, und ich erlebte auf der Straße und dem Schulhof, dass ich ob meines Dialekts doch wieder der Pole war. Diese Erfahrung hat sich mir sehr eingeprägt und mir jede strukturkonservative Grundhaltung ausgetrieben.“
Manfred Rekowski war seit dem Jahr 2011 hauptamtliches Mitglied der Kirchenleitung. Er leitete von 2011 bis zu seiner Wahl zum Präses 2013 als Oberkirchenrat die Personalabteilung im Landeskirchenamt.
Als Barmer Superintendent hat er daran mitgewirkt, dass durch die Schenkung eines Teils des Grundstücks der Gemarker Kirche an die Jüdische Kultusgemeinde der Neubau der Bergischen Synagoge möglich wurde – am historischen Ort der Barmer Theologischen Erklärung.
Die Umbrüche auch der Kirche in seiner strukturschwachen Heimatstadt Wuppertal haben ihn geprägt: „Aufgrund der stark rückläufigen Mitgliederentwicklung mussten wir deutlich sparen. Aber wir haben mehr gespart als wir mussten, damit wir auch neue Akzente setzen konnten“, beschreibt Rekowski zum Beispiel den Ausbau der Citykirchen-Arbeit. „Mir geht es darum, den Menschen neue Türen zum alten Haus Kirche zu öffnen.“
Wer mit Manfred Rekowski zusammenarbeitet, schätzt seine Verlässlichkeit, seine Bereitschaft, erst einmal zuzuhören, und seine seelsorgliche Nähe. Der Altpräses der Evangelischen Kirche im Rheinland gilt als zurückhaltend und ruhig. Wer aber einmal mit ihm bei einem Spiel von Borussia Dortmund war, weiß: Der Fußballfan, der seit den Zeiten von Tilkowski, Emmerich und Held „schwarz-gelb gefärbt“ und seit dem Jahr 2000 Mitglied beim BVB ist, kann auch anders…
Das Jahr 2026 markiert einen Wendepunkt, der in seiner Intensität kaum zu überbieten ist. Bereits im Januar konstatierte die Sozialministerin Bärbel Bas, dass die ersten 15 Tage des Jahres weltpolitisch das Gewicht von 15 Jahren trugen. Conny&Kurt schauen indes persönlich durchaus zufrieden auf 2025 zurück. Es zeigt sich allerdings ein tiefgreifender Riss zwischen der Stabilität des deutschen Sozialstaates und einer erodierenden Weltordnung.
Während sich im Inneren Errungenschaften wie das Deutschlandticket als „Segen der Daseinsfürsorge“ etabliert haben ,blickt die Welt auf ein Washington, das zunehmend Züge des Absolutismus trägt. Die Rede ist von einem „Kindergarten im Weißen Haus“, in dem Donald Trump seine Minister wie Kinder behandelt und goldene Ballsäle in einer Manier errichtet, die an Ludwig XIV. erinnert. Doch hinter der bizarren Fassade steht eine harte „Weltordnung der Starken“, getrieben von den Interessen großer Militärblöcke und Akteuren wie Elon Musk, dessen Kapital die eigentlichen Drahtzieherrollen besetzt,.
Besonders besorgniserregend bleibt die Abkehr von moralischen Standards. Die geopolitische Architektur basiert zunehmend auf Gewalt statt auf Recht, was sich in der Eskalation in Venezuela und der massiven Steigerung des US-Militäretats auf 1,5 Billionen Dollar manifestiert. Gleichzeitig wird der Klimawandel, trotz der wärmsten Jahre seit der Industrialisierung, politisch oft ignoriert.
In Deutschland hingegen zeigt sich die Wirtschaft inmitten der Transformation gespalten: Während Traditionsbetriebe unter dem Druck der Veränderung leiden, gelingt Konzernen wie BMW durch Dreisäulenmodelle und Elektrifizierung der Sprung in die Zukunft. Am Ende bleibt für 2025 eine skeptische Dankbarkeit: „Wir klagen auf hohem Niveau, während die nächste Generation vor einer ungewissen Zukunft steht“.
Die Verheißung des Neuen: Zwischen Bibelsprüchen und digitaler Überforderung
In einer Zeit, in der politische Reformversprechen und technologische Umwälzungen den Alltag prägen, wirkt die biblische Jahreslosung „Siehe, ich mache alles neu“ gleichermaßen wie ein Heilsversprechen und eine Überforderung. Wolfgang Weinrich, Chefredakteur aus Darmstadt, mahnt in einem aktuellen Diskurs zur Vorsicht gegenüber einer bloßen Rhetorik der Erneuerung. Solche Sprüche könnten einen „erschlagen“, wenn ihnen keine Taten folgen; er warnt davor, lediglich „Sprüche zu kloppen“.
Besonders deutlich wird die Ambivalenz des Neuen im Bereich der Digitalisierung. Während Orte wie Aarhus als vollkommen digitalisierte Städte voranschreiten, fühlen sich viele Bürger – insbesondere die ältere Generation – von der Geschwindigkeit der Veränderungen entfremdet. Die digitale Teilhabe werde zur Frage der staatlichen Daseinsfürsorge, doch oft bewirke das Neue eher einen Ausschluss. Weinrich betont hier die Notwendigkeit einer inneren Haltung: Es gelte, zu sortieren und sich „nicht selbst aussortieren oder aussortieren zu lassen“.
Scharfe Kritik übt Weinrich an der Institution Kirche, die sich in ihre eigene „Babbel“ zurückgezogen habe. Statt die Sehnsüchte der Menschen dort aufzugreifen, wo sie sich versammeln – etwa bei öffentlichen Veranstaltungen wie dem Darmstädter Turmblasen –, verharre man in überkommenen Formen und einer „verkappten alten Kirchenmusik“. Die Kirche agiere oft als „reiner Selbstzweck“ und verpasse die Chance, sich dem „Eventmarkt“ oder dem realen Leben in Kneipen und auf Plätzen zu öffnen.
Weinrichs Plädoyer ist ein Aufruf zur Neugier und zum Handeln: „Nicht zu lange fragen, dürfen wir das oder dürfen wir nicht – sondern machen“. Nur durch das Durchstoßen der eigenen Blase und eine generationenübergreifende Offenheit könne eine Gesellschaft lebendig bleiben. Erneuerung sei zwar mühsam und anstrengend, aber essenziell, um nicht wie ein „behebiger Teich“ zu stagnieren.
Man könnte sagen: „Wer nur auf das Echo in der eigenen Halle wartet, wird den Gesang der Welt draußen niemals hören.“