Archiv für 12. April 2026

Evangelische Zeitung berichtet (12. April 2026)

Überlebenskampf im Schatten der Weltöffentlichkeit: Die vergessene Krise im Sudan

Seit April 2023 versinkt der Sudan in einem verheerenden Machtkampf zwischen der regulären Armee und den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF). Was als gescheiterte Integration von Truppenteilen begann, hat sich zur derzeit größten humanitären Katastrophe weltweit ausgeweitet. Rund 13,5 Millionen Menschen sind auf der Flucht, während strukturelle Armut und die Folgen des Klimawandels die Not massiv verschärfen.

Inmitten der Kämpfe, die das Land faktisch in einen von der Armee kontrollierten Norden und Osten sowie einen von der RSF dominierten Westen und Süden gespalten haben, bleibt der Zugang für internationale Helfer aufgrund bürokratischer Hürden und extremer Unsicherheit prekär. „Das Land ist weitgehend abgeschottet“, konstatiert Martin Keßler, Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe im Podcast Conny&Kurt. Angesichts dieser Blockaden setzt die Organisation auf einen „lokal geführten Ansatz“: die sogenannten Emergency Response Rooms.

Dieses Netzwerk aus rund 700 Initiativen organisiert in Eigenregie Suppenküchen, Kliniken und psychosoziale Hilfe direkt in den Nachbarschaften. Durch dieses System der „gegenseitigen Hilfe“ (Mutual Aid) fließen Gelder direkt an lokale Freiwillige, was eine Effizienz von bis zu 95 Prozent ermöglicht. Dennoch droht dieses Engagement an schwindenden Mitteln zu scheitern: Während der Bedarf wächst, haben institutionelle Geber wie die USA und Deutschland ihre Budgets massiv gekürzt. Keßler warnt eindringlich vor einer „vergessenen Katastrophe“, während regionale Akteure wie Ägypten, die Emirate und Äthiopien den Konflikt durch eigene Machtinteressen weiter befeuern.

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Zur Person:
Martin Keßler ist 1963 in Pforzheim geboren. Seit dem 1. August 2011 leitet er die Diakonie Katastrophenhilfe. Martin Keßler ist studierter Agraringenieur und arbeitete zunächst als Berater in der Abfallwirtschaft. Seit 2001 war er für verschiedene humanitäre Hilfsorganisationen in Afrika, Indien und Pakistan im Einsatz – zuletzt als Projektkoordinator der Welthungerhilfe in Kenia. Seit Anfang 2011 verantwortete er für die Diakonie Katastrophenhilfe Projekte im Sudan, Indonesien, auf den Philippinen und in Europa, bevor er Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe wurde.

Vom Weinen zum Werden: Die österliche Dialektik der Krise

In einer Zeit, die von multiplen globalen Erschütterungen geprägt ist, gewinnt das christliche Osterfest eine neue, fast säkulare Dringlichkeit als Chiffre für gesellschaftliche und persönliche Transformationsprozesse. Wie aus einem Gespräch zwischen Conny von Schumann und Kurt-Helmuth Eimuth in ihrem Podcast hervorgeht, ist die Osterbotschaft untrennbar mit dem Konzept des Neuanfangs aus der tiefsten Krise heraus verbunden.

Bereits die Etymologie des Gründonnerstags verweist auf diesen schmerzvollen Ursprung: Der Name leite sich nicht von der Farbe Grün ab, sondern vom althochdeutschen „kreinen“, dem Weinen über den bevorstehenden Kreuzigungstod Jesu. Dieser Fokus auf das Leid ist jedoch kein Selbstzweck. Vielmehr stecke, frei nach Hermann Hesse, in jedem Ende das Geheimnis eines Neuanfangs. Während Veränderungen in Phasen des Glücks selten initiiert werden, fungiere die Krise als notwendiger Katalysator für lebensverändernde Entwicklungen.

Diese theologische Beobachtung lässt sich bruchlos auf die aktuelle Weltlage übertragen. Die gegenwärtige Energiekrise – verschärft durch die Abhängigkeit von Drittstaaten – wird als ein solcher „Verstärkereffekt“ begriffen, der die Transformation zu erneuerbaren Energien beschleunigen könnte. Ähnlich wie die Corona-Pandemie etablierte Prozesse aufbrach, zwingt die Ressourcenknappheit nun zu einer politischen Neuausrichtung, die auch unpopuläre Debatten um Tempolimits oder die Suffizienz im Alltag, metaphorisch als „Waschlappen-Diskussion“ bezeichnet, neu entfacht.

Besonders eindringlich wird die Auseinandersetzung dort, wo sie die Grenze des Physischen berührt. Der Tod des eigenen Bruders dient Conny als Ausgangspunkt für eine Kritik an der modernen Apparatemedizin, die am Lebensende oft die Würde des Individuums hinter lebensrettende Maßnahmen zurückstelle. Dem entgegengesetzt wird die religiöse Hoffnung auf ein Fortbestehen der Existenz, ein „anderes Dasein“. Ob man dabei das Bild der 26 Gramm schweren Seele bemüht oder das ewige Leben als Fortwirken in der Erinnerung der Nachkommen begreift, bleibt eine individuelle Entscheidung.

Letztlich leistet die Religion hier, was humanistische Ansätze nur bedingt vermögen: Sie bietet eine Antwort auf die finale Frage nach dem „Wohin“. Das Osterfest wird so zu einem Plädoyer für eine Hoffnung, die den Menschen nicht einengt, sondern ihn, wie es im Gespräch resümiert wird, „zum Leben befreit“. In einer Welt der Bedrohungen bleibt diese Befreiung die zentrale Verheißung der Feiertage.