Archiv für Presse

Der „Nicht ganz Ruheständler“

von Bettina Behler 25. Juni 2020

Der Pädagoge und Publizist Kurt-Helmuth Eimuth verabschiedet sich aus dem hauptamtlichen Dienst, vielfältig engagiert wird er bleiben.

Kurth-Helmuth Eimuth verabschiedet sich fürs Erste digital I Foto: privat
Kurth-Helmuth Eimuth verabschiedet sich fürs Erste digital I Foto: privat

„Sich einzumischen“, ob im Abschiedsvideo, aufgenommen anlässlich des Beginns seines Ruhestandes am 1. Juli, oder im Gespräch: Kurt-Helmuth Eimuth gebraucht diesen Begriff wiederholt, wenn es darum geht zu beschreiben, was ihm in seinen 40 Jahren als Hauptamtlicher des Evangelischen Regionalverbandes wichtig war. Zuletzt leitete der 66-Jährige den Arbeitsbereich Kindertagesstätten des Diakonischen Werks für Frankfurt und Offenbach, die Leitung der Erzieherinnenschule der Diakonissen im Holzhausenviertel war eine Station davor, auch der hiesigen Evangelischen Öffentlichkeitsarbeit stand der waschechte Frankfurter, aufgewachsen im Stadtteil Bockenheim, schon vor. Pädagoge und Publizist – beides prägt sein Schaffen.

Viele kennen Kurt-Helmuth Eimuth auch als „Sekten-Eimuth“, wie er selbstironisch sagt. Der Evangelische Regionalverband beauftragte ihn mit der Arbeitsstelle für Weltanschauungsfragen, zusammen mit seinem katholischen Kollegen Lutz Lemhöfer sorgte er in den 1980er und 1990er Jahren in Frankfurt für Aufklärung, wenn es um spirituelle Splittergruppen unterschiedlicher Couleur ging. Und nicht nur in der Region, bundesweit wurde Eimuth als Experte gefragt, wenn Informationen zu sektiererischen Seelenfängern gefragt waren. Eimuths Wissen – auch zu dem Thema – ist enorm. Besorgte Eltern, Institutionen, Medien ließ er an seinen Kenntnissen teilhaben.

In seinem Abschiedsvideo, anzuschauen auf www.eimuth.de, tauchen Beispiele seiner TV-Auftritte auf. Er war bei allen Talk-Sendungen jener Zeit Gast. Ob im Sat.1 Talk oder mit hr-Urgestein Holger Weinert: Eimuth zeigt wechselnde Brillen, mal rundgefasst, mal dick gerahmt, mal Glas und Draht pur, „immer vom selben Optiker“. Sein Ansatz blieb über die Jahre Haltung zeigen – und Engagement für die Menschen. Aufgrund der Corona-Krise fällt der Abschiedsempfang für Eimuth aus, ansonsten wäre von beidem sicher in mancherlei Ansprache die Rede gewesen. So berichtet er per Handyaufnahme von seiner Berufsvita. Zu Hause hat er sie aufgenommen. Das Bücherregal quillt über, CDs reihen sich ein, dazwischen sitzt aus Plüsch die Maus, bekannt aus der nach ihr benannten Sendung. Passt alles.

Eine wilde Lockenpracht trug Kurt-Helmuth Eimuth zu den Zeiten, als er nach dem Zivildienst in der Evangelischen Kirchengemeinde Cantate Domino vom Frankfurter Stadtjugendpfarrer Martin Jürges gewonnen wurde. 1976, schon vor dem Pädagogik-Diplom, das er 1982 ablegte, begann Kurt-Helmuth Eimuth sich vom Nordend aus einzumischen „für Kinderrechte, für Jugendliche“. Eher im Alternativmilieu sei er angesiedelt gewesen, die Rockergangs, auf die er im Umfeld von Cantate Domino stieß, seien nicht so seins gewesen, bekennt er offen.

Kurz bevor er 2001 zur Erzieherinnenschule wechselte, betreute Eimuth noch seitens der Evangelischen Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt einen Auftritt beim Deutschen Evangelischen Kirchentag, der damals ebenfalls am Main stattfand. Gerne erinnert er sich an das Bühnenprogramm an der Hauptwache „und als Highlight eine Oldtimer Straßenbahn, die wir extra haben umspritzen lassen und mit der wir moderierte Stadtrundfahrten zwischen Messegelände und Zoo machten“. Neu zu denken, das hilft ihm bis heute.

Seine Frau Marion, eine Theologin, mit der Eimuth seit 39 Jahren verheiratet ist, erlitt vor fünf Jahren einen Schlaganfall. Beider Bereitschaft die Welt neu zu gestalten, andere Wege einzuschlagen, sich nicht zurückzuziehen, kam ihnen in den vergangenen Jahren zugute. Ihr gemeinsames Ziel: Die „Kommunikation mit dem Evangelium ermöglichen, Glauben erfahrbar zu machen“.

Gemeinsam haben die zwei einige Pläne, wenn der offizielle Dienst jetzt endet. Aber auch die Evangelische Kirche in Frankfurt und Offenbach muss nicht ganz auf Kurt-Helmuth Eimuth verzichten: neben Lehraufträgen in der Erzieherinnenausbildung sowie an der Hochschule und Ehrenämtern, zum Beispiel im Vorstand des Institutes für Medienpädagogik und Kommunikation Hessen e.V., wird er der Mitgliederzeitung der hiesigen Kirche, dem Evangelischen Frankfurt und Offenbach, kurz EFO-Magazin, als Redakteur erhalten bleiben. Und sich gewiss weiter mit Geschichten und Kommentaren einmischen.

Medien aktiv und kreativ nutzen

Von Redaktion – 27. März 2015

Medienkompetenz und Medienschutz standen im Mittelpunkt eines Fachtages zum Thema „Medien, die geheimen Erzieher“ der Diakonie Frankfurt. „Kinder wachsen von Beginn an in eine stark durch Medien beeinflusste Umwelt hinein“, sagte Kurt-Helmuth Eimuth, der Leiter des Arbeitsbereichs Kindertagesstätten. „Angesichts einer kaum noch zu überblickenden Flut medialer Angebote sind viele Eltern verunsichert, gerade in den ersten Lebensjahren der Kinder.“ Welche Medien sind angemessen und wie viel Medienzeit in welchem Alter sinnvoll?

Wichtig sei es dabei, selbst ein Vorbild zu sein. Das Verteufeln oder Verbieten von Medien helfe nicht. Medienkompetenz bedeute vielmehr, Medien kreativ und aktiv zu nutzen. Also nicht Stunden damit zu verbringen, beim Computerspiel das nächsthöhere Level zu erreichen, sondern zum Beispiel mittels einer speziellen App selbst Musik zu komponieren. Oder nicht einfach nur immer Filme anzuschauen, sondern auch mal selbst einen Film zu erstellen.

Damit Kinder diese Art von Medienkompetenz erwerben, bedürfe es geschulter Fachkräfte, weshalb die Diakonie Frankfurt bereits über zwanzig medienpädagogische Fortbildungen in ihren Kitas durchgeführt hat. Schließlich hebt auch der neue Rahmenlehrplan für die Erzieherinnenausbildung Medienerziehung als Querschnittsaufgabe besonders heraus.

Beitrag von Redaktion, veröffentlicht am 27. März 2015 in der Rubrik Lebenslagen, erschienen in der Ausgabe 2015/2 – April.

Eine Kita aus Modulen

2,8 Millionen Euro kostete der Neubau der Kindertagesstätte „Elisabeth“ des Diakonischen Werks Frankfurt des Evangelischen Regionalverbandes. Gestern wurde die Einrichtung offiziell eröffnet.

Die großzügig gestalteten Fensterfronten lassen viel Tageslicht in die Kindertagesstätte (Kita) „Elisabeth“ in der Dürkheimer Straße 35. Hell und freundlich sind die Räume in Inneren, bieten viel Platz für Bewegung und Kommunikation, nicht nur zwischen den Kindern, sondern auch zwischen den Eltern und den Pädagogen der Einrichtung. Gestern wurde die Kita offiziell eingeweiht.

Der Träger ist das Diakonische Werk Frankfurt des Evangelischen Regionalverbandes. 2,8 Millionen hat der Neubau gekostet. Das Besondere dabei ist, dass das zweigeschossige Gebäude in Modulbauweise errichtet wurde. Die Planung und Entwicklung hierfür geht zurück auf den Architekten Ferdinand Heide. „Die Fragestellung war, wie es gelingen kann, eine Kita einfacher, schneller und wirtschaftlicher zu bauen“, sagt Heide. „Der erste Schritt in der Entwicklung war die Herausarbeitung von Modulen, die in jeder Kita gleich sind wie Gruppen-, Ruhe- und Bewegungsräume“, schildert er weiter. Bei der Planung sei es außerdem wichtig gewesen, sich mit den verschiedenen Stellen abzustimmen etwa dem Brandschutz. „Herausgekommen ist ein System, das an vielen Orten einsetzbar ist“, betont Heide. In Fechenheim sei es bereits realisiert worden. „Auch die Stadt hat Interesse hieran, möchte sechs weitere Kitas nach diesem Prinzip errichten lassen.“

„Der Bau der Kita Elisabeth hat elf Monate gedauert“, sagt Kurt-Helmuth Eimuth, Leiter des Arbeitsbereiches Kindertagesstätten des Diakonischen Werks. Der Betrieb ist bereits seit geraumer Zeit angelaufen. Das vorhandene Angebot an Kindergartenplätzen ist mit 42 Mädchen und Jungen schon komplett belegt.

So stehen den Knirpsen des Kindergartens mehrere Themen bezogene Funktionsräume zur Verfügung: Sie können im Atelier-, im Bau- oder im Rollenspielzimmer kreativ sein, sich in einem der beiden Bewegungsräume austoben oder im Ruheraum entspannen. Außerdem gibt es 44 Plätze für Kinder unter drei Jahren, die sich auf vier geschlossene Krabbelgruppen aufteilen. Aktuell läuft die erste Krabbelgruppe mit acht Kindern, drei Plätze sind dort noch frei. Je nach Personalstand werden die anderen eröffnet. „Wir fahren den Betrieb langsam hoch“, so Eimuth.

FNP 28.1.2015

Auszeichnung für Engagement gegen religiös-totalitäre Gruppen

Von Redaktion – 29. Oktober 2014

Der Leiter der Redaktion von „Evangelisches Frankfurt“, Kurt-Helmuth Eimuth, erhält für sein ehrenamtliches Engagement in der Sekteninformation und Selbsthilfe Hessen (SINUS) den Ehrenbrief des Landes Hessen.

Frankfurt: Kurt-Helmuth Eimuth Portrait Foto aufgenommen am 01.10.2013 Foto: Rolf Oeser

Kurt-Helmuth Eimuth erhält den Ehrenbrief des Landes Hessen. Foto: Rolf Oeser

Der ehemalige Weltanschauungsbeauftragte des Evangelischen Regionalverbandes gehört zu den Gründungsmitgliedern von SINUS. Der Verein berät und informiert seit zwanzig Jahren Angehörige und ehemalige Mitglieder von religiös-totalitären Gruppen wie Scientology oder auch verschiedenen Guru-Bewegungen.

„Gerade in einer Zeit der Auseinandersetzung mit dem Salafismus zeigt sich die Notwendigkeit einer solchen Arbeit, denn es gibt in der Motivation, sich solchen Gruppen anzuschließen, viele Parallelen“, sagt Eimuth. Nach seiner Erfahrung schlössen sich junge Menschen solchen Gruppen an, da zum einen ihr Ego dadurch subjektiv aufgewertet werde und zum anderen sie für ihr derzeitiges Leben keine Perspektive sähen. Hier ein Kommentar, den Eimuth darüber vor kurzem schrieb.http://www.evangelischesfrankfurtarchiv.de/2014/07/salafismus-ist-ein-soziales-problem/

Kurt-Helmuth Eimuth studierte in Frankfurt Erziehungswissenschaften, Theologie und Soziologie. Für Aufsehen sorgte vor allem seine Analyse der Situation der Kinder, die in Sekten aufwachsen. Hauptberuflich verantwortet Eimuth heute den Arbeitsbereich Kindertagesstätten des Diakonischen Werks des Evangelischen Regionalverbandes.

Der Ehrenbrief wird ihm am Donnerstag, 6. November, um 11 Uhr von Oberbürgermeister Peter Feldmann im Frankfurter Römer überreicht.

Systematischer Kindesmissbrauch in Sekten

von truk – 18. Mai 2014

Erst nach zwei oder drei Jahrzehnten können Ehemalige über das Ausmaß des Kindesmissbrauchs in Sekten sprechen.

Kurt-Helmuth Eimuth fordert Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen auf, sich dem Problem der Sekten zu stellen. Foto: Rolf Oeser

Das Beispiel der Aktionsanalytischen Organisation (AAO) zeigt, dass die Gesellschaft auch bei Psychogruppen und Sekten ihren Schutzauftrag gegenüber den Kindern nachkommen muss. Soziale Berufe sollten sich mit Mechanismen und Techniken von Psychogruppen und Sekten beschäftigen, „damit sie Anzeichen von Kindeswohlgefährdung erkennen können“.

Dies forderte der Sektenexperte Kurt-Helmuth Eimuth vor Mitgliedern der Sekteninformation und Selbesthilfe Hessen (Sinus) am Samstag, 17. Mai, in Frankfurt. Die grundgesetzlich garantierte Religionsfreiheit ende dort, wo dass Recht des Kindes auf körperliche und psychische Unversehrtheit verletzt werde. Eimuth hatte den systematischen Kindesmissbrauch in der AAO des ehemaligen Aktionskünstlers Otto Mühl in aufgezeigt.

In den letzten Jahren seien mehrere Biografien und Dokumentationen von Mitgliedern der zweiten Generation entstanden, also Kindern, die in Sekten wie die Kinder Gottes oder der Bhagwan-Bewegung aufgewachsen sind. Alle zeigten auf eindrucksvolle Art und Weise den systematischen Kindesmissbrauch in den jeweiligen Orgainsationen. Erst jetzt nach zwanzig oder dreißig Jahren könnten die Betroffenen darüber reden.

Doch anders als in Kirche oder der Odenwaldschule sei in der AAO der Kindesmissbrauch Teil der Ideologie gewesen. „Es war nicht die Verfehlung eines Einzelnen, die womöglich unter den Teppich gekehrt wurde, sondern es gehörte zum allseits akzeptieren Gruppenleben“, so Eimuth. Es war in den Augen der Mitglieder, auch der Eltern, die Erfüllung vom Meister „in die Sexualität eingeführt“ zu werden. Und wenn sich junge Mädchen mit 14 Jahren ihrer Vergewaltigung widersetzten, als sie dem Meister zugeführt werden sollten, so setzten die Gruppenmitglieder dieses Mädchen unter massiven Druck. Die AAO war für Eimuth „eine kriminelle Vereinigung, die systematischen Kindesmissbrauch betrieb“. Aber auch die anderen Formen der sogenannten Erziehung seien bei den Betroffenen nicht spurlos vorbeigegangen. Der ständige Kunkurrenzkampf um ein gutes Ranking, die ständige Verunsicherung, die vermisste soziale Geborgenheit, die fehlende Sicherheit habe die Kinderseelen verletzt.

Wie der Vorsitzende von Sinus, Conny von Schumann, der Versammlung berichtete, würden aus Deutschland heraus Sekten auch in andere europäische Länder expandieren. Dies gelte nach den Beobachtungen der europäischen Anti-Sekteninitiativen vor allem für das Universelle Leben um die selbsternannte Würzburger Prophetin Gabriele Wittek.

Beitrag von truk, veröffentlicht am 18. Mai 2014 in der Rubrik Ethik, erschienen in der Ausgabe Web.

Kita „Martin Niemöller“

Kita in der Kritik

von Denis Hubert

Die Eltern der Kindertagesstätte „Martin Niemöller“ im Frankfurter Stadtteil Riedberg beschweren sich über unhaltbare Zustände: Kleinkinder würden in der Einrichtung angeschrieen, bekämen nichts zu trinken. Der Kita-Träger gelobt Besserung und beklagt den Fachkräftemangel.

Eltern und Elternvertreter haben sich über die Zustände in der Kindertagesstätte „Martin Niemöller“ beschwert. „Die Sache ist eskaliert“, sagt Andreas Müller, Vater von zwei Kindern im Alter von eineinhalb und drei Jahren, die die Einrichtung im Quartier „Altkönigblick“ besuchen. „Ich sehe eine massive Gefahr für die Kinder.“

Müller hat vor drei Wochen in der Einrichtung hospitiert und sich selbst ein Bild von der Lage gemacht. Seine Mängelliste ist lang: Erzieher ließen Kinder mit Messer und Gabel alleine, das Eingangstor stehe offen, Kinder bekämen nichts zu trinken, würden angeschrien und nicht rechtzeitig gewickelt.

Unterstützt wird Müller von Elternbeirat Michael Neuberger, dessen zweieinhalbjährige Tochter die Krabbelstube besucht: Ein hoher Krankenstand führe zu einer ständigen Unterversorgung, berichtet er. Bei einem außerordentlichen Elternabend der Krabbelstube in der vergangenen Woche hätten zwei Mitarbeiter angefangen zu weinen und sich über die schlechten Verhältnisse beklagt.

Die Kinderbeauftragte für den Riedberg hat von dem Problem noch nicht erfahren: „Ich höre das erste Mal davon“, sagt Manuela Roll, die die Einrichtung als „nett und kooperativ“ kennengelernt hat. „Ich weiß aber, dass es auf dem Riedberg einen Personalmangel gibt. Viele wollen gar nicht hier hochfahren“, sagt sie und gibt sich diplomatisch: „In Bezug auf die Kinder schaukelt sich vieles hoch.“

Der Träger der Einrichtung räumt begangene Fehler ein: „Ich kann den Einwand der Eltern verstehen. Die Zerwürfnisse waren heftig“, sagt der Leiter des Arbeitsbereichs Kindertagesstätten des Diakonischen Werks Frankfurt, Kurt-Helmuth Eimuth. Er gibt zu: „Es sind Dinge passiert, die nicht hätten passieren dürfen. Das tut uns leid, wir haben uns dafür entschuldigt.“

Hoher Krankenstand

Die Diakonie hat inzwischen reagiert und einen stellvertretenden Kitaleiter eingestellt: „Es war eine angespannte Situation“, sagt Markus Aporta, seit Anfang des Monats im Amt. „Das ist unentschuldbar, aber nicht der Regelfall. Es ist nicht so, dass Kinder hier nicht gewickelt werden.“

Ein Grund für die missliche Lage sei die dünne Personaldecke. Zwölf Erzieher arbeiten derzeit in der Einrichtung. „Wir bräuchten eigentlich mehr“, sagt Eimuth. „Wir haben neue Stellen ausgeschrieben. Das Problem ist, diese zu besetzen. Der Markt ist leer.“ Der Fachkräftemangel werde in Frankfurt die nächsten zehn Jahre anhalten. Auch der hohe Krankenstand sei nicht unüblich in der Branche: „Man kann allgemein feststellen, dass junge Erzieher sehr häufig mit Infektionskrankheiten zu tun haben“ sagt Eimuth. Der Träger gelobt dennoch Besserung: „Wir arbeiten an einem Vertrauensverhältnis zu den Eltern und werden alles unternehmen, um uns auf dem Arbeitsmarkt gut aufzustellen.“

Die Kindertagesstätte „Martin Niemöller“ ist im Mai 2013 in Betrieb gegangen. Träger ist der Evangelische Regionalverband. Das zweigeschossige Gebäude verfügt über sechs Gruppenräume – je drei für Kindergarten- und Krabbelstubenkinder. Insgesamt 93 Kinder finden dort Platz.

FR 16.4.2014

Qualität in Kitas

Von Sabine Kalinock – 17. Februar 2014

Vier weitere evangelische Einrichtungen zertifiziert

Vier weitere evangelische Kindertagesstätten sind im Januar für ihr Qualitätsmanagement nach ISO-Norm zertifiziert worden. Damit sind nun insgesamt 28 Einrichtungen zertifiziert und damit ein Viertel der Frankfurter Kitas in evangelischer Trägerschaft. Langfristiges Ziel sei es, dass sich alle Einrichtungen zertifizieren lassen, sagte Pfarrer Michael Frase, der Leiter der Diakonie Frankfurt, bei der Überreichung der Zertifikate in der Kreuzgemeinde in Preungesheim.

Die Arbeit in Kindertagesstätten sei heute sehr anspruchsvoll und eine wichtige kirchliche und gesellschaftliche Aufgabe, sagte Pfarrerin Esther Gebhardt, Vorstandsvorsitzende des Evangelischen Regionalverbands, die den Teams gratulierte. Auf die veränderten Berufsbilder einer Erzieherin und einer Kitaleiterin verwies Pfarrer Wilfried Steller von der Gemeinde Fechenheim, wo inzwischen alle drei Kitas zertifiziert sind. Die Ansprüche an die Fähigkeiten der pädagogischen Fachkräfte seien stark gestiegen, Bildung sei in den Mittelpunkt gerückt. Ansehen und Bezahlung allerdings hätten sich nicht adäquat verändert. Auch die Aus-, Weiter- und Fortbildung sei noch nicht auf einem entsprechenden Stand.

„Gerade in einer Phase des radikalen Ausbaus der Betreuungsplätze gilt es auf die Qualität zu achten“, betonte Kurt-Helmuth Eimuth, der Leiter des Arbeitsbereichs Kindertagesstätten im Diakonischen Werk.

Beitrag von Sabine Kalinock, veröffentlicht am 17. Februar 2014 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe 2014/1 – Februar.

Männer: Bejubelt und verdächtig

Frankfurt: Männer in Kitas

von Anne Lemhöfer

Seit es die Betreuungsplatzgarantie gibt, arbeiten mehr Männer denn je in Krabbelstuben, Kindergärten und Horten. Frankfurt ist bundesweit Spitzenreiter, elf Prozent des Kita-Personals sind männlich. Was viele Eltern gut finden, stößt trotzdem nicht selten auf Argwohn.

Er hat Dekorationen und Kostüme entworfen, stand zwar nicht selbst im Rampenlicht, aber letztlich galt der Applaus nach einer Theateraufführung auch ihm, er war Teil eines Ensembles aus Künstlerinnen und Künstlern, hat mit anspruchsvollen Regisseuren und besonderen Materialien gearbeitet.

In seinem ersten Leben war Lars Betko, 51 Jahre alt, Bühnenbildner. Jetzt hockt er auf einem kleinen Stühlchen und hält eine leere Klorolle in der Hand. Und könnte nicht besser gelaunt sein. „Franka, pass auf, hier festhalten. Sehr gut!“ Lars Betkos neuer Arbeitsplatz ist keine Theaterbühne, sondern ein Gruppenraum in der Kindertagesstätte „Gipfelflitzer“ am Frankfurter Riedberg. Dabei ist es nicht so, dass Franka, Annika, Clara und Kian kein anspruchsvolles Publikum wären, im Gegenteil. Die Vier- und Fünfjährigen, die in einer Traube um den schlanken Mann mit der Brille herumstehen, möchten schon, dass die Dinge, mit denen sie sich beschäftigen, etwas hermachen.

„Die Arbeit mit Kindern gibt mir sehr viel“

Und das tut die Kugelbahn, die gerade aus Klorollen, Kleber und viel, viel Farbe entsteht. Ein Kunstwerk aus komplizierten Rohren, dem man ansieht, dass sein Erfinder etwas vom Basteln und Bauen, von Statik und raffinierten Effekten versteht. Wer es noch nicht weiß, wundert sich kein bisschen, wenn er erfährt, dass Betko einen Beruf erlernt hat, der an der Schnittstelle von Handwerk und Kunst angesiedelt ist. Und wer ihm zuschaut, wie er geduldig erklärt und die Jungen und Mädchen ermuntert, es doch selbst mal mit dem Kleben zu versuchen, wie er ihre Aufmerksamkeit zu fesseln weiß und echte Begeisterung weckt, wundert sich nicht, dass er in diesem Moment an genau diesem Ort sitzt. Der glaubt sofort, wenn Betko sagt: „Die Arbeit mit Kindern gibt mir sehr viel.“

In seinem alten Job dagegen war er am Ende nicht mehr glücklich. „Nach einer längeren Anstellung als Ausstattungsleiter am Theater Heilbronn hing ich in der Luft und geriet ins Grübeln. Dieses Warten auf Angebote, das Tingeln von Stadt zu Stadt, wollte ich das wirklich bis zum Ende meines Berufslebens machen?“ Seine Antwort: nein. „Meine Eltern waren Lehrer, ich habe viele Freunde, die im Pädagogikberuf arbeiten. In meiner Schulzeit hatte ich kurz überlegt, diese Richtung einzuschlagen, aber dann doch zunächst ein Handwerk erlernt.“

Wie kam er nach mehr als 20 Jahren noch darauf, ausgerechnet Erzieher zu werden? „Im letzten Jahr war auf einmal halb Frankfurt mit Plakaten tapeziert, die für den Erzieherberuf warben. Ich wusste plötzlich: Das ist es. Ich kann viel aus meinem ersten Berufsleben einbringen. Mit den Kindern habe ich in einem meiner ersten Projekte in der Kita Roboter aus Recyclingmüll gebaut. Als ich ihren Müttern und Vätern beim Elternabend davon erzählte, klatschten die sogar Beifall.“ Lars Betko kennt das Klischee von den Männern, die mit den Kindern so schön toben, Dinge aus Holz und Nägeln bauen oder Fußball spielen. „Das ist mir aber zu wenig. Ich möchte hier keine Geschlechter-Stereotype vorleben und auch mit meinen Gruppenkindern weben oder malen, wenn es gerade passt.“

Lars Betko gehört zu einer Minderheit, um die derzeit stark geworben wird: Männer, die man für den Erzieherberuf begeistern kann. Kinder, das glauben alle, können nur profitieren, wenn sie mit männlichen und weiblichen Bezugspersonen gleichermaßen aufwachsen. Soweit die Theorie. Doch nach wie vor sind Männer wie Betko eine wirklich rare Spezies, was nicht nur mit dem niedrigen Gehalt, sondern auch mit traditionellen Rollenvorstellungen zu tun hat, wie Kurt-Helmuth Eimuth glaubt, Leiter des Arbeitsbereichs Kindertagesstätten beim Diakonischen Werk Frankfurt, das rund 110 evangelische Einrichtungen unter seinem Dach vereint: „Ein Busfahrer verdient noch weniger als ein Erzieher, aber stellen Sie sich zwei Männer an der Theke vor. Der eine sagt: Ich fahr‘ einen großen Bus. Der andere: Ich betreue kleine Kinder. Wer von beiden bekommt mehr Anerkennung?“ Bundesweit sind nicht einmal vier Prozent des Personals in Kindertagesstätten männlich, in Ballungsräumen dafür meist mehr als doppelt so viel.

Frankfurt unangefochtener Spitzenreiter

Laut der in Berlin ansässigen Koordinierungsstelle Männer in Kitas ist Frankfurt unangefochtener Spitzenreiter – mit 11,3 Prozent. Tendenz steigend. „Wir führen diese erstmals sehr deutliche Steigerung des Männeranteils gerade im letzten Jahr darauf zurück, dass der Ruf nach Männern in Kitas lauter geworden ist. Betreiber von Kitas, Erzieherinnen und Erzieher selbst, Eltern und Politiker fordern immer deutlicher mehr männliche Fachkräfte. Männer in Kitas sind von öffentlichem Interesse“, sagt Jens Krabel, Sprecher der Koordinierungsstelle. Positiv auf die Steigerung des Anteils wirke sich auch aus, dass seit 2011 bundesweit 16 Modellprojekte mehr als 13 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds und vom Bundesfamilienministerium erhielten. Das habe die öffentliche Diskussion in den Städten und Landkreisen zusätzlich befördert.

Ein weiterer Grund: die von der Bundesregierung beschlossene Betreuungsplatzgarantie für Kinder ab einem Jahr, für die 2013 auf einen Schlag viel mehr Personal notwendig wurde, als da war. Das hat eine riesige Umschulungswelle in Gang gebracht. Die Neuen, Männer wie Frauen, waren zuvor Bühnenbildner oder Redakteure, Schreiner oder Gärtner, und jetzt kümmern sie sich um das Großwerden von Kindern.

Viele im Rhein-Main-Gebiet, auch Lars Betko, wurden an der Berta-Jourdan-Schule ausgebildet, einer der Hauptausbildungsstätten für Erzieherinnen und Erzieher in Frankfurt. Manche berufsbegleitend, fast alle in einem verkürzten Ausbildungsgang. Schulleiter Michael Baumeister sagt, dass er derzeit jedes Jahr 50 bis 60 Umschülerinnen und Umschüler fit für ein zweites Berufsleben als Pädagoginnen und Pädagogen mache, Männer hat er in fast jeder Klasse sitzen. Es braucht ein ganzes Dorf, ein Kind großzuziehen, heißt ein bekanntes ghanaisches Sprichwort.

Andere Kinder, unterschiedliche Erwachsene, Handwerker und Kopfmenschen, Männer und Frauen – je größer die Bandbreite der Erfahrungen, die an die Jüngsten weitergegeben werden können, desto besser, so ist das Sprichwort wohl gemeint. So gesehen ergibt es Sinn, dass die Gruppe der Menschen, die sich beruflich um Kinder kümmern, heterogener wird, dass Biografien neue Wendungen nehmen.

Doch nicht alle sind uneingeschränkt glücklich über die neuen Männer im traditionellen Frauenberuf. Da ist das böse Wort vom „Generalverdacht“, das unter Fachleuten immer fällt, wenn das Thema besprochen wird, und mit dem sich Berufsanfänger auseinandersetzen müssen. Darf der Erzieher die Kinder wickeln? Die kleinen Mädchen auf den Schoß nehmen? Hat er womöglich Hintergedanken? Nicht regelmäßig, aber doch immer wieder würden solche Sorgen an ihn herangetragen, berichtet auch Kurt-Helmuth Eimuth. Wie geht man in Kitas mit solchen unkonkreten und pauschalen Mutmaßungen um? „Ganz klar: Es gibt in einem gemischten Team keine unterschiedlichen Zuständigkeiten“, sagt Eimuth. Jens Krabel von der Berliner Koordinierungsstelle kennt das Problem ebenfalls. Er und seine Kollegen haben im Rahmen einer Studie auf Basis einer repräsentativen Befragung ermittelt, dass 40 Prozent der Eltern, 34 Prozent der Kita-Leitungen und 48 Prozent der Trägerverantwortlichen zumindest schon einmal an die Gefahr eines Missbrauchs durch Erzieher gedacht haben.

Lars Betko weiß, dass er gegen Vorurteile kämpft, auch gegen unausgesprochene. Die Freude am Beruf verdorben hat ihm das nicht. „Männer wollen erziehen“, glaubt er. Und er glaubt auch, dass ihr Anblick in den Räumen mit den kleinen Stühlchen und den Kunstwerken aus Pappe immer normaler werden wird. Und sich viele Sorgen dann ganz von selbst erübrigen.

18.11.2013 FR

Neue Krabbelstube im Mertonviertel

8. Oktober 2013

Mit der Krabbelstube „Martha“ hat das Diakonische Werk Frankfurt im Mertonviertel 66 Betreuungsplätze für Kinder im Alter von drei Monaten bis drei Jahre geschaffen. Es ist bereits die 17. Einrichtung dieser Art in Frankfurt.

Arbeitsbereichsleiter Kurt-Helmuth Eimuth, Einrichtungsleiterin Isabel Beckmann und der Leiter der Diakonie Frankfurt, Michael Frase (v.l.n.r.) bei der Eröffnung der Krabbelstube Martha im Mertonviertel. Foto: Rolf Oeser

Bereits 66 Kinder im Alter von 0 bis 3 Jahren haben die 800 Quadratmeter der neuen Krabbelstube „Martha“ des Diakonischen Werks für Frankfurt in Beschlag genommen. Insgesamt hält die Diakonie Frankfurt in ihren Krabbelstuben 816 Plätze bereit. Wie Michael Frase, Leiter der Diakonie Frankfurt, bei der offiziellen Vorstellung erläuterte, war es ein langer Weg. Bereits 2009 verhandelte das Diakonische Werk mit dem Eigentümer der Liegenschaft, in der vor allem Büros untergebracht sind. Doch erst im letzten Jahr konnte mit dem Umbau begonnen werden, und seit März tummeln sich nun hier die Kleinen. Auch ausreichend Erzieherinnen und ein Erzieher konnten gefunden werden, die sich in kurzer Zeit in die Pädagogik Emmi Piklers eingearbeitet haben, so die Leiterin der Einrichtung Isabel Beckmann.

Das pädagogische Konzept orientiert sich an den Ansätzen der ungarischen Ärztin Emmi Pikler und den Vorgaben des Hessischen Bildungsplans. Die Kinder werden in allem, was sie tun, achtsam begleitet. Grundlage ist ein Bild vom Kind, das von Geburt an kompetent ist. Um jedem Kind die Möglichkeit zu bieten, seine Bedürfnisse jederzeit wahrzunehmen, arbeiten die Einrichtungen mit der sogenannten „vorbereiteten Umgebung“. Sie stellt den Kindern Spielmaterialien zur Verfügung, die der Phantasie und dem natürlichen Bewegungsdrang Raum lassen. Die Krabbelstuben bieten ein Umfeld frei von Druck und Konkurrenz. Zum Konzept gehören zudem eine behutsame Eingewöhnung sowie eine enge Kooperation mit den Eltern, zu denen die Fachkräfte eine stabile Erziehungspartnerschaft aufbauen.

Beitrag von Redaktion, veröffentlicht am 8. Oktober 2013 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe Web.

Einblicke in jüdisches Leben OF 1.8.2013

 

 

Offenbach Post 1.8.2013