Es geht um weit mehr als die Frage, ob der Bäcker nun drei oder acht Stunden öffnen darf; es geht um das letzte Refugium des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Die Sonntagsruhe. Während die Politik und Landesverordnungen die Ladenöffnungszeiten immer weiter dehnen und in nördlichen Gefilden gar Autowaschstraßen den siebten Tag okkupieren, offenbart sich eine schleichende Salami-Taktik der Entgrenzung, so die Podcaster Conny von Schumann und Kurt-Helmuth Eimuth, die sich zum Gespräch in einem Frankfurter Café trafen.
Das ökonomische Argument der Einzelhandelslobby, durch Sonntagsöffnungen das Geschäft zu beleben, erweist sich bei näherer Betrachtung als Trugschluss: Der konsumierbare Kuchen vergrößert sich nicht, er wird lediglich auf sieben Tage verteilt. Was bleibt, ist die Gefahr, dass bald auch die Logistikströme globaler Warenlieferungen die sonntägliche Stille endgültig durchbrechen.
Besonders in einer Single-Metropole wie Frankfurt zeigt sich die soziologische Erosion: Wenn Fitnessstudios zum überfüllten Ersatzraum für Gemeinschaft werden, weil viele mit der plötzlich verfügbaren Zeit nichts anzufangen wissen, stellt sich die Sinnfrage. Ein funktionierendes Gemeinwesen benötigt jedoch die Synchronisation: einen verlässlichen Takt für Familie, Sportvereine und das rituelle Gespräch.
Selbst die Kirchen rütteln an ihren eigenen Fundamenten, indem sie den Gottesdienst auf den Samstagabend vorziehen und damit ein zentrales Strukturmerkmal der Woche aufgeben. Doch der Sonntag darf nicht zur bloßen „Versorgungskultur“ zwischen Tankstellen-Shops und Automaten-Läden verkommen. Er ist kein ökonomischer Ballast, sondern das notwendige Gegengewicht zu einer total verfügbaren Arbeitswelt. Der Rhythmus des Lebens braucht diesen Tag des Innehaltens.





