Archiv für Andachten

Auf das Evangelium hören

Pfarrerin Marion Eimuth

Reformationsandacht

6.11.00

Orgelvorspiel

Gemeinde: Lied: EG 443, 1-2+6,Aus meines Herzens Grunde

Votum:

ich begrüße Sie herzlich zu dieser Andacht.

Und wir feiern diese Andacht, wie alle unsere Andachten im Namen Gottes,

Gott nimmt uns an, wie wir sind.

Im Namen Jesu Christi

er gibt unserem Leben Richtung und Sinn.

Und im Namen des Heiligen Geistes

Er ruft uns auf den richtigen Weg. Amen

Pfarrerin: Psalm 46 Nr. 725:

Gott ist unsre Zuversicht und Stärke,

eine Hilfe in den großen Nöten, die uns

getroffen haben.

Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge

Und die Berge mitten ins Meer sänken,

wenngleich das Meer wütete und wallte

und von seinem Ungestüm die Berge einfielen.

Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig

bleiben mit ihren Brünnlein,

da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind.

Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie festbleiben;

Gott hilft ihr früh am Morgen.

Die Heiden müssen verzagen und die

Königreiche fallen,

das Erdreich muß vergehen, wenn er

sich hören läßt.

Der Herr Zebaoth ist mit uns,

der Gott Jakobs ist unser Schutz.

Komm her und schauet die Werke des Herrn,

der auf Erden solch ein Zerstören anrichtet,

der den Kriegen steuert in aller Welt,

der Bogen zerbricht, Spieße zerschlägt und Wagen mit Feuer verbrennt.

Seid stille und erkennet, daß ich Gott bin! Ich will der Höchste sein unter den Heiden,

der Höchste auf Erden.

Der Herr Zebaoth ist mit uns,

der Gott Jakobs ist unser Schutz.

Pfarrerin: Gebet

Guter Gott,

wir gedenken deiner Worte und Taten,

mit denen du Menschen Herzen und Gedanken bewegt hast.

Sprich heute zu uns und stärke uns an diesem Tag,

damit neues Leben in uns und durch uns entsteht:

Leben in deiner alt gewordenen Kirche,

Leben in den klein gewordenen Gemeinden,

Leben in der Mitte und an den Rändern

Leben draußen und drinnen.

Dazu sende deinen Heiligen Geist

Amen.

Gemeinde: Lied 341, 1-4 Nun freut ich lieben Christen

Ansprache:

Galater 5, 1:

Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und laßt euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!

Liebe Gemeinde,

Im Mittelpunkt des heutigen Predigttextes steht der Abschnitt: „Befreit zur Freiheit“.

„Wir wollen frei sein, um uns selbst zu finden“, heißt es in einem neuen geistlichen Lied. Auch das Lied von Reinhard Mey ist, denke ich, vielen bekannt: „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“. Und wenn man Leute fragt, was denn wohl der gute Grund ist, evangelisch zu sein, dann sagen sie: die Freiheit – Evangelische Freiheit.

Eigentlich begann alles mit einem Plakat, einigen Hammerschlägen an die Tür der Schloßkirche zu Wittenberg. Am 31. 10. 1517 schlägt der Augustinermönch und Professor für Bibelwissenschaften ein Blatt mit 95 Thesen an die Tür der Schloßkirche zu Wittenberg. Daß diese Hammerschläge nicht nur die Tür, sondern ganz Europa erschüttern werden, das ahnte damals niemand. War dieser Anschlag, doch kein Anschlag auf die römische Kirche, nein, einfach ein Aushang von 95 Thesen zur Frage von Ablaß und Gnade; für die Kollegen an der Uni Wittenberg zum Nachdenken gedacht. Und Wittenberg, das war weiß Gott nicht der Nabel der Welt, ein Provinznest in einer Ecke am Rande des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

Der Anlaß: Ein Dominikanermönch namens Thetzel predigte in den magdeburgischen Nachbarorten Wittenbergs und forderte die Menschen dazu auf, Ablaßbriefe zu kaufen, was ihnen Erlösung aus dem Fegefeuer nicht nur für sich selbst, sondern auch für die verstorbenen Eltern versprach. Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt.

Dagegen richtet sich der Widerstand in Wittenberg. These 79: Zu sagen: Das Ablaßkreuz mit dem Wappen des Papstes, prächtig aufgerichtet, habe die gleiche Geltung wie das Kreuz Christi ist Gotteslästerung.“

Der Protest weitet sich aus:

Im Oktober 1519 verbrennt Luther vor dem Elstertor in Wittenberg das kanonische Recht, welches nach seinem Anspruch göttliches Recht ist. Luther und seine Mitstreiter sagen: Es ist samt und sonders menschliche Erfindung, mehr noch, die Freiheit des Christenmenschen wird durch die Kirche geknebelt.

Ostern 1525: Ein Wagen mit Heringsfässern fährt durch das Stadttor von Wittenberg. In den Fässern sind neun geflohene Nonnen aus dem Kloster Nimbschen. Sie hatten die Lehmwand des Klosters durchbrochen. Draußen warteten zum verabredeten Zeitpunkt die Fluchthelfer. Acht von diesen neun Frauen bringt Luther unter die Haube. Der neunten war der angebotene heiratswillige Kandidat zu geizig.

„Den Luther aber“, sagt sie, „den würde sie wohl nehmen.“ Und Luther willigt ein, obwohl er schon um die 40 ist und damit rechnet, auf dem Scheiterhaufen zu enden. Schließlich war er ja in Bann und Acht. Übrigens bis heute.

Aus der Ehe zwischen einer Nonne und einem Mönch geht das protestantische Pfarrhaus hervor. Die Absage an den Zölibat wird nicht nur theoretisch gefordert, auch praktisch vollzogen. Und fasse ich den Sinn dieser drei kurzen Schlaglichter zusammen. So geht es um Freiheit.

Freiheit von religiöser Ausbeutung. Freiheit des Wortes Gottes gegenüber menschlicher Erfindung und Freiheit des persönlichen Lebens.

Die Mittel der römischen Kirche hatten ausgedient, ihr unbeweglicher Machtapparat war ganz mit sich selbst beschäftigt. Die Privilegien seiner Funktionäre so kostspielig, daß andere dafür hungern mußten. Pfaffenhaß und groß‘ Geschrei, landauf, landab. Es bedurfte nur noch einer Stimme, die es aussprach. Jemand, der innerlich befreit war. Dem die allgegenwärtige Drohung mit dem zornigen und strengen Gott nichts mehr anhaben konnte. Der überzeugt war, daß Kirche etwas anderes sein muß als des Papstes Finanzamt von Gottes Gnaden. Mit Luther war diese Stimme auf dem Plan. Dem äußeren Kampf war eine harte innere Auseinandersetzung vorangegangen, bevor die Fesseln fielen, die auch sein Gewissen gebunden hatten.

Haben wir sie noch die Freiheit Luthers, unseren Glauben ganz von vorn durchzubuchstabieren? Oder sind wir unfähig geworden zur Selbstkritik wie die römische Kirche zur Zeit Luthers? Ein neues Lied wir heben an … doch die neuen Lieder sind alt geworden. Nach Luther kamen die Lutheraner, nach der Reformation die Konfession.

Wir werden Luther nicht gerecht im Nachbeten seiner Worte. Der Vorgang „Reformation“ zwingt zur Selbstklärung: Eine Kirche ohne Entwicklung gerät in die Abwicklung. Auch zur Selbstklärung gegenüber der Reformation selbst. Die Lösungen Luthers können keine Antwort auf den drohenden Konkurs unserer Kirche heute sein. Mehr als seine Lehre brauchen wir sein Erleben.

Die Freiheit von religiöser Bevormundung ist unaufgebbar. Nicht Angst und Furcht vor Gott sollen uns den Atem rauben, der von Paulus verkündigte Gott der Gnade soll uns zum Leben befreien. Luther hat es erlebt und in Worte gefaßt. Die Menschen sind ihm nicht gefolgt, weil sie ihm geglaubt haben. Sie haben ihm geglaubt, weil sie gleiches erlebt haben. Aber ist die Frage nach dem gnädigen Gott noch die zentrale Frage der Menschen, mit denen wir heute zusammenleben?

Viele Menschen erfahren Gott nicht mehr und verabschieden sich. Gott selbst muß zu uns reden, dann geschieht Reformation. Von fremden Erfahrungen kann niemand leben. Luther kann uns nicht aus unserer Sprachlosigkeit erlösen, Gott selbst muß es tun.

Die Frage: katholisch oder evangelisch, oder was ganz anderes? Gehört in die Privatsphäre. Niemand von uns muß mehr fliehen, weil er dieser oder jener Konfession angehört. Wir wohnen, wir arbeiten, wir leben zusammen. An der Basis ist die Ökumene längst vollzogen.

Wie das aussieht möchte ich am Beispiel vom Kindergarten aufzeigen.

Längst haben sich die Kindergärten auf die multireligiöse Wirklichkeit eingestellt. Es ist doch wirklich kein Problem, dass sich in unseren Kindergärten Menschen verschiedener Nationen und verschiedener Religionen begegnen. Wenn es in unserer Gesellschaft soviel Dialog und Begegnung der Nationen und Religionen gäbe wie in den Kindergärten, dann würde kein Politiker so unsägliche Diskussionen wie die um die deutsche Leitkultur führen. Unsere Kindergärten arbeiten beispielhaft.

Aber es sind evangelische Kindergärten. Sie stehen – um es theologisch auszudrücken – in der Nachfolge Jesu. Jesu war ja nun wirklich ein Mensch, der mit allen Gruppen ins Gespräch kam. Gerade er grenzte niemanden aus. Er ging zu den Zöllnern ebenso wie zu den Aussätzigen. Er sprach und diskutierte mit den Pharisäern. Heute würden wir sagen: er pflegte den religiösen Dialog.

Der profilierte interreligiöse Dialog bedarf der religiösen Kontur. Das jeweils eigene Profil ist die Voraussetzung für eine ernsthafte Begegnung. Evangelisches Profil verhindert also nicht die gesellschaftlich notwendige Begegnung, sondern im Gegenteil: Evangelisches Profil befördert den interkulturellen und interreligiösen Dialog. Dies ist in den Kindergärten wie kaum sonst zu sehen. Nirgends sonst leben die Kulturen und Religionen nicht nur nebeneinander, sondern miteinander.

Und nichts anderes machen wir im Kindergartenalltag. Wir nehmen Kinder an, respektieren ihren kulturellen und religiösen Hintergrund, erzählen aber auch von unserer Tradition und laden ein, etwas von dieser evangelischen Lebenshaltung zu spüren.

Evangelisch sein ist für mich im Kern eine Lebenshaltung und eben nicht ein dogmatisches Lehrgebäude.

Evangelisch sein, heißt, etwas zu spüren von der Freiheit sich nur nach der Schrift und nach seinem Gewissen zu richten.

Evangelische Freiheit ist Freiheit, die uns von Christus geschenkt wird. Zum Profil des Evangelischen gehört die Einsicht: Kein Mensch, vor allem keine menschliche Macht, darf Übermacht gewinnen über andere Menschen. Der höchste Platz muß frei bleiben für Gott, damit Menschen Menschen bleiben können.

Darauf hat Luther mit seinen 95 Thesen und seiner Lebensgeschichte uns wieder aufmerksam gemacht. Dass wir auf das Evangelium hören, ist die zentrale Botschaft der Reformation. Und dieses galt 1517 ebenso wie im Jahre 2000. Amen

Gemeinde: Lied 352, 1-4 Alles ist an Gottes Segen

Mitteilungen

Pfarrerin: Fürbittengebet

Guter Gott,

wir bitten dich an diesem Tag für uns und für alle, denen der Mut fehlt, dich zu bekennen.

Schenke die rechten Worte, wenn wir gefragt werden.

Hilf uns zu eindeutigen Taten.

Gib Kraft zu Auseinandersetzungen.

Wehre allen faulen Kompromissen.

Wir bitten dich für uns und alle,

die ihre Freiheit missbrauchen.

Der Maßstab der Freiheit sei deine Liebe.

Sie leitet uns an, den Nächsten zu achten.

So lass uns Grenzen erkennen,

aber auch Grenzen überschreiten.

Schütze alle, die der Willkür ausgeliefert sind.

Stärke alle, die die Knechtschaft bekämpfen.

Fördere in aller Welt Freiheit, die sich deiner Ehre freut.

Wir bitten dich für uns und alle,

die an ihrer Schwäche leiden,

Gib Geduld und Mut.

Zeige dich nahe und verströme deine Liebe.

Richte die Mutlosen auf, und den Verzweifelten gib Aussicht.

Und uns allen deine Gegenwart.

Und was uns noch bedrängt bringen wir vor dich

mit den Worten die Christus uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen:

Geht in diesen Tag, in diese Woche mit dem Frieden unseres Gottes:

Der Herr segne dich und behüte dich,

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr hebe sein Angesicht auf dich und

gebe dir Frieden. Amen.

Lied: EG 421, Verleih uns Frieden

Protestantismus und Demokratie

Andacht, Demokratie

25.9.2017

Orgel

Lied: EG 447, 1-3, 7+8

Votum:

In Gottes Namen wollen wir beginnen

Gott ist allen Zweifelnden, Verzagten und Suchenden besonders nah.

In Jesu Namen wollen wir beginnen,

denn Jesus ließ diese Nähe Ausgestoßene, Verachtete, Verzweifelte spüren.

In der Hoffnung auf das Geschenk des Heiligen Geistes wollen wir beginnen,

um Mut und Ideen bitten, heute diese Nähe weiterzugeben.

Amen.

Psalm 145, Nr. 756

Lied: EG 621, 1-3

Ansprache:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

heute morgen können wir feststellen: Wir haben es geschafft. Die Bundestagswahl ist vorüber. Vorüber die Diskussionen um Rente, soziale Gerechtigkeit und Steuern. Viele fanden diesen Wahlkampf ermüdend. Ich fand es gut, dass diese Themen kontrovers diskutiert wurden. Denn die Auswirkungen erleben wir täglich. Gerade in der Diakonie sehen wir, was es bedeutet, wenn 40 Prozent der Bevölkerung am steigenden Wohlstand nicht teilhaben.

Doch wenn wir uns in der Welt so umschauen, so müssen wir auch konstatieren: Die viel gescholtene Politik hat unser Land in den letzten 70 Jahren gut hindurch gesteuert. Insgesamt geht es uns gut. Und vor allem: Die Nachkriegsgeneration hat keinen Krieg auf deutschem Boden erlebt. Dies ist keineswegs selbstverständlich.

Wir Deutschen haben inzwischen Demokratie gelernt. Die Kirchen haben mit dieser Staatsform durchaus gefremdelt. „Die evangelischen Kirchen in Deutschland gelangten nur schrittweise, nach dem Zusammenbruch von 1945 und im Angesicht des Grauens, das der Nationalsozialismus hinterlassen hatte, zu einer positiven Würdigung der Demokratie. Sie interpretieren heute die freiheitliche Grundordnung des Grundgesetzes als eine Entsprechung zu der Freiheit, die das Evangelium von Jesus Christus ermöglicht und verbürgt. Diese Freiheit beinhaltet immer zugleich die Freiheit zur Verwirklichung eigener Lebenschancen und die Verantwortung gegenüber dem Nächsten. Dass die unveräußerlichen Menschenrechte anerkannt sind, dass die staatliche Gewalt an das Recht gebunden ist, dass alle Entscheidungen des staatlichen Handelns grundsätzlich korrigierbar sein müssen: Diese Grundlagen der freiheitlichen Demokratie verstehen die Kirchen in Deutschland heute als Entsprechung zum christlichen Menschenbild, das von der Würde und Freiheit des Menschen ebenso spricht wie von seinen Begrenztheiten und seiner Anfälligkeit für Fehler. Auch im politischen Raum gilt: Der Mensch ist gerecht und Sünder zugleich.“ Dies stellte die EKD vor wenigen Wochen in einem Impulspapier fest.

Erinnern wir uns: Es waren aufgewühlte Zeiten Anfang der 1980er Jahre des letzten Jahrhunderts: Der Streit über Nachrüstung und Atomenergie bestimmte die Agenda. Nachwirkungen der 68er Bewegung und der Beginn der langen Ära Kohl sorgten auch in der evangelischen Kirche für Kontroversen.

Im Linksprotestantismus gab es viel Sympathie für die neuen sozialen Bewegungen und Protestformen, wie Blockaden, Boykotte oder Steuerstreiks. In der Politik löste dies wiederum Fragen aus, wie es um die Demokratiefähigkeit des Protestantismus bestellt sei. So registrierte etwa Helmut Schmidt als Bundeskanzler 1981, beiden Kirchen falle es schwer, der fehlerhaften Demokratie einen Vertrauensvorschuss einzuräumen.

Auf die Frage, wie sich der Protestantismus, der lange mit dem Obrigkeitsstaat liiert und auch keine Stütze der Weimarer Republik war, zum demokratischen Verfassungsstaat verhält, gab es erst 40 Jahre nach Gründung der EKD eine Antwort: Nach kontroversen Beratungen legte die EKD im Oktober 1985 eine Denkschrift vor, die unter der Überschrift „Der Staat des Grundgesetzes als Angebot und Auftrag“ eine grundsätzliche Neujustierung im Verhältnis des Protestantismus zur Demokratie vornahm.

„Als evangelische Christen stimmen wir der Demokratie als einer Verfassungsform zu, die die unantastbare Würde der Person als Grundlage anerkennt und achtet“, hält das Dokument fest. Die Demokratie sei keine“christliche Staatsform“, aber die positive Beziehung von Christen zum demokratischen Staat sei mehr als äußerlicher Natur. „Die politische Verantwortung ist im Sinne Luthers ‚Beruf‘ aller Bürger in der Demokratie.“

Das Bekenntnis zur Demokratie begründet die EKD mit der Achtung der Menschenwürde, einer Konsequenz der biblischen Lehre von der Gottesebenbildlichkeit des Menschen. Neben diesen theologischen Einsichten zum evangelischen Verständnis von Demokratie werden in dem knappen Text auch neuralgische Punkte wie Machtmissbrauch, Legitimität und ziviler Ungehorsam, die Unterscheidung zwischen Widerspruch und Widerstand, sowie Fortentwicklung der Demokratie etwa durch direkte Bürgerbeteiligung nicht ausgeklammert – jedoch zumeist konservativ beantwortet.

Vorbereitet wurde die Denkschrift in der Kammer für Öffentliche Verantwortung. Maßgebliche Kammermitglieder waren etwa der damalige Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichtes, Roman Herzog, die SPD-Politiker Erhard Eppler und Jürgen Schmude, Liselotte Funcke (FDP), aber auch der damalige Kirchentagspräsident Wolfgang Huber.

Die EKD und die Bischofskonferenz mahnten 2006 in einem gemeinsamen Kirchenwort mit dem Titel:“Demokratie braucht Tugenden“, der abnehmenden Partizipation an politischen Prozessen entgegenzuwirken.

So sehr die politische Kultur durch sie tragende religiöse, gerade auch christliche Überzeugungen gestärkt wird, so sehr sind die Vertreterinnen und Vertreter dieser Überzeugungen aufgerufen, für deren freie Anerkennung zu werben, sie argumentativ zu vertreten und nicht als unhinterfragbar zu dekretieren. Für die Kirchen bedeutet das zum einen, im Anerkennen und Aneignen der Demokratie deren enge Verbindung mit den Werten des Christentums selbstbewusst zu vertreten. Zugleich aber müsse deutlich werden, dass die Überzeugungen, die die freiheitliche Demokratie stützen, für eine Ordnung einstehen, die auch die Freiheit anderer Religionen, Weltanschauungen und Überzeugungen garantiert.

Die EKD ist aber nicht blind. In dem kürzlich erschienenen Impulspapier stellt sie fest.: „Als Kirchen können wir nur dann als politische Akteure für die Stärkung des demokratischen Gemeinwesens ernst genommen werden, wenn wir berücksichtigen, dass auch in unserer Mitte die Ängste vor dem Wandel und die Versuchung zur Abgrenzung anzutreffen sind. Die evangelische Kirche mit ihren knapp 23 Mio. Mitgliedern ist ein Spiegel der pluralistischen Gesellschaft. Den klaren Positionierungen der kirchenleitenden Personen und Gremien, dem außerordentlichen Engagement vieler Gemeinden, der Diakonie und der Werke und Verbände für die Aufnahme geflüchteter Menschen steht bei einem beachtlichen Teil der Kirchenmitglieder Skepsis hinsichtlich der wachsenden Vielfalt und des sozialen Wandels gegenüber. Unbeschadet des klaren und richtigen Eintretens für die Rechte von Minderheiten und Geflüchteten müssen wir wahrnehmen, dass die Sorge angesichts des Wandels und der Herausforderungen, die eine pluraler werdende Gesellschaft und gerade auch die technologisch-ökonomischen Veränderungen mit sich bringen, bis in die Leitungsebenen der evangelischen Kirchen hineinreicht.

Das Evangelium von Jesus Christus als Grund der Kirche verkündigt die in Gottes Sohn geschenkte Versöhnung des Menschen mit Gott. Jeder einzelne Mensch ist ein mit unverlierbarer Würde begabtes Geschöpf Gottes, dem gerade in seiner Einmaligkeit und Unterschiedenheit von anderen Respekt gebührt. Das Evangelium ruft Menschen auf den Weg des Glaubens, des Friedens und der Versöhnung. Dieser Grund der Kirche soll auch ihre tatsächliche Gestalt und ihre Praxis prägen. Die Kirchen selbst sollen Orte sein, an denen Menschen diese Anerkennung und diesen Frieden erfahren und dann selbst dafür eintreten.

Die Botschaft des Evangeliums ist eminent politisch. Der erste und vornehmste Ort dieser politischen Praxis der Kirchen ist das Miteinander sehr unterschiedlicher Menschen in den Gemeinden, Gemeinschaften und Werken. Die Kirchen mit ihrer tiefen und breiten sozialen Verankerung sollen und wollen damit Foren sein, auf denen Konflikte ausgetragen werden, Ängste gehört und bearbeitet, Gespräche geführt und Menschen einbezogen werden: Sie sind Orte demokratischer Beteiligung. Als Kirchen sind wir mitverantwortlich für die politische Kultur unseres Landes und für die Gestaltung unseres Gemeinwesens. …

Die moralischen Dimensionen von politischen Streitfragen dürfen in den Argumentationen nicht ignoriert werden. Sie anzusprechen ist legitim. Allerdings müssen wir angesichts der beschriebenen Herausforderungen der Demokratie darauf achten, dass eine auf moralischen Überzeugungen beruhende Argumentation die liberale rechtsstaatliche Ordnung stützt und sie nicht schwächt.“ Soweit das Impulspapier.

Die Demokratie ist mehr als eine Regierungsform: Sie beschreibt, wie Bürgerinnen und Bürger ihre eigenen Interessen und Freiheiten mit den Vorstellungen anderer in einen für alle förderlichen Ausgleich bringen können. Deshalb ist eine Demokratie nur stabil, wenn sie eingebettet ist in eine politische Kultur, in der die Bürgerinnen und Bürger sich gegenseitig als Freie und Gleiche anerkennen und achten. Das Grundgesetz nimmt diese Überzeugung auf, indem es die Achtung der Menschenwürde an den Beginn der Verfassung setzt und damit zum Auftrag und Maßstab des staatlichen Handelns macht (Art. 1 Abs. 1 GG). Eine solche politische Kultur ist nicht selbstverständlich gegeben, sie muss immer wieder neu errungen und verteidigt werden. Die EKD resümiert: „In diesem Auftrag erkennen Christinnen und Christen ihre eigene, im befreienden Evangelium von Jesus Christus verankerte Berufung wieder.“

Amen

Lied 625

Mitteilungen:

Geburtstage

Gebet:

Christus, wir danken für das Angebot,

mit dir deinen Weg zu gehen.

Schenke uns Kraft und Ausdauer für ein mutiges Leben,

das deinen Spuren nachgeht.

Ermutige uns, wenn wir den Weg nach unten scheuen

und den leidvollen Erfahrungen ausweichen wollen.

Wir brauchen Kraft an jedem Tag.

Wir brauchen festen Grund,

wenn unser Vertrauen missbraucht wird und der Glaube wankt.

Gib uns Gelassenheit, vor dem Unabänderlichen nicht zu fliehen,

sondern es tapfer anzunehmen.

Gib uns Klarheit, das Machbare zu erkennen

und ihm eine menschenfreundliche Gestalt zu geben.

Gib uns Vertrauen,

dann wird jede Lebensstufe, im Glück wie im Leid,

zum fruchtbaren Land,

auf dem Glaube, Liebe und Hoffnung wachsen.

Wir bitten nicht nur für uns.

Wir bitten auch für die Menschen,

die in der Nähe und in der Ferne in Mühen und Sorgen leben,

ungesehen und unbeachtet:

für die Traurigen und Enttäuschten,

für Menschen, die alleinstehen.

Wir bitten für die Opfer von Krieg und Gewalt in aller Welt.

Lass die Politikerinnen und die Machthaber

Wege zum Frieden suchen und finden.

Lass immer mehr Menschen zum Werkzeug deines Friedens werden.

Und was uns noch bewegt, bringen wir vor dich mit den Worten, die Christus uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen:

Geht in diesen Tag, in diese Woche mit dem Segen unseres Gottes:

Gott, segne uns und behüte uns

Gott schütze unser Leben und bewahre unsere Hoffnung.

Gott, lass dein Angesicht leuchten über uns,

dass wir leuchten für andere.

Gott, erhebe dein Angesicht auf uns und halte uns fest

im Glauben, dass das Leben stärker ist als der Tod. Amen.

Lied: EG 425, 1-3 Gib uns Frieden

Die Figur des Nikolaus steht für Nächstenliebe

Andacht, Kurt-Helmuth Eimuth

Nikolaus

5.12.16

Lied EG: 6, 1 – 3

Votum:

Wir haben uns hier zusammengefunden

Um uns zu besinnen auf Gott,

die Quelle unseres Lebens.

In der Nachfolge Jesu wollen wir gemeinsam

Schritte auf dem Weg

in ein gerechtes friedvolles Miteinander gehen.

Unsere Gemeinschaft auf diesem Weg

Möge gestärkt werden

Durch die Kraft Heiligen Geistes.

Psalm: 121 Nr. 749

Lied: EG 8, 1-3 Es kommt ein Schiff

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

heute ist der 5. Dezember. Morgen ist Nikolaustag. Heute Abend werden die Kinder ihre Stiefel vor die Tür stellen und hoffen, dass sie morgen früh reichlich gefüllt sind.

Als wir in der Redaktion des Evangelischen Frankfurts über Nikolaus sprachen, kam die Frage auf, ob man denn Kinder belügen dürfe?

Nikolaus mit Lügen in Verbindung zu bringen, liegt mir fern. Aber es ist ja richtig. Wir flunkern was das Zeug hält. Wir erzählen etwas vom Christkind und vom Weihnachtsmann. Und schon vorher kommt der Nikolaus und füllt die Stiefel. Dürfen wir das Oder sollten wir auf solche Geschichten verzichten?

Kinder lieben solche Überlieferungen. Im Alter von drei bis 6 Jahren sind sie in der sogenannten „magischen Phase“. Sie können sich vorstellen, dass der Baum spricht, der Mond sie bewacht oder dass der Teddy isst. Kinder entwickeln eine eigene magische Logik.: Wolken regnen, weil sie traurig sind; Der Ball liegt unter der Kommode, weil er schlafen will. Letztlich ist der Glaube an die Existenz des Nikolaus eine Frage der Hirnentwicklung. Bestimmte Areale werden in diesen jungen Jahren neu verschaltet. Das Kind lernt langsam Realität und Fiktion zu unterscheiden. Es muss erkennen können, dass der rotverpackte Kerl mit dem weißem Bart in Wirklichkeit Herr Müller aus der Nachbarschaft ist.

Mit dem Nikolaus belügen wir die Kinder nicht, sondern wir bereichern die kindliche Traumwelt. Allerdings sollten die Eltern es bei der schönen Traumwelt belassen und diese nicht nutzen, um irgendwelche Erziehungsziele zu erreichen. Der Klassiker ist die Frage des Nikolaus: „Wart ihr alle brav.“ Diese Frage entspricht eher einer Grundhaltung, die eine fremde Autorität nutzt, um den Kindern Angst einzuflößen. Keine schöne Traumwelt, eher Alptraum. Deshalb sollte der Nikolaus nicht das Sündenregister der Kinder aufzählen. Dies passt auch nicht zur Legende vom gütigen Nikolaus. Inhalt und Form sollten eine Einheit bilden, nur so kann es echt und überzeugend sein.

Kinder brauchen Märchen, so betitelte schon der bekannte Kinderpsychologe Bruno Bettelheim sein Standardwerk. Geschichten, Fabeln und Mythen gehören zum Kindsein. Sie regen die Phantasie an, sie zeigen was Gut und Böse ist, sie helfen den kindlichen Alltag zu erforschen und zu bewältigen. Wenn die Kinder in die Schule kommen, erkennen sie langsam die Realität, hören aber immer noch gerne die alten Geschichten, auch die vom Nikolaus.

Bleiben wir noch beim guten alten Nikolaus oder genauer beim Heiligen Nikolaus. Heilige kennen wir ja im Protestantismus nicht. Aber Vorbilder haben wir schon. Bonhoeffer, Wichern oder Martin Luther King.

Und so können wir uns auch den Mythen rund um Nikolaus von Myra nähern. Nikolaus trat in seiner Heimatstadt nah gelegenen Kloster von Sion ein und wurde um das Jahr 300 zum Metropoliten von Myra geweiht. Während der bald darauf einsetzenden Christenverfolgung wurde er um 310 gefangen genommen und gefoltert. 325 nahm er am 1. Konzil von Nicäa teil. 

Zahlreiche Legenden erzählen von seinen Wundertaten:

In einer verarmten Familie konnte er durch gezielte Geldgeschenke, die er heimlich durchs Fenster und durch den Kamin in die darin aufgehängten Socken warf, verhindern, dass der Vater seine drei Töchter zur Prostitution bewegen musste. 

Um ein in Seenot geratenes Schiff mit drei Pilgern, die von Ephesus ausfuhren und das für eine christliche Kapelle bestimmte heilige Öl in den Diana-Tempel zurückbringen sollten, zu retten, begab er sich an Bord, stillte den Sturm und brachte das Schiff sicher in den Hafen.

Drei Jungen fielen auf der Suche nach Arbeit dem Metzger in die Hände, der sie in ein Pökelfass steckte und zu Wurst verarbeiten wollte; sie waren schon zerteilt, als der Bischof davon erfuhr und sie wieder zum Leben erweckte.

Vom 15. Jahrhundert an verbreitete sich die Legende von den Getreidehändlern: Nikolaus erbat bei einer Hungersnot in Myra von jedem der für den Kaiser in Rom bestimmten Schiffe nur 100 Scheffel und versicherte, dass durch sein Gebet nichts bei der Ablieferung fehlen werde, was sich bewahrheitete; Nikolaus aber konnte seine Gemeinde auf Jahre hinaus ernähren und sogar Saatgut austeilen. 

Alle Legenden sagen vor allem eines: Niklaus war ein guter Mann. Und so singen wir es ja auch noch heute. Nikolaus gilt als Helfer in fast allen Schwierigkeiten. Die Volksfrömmigkeit hat seinen Gedenktag mit reichem Brauchtum liebevoll bedacht, seit 1555 ist Nikolaus als Gabenbringer für Kinder belegt. Ansatzpunkte für Brauchtum und seine zahlreichen Patronate finden sich in den Legenden.

Wie auch immer man zu den Legenden rund um Nikolaus stehen mag. Nikolaus war vor allem ein Vorbild. Er verkörperte Mitmenschlichkeit, er half den Bedürftigen und gab den Armen zu essen. Es ist diese Haltung die wir – und ich denke auch die die Kinder – lieben. Nikolaus steht nicht für die Haltung, dass sich der stärkere durchsetzt, er steht nicht für den Raubtierkapitalismus des 21. Jahrhunderts, nein er steht für nichts Geringeres als Nächstenliebe.

Ein kleines Stückchen hiervon können die Kinder spüren, wenn Morgen früh die Stiefel gefüllt sind. Und deshalb dürfen und sollen wir davon erzählen. Nikolaus schenkt etwas ganz ohne Gegenleistung. Dass ist das eigentliche Geschenk der Menschwerdung Gottes, dass wir als Menschen so wie wir sind angenommen sind.

Und so können wir den 5. und 6. Dezember gemeinsam mit unseren Kindern und Enkeln auf die Ankunft Jesu warten, so wie es der Bischof von Myra sicher auch schon vor 1700 Jahren getan hat.

Lied: EG 8, 4-6

Mitteilungen

Gebet:

Mache uns zu Zeichen deiner Freude

Dass wir trösten, wo Menschen trauern,

dass wir sie besuchen, wenn sie vereinsamen,

dass wir helfen, wo sie in Not geraten,

dass wir ihnen Hoffnung geben, wenn die Sorge sie erdrückt,

dass wir Licht bringen, wo sie in Leid versinken,

dass wir Wärme schenken, wenn sie im Zweifel erstarren,

dass wir ihnen vertrauen, auch wenn sie am Glauben irre werden.

Wir wissen, dass wir ohne deine Nähe das Leben verlieren.

Dir danken wir die Freude, die wir haben,

das Vertrauen, das uns stärkt,

die Güte, die uns tröstet,

den Frieden, der uns bewahrt.

Lass uns dir ähnlicher werden,

lass uns aus der Freude an dir Gutes sagen,

den Frieden suchen, das Heil glauben,

mit unserem Leben dein Kommen ankündigen.

Gemeinsam beten wir, wie Jesus uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde dein Name,

dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen:

Gott, der Ursprung und Vollender aller Dinge.

segne dich, gebe dir Gedeihen und Wachstum,

Erfüllung deiner Hoffnungen, Frucht deiner Mühe,

und am Ende das Ziel deiner Wege. Amen.

Lied: EG 421 (1)

Nicht Rechtsform, sondern Qualität entscheidet

Andacht

  1. 4.2016 Familie

Lied:

EG 610

Votum:

Im Namen Gottes kommen wir zusammen.

Gott nimmt uns an, wie wir sind.

Jesus gibt unserem Leben Richtung und Sinn.

Gottes Geist ruft uns auf den richtigen Weg.

Psalm: 98, Nr. 739

Lied: EG 171 Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott

Ansprache:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Unter dem Motto „Jede Familie ist anders“ macht die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) in diesem Frühjahr auf die vielfältigen Möglichkeiten des Zusammenlebens aufmerksam. Mit einem Info-Brief und großen Bannern an den Kirchen weist sie auf die besondere Bedeutung der Familie hin.

„Jeder Mensch hat eine Familie. Und jede Familie fühlt sich anders an – sie ist groß, klein, traditionell, modern, zerstritten, harmonisch, kaputt oder heil – vielleicht sogar vieles davon gleichzeitig“, so schreibt Kirchenpräsident Volker Jung. Er betont in seinem Schreiben, dass für die evangelische Kirche nicht die Form des Zusammenlebens wichtig sei, sondern, „dass sich Menschen, aufmerksam über Generationen und Verwandtschaftsgrade hinweg, in ihrer Familie umeinander kümmern“.

Der Begriff „Familie“ wurde erst im 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts in die deutsche Sprache aufgenommen und es gibt bis heute keine einheitliche Auffassung darüber, was man als „Familie“ bezeichnet.

Die EKHN hält nun dem klassischen Familienbild von Vater, Mutter, Kind, das Bild der verlässlichen Beziehung entgegen. Zahlreiche Beziehungen sind heute Lebensabschnittbeziehungen. Die Art der Verwandtschaft, das Alter der Personen ist eher nebensächlich. Familie ist vor allem durch die starke Bindung der Personen und die gegenseitige Verantwortung geprägt.

Nicht die äußere Form, die familiäre Bande ist also wichtig, sondern es kommt auf die Qualität der Beziehungen an.

Familie ist also überall dort, wo Menschen verlässlich in Liebe zusammenleben.

Diese Richtung des Denkens ist durchaus historisch angemessen.

In vorindustrieller Zeit hatten Ehe und Familie vor allem einen instrumentellen Charakter. Die Ehe wurde nicht aus Liebe geschlossen, sondern im Hinblick auf die Kinder und zwar um – je nach Schicht – Vermögen oder zumindest den Namen zu vererben und um im Falle von Krankheit und Alter die Versorgung der Familienmitglieder zu garantieren.

In der vorindustriellen Zeit waren die Familien geprägt durch ihre sozial-ökonomische Lage. Im Mittelpunkt stand der „Haushalt“, es waren Haushaltsfamilien. Bei den Besitzenden umschloss dies den Produktionsbetrieb. Der „Hausvater“ und die „Hausmutter“ hatten eine genau definierte Rolle auch im Handwerk, Bauernhof oder Gewerbe. Zum Haus gehörten auch etwa Knechte und andere Bedienstete.

Bei den ärmeren Schichten stand auch die ökonomische Funktion des Hauses im Mittelpunkt, auch wenn weit weniger Mitglieder das Haus hatte. Erwerbstätigkeit beider Eltern und der Kinder waren selbstverständlich.

Auch damals gab es sehr verschiedene Lebensformen. Vor allem Verwitwung – wegen der geringen Lebenserwartung – und ledige Mutterschaft waren oft die Ursache hierfür.

Über all die Jahrhunderte war die Erwerbstätigkeit der Mütter eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Lediglich das Bürgertum konnte sich die nicht-erwerbstätige Mutter leisten. Die Nicht-erwerbstätige Mutter wurde im sogennten Dritten Reich dann ideologisch überhöht und durch Ehestandsdarlehen vom Arbeitsmarkt abgeworben und bei vier Kindern mit dem Mutterkreuz geschmückt. Etwas später brauchte man dann wieder die Frauen zur Kriegsproduktion, was die Nazi-Ideologen in Argumentationsnöte brachte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg behielt die Bundesrepublik das Familienmodell bei, auch wenn die Realität der Trümmerfrauen anders aussah.

In den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts sah es dann anders aus. In jener Zeit war die mütterliche Erwerbstätigkeit in Westdeutschland am niedrigsten.

Eine breite Vielfalt von Familienformen ist, historisch betrachtet, der Normalfall. Die bürgerliche Familie als Ideal entwickelte sich erst im 18. Jahrhundert durch die Trennung von männlicher Erwerbswelt und weiblicher Familiensphäre mit Haushalt und Kindererziehung.

Wie stellt doch die EKHN in ihrer Kampagne fest: „Auch heute entsprechen nicht alle Lebensformen der klassischen Vorstellung von Familie. Denn es werden weniger Ehen geschlossen, Familien später gegründet. Patchworkfamilien sind längst keine Ausnahme mehr und Migranten bringen unterschiedliche Familienkulturen mit.“

Das Leben war schon immer komplizierter oder einfach vielfältiger als man denkt.

In der Bibel wird eine große Vielfalt beschrieben, wie Familien zusammenleben. Der Klassiker „Vater, Mutter, Kind“ kommt weniger vor. Vor allem geht es um Nachkommen: Familie soll erhalten werden und wachsen. Dabei greifen manche auch zu unlauteren Mitteln.

Da gibt es etwa die Patchworkfamilie

Jakob, einer der Stammväter Israels, wollte eigentlich nur seine große Liebe Rahel heiraten. Doch der Verliebte hat nicht mit der Hinterlist seines künftigen Schwiegervaters Laban gerechnet: Der jubelt ihm nach sieben harten Arbeitsjahren Rahels ältere Schwester Lea unter. Jakob muss weitere sieben Jahre für Laban schuften, bis er endlich auch Rahel als seine Frau in die Arme schließen kann. Mit den beiden Schwestern und ihren zwei Mägden bekommt er schließlich zwölf Söhne und eine Tochter. Das birgt reichlich Konfliktstoff über zwei Generationen hinweg. Jakob verteilt seine Zuneigung ganz unterschiedlich auf seine Frauen und ihre Kinder. Jakobs Liebe gilt weiterhin der jüngeren Rahel. Ihre ungeliebte, aber kinderreiche Schwester Lea kämpft ein Leben lang um Jakobs Zuneigung. Nach langem Warten bekommt auch Rahel einen Sohn: Josef – Papas Liebling. Der bekommt die Eifersucht seiner Brüder zu spüren: Sie verkaufen Josef an Kaufleute, die ihn nach Ägypten bringen. Jahre später sehen sich dort die Brüder wieder. Es gelingt ihnen, Misstrauen und Feindschaft auszuräumen. Vor seinem Tod segnet ihr Vater Jakob seine Söhne. Immer noch ist deutlich spürbar, wen er besonders liebt und wen weniger: „Isaschar wird ein knochiger Esel sein … Josef wird wachsen wie ein Baum an der Quelle“ (1. Mose 49). Erst Josef gelingt es, seine Familienmitglieder endgültig zu versöhnen. Er macht ihnen klar: Gott will zum Guten wenden, was Menschen im Bösen begonnen haben. Es geht darum, das Leben zu erhalten. (1. Mose 50,18 ff)

Daran glauben sie. Danach leben sie – und vermehren sich. Die zwölf Söhne stehen für die zwölf Stämme Israels. (1. Mose 35, 22 ff)

Es gibt auch Leihmutterschaft

Sara ist hochbetagt und kinderlos. Sie stiftet ihren Mann Abraham an: Er soll mit ihrer Magd Hagar ein Kind zeugen. Gesagt, getan. Hagars Sohn Ismael soll als das Kind von Abraham und Sara gelten. Doch das Dreiecksverhältnis funktioniert nicht: Hagar wird gegenüber der kinderlosen Sara aufmüpfig. Daraufhin drängt Sara ihren Mann, Hagar in die Wüste zu schicken. Der hört auf seine Frau. Später bekommt Sara doch noch einen Sohn: Isaak. (1. Mose 16 und 1. Mose 21) Die Nachkommen Isaaks werden zum Volk Israel. Auf Ismael, den Sohn Abrahams und Hagars, beziehen sich Muslime. Darum gilt Abraham sowohl Juden wie Muslimen als Stammvater des Glaubens.

Selbst Scheidung kommt in der Bibel vor.

Laut 5. Mose 24, 1 ff kann ein Mann seiner Frau einen Scheidebrief geben, wenn sie „keine Gnade vor seinen Augen findet“ oder wenn er „ihrer überdrüssig“ geworden ist. Rein patriarchal für den Mann formuliert. Jesus ist da radikal: Dieses Gebot hat Gott nur wegen „eures Herzens Härte“ geschrieben. (Markus 10, 5) Jesu Ideal heißt: „Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden.“ (Markus 10, 9) Gleichzeitig weiß Jesus um die Realität, am Ideal zu scheitern. Eine aufgebrachte Menge will eine Ehebrecherin steinigen. Jesus sagt zu ihnen: „Wer unter euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein auf sie.“ (Johannes 8, 7) Die Leute lassen ihre Steine fallen. Einer nach dem anderen.

Die Bibel kann also nicht für eine Lebensform vereinnahmt werden. Es kommt eben nicht auf die formale Rechtsform der Gemeinschaft an, sondern auf die Qualität des Zusammenlebens. Viel bedeutsamer ist es, dass wir uns liebevoll, und verlässlich umeinander kümmern.

Amen.

Lied: EG 623

Mitteilungen:

Gebet:

Unser Gott,

du hast unsere Welt geschaffen.

Tag für Tag sehen wir so vieles,

was du uns schenkst.

Dafür danken wir dir.

Wir denken jetzt an das,

was wir anderen Menschen wünschen.

Lieber Gott, sei du bei den Menschen,

die auf deine Hilfe warten,

dort, wo wir leben,

zuhause, bei unseren Freunden

und bei denen, die wir Tag für Tag sehen.

Lass uns selbst für die da sein,

die uns brauchen:

In unseren Familien,

in unseren Häusern und Straßen,

in unserer Welt.

In der Stille nennen wir dir die Namen von Menschen,

die wir lieb haben.

Stille

Sei und bleibe du bei ihnen,

sei und bleibe du bei uns,

guter Gott.

Und was uns noch bewegt, bringen wir vor Dich

mit den Worten, die Christus uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen:

Geht in diesen Tag, in diese Woche mit dem Segen unseres Gottes:

Gott segne und behüte uns,

Gottes Licht wärme uns,

Jesus Christus leuchte unseren Weg aus,

Heiliger Geist, lichte unser Leben

Gehet hin in Frieden. Amen.

Lied: EG 421, Verleih uns Frieden gnädiglich

Heilig Abend in der Reha-Klinik

Andacht,

Kurt-Helmuth Eimuth

Heilig Abend 2015

Asklepios Klinik Falkenstein

Glocken

Lied 45 Herbei o Ihr Gläubigen

Ich begrüße Sie gang herzlich hier zur Andacht am Heiligen Abend.

Schön, dass Ihr/Sie gekommen seid.

In Gottes Namen wollen wir beginnen

Gott ist allen Zweifelnden, Verzagten und Suchenden besonders nah.

In Jesu Namen wollen wir beginnen,

denn Jesus ließ diese Nähe Ausgestoßene, Verachtete, Verzweifelte spüren.

In der Hoffnung auf das Geschenk des Heiligen Geistes wollen wir beginnen,

um Mut und Ideen bitten, heute diese Nähe weiterzugeben.

Amen.

Psalm: 121 Nr. 749

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen: Woher kommt mir Hilfe?

2 Meine Hilfe kommt von dem Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat!
3 Er wird deinen Fuß nicht wanken lassen,
und der dich behütet, schläft nicht.
4 Siehe, der Hüter Israels
schläft noch schlummert nicht.
5 Der Herr behütet dich;
der Herr ist dein Schatten zu deiner rechten Hand,
6 daß dich am Tag die Sonne nicht steche,
noch der Mond bei Nacht.
7 Der Herr behüte dich vor allem Übel,a
er behüte deine Seele;
8 der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang
von nun an bis in Ewigkeit.

Lied: EG 30 Es ist ein Ros entsprungen

LK 2, 7-20 Weihnachtsgeschichte

1Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.

2Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war.

3Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.

4Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war,

5damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger.

6Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte.

7Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

8Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.

9Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.

10Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird;

11denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.

12Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.

13Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:

14Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Text Steffensky

Wenn ein Vater mit seinem Kind spielt oder wenn er es tröstet, bleibt er nicht in seiner vollen Größe vor dem Kind stehen. Er geht in die Knie, macht sich klein, begibt sich in die Lage des Kindes, ist Auge in Auge mit ihm und nimmt seinen Horizont an. Er vergisst seine Sprache und spricht die Worte, die das Kind schon versteht.

Warum? Hat das Kind nicht mehr davon, wenn der Vater groß und in sicherer Überlegenheit vor ihm steht? Es scheint, dass das Kind, wenn es glücklich spielt oder wenn es im Unglück weint, mehr auf die Nähe des Vaters angewiesen ist.

Gott geht in die Knie, er lebt das Leben aus unserer Perspektive, spricht die Sprache unseres Stammelns. Jesus, der kleine König, hat nicht einmal eine Stelle, an der er mit Anstand geboren werden kann. ­Irgendeine zugige Höhle ist gut genug für ihn. Seine Huldiger sind ein paar zerlumpte Hirten. Der kleine König wird versteckt und heimlich außer Landes gebracht, die Macht trachtet ihm nach dem Leben. Er ist nicht einmal einzigartig in seinem Leiden. Er ist nicht der erste Flüchtling, und er wird nicht der letzte sein. Was ihm zustößt, ist Menschen vor ihm zugestoßen und wird Menschen nach ihm zustoßen.

Der kleine König hat seine Insignien und Zeichen, an denen man ihn erkennt. So wird es den Hirten gesagt: „Und das sei ­euch ein Zeichen: Ihr werdet ein Kind finden, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend.“ Lächerliche Würdezeichen: Kinderwindeln und ein Futtertrog! Wenn sich einer eine blasphemische Verhöhnung von Glanz und Herrlichkeit Gottes ausdenken wollte, könnte er es nicht besser und ironischer tun, als Gott es in der Weihnachtsgeschichte selber getan hat.

Wir können Gott diese Selbstironie nur schwer verzeihen. Dem kleinen König ­haben die Menschen gesagt: Wenn du der Sohn Gottes bist, gib uns Zeichen deiner Macht; steig herab von der Qual deines Kreuzes; verwandle die Steine in Brot, dass du zu essen hast, und stürze dich vom Felsen, es passiert dir nichts! Welch ein Irrtum! Diesem Sohn Gottes stieß fast alles zu, was einem Menschen zustoßen kann. Es ist ein fremder und zärtlicher Gedanke, dass unser Leben und dass die Welt nicht gerettet werden durch die Macht des Mächtigen, sondern durch die Teilnahme Gottes an unseren Ohnmachten und an unseren Leiden. Dies ist keine Verherrlichung der Ohnmacht. Es bedeutet nicht, dass das ­Leiden in sich eine erlösende Kraft hat. Die Liebe, die sich gleich macht mit dem Geliebten, ist die erlösende Kraft. Gott duldet keine Apartheid, auch nicht zwischen sich und seinen verlorenen und gequälten Geschöpfen – das sagt uns der kleine König in seinen Windeln, in seinem Trog, auf seinen Fluchten und mit seinen Tränen. Gott geht in Jesus Christus in die Knie, wie wir in die Knie gehen, wenn uns das Leben schlägt.

Der kleine verlorene König wird umkommen, weil er sich von denen nicht ­trennen lässt, die umkommen. Gott hat sich verhüllt in seiner Geschichte. Er hat gelernt, was Hunger und Durst, Einsamkeit und Folter sind. Damit hat er die Wichtigkeit unseres Lebens enthüllt. Alle Schönheit und alles Elend der Welt sind zum Abglanz der Schönheit und der Wunden Gottes geworden. Gott blutet in unseren Wunden, er wird geschlagen in der Folter der Menschen, und er entbehrt des Brotes wie die Kinder in Syrien. Ob Menschen Brot haben oder nicht; ob sie geschlagen werden oder ob sie in Ruhe leben können; ob sie Arbeit haben oder nicht, das ist eine spirituelle Angelegenheit geworden, seit Gott mit unseren Wunden bedeckt ist.

Der kleine König hat gesiegt, erzählt uns die Bibel; er ist auferstanden. Schwer zu glauben! Aber wie könnten wir leben ohne die Schönheit dieser Geschichte?

Lied 44 Oh Du Fröhliche

Liebe Gemeinde.

Uns hat hier ein Schicksalsschlag zusammengeführt. Plötzlich sieht man sich mit einer Krankheit konfrontiert. Der Einschnitt ins Leben ist unübersehbar und der Kampf zurück ins Leben ist lang, bedarf großer Geduld und ebensolcher fachlichen Hilfe.

Zum Glück haben wir ein Gesundheitssystem, das die notwendige Hilfe zumal auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft für alle bereit stellt. Hier wird geholfen. Täglich werden kleine Schritte, kleine Fortschritte gemacht.

Und doch ist es etwas befremdlich, wenn jetzt Oh Du Fröhliche erklingt. Passt das zusammen? Wo war Gott als mich die Krankheit traf? Gedanken, die kommen, Gedanken, die Zweifel ausdrücken.

Doch es ist das Besondere am christlichen Glauben, dass Gott Mensch geworden ist. Nirgends ist dies so sichtbar wie in dieser Heiligen Nacht. Hier liegt Gott in einer Krippe, er ist ganz Mensch. Und weil er Mensch geworden ist, leidet er mit uns. Aber Gott gibt uns auch Kraft und schickt uns Menschen, die helfen.

Zahllose Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Schwestern, Ärzte, Therapeutinnen und Therapeuten mühen sich Tag für Tag zum Wohle der Patienten.

Krankheit ist also nicht gottgewollt. So etwas glauben nur christliche Fundamentalisten. Krankheit ist das Ergebnis biologischer Vorgänge.

Doch durch die Geburt dieses Kindes leidet Gott mit uns und trägt uns, auch in den schweren Stunden.

Dies macht Mut. Es gibt Mut und Kraft, die wir für die Genesung benötigen.

Deshalb und nur deshalb können wir singen: Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann diese Nacht nicht traurig sein.

Lied: EG 56 Weil Gott in tiefster

Gebet:

Wir beten mit den Worten Dietrich Bonhoeffers

Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,

so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.  

Noch will das Alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das du uns geschaffen hast. 

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,

so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört dir unser Leben ganz.

Laß warm und hell die Kerzen heute flammen,
die du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so lass uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang. 

 Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiß an jedem neuen Tag.

Gemeinsam beten wir, wie Jesus uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde dein Name,

dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen:

Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden

Lied: EG 46 Stille Nacht

Glocken

Dieter Graumann

Römerbergbündnis gegen Rassismus

25.01.2015 Heiliggeistkirche

Kurt-Helmuth Eimuth

Orgelvorspiel

Eingangslied: EG 295, 1-4

Wohl denen die da wandeln

Votum:

Im Namen Gottes feiern wir diese Andacht

Gott ist die schöpferische Kraft,

die alles Leben werden läßt.

Jesus Christus ist die heilende Kraft,

die zusammenhält, was auseinandergefallen ist.

Gottes Geist ist die tragende Kraft,

die hält, was zu fallen droht.

Psalm 23, Nr. 711 im Wechsel

Der Herr ist mein Hirte,

mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue

Und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele.

Er führet mich auf rechter Straße um seines

Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,

fürchte ich kein Unglück;

denn du bist bei mir,

dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch

Im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl

Und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen

Mein Leben lang,

und ich werde bleiben im Hause des Herrn

immerdar.

Eingangsgebet:

Wir stehen vor dir, Gott

Eingebunden in unsere Welt,

umgeben von unserem Alltag,

gefordert von der Verantwortung, die wir tragen.

So viel Unterschiedliches umgibt uns,

so viele Anforderungen werden an uns gestellt,

da ist es manchmal nicht einfach, die Orientierung zu behalten –

oder überhaupt erste eine zu finden.

Die Sehnsucht ist da eine Richtung zu erkennen,

an die wir uns halten und auf die wir uns verlassen können.

In unserer schnelllebigen Zeit

Suchen wir Beständigkeit und dauerhafte Ziele.

Wir stehen vor dir, Gott,

mit unseren Erfahrungen und Träumen,

mit unserer Realität und unseren Hoffnungen.

Vor dir können wir sie bestehen lassen und ernst nehmen. Amen.

Lied: EG 613, Freunde, daß der Mandelzweig

Andacht:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

mich bewegen in diesen Tagen zwei Ereignisse:

Heute Abend lädt das Römerbergbündnis zu einer Kundgebung unter dem Motto Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit ein. Ein starkes Zeichen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.

Morgen ist der 70.Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers in Auschwitz. Auschwitz ist das Synonym für Unmenschlichkeit, für Grausamkeit aber auch für Intoleranz und Rassismus. So etwas wollen wir nie wieder haben. Hier nicht, in Deutschland nicht, auf der ganzen Welt nicht!

Gerade habe ich ein Buch gelesen, dass zu diesen beiden Aspekten interessante Einblicke gewährt. Peter Lückemeier und Werner D’Inka haben den ehemaligen Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dieter Graumann interviewt.

Graumann, so darf man sagen, ist ein in Israel geborener Frankfurter. Aufgewachsen zunächst in Zeilsheim und später im Westend. Seine Eltern hatten die Konzentrationslager überlebt. Der kleine David, so hieß Dieter Graumann zunächst, kannte vieles aus den Konzentrationslagern aus Erzählungen. „Ich bin mit Geschichten aus den Lagern groß geworden, wie andere mit Grimms Märchen“, sagt Graumann. „Sonntags kamen die Freunde meiner Eltern aus der Zeilsheimer Zeit in unserer kleinen Zweizimmerwohnung im Westend zu Besuch – und worüber redeten sie? Natürlich fast ausschließlich über ihre Zeit in den KZs. Und ich hörte immer sehr aufmerksam zu.

Und dann kam der Augenblick, an dem aus David Dieter wurde. Graumann erzählt: „Das ist ein Moment den ich natürlich für immer in mir trage. Wir lebten damals in der Oberlindau im Frankfurter Westend in einer kleinen Zweizimmerwohnung. Wir hatten im Schlafzimmer meiner Eltern eine große Spiegelanrichte. Eines Tages riefen sie mich und haben sehr ernst gesagt: ‚David, Du kommst jetzt in die Schule, und es ist nicht gut, wenn jeder weiß, dass du jüdisch bist. Und mit Deinem Namen David weiß jeder sofort, dass du Jude bist. Das ist nicht gut, und deswegen werden wir jetzt etwas zusammen machen.‘ Und dann haben sie mich ganz feierlich vor den Spiegel gestellt, mich in die Mitte genommen und dann langsam zu mir gesagt: ‚David, ab heute heißt du Dieter.‘ Das war schon ein heftiger, ein absolut dramatischer und auch traumatischer Augenblick für mich. Ich glaube nicht, dass das vielen Menschen im Leben jemals geschieht.“ Und in der Tat fühlte sich Dieter, wie Graumann jetzt hieß, in der Schulklasse „emotional isoliert.“ Doch er gewöhnte sich schnell an den neuen Namen, der auch in seinen Pass eingetragen wurde. Er kannte ja die Angst seiner Eltern: Denn diese fürchteten, dass sich so etwas wie der Holocaust wiederholen könne. Ausreise war für diese Familie immer ein Thema, das sich nur langsam abschwächte. Widerwillig lebten seine Eltern in Deutschland. „Widerwillig und mit ganz, ganz schlechtem Gewissen. Sie lebten an einem Ort, von dem sie das Gefühl hatten, sie dürften dort eigentlich nicht sein“, so Graumann.

Und noch etwas schmerzte aus der Kinderperspektive: Es gab keine Großeltern. Keine Familie im weiteren Sinne und dem Kind fehlte das Wissen um das Woher, wer gehört dazu – und natürlich vermisste das Kind auch Geschenke.

Für den Erwachsenen bleibt die eine, die entscheidende Frage, die Theodize-Frage offen: Wie konnte Gott Auschwitz zulassen? Eine Frage, die auch Graumann nicht beantworten kann. Graumann benutzt als Beschreibung der Schoa Bubers Begriff der „Gottesfinsternis“ und sagt: „Ich persönlich jedenfalls will aber fest daran glauben, dass Gott selbst im Holocaust immer bei den leidenden Menschen war, um ihnen Mut und Kraft und Inspiration zu geben, dass er jenen Hoffnung und Stärke gab, die den Schrecken überleben konnten, dass er die Verzweiflung und die Schrei der Menschen auch dort gehört und sie auch in unermesslichen Leid getröstet hat, ihre Tränen trocknete und ihnen selbst und gerade in ihren allerschwersten, bittersten Stunden immerzu beistand.“

Dieter war ein Frankfurter Bub und fußballbegeistert. Was lag näher als Fan von Eintracht Frankfurt zu werden. Das half ihm auch später auf dem Goethe-Gymnasium im Kontakt mit den anderen Jungs. Später war er Vorsitzender des jüdischen Fußballvereins Makkabi Frankfurt. Im Jahre 2000 wurden Woche für Woche die Kinder und Jugendlichen des Vereins von den Zuschauerrängen mit antisemitischen Sprüchen angepöbelt. Doch Graumann fand beim DFB kein Gehör und wandte sich schließlich an die Presse. Erst da bewegte sich etwas, wenn auch zunächst widerwillig. Graumann schildert, wie ihm der spätere DFB-Präsident Theo Zwanziger unterstütze. Heute, so Graumann, sei der DFB „deutlich sensibler“.

In dem als Buch erschienenen Gespräch werden auch andere, die Stadt und das Land bewegende Ereignisse lebendig. Der Konflikt mit Martin Walser und Jakob Augstein, die Beschneidungsdebatte und natürlich die Auseinandersetzung um die Aufführung des Fassbinder-Stückes im Schauspielhaus. Graumann argumentiert immer sachlich, äußerst reflektiert und stets aus der Perspektive eines Mannes, der nach vorne schaut und gestalten will.

Dieter Graumann schildert beeindruckend, welche Aufgabe sich der Frankfurter jüdischen Gemeide ab 1989 stellte: „neunzig Prozent unserer Mitglieder sind in den letzten 25 Jahren aus der ehemaligen Sowjetunion zu gekommen, ich wiederhole: neunzig Prozent! Nur zehn Prozent waren vorher schon da. Das ist doch ein bemerkenswertes, kurioses Zahlenverhältnis.“ Für Graumann hat die jüdische Gemeinde dadurch „eine rasante, eine radikale, eine durchaus revolutionäre Veränderung“ erlebt. Die Gemeinde hat sich ihren neuen Mitgliedern zugewandt. Graumann berichtet: „Als jetzt die Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion zu uns kamen, sagte ich mir, ja: da schwor ich mir, die Fehler der Vergangenheit dürfen wir auf gar keinen Fall wiederholen. Deshalb habe ich mich vom ersten Moment an dafür eingesetzt, dass die Neuankömmlinge mit offenen Armen empfangen wurden. Mit Herzlichkeit und einem Lächeln.“

Diese Haltung kann uns Vorbild sein. Im Aufruf zur heutigen Kundgebung des Römerbergbündnisses heißt es : „Seit dem Zweiten Weltkrieg waren weltweit noch nie so viele Menschen auf der Flucht. Gerade Muslime, Juden und Christen sind Opfer von Gewalt und Vertreibung. Dies droht europäische Gesellschaften zu spalten.

Menschen fliehen nach Europa vor Krieg und politischer, religiöser oder ethnischer Verfolgung, vor Hunger und bitterer Armut, vor Umweltzerstörung und vor brutalen Menschenrechtsverletzungen in ihrer Heimat. Asylrecht ist ein wichtiges und aus geschichtlichen Gründen in der Verfassung verankertes Grundrecht. Angriffe auf Grundrechte unterschreiten die Standards, nach denen wir leben wollen. Allzu oft in unserer Geschichte, als Menschen ausgegrenzt und verfolgt wurden, haben zu viele zu lange nur zugeschaut. Eine menschenwürdige Gesellschaft wird aber nur entstehen und Bestand haben, wenn ihre Mitglieder bereit sind, sie gleichberechtigt zu entwickeln und zu verteidigen.“

Und zum Schluss wird festgestellt: „Wir bekennen uns zu den in der Verfassung festgehaltenen Grundrechten, die unabhängig von Geschlecht, Religion und Herkunft für alle Menschen gelten: vor allem zu dem Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit sowie zur Presse-, Meinungs-, Gewissens- und Religionsfreiheit. Wir bejahen ausdrücklich die Diversität der Menschen in unserer Stadt und wollen die daraus entstehenden Konflikte im Rahmen der Rechtstaatlichkeit gemeinsam lösen.“

Lied: EG 599, Selig seid ihr

Mitteilungen

Gebet:

Gott, Quelle der Weisheit

Wir danken für die Momente der Klarheit, die wir erleben,

für den echten Glanz, den wir sehen,

für deine Gegenwart.

Wir bitten dich,

lass uns deine Gegenwart auch in unserer Gemeinschaft erleben:

in unserer Kirche,

daß wir gemeinsam Worte finden für das, was uns bewegt,

in unserem Land,

daß wir uns auf deinen Zuspruch von Frieden und Gerechtigkeit besinnen,

in unserer Gemeinde,

daß wir die Höhen und Tiefen unseres Weges begreifen.

Wir denken an unser eigenes Leben,

was uns fehlt, was wir ändern wollen.

Daß wir unser Leben verantwortungsvoll gestalten,

anderen und uns selbst Freude schenken können,

darum bitten wir.

Gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen:

Gott segne uns und behüte uns

Gott gebe uns Liebe, wo Haß ist,

Kraft, wo Schwachheit lähmt,

Toleranz, wo Ungeduld herrscht,

Offenheit, wo alles festgefahren scheint.

So sei Gottes Segen mit uns allen,

beflügle unsere Hoffnung

und begleite uns wie ein Licht in der Nacht. Amen.

Lied: 421 Verleih uns Frieden

Dank

Andacht,

29.9.2014

Orgel

Lied: EG 334, 1-3, 6 Danke

Votum:

In Gottes Namen wollen wir beginnen

Gott ist allen Zweifelnden, Verzagten und Suchenden besonders nah.

In Jesu Namen wollen wir beginnen,

denn Jesus ließ diese Nähe Ausgestoßene, Verachtete, Verzweifelte spüren.

In der Hoffnung auf das Geschenk des Heiligen Geistes wollen wir beginnen,

um Mut und Ideen bitten, heute diese Nähe weiterzugeben.

Amen.

Psalm 118, Nr. 747

Lied: EG 508 Wir pflügen

Ansprache:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

vor einigen tagen rief mich ein Kirchenvorsteher an und fragte: Kann ich an den Zaun Ihrer Krabbelstube ein Plakat der EKHN hängen? Die Danksekunde. Bei Ihnen ist es der ideale Standort für das Plakat.“

Natürlich kann er. Keine Frage, auch wir unterstützen die Impulskampagne der EKHN. Und doch fragte ich. Sagen Sie mal ist das denn wirkungsvoll. Die Antwort: Doch, doch wir sind schon mehrfach angesprochen worden.

Selbst der Kirchenpräsident hat zur Eröffnung der Dank-Aktion am Frankfurter Hauptbahnhof Äpfel verteilt.

Die Impulspost zum Thema Danken hat da vielleicht doch etwas aufgegriffen, was im Alltag oft verschwindet. Innehalten, dankbar zurückschauen, um Kraft für die neuen Aufgaben zu finden.

Bei Twitter finden sich zu der Aktion Einträge wie:

Danke Gott, dass Du uns gleichermaßen liebst – Hautfarbe und sozialer Hintergrund spielen bei Dir keine Rolle.

Lasst uns Fremde willkommen heißen, auf dass sie keine Fremden bleiben

Schenke Menschen mit Deinen Worten Kraft und Trost. Glaube an sie, so wie Gott an Dich glaubt!

„Es gibt so viele Dinge im Leben, für die wir dankbar sein können“, sagt Kirchenpräsident Volker Jung und zählt auf: „Die Natur, unsere Nahrung, ein Leben in Freiheit, Familie, Freunde, Beruf, Zeit, in der es uns gutgeht, und vieles mehr. Das alles feiern wir mit dem Erntedankfest. Selbst wenn die meisten Menschen heute nicht mehr selbst säen und ernten, gibt es viele Gründe zu sagen: Gott sei Dank!“

Viele Menschen kennen noch das traditionelle Tischgebet: „Alle guten Gaben, alles, was wir haben, kommt, o Gott, von dir. Wir danken dir dafür.“ Solche Dankgebete gehören für viele zum Essen wie Löffel oder Gabel. Die Menschen, die sie sprechen, sagen damit: Wir verdanken unser Leben letztlich nicht uns selbst, sondern Gott.

Oft fehlt uns die Zeit, manchmal fehlen uns auch die richtigen Worte, um uns zu bedanken. Dabei braucht es eigentlich nur eine Sekunde, um „Danke“ zu sagen. Jeder Tag hat 86.400 Sekunden und bietet ebenso viele Augenblicke und Anlässe, sich zu bedanken. Deshalb heißt die neue Aktion der EKHN „Danksekunde“.

Den meisten von uns geht es gut, Hunger ist – Gott sei Dank! – kein Thema. Für die Ernte zu danken liegt nahe, weil Nahrung, Früchte und Lebensmittel für alle vorhanden sind. Wir sind reich, wir können dankbar sein und sagen Dank.

Gleichzeitig wirft dieser Dank aber auch Fragen auf: Wo und unter welchen Bedingungen werden die Güter produziert, die wir verbrauchen? Wie nachhaltig leben wir eigentlich? Welche Folgen hat unser Lebensstil? Die großen Herausforderungen für die Zukunft rücken in unser Blickfeld. Jeder einzelne Mensch ist ein Teil des Ganzen und kann ein Teil der Lösung werden. Es hat Folgen, wenn wir bewusst leben, an die Mitmenschen und die Natur denken. Wir können „Danke“ sagen, um damit Chancen und Freude mit anderen zu teilen.

Aber noch etwas vergessen wir oft. Wir als Nachkriegsgeneration sind im Frieden aufgewachsen. Wir haben keinen Krieg erleben müssen.

Hilflos, sprachlos und atemlos verfolgt man derzeit die Nachrichten. Kann es denn wirklich sein, dass die Welt einhundert Jahre nach dem Ausbruch des 1. Weltkrieges, 75 Jahre nach dem Überfall auf Polen, so aus den Fugen gerät? Hat denn niemand etwas gelernt?

Überall scheint es „bewaffnete Konflikte“, wie Krieg verniedlichend oft genannt wird, zu geben: Gaza, der ewige Kampf zweier Völker, seit Generationen ineinander verhakt; Syrien, die schreckliche Invasion von Terroristen, die einen Gottesstaat errichten wollen; und dann die gar nicht mehr heimliche Annexion der Ukraine. Gewalt, Tod und Vertreibung sind die Folge. Alleine in Syrien sollen 6 Millionen Menschen auf der Flucht sein. Vierzig gewaltsame Auseinandersetzungen, also Kriege soll es derzeit auf der Welt geben.

Angesichts solcher Gewalt können wir Deutschen dankbar auf die letzten Jahrzehnte zurückschauen. Dankbar als Nachkriegsgeneration, dass wir in Frieden aufwachsen und leben können. Nicht zuletzt hat dieses dem Land einen noch nie dagewesenen Wohlstand beschert.

Dankbar auch für ein geeintes Europa. Wer in diesem Sommer im Urlaub war, wird dieses grenzenlose Europa womöglich genossen haben. Ob nach Schweden, Österreich oder Ungarn. Man muss schon genau aufpassen, um festzustellen, wann man die Staatsgrenze überschreitet. Europa ist zusammengewachsen. Und das ist gut so.

Mit dem Erntedankfest kommt die Zeit, dass wir daran erinnert werden, uns auch einmal dankbar umzuschauen. Danke für die Jahrzehnte des Friedens. Er ist die Grundlage für ein Leben in Freiheit, in Wohlstand und in seelischer Unverletztheit.

Friedenspolitik muss immer die höchste Priorität haben. Wir spüren, dass Deutschland sich immer weniger heraushalten kann. Die Diskussionen über den Weg, bedrohten Menschen zu helfen ist im Gange und muss auch geführt werden. Die Terroristen der ISIS muss die Völkergemeinschaft stoppen. Die Mittel, die hierzu nötig sind, werden unterschiedlich eingeschätzt. Das moralische Dilemma für Christinnen und Christen ist unlösbar: Wenn man militärisch eingreift wird man schuldig, schaut man dem Massenmord tatenlos zu, wird man es auch. Dietrich Bonhoeffer lebte und erlebte dieses Dilemma. Er fasste es in diesem Satz zusammen: „Die Sünde zu vermeiden, kann die größte Schuld sein.“ und an andere Stelle formulierte er: „Nachfolge Jesu kann auch heißen: aus Nächstenliebe schuldig werden.“

Doch bei allen aktuellen Entscheidungen darf man es sich nicht einfach machen. Intensiv und ohne Häme muss die Debatte geführt werden. Aber es darf keine isolierte Diskussion über militärische Maßnahmen sein. Sie muss immer einher gehen mit der Frage, wie können wir humanitär helfen? Auch die Aufnahme von Flüchtlingen ist eine solche humanitäre Maßnahme. Und die können wir sofort umsetzen.

Es ist eine Bereitschaft in Bevölkerung zu spüren hier zu helfen. Diese Stimmung müssen alle verantwortlichen Kräfte stützen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie uns dankbar in diese Woche gehen. Bei aller Anstrengung und Mühe – ja sicher auch gelegentlich auch Ärger – dankbar für das, was wir gemeinsam als evangelische Kirche in dieser Stadt darstellen.

Lied 560

Mitteilungen:

Geburtstage

Gebet:

Christus, wir danken für das Angebot,

mit dir deinen Weg zu gehen.

Schenke uns Kraft und Ausdauer für ein mutiges Leben,

das deinen Spuren nachgeht.

Ermutige uns, wenn wir den Weg nach unten scheuen

und den leidvollen Erfahrungen ausweichen wollen.

Wir brauchen Kraft an jedem Tag.

Wir brauchen festen Grund,

wenn unser Vertrauen missbraucht wird und der Glaube wankt.

Gib uns Gelassenheit, vor dem Unabänderlichen nicht zu fliehen,

sondern es tapfer anzunehmen.

Gib uns Klarheit, das Machbare zu erkennen

und ihm eine menschenfreundliche Gestalt zu geben.

Gib uns Vertrauen,

dann wird jede Lebensstufe, im Glück wie im Leid,

zum fruchtbaren Land,

auf dem Glaube, Liebe und Hoffnung wachsen.

Wir bitten nicht nur für uns.

Wir bitten auch für die Menschen,

die in der Nähe und in der Ferne in Mühen und Sorgen leben,

ungesehen und unbeachtet:

für die Traurigen und Enttäuschten,

für Menschen, die alleinstehen.

Wir bitten für die Opfer von Krieg und Gewalt in aller Welt.

Lass die Politikerinnen und die Machthaber

Wege zum Frieden suchen und finden.

Lass immer mehr Menschen zum Werkzeug deines Friedens werden.

Und was uns noch bewegt, bringen wir vor dich mit den Worten, die Christus uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen:

Geht in diesen Tag, in diese Woche mit dem Segen unseres Gottes:

Gott, segne uns und behüte uns

Gott schütze unser Leben und bewahre unsere Hoffnung.

Gott, lass dein Angesicht leuchten über uns,

dass wir leuchten für andere.

Gott, erhebe dein Angesicht auf uns und halte uns fest

im Glauben, dass das Leben stärker ist als der Tod. Amen.

Lied: EG 425, 1-3 Gib uns Frieden

Katharina von Bora

Traum von einer geschlechtergerechten Welt

Andacht,

Kurt-Helmuth Eimuth

23.6.2014

Orgel

Lied: EG 124, Nun bitten wir den Heiligen Geist

Votum:

In Gottes Namen wollen wir beginnen

Gott ist allen Zweifelnden, Verzagten und Suchenden besonders nah.

In Jesu Namen wollen wir beginnen,

denn Jesus ließ diese Nähe Ausgestoßene, Verachtete, Verzweifelte spüren.

In der Hoffnung auf das Geschenk des Heiligen Geistes wollen wir beginnen,

um Mut und Ideen bitten, heute diese Nähe weiterzugeben.

Amen.

Psalm 119, Nr. 748

Lied: EG 193 Erhalt uns Herr bei Deinem Wort

Ansprache:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

In dieser Woche war auch der Equal Pay Day Er markiert die Gehaltsdifferenz, wenn auch nur symbolisch, und zeigt: Der Unterschied auf dem Lohnzettel zwischen Männern und Frauen in Deutschland ist groß, laut Statistischem Bundesamt liegt er bei 22 Prozent

Auch zu Zeiten der Bibel hatten Männer das Sagen – in der Gesellschaft wie in den Schreibstuben. So kommt es, dass nur wenige Geschichten rebellischer Frauen in der Bibel vorkommen. Prophetinnen, Hebammen, Richterinnen: Sie alle fristen ein Schattendasein im Buch der Bücher. So erging es lange Zeit auch Waschti. Erst vor einigen Jahren entdeckten jüdische Feministinnen die couragierte Königin wieder. Mit der ebenfalls klugen, aber letztlich doch folgsamen Esther wird sie Frauen zum Vorbild. »Ich schlage vor, dass Waschti wieder auf den Thron gesetzt wird«, schlägt etwa die Feministin Mary Gendler vor. In ihr würden sich »Schönheit gemildert durch Charme, Stolz gedämpft durch Demut, Unabhängigkeit kontrolliert durch herzliche Treue, Mut, Würde« zeigen.

Auch die evangelische Tradition hat hier übrigens Nachholbedarf. In seiner Schrift »Vom ehelichen Leben« empfahl Martin Luther Ehemännern, deren Frauen nicht parierten: „Lass dir eine Esther geben und die Waschti fahren, wie der König Ahasveros tat.“

Ich entdeckte die Reihe über selbstbewusster Frauen der Bibel im bayerischen Sonntagsblatt und beziehe mich im folgenden auf die Gedanken von Uwe Birnstein, Theologe und Journalist, der mit seinem Berliner Kommunikationsbüro Margot Käßmann unterstützt.

Zu Zeiten der Bibel hatten die Männer das Sagen? Ja, ganz klar, in Israel und allen anderen Reichen des Nahen Orients. Doch gab es vereinzelt auch Frauen, die den Männern die rote Karte zeigten. Vorbildhaft in diesem Sinne ist die persische Königin Waschti. Die Rebellion gegen ihren Gatten kostete sie die Ehe und viel Ehre – brachte ihr aber hohes Ansehen in Frauenkreisen, bis heute.

Buch Esther Kapitel 1,1

Der König Ahasveros verstößt seine Gemahlin

Zu den Zeiten des Ahasveros, der König war vom Indus bis zum Nil über hundertundsiebenundzwanzig Länder,

2als er auf seinem königlichen Thron saß in der Festung Susa,

3im dritten Jahr seiner Herrschaft, machte er ein Festmahl für alle seine Fürsten und Großen, die Heerführer von Persien und Medien, die Edlen und Obersten in seinen Ländern,

4damit er sehen ließe den herrlichen Reichtum seines Königtums und die köstliche Pracht seiner Majestät viele Tage lang, hundertundachtzig Tage.

5Und als die Tage um waren, machte der König ein Festmahl für alles Volk, das in der Festung Susa war, vom Größten bis zum Kleinsten, sieben Tage lang im Hofe des Gartens beim königlichen Palast.

6Da hingen weiße, rote und blaue Tücher, mit leinenen und scharlachroten Schnüren eingefasst, in silbernen Ringen an Marmorsäulen. Da waren Polster, golden und silbern, auf grünem, weißem, gelbem und schwarzem Marmor.

7Und die Getränke trug man auf in goldenen Gefäßen, von denen keins wie das andere war, königlichen Wein in Menge nach königlicher Weise.

8Und man schrieb niemand vor, was er trinken sollte; denn der König hatte allen Vorstehern in seinem Palast befohlen, dass jeder tun sollte, wie es ihm wohlgefiele.

9Und die Königin Waschti machte auch ein Festmahl für die Frauen im königlichen Palast des Königs Ahasveros.

10Und am siebenten Tage, als der König guter Dinge war vom Wein, befahl er Mehuman, Biseta, Harbona, Bigta, Abagta, Setar und Karkas, den sieben Kämmerern, die vor dem König Ahasveros dienten,

11dass sie die Königin Waschti mit ihrer königlichen Krone holen sollten vor den König, um dem Volk und den Fürsten ihre Schönheit zu zeigen; denn sie war schön.

12Aber die Königin Waschti wollte nicht kommen, wie der König durch seine Kämmerer geboten hatte.

Da wurde der König sehr zornig, und sein Grimm entbrannte in ihm.

13Und der König sprach zu den Weisen, die sich auf die Gesetze verstanden – denn des Königs Sachen mussten vor alle kommen, die sich auf Recht und Gesetz verstanden;

14unter ihnen aber waren ihm am nächsten Karschena, Schetar, Admata, Tarsis, Meres, Marsena und Memuchan, die sieben Fürsten der Perser und Meder, die das Angesicht des Königs sehen durften und obenan saßen im Königreich –:

15Was soll man nach dem Gesetz mit der Königin Waschti tun, weil sie nicht getan hat, wie der König durch seine Kämmerer geboten hatte?

16Da sprach Memuchan vor dem König und den Fürsten: Die Königin Waschti hat sich nicht allein an dem König verfehlt, sondern auch an allen Fürsten und an allen Völkern in allen Ländern des Königs Ahasveros.

17Denn es wird diese Tat der Königin allen Frauen bekannt werden, sodass sie ihre Männer verachten und sagen: Der König Ahasveros gebot der Königin Waschti, vor ihn zu kommen; aber sie wollte nicht.

18Dann werden die Fürstinnen in Persien und Medien auch so sagen zu allen Fürsten des Königs, wenn sie von dieser Tat der Königin hören; und es wird Verachtung und Zorn genug geben.

19Gefällt es dem König, so lasse man ein königliches Gebot von ihm ausgehen und unter die Gesetze der Perser und Meder aufnehmen, sodass man es nicht aufheben darf, dass Waschti nicht mehr vor den König Ahasveros kommen dürfe und der König ihre königliche Würde einer andern geben solle, die besser ist als sie.

20Und wenn dieser Erlass des Königs, den er geben wird, bekannt würde in seinem ganzen Reich, welches groß ist, so würden alle Frauen ihre Männer in Ehren halten bei Hoch und Niedrig.

21Das gefiel dem König und den Fürsten und der König tat nach dem Wort Memuchans.

22Da wurden Schreiben ausgesandt in alle Länder des Königs, in jedes Land nach seiner Schrift und zu jedem Volk nach seiner Sprache, dass ein jeder Mann der Herr in seinem Hause sei.

Waschti hatte eine gute Partie gemacht, würde man heute sagen: Ihr Mann Ahasveros war König »vom Indus bis zum Nil«. Die 127 Länder seines Reichs regierte er von der Festung Susa aus.

Soviel Macht will gefeiert werden. In seinem dritten Amtsjahr lud er »alle seine Fürsten und Großen, die Heerführer von Persien und Medien, die Edlen und Obersten« zum Festmahl der Superlative ein: 180 Tage sollte die große Sause dauern.

Als die Prominenz abgereist war, öffnete Ahasveros die Fest(ungs)tore für das Volk. Sieben Tage lang durften die einfachen Männer und Frauen im aufwendig geschmückten Hofgarten feiern.

Das Fest wurde zum Saufgelage, Freiwein für alle. Der »königliche Wein« wurde in »goldenen Gefäßen« serviert, »man schrieb niemand vor, was er trinken sollte; denn der König hatte allen Vorstehern in seinem Palast befohlen, dass jeder tun sollte, wie es ihm wohlgefiele.«

Königin Waschti hatte offensichtlich kein Interesse an solchen Trinkorgien. Sie hatte sich selbst Frauen eingeladen und feierte mit ihnen zur selben Zeit im Palast. Die Stimmung des wohl eher beschaulichen Fests wurde empfindlich gestört, als sieben Mitarbeiter ihres Mannes vor ihr standen mit dem Auftrag, sie »mit ihrer königlichen Krone« zu holen, »um dem Volk und den Fürsten ihre Schönheit zu zeigen; denn sie war schön.«

Waschti wollte diesen Wunsch ihres trunkenen Mannes nicht erfüllen – was den wiederum »sehr zornig« machte. »Sein Grimm entbrannte in ihm« so stark, dass er sich mit juristischen Beratern zusammensetzte und Konsequenzen überlegte.

Die Männer schaukelten sich hoch in ihrer selbstherrlichen Stimmung gegen die Königin. Waschti habe sich »nicht allein an dem König verfehlt, sondern auch an allen Fürsten und an allen Völkern in allen Ländern des Königs Ahasveros«, meinte einer. Würde Waschtis Verhalten »allen Frauen bekannt werden«, könnte das Schule machen, »sodass sie ihre Männer verachten und sagen: Der König Ahasveros gebot der Königin Waschti, vor ihn zu kommen; aber sie wollte nicht.«

Nicht auszudenken: Dann würden »die Fürstinnen in Persien und Medien auch so sagen zu allen Fürsten des Königs, wenn sie von dieser Tat der Königin hören; und es wird Verachtung und Zorn genug geben.«

Am Ende empfehlen die Berater dem König die Scheidung. So könnte er seine unbequeme Frau loswerden und eine, »die besser ist als sie«, zur Königin machen. Diese Strafe hätte denn auch Signalcharakter für die anderen First Ladies des Reichs: Sie werden dann »ihre Männer in Ehren halten bei Hoch und Niedrig«.

Gesagt, getan: Waschti wird entthront. Über ihr weiteres Geschick ist nichts bekannt. Ahasveros sucht sich in seinem Harem eine neue Frau, seine Wahl trifft die Jüdin Esther.

Die Erzählung stammt aus dem Jahre 480 vor Christus und doch sind die Verhaltensmuster uns 2500 Jahre später immer noch vertraut, zu sehr vertraut. Doch sollte uns dies nicht entmutigen. Lassen Sie uns gemeinsam weiter bauen an einer gerechten – auch geschlechtergerechten Welt.

Amen

Lied: EG, 362, Eine feste Burg

Mitteilungen:

Gebet:

Luthers Mogensegen 815

Mit den Worten, die Jesus uns gelehrt hat, beten wir:

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib unsheute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen:

Geht in diesen Tag, in diese Woche mit dem Segen unseres Gottes:

Gott, segne uns und behüte uns

Gott schütze unser Leben und bewahre unsere Hoffnung.

Gott, lass dein Angesicht leuchten über uns,

dass wir leuchten für andere.

Gott, erhebe dein Angesicht auf uns und halte uns fest

im Glauben, dass das Leben stärker ist als der Tod. Amen.

Lied: EG 421, Verleih uns Frieden gnädiglich

Taufgottesdienst für Maximilian Eimuth

Pfarrerin Marion Eimuth

24. 8. 2013

Orgelvorspiel (mit Einzug)

Begrüßung und Votum:

Wir feiern heute einen ganz besonderen Gottesdienst miteinander, den Taufgottesdienst für Maximilian. Dazu begrüße ich alle Kinder und Erwachsenen ganz herzlich.

Es war Maximilians Wunsch getauft zu werden. Es war aber auch sein Wunsch in diesem Gottesdienst seines verstorbenen Vaters zu gedenken und er bittet deshalb darum, dass wir gemeinsam eine Schweigeminute einlegen.

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes, der uns das Leben schenkt.

Und im Namen Jesu, der uns zu leben lehrt.

Und im Namen des Heiligen Geistes,

der uns am Leben hält. Amen.

Lied: EG 515, 1, 3, 6+7 Laudato si

Psalm 91, Nr. 736 im Wechsel

Gebet:

Gott, wir danken Dir,

dass du Maximilian durch die Taufe

als Dein Kind annehmen willst.

Sei mitten unter uns

wie Du verheißen hast.

Sprich Du zu uns,

weise Du uns den Weg

und schenke uns Kraft und Mut,

dass wir auf dich vertrauen

und unsere Zeit mit allen Ängsten und Sorgen,

aber auch mit Frohem in Deine Hände legen.

Schenk Maximilian Deine Gnade,

erwecke ihn zum Glauben,

behüte sein Leben.

Gib uns allen Frieden, indem Du bei und unter uns bist. Amen

Taufevangelium:

Die Taufe hat eine lange Tradition, an die wir uns bei jeder Taufe erinnern. Wir haben die Taufe nicht erfunden. Jesus selbst hat sich von Johannes dem Täufer taufen lassen. Nach seinem Tod haben seine Jüngerinnen und Jünger Menschen, die sie für die Botschaft von Jesus begeistert hatten, getauft. Dabei haben sie sich auf die Worte und Verheißungen Jesu Christi berufen:

Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngerinnen und Jünger alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Mt. 28, 18-20)

Lied: EG 200, 1, 2 + 6, Ich bin getauft auf deinen Namen.

Ansprache:

Lieber Maximilian, liebe Taufgemeinde,

wir wollen heute Maximilian taufen. Wir wollen ihn Gott anvertrauen und ihn unter seinen Segen stellen. Die Taufe ist das Zeichen der Zugehörigkeit zu Christus und zu seiner Gemeinde.

Vor einiger Zeit hat Maximilian den Wunsch gehäußert sich taufen zu lassen.

Wir saßen im Auto und dann kam die Frage, von uns könnte doch jemand ihn taufen. Wir haben dann weiter gefragt und Maximilian hat erzählt, dass er in der Schule einfach in den Ethikunterricht gehen müsse, er wolle doch lieber in den Religionsunterricht. Auch möchte er gerne konfirmiert werden und dazu gehört, dass man vorher getauft wurde.

Sehr gerne sind wir auf den Wunsch eingegangen. Wir konnten auch schnell klären, dass ich ihn taufen kann und natürlich sehr gerne möchte.

Maximilian hat dann bei der Vorbereitung des Taufgottesdienstes auch schon sehr genaue Vorstellungen gehabt, was er gerne möchte. Es hat sehr viel Spaß gemacht diesen Gottesdienst vorzubereiten. Das erste Lied, das wir gesungen haben, war ein Wunsch von Maximilian, das Lied kennt er und wollte es gerne zu Anfang des Gottesdienstes gesungen haben.

Was die Taufe ist und wie alles angefangen hat möchte ich im Folgenden etwas erläutern:

dazu habe ich einen sogenannten Taufbeutel mitgebracht:

In den Anfängen des Christentums wurden nur Erwachsene getauft. Im Laufe der Zeit gewann die Taufe im frühen Lebensalter an Bedeutung. Die Kindertaufe ist die christliche Form, das neue Leben zu begrüßen – mehr noch: es in allen seinen Facetten gutzuheißen und Gott um seinen Segen und seine Begleitung zu bitten.

Die Nennung des Namens, das Wasser, das Kreuz-Zeichen, die segnende Hand und das Licht der Taufkerze repräsentieren die Zuwendung Gottes. Sie werden als christliche Taufsymbole gedeutet.

Die Taufe hat zuallererst und ganz viel mit Wasser zu tun.

Mit Wasser werden wir getauft. Das ist das Zeichen für Gottes Freundschaft, die wir für unser Leben brauchen. Wasser ist die Quelle allen Lebens. Ohne Wasser versiegt das Leben. Deshalb ist Wasser kostbar, und wir sollen es schützen.

Es erinnert an das Wasser der Schöpfung, das gefährliche Wasser der Flut, das Wasser des Schilfmeers, durch das Gottes Volk in die Freiheit zog. Es erinnert an das Wasser des Jordan, in dem sich Jesus taufen ließ, an das Wasser, mit dem du, Maximilian getauft wirst.

Wer sich mit Wasser wäscht, wird rein, wer im Wasser badet, fühlt sich danach wie neu geboren.

Wasser hat aber auch Kraft. Eine Kraft, die durchaus gefährlich sein kann.

Bei der Taufe denken wir an beide Seiten .

“Wasser allein tut’s freilich nicht”, schreibt Martin Luther, “sondern das Wort Gottes, das mit und bei dem Wasser ist, und der Glaube, der solchem Worte Gottes im Wasser traut”..

In der Taufe ist Gottes Zusage sinnlich erfahrbar, wenn es heißt: “Ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein” (Jes. 43, 1).

Die Taufe geschieht im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. In seinem Namen taufen wir.

Jeder Name, den ein Mensch hat, sagt ihm oder ihr: “Dich gibt es nur einmal – du bist nicht austauschbar! Du Mensch – ob klein oder groß – bist einmalig und einzigartig. Dich kann man mit niemandem verwechseln.”

Es ist gut zu wissen, dass Gott uns das bei der Taufe auch zusagt: Ich bin für Gott nicht irgendwer, er kennt mich und hat mich bei meinem Namen gerufen. Ich brauche mir nicht erst bei Gott einen Namen zu machen. Für ihn bin ich so wichtig und wertvoll, dass bei der Taufe mein Name mit seinem Namen verbunden wird. Ich gehöre zu Gott.

Jeder Name hat eine Bedeutung. Maximilian kennt die Bedeutung und die Herkunft seines Namens. Er kommt aus dem Lateinischen und heißt der Große. Maximilian hat aber nicht nur den einen Namen. Als du geboren wurdest ist dein Vater zum Standesamt und hat die Namen alle eintragen lassen, die er für dich gerne haben wollte. Du heißt noch Heinz, das erinnert an deinen Vater, der ja nicht mehr bei uns sein kann. Außerdem heißt du noch Hans, so wie der Opa und Theodor, das ist der Name des Eimuth Opas.

Das Orange erinnert an das Licht. Wir sind in den Leib Christi hinein getauft und haben Anteil an seinem Licht. Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, wird nicht im Finstern wandeln, sondern das Licht des Lebens haben. Uns gilt die Zusage: Ihr seid das Licht der Welt, stellt es nicht unter den Scheffel! Gott hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegossen.

Wir sind in Gottes Hand geborgen. Die Taufe ist eine Handlung. Sie wird mit den Händen vollzogen: Das Wasser wird geschöpft und gegossen, es muss fließen. Getaufte sind lebendig in der einen Hand Gottes.

Der weiße Stoff symbolisiert das Taufkleid.

In der Taufe legen wir ab, was dem Machtbereich, dem Bösen, der Sünde verhaftet ist, wir werden neu eingekleidet und leben in einem neuen Herrschaftsbereich. Oftmals bekommen kleine Kinder ein solches weißes Taufkleid. Größere Kinder und Erwachsene können dies eher als Symbol sehen. Das weiße Kleid symbolisiert die Reinheit, abgewaschen ist, was unrein ist. Gott wäscht mit dem Taufwasser ab, was uns von ihm trennt.

Das Kreuz ist das Zeichen der Christen, die den Namen von Jesus Christus tragen. Bei jeder Taufe wird auf die Stirn des Täuflings ein Kreuz gezeichnet. Es bedeutet für uns: Wir gehören zu Jesus Christus, der gestorben ist, aber von Gott auferweckt wurde. Wir sollen neue Menschen sein mit Gott. Gott verspricht uns, dass er uns begleitet, ganz gleich, was aus uns wird oder wohin wir gehen.

(Das Kreuz kommt zum Vorschein)

Die Taufe bedeutet Teilhabe an Jesu Tod und Auferweckung. Wenn du als Getaufter stirbst, wirst auch du auferweckt werden. Du hast mit der Taufe Ewiges Leben. Das Kreuz ist zum Lebensbaum geworden.

Die rote Farbe steht für die Liebe Gottes.

Ich erinnere nochmals an das was Martin Luther gesagt hat: Wasser tuts freilich nicht, sondern das Wort Gottes.

Das Wort Gottes zeigt sich besonders im Taufspruch:

“Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. ” (Psalm 91,11) den hast Du, Maximilian, mit deiner Mama ausgesucht. Er soll dich begleiten auf deinem weiteren Lebensweg.

Dieser Psalm 91 wurde im Judentum als Nacht- und Schutzgebet empfohlen und gesprochen.

“Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel.” So beschreibt Jesus die besondere Nähe Gottes zu den Kindern. So begründet er auch seine eigene Liebe zu den Kindern und Hilfebedürftigen. Sie haben einen Engel bei Gott. Der sieht sie an mit Gottes liebevollen Augen und begleitet sie, wo sie sind.

Nimm auch du die Taufe, die heute vollzogen und dokumentiert wird, als unverbrüchliches Siegel dafür, dass Gottes Engel dir, Maximilian, zur Seite sind.

Sei gewiss, dass Gott so manchen Engel ohne Flügel schicken und heißen wird, auf deinem Weg mitzugehen, dich zu beschützen. Gefahren sind aber nicht aus dem Weg geräumt, doch du kannst sie bestehen, du wirst an ihnen wachsen, weil Gott dir Bedeutung schenkt.

Felix Mendelssohn-Bartholdy hat die Verse 11 und 12 aus Psalm 91 vertont. Sie waren ihm so wichtig, dass er sie in sein wohl berühmtestes Oratorium “Elias” eingearbeitet hat.

Die Vorstellung der Schutzengel, die sich seit ältester babylonischer Zeit über das Alte und das Neue Testament erhalten hat, drückt die mütterliche Fürsorge und Liebe Gottes aus.

“Die Liebe ist, dass wir versuchen – die Wahrheit zu sagen”, diese Worte von der Theologin Dorothee Sölle können helfen und dazu beitragen Vertrauen und Liebe aufzubauen.

Kinder brauchen unsere Liebe. Nur wenn sie erfahren, was menchliche Liebe ist und was diese Liebe bewirkt, können sie erahnen, was Gottes Liebe ist.

Damit du, Martina, nicht allein bist bei der Erziehung, und besonders bei der religiösen Erziehung, gibt es Paten bzw. Patinnen, die dir zur Seite stehen wollen.

Maximilian hat sich seine Patin und Paten selbst ausgesucht.

Sie sind dir wichtig und sie sollen dich begleiten.

Amen.

Musik

Glaubensbekenntnis:

Wir taufen Maximilian hinein in die Gemeinschaft, die sich in Gott gründet. Lasst uns gemeinsam den Glauben bekennen, der uns mit der ganzen Christenheit verbindet:

Wir glauben an Gott,

den Ursprung von allem,

was geschaffen ist,

die Quelle des Lebens,

aus der alles fließt,

das Ziel der Schöpfung,

die auf Erlösung hofft.

Wir glauben an Jesus Christus,

den Gesandten der Liebe Gottes,

von Maria geboren.

Ein Mensch, der Kinder segnete,

Frauen und Männer bewegte,

Leben heilte und Grenzen überwand.

Er wurde gekreuzigt.

In seinem Tod

hat Gott die Macht des Bösen gebrochen

und uns zur Liebe befreit.

Mitten unter uns ist er gegenwärtig

und ruft uns auf seinen Weg.

Wir glauben an Gottes Geist,

Weisheit von Gott,

die wirkt, wo sie will.

Sie gibt Kraft und Versöhnung

und schenkt Hoffnung,

die auch der Tod nicht zerstört.

In der Gemeinschaft der Glaubenden

werden wir zu Schwestern und Brüdern,

die nach Gerechtigkeit suchen.

Wir erwarten Gottes Reich. Amen

Tauffragen:

Wir haben zusammen das Glaubensbekenntnis gesprochen, das Bekenntnis zu Gott, dem Vater, dem Sohn, der uns die Liebe des Vaters vermittelt und das Bekenntnis zu Gott dem Heiligen Geist, der uns den Glauben an diese Liebe immer wieder neu schenkt.

So frage ich dich, Maximilian, willst du durch die Taufe in die christliche Gemeinde aufgenommen werden? Willst du darauf vertrauen, dass Gott zu dir hält und dir Zukunft schenkt? Dann antworte: Ja, mit Gottes Hilfe.

Christlicher Glaube lebt in der Gemeinschaft. Wir leben alle davon, dass wir Gottes Liebe in der Gemeinschaft mit anderen erfahren.So frage ich dich, Martina und die Patin und Paten. Wollt ihr Maximilian begleiten, ihn annehmen, so wie er ist und ihn Gottes Liebe erfahren lassen, dann antwortet: Ja, mit Gottes Hilfe.

Taufhandlung:

Maximilian Heinz Hans Theodor, ich taufe dich auf den Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Taufspruch:

Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest (Psalm 91, 11 und 12)

Kreuzzeichen: – Friede sei mit dir.

Taufsegen:

Das gebe dir Gott:

Menschen, die dir zu Freundinnen und Freunden werden, auf die du bauen kannst und die dir Antwort geben. Denn das ist Gottes Versprechen: Dass er dir nahe ist in denen, die du liebst, damit du in deinem Leben den Alltag bestehst. Amen.

Übergabe der Taufkerze:

Als Zeichen dafür, dass Jesus Christus Licht in unsere Welt bringt – Licht, das wir zum Wachsen und Gedeihen brauchen – zünden wir für dich an der Osterkerze deine Taufkerze an.

Segnung der Mutter und Patin und Paten:

Für alle guten und alle schweren Zeiten bitten wir Gott um Segen für euch:

Gott segne euch und behüte euch,

Gott schenke euch Kraft, wo ihr an eure Grenzen kommt,

Gott lasse wachsen, was in euch an Liebe und Frieden wächst.

Gottes Segen komme über euch und bleibe bei euch jetzt und allezeit. Amen.

Segenswünsche an Maximilian

alle sind eingeladen an der Taufkerze ein Teelicht zu entzünden und anschließend Maximilian ein Segenswort zu zusprechen

Lied: EG 395, 1-3, Vertraut den neuen Wegen

Fürbitten:

Guter Gott,

durch die Taufe machst du uns zu deinen Kindern. Maximilian gehört jetzt zu dir. Du hast ihn gesegnet:

Ulli:

Lieber Gott, wir bitten dich für Maximilian, der heute hier in der evangelischen Kirche in Erzhausen getauft wird:

Lass ihn als fröhlichen, unbeschwerten Menschen heranwachsen. Schenke ihm GUlliesundheit, Liebe, Sonne im Herzen und den rechten Glauben.

Für alle Menschen, die Maximilian auf seinem Lebensweg begleiten: Mama, Oma und Opa, Paten, Onkel und Tanten, Cousins und Cousinen, Freunde und Bekannte.

Lass sie Maximilian unbeschwert gegenüber treten. Sie sollen ihm in schwierigen Lebenslagen helfen, die richtige Entscheidung zu treffen. Und sie sollen auch ein offenes Ohr haben für seine Sorgen, Wünsche und Nöte.

Kurt-Helmuth:

Guter Gott, mit deinen reichen Gaben stärke uns alle durch deinen Geist. Hilf uns, Maximilian in deine Gemeinde hinein zu begleiten.

Gib ihm und uns die Kraft, dass wir mit allen Christinnen und Christen in dieser Welt die Liebe Jesu Christi erfassen.

Mache uns fähig, diese Liebe zu Leben,

auch wenn sie unser Begreifen weit überschreitet.

Gott, wir bitten Dich für Maximilian, dass er weiter seinen Weg geht. Stehe ihm in stürmischen Zeiten bei, stütze ihn beim Verfolgen seiner Ziele und hilf ihm dabei auch im größten Sturm den Kompass der Liebe und Gerechtigkeit nicht zu verlieren.

Günter:

Gott, wir bitten Dich für alle Menschen, die unter Hunger und Krieg leiden. Wir denken in diesen Tagen vor allem an die vielen Opfer in Syrien und Ägypten. Stehe ihnen bei. Gib den Herrschenden in dieser Welt das notwendige Geschick, dem Blutvergießen ein Ende zu bereiten.

Darum bitten wir dich, Gott, heute und alle Tage.

Und was uns noch bewegt, fassen wir zusammen in dem Gebet, das Jesus uns gegeben hat:

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Lied: EG 503, 1, 2, 13-15, Geh aus mein Herz

Segen

Gott segne euch und behüte euch,

Gott lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf euch und schenke euch Frieden. Amen

Orgelnachspiel

Verlässlichkeit, Vertrauen und der Wunsch, Verantwortung zu übernehmen

Andacht am 8. Juli 2013 zur EKD-Orientierungshilfe Familie

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Die Evangelische Kirche in Deutschland hat für Aufmerksamkeit gesorgt. Selten wurde eine Stellungnahme so kritisiert aber auch wohlwollend zur Kenntnis genommen wie die Orientierungshilfe Familie, die kürzlich vorgestellt wurde.

Die Sozialwissenschaftlerin Ute Gerhard stellt das neue Bild von Familie in den Vordergrund: „Das neue Leitbild einer partnerschaftlichen, an Gerechtigkeit orientierten Familie, das eine Vielfalt unterschiedlicher Formen des privaten Lebens zulässt, ist nicht lediglich als Anpassung an den sozialen und kulturellen Wandel oder an gesellschaftlich problematische Entwicklungen zu verstehen. Im Gegenteil, maßgeblich sind die Werte und Normen, die unsere Verfassung und eine christliche Gemeinschaft tragen: Verlässlichkeit, Solidarität, Fürsorglichkeit sowie Fairness und Gerechtigkeit gerade auch in den privaten Beziehungen.“

Das idealisierte Familienbild mit Mutter, Vater und Kindern entspricht schon lange nicht mehr der Wirklichkeit. Vielfältige Lebensformen sind präsent und akzeptiert. Zum Glück ist die alleinerziehende Mutter nicht mehr stigmatisiert und auch sogenannte Patchworkfamilien sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Zugegeben einige tun sich noch schwer mit homosexuellen Partnerschaften und Kindern, die in diesen Partnerschaften aufwachsen.

So ist denn auch der stärkste Vorwurf gegen die neue Orientierungshilfe der der Beliebigkeit. Die evangelische Kirche sage nicht mehr, wo es lang gehe, sondern alles sei möglich. Unser Kirchenpräsident Volker Jung hat den Vorwurf zurückgewiesen, die EKD entferne sich von den biblischen Grundlagen. Auch in der Bibel gebe es vielfältige Familienformen, sagte er. Dort komme etwa die Mehrfrauenehe vor, die Ehelosigkeit Jesu und dessen Kritik der leiblichen Familie oder die Frauengemeinschaft von Maria und Martha. Es wäre eine Engführung, die biblische Setzung der Ehe zwischen Mann und Frau ausschließlich „biologistisch“ zu verstehen. Es komme darauf an, dass Menschen grundlegend aufeinander angewiesen seien und dass sie ihre Beziehung dauerhaft und werteorientiert lebten.

Menschen haben verschiedene sexuelle Veranlagungen und sollen sich für ihre Lebensform frei entscheiden können. Dies ist die Aussage der Orientierungshilfe.

Dabei kommt es vor allem darauf an, wie wir miteinander umgehen: verlässlich, fürsorglich, solidarisch. Und tatsächlich ist es doch ein wunderbares Gefühl der Sicherheit zu wissen, egal was passiert, meine Familie ist für mich da. Sie ist ein sicher Hafen. Da bin ich geborgen, ganz gleich wie stürmisch die Welt da draußen sein mag.

Die Psychologen nennen eine solche Haltung Urvertrauen. Wir wissen, dass dieses Urvertrauen ein ganzes Leben trägt. Es ist jenes Vertrauen, das kleine Kinder ihren Eltern entgegegnbringen. Die Eltern können alles und könnnen deshalb auch alle Ungemach vom Kinde fernhalten. Hier liegt die Wurzel für die Ich-Stärke, die den Erwachsenen durchs Leben trägt. Hier liegt aber auch die Wurzel für einen späteren Glauben. Denn nur wer ein solches unabdingbares Vertrauen kennen gelernt hat, hat erfahren, dass Gott einen tragen kann. Auch in Krisen.

»Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde

Gottes schuf er ihn; und er schuf sie als Mann und Frau.«

Mit diesen Worten aus dem zweiten Schöpfungsbericht

beginnt die Textzusammenstellung, die hierzulande aus der Trauliturgie vertraut ist. Am Ende steht dann das bekannte Jesuswort aus Matth 19,6: »Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden«:

Mit der Agende erinnert die Kirche in jedem Traugottesdienst an das große Glück, einen Partner oder eine Partnerin fürs Leben zu finden. Füreinander geschaffen zu sein und »auf ewig« zueinander zu gehören, das entsprecht dem Lebensgefühl der Paare bei ihrer Hochzeit, so die Orientierungshilfe. Doch sie seien kein Schutzwall gegen alle Erfahrung zerbrechender Beziehungen. Der »kirchliche Segen«, den die Paare und ihre Familien erbitten, soll die Liebe stark machen. Dabei wird ernst genommen, dass es in der Ehe keine Garantie für menschliches Glück gibt, vielmehr gilt das Trauversprechen gerade »in guten wie in bösen Tagen«. Denn »es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei«. Über der inneren Zustimmung zu dieser Erfahrung kann in den Hintergrund treten, was uns heute in diesen Texten fremd ist, etwa dass das Schöpfungsgeschehen vom Mann her gedacht ist, die Frau als »Gefährtin« des Mannes verstanden wird, als »Hilfe, die ihm gleich sei« – oder dass das Paar einander, vor allem aber die Frauen ihren Ehemännern »untertan sein sollen«, weil »der Mann des Weibes Haupt« sei (Eph 5).

Lange Zeit hat diese Vorstellung unser Bild von Ehe und Familie geprägt. Und doch sah und sieht die Wirklichkeit ganz anders aus:

In vorindustrieller Zeit hatten Ehe und Familie vor allem einen instrumentellen Charakter. Die Ehe wurde nicht aus Liebe geschlossen, sondern im Hinblick auf die Kinder und zwar um – je nach Schicht – Vermögen oder zumindest den Namen zu vererben und um im Falle von Krankheit und Alter die Versorgung der Familienmitglieder zu garantieren.

In der vorindustriellen Zeit waren die Familien geprägt durch ihre sozial-ökonomische Lage. Im Mittelpunkt stand der „Haushalt“, es waren Haushaltsfamilien. Bei den Besitzenden umschloss dies den Produktionsbetrieb mit ein. Der „Hausvater“ und die „Hausmutter“ hatten eine genau definierte Rolle auch im Handwerk, Bauernhof oder Gewerbe. Zum Haus gehörten auch etwa Knechte und andere Bedienstete.

Bei den ärmeren Schichten stand auch die ökonomische Funktion des Hauses im Mittelpunkt, auch wenn weit weniger Mitglieder das Haus hatte. Erwerbstätigkeit beider Eltern und der Kinder waren selbstverständlich.

Auch damals gab es sehr verschiedene Lebensformen. Vor allem Verwitwung – wegen der geringen Lebenserwartung – und ledige Mutterschaft waren oft die Ursache hierfür.

Vor etwa 200 Jahren entwickelte sich – zunächst im städtischen Bürgertum – die Form der Liebesheirat. Von vielen Autoren wird dieser Übergang als Funktionsverlust der Familie beschrieben. Institutionen übernehmen jetzt Funktionen, die früher die Familie hatte, z.B. Krankenhäuser. Schulen, aber auch Polizei und Justiz.

Der Familie bleibt die Funktion der Nachwuchssicherung und die der physischen und psychischen Regeneration ihrer Mitglieder, gleich ob jung oder alt.

Über all die Jahrhunderte war die Erwerbstätigkeit der Mütter eine ökonomische Notwendigkeit. Lediglich das Bürgertum konnte sich die nicht-erwerbstätige Mutter leisten. Die Nicht-erwerbstätige Mutter wurde im sog. Dritten Reich dann ideologisch überhöht und durch Ehestandsdarlehen vom Arbeitsmarkt abgeworben und bei vier Kindern mit dem Mutterkreuz geschmückt. Zur Kriegsproduktion brauchte man dann wieder die Frauen, was die Nazi-Ideologen in Argumentationsnöte brachte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg behielt die Bundesrepublik das Familienmodell bei, auch wenn die Realität der Trümmerfrauen anders aussah. Auch in den 50er Jahren war die Erwerbstätigkeit der Mütter aus ökonomischen Gründen notwendig.

In den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts sah es dann anders aus. In jener Zeit war die mütterliche Erwerbstätigkeit am niedrigsten.

Zusammenfassend muss also betont werden, dass das bürgerliche Familienmodell zwar über 200 Jahre als Ideal galt und noch heute für manche Kreise der Bevölkerung gilt, als Lebensform aber für die breite Bevölkerung in allen seinen Dimensionen nur für zwei Jahrzehnte realisiert wurde, sich also – historisch gesehen – als kurzes Zwischenspiel entpuppt.

Auch im Alten und Neuen Testament ist das familiale Zusammenleben in einer großen Vielfalt beschrieben: Nach heutigen Begriffen gibt es Patchwork-Konstellationen wie bei Abraham, Sarah und Hagar mit ihren Kindern, zusammenlebende Geschwister wie bei Maria und Martha und tragende Beziehungen zwischen Familienmitgliedern verschiedener Generationen wie bei Rut, Orpa und Noomi. Von den vielfältig beschriebenen Formen des Zusammenlebens sind aus heutiger Sicht einige leichter, andere schwerer nachvollziehbar: Die gleichzeitige Sorge eines Mannes für zwei Frauen und ihre Kinder wie bei Jakob mit Lea und Rahel erscheint heute vielleicht weniger befremdlich als noch für unserer Eltern- oder Großeltern-Generation, dagegen können wir den Druck auf Frauen, Mutter eines »Stammhalters« zu werden, immer weniger nachvollziehen. Dass im alten Israel mit der Heirat ein patriarchales Eigentumsverhältnis konstitutiert wurde, wobei mehrere Frauen Eigentum eines Mannes sein konnten, gehört zu den vergessenen Teilen der jüdisch-christlichen Geschichte; manches davon kehrt wieder in den Auseinandersetzungen mit anderen Kulturen und Religionen. Klar ist jedenfalls: Im Mittelpunkt der biblischen Familiengeschichten steht weniger die persönliche Liebesbeziehung oder das individuelle Glück als der Erhalt und das Wachstum der Familie und ihres Besitzes und das Miteinander der Generationen.

Natürlich beschreibt die Bibel auch die Liebe, die Konflikte zwischen Alt und Jung, das Ringen um einen geliebten Menschen. In den Erzählungen finden wir die ganze Vielfalt der Gefühle des partnerschaftlichen und familiären Beziehungslebens: Erfahrungen von Verlust, Eifersucht und Scheitern stehen neben Versöhnung, überschäumendem Glück und tief gewachsenem Vertrauen. Die Bibel erzählt von der Freude über die gefundene Liebe wie bei Isaak und Rebekka und von der großen Liebe zwischen Jakob und Rahel, für die Jakob sieben Jahre bei seinem Verwandten Laban arbeitete – »und es kam ihm vor, als wären es einzelne Tage, so lieb hatte er sie«. Das »Hohelied« feiert in poetischen Worten die Schönheit und das Glück der sexuellen Begegnung, während die Geschichte

von David und Bathseba auch Ehebruch und Intrige beim Namen nennt. Die Bibel erzählt von der Kindersegnung Jesu und der Sorge von Eltern, die sich bei Jesus um eine Zukunft für ihre kranken Kinder einsetzen, aber auch von der Macht der Väter und dem Gehorsam, den Familien den Frauen wie den Söhnen und Töchtern abverlangten. Wer sie liest, entdeckt große Familien- und Liebesgeschichten, die nicht nur die Weltliteratur, sondern auch unser Verständnis vom Miteinander in Familien prägten. Sie zeugen aber auch von kulturellen Traditionen, gesellschaftlichen Zwängen und einem überholten Rollenverständnis.

Die EKD ist überrascht von der heftigen Reaktion auf das Papier. Nein, eine Schwächung der Familie kann man in dem Papier nicht entdecken. „Wie man aus einem solchen Text herauslesen kann, dass es um eine Schwächung der Familien geht oder um eine Vergleichgültigung, dass eheliche Formen der evangelischen Kirche nicht mehr wichtig sind, ist mir unverständlich“, erklärte Bischof Ulrich Fischer, der auch Mitglied des EKD-Rates ist. Das Dokument sei eine „riesige Werbung dafür, Mut zu haben zur Familie, Kinder zu bekommen, Familie zu gründen und Verantwortung zu übernehmen“. Der Typus von Familie habe sich in seiner sozialen Gestalt unglaublich geändert, betonte der Landesbischof. Dem trage diese Orientierungshilfe Rechnung. Und auf den Punkt brachte es Margot Käßmann: „Die evangelische Ethik hat sich nicht dem Zeitgeist angepasst, sondern geguckt, was sind ihre Grundkategorien.“ Wichtig seien vor allem Verlässlichkeit, Vertrauen und der Wunsch, Verantwortung zu übernehmen.

Amen