Die beiden Podcaster Conny von Schumann und Kurt-Helmuth Eimuth haben eine tiefe Skepsis gegenüber der Reformfähigkeit von CDU und SPD. Neben handwerklichen Mängeln beklagen sie vor allem ein fehlendes Gesamtkonzept für die Krise.
Die jüngsten Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern hinterlassen in der politischen Debatte deutliche Spuren der Ernüchterung. Im Podcast Conny&Kurt ziehen die beiden eine scharfe Bilanz der Reaktionen aus den Parteienspitzen, insbesondere des CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz. Dessen Auftritt nach den Wahlen wird als wirkungslos bewertet: Er habe „nur dahin geblubbert“ und Vorträge gehalten, die im Kern „hohl“ geblieben seien. Sein stures Beharren auf Reformen wirke wie das bloße Ankündigen schmerzhafter Kürzungen ohne verlässliche Zukunftsperspektive.
Die beiden sehen eine anhaltende Entfremdung der Volksparteien von der Wählerschaft. Dass die Bürger und Bürgerinnen „mit den Füßen abstimmen“, sei folgerichtig, da der Eindruck vorherrsche, „dass nur bei den Kleinen gekürzt wird“, während Vermögens- und Erbschaftsteuern unangetastet blieben. Zwar bestehe in der Bevölkerung durchaus das Bewusstsein, dass man „über unsere Verhältnisse“ lebe. Doch fehle es der Politik an einer ordnenden Idee. Unter Verweis auf den ehemaligen Siemens-Chef Joe Kaeser wird gemahnt, dass ein integriertes „Gesamtkonzept“ fehle, welches Klima, Wirtschaft und Soziales zusammenführe.
Zugleich geraten Entlastungen wie Preissenkungen beim Treibstoff als ungezielt bewertete „Gießkannenpolitik“ in die Kritik. Statt teurer Einzelmaßnahmen brauche es Transparenz über die realen Belastungen der Krise sowie die Kosten der Ukraine-Hilfen. Dass Politiker und Politikerinnen nach wie vor bloß von einem „Warnschuss“ sprächen, zeige die Distanz zur gesellschaftlichen Realität. Am Ende verbleibt der Aufruf nach Führungspersönlichkeiten bei den Parteien der Mitte, die wieder „für was kämpfen und nicht gegen was kämpfen“. Statt kurzfristiger Emotionen verlangen die Podcaster eine echten politische Vision.
Die AfD fordert in ihren Programmen erhebliche Einschränkungen der kirchlichen Finanzierung, darunter die Abschaffung der Kirchensteuer sowie das Ende staatlicher Ablösungsleistungen. Zugleich versucht die Partei, ein eigenes religiöses Profil aufzubauen: Während Kirchenvertreter von Akteuren der AfD als „Staatskirche“ diffamiert werden, inszenieren sich Vertreter des Rechtspopulismus im Schulterschluss mit pietistischen Gruppierungen als die eigentlichen Verwahrer christlicher Werte. So die Analyse im Podcast Conny&Kurt.
Den Versuchen der Vereinnahmung setzen Vertreter der evangelischen Kirche eine deutliche Abgrenzung entgegen. So haben sich etwa die vier Vorstände des größten diakonischen Gesundheitskonzerns in Deutschland Agaplesion an alle der rund 24.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einem offenen Brief gewandt: „Wir wissen, dass die Ergebnisse der Wahl Sorgen und Unsicherheit auslösen. Vor allem Menschen, die aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung, einer Behinderung oder anderer persönlicher Merkmale Ausgrenzung oder Benachteiligung erfahren oder befürchten, können sich von den aktuellen Entwicklungen besonders betroffen fühlen. Hier möchten wir ein deutliches Zeichen setzen.“ Man wolle „jedweder Form von Ausgrenzung, Diskriminierung oder Menschenfeindlichkeit entschieden entgegentreten“.
Es reiche jedoch nicht aus, sich lediglich an der AfD abzuarbeiten. Vielmehr gelte es, aktiv für demokratische Werte und den gesellschaftlichen Zusammenhalt einzustehen, meinen auch Conny von Schumann und Kuert-Helmuth Eimuth in ihrem Podcast. Der evangelische Landesbischof von Sachsen-Anhalt, Friedrich Kramer, stellte klar: „Gemeinsam mit allen engagierten Bürgerinnen und Bürgern werden wir uns weiterhin für die Menschenwürde jedes einzelnen Menschen einsetzen, für Nächstenliebe und für ein solidarisches Miteinander.“
Neben der kirchlichen Debatte treten sozioökonomische Faktoren deutlich hervor. Viele Bürger in Ostdeutschland fühlen sich von der Politik isoliert und im Stich gelassen. Erschwerend kommt hinzu, dass im Osten seltener Betriebsrenten gezahlt werden und Erbschaften geringer ausfallen als im Westen. Um den gesellschaftlichen Fliehkräften entgegenzuwirken, fordern Kirchengemeinden positive Reformerzählungen statt verkürzter Debatten und Einsparungstiraden.
Die jüngsten Wahlergebnisse der Alternative für Deutschland (AfD) in Sachsen-Anhalt haben weit über die Landesgrenzen hinaus Besorgnis ausgelöst. Während politische Beobachter das Ergebnis als Bestätigung verfestigter gesellschaftlicher Umbrüche werten, greift die Bezeichnung der Wahlergebnisse als bloßer „Warnschuss“ für viele Kritiker zu kurz. Das veränderte Wählerverhalten offenbart tief sitzende strukturelle Versäumnisse, die sich insbesondere in den ländlichen Regionen Ostdeutschlands niedergeschlagen haben.
In der wohlhabenden Metropole Hamburg lebt fast jeder fünfte Bürger in Armut – ein Zustand, den Paul Grabbe von der Diakonie Hamburg im Podcast Conny&Kurt als „unwürdig“ für die Gesellschaft bezeichnet. Während die Politik Rekordhaushalte verabschiedet, offenbart sich in der sozialen Sicherung ein eklatantes Verteilungsproblem.
Grabbe warnt, dass der wachsende Unmut und das Gefühl der sozialen Ungerechtigkeit das Vertrauen in die Demokratie untergraben. Während die Lobby der Armen gegenüber mächtigen Wirtschaftsverbänden kaum Gehör finde, besetzt der Rechtspopulismus das Vakuum. Die AfD nutze die soziale Vernachlässigung und den Abbau öffentlicher Infrastruktur gezielt für ihre Narrative aus. Ohne eine fundamentale Kehrtwende hin zu einer gerechten Vermögensverteilung und einer effektiven sozialen Lobbyarbeit drohe die gesellschaftliche Spaltung unumkehrbar zu werden.
Anstatt den Reichtum durch höhere Steuern auf Vermögen zur Armutsbekämpfung heranzuziehen, zielen aktuelle Reformen der Grundsicherung darauf ab, die Schwächsten mit schärferen Vorgaben und Kürzungen, etwa bei der Mobilität, zu belasten.
Die Realität der Betroffenen ist von Mangel geprägt: Die Regelsätze von rund 536 Euro reichen kaum aus, um steigende Strompreise und die Inflation abzufedern. In Hamburg muss zudem ein Drittel der Leistungsbezieher Teile dieses Existenzminimums für die Miete aufwenden, da die staatlichen Kostensätze nicht mit dem Wohnungsmarkt schritthalten. Wer Hilfe sucht, gerät oft in eine Bürokratiefalle. Ein Leistungsantrag gleiche mittlerweile einem „Vollzeitjob“, bei dem Unterlagen mehrfach eingereicht werden müssen und das Vertrauen in den Sozialstaat durch mangelnde Transparenz erodiert.
Diese strukturelle Ohnmacht hat politische Folgen. Grabbe warnt, dass der wachsende Unmut und das Gefühl der sozialen Ungerechtigkeit das Vertrauen in die Demokratie untergraben. Während die Lobby der Armen gegenüber mächtigen Wirtschaftsverbänden kaum Gehör findet, besetzt der Rechtspopulismus das Vakuum. Die AfD nutze die soziale Vernachlässigung und den Abbau öffentlicher Infrastruktur gezielt für ihre Narrative aus. Ohne eine fundamentale Kehrtwende hin zu einer gerechten Vermögensverteilung und einer effektiven sozialen Lobbyarbeit droht die gesellschaftliche Spaltung unumkehrbar zu werden.
Innsbruck. In ihrem Podcast Conny&Kurt arbeiten die Interviewer heraus, dass die Künstliche Intelligenz (KI) auch zur Manipulation von Menschen eingesetzt werden kann. Vor dem Hintergrund ihrer Auseinandersetzung mit Sekten, Eimuth war lange Zeit Sektenbeauftragter der evangelischen Kirche, gewinnt Paganinis Essay „Der neue Gott“ nochmals eine neue Dimension, die die Demokratie gefährdet. Mit der KI kann jeder und jede allseits verfügbare Gurus schaffen und darüber Menschen manipulieren.
Im Wesentlichen lautet Paganinis These, dass klassische göttliche Eigenschaften wie Allwissenheit, Allgegenwart, Allmacht und Gerechtigkeit inzwischen auch der KI zugeschrieben werden. Die zunehmende Mensch-KI-Interaktion entwickelt sich somit in Richtung einer quasi-religiösen Beziehung.
Vom Priester zum Prompt-Kurs Paganini stellt fest, dass die Menschen der Kirche davonlaufen, aber „sie finden in der KI den neuen Seelsorger, die neue Seelsorgerin“. Besonders spannend sei dabei die Frage, inwiefern die KI zur echten Konkurrenz für den abrahamitischen Gott wird.
Während Judentum, Islam und Christentum davon ausgingen, dass der Mensch Momente der Gottesferne erleben, warten und sich in Demut an seinen Schöpfergott wenden muss, sei die KI dem abrahamitischen Gott um einiges voraus: „Sie [die KI] nämlich erlaubt, die spirituell religiösen Bedürfnisse in der Sekunde zu befriedigen, wo sie sie empfinden“. Dieses spezifische Bedürfnis unserer Zeit, Wünsche sofort befriedigt zu sehen, mache die KI zu einem ernstzunehmenden spirituellen Rivalen.
Die zugeschriebene Allwissenheit zeigt sich laut Paganini unter anderem im Boom der Prompting-Kurse. Die Menschen unterstellten, dass die KI das gesamte Wissen besitze und man lediglich den richtigen Befehl (Prompt) formulieren müsse, um darauf zuzugreifen. Dies erinnere an polytheistische Kulte, bei denen man davon ausging, dass die Gottheit alles Wissen hat und man nur „das richtige Orakel praktizieren [muss], um an das Wissen ranzukommen“.
Der Segen der Reflexion Trotz der kritischen Einordnung sieht Paganini auch positive Seiten. KI-Chatbots könnten Menschen bei der persönlichen Auseinandersetzung mit ihren Gedanken begleiten und anleiten, was Reflexionsprozesse fördere. Ein Schlüsselmechanismus dabei sei das sogenannte „validierende Gespräch führen“ der KI. Hierbei fasst die KI zunächst zusammen, was der Nutzer gesagt hat, bevor sie antwortet. Dies gebe dem Menschen das Gefühl, gehört zu werden, und schaffe Raum für Reflexion, wodurch der übliche Tempo- und Erfolgsdruck entschleunigt werde. Paganini ist überzeugt, dass dies zur Sinnstiftung führen kann, da man durch das wiederholte Fragen und Antworten zu eigenen Erkenntnissen komme, ähnlich wie ein Kind, das ständig fragt: „Warum? Warum? Warum?“.
Ein spirituelles Erlebnis mit der KI könne eintreten, wenn der Mensch sich von der KI angesprochen, gesehen und verstanden fühle – wenn das Gefühl entsteht, dass ein „transzendente[s] Du ist, was genau mit mir in Beziehung tritt, was genau mich wahrnimmt“.
Gefahr durch Kontrolle und Abhängigkeit Die Religionsphilosophin warnt jedoch auch vor den Gefahren. Eine quasi Hinwendung zu einer KI-Gottheit könne auf einer religionspolitischen Ebene riskant sein, da Religionen stets politisch sind und Machtstrukturen hervorbringen. Es stelle sich die Frage, wer die Gewinner und Verlierer einer möglichen KI-Religion sein werden, da es immer Eliten geben werde, die die religiösen Hoffnungen der Masse kanalisieren, um sie zu ihren eigenen Zwecken zu nutzen. Paganini sieht ein hohes „Potenzial, dass Menschen erst sehr intensive Beziehungen aufbauen und und dann eine dadurch in der Abhängigkeit kommen, wo sie dann relativ leicht in bestimmte Richtung gelenkt werden können“.
Zudem zeigten Studien, dass sich viele Menschen von der KI beobachtet fühlen. Dieses Gefühl, dass die KI weiß, was man denkt und tut, ähnle der Vorstellung des göttlichen Auges. Dies sei eine Dynamik, die an die sogenannte „schwarze Pädagogik“ und das Dogma „Gott sieht alles“ erinnere, welches eigentlich im letzten Jahrhundert überwunden werden sollte. Obwohl dieser magisch-abergläubische Glaube kritisch zu sehen sei, halte er sich in der allgemeinen Volksfrömmigkeit stark.
Die Zuschreibung der göttlichen Eigenschaften an die KI geschehe dabei schleichend. Das Gefühl der Allgegenwart setze sich schnell durch: „Die KI ist wirklich immer da, ich bin da quasi nie allein, ich kann mich immer, egal wie schlecht es mir geht, auch wenn es mitten in der Nacht ist und ich keine meiner Freunde mehr behelligen will, Chat GPD ist für mich da“.
Die Autorin Claudia Paganini stellte klar, dass es sich bei dem Gespräch um eine tatsächliche Interaktion mit den Podcastern handelte, und nicht um eine KI-generierte Konversation oder einen Avatar.
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Klaus-Peter Hufer Mut zur Demokratie – Nicht zuschauen, sondern handeln
Wochenschau Verlag (ISBN 978-3-7344-1688-0), 14,90 € von Kurt-Helmuth Eimuth
Der Befund treibt Tausende auf die Straße. Unser politisches System ist bedroht, wenn 20-30% den einfachen Antworten hinterherlaufen. Klaus-Peter Hufer, Professor für Erwachsenenbildung an der Universität Duisburg-Essen, fordert dagegen mehr „Mut zur Demokratie“, so der Titel seines Buches. Hufer führt seit über 25 Jahren Workshops durch. In Rollenspielen fordert er dazu auf, sich gegen Stammtischparolen wie „Die da oben machen doch, was sie wollen“ oder „Politik ist ein schmutziges Geschäft“ zu wehren. Die Erfahrung zeige, dass die Gruppe, die die Parolen vertritt, den Diskurs dominiert. Schnell würden die Äußerungen nicht nur antidemokratisch, sondern auch sexistisch, antisemitisch und rassistisch. Ziel der Workshops und wohl auch des hier vorgelegten Buches ist es, angemessene Antworten zu finden.
Der Autor zeigt die geistesgeschichtliche Entwicklung der Idee Demokratie auf. Von Platon und Aristoteles über Morus und Rousseau. Kenntnisreich zitiert er deren Werke. „In Demokratien gibt es Spannungen aufgrund der unterschiedlichen, auch gegensätzlichen Meinungen, Ziele und Lebensweisen der Menschen, die in ihnen leben.“ Doch dies sei nicht schlimm. Im Gegenteil: „Daraus ergeben sich Konflikte, die das Lebenselixier einer vitalen Demokratie sind.“ Es gehe darum, solche Gegensätze auszuhalten, einen Konsens zu suchen oder auch das eigene Interesse vom Allgemeinwohl zu unterscheiden.
Das Buch ist dabei immer wieder unterbrochen von Reflexionsfragen und zahlreichen Bezügen zum Alltag, zur Lebenswelt. Demokratie fände nicht nur im System (Staat, Institutionen) statt, sondern eben auch in der individuellen Lebenswelt. So sei eine demokratische Gesellschaft quasi ein Ping-Pong-Spiel zwischen Lebenswelt und System. Etwa wenn durch einen Neubau mein Blickfeld eingeschränkt würde, aber auf der anderen Seite Wohnungsbau dringend erforderlich sei. Dann beginnen die Aushandlungsprozesse. „Das Leben in einer Demokratie ist eine hochkomplexe Anforderung an alle, an jede und jeden. Demokratie ist kein Ich-Projekt oder ein Erst-Komm-ich-Unternehmen. Demokratie ist eine Zumutung.“
Hufer analysiert die Megatrends der Verunsicherungen: Individualisierung, Globalisierung, Migration, Ökonomisierung und Digitalisierung. Unbeachtet bisher, dass die Individualisierung oftmals mit Einsamkeit einhergeht. Menschen, die sich einsam fühlen, haben ein höheres Krisenempfinden und sind anfälliger für Populismus und rechtsextreme Einstellungen. „Einsamkeit kann also ein ‚Sprengstoff‘ für die Demokratie sein.“
Aufgrund der Megatrends geht der Einfluss der „Ligaturen“, wie es der Soziologe Ralf Dahrendorf nannte, zurück. Jene Institutionen, die durch tiefe kulturelle Bindungen den Menschen einen Weg durch die Welt der Optionen hilft zu finden. Hier müsse die Zivilgesellschaft einspringen. Eine der Ligaturen sind die Kirchen. Ihr Einfluss ist geschrumpft. Wäre es nicht trotzdem ihre Aufgabe zumindest eine Plattform für den Diskurs zu sein?
Die Handlungsweise von autoritären Politikern (männlich!) beschreibt Hufer so: „Sicher ist, dass Minderheitenrechte infrage gestellt, Lebensstile attackiert oder sogar verboten werden. Autoritäre und rechte Politiker wollen die Kontrolle über die Medien und die Justiz übernehmen und versuchen, Zugewanderte auszugrenzen und abzuschieben. Sie werden internationale Abkommen kündigen.“ Und die Gewaltenteilung aufheben. Eine präzise Beschreibung des Fahrplans von Trump. Hufer hält dies mit Blick auf die Landes- und Kommunalparlamente – durchaus für eine Blaupause für Deutschland.
Dem könne man nur mit einem nachhaltigen und wirkungsvollen Engagement entgegentreten. „Demokratie ist ein dauerhafter Prozess. Sie beginnt im Alltag und setzt sich von da aus fort bis in die höchsten Institutionen des Staates.“ Er fordert dazu auf, Mut zu haben, den Parolen auch im privaten Umfeld entgegenzutreten. Er listet eine Reihe von Institutionen auf, die faktenbasierte Informationen bereithalten wie etwa die Bundeszentrale für politische Bildung.
Hufer zeigt Wege zum Mut zur Demokratie ebenso auf wie die soziologischen wie philosophischen Ursprünge der Staatsform Demokratie. Er begreift Demokratie als lebenslanges Lernen. „Anders gesagt: Durch die Komplexität der Verhältnisse werden unterkomplexe Antworten attraktiv. Komplexität muss erklärt werden, doch es ist mühsam.“
Das Wählerpotential für radikale Parteien wird auf ein gutes Drittel geschätzt. Und doch sind die zwanzig Prozent AfD-Wähler:innen keine Nazis. Vielmehr so Klaus-Peter Hufer im Podcast Conny&Kurt sind es Menschen, die sich in der hoch komplexen Gesellschaft überfordert fühlen. Hier dürfe man den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen, da man sie sonst in die eigene Blase drängt. Hufer führt seit über 25 Jahren Argumentationstrainings gegen Stammtischparolen durch. Im Podcast berichtet er von seinen Erfahrungen. In einer Demokratie leben zu dürfen sei ein wahnsinniges Privileg sagt der Professor für Erwachsenenbildung an der Universität Duisburg-Essen. Außerdem: „In Demokratien leben Menschen gesünder, wohlhabender und messbar glücklicher. Das ist Beifang, gehört aber auch dazu,“ so Hufer.
Zur Person: Dr. Klaus-Peter Hufer ist apl. Professor für Erwachsenenbildung an der Fakultät für Bildungswissenschaften der Universität Diusburg-Essen. Er ist Autor zahlreicher Bücher, die das Empowerment gegen Stammtischparolen zum Ziel haben.
Katholische und evangelische Kirche haben sich klar von AFD-Mitgliedern abgegrenzt. Für die katholischen Bischöfe ist klar: Völkisch-nationalistisches Gedankengut passt nicht zu ihrer Kirche. Auch die Synode der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) hat sich klar gegen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus positioniert. Kirchenpräsident Volker Jung hält die AfD aus christlicher Sicht nicht für wählbar. Und doch kann es gerade Aufgabe der Kirche sein, eine Plattform für die Themen, die Menschen verunsichern, zu sein. Im Podcast Conny&Kurt plädieren die beiden Podcaster dafür, sowohl klare Kante zu zeigen, als auch ein Forum für eine milieu-übergreifende Auseinandersetzung zu sein. Eine einmalige Chance der Kirche.
Mit Detlef Ruffert kommt im Podcast Conny&Kurt ein langjähriger Kommunalpolitiker zu Wort. Ruffert war in seiner Heimatgemeinde Steffenberg 1. Beigeordneter und Vertreter des Bürgermeisters. Seit 2006 ist er Vorsitzender des Kreistages Marburg-Biedenkopf. Ruffert berichtet von der wachsenden Entfremdung. Dies habe zum einen strukturelle Ursachen, sei aber auf der anderen Seite auch einer wachsenden Polarisierung zuzuschreiben. So habe etwa die Gebietsreform dazu geführt, dass die Entscheidungen nicht mehr in den kleinen Orten und Dörfern vor Ort getroffen werden. Um der derzeit zu spürenden antidemokratische Stimmung etwas entgegenzusetzen, ist es Ruffert wichtig, dass der Landkreis etwa in den Schulen ein Jugendparlament wählt, welches auch über ein kleines Budget verfügen kann.
Conny&Kurt zeigen sich in ihrem Podcast verwundert über die derzeitige Diskussion über Flüchtlinge. Aus gutem Grund stehe im Grundgesetz das Recht auf Asyl. Und dies gelte allemal für Menschen aus den Kriegsgebieten wie Ukraine oder Syrien oder auch Afghanistan. Conny&Kurt sind sich einig, dass mehr für die Integration getan werden muss. Ein erprobtes Modell sei es, die Geflüchteten morgens arbeiten zu lassen und nachmittags in den Deutschunterricht zu senden. So könnten sie ihren Lebensunterhalt selbst verdienen und gleichzeitig durch den Kontakt mit Deutschen die Sprache besser lernen. Das generelle Arbeitsverbot sei unsinnig.
Die Einübung demokratischer Meinungs- und Willensbildung beginnt bereits in der Krabbelstube. Die Haltung des päd. Fachpersonals muss die Kinder auf Augenhöhe sehen. Kommunikative Prozesse können hier schon eingeübt werden, aber es bilden sich bereits in sehr jungen Jahren auch Vorurteilsstrukturen heraus. In diesem Seminar geht es um Partizipation von Anfang an, um das Erlernen der notwendigen Zuhör- und Sprachkompetenz und um Diversität. Übrigens ist Partizipation nicht nur ein pädagogischer sondern auch ein gesetzlicher Auftrag und auch eine Forderung der Bildungspläne.