Tag Archiv für Magirius

Georg Magirius und die Kunst der Ermutigung

Seit 25 Jahren betreibt der Frankfurter Theologe und Schriftsteller Georg Magirius seine „Heilspraxis“, in der er Menschen durch Spaziergänge und Gespräche zum Nachdenken anregt. In seinem neuen Buch präsentiert er nun „Zehn Perlen der Bibel“ – ein Werk, das sich der Kategorisierung als klassischer Ratgeber oder reines Andachtsbuch entzieht. Magirius möchte biblische Bilder nicht lediglich theoretisch auslegen, sondern sie, wie er es im Podcast Conny&Kurt formuliert, „auf die Perle bringen“.

Zentrales Motiv seines Denkens ist die Bewegung. Für Magirius ist die Heilige Schrift im Kern ein „Wanderbuch“ voller Geschichten des Aufbruchs. In der zehnten Perle der Weisheit formuliert er radikal: „Wenn alles am Ende ist, geht es weiter“. Selbst die „allerletzte geheimnisvollste Grenze“ sei kein Schlusspunkt, sondern ein neuer Anfang. Diese Zuversicht speist sich aus einfachen Naturbeobachtungen: Dass die Sonne jeden Morgen aufgeht, ohne dass der Mensch etwas dafür tun muss, bezeichnet er als „unglaubliches Geschenk“ und zugleich als eine „Provokation“ für unsere moderne Macher-Mentalität.

Die nötige Glaubwürdigkeit gewinnt der Autor dabei aus einer konsequenten Subjektivität. Anstatt sich hinter theologischen Abhandlungen zu verstecken, setzt er auf das persönliche Zeugnis: Er könne biblische Worte nur dann glaubhaft weitergeben, wenn er von sich selbst erzähle. Erst durch das Zeigen der eigenen Wunden könne wahre Menschlichkeit entstehen. Ob es um die Heilung der blutflüssigen Frau oder die „Qualität der Berührung“ geht – Magirius sucht stets den lebendigen, existentiellen Kern der Sprache. Sein Buch richte sich daher an „jeden und jede“, die bereit sind, sich von der verwandelnden Kraft biblischer Bilder „mitreißen“ zu lassen.

Appetithäppchen – 500 Jahre Kirchenmusik

500 Jahre Kirchenmusik an Beispielen

Als Appetithäppchen für das Jahr der Kirchenmusik hat Georg Magirius dieses kleine Buch zusammengestellt. 500 Jahre Kirchenmusik auf nur 48 Seiten unterzubringen ist sicher kein leichtes Unterfangen, zumal in einem Band, der auch mit Bildern und Grafiken Lust auf mehr macht.

Martin Luther steht natürlich am Anfang. Für ihn ist das Evangelium eine „gute Botschaft, davon man singet und saget und fröhlich ist“. Deshalb dichtet und komponiert er selbst. Neben Luther greift der Autor die wichtigsten Künstler heraus, die jeweils stellvertretend für eine Facette der Kirchenmusik stehen: Heinrich Schütz vertritt die Chormusik, Paul Gerhardt die Dichtung. Bei der Darstellung von Johann Sebastian Bach liegt der Schwerpunkt auf seinen Orgelwerken. Johannes Kuhlo findet wegen seiner Posaunenarbeit Beachtung, und der Frankfurter Texter Friedrich Karl Barth schließlich steht für die Moderne.

Friedrich Karl Barth hat in den 1970er Jahren die Frankfurter Beratungsstelle für Gottesdienste im Haus am Weißen Stein in Eschersheim geleitet. Zahlreiche seiner Lieder haben Eingang in das Evangelische Kirchengesangbuch gefunden, darunter Hits wie „Komm bau ein Haus“, „Brich mit den Hungrigen dein Brot“, „Wir strecken uns nach Dir“ und das wohl am meisten gesungene Tauflied „Kind, du bist uns anvertraut“.

Gemeinsam mit Peter Janssens war Barth an der Entwicklung einer neuen kirchlichen Musiksprache wesentlich beteiligt. Es war auch Friedrich Karl Barth, der mit der Form der Liturgischen Nacht den damals darbenden Kirchentag wiederbelebte.

Georg Magirius lässt, so der Verlag, „seine Texte leicht dahinfliegen. Sie informieren ohne je belehrend zu sein.“ Dem kann man nur zustimmen. Mit dieser Reihe haben Verlag und Autor Maßstäbe für ebenso ansprechend wie informative kleine Bände gesetzt, die sich auch gut zum Verschenken eignen.

Georg Magirius: Meister der Kirchenmusik, 48 Seiten, mit zahlreichen farbigen Abbildungen. Agentur des Rauhen Hauses 2012, gebundene Ausgabe 4,99, Taschenbuch 3 Euro.
Kurt-Helmuth Eimuth

Inspirierend und leicht – Neues Geschenkbüchlein für Geburtstage

Inspirierend und leicht

Neues Geschenkbüchlein für Geburtstage

Es gibt viele Geschenkbüchlein. Zu allen möglichen Anlässen. Sie sind als kleines Mitbringsel nützlich und meist schön anzusehen. Großformatige Bilder, allgemeingültige Sinnsprüche und dazwischen der ein oder andere Text eines mehr oder minder bekannten Autors oder Autorin.

Auch das vom Frankfurter Schriftsteller und Theologen Georg Magirius vorgelegte Büchlein „Gute Ausssichten – Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag“ kommt ohne schöne Bilder und einige (wenige) Zitate nicht aus. Doch sind sie eine wunderbare Ergänzung für die Erzählungen des Autors selbst. Magirius versteht es, einfühlsam Stimmungen zu beschreiben und stimmige Sprachbilder zu verwenden. So wird etwa der Geburtstag als „Aussichtsplattform“ beschrieben, der „einer Rast, einer Unterbrechung auf der Wanderung des Lebens“ gleicht.

Magirius’ Texte bestechen aber auch durch Sprachwitz und Sprachgewalt. Etwa wenn er von so etwas Banalem wie dem morgendlichen Müsli berichtet: „Die Haferflocken bleiben nicht allein, sondern paaren sich mit Früchten. Banane ist mein Favorit, doch es darf sich auch ein Apfel mit Rosinen zu den Flocken gesellen.“

Das Buch ist weit mehr als ein Mitbringsel zum Geburtstag. Die Texte sind meditativ, inspirierend und haben doch erzählerische Leichtigkeit. Sie eignen sich erprobterweise auch für Andachten. So wird etwa die Stille beim Wandern mit dem Beten verglichen: „Das Beten ist ja nichts anderes als der Gang in die Abgeschiedenheit für Augenblicke. Solche Wege braucht die Seele. Sie wird ruhig und atmet auf.“

Georg Magirius: Gute Aussichten – Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag. Agentur Des Rauhen Hauses, broschiert 3 Euro, gebunden 4,99 Euro.

Kurt-Helmuth Eimuth

Evangelisches Frankfurt Oktober 2011