In der Mainmetropole Frankfurt, wo die Eintracht und das geschriebene Wort gleichermaßen zu Hause sind, feiert ein besonderes kirchenmusikalisches Phänomen sein Goldjubiläum. Eugen Eckert, Stadionpfarrer, Texter und Motor der Band Habakuk, blickt auf ein halbes Jahrhundert Bandgeschichte zurück, die weit über die Grenzen Hessens hinaus Strahlkraft entfaltet hat. Was 1975 mit einem Kirchenkredit begann, hat sich zu einer Chronik des deutschen Protestantismus entwickelt.
Anlässlich dieses Jubiläums hat Eckert ein Buch vorgelegt, das mehr ist als eine bloße Retrospektive. Es ist ein Experiment im Angesicht des technologischen Paradigmenwechsels. Da das Zeitalter der CD endet und das Streaming auf Plattformen wie Spotify für Musiker einer „Selbstausbeutung“ gleichkommt, setzt die Band auf ein hybrides Modell: Ein gedrucktes Buch, das via QR-Codes den Zugang zu Musik in Studioqualität ermöglicht. Es ist der Versuch, das Erbe von 17 Produktionen in die digitale Ära zu retten.
Die Geschichte von Habakuk ist untrennbar mit den großen Themen der Bundesrepublik und der Entwicklung der Kirchentage verbunden. Eckert erinnert sich an prägende Begegnungen, etwa mit der Theologin Luise Schottroff, die ihn einst vor dem Abbruch seines Studiums bewahrte, oder an die „legendäre“ Bibelarbeit mit der damaligen Kanzlerkandidatin Angela Merkel im Jahr 2005, die unter den strengen Augen von Spürhunden stattfand.
Doch der Rückblick ist getrübt von der Sorge um die Zukunft der populären Kirchenmusik. Eckert beklagt eine „kulturelle Abspaltung“ des Gottesdienstes vom Alltag. Während viele Kirchenmusiker das „Neue Geistliche Lied“ (NGL) als „platt und banal“ abtun oder den Einsatz von E-Pianos verweigern, verteidigt Eckert die Popmusik als die Sprache, mit der die Menschen aufgewachsen sind. Er mahnt, dass die Kirche charismatische Persönlichkeiten braucht, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und in neue Projekte zu investieren, statt sich in den „Nachbarschaftsraum“ zurückzuziehen.
Ein Ende der Ära Habakuk ist indes noch nicht in Sicht. Getreu dem Motto, dass man nicht vorzeitig die Bühne verlässt, solange das Publikum die Musik schätzt, stehen neue Projekte an. Am 9. Mai wird im Braunschweiger Dom ein neues Oratorium über den verlorenen Sohn uraufgeführt – ein Beweis dafür, dass die Saat, die Eckert vor 50 Jahren ausbrachte, weiterhin Früchte trägt.

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