In einer Metropole, die sich oft über ihre glänzende Skyline definiert, bleibt die soziale Realität vielerorts im Schatten der Hochhäuser verborgen. Katharina Hellwig, Geschäftsführerin des Vereins Junularo Frankfurt, zeichnet im Podcast Conny&Kurt ein Bild der städtischen Jugendhilfe, das von chronischer Unterfinanzierung und dem täglichen Kampf gegen Kinderarmut geprägt ist. Der Verein, der aus dem selbstverwalteten „Kaffee Müller“ und dem „Heimverein des Bundes Neudeutschland“ hervorging, trägt heute einen Namen, der Programm ist: Junularo bedeutet auf Esperanto schlicht „Jugend“ und soll Weltoffenheit sowie eine gewisse „Buntheit“ signalisieren.
Mit 13 Einrichtungen ist Junularo eine feste Größe in Frankfurt, doch die Arbeit findet unter erschwerten Bedingungen statt. Da die präventive Kinder- und Jugendarbeit im Gegensatz zu einzelfallbezogenen Hilfen keine Pflichtleistung der Kommune darstellt, gerät sie bei Sparmaßnahmen als Erste unter Druck. Zwar gab es 2024 nach jahrelangem politischem Protest, dem „Tag der geschlossenen Tür“, eine Anhebung der Zuschüsse, doch diese deckte kaum mehr als die inflationsbedingten Kosten und Tarifsteigerungen. Von den geforderten 29 Millionen Euro für den Sektor wurden lediglich 5,6 Millionen bewilligt – eine Summe, die Schließungen verhinderte, aber keine großen Sprünge erlaubte.
Besonders alarmierend ist Hellwigs Schilderung der Kinderarmut. Es sei ein Skandal, dass Kinder in einer wohlhabenden Stadt wie Frankfurt nachmittags hungrig in die Einrichtungen kommen. Die Bürokratie zwinge Familien dazu, ihre Armut akribisch nachzuweisen, was oft an die Grenzen der Menschenwürde stoße. Hellwig fordert daher ein kostenloses Mittagessen an Schulen, das unabhängig von der Zahlungsfähigkeit der Eltern garantiert wird.
Der Kern der Junularo-Philosophie bleibt jedoch die Partizipation. Diese wird nicht nur in Gremien gelebt, sondern reicht bis in den Vorstand, der fast ausschließlich aus ehemaligen Besucher:innen der Einrichtungen besteht. Dieser Ansatz der „Selbstwirksamkeit“ zeigt sich auch in jugendpolitischen Erfolgen wie dem Frankfurter Jugendparlament.
Für die Zukunft fordert Hellwig ein Umdenken in der Stadtplanung. Anstatt über Vandalismus zu klagen, müsse man Jugendliche als Experten für ihren Sozialraum begreifen und sie aktiv an der Gestaltung von Parks und Plätzen beteiligen. Nur durch Identifikation mit ihrem Umfeld könne eine nachhaltige Wertschätzung des öffentlichen Raums entstehen. Die Jugendhilfe fungiert hierbei als „Dritter Ort“ neben Elternhaus und Schule, der entscheidende biographische Weichenstellungen ermöglicht.
Aus technischen Gründen ist das vollständige Interview nur im Audio zu hören. Die Videofassung ist gekürzt.





