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„Wir müssen viel erwachsener mit Kirchenaustritten umgehen“

Gott & Glauben

von Kurt-Helmuth Eimuth
und Antje Schrupp

24. Oktober 2022

Immer mehr Menschen treten aus den großen christlichen Kirchen aus. Der evangelische Propst für Rhein-Main, Oliver Albrecht, erklärt, warum man diese Entscheidung akzeptieren sollte und wie die Kirche der Zukunft aussehen könnte.

Oliver Albrecht ist Propst für Rhein-Main. |Foto: Rolf Oeser
Oliver Albrecht ist Propst für Rhein-Main. |Foto: Rolf Oeser

Herr Albrecht: Die Kirchenaustrittszahlen in Deutschland sind unvermindert hoch. Welche Herausforderung ist das für die evangelische Kirche?

Albrecht: Erst einmal sollten wir Menschen, die sich für einen Austritt entscheiden, respektieren. Wir als Christ:innen stehen für bestimmte Positionen, aber es ist es doch völlig in Ordnung, wenn jemand sich dagegen entscheidet, weil es ihn nicht anspricht oder er das auch anders sieht. Wir müssen sehr viel erwachsener mit diesen Austritten umgehen.

Muss die Kirche denn nicht etwas gegen den Trend unternehmen?

Es gibt Austritte, die nicht zu verhindern sind. Menschen, die wir in den ersten zwanzig Jahren ihres Lebens nicht erreicht haben, und die dann beim ersten Arbeitsplatz sehen, dass sie Kirchensteuern zahlen müssen, denen kann man es doch nicht verdenken, wenn sie austreten. Das würde ich auch aus einem Verein, bei dem ich irrtümlicherweise noch Mitglied bin. Es gibt viele Austritte, die haben Ursachen, die in diesem Moment nicht mehr zu korrigieren sind.

Viele Menschen treten aber auch aus, weil sie sich über die Kirche ärgern, oder?

Das spielt momentan auf der katholischen Seite eine Rolle, aber bei den Evangelischen gibt es erstaunlich wenige Menschen, die aus einer konkreten Verärgerung austreten, also weil wir in einer bestimmten Situation dies oder das gemacht haben. Ich warne sehr davor, unser Verhalten von potenziellen Austritten abhängig zu machen. Es treten Leute aus, weil wir ein Flüchtlingsschiff ins Mittelmeer schicken, und es treten welche aus, weil wir nicht zehn solcher Schiffe schicken. Wir müssen das tun, was wir aus unserer Überzeugung und aus unserem Glauben heraus für richtig halten, und wenn es Leute gibt, die das ablehnen, dann müssen wir damit leben.

Welche christlichen Inhalte, die vielleicht nicht mehrheitsfähig sind, halten Sie für besonders wichtig?

Nach meiner Beobachtung gibt es zwar in ethischen, gesellschaftlichen und politischen Fragen auch immer wieder Menschen, die unsere Position nicht teilen. Doch wirklich gar nicht mehr mehrheitsfähig sind wir, wenn wir eine Ebene tiefer gehen und nach den Glaubensdingen fragen, die unseren Entscheidungen oft zu Grunde liegen.

Welche zum Beispiel?

Christ:innen gehen davon aus, dass es Dinge gibt, die nicht machbar sind, dass es nicht immer die „intelligenten Lösungen“ sind, die weiterbringen, sondern dass zu einem gelingenden Leben auf dieser Welt auch Verzicht und Vergebung, Widerstand und Ergebung gehören.

Kann die Kirche von denen, die sich abwenden, etwas lernen?

Ich lerne von jedem etwas Neues. Natürlich oft, was wir besser machen können. Aber lieber noch entdecke ich Fremdes in scheinbar Vertrautem neu, staune und erschrecke sogar mit meinen Gesprächspartner:innen. Oft ist es ein heilsames Erschrecken. Im Gespräch mit muslimischen Geschwistern merke ich zum Beispiel oft, was für ein Skandal das tatsächlich ist: Wir glauben einem Gott, der von Menschen ermordet wurde.

Ist der Verzicht darauf, Menschen für ihren Kirchenaustritt zu kritisieren, ein Abschied von dem Bemühen, die ganze Breite der Bevölkerung anzusprechen und in der Kirche zu halten?

Nein, auf keinen Fall. Es geht bei diesem Bemühen um die Menschen ja nicht darum, sie in der Kirche zu halten. Ich möchte sie für Gott und ihre Liebe begeistern. Und genau deswegen, weil es um Liebe geht, findet mein Bemühen seine Grenze, wenn jemand sagt: Ich komme gut ohne Gott und die Kirche klar.

Die Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentags, Kristin Jahn, hat Kirchenaustritte als „Erlösung“ vom System der Volkskirche bezeichnet und setzt auf eine Minderheiten- und Freiwilligenkirche. Wie sehen Sie das?

„Erlöst“ werden kann ich nur von etwas Schlimmem oder Schrecklichem. Die Volkskirche ist beides nicht. Es kann aber wirklich sein, dass ihre Zeit vorbei ist, das erlebe ich dann auch schon so, wie Kristin Jahn: Wir stehen gerade in einem riesengroßen Transformationsprozess. Dazu habe den Sommer über sehr viele wunderbare Gespräche geführt und neue Erkenntnisse gewonnen.

Welche zum Beispiel?

Ich denke gerade viel über eine „Kirche ohne Geld“ nach und versuche, aus dem Jahr 2060 auf die Zeit heute zu schauen: Wie könnte eine Kirche ohne eigene Gebäude, mit kaum noch hauptamtlichem Personal und so weiter aussehen? Was lernen wir von lebendigen Gemeinden weltweit, die jetzt schon so leben?

In Wahrheit brauchen wir grünes Schrumpfen

Die wirtschaftliche Lage ist prekär, individuell und im Lichte der gesamten Gesellschaft. Wie kann eine Transformation hin zu einer ökologischen Kreislaufwirtschaft gelingen? Ulrike Herrmann vertritt die These, dass dies mit einer Reduktion der wirtschaftlichen Leistung verbunden sein wird. Wir alle müssten uns auf einem Niveau des Lebensstandards von 1978 einstellen. Als Beispiel für den Weg dorthin nennt Herrmann die britische Kriegswirtschaft von 1939. Conny&Kurt setzen sich mit den zentralen Thesen der TAZ-Journalistin, die sie einem Vortrag im Frankfurter Haus am Dom entnommen haben, auseinander. Danke für die Genehmigung der Nutzung der Ausschnitte.

Die Attraktivität der Verschwörungserzählungen Strategien zur Begegnung

Corona-Leugner, Verschwörungsgläubige, rechte Esoterikerinnen und Rechtsextremisten
aus ganz Deutschland protestierten im August in Berlin. Eine krude Mischung aus besorg-
ten Bürgerinnen und Bürgern und Anhängerinnen und Anhängern von Verschwörungser-
zählungen. Eine besonders bizarres Beispiel ist „QAnon“.
Prominente wie der Musiker Xavier Naidoo und der Kochbuchautor Attila Hildmann haben
dazu beigetragen, QAnon in Deutschland bekannt zu machen. Verschwörungserzählun-
gen gab es schon immer. Besonders in Krisenzeiten haben sie Konjunktur. Doch die aus
den USA herübergeschwappte QAnon-Erzählung ist so wirr und absurd, dass man es gar
nicht wiedergeben mag. Und trotzdem sehen viele in dieser Bewegung eine Gefahr für die
demokratische Gesellschaft.
Die Geschichte hinter QAnon wird in vielen Variationen erzählt, im Kern geht sie so: Ein
mit den Mächtigen der Welt verbundener Geheimbund hält Tausende entführter Kinder in
Kellern und eigenen Tunnelsystemen gefangen. Dort wird ihnen bei satanischen Folterritu-
alen Blut abgezapft. Dieses Blut wird zur Herstellung eines Supermedikaments namens
Adrenochrom benötigt, das der Elite Jugendlichkeit verschafft oder sie zumindest
„High“ macht (Adrenochrom ist ein Stoffwechselprodukt des Adrenalin und bildet sich in
geringen Mengen im Körper).
So krude die ganze Story vom anonymen „Q“ auch ist, sie heftet sich bestens an alte und
in der Gesellschaft tief verwurzelte Vorurteile. Geschichten von einer Weltverschwörung,
einem geheimen Club, der die Welt steuert, zirkulieren schon lange. Man dockt auch an
den Antisemitismus anBasierend auf diesen tief verwurzelten Mustern und Feindbildernlässt sich eine Stimmung erzeugen, die die Welt in Gut und Böse aufteilt, die die Anhänger
und Anhängerinnen in einer eigenen Blase leben lässt. Die heute in Teilen der Bewegung
anzutreffende Legitimierung des Angriffkrieges von Putin, zeigt, wohin dieses Denken
führt. Offenbar bedarf es immer wieder „Anschlusserzählungen“, die diesen Impuls dann
weiter tragen.
Das Seminar will die Handlungs- und Erzählmuster der unterschiedlichen Verschwörungs-
erzählungen aufzeigen und Handlungsstrategien für die Begegnung entwickeln.

Kontakt: BEP@eimuth.de

Bilderwelten selbst gestalten


Noch nie war es so leicht zu fotografieren und zu filmen. Doch was macht ein gutes Foto
aus? Was braucht es hierfür? Oder kann man doch alles hinterher am PC bearbeiten?
Welche Programme hierfür gibt es?
Ein Seminar zum Ausprobieren der eigenen Perspektive, der eigenen kreativen Möglich-
keiten. Ob man die Bilder nur für die Dokumentation oder zum Erstellen der einer Dia-
Show nutzen will. Und da ist natürlich auch noch das Bundesdatenschutzgesetz, das es
zu beachten gilt.

Kontakt: BEP@eimuth.de

Cypermobbing


Konflikte zwischen Heranwachsenden sind normal. Schwierig wird es, wenn sie online
über Beleidigungen, Abwertungen und Ausgrenzungen ausgetragen werden. Cybermob-
bing ist weder räumlich noch zeitlich begrenzt, Inhalte verbreiten sich extrem schnell und
sind nicht kontrollierbar, weil sie von Nutzer:innen gespeichert, verändert und an anderer
Stelle erneut hochgeladen oder weiterversendet werden können.
Viele kennen Mobbing vor allem vom Schulhof oder bei der Arbeit. Dabei werden einzelne
Personen immer wieder schikaniert, gedemütigt und (seelisch) verletzt. Inzwischen wer-
den Beleidigungen, Abwertungen und Ausgrenzungen auch online ausgetragen – das kann in einer Online-Community sein, in der die Kinder und Jugendlichen sich nur über
das Internet kennen, oder auch als Ergänzung in Schule oder Hort.
Oft ist das Mobbing in den Kinderbetreuungseinrichtungen und der Schule nicht vom Cy-
bermobbing zu trennen und eng miteinander verknüpft. Wenn ein peinliches oder demüti-
gendes Video von per Messenger, z.B. im WhatsApp-Klassenchat, verbreitet wird, kommt
es meist auch in der Einrichtung zu Demütigungen und Ausgrenzung. Die Hemmschwelle
beim Cypermobbing ist niedrig, da die Täter:nnen nicht unmittelbar mit der Reaktion der
Opfer konfrontiert sind.
Wie kann man dem Cypermobbing vorbeugen und was kann man tun, wenn es dann doch
passiert?

Kontakt: BEP@eimuth.de

Hörmedien

Podcasts werden immer beliebter. Hörspiele sind für Kinder ständig verfügbar.
Hörangebote in Form von Hörbüchern und -spielen können für Kinder schon ab dem
zweiten Lebensjahr eine Bereicherung sein, speziell mit Sachthemen zur
Wissenserweiterung. Tonie, Tigerbox und Hörbert haben längst Einzug in die
Kinderzimmer gehalten. Aber was ist ein gutes Hörspiel, in welchem Alter? Und welche
Möglichkeiten gibt es selbst kreativ zu werden? Da die Technik bei akustischen Medien
einfach ist, können selbst im Kindergarten schon eigene Hörspiele erstellt werden. Auch
eignen sich die Medien dazu Kindern nicht deutscher Muttersprache mit Anerkennung zu
begegnen

Kontakt: BEP@eimuth.de

Vom medienkompetenten Umgang mit den Sozialen Netzwerken


50 Prozent der Kinder zwischen sechs und dreizehn Jahren haben ein Smartphone. Mit
Freund:innen schreiben, angesagten Trends folgen und herausfinden, wer man ist – all
das können Heranwachsende in sozialen Netzwerken. Die verschiedenen Plattformen wie
TikTok, Snapchat oder Instagram sind beliebt. Hier kann man verfolgen, was ihre
Freund:nnen so machen und Likes, verteilen und kommentieren. Vielleicht auch selbst
Bilder oder Videos von sich online teilen. Das Erstellen eigener Posts kann die Kreativität
fördern und regt die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität an. Aber natürlich liegen
hier gerade für Kinder und Jugendliche gefahren.
In diesem Seminar geht es um die kreative Nutzung, aber auch um die Gefahren des
Internets und wie man diesen begegnen kann.

Kontakt: BEP@eimuth.de

Groß werden mit Medien


Medien gehören zur Lebenswelt der Kinder. Sie werden zu den Sozialisationsinstanzen
gezählt. Es beginnt sicher mit Puppen und dem ersten Buch, doch schnell kommen
elektronische Medien hinzu. Kinder wachsen in einer digitalen Welt auf. Sie sind Teil ihres
Weges zur Aneignung der Welt.
Wann und wie sollen Medien in der Kita eingesetzt werden. Wie gehen wir selbst mit
Medien um und wann sind sie auch in der Kita hilfreich. Welche Apps sind für Kinder im
Kindergartenalter geeignet? Wie kann man kreativ die Möglichkeiten der digitalen Welt
kennenlernen?

Kontakt: BEP@Eimuth.de

Der Generalverdacht

Männer sind in der Kinderbetreuung ebenso rar wie willkommen. Fehlen doch Kindern
männliche Bezugspersonen, die zur Ausprägung von Rollenverständnis und den
Beziehungen zwischen den Geschlechtern wichtig sind. Doch immer noch begegnen
Männern einem Generalverdacht vor allem wenn es ums Wickeln oder die Begleitung desToilettengangs geht. Wie können sich Erzieher schützen, welche Strategien gibt es im
Umgang mit kritischen Eltern und welche sexualpädagogische Herausforderung stellt
dieses Phänomen dar. Ein Seminar nicht nur für Männer.

Konatkt: BEP@eimuth.de

Demokratie von Anfang an

Die Einübung demokratischer Meinungs- und Willensbildung beginnt bereits in der
Krabbelstube. Die Haltung des päd. Fachpersonals muss die Kinder auf Augenhöhe
sehen. Kommunikative Prozesse können hier schon eingeübt werden, aber es bilden sich
bereits in sehr jungen Jahren auch Vorurteilsstrukturen heraus. In diesem Seminar geht es
um Partizipation von Anfang an, um das Erlernen der notwendigen Zuhör- und
Sprachkompetenz und um Diversität. Übrigens ist Partizipation nicht nur ein
pädagogischer sondern auch ein gesetzlicher Auftrag und auch eine Forderung der
Bildungspläne.

Kontakt BEP@eimuth.de