Tag Archiv für Sexualität

Das biblische „Nö“: Über die Entzauberung christlicher Familienideale

In kirchlichen Kreisen gilt das Thema Sexualität oft noch immer als verpönt, obwohl die Bibel an zahlreichen Stellen davon erzählt. Im Podcast Conny& Kurt berichtet die Berliner Pfarrerin Maike Schöfer von ihrem Buch „Nö. Eine Anstiftung zum Nein sagen“. Sie plädiert für eine neue Ehrlichkeit im Umgang mit Begehren, körperlichen Grenzen und traditionellen Lebensentwürfen.

Schöfer dekonstruiert dabei insbesondere das Bild der bürgerlichen Kleinfamilie als vermeintlich christliches Ideal. Ein Blick in die Quellen zeige vielmehr, dass dieses Modell biblisch so nicht existierte; stattdessen finden sich vielfältige Formen des Zusammenlebens in Sippen oder großfamiliären „Häusern“. Die Fixierung auf Vater, Mutter und Kind sei ein späteres kulturelles Konstrukt, das die Institution Ehe überhöht habe. Unter dem Schlagwort der „Amatonormativität“ Amatonormativität ist die gesellschaftliche Annahme, dass es allen Menschen in einer exklusiven Beziehung besser geht) kritisiert Schöfer zudem den gesellschaftlichen Druck, die gesamte emotionale Energie in eine einzige romantische Paarbeziehung zu investieren.

Stattdessen fordert sie eine Rückbesinnung auf die Gemeinschaft als tragendes Netz. In ihrer Gemeinde in Berlin-Adlershof erlebt sie die Kirche bereits als eine Art „Dorf“, das sich gegenseitig bei der Erziehung und Care-Arbeit unterstützt. Auch für queere Lebensrealitäten sieht sie biblische Anknüpfungspunkte, etwa in der Erzählung von Ruth und Noomi, die eine solidarische Versorgungsgemeinschaft jenseits klassischer Rollenbilder bildeten.

Ihr feministischer Ansatz zielt dabei nicht auf die Abschaffung konservativer Werte, sondern auf die Freiheit der individuellen Entscheidung. Schöfers Anliegen bleibt eine Kirche, die als geschützter Raum für ehrliche Fragen dient und starre Strukturen zugunsten lebendiger, vielfältiger Beziehungen überwindet.

Zur Person:
Maike Schöfer, Jahrgang 1989, ist Pfarrerin unter dem Himmel Berlins. Feministisch, queer und unbequem schreibt sie digital als @ja.und.amen und analog im Talar gegen Ungerechtigkeiten an – in der Gesellschaft und in ihrer Kirche. Sie engagiert sich im interreligiösen Dialog, unter anderem mit dem Podcast „331 – 3 Frauen, 3 Religionen, 1 Thema“, den sie gemeinsam mit einer Judaistin und einer islamischen Theologin betreibt und der 2023 mit dem Deutschen PR-Preis ausgezeichnet wurde.

Der Generalverdacht

Männer sind in der Kinderbetreuung ebenso rar wie willkommen. Fehlen doch Kindern
männliche Bezugspersonen, die zur Ausprägung von Rollenverständnis und den
Beziehungen zwischen den Geschlechtern wichtig sind. Doch immer noch begegnen
Männern einem Generalverdacht vor allem wenn es ums Wickeln oder die Begleitung desToilettengangs geht. Wie können sich Erzieher schützen, welche Strategien gibt es im
Umgang mit kritischen Eltern und welche sexualpädagogische Herausforderung stellt
dieses Phänomen dar. Ein Seminar nicht nur für Männer.

Konatkt: BEP@eimuth.de

Synodaler Weg der katholischen Kirche gescheitert

Die deutsche katholische Kirche ist mit ihrem Reformprojekte „Synodaler Weg“ im Grunde gescheitert. Doris Wiese-Gutheil, Journalistin und intime Kennerin kirchlicher Strukturen, beschreibt in diesem Podcast, den Ausgangspunkt des Reformprozesses. Dabei erläutert sie auch, warum Maria 2.0 nicht Teil des Prozesses wurde, sondern bewusst so etwas wie eine außerparlamentarische Opposition blieb. Die jetzt in Frankfurt gefassten Beschlüsse sind so verwässert, dass es so scheint, als wäre die katholische Kirche immer noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen. Aber Doris Wiese-Gutheil will trotz alledem ihre Hoffnung nicht aufgeben.