Archiv für Presse

Systematischer Kindesmissbrauch in Sekten

von truk – 18. Mai 2014

Erst nach zwei oder drei Jahrzehnten können Ehemalige über das Ausmaß des Kindesmissbrauchs in Sekten sprechen.

Kurt-Helmuth Eimuth fordert Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen auf, sich dem Problem der Sekten zu stellen. Foto: Rolf Oeser

Das Beispiel der Aktionsanalytischen Organisation (AAO) zeigt, dass die Gesellschaft auch bei Psychogruppen und Sekten ihren Schutzauftrag gegenüber den Kindern nachkommen muss. Soziale Berufe sollten sich mit Mechanismen und Techniken von Psychogruppen und Sekten beschäftigen, „damit sie Anzeichen von Kindeswohlgefährdung erkennen können“.

Dies forderte der Sektenexperte Kurt-Helmuth Eimuth vor Mitgliedern der Sekteninformation und Selbesthilfe Hessen (Sinus) am Samstag, 17. Mai, in Frankfurt. Die grundgesetzlich garantierte Religionsfreiheit ende dort, wo dass Recht des Kindes auf körperliche und psychische Unversehrtheit verletzt werde. Eimuth hatte den systematischen Kindesmissbrauch in der AAO des ehemaligen Aktionskünstlers Otto Mühl in aufgezeigt.

In den letzten Jahren seien mehrere Biografien und Dokumentationen von Mitgliedern der zweiten Generation entstanden, also Kindern, die in Sekten wie die Kinder Gottes oder der Bhagwan-Bewegung aufgewachsen sind. Alle zeigten auf eindrucksvolle Art und Weise den systematischen Kindesmissbrauch in den jeweiligen Orgainsationen. Erst jetzt nach zwanzig oder dreißig Jahren könnten die Betroffenen darüber reden.

Doch anders als in Kirche oder der Odenwaldschule sei in der AAO der Kindesmissbrauch Teil der Ideologie gewesen. „Es war nicht die Verfehlung eines Einzelnen, die womöglich unter den Teppich gekehrt wurde, sondern es gehörte zum allseits akzeptieren Gruppenleben“, so Eimuth. Es war in den Augen der Mitglieder, auch der Eltern, die Erfüllung vom Meister „in die Sexualität eingeführt“ zu werden. Und wenn sich junge Mädchen mit 14 Jahren ihrer Vergewaltigung widersetzten, als sie dem Meister zugeführt werden sollten, so setzten die Gruppenmitglieder dieses Mädchen unter massiven Druck. Die AAO war für Eimuth „eine kriminelle Vereinigung, die systematischen Kindesmissbrauch betrieb“. Aber auch die anderen Formen der sogenannten Erziehung seien bei den Betroffenen nicht spurlos vorbeigegangen. Der ständige Kunkurrenzkampf um ein gutes Ranking, die ständige Verunsicherung, die vermisste soziale Geborgenheit, die fehlende Sicherheit habe die Kinderseelen verletzt.

Wie der Vorsitzende von Sinus, Conny von Schumann, der Versammlung berichtete, würden aus Deutschland heraus Sekten auch in andere europäische Länder expandieren. Dies gelte nach den Beobachtungen der europäischen Anti-Sekteninitiativen vor allem für das Universelle Leben um die selbsternannte Würzburger Prophetin Gabriele Wittek.

Beitrag von truk, veröffentlicht am 18. Mai 2014 in der Rubrik Ethik, erschienen in der Ausgabe Web.

Kita „Martin Niemöller“

Kita in der Kritik

von Denis Hubert

Die Eltern der Kindertagesstätte „Martin Niemöller“ im Frankfurter Stadtteil Riedberg beschweren sich über unhaltbare Zustände: Kleinkinder würden in der Einrichtung angeschrieen, bekämen nichts zu trinken. Der Kita-Träger gelobt Besserung und beklagt den Fachkräftemangel.

Eltern und Elternvertreter haben sich über die Zustände in der Kindertagesstätte „Martin Niemöller“ beschwert. „Die Sache ist eskaliert“, sagt Andreas Müller, Vater von zwei Kindern im Alter von eineinhalb und drei Jahren, die die Einrichtung im Quartier „Altkönigblick“ besuchen. „Ich sehe eine massive Gefahr für die Kinder.“

Müller hat vor drei Wochen in der Einrichtung hospitiert und sich selbst ein Bild von der Lage gemacht. Seine Mängelliste ist lang: Erzieher ließen Kinder mit Messer und Gabel alleine, das Eingangstor stehe offen, Kinder bekämen nichts zu trinken, würden angeschrien und nicht rechtzeitig gewickelt.

Unterstützt wird Müller von Elternbeirat Michael Neuberger, dessen zweieinhalbjährige Tochter die Krabbelstube besucht: Ein hoher Krankenstand führe zu einer ständigen Unterversorgung, berichtet er. Bei einem außerordentlichen Elternabend der Krabbelstube in der vergangenen Woche hätten zwei Mitarbeiter angefangen zu weinen und sich über die schlechten Verhältnisse beklagt.

Die Kinderbeauftragte für den Riedberg hat von dem Problem noch nicht erfahren: „Ich höre das erste Mal davon“, sagt Manuela Roll, die die Einrichtung als „nett und kooperativ“ kennengelernt hat. „Ich weiß aber, dass es auf dem Riedberg einen Personalmangel gibt. Viele wollen gar nicht hier hochfahren“, sagt sie und gibt sich diplomatisch: „In Bezug auf die Kinder schaukelt sich vieles hoch.“

Der Träger der Einrichtung räumt begangene Fehler ein: „Ich kann den Einwand der Eltern verstehen. Die Zerwürfnisse waren heftig“, sagt der Leiter des Arbeitsbereichs Kindertagesstätten des Diakonischen Werks Frankfurt, Kurt-Helmuth Eimuth. Er gibt zu: „Es sind Dinge passiert, die nicht hätten passieren dürfen. Das tut uns leid, wir haben uns dafür entschuldigt.“

Hoher Krankenstand

Die Diakonie hat inzwischen reagiert und einen stellvertretenden Kitaleiter eingestellt: „Es war eine angespannte Situation“, sagt Markus Aporta, seit Anfang des Monats im Amt. „Das ist unentschuldbar, aber nicht der Regelfall. Es ist nicht so, dass Kinder hier nicht gewickelt werden.“

Ein Grund für die missliche Lage sei die dünne Personaldecke. Zwölf Erzieher arbeiten derzeit in der Einrichtung. „Wir bräuchten eigentlich mehr“, sagt Eimuth. „Wir haben neue Stellen ausgeschrieben. Das Problem ist, diese zu besetzen. Der Markt ist leer.“ Der Fachkräftemangel werde in Frankfurt die nächsten zehn Jahre anhalten. Auch der hohe Krankenstand sei nicht unüblich in der Branche: „Man kann allgemein feststellen, dass junge Erzieher sehr häufig mit Infektionskrankheiten zu tun haben“ sagt Eimuth. Der Träger gelobt dennoch Besserung: „Wir arbeiten an einem Vertrauensverhältnis zu den Eltern und werden alles unternehmen, um uns auf dem Arbeitsmarkt gut aufzustellen.“

Die Kindertagesstätte „Martin Niemöller“ ist im Mai 2013 in Betrieb gegangen. Träger ist der Evangelische Regionalverband. Das zweigeschossige Gebäude verfügt über sechs Gruppenräume – je drei für Kindergarten- und Krabbelstubenkinder. Insgesamt 93 Kinder finden dort Platz.

FR 16.4.2014

Qualität in Kitas

Von Sabine Kalinock – 17. Februar 2014

Vier weitere evangelische Einrichtungen zertifiziert

Vier weitere evangelische Kindertagesstätten sind im Januar für ihr Qualitätsmanagement nach ISO-Norm zertifiziert worden. Damit sind nun insgesamt 28 Einrichtungen zertifiziert und damit ein Viertel der Frankfurter Kitas in evangelischer Trägerschaft. Langfristiges Ziel sei es, dass sich alle Einrichtungen zertifizieren lassen, sagte Pfarrer Michael Frase, der Leiter der Diakonie Frankfurt, bei der Überreichung der Zertifikate in der Kreuzgemeinde in Preungesheim.

Die Arbeit in Kindertagesstätten sei heute sehr anspruchsvoll und eine wichtige kirchliche und gesellschaftliche Aufgabe, sagte Pfarrerin Esther Gebhardt, Vorstandsvorsitzende des Evangelischen Regionalverbands, die den Teams gratulierte. Auf die veränderten Berufsbilder einer Erzieherin und einer Kitaleiterin verwies Pfarrer Wilfried Steller von der Gemeinde Fechenheim, wo inzwischen alle drei Kitas zertifiziert sind. Die Ansprüche an die Fähigkeiten der pädagogischen Fachkräfte seien stark gestiegen, Bildung sei in den Mittelpunkt gerückt. Ansehen und Bezahlung allerdings hätten sich nicht adäquat verändert. Auch die Aus-, Weiter- und Fortbildung sei noch nicht auf einem entsprechenden Stand.

„Gerade in einer Phase des radikalen Ausbaus der Betreuungsplätze gilt es auf die Qualität zu achten“, betonte Kurt-Helmuth Eimuth, der Leiter des Arbeitsbereichs Kindertagesstätten im Diakonischen Werk.

Beitrag von Sabine Kalinock, veröffentlicht am 17. Februar 2014 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe 2014/1 – Februar.

Männer: Bejubelt und verdächtig

Frankfurt: Männer in Kitas

von Anne Lemhöfer

Seit es die Betreuungsplatzgarantie gibt, arbeiten mehr Männer denn je in Krabbelstuben, Kindergärten und Horten. Frankfurt ist bundesweit Spitzenreiter, elf Prozent des Kita-Personals sind männlich. Was viele Eltern gut finden, stößt trotzdem nicht selten auf Argwohn.

Er hat Dekorationen und Kostüme entworfen, stand zwar nicht selbst im Rampenlicht, aber letztlich galt der Applaus nach einer Theateraufführung auch ihm, er war Teil eines Ensembles aus Künstlerinnen und Künstlern, hat mit anspruchsvollen Regisseuren und besonderen Materialien gearbeitet.

In seinem ersten Leben war Lars Betko, 51 Jahre alt, Bühnenbildner. Jetzt hockt er auf einem kleinen Stühlchen und hält eine leere Klorolle in der Hand. Und könnte nicht besser gelaunt sein. „Franka, pass auf, hier festhalten. Sehr gut!“ Lars Betkos neuer Arbeitsplatz ist keine Theaterbühne, sondern ein Gruppenraum in der Kindertagesstätte „Gipfelflitzer“ am Frankfurter Riedberg. Dabei ist es nicht so, dass Franka, Annika, Clara und Kian kein anspruchsvolles Publikum wären, im Gegenteil. Die Vier- und Fünfjährigen, die in einer Traube um den schlanken Mann mit der Brille herumstehen, möchten schon, dass die Dinge, mit denen sie sich beschäftigen, etwas hermachen.

„Die Arbeit mit Kindern gibt mir sehr viel“

Und das tut die Kugelbahn, die gerade aus Klorollen, Kleber und viel, viel Farbe entsteht. Ein Kunstwerk aus komplizierten Rohren, dem man ansieht, dass sein Erfinder etwas vom Basteln und Bauen, von Statik und raffinierten Effekten versteht. Wer es noch nicht weiß, wundert sich kein bisschen, wenn er erfährt, dass Betko einen Beruf erlernt hat, der an der Schnittstelle von Handwerk und Kunst angesiedelt ist. Und wer ihm zuschaut, wie er geduldig erklärt und die Jungen und Mädchen ermuntert, es doch selbst mal mit dem Kleben zu versuchen, wie er ihre Aufmerksamkeit zu fesseln weiß und echte Begeisterung weckt, wundert sich nicht, dass er in diesem Moment an genau diesem Ort sitzt. Der glaubt sofort, wenn Betko sagt: „Die Arbeit mit Kindern gibt mir sehr viel.“

In seinem alten Job dagegen war er am Ende nicht mehr glücklich. „Nach einer längeren Anstellung als Ausstattungsleiter am Theater Heilbronn hing ich in der Luft und geriet ins Grübeln. Dieses Warten auf Angebote, das Tingeln von Stadt zu Stadt, wollte ich das wirklich bis zum Ende meines Berufslebens machen?“ Seine Antwort: nein. „Meine Eltern waren Lehrer, ich habe viele Freunde, die im Pädagogikberuf arbeiten. In meiner Schulzeit hatte ich kurz überlegt, diese Richtung einzuschlagen, aber dann doch zunächst ein Handwerk erlernt.“

Wie kam er nach mehr als 20 Jahren noch darauf, ausgerechnet Erzieher zu werden? „Im letzten Jahr war auf einmal halb Frankfurt mit Plakaten tapeziert, die für den Erzieherberuf warben. Ich wusste plötzlich: Das ist es. Ich kann viel aus meinem ersten Berufsleben einbringen. Mit den Kindern habe ich in einem meiner ersten Projekte in der Kita Roboter aus Recyclingmüll gebaut. Als ich ihren Müttern und Vätern beim Elternabend davon erzählte, klatschten die sogar Beifall.“ Lars Betko kennt das Klischee von den Männern, die mit den Kindern so schön toben, Dinge aus Holz und Nägeln bauen oder Fußball spielen. „Das ist mir aber zu wenig. Ich möchte hier keine Geschlechter-Stereotype vorleben und auch mit meinen Gruppenkindern weben oder malen, wenn es gerade passt.“

Lars Betko gehört zu einer Minderheit, um die derzeit stark geworben wird: Männer, die man für den Erzieherberuf begeistern kann. Kinder, das glauben alle, können nur profitieren, wenn sie mit männlichen und weiblichen Bezugspersonen gleichermaßen aufwachsen. Soweit die Theorie. Doch nach wie vor sind Männer wie Betko eine wirklich rare Spezies, was nicht nur mit dem niedrigen Gehalt, sondern auch mit traditionellen Rollenvorstellungen zu tun hat, wie Kurt-Helmuth Eimuth glaubt, Leiter des Arbeitsbereichs Kindertagesstätten beim Diakonischen Werk Frankfurt, das rund 110 evangelische Einrichtungen unter seinem Dach vereint: „Ein Busfahrer verdient noch weniger als ein Erzieher, aber stellen Sie sich zwei Männer an der Theke vor. Der eine sagt: Ich fahr‘ einen großen Bus. Der andere: Ich betreue kleine Kinder. Wer von beiden bekommt mehr Anerkennung?“ Bundesweit sind nicht einmal vier Prozent des Personals in Kindertagesstätten männlich, in Ballungsräumen dafür meist mehr als doppelt so viel.

Frankfurt unangefochtener Spitzenreiter

Laut der in Berlin ansässigen Koordinierungsstelle Männer in Kitas ist Frankfurt unangefochtener Spitzenreiter – mit 11,3 Prozent. Tendenz steigend. „Wir führen diese erstmals sehr deutliche Steigerung des Männeranteils gerade im letzten Jahr darauf zurück, dass der Ruf nach Männern in Kitas lauter geworden ist. Betreiber von Kitas, Erzieherinnen und Erzieher selbst, Eltern und Politiker fordern immer deutlicher mehr männliche Fachkräfte. Männer in Kitas sind von öffentlichem Interesse“, sagt Jens Krabel, Sprecher der Koordinierungsstelle. Positiv auf die Steigerung des Anteils wirke sich auch aus, dass seit 2011 bundesweit 16 Modellprojekte mehr als 13 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds und vom Bundesfamilienministerium erhielten. Das habe die öffentliche Diskussion in den Städten und Landkreisen zusätzlich befördert.

Ein weiterer Grund: die von der Bundesregierung beschlossene Betreuungsplatzgarantie für Kinder ab einem Jahr, für die 2013 auf einen Schlag viel mehr Personal notwendig wurde, als da war. Das hat eine riesige Umschulungswelle in Gang gebracht. Die Neuen, Männer wie Frauen, waren zuvor Bühnenbildner oder Redakteure, Schreiner oder Gärtner, und jetzt kümmern sie sich um das Großwerden von Kindern.

Viele im Rhein-Main-Gebiet, auch Lars Betko, wurden an der Berta-Jourdan-Schule ausgebildet, einer der Hauptausbildungsstätten für Erzieherinnen und Erzieher in Frankfurt. Manche berufsbegleitend, fast alle in einem verkürzten Ausbildungsgang. Schulleiter Michael Baumeister sagt, dass er derzeit jedes Jahr 50 bis 60 Umschülerinnen und Umschüler fit für ein zweites Berufsleben als Pädagoginnen und Pädagogen mache, Männer hat er in fast jeder Klasse sitzen. Es braucht ein ganzes Dorf, ein Kind großzuziehen, heißt ein bekanntes ghanaisches Sprichwort.

Andere Kinder, unterschiedliche Erwachsene, Handwerker und Kopfmenschen, Männer und Frauen – je größer die Bandbreite der Erfahrungen, die an die Jüngsten weitergegeben werden können, desto besser, so ist das Sprichwort wohl gemeint. So gesehen ergibt es Sinn, dass die Gruppe der Menschen, die sich beruflich um Kinder kümmern, heterogener wird, dass Biografien neue Wendungen nehmen.

Doch nicht alle sind uneingeschränkt glücklich über die neuen Männer im traditionellen Frauenberuf. Da ist das böse Wort vom „Generalverdacht“, das unter Fachleuten immer fällt, wenn das Thema besprochen wird, und mit dem sich Berufsanfänger auseinandersetzen müssen. Darf der Erzieher die Kinder wickeln? Die kleinen Mädchen auf den Schoß nehmen? Hat er womöglich Hintergedanken? Nicht regelmäßig, aber doch immer wieder würden solche Sorgen an ihn herangetragen, berichtet auch Kurt-Helmuth Eimuth. Wie geht man in Kitas mit solchen unkonkreten und pauschalen Mutmaßungen um? „Ganz klar: Es gibt in einem gemischten Team keine unterschiedlichen Zuständigkeiten“, sagt Eimuth. Jens Krabel von der Berliner Koordinierungsstelle kennt das Problem ebenfalls. Er und seine Kollegen haben im Rahmen einer Studie auf Basis einer repräsentativen Befragung ermittelt, dass 40 Prozent der Eltern, 34 Prozent der Kita-Leitungen und 48 Prozent der Trägerverantwortlichen zumindest schon einmal an die Gefahr eines Missbrauchs durch Erzieher gedacht haben.

Lars Betko weiß, dass er gegen Vorurteile kämpft, auch gegen unausgesprochene. Die Freude am Beruf verdorben hat ihm das nicht. „Männer wollen erziehen“, glaubt er. Und er glaubt auch, dass ihr Anblick in den Räumen mit den kleinen Stühlchen und den Kunstwerken aus Pappe immer normaler werden wird. Und sich viele Sorgen dann ganz von selbst erübrigen.

18.11.2013 FR

Neue Krabbelstube im Mertonviertel

8. Oktober 2013

Mit der Krabbelstube „Martha“ hat das Diakonische Werk Frankfurt im Mertonviertel 66 Betreuungsplätze für Kinder im Alter von drei Monaten bis drei Jahre geschaffen. Es ist bereits die 17. Einrichtung dieser Art in Frankfurt.

Arbeitsbereichsleiter Kurt-Helmuth Eimuth, Einrichtungsleiterin Isabel Beckmann und der Leiter der Diakonie Frankfurt, Michael Frase (v.l.n.r.) bei der Eröffnung der Krabbelstube Martha im Mertonviertel. Foto: Rolf Oeser

Bereits 66 Kinder im Alter von 0 bis 3 Jahren haben die 800 Quadratmeter der neuen Krabbelstube „Martha“ des Diakonischen Werks für Frankfurt in Beschlag genommen. Insgesamt hält die Diakonie Frankfurt in ihren Krabbelstuben 816 Plätze bereit. Wie Michael Frase, Leiter der Diakonie Frankfurt, bei der offiziellen Vorstellung erläuterte, war es ein langer Weg. Bereits 2009 verhandelte das Diakonische Werk mit dem Eigentümer der Liegenschaft, in der vor allem Büros untergebracht sind. Doch erst im letzten Jahr konnte mit dem Umbau begonnen werden, und seit März tummeln sich nun hier die Kleinen. Auch ausreichend Erzieherinnen und ein Erzieher konnten gefunden werden, die sich in kurzer Zeit in die Pädagogik Emmi Piklers eingearbeitet haben, so die Leiterin der Einrichtung Isabel Beckmann.

Das pädagogische Konzept orientiert sich an den Ansätzen der ungarischen Ärztin Emmi Pikler und den Vorgaben des Hessischen Bildungsplans. Die Kinder werden in allem, was sie tun, achtsam begleitet. Grundlage ist ein Bild vom Kind, das von Geburt an kompetent ist. Um jedem Kind die Möglichkeit zu bieten, seine Bedürfnisse jederzeit wahrzunehmen, arbeiten die Einrichtungen mit der sogenannten „vorbereiteten Umgebung“. Sie stellt den Kindern Spielmaterialien zur Verfügung, die der Phantasie und dem natürlichen Bewegungsdrang Raum lassen. Die Krabbelstuben bieten ein Umfeld frei von Druck und Konkurrenz. Zum Konzept gehören zudem eine behutsame Eingewöhnung sowie eine enge Kooperation mit den Eltern, zu denen die Fachkräfte eine stabile Erziehungspartnerschaft aufbauen.

Beitrag von Redaktion, veröffentlicht am 8. Oktober 2013 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe Web.

Einblicke in jüdisches Leben OF 1.8.2013

 

 

Offenbach Post 1.8.2013

„Lieber fünfmal googeln, als sich einmal was merken“

Das Institut für Demoskopie Allensbach erstellte eine Studie zur Akzeptanz von „Evangelisches Frankfurt“: Demnach ist die Zeitung bekannter geworden, wird von vielen aber nur durchgeblättert. Auch die kirchliche Presse muss sich mit der Krise des Print-Journalismus auseinandersetzen.

Hält die Ergebnisse der Leserbefragung für einen "großen relativen Erfolg" für Evangelisches Frankfurt: Rüdiger Schulz vom Institut für Demoskopie Allensbach bei seinem Vortrag in Frankfurt. Foto: Ilona Surrey 

Hält die Ergebnisse der Leserbefragung für einen “großen relativen Erfolg” für Evangelisches Frankfurt: Rüdiger Schulz vom Institut für Demoskopie Allensbach bei seinem Vortrag in Frankfurt. Foto: Ilona Surrey

Bekanntheitsgrad stieg von 49 auf 67 Prozent

„Evangelisches Frankfurt“ ist bekannter geworden: Das ist das Hauptergebnis einer Studie des Allensbach-Instituts, die der Evangelische Regionalverband Frankfurt in Auftrag gegeben hatte. Redakteurin Antje Schrupp freut sich über die Zustimmung. „Eine Zeitung darf sich allerdings nicht zurücklehnen, sie muss über den Tellerrand schauen“, sagte sie vergangene Woche im Frankfurter Spener-Haus, wo Rüdiger Schulz, der die Studie bei Allensbach geleitet hatte, die Ergebnisse vorstellte.

Grundlage der Studie sind Telefon-Interviews, die das Allensbach-Institut im Dezember 2012 durchgeführt hat. Befragt wurde jeweils eine Person über 16 Jahre in 607 Frankfurter Haushalten, in denen mindestens ein Mitglied der evangelischen Kirche wohnt. Es ist bereits die dritte Studie, die sich mit dem Wirkungskreis von „Evangelisches Frankfurt“ beschäftigt.

Gut 120.000 Menschen kennen „Evangelisches Frankfurt“

War im Jahr 2001 die Zeitung in den Haushalten, die sie automatisch und kostenfrei beziehen, nur 49 Prozent der Menschen bekannt, ist diese Zahl in elf Jahren auf 67 Prozent gestiegen. Wenn man von 106.000 Zielhaushalten ausgeht, in denen rund 148.000 Evangelische und rund 20.000 Nicht-Evangelische leben (ihr Anteil unter den Befragten lag bei 13 Prozent), bedeutet das in absoluten Zahlen, dass schätzungsweise gut 120.000 Menschen in Frankfurt die Zeitung kennen.

Rüdiger Schulz erklärte in seinem Vortrag aber auch, dass „Evangelisches Frankfurt“ von der Krise des Print-Journalismus nicht verschon bleibe. „Die Ergebnisse darf man nicht losgelöst vom gesellschaftlichen Paradigmenwechsel in der Informations- und Kommunikationskultur sehen.“ Immer weniger Menschen würden Zeitungen lesen, um sich zum Nachdenken anregen zu lassen, sondern sie würden sich Informationen je nach Bedarf besorgen: „Die Menschen googeln lieber fünf Mal, als dass sie sich einmal etwas merken.“

Viele Menschen glauben nicht, dass ihnen ohne Religion etwas fehlt

Für kirchliche Publikationen komme noch erschwerend hinzu, dass Religiosität heute nicht mehr selbstverständlich in den Lebensalltag integriert sei. „Viele Menschen glauben nicht, dass ihnen ohne Religion etwas fehlt“, sagte Schulz. Bei der Befragung zu Evangelisches Frankfurt hätten 90 Prozent angegeben, dass sie keinen weiteren Bedarf an Informationen aus dem kirchlichen Leben oder zu Sinn- und Glaubensfragen hätten.

Entsprechend blättern die meisten Menschen „Evangelisches Frankfurt“ nur durch oder überfliegen die Artikel rasch. Von den 41 Prozent, die die Zeitung regelmäßig lesen, sind zwei Drittel 60 Jahre und älter. Und die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand auch tatsächlich in die Lektüre vertieft, ist umso höher, je enger der Kontakt zur Kirche ist.

Die Vorstellung der Studienergebnisse des Allensbach-Instituts zur Zukunft kirchlicher Medienkommunikation führten zu regen Diskussionen auch im Publikum. Foto: Ilona Surrey 

Die Vorstellung der Studienergebnisse des Allensbach-Instituts zur Zukunft kirchlicher Medienkommunikation führten zu regen Diskussionen auch im Publikum. Foto: Ilona Surrey

Ausbaufähig sei der Bereich Internet, sagte Schulz: 49 Prozent der Befragten gaben an, aus der Zeitung „interessante Denkanstöße“ zu erhalten, doch nur 29 Prozent wissen, dass „Evangelisches Frankfurt“ auch digital existiert, nämlich als Internetseite, bei Facebook oder auf Twitter.

Interesse auch ein einer ökumenischen Zeitung

„Evangelisches Frankfurt ist in den 37 Jahren seines Bestehens eine sehr lebendige Zeitung geblieben“, sagte Esther Gebhardt, Vorsitzende des Regionalverbands. Mit einer ganz persönlichen Anekdote unterstrich Redaktionsmitglied Kurt-Helmuth Eimuth die Bedeutung der Zeitung auch für die Ökumene am Main: „Ich saß am Liebfrauenberg, und da sah ich einen Bruder des Kapuzinerordens – in die Lektüre des Evangelischen Frankfurt vertieft.“ In der Tat können sich laut Allensbach-Studie 54 Prozent vorstellen, eine lokale ökumenische Zeitung zu lesen.

„Alles in allem sind die Zahlen ein großer relativer Erfolg für Evangelisches Frankfurt“, fasste Rüdiger Schulz zusammen. Während viele andere Printzeitungen mit Einbrüchen zu kämpfen hätten, seien hier die Nutzungszahlen stabil. „Die offene, zeitgemäße Präsentation der Themen kommt an.“ So stimmen auch 70 Prozent der Leserinnen und Leser der Aussage zu: „Es ist gut, dass es das Angebot gibt.“

Die Mitgliederzeitung Evangelisches Frankfurt wird automatisch an alle Evangelischen mit Wohnsitz in Frankfurt am Main (außer Bergen-Enkheim, das zur kurhessischen Landeskirche gehört) verschickt. Alle anderen können die Zeitung, die sieben Mal im Jahr erscheint, aber ebenfalls kostenlos abonnieren. Dazu einfach eine Mail an info@evangelischesfrankfurt.de schicken.

Beitrag von , veröffentlicht am 6. Juli 2013 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

„Lieber fünfmal googeln, als sich einmal was merken“

Das Institut für Demoskopie Allensbach erstellte eine Studie zur Akzeptanz von „Evangelisches Frankfurt“: Demnach ist die Zeitung bekannter geworden, wird von vielen aber nur durchgeblättert. Auch die kirchliche Presse muss sich mit der Krise des Print-Journalismus auseinandersetzen.

Hält die Ergebnisse der Leserbefragung für einen „großen relativen Erfolg“ für Evangelisches Frankfurt: Rüdiger Schulz vom Institut für Demoskopie Allensbach bei seinem Vortrag in Frankfurt. Foto: Ilona Surrey

Bekanntheitsgrad stieg von 49 auf 67 Prozent

„Evangelisches Frankfurt“ ist bekannter geworden: Das ist das Hauptergebnis einer Studie des Allensbach-Instituts, die der Evangelische Regionalverband Frankfurt in Auftrag gegeben hatte. Redakteurin Antje Schrupp freut sich über die Zustimmung. „Eine Zeitung darf sich allerdings nicht zurücklehnen, sie muss über den Tellerrand schauen“, sagte sie vergangene Woche im Frankfurter Spener-Haus, wo Rüdiger Schulz, der die Studie bei Allensbach geleitet hatte, die Ergebnisse vorstellte.

Grundlage der Studie sind Telefon-Interviews, die das Allensbach-Institut im Dezember 2012 durchgeführt hat. Befragt wurde jeweils eine Person über 16 Jahre in 607 Frankfurter Haushalten, in denen mindestens ein Mitglied der evangelischen Kirche wohnt. Es ist bereits die dritte Studie, die sich mit dem Wirkungskreis von „Evangelisches Frankfurt“ beschäftigt.

Gut 120.000 Menschen kennen „Evangelisches Frankfurt“

War im Jahr 2001 die Zeitung in den Haushalten, die sie automatisch und kostenfrei beziehen, nur 49 Prozent der Menschen bekannt, ist diese Zahl in elf Jahren auf 67 Prozent gestiegen. Wenn man von 106.000 Zielhaushalten ausgeht, in denen rund 148.000 Evangelische und rund 20.000 Nicht-Evangelische leben (ihr Anteil unter den Befragten lag bei 13 Prozent), bedeutet das in absoluten Zahlen, dass schätzungsweise gut 120.000 Menschen in Frankfurt die Zeitung kennen.

Rüdiger Schulz erklärte in seinem Vortrag aber auch, dass „Evangelisches Frankfurt“ von der Krise des Print-Journalismus nicht verschon bleibe. „Die Ergebnisse darf man nicht losgelöst vom gesellschaftlichen Paradigmenwechsel in der Informations- und Kommunikationskultur sehen.“ Immer weniger Menschen würden Zeitungen lesen, um sich zum Nachdenken anregen zu lassen, sondern sie würden sich Informationen je nach Bedarf besorgen: „Die Menschen googeln lieber fünf Mal, als dass sie sich einmal etwas merken.“

Viele Menschen glauben nicht, dass ihnen ohne Religion etwas fehlt

Für kirchliche Publikationen komme noch erschwerend hinzu, dass Religiosität heute nicht mehr selbstverständlich in den Lebensalltag integriert sei. „Viele Menschen glauben nicht, dass ihnen ohne Religion etwas fehlt“, sagte Schulz. Bei der Befragung zu Evangelisches Frankfurt hätten 90 Prozent angegeben, dass sie keinen weiteren Bedarf an Informationen aus dem kirchlichen Leben oder zu Sinn- und Glaubensfragen hätten.

Entsprechend blättern die meisten Menschen „Evangelisches Frankfurt“ nur durch oder überfliegen die Artikel rasch. Von den 41 Prozent, die die Zeitung regelmäßig lesen, sind zwei Drittel 60 Jahre und älter. Und die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand auch tatsächlich in die Lektüre vertieft, ist umso höher, je enger der Kontakt zur Kirche ist.

Die Vorstellung der Studienergebnisse des Allensbach-Instituts zur Zukunft kirchlicher Medienkommunikation führten zu regen Diskussionen auch im Publikum. Foto: Ilona Surrey

Ausbaufähig sei der Bereich Internet, sagte Schulz: 49 Prozent der Befragten gaben an, aus der Zeitung „interessante Denkanstöße“ zu erhalten, doch nur 29 Prozent wissen, dass „Evangelisches Frankfurt“ auch digital existiert, nämlich als Internetseite, bei Facebook oder auf Twitter.

Interesse auch ein einer ökumenischen Zeitung

„Evangelisches Frankfurt ist in den 37 Jahren seines Bestehens eine sehr lebendige Zeitung geblieben“, sagte Esther Gebhardt, Vorsitzende des Regionalverbands. Mit einer ganz persönlichen Anekdote unterstrich Redaktionsmitglied Kurt-Helmuth Eimuth die Bedeutung der Zeitung auch für die Ökumene am Main: „Ich saß am Liebfrauenberg, und da sah ich einen Bruder des Kapuzinerordens – in die Lektüre des Evangelischen Frankfurt vertieft.“ In der Tat können sich laut Allensbach-Studie 54 Prozent vorstellen, eine lokale ökumenische Zeitung zu lesen.

„Alles in allem sind die Zahlen ein großer relativer Erfolg für Evangelisches Frankfurt“, fasste Rüdiger Schulz zusammen. Während viele andere Printzeitungen mit Einbrüchen zu kämpfen hätten, seien hier die Nutzungszahlen stabil. „Die offene, zeitgemäße Präsentation der Themen kommt an.“ So stimmen auch 70 Prozent der Leserinnen und Leser der Aussage zu: „Es ist gut, dass es das Angebot gibt.“

Die Mitgliederzeitung Evangelisches Frankfurt wird automatisch an alle Evangelischen mit Wohnsitz in Frankfurt am Main (außer Bergen-Enkheim, das zur kurhessischen Landeskirche gehört) verschickt. Alle anderen können die Zeitung, die sieben Mal im Jahr erscheint, aber ebenfalls kostenlos abonnieren. Dazu einfach eine Mail an info@evangelischesfrankfurtarchiv.de schicken.

Beitrag von Anne Lemhöfer, veröffentlicht am 6. Juli 2013 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe 2013/5 – September, Web.

Tragödie statt Familienausflug

Hinterländer Anzeiger 25.5.2013

Als der Tod vom Himmel fiel, FNP 2013

Als der Tod, FNP 22.5.2013