„Die Pflege eignet sich nicht zum Sparen“. Mit diesem Appell von Kurt-Helmuth Eimuth vom Vorstand des Selbsthilfeverein wir pflegen SH e.V. macht er auf den bundesweiten Tag für pflegende Angehörige am Dienstag, dem 8. September 2026 aufmerksam. Mit Blick auf das geplante Pflegeneuordnungsgesetz erneuert der Selbsthilfeverein seine zentralen Forderungen nach einer stärkeren finanziellen und sozialen Absicherung der häuslichen Pflege. Immerhin arbeiten alleine in Schleswig-Holstein rund 200.000 Menschen unentgeltlich in der Pflege. Als pflegende An- und Zugehörige stehen sie in der Regel täglich 24 Stunden an sieben Tagen pro Woche zur Verfügung. Die geplante Pflegereform dürfe nicht zu Lasten der Familien gehen, sondern müsse die häusliche Pflege finanziell aufwerten, absichern und entlasten, so Eimuth weiter. Da die Pflegeversicherung erhebliche Defizite aufweist, wirft der Verein der Politik vor, die finanzielle Sanierung des Systems einseitig auf Kosten der ohnehin stark belasteten häuslichen Pflege auszutragen, die eigentlich das Fundament des deutschen Pflegesystems bildet.
Die zentralen Forderungen sind:
Keine Verschärfung bei den Pflegegraden: Die geplanten Pläne sehen vor, die Punktwerte bei der Begutachtung für die Pflegegrade 1 bis 3 anzuheben. Es wird also schwieriger, überhaupt Unterstützung zu erhalten oder in einen höheren Pflegegrad eingestuft zu werden. Der Verein kritisiert dies als rein finanzgetriebene Hürde, die insbesondere Menschen mit hohem Grundpflegebedarf schlechter stellt.
Einschränkung von Flexibilität: Der Wegfall bestehender Umwandlungsmöglichkeiten (wie der unbürokratische Tausch von Sachleistungen in Entlastungsangebote) wird bemängelt, da er die Selbstbestimmung der Familien im Pflegealltag beschneidet.
Keine Lohnersatzleistung: Seit Jahren fordert „wir pflegen SH e.V.“ eine verlässliche finanzielle Absicherung analog zum Elterngeld (eine 36-monatige Lohnersatzleistung für Pflegende), um Pflege und Beruf vereinbaren zu können. Solche strukturellen Hilfen fehlen in den Entwürfen weiterhin weitgehend.
Komplexe Budgetierung: Die Aufteilung in starre Teilbudgets (wie das Entlastungs-, Sachleistungs- und Sozialraumbudget) führt aus Sicht des Verbandes eher zu mehr Bürokratie und Intransparenz statt zu der dringend benötigten einfachen, flexiblen Handhabung.
Vernachlässigung besonderer Gruppen: Der Verband kritisiert in gemeinsamen Stellungnahmen, dass die spezifischen Bedarfe von pflegenden Eltern sowie pflegenden Kindern und Jugendlichen (Young Carers) im Gesetzgebungsprozess fast vollständig ignoriert werden.
Obwohl der designierte Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann bereits ankündigte, die geplanten Kürzungen der Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige zurücknehmen zu wollen, bleibt Eimuth skeptisch und meint „Was wir brauchen ist eine Pflegereform, die die Bedarfe der pflegenden Angehörigen in den Mittelpunkt stellt. Für mehr Wertschätzung dieser systemrelevanten Arbeit soll auch der bundesweite Tag der pflegenden Angehörigen dienen“.
