Über uns

„Evangelisches Frankfurt wird nicht einseitig sein und sich nicht allein um den kirchlichen Nabel drehen“ – das versprach die Redaktion, als Ende 1976 die erste Ausgabe der neuen Mitgliederzeitung der Frankfurter Kirche erschien.

Antje Schrupp, Ralf Bräuer, Stephanie von Selchow, Kurt-Helmuth Eimuth, Gunda Höppner, Wilfried Steller - v.l.n.r. | Foto: Oeser

Antje Schrupp, Ralf Bräuer, Stephanie von Selchow, Kurt-Helmuth Eimuth, Gunda Höppner, Wilfried Steller – v.l.n.r.
Foto: Oeser

Und so war es dann auch: Sachkenntnis, Meinungsvielfalt, der Kontakt zur Stadt und ein Gespür für aktuelle religiöse Themen kennzeichnen „Evangelisches Frankfurt“ bis heute. Die Redaktion nimmt sich bei ihren wöchentlichen Treffen viel Zeit für engagierte Diskussionen. Im Mittelpunkt steht dabei immer die Frage: Was interessiert unsere Leserinnen und Leser?

  • Information: Wer Kirchensteuern bezahlt, hat ein Recht darauf, zu erfahren, was mit diesem Geld geschieht. Daher gibt es immer wieder Berichte über neue Einrichtungen, Projekte und Initiativen der Frankfurter Kirche.
  • Sachkenntnis: Journalistinnen, Pfarrer und kirchliche Medienexperten arbeiten in der Redaktion zusammen. Professionalität beim Zeitungsmachen ist daher genauso garantiert wie eine genaue Kenntnis kirchlicher Strukturen und theologischer Hintergründe.
  • Meinungsvielfalt: Heiße Eisen sind kein Tabu. „Evangelisches Frankfurt“ diskutiert aktuelle Themen kontrovers – hier kommen die verschiedenen Argumente zu ihrem Recht. Zum Beispiel auf der regelmäßigen Seite „Pro und Contra“.
  • Regionalbezug: Kirchliches Leben wird dort konkret, wo die Menschen leben, in der Stadt, in der Nachbarschaft, in der Gemeinde. Kommunalpolitik, Stadtteilinitiativen und aktuelle Frankfurter Ereignisse sind daher wichtige Bezugspunkte für „Evangelisches Frankfurt“.

    Zahlen und Fakten

  • „Evangelisches Frankfurt“ erscheint sieben Mal im Jahr in einer Auflage von 120.000 Exemplaren.
  • „Evangelisches Frankfurt“ wird per Post an alle Haushalte verschickt, in denen mindestens ein Mitglied evangelisch ist, sowie an alle anderen Interessierten, die die Zeitung beziehen möchten. Außerdem liegt es an verschiedenen Stellen aus, zum Beispiel im Foyer des Dominikanerklosters oder in der Katharinenkirche.
  • „Evangelisches Frankfurt“ kostet, inklusive Druck, Porto und Redaktionskosten, nur rund 1,60 Euro pro Jahr und Kirchenmitglied – eine Investition, die sich lohnt.

vangelisches Frankfurt Okt 2006

Albert Schweitzer

Andacht,

4.9.2006

Lied EG: 452, 1-3

Votum:

Guten Morgen

Wir sind hier in der Heiliggeistkirche

In deinem Namen

Gott, du Schutz allen Lebens,

Jesus, du Hoffnung aller Geopferten,

Heiliger Geist, du Überwindung des Todes.

Psalm: 146 Nr. 757

Lied: EG 295, 1-4

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Frankfurt ist auch die Stadt Albert Schweitzers

Er ist schon etwas in Vergessenheit geraten, dabei ist er einer der heute so wenigen Universalgelehrten gewesen: der Theologe, Mediziner, Künstler und Musikwissenschaftler Albert Schweitzer. Heute vor 41 Jahren verstarb er.

Albert Schweitzers Beziehungen zu Frankfurt waren intensiv und vielfältig. „Die erste Bekanntschaft mit Frankfurt machte ich, als liebe Freunde von mir nach dem ersten Kriege Straßburg verließen und sich hier niederließen“, berichtet Schweitzer 1959 anläßlich der Verleihung der Ehrenbürgerrechte. Dadurch sei er regelmäßig nach Frankfurt gekommen und diese Stadt habe auf ihn „gleich einen besonderen Zauber“ auf ihn ausgeübt.

Offenbar hat auch er diese Stadt verzaubert. So hat er 1955 unangemeldet „seine“ Schule, die Albert Schweitzer-Schule am Berkersheimer Weg besucht. Zwei Zeitungsberichten zufolge hat sich der hohe Gast nicht lange mit den Offiziellen aufgehalten, sondern sich sogleich den Schülerinnen und Schülern zugewandt. „Ich will nur die Schüler besuchen“, so wird er in der Zeitung zitiert und der Bericht fährt fort. „Die Herren und Damen des Lehrerkollegiums verstanden ihn wohl, sie kennen seine Abneigung gegen jedes Aufhebens, das mit seiner Person gemacht wird, gegen den Trubel offizieller Reden und Empfänge. Schweitzer habe von seiner Klinik erzählt. Als später der Schulleiter dem Gast die neu erbauten Räume und die nagelneuen Möbel zeigte, soll dieser einem Lehrer ins Ohr geflüstert haben: „Wo sollen aber die Buben denn da ihre Namen einritzen?“

Die Stadt hat den am 14. Januar 1875 in Kaysersberg (Oberelsaß) geborenen Schweitzer mehfach geehrt und als Festredner eingeladen. So erhielt er 1928 den Goethepreis der Stadt verliehen und sprach 1932 im Opernhaus anläßlich des 100. Todestages Goethes. Ebenso hielt er die Laudatio auf Thomas Mann am 28. August 1949 in der Paulskirche als dieser den Goethepreis in Empfang nehmen durfte. Zwei Jahre später war Albert Schweitzer nochmals der Geehrte. Er bekam am 16. September 1951 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen.

Bereits in jungen Jahren war der bekannte Bach-Interpret in Frankfurt zu hören. Er spielte die Orgeln der Matthäuskirche, der Lukaskirche und gab 1928 Konzerte im Funkhaus und in der Katharinenkirche. Mit Frankfurts Oberbürgermeistern korrespondierte Schweitzer häufig. Schweitzer fühlte sich in Frankfurt beheimatet.

Die Stadt hat mit dem Gothepreis für Schweitzer schon früh das umfangreiche Werk des Gelehrten gewürdigt. Mit diesem Preis würdige man, so die Urkunde, „den von allen Konfessionen gerühmten Theologen und Religionsforscher, dem durch seine Kunst als Orgelspieler und seine Verkündigung weit über das deutsche Sprachgebiet hinaus wirkenden Musiker und Schriftsteller, der mit dem Entschluß unmittelbaren Dienens die akademische Lehrtätigkeit verließ, um praktischer Arzt zu werden auf entlegenem Posten den Kampf gegen Aussatz und Schlafkrankheit unter den Bewohnern des innerafrikanischen Urwalds aufzunehmen, dem Menschenfreunde Schweitzer aus Straßburg…“ Schweitzer, aufgewachsen im Pfarrhaus in Günsbach studierte an den Universitäten Straßburg, Paris und Berlin Theologie, Philosophie und Musikwissenschaften. In allen Bereichen war der junge Vikar aus Straßburg, wo er habilitierte und Direktor des Studienstiftes zu St. Thomas wurde, ein gefragter Experte. Seine „Geschichte der Leben-Jesu-Forschung“ als auch seine „Geschichte der Paulinischen Forschung“ sowie weitere theologische Werke haben an Aktualität ebenso wenig verloren wie seine mehrbändigen kulturphilosophischen Werke. Als Musikwissenschaftler ist er vor allem durch sein großes Bachwerk bekannt geworden.

Schon in jungen Jahren nahm sich Schweitzer vor, den eingeschlagenen Weg nicht zu Ende zu gehen, sondern bald die Richtung zu ändern. Schweitzer selbst berichtet: „Eine Entscheidung fiel, als ich einundzwanzig Jahre alt war. Damals, als Student in den Pfingstferien, beschloß ich, bis zum dreißigsten Jahre dem Predigeramt, der Wissenschaft und der Musik zu leben. Dann, wenn ich in Wissenschaft und Kunst geleistet hätte, was ich darin vorhatte, wollte ich einen Weg des unmittelbaren Dienens als Mensch betreten. Welches dieser Weg sein sollte, gedachte ich in der Zwischenzeit aus Umständen zu erfahren.“

Die Entscheidung fiel annährend zehn Jahre später. „Eines Morgens“, so Schweitzer, „im Herbst 1904, fand ich auf meinem Schreibtisch …eines der grünen Hefte, in denen die Pariser Missionsgesellschaft allmonatlich über ihre Tätigkeit berichtete…Da fiel mein Blick auf einen Artikel mit der Überschrift ‘Was der Kongomission not tut’. Er… enthielt die Klage, daß es der Mission an Leuten fehle, um ihr Werk in Gabun, der nördlichen Provinz der Kongokolonie, zu betreiben…Als ich mit dem Lesen fertig war, nahm ich ruhig meine Arbeit vor. Das Suchen hatte ein Ende.“ Der junge, aufstrebende Gelehrte wollte die akademische Karriere beenden und in die Mission gehen. Doch er wollte nicht als Missionar nach Afrika kommen, sondern als Arzt. So wurde er 1905 nochmals Student. Fünf Jahre später machte er sein medizinisches Staatsexamen. Er bereitete sich durch die Beschäftigung mit der Tropenmedizin gründlich auf seinen Einsatz vor. Seine alte Straßburger Gemeinde, Freunde aber auch durch Konzertreisen sammelte er Geld für sein Vorhaben in Afrika.

Doch die weltpolitische Lage machte Schweitzer einen Strich durch die Rechnung. Nach erfolgreichem Wirken (1913 – 1917) wurden er und seine Frau nach Europa in ein Gefangenenlager gebracht. Erst langsam erholte er sich von den Strapazen der Haft. In Straßburg bekam er eine Anstellung als Assistent im Bürgerhospital und auch seine Kirchengemeinde war froh wieder ihren Vikar zu haben.

Doch Schweitzer wollte sein Werk in Afrika fortsetzen. Schon bald kündigte er seine Anstellungen. „Im April 1921 gab ich meine beiden Stellungen in Straßburg auf, für den Unterhalt meines Lebens hinfort auf die Feder und die Orgel zählend.“ Schweitzer bereitete eine weitere Reise nach Lambarene vor, wo er am Ostersamstag 1927 eintraf. Insgesamt wirkte Schweitzer vierzehn mal in Lambarene. Er hat dort eine Klinik aufgebaut, die sich nicht nur durch ihren medizinischen Standard, sondern auch durch die Art des Zusammenlebens der Mitarbeiterschaft auszeichnetet. Schweitzer starb dort am 4. September 1965.

Heute hat die Klinik in Lambarene zahlreiche Abteilungen, von der Chirurgie bis zu Poli- und Kinderklinik. Sie kann 350 Patientinnen und Patienten aufnehmen. Neben 120 einheimischen Angestellten arbeiten dort 134 medizinische Kräfte aus neun Nationen. Großes Gewicht wird auf die Ausbildung einheimischer Pflegekräfte gelegt. Auch heute ist die Klinik – trotz staatlicher Förderung – auf Spenden aus Europa angewiesen.

Schweitzer entwickelte dort seine Ethik, die unter dem Begriff „Ehrfurcht vor dem Leben“ bekannt wurde. Wohl aus dieser Grundüberzeugung heraus kämpfte er, der 1952 den Friedensnobelpreis zuerkannt bekam, gegen die atomare Bewaffnung. Im Jahre 1958 schreibt er: „Nun gilt es, den Kampf für die Abschaffung der Atom- und Kernwaffen aufzunehmen. Um dieses zu erreichen, muß man in der ganzen Welt eine dahingehende Meinung schaffen….Keine Regierung kann leugnen, daß diese Waffen gegen das Völkerrecht verstoßen..“

Leider hat er Recht behalten. Wir sehen heute die Bedrohung im Iran, aber auch in Korea. Deshalb braucht diese Welt weiter Menschen wie Albert Schweitzer.

Lied: EG 265, 1-3

Mitteilungen

Gebet

Gott,

Du bist bei uns zu allen Zeiten unseres Lebens

Auch wenn wir das manchmal nicht spüren.

Du genießt mit uns Tage, prall und lebenssatt

wie der Sommer

Und du trägst mit uns Tage, karg und kalt

wie der Winter.

Deshalb bitten wir Dich für alle, die von sich selbst

Und ihren Gefühlen abgeschnitten sind –

Lass sie neu entdecken, was sie ängstigt

Und was ihnen Spaß macht,

damit sie ihr Leben erfüllend gestalten können;

für alle, die nur noch an sich selbst denken und

nicht mehr sehen, was um sie herum geschieht –

lass sie erfahren, dass auch sie andere Menschen brauchen,

um glücklich zu sein

und dass sie selbst für andere

wichtige Wegbegleiterinnen und –begleiter werden können;

für uns alle, die wir oft so tun, als könnten wir ewig leben –

lass uns erkennen, wie wenig selbstverständlich und kostbar jeder einzelne Lebenstag ist,

damit wir uns nicht immer wieder auf morgen vertrösten lassen,

sondern sensibel werden für das,

was uns heute schon Glück und Erfüllung schenken kann.

Gemeinsam beten wir, wie Jesus uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde dein Name,

dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen:

Gott segne uns und behüte uns

Gott gebe uns Liebe wo Hass ist,

Kraft wo Schwäche lähmt,

Toleranz wo Ungeduld herrscht,

Offenheit wo alles festgefahren scheint

So sei Gottes Segen mit uns allen, beflügle unsere Hoffnung und begleite uns wie ein Licht in der Nacht.

Lied: EG 421

„Kirchlicher Beitrag unverzichtbar“

Horst Hemzal übernimmt im neuen Magistrat das Amt des Kirchendezernenten – wie auch schon in der vergangenen Legislaturperiode. Das Amt hat in Frankfurt historische Wurzeln. „Evangelisches Frankfurt“ befragte den CDU-Politiker zu seinen Aufgaben.

Herr Hemzal, Sie sind Stadtkämmerer und Kirchendezernent. Sind die beiden Ämter in einer Person vereinigt, weil die Kirchen Geld brauchen?

Horst Hemzal

Horst Hemzal

Oberbürgermeisterin Petra Roth übertrug mir die Aufgaben des Kirchendezernenten 1999 zeitgleich mit den Aufgaben des Sozialdezernenten. Die Koppelung der Funktionen Stadtkämmerer und Kirchendezernent ist also nicht zwangsläufig. Aufgabe des Kirchendezernenten ist die Erfüllung der Pflichten der Stadt aus den Dotationsurkunden von 1829/ 1830. Mit den Zugeständnissen in diesen Urkunden sicherte die damalige Freie Reichsstadt Frankfurt die Überlebensfähigkeit von evangelischer und katholischer Kirche, die nach der Säkularisation den größten Teil ihres Vermögens verloren hatten. Den heutigen Geldbedarf der Kirchen deckt das bei weitem nicht.

Nur etwa jeder zweite Frankfurter gehört einer christlichen Kirche an. Braucht die Stadt da einen Kirchendezernenten?

Dass nur noch wenig mehr als fünfzig Prozent der Bevölkerung einer christlichen Kirche angehören, hat keine Auswirkung auf die Aufgaben des Kirchendezernenten. Der Kirchendezernent ist in erster Linie verantwortlich für die Bauunterhaltung der im städtischen Eigentum befind­ lichen Dotationskirchen. Diese sind – ich nenne die evangelischen Kirchen zuerst – die Alte Nikolaikirche, Dominikanerkloster mit Heiliggeistkirche, Dreikönigskirche, St. Katharinenkirche und St. Peters­ kirche. Die katholischen Dotationskirchen sind St. Bartholomäusdom, St. Leonhardskirche und Liebfrauenkirche. In den schon erwähnten Urkunden hat sich die Stadt unter anderem verpflichtet, diese Kirchengebäude – einschließlich Glocken und Orgeln – dauerhaft in gutem Zustand zu er­ halten und den jeweiligen Gemeinden zum kostenlosen Gebrauch zu überlassen. Für die Kirchen ist es nach meinem Eindruck sehr angenehm, einenfesten Gesprächspartner im Magistrat zu haben.

Worin sehen Sie den Beitrag der Kirchen zu einer bürgerlichen Gesellschaft?

Die bürgerliche Gesellschaft hat sich im Laufe des 20. Jahrhunderts sehr verändert. Vorbei ist die Zeit, in der bürgerliche Gemeinde und kirchliche Gemeinde praktisch identisch waren. Die heutige Gesellschaft ist geprägt durch das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft. In Frankfurt leben derzeit Menschen, die etwa 170 Nationalitäten und mehr als 140 verschiedenen Religionsgesellschaften angehören. Den kirchlichen Beitrag zum friedlichen Miteinander und zur Integration dieser Menschen halte ich für unverzichtbar und für eine großartige Leistung.

Was bedeutet Ihnen persönlich dieses Amt?

Ich bin ein religiöser Mensch. Die Übernahme der Funktion des Kirchendezernenten war mir Freude und nicht Belastung. Ich nehme immer wieder an großartigen kirchlichen Veranstaltungen teil und kann so Eindrücke von der Qualität der Arbeit in einzelnen Gemeinden erlangen. Außerdem treffe ich häufig interessante Menschen aus dem kirchlichen Umfeld, was mir stets eine willkommene Bereicherung ist.

Fragen: Kurt-Helmuth Eimuth

Evangelisches Frankfurt Sept 2006

Wie lieblich ist der Maien

8.5.2006, Heilig Geist

Kurt-Helmuth Eimuth

Orgelvorspiel

Eingangslied: EG 503, 1 – 3, 14 Geh aus mein Herz

Votum:

Wir feiern diese Andacht im Namen Gottes,

Gott ist uns nahe – immer und überall,

im Namen Jesu Christi

So sind wir geliebt

und im Namen des Heiligen Geistes

So sind wir verbunden als Schwestern und Brüder.

Psalm – 100, Nr. 740

Lassen Sie uns gemeinsam Psalm 100 beten

Gemeinde: Lied: EG 501, 1+2

Predigt:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wahrscheinlich haben Sie das Wochenende ebenso genossen wie ich. Es gab ja Sonne satt. Nach dem langen Winter ist es sehr angenehm, ein paar Sonnenstrahlen auf der Haut zu spüren oder sich an der Farbe der Tulpen zu erfreuen. Das graue und triste Wetter ist vielen von uns auf das Gemüt geschlagen und nahm den Schwung für vieles – auch für die Gartenarbeit. Die Sehnsucht nach Frühling, nach dem Leben draußen, den Vögeln, den Pflanzen und der Wärme steckt in uns Menschen. Und in den Liedern, besonders zum Monat Mai kommt, dieses zum Ausdruck. Da gibt es nicht nur so schöne Lieder wie „Komm lieber Mai, und mache die Bäume wieder grün“ oder „Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus“, auch im Gesangbuch findet sich ein Loblied auf den Mai und die erwachende Natur.

Martin Brehm hat schon 1606 die eben gesungenen Verse gedichtet: Wie lieblich ist der Maien aus lauter Gottes Güt‘, dass sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht. Die Tier sieht man jetzt springen mit Lust auf grüner Heid, die Vöglein hört man singen, die loben Gott mit Freud.“

Eine große Dankbarkeit und ein ehrfürchtiges Staunen über die Natur schwingen in diesem Vers mit.

Das Staunen über Gottes Schöpfung ist auch eines jener Werte, auf die sich eine Gesellschaft einigen kann. Die Achtung vor dem Leben ist unabdingbare Voraussetzung für das Zusammenleben. Politisch versuchte man ja gemeinsam mit den beiden christlichen Kirchen ein Bündnis für Erziehung zu schmieden. Leider politisch ungeschickt, lud man nur die Kirchen ein. Über die Kritik an dieser Vorgehensweise ging leider der Inhalt des Bündnisses verloren. Margot Käsmann weist in ihrer Begründung auf die Werte desChristentums hin: Sie leitet dies in ihrem Statement mit einer Frage ein:

„Zu welchen Werten aber erziehen wir unsere Kinder? Das müssen wir als Gesellschaft klären, auch um deutlich zu machen, in welche Gemeinschaft, mit welchen Grundüberzeugungen wir Zuwanderer integrieren wollen. Die Antwort des Christen, der Christin lautet zuallererst: es geht um Gottvertrauen, Nächstenliebe und Verantwortung. In der Weitergabe des Glaubens werden auch Werte und Lebenshaltung vermittelt. Ich denke etwa das höchste Gebot „Du sollst Gott über alle Dinge lieben und deinen Nächsten wie dich selbst“. Auch die 10 Gebote sind für uns auch heute ein guter Leitfaden für Erziehung, für Nächstenliebe, Respekt vor der Würde des anderen und Achtung von Grenzen.“

Gottvertrauen, Nächstenliebe und Verantwortung. Mit diesen drei Begriffen umreist die Bischöfin die Haltung einer Christin, eines Christen. Verantwortung zu übernehmen auch für diese wunderbare Schöpfung Gottes, wann könnte dieses augenfälliger werden als jetzt am Beginn der Wachstumsperiode?

Und man kann gar nicht anders, als einzustimmen in den Jubel des Textdichters. Einzustimmen in die Freude, dass nach der Dunkelheit und der Kälte das Leben immer wieder erwacht. Einstimmen in das Lob, dass Gott uns in seiner Güte die wunderbaren Gaben der Erde schenkt: Das Grün der Bäume, das Rot und Gelb der Blumen, das Zwitschern der Vögel. Einstimmen in den Dank für das, was wir Menschen an der Natur haben und wofür wir Verantwortung tragen. Es ist ein zeitloser Jubel an den Mai und seine Freuden.

Gottes Wirken auf uns kann und will uns verändern, der Mai, der Frühling kann in unser Leben dringen.

In der dritte Strophe heißt es:

Herr, laß die Sonne blicken / ins finstre Herze mein,
damit sich’s möge schicken, fröhlich im Geist zu sein,
die größte Lust zu haben / allein an deinem Wort,
das mich im Kreuz kann laben / und weist des Himmels Pfort.

Dass Gottes Wort – Evangelium vom Leben, Sterben und Auferstehen Jesu Christi – irgendwie Bedeutung für uns hat- das glauben oder ahnen wir.

Wie sagt Jesus im Matthäusevangelium: „Kommt her zu mir, die Ihr mühselig und beladen seid – ich will Euch erquicken.“

Und so hat Martin Brehm schon 1606 das Erwachen der Natur mit dem Wirken des Wortes Gottes gleichgesetzt.

Ich wünsche uns, dass wir diesen schönen Monat genießen können, sei es im eigenen Garten, in dem es wieder sprießt und blüht, sei es auf den Spaziergängen im Wald und in den Parks, wo alles zu neuem Leben erwacht – oder einfach im Straßencafe.

Ich wünsche uns aber auch, dass wir nicht vergessen, dass Gott uns das alles schenkt – jedes Jahr und immer wieder neu, damit unser Gemüt sich freut, dass wir aufleben können und dass das Leben eine Lust ist.


Amen.

Gemeinde: Lied: EG 501, 3+4

Mitteilungen

Gebet

Gott,

Du bist bei uns zu allen Zeiten unseres Lebens

auch wenn wir das manchmal nicht spüren.

Du genießt mit uns Tage, prall und lebenssatt

wie der Sommer

und du trägst mit uns Tage, karg und kalt

wie der Winter.

Deshalb bitten wir dich für alle

die von sich selbst

und ihren Gefühlen abgeschnitten sind –

lass sie neu entdecken, was sie ängstigt

und was ihnen Spaa macht,

damit sie ihr Leben erfüllend gestalten können;

für alle, die nur noch an sich selbst denken und nicht mehr sehen, was um sie herum geschieht –

lass sie erfahren, dass auch sie andere Menschen brauchen,

um glücklich zu sein

und dass sie selbst für andere

wichtige Wegbegleiterinnen und – begleiter werden können;

für uns alle, die wir oft so tun, als könnten wir ewig leben –

lass uns erkennen, wie wenig selbstverständlich und kostbar jeder einzelne Lebenstag ist,

damit wir uns nicht immer wieder auf morgen vertrösten lassen, sondern sensibel werden für das, was uns schon heute Glück und Erfüllung schenken kann.

Und was uns noch bedrängt bringen wir vor dich mit den Worten die Christus uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen:

Geht in diesen Tag, in diese Woche mit dem Frieden und Segen unseres Gottes:

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.

Der Herr hebe sein Angesicht auf dich

und gebe dir Frieden. Amen.

Lied: 421 Verleih uns Frieden

Dabeisein ist nicht alles

Es gibt viele Gründe, sich über die Fußball-Weltmeisterschaft zu freuen. Da wird es spannende Spiele geben, da werden die Apfelweinlokale in Sachsenhausen überlaufen. „Zu Gast bei Freunden“ heißt das ambitionierte Motto, und es schließt auch die Geschäftstüchtigkeit der Gastgeber mit ein. Jeder will mit verdienen oder doch wenigstens mit dabei sein. Auch die Kirche. Manche Aktion schießt dabei jedoch über das Ziel hinaus.

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Laufwunder, Himmelsstürmerin, Kabinenprediger: Die Aufschriften auf den T-Shirts des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik ziehen augenzwinkernd eine Parallele zwischen Fußball und Religion. – Foto: Hansisches Druck- und Verlagshaus

Man stelle sich vor: Hunderte von Schlachtenbummlern kommen in Trikots in die Stadien. Nein, nicht in Trikots ihrer Lieblingsmannschaft, sondern in weißen T-Shirts mit Aufschriften wie „Himmelsstürmerin“, „Laufwunder“ oder gar „Kabinenprediger“. Und damit man auch erkennt, dass sie alle zusammengehören, tragen sie nach dem Willen des solche Utensilien feilbietenden Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik auch noch eine Kappe mit der Aufschrift „Fangemeinde“.
Gemeinsam mit dem Magazin „Chrismon“ versucht die Evangelische Kirche in Deutschland auf den WM-Zug aufzuspringen und hat dafür unter www.fangemeinde-ekd.de sogar eine eigene Internetseite inklusive Online-shop eingerichtet. Weitere Fußballprodukte von Tassen bis zum Fußballmagnetspiel werden angeboten. Besonders praktisch und ganz ohne religiöse Doppeldeutigkeit ist etwa der „Soccer-Hocker“: Damit wird angeblich jeder Bierkasten zur „komfortablen Sitzgelegenheit“.
Fußball und Religion. Sie haben in der Tat ja so manches gemeinsam. Da sind vor allem die Rituale. Für manchen Fan beginnt der Spieltag mit dem feierlichen Anlegen der Kluft, die er aus einer Art Schrein holt. So gewandet schreitet er unter Absingen „heiliger“ Lieder quasi prozessionsartig in die Kathedrale des Sports, das nagelneue WM-Stadion.
Aber kann man daraus wirklich, wenn auch ironisch augenzwinkernd, auf inhaltliche Parallelen schließen? Zahlreiche Soziologen haben die Gemeinsamkeiten von Fußball und Religion beschrieben. Die Analyse ist eindeutig. Fußball ist eine Art Pseudoreligion. Pseudo deshalb, weil dem Fußball – anders als den echten Religionen – die befreiende Heilsbotschaft fehlt. Der Mainzer Weltanschauungsbeauftragte Eckhard Türk drückt es in einem Beitrag für „Publik Forum“ so aus: „Wirkliche Religionen wollen den Menschen mit einer ihn und die Welt restlos übersteigenden und unüberbietbaren Wirklichkeit in Beziehung bringen, die das wirkliche Heil für den Menschen bedeutet.“ Beim Fußball ist das aber anders. Bei diesem Kult geht es nicht darum, sich mit einer höheren Macht in Verbindung zu setzen. Vielmehr muss man das Heil erst selbst herstellen, um dann auf dieses zu vertrauen. Nur wer Tore schiesst, wird hier als Held gefeiert.
In der überschäumenden Freude auf die Weltmeisterschaft und angetrieben von dem Wunsch, bei diesem Mega-Event auch dabei zu sein, scheinen einige in der Kirche ihre eigene Heilsbotschaft aus den Augen und das rechte Maß verloren zu haben. So wird auf der Internetseite des hessen-nassauischen WM-Pfarrers, der für ein ganzes Jahr von seinen Gemeindepflichten frei gestellt wurde, das (Facetten-)Kreuz in einen Fußball eingepasst, ganz so, wie die Telekom den Berliner Funkturm als magentafarbenen Fußball hat dekorieren lassen. Und auch nur bedingt lustig ist das Wörterbuch auf der Startseite von www.kirche-spielt-mit.de: Da wird die Vereinshymne zum Choral, die Fans werden zu Gemeindemitgliedern und das Gebet zur Kommunikation mit höheren Mächten vor einem Elfmeter.
So werden die eigenen Inhalte banalisiert. Im Fußball heisst das Eigentor.
Kurt-Helmuth Eimuth

Evangelisches Frankfurt Mai 2006

Die Zehn Gebote für Kids

Kika und Kirche starten gemeinsames Projekt

Man kennt dies schon. An den großen christlichen Festen kommen die monumentalen Bibelverfilmungen. Doch dieses Mal hat sich der Kinderkanal in Zusammenarbeit mit der evangelischen und katholischen Kirche etwas Besonderes einfallen lassen. In einer Kurzfilmserie will er die Bedeutung und Werthaltung der Zehn Gebote aufzeigen. Ausgestrahlt wird die Serie ab Ende März jeweils am Sonntagvormittag; bereits ab Mai gibt es dann die DVD im Handel. Ausgangspunkt sind Geschichten um die 11-jährige Marie und ihren geliebten Hund Amos. Beide sind fremd in einer neuen Stadt. Marie kommt in eine neue Schule und will schnell Freunde finden. Dafür ist sie bereit, als Mutprobe für die Aufnahme in eine Clique ihren vierjährigen Terrier zu opfern. Als das Mädchen ihren Fehler erkennt, ist der kleine Streuner bereits verschwunden. Gemeinsam mit ihrer Freundin Nadja begibt sie sich auf die Suche. Solche Konfliktsituationen machen die in den Geboten enthaltenen Botschaften für die Zielgruppe von sechs- bis zwölfjährigen Kindern erstmals in einer Spielfilmreihe erlebbar. Die Internetseite (unsere-zehn-gebote.de) bietet Hintergrundinformationen zu den Geboten selbst, zu den Kurzfilmen und Zusatzmaterial wie Links und Online-Spiele. So kann man nachlesen, wie ein Spielfilm entsteht und sich eine echte Drehbuchseite ansehen. Über die Schauspielerinnen und Schauspieler finden sich ebenso Informationen wie über den Hund „Amos“, der in allen Filmen eine wichtige Rolle spielt. Die Seite wird ergänzt durch ein eigenes Angebot für Erwachsene. Vor allem Lehrerinnen und Lehrer oder Leiter von Konfirmandengruppen können von den dort angebotenen Arbeitshilfen profitieren.
Kurt-Helmuth Eimuth

Evangelisches Frankfurt April 2006

Das Leben ins Mikrofon erzählt

Brigitte Babbe geht seit 25 Jahren für die Kirche beim HR auf Sendung

Bild
Brigitte

Babbe

wer durch Alt-Griesheim fährt, dort, wo sich die Häuser dem Main entgegenducken, glaubt kaum, dass hier eine Frau wohnt, die gerade ihr 25-jähriges Mikrofon-jubiläum feierte. Die Kirchensendungen des Hessischen Rundfunks finden ihre Zuhörerinnen und Zuhörer. Viele Tausend sind es, die Brigitte Babbe auf HR 4 hören. Etwa dreimal im Jahr gestaltet sie je-weils eine Woche lang die Rubrik „Übrigens“, christliche Gedanken für den Tag.
Brigitte Babbe legt Wert darauf, dass alle Geschichten, die sie dort erzählt, wahr sind. Etwa die Begebenheit vom „Mittwochskuchen“: Freundin Inge fährt jeden Mittwoch zur Tante und bringt ihr einen Butterkuchen mit, den sie auf dem Bornheimer Wochenmarkt kauft. Bäcker und Kundin verstehen sich auch ohne Worte. Das wöchentliche Kaufritual bedarf keiner Worte mehr. Das Fazit von Brigitte Babbe: „Zwei Menschen verstehen sich mit ganz wenigen Worten – eigentlich ohne Worte. Beide sind sicherlich keine redseligen Menschen. Aber ihnen gelingt eine freundliche, zugewandte Verständigung.“ Und sie fügt als Fürbitte hinzu: „Ach Gott, hilf mir, dass mich Menschen verstehen, für die ich zu viele Worte mache.“
Mit Fug und Recht darf man der 70-Jährigen bescheinigen, dass sie sich den Menschen zuwendet, ihnen zuhört, aber auch selbst Stellung bezieht. Dabei half und hilft ihr sicherlich ihre berufliche Erfahrung als Zuständige für berufliche Rehabilitation und Schwerbehindertenvermittlung im Frankfurter Arbeitsamt.
Zur Rundfunkarbeit kam sie eher zufällig. Ironisch merkt sie über jene Zeit an, dass man damals wohl mindestens Propst hätte sein müssen, „und vor allem ein Mann“. Sie jedoch war Frau und zudem eine, die nicht Theologie studiert hatte. Immerhin: Sie durfte Artikel für den Gemeindebrief, damals der Paulsgemeinde, schreiben. Einer davon fiel dem damaligen Rundfunkbeauftragten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Joachim Schmidt, in die Hände – und er war begeistert. Er schlug Babbe als Rundfunkautorin vor. In der Kirche stieß er zunächst auf eisige Ablehnung. Frau, Nicht-Theo­ lo­ gin und dazu noch in der CDU – das war für die EKHN der siebziger Jahre zuviel. Man einigte sich schließlich auf einen Versuch. Es klappte wunderbar.
Brigitte Babbe ist eine Frau, die etwas in der Welt bewegen will. Sie war in Frankfurt Vorsitzende der Frauen-Union und ist jüngst zur Ehrenvorsitzenden des Evangelischen Arbeitskreises der CDU ernannt worden. Wenn man so im gut bürgerlichen Wohnzimmer sitzt, den Kaffee genießt, den Geschichten zuhört (und davon hat sie viel mehr, als sie im Radio erzählen kann), dann spürt man etwas von der gottesfürchtigen Kraft dieser Frau. Es klingelt, und der ehemalige Gemeindepfarrer schaut herein. Natürlich war Brigitte Babbe viele Jahre im Kirchenvorstand, war Vorsitzende desselben und hat dann so ziemlich alle Ämter bekleidet, die man ehrenamtlich ausfüllen kann. Sie ist Prädikantin, gehörte den Synoden der Landeskirche und der Evangelischen Kirche in Deutschland an und ist bis heute im Vorstand des Evangelischen Regionalverbandes Frankfurt. Diese Arbeit schätzt sie besonders. Aber: „Mein schönstes Ehrenamt ist das der Prädikantin.“
Man glaubt es ihr ohne Nachfrage, denn auf der Kanzel hat sie mehr Zeit, ihre vielen spannenden Geschichten von Menschen und von Gottes Wirken zu erzählen. Und keine davon ist erfunden.
Kurt-Helmuth Eimuth, Evangelisches Frankfurt 2006

Evangelisches Frankfurt: Die Redaktion

Frankfurt: Redaktionssitzung Evangelisches Frankfurt mit Allensbachstudie. Foto vom 13.03.2006 Foto: Rolf Oeser

Ich bete an die Macht der Liebe

Andacht,

Kurt-Helmuth Eimuth

  1. 3. 2006
     
    Lied EG: 452, 1-3
     
    Votum:
    Im Namen Gottes, im Namen Jesu Christi
    im Namen des Heiligen Geistes
    unterbrechen wir unseren Alltag, um zu beten.
    Herzlich willkommen allen,
    die sich haben rufen lassen.
    Nehmen wir uns Zeit
    für uns, für Gott, miteinander.
    Vor Gott zur Ruhe kommen verändert

1 Minute Stille

Psalm: 18, Nr. 707
 
Lied: EG 610, 1-3

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir leben in der Passionszeit. In den letzten zwei Jahrzehnten haben wir die besonderen Rituale dieser Zeit wiederentdeckt. Der Verzicht als Bereicherung. Gerade die Aktion 7 Wochen ohne hat uns verdeutlicht, dass Verzichten bedeuten kann, sich auf etwas zu konzentrieren. Der Verzicht lässt uns aber auch fühlen, dass nicht alles was wir täglich nutzen und uns so selbstverständlich ist, wirklich selbstverständlich ist. Zur Welt gehört auch das Leid. Das Leid an sozialer Ungerechtigkeit, das Leid von Armut, das Leid einer Krankheit und schließlich auch das Leid der Endlichkeit des irdischen Lebens. All das ruft uns die Passionszeit wieder ins Bewußtsein.

Und dann lese ich vom ersten Liebesbriefkasten der evangelischen Kirche, hier in der Alten Nikolaikirche auf dem Römerberg. Eingeweiht wurde dieser Liebesbriefkasten während einer Mittagsandacht, mit der die Fastenaktion 2006 der evangelischen Kirche „7 Wochen Ohne“ am Aschermittwoch, eröffnet wurde.

In der Alten Nikolaikirche kann man jetzt seine Liebesbriefe in jenen Briefkasten einwerfen, wenn man Brieffreundschaften oder die Liebe fürs Leben sucht. Ebenso kann man sich dort auch einen Liebesbrief mitnehmen.

Die Kirche als Eheanbahnungsinsitut? Ich denke die Aktion hat einen Vordergrund und einen Hintergrund. Liebesbriefe zu bekommen ist sicherlich schön. Ein Mensch gesteht dem anderen Menschen seine Liebe, seine intimen Gefühle, beschreibt phantasievolle Bilder, die bei ihm im Kopf entstehen. Man spürt förmlich die sprichwörtlichen Hummeln im Bauch.
Die Fastenaktion steht in diesem Jahr unter dem Motto „Liebesbriefe. Merken, worauf es ankommt“. Ja, worauf kommt es. Wenn man den Umfragen glauben darf, dann kommt es auf die Familie an. Es kommt auf Menschen an, auf die ich mich ohne wenn und aber Verlassen kann.

Doch zum Glück sind wir Menschen nicht nur auf uns selbst gestellt. Die hintergründige theologische Begründung für den Liebesbriefkasten in der Kirche ist die Liebe Gottes, die er uns Menschen schenkt. Und dafür steht ja dann auch Karfreitag und Ostern.
Der Hamburgher Theologe Fulbert Steffensky beschreibt diese Liebe so:
Wenn ich Gott nenne, meine ich nicht nur jenen starken Retter. Ich meine das unendliche Geheimnis der Liebe, und so sind Liebeslieder wohl die besten, die ihn besingen.“ Von Franz von Assisi wird erzählt, dass er zwei Stöcke vom Boden aufgehoben hat. Der eine war ihm Geige, der andere Bogen, und auf dieser Geige hat er französische Lieder gespielt, Minnelieder für Gott.

Eines der tiefsten Liebeslieder , die wir im Gesangbuch haben, ist das Lied vom Mystiker Tersteegen „Ich bete an die Macht der Liebe“:
In der zweiten Strophe, die leider nicht im Gesangbuch steht heißt es
Wie bist du mir so zart gewogen,
und wie verlangt dein Herz nach mir!
Durch Liebe sanft und tief gezogen
neigt sich mein Alles auch zu Dir
Du traute Liebe gutes Wesen,
du hast mich und dich erlesen.

Steffensky betont die Bedeutung dessen, dass wir uns quasi einer fremden Sprache, nämlich der Sprache der Tradition bedienen können, wenn wir über unser Verhältnis zu Gott sprechen.

Und zur Liebe sagt Steffensky in seiner poetischen Sprache:
“Vielleicht ist das eine vorsichtige Annährung an die Gottesliebe, wenn ich die Gottesliebhaber zitiiere und ihre Lieder und Geschichten schön finde. Ich nähere mich der Gottesliebe, wenn mich der Gedanke beunruhigt, dass man Gott unmittelbar lieben könnte. Aber vielleicht können wir uns von Gott lieben lassen. Sich selbst lieben zu lassen aber scheint beinahe eine noch schwierigere Kunst als zu lieben. Sich lieben zu lassen, das heißt , keine Rechtfertigung mehr für die eigene Existenz nötig zu haben; nichts mehr gegen den Blick der Güte einwenden, Es gibt die wundervolle Stelle im Hohen Lied, dem großen Liebeslied der Bibel (8,10): „Ich bin geworden in seinen Augen wie eine, die Frieden findet.“
Das ist der Frieden, so Steffensky, der nicht mit den eigenen Waffen und der eigenen Stärke hergestellt wird, sondern der entsteht im Blick, mit dem ich angesehen werde. Ich bin nicht angesehen, weil ich ansehnlich bin, sondern weil ich angesehen bin.. in seinen Augen wie einer der Frieden findet.Ich muss mich nicht selbst bezeugen, sondern der Geist Gottes bezeugt mich, heißt es im Römerbrief (8,16)
In der Passionszeit geht es auch um die Liebe Gottes, um das Geliebtsein ohne jede Vorbedingung. Theologisch spricht man hier auch von Gnade. Der Liebe Gottes können wir uns ebenso gewiß sein wie der Gnade Gottes, denn in der Gnade drückt sich die Liebe aus.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, eigentlich ist es doch ein gar nicht so weiter Weg vom Liebesbriefkasten zur Gnade Gottes. Schenken wir doch ewinfach unsere Liebe und lassen zu, dass wir geliebt werden.

Lied: EG 617, 1+2

Mitteilungen

Gebet:
Gott, du Licht der Welt
lass dein Licht und deine Liebe auch in unserem Leben aufgehen,
damit wir erfahren, dass unsere Suche keine Irrfahrt ist, sondern ein Heimweg zu dir.
Zeige uns auch heute, wo wir dich finden können, wo du uns nahe kommst.
Lass dein Licht in unser Leben scheinen,
damit wir uns selbst annehmen können, so wie wir sind und dann auch unsere Mitmenschen.
So bitten wir dich auch für das, was uns am Herzen liegt:
für das, was uns in diesen Tagen beschäftigt hat,
für die Menschen , die uns nahe stehen
und auch für die, mit denen wir es nicht leicht haben.
Gott, hilf uns, dich in unseren Schwestern und Brüdern wiederzuerkennen.
Lass uns achtgeben auf Menschen, die unsere Hilfe brauchen.
Wir bitten dich für diejenigen,
die Dunkelheit in ihrem Leben erfahren,
für die Einsamen und Kranken,
für die Enttäuschten und Verbitterten,
für alle, die sich selbst im Wege stehen
und ihre Hoffnungen begraben haben:
schenke ihnen neue Zuversicht.
Gott, dein Licht will sich ausbreiten.
Lass es auch unter uns hell werden.

Gemeinsam beten wir, wie Jesus uns gelehrt hat:
Vater unser im Himmel
geheiligt werde dein Name,
dein Reich komme,
dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen:
Gott, der Ursprung und Vollender aller Dinge.
segne dich, gebe dir Gedeihen und Wachstum,
Erfüllung deiner Hoffnungen, Frucht deiner Mühe,
und am Ende das Ziel deiner Wege. Amen.
 Lied: EG 421 (1)
 

Lehrbuch einführen

Kurt-Helmuth Eimuth: Kein Kinderkram! Die Erzieherinnen- und Erzieherausbildung in Lernfeldern

Kurt-Helmuth Eimuth: Kern-Bechtold u. a.: Kein Kinderkram! Die Erzieherinnen- und Erzieherausbildung in Lernfeldern. Bd. 2: Entwicklung Bildung, Professionalisierung. Winklers (Darmstadt) 2005. 488 Seiten. ISBN 3-8045-9612-6. 28,50 EUR.

Einführung in das Thema

Die „Rahmenvereinbarung zur Ausbildung und Prüfung von Erziehern/Erzieherinnen“ der Kultusministerkonferenz vom 28.1.2000 zielt auf einen lernfeld- und handlungsorientierten Unterricht, der nun per Ländererlass in die Fachschulen und -akademien eingezogen ist. Die schulischen Lerninhalte sollen sich dabei weniger an den Fachwissenschaften als an den beruflichen Handlungsfeldern der zukünftigen Erzieherinnen und Erzieher ausrichten. Dies stellt die ErzieherInnenausbildung vor neue Herausforderungen, denen das Buch „Kein Kinderkram“ Band 2 Bundesländer übergreifend begegnet.

Aufbau und Inhalt des Buches

Der zweite Band der Reihe „Kein Kinderkram!“ beinhaltet im Anschluss an die drei Lernfelder des ersten Bandes zwei weitere Lernfelder: Entwicklung und Bildung fördern (Lernfeld 4) und Professionalisierung des Berufsbildes (Lernfeld 5). Im Lernfeld 4 (Entwicklung und Bildung fördern) geht es um:

  • Spielpädagogik
  • Bewegung, Tanz und Theater
  • Musikalische Bildung
  • Kreativitätsförderung
  • Gehirnentwicklung
  • Sprache
  • Kinder- und Jugendliteratur
  • Medienpädagogik
  • Naturwissenschaften
  • Bildung

Im Lernfeld 5 (Professionalisierung des Berufsbildes ) geht es um:

  • Professionalisierung des Berufsbildes
  • Arbeiten im Team
  • Elternarbeit
  • Die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen
  • Qualitätsmanagement
  • Professionelle Kindererziehung in anderen europäischen Ländern
  • Die eigene Rolle als ErzieherIn und die berufliche Identität

Jedes Kapitel besteht aus Informationstexten, einem zusammenfassenden Fazit und daran anknüpfenden Aufgaben und Anregungen einschließlich Hinweisen zu weiterführender Literatur. Eingebettet wird das Ganze in die Erlebnisse und Gespräche einiger fiktiver Studierender.

Diskussion

Die Beurteilung des Buches stellt mich – bezogen auf das Lernfeld 4 – vor Probleme: Einerseits wird die Palette der Themen, die für die bildende Arbeit mit Kindern wichtig sind, breit abdeckt und dabei die neueste Literatur und auch Möglichkeiten des Internets berücksichtigt. Es ist spürbar, dass hier SpezialistInnen für das jeweilige Gebiet am Werk waren, die immer auch den Bezug und die Einsatzmöglichkeiten im erzieherischen Alltag verdeutlichen.  Andererseits frage ich mich aber, wie das Buch in der Ausbildung (genau genommen: Weiterbildung) von ErzieherInnen einsetzbar ist. Viele der oben genannten Themen des Lernfeldes 4 werden beispielsweise im Lehrplan des Landes Nordrhein-Westfalen durch eigene Fächer repräsentiert. Als solche dringen sie in die jeweilige Materie tiefer ein, als das Buch es hergibt. Hierfür gibt es dementsprechend häufig geeignetere Lehrwerke. Gleichzeitig bestehen die Fächer während der gesamten schulischen Ausbildungszeit und nicht nur während des Lernfeldes 4. Hier entspricht der Aufbau des Buches nicht der Ausbildungsrealität, wiewohl ich meine, dass das Buch den Lehrplänen hier möglicherweise einen Schritt voraus ist, indem es die Fachgebiete den Lernfeldern unterordnet und nicht umgekehrt, was einer konsequenteren Umsetzung der Lernfelddidaktik gleichkommt.

Dennoch kann es einen gewichtigen Grund geben, das Buch als Lehrbuch in der ErzieherInnenausbildung einzuführen. Den Studierenden bietet es die Möglichkeit EIN Buch zu haben, in dem sie quer zu den Fächern blättern können und so innerhalb der Lernsituationen auf Ideen und weiterführende Literatur zu stoßen ohne sich gleich in der einer Bibliothek innewohnenden Komplexität oder auf den Irrwegen des Internets zu verlieren. Als Nachschlagwerk kann es ihnen auch nach der Ausbildung noch wertvolle Dienste leisten.

Einfacher ist es die Tauglichkeit des Lernfeldes 5 für potentielle LeserInnen zu beurteilen. Hier werden für das Anerkennungsjahr relevanten Themen in praxisnaher und anschaulicher Weise bearbeitet. Fachwissenschaftlich bleibt manches dünn, ein Manko, das der Lernfelddidaktik geschuldet ist.

Fazit

Alles in allem ein informatives und gut zu lesendes Buch!


Rezensentin
Dr. Anke Meyer
Lehrerin an einer Fachschule für Sozialpädagogik



Zitiervorschlag
Anke Meyer. Rezension vom 14.02.2006 zu: Kurt-Helmuth Eimuth: Kein Kinderkram! Die Erzieherinnen- und Erzieherausbildung in Lernfeldern. Winklers (Darmstadt) 2005. 488 Seiten. ISBN 3-8045-9612-6. In: socialnet Rezensionen unter http://www.socialnet.de/rezensionen/3425.php, Datum des Zugriffs 16.02.2006.

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