Ein unauslotbares Geheimnis

15.1.2005

Pfarrerin Marion Eimuth

Letzter Sonntag nach Epiphanias (24.1.99)

Predigttext

2. Mose 3,1-10 (11-14)

Orgelvorspiel

Gemeinde: Eingangslied: EG 70, 1+4

Zum heutigen Sonntag, begrüße ich Sie ganz herzlich mit dem  

Wochenspruch bei dem Propheten Jesaja, Kapitel 60, Vers 2:

Über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes

Gott ist uns nahe – immer und überall,

im Namen Jesu Christi – So sind wir geliebt,

und im Namen des Heiligen Geistes

So sind wir verbunden als Schwestern und Brüder.

Psalm 97

Der Herr ist König: des freue sich das Erdreich und seien fröhlich die Inseln, so viel ihrer sind.

Die Himmel verkündigen seine Gerechtigkeit,

und seine Herrlichkeit sehen alle Völker.

Schämen sollen sich alle, die Bildern dienen

und sich der Götzen rühmen.

Betet ihn an, alle Götter!

Zion hört es und ist froh,

und die Töchter Juda sind fröhlich,

weil du, Herr, recht regierest.

Denn du, Herr, bist der Höchste über allen Landen,

du bist doch erhöht über alle Götter.

Die ihr den Herrn liebet, hasset das Arge!

Der Herr bewahrt die Seelen seiner Heiligen;

auder Hand des Gottlosen wird er sie erretten.

Dem Gerechten muss das Licht immer wieder aufgehen und Freude den frommen Herzen.

Der Herr ist König; des freue sich das Erdreich und seien fröhlich die Inseln, so viel ihrer sind.

Kommt, lasst uns anbeten:

Gemeinde: Ehr sei dem Vater und dem Sohn…

Pfarrerin: Sündenbekenntnis

 Gott, wie oft kommt es vor, dass wir uns überschätzen.

Wir fühlen uns stark und vergessen, wer uns mit Stärke ausgestattet hat.

Aus eigener Kraft wollen wir das Leben gestalten.

Manchmal erzwingen wir Veränderungen,

die uns und anderen nicht gut tun.

Wir bitten dich, lenke unsere Gedanken und Blicke auf dich.

Du allein bist unsere Stärke und Kraft.

Du schenkst uns Zuversicht.

Hilf uns, dass wir dir allein vertrauen.

Darum bitten wir: Erbare dich!

Gemeinde: Herre, Gott, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herre, Gott, erbarme dich!

Pfarrerin: Gnadenwort:

Christus spricht: „Ich bin in die Welt gekommen als ein Licht, damit, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.“

Ehre sei Gott in der Höhe.

Gemeinde: Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade.

Ein Wohlgefalln Gott an uns hat;

nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

Pfarrerin: Gebet:

Gott, du bist Licht und Heil.

Lass uns dein Licht aufgehen und fülle unsere Herzen mit dem Feuer deiner göttlichen Liebe.

Deine wahrheit leuchte in uns und schenke uns Klarheit für unser Tun und Lassen.

Im Glauben wollen wir weitergeben, was du uns schenkst durch Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.

  1. Schriftlesung:

Epistel: 2. Korinther 4,6-10

Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.

Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns. Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um. Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserm Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserm Leibe offenbar werde.

Halleluja

Gemeinde: Halleluja, Halleluja, Halleluja

Gemeinde: EG 72, 1-6

2. Schriftlesung:

Evangelium: Matthäus 17,1-9

Und nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder und führte sie allein auf einen hohen Berg. Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm.

Petrus aber fing an und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine. Als er noch so redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!

Als das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr. Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht! Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein. Und als sie vom Berge hinabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt von dieser Erscheinung niemandem sagen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist

„Ehre sei dir Herr!“

Gemeinde: Lob sei dir, o Christe!

Pfarrer und Gemeinde:
Lasst uns Gott loben und preisen mit dem Bekenntnis unseres Glaubens:

Ich glaube an Gott, den Vater,

den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde;

und an Jesus Christus,

seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,

empfangen durch den Heiligen Geist,

geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus,

gekreuzigt, gestorben und begraben,

hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten,

aufgefahren in den Himmel;

er sitzt zur Rechten Gottes,

des allmächtigen Vaters;

von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,

die heilige, christliche Kirche,

Gemeinschaft der Heiligen,

Vergebung der Sünden

Auferstehung der Toten

und das ewige Leben. Amen.

Gemeide: EG, 67, 1-4

Pfarrerin: Predigt:

2. Mose 3, 1-14

1 Mose hütete die Schafe Jitros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian, und trieb die Schafe über die Steppe hinaus und kam an den Berg Gottes, den Horeb. 2 Und der Engel des HERRN erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, daß der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde. 3 Da sprach er: Ich will hingehen und die wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht verbrennt. 4 Als aber der HERR sah, daß er hinging, um zu sehen, rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich. 5 Gott sprach: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land!

6 Und er sprach weiter: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Und Mose verhüllte sein Angesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen. 7 Und der HERR sprach: Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen und ihr Geschrei über ihre Bedränger gehört; ich habe ihre Leiden erkannt. 8 Und ich bin herniedergefahren, daß ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie herausführe aus diesem Lande in ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt, in das Gebiet der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter. 9 Weil denn nun das Geschrei der Israeliten vor mich gekommen ist und ich dazu ihre Not gesehen habe, wie die Ägypter sie bedrängen, 10 so geh nun hin, ich will dich zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führst.

11 Mose sprach zu Gott: Wer bin ich, daß ich zum Pharao gehe und führe die Israeliten aus Ägypten? 12 Er sprach: Ich will mit dir sein. Und das soll dir das Zeichen sein, daß ich dich gesandt habe: Wenn du mein Volk aus Ägypten geführt hast, werdet ihr Gott opfern auf diesem Berge. 13 Mose sprach zu Gott: Siehe, wenn ich zu den Israeliten komme und spreche zu ihnen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt! und sie mir sagen werden: Wie ist sein Name?, was soll ich ihnen sagen? 14 Gott sprach zu Mose: Ich werde sein, der ich sein werde. Und sprach: So sollst du zu den Israeliten sagen: „Ich werde sein“, der hat mich zu euch gesandt.]

Liebe Gemeinde,

Wer ist Gott?

Ist das eine Frage, die einer beantworten kann? Ist das eine Frage, die Menschen überhaupt bewegt?

Wer ist Gott?

Manchmal an einem Wintertag, wenn der Rauhreif an den Ästen klebt und der Atem in der klaren Luft zu sehen ist und der blaue Himmel sich über einen wölbt, dann meine ich zu ahnen, wer Gott ist: Der alles wunderbar gemacht hat und dem ich ein dankbares Lied singen sollte, bevor ich etwas anpacke.

Oder wenn ich Musik höre, die mein Herz bewegt, die nicht laut, sondern leise mich in Schwingung bringt und ich mich bewegt fühle und geborgen zugleich, dann ahne ich: Gott liebt die Schönheit und hat mir meine Sinne geschenkt, sie wahrzunehmen.

Oder ich merke im nachhinein: Hier ist mir etwas gut gelungen, was ich gemacht habe, und eine hat mich auch dafür gelobt. Dann merke ich: Es wachsen mir manchmal Kräfte zu, die nicht von mir selber kommen, und für die ich nur danken kann.

Wer ist Gott?

Viele wissen keine Antwort auf diese Frage.

Es gibt viele, für die ist die Frage nach Gott ein abgeschlossenes Kapitel. Sie haben resigniert, sind müde, weil sie meinen: Gott ist weit weg von dem Leben, das ich führen muß, weit weg von den Problemen, die ich zu bewältigen habe vom Morgen bis zum Abend. Und gelegentlich ist auch dabei die Enttäuschung zu hören über diejenigen, die so leicht von Gott reden können, und die so wenig sich einfühlen können, wenn Menschen hadern.

Die Frage nach dem Wesen Gottes, wer er ist, wie er ist, wie und ob er Menschen erscheint, leuchtet herüber aus der Geschichte aus dem 2. Mosebuch, die wir gehört haben, und die uns heute morgen beschäftigen soll. Es ist der Bibelabschnitt, der am Ende der Epiphaniaszeit, die ja auch das Ende des Weihnachtsfestkreises ist, in allen evangelischen Kirchen gepredigt wird. Es ist die Zeit, die Gottes Erscheinen in der Welt zum Thema hat. Unser Text nun spricht von einer ganz besonderen Erscheinung Gottes, die fremd ist und doch auch faszinierend.

In drei Abschnitten verläuft diese Geschichte, und wir wollen sehen, was sie zu uns heute über unsere Frage nach Gott sagen kann. Die Geschichte erzählt von einer Erscheinung, vom Auftrag und vom Namen Gottes.

Die Erscheinung

Die Geschichte beginnt idyllisch, so daß man es sich gut vorstellen kann: Schafe kommen darin vor und Ziegen wahrscheinlich auch, ein Hirte, eine Steppe, die wenig Nahrung gibt für die Tiere, ein Berg. Eine ruhige Szene eigentlich, und doch wissen die Kenner, wieviel Mühe und Einfachheit des Lebens sich in diesen wenigen Worten unserer Geschichte widerspiegelt. Wievielmal wird der Hirte den Weg mit seinen Tieren schon gegangen sein? Wieviel Gewohnheit ist es und wieviel Sorge, die Tiere wieder heil zurückzubringen?

Nun plötzlich bemerkt Mose auf dem vielmals begangenen Weg eine ungewöhnliche Erscheinung. Er sieht einen Busch, aus dem eine Flamme schlägt. Das weckt seine Neugier. Natürlich will er sehen, was da seltsames sich tut. Und er sieht eine Flamme und einen Busch, der nicht verbrennt.

Hier ist etwas Einzigartiges geschehen, etwas, was nicht nachvollziehbar und kaum verstehbar ist. Es ist die Begegnung mit Gott selbst. Und es liegt einer nicht verkehrt, wenn er an andere Begegnungen Gottes mit Menschen denkt, die die Bibel erzählt. Von Abraham wird so schon berichtet: Er solle hinausgehen und die Sterne am Nachthimmel zählen. Und wir denken an Jakob, der in der Nacht mit einem Fremden ringt, und nachdem Jakob sich nicht von der dunklen Gestalt überwinden läßt, wird er gesegnet.

Mose hört nun: „Dieser Gott deiner Väter bin ich.“

So ist das in der Bibel. Begegnung mit Gott, das ist immer ganz persönlich und überraschend, noch nie so dagewesen und auch wahrscheinlich nicht wiederholbar. Ich weiß nicht, ob wir daraus für uns etwas lernen können, aber es heißt doch sicher dies: Gott scheut sich nicht, dort Menschen zu begegnen, wo sie gehen und gerade leben in ihren Gewohnheiten, dort, wo ihre Sorgen sind und die Mühen des Alltages, dort, wo die Fragen sind und vor allem dort, wo einer nicht oder nicht mehr mit ihm rechnet.

Wir sind nicht Mose.

Und doch erwarten viele ja große Zeichen: Das Ende von Not und Gewalt, und daß kein Kind mehr sich ängstigen muß, weil Eltern von Waffen bedroht sind. Das alles müßte Gott tun und noch mehr.

Könnte es aber nicht sein, daß wir aufmerksamer hinhören und hinsehen könnten auf andere Signale Gottes. Wir werden keine brennenden Dornbüsche sehen und keine übernatürlichen Stimmen hören. Aber vielleicht hören wir ihn in der Stimme, die fragt, ob wir einen Moment Zeit haben, ob wir zuhören können. Vielleicht bemerkt ihn auch einer, wenn er hinsehen muß und sich mitfreuen, weil ein Kind fröhlich über den Gehsteig hüpft, weil es vielleicht eine gute Note in der Schule bekommen hat. Es müssen nicht immer die großen Zeichen sein, in denen Gott erscheint. Kleine, verletzliche übersehbare Zeichen sind wahrscheinlicher. Wie ja auch die Liebe eher verletzlich und manchmal übersehbar daherkommt und doch so viel verändern kann.

Wer nur den lieben Gott läßt walten

und hoffet auf ihn allezeit,

den wird er wunderbar erhalten

in aller Not und Traurigkeit.

Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut,

der hat auf keinen Sand gebaut.

Ist das nur ein Liedvers aus alter Zeit, gesungen von einem, dem es gut geht, oder beschreibt er, wie einer Gott begegnen kann? Johann Neumark hat diesen Vers gedichtet, nachdem er auf einer Reise überfallen und ausgeplündert worden war.

Erscheinung Gottes: Merkwürdig eigentlich. Und doch wissen wir, in manchem Krankenzimmer und in mancher schlaflosen Nacht wird dieser Liedvers mit dem eigenen Leben nachbuchstabiert.

Der Auftrag

Unsere Geschichte bleibt nun nicht dabei stehen, daß sie erzählt, wie Gott einem einzelnen Menschen begegnet. Mose hört aus dem Dornbusch etwas von der Geschichte Gottes mit seinen Menschen. Er hört, was er selbst schmerzlich erfahren hat, wie das Volk Israel in Ägypten leiden muß und dies, daß das Elend nun ein Ende haben soll. Israel soll heraus geführt werden aus der Enge in ein Land, in dem Milch und Honig fließt. Ein Leben in Freiheit soll Israel führen. Gott sagt nun zu Mose: „So geh nun du hin, ich will dich senden.“ Und Mose sagt: „Wer bin ich?“ „Wer bin ich schon?“

Man kann das in der Bibel verfolgen. Es gibt keine Begegnung mit Gott ohne Auftrag und keinen Auftrag ohne Einwände. Kaum einer, dem Gott begegnete, willigte ein in den Weg, den Gott für ihn vorgesehen hatte. Wer unser Kapitel im 2. Mosebuch zu Ende liest, der merkt, wie Mose immer wieder neue Einfälle hat, seine Einwände gegen den Auftrag Gottes vorzubringen.

Es ist wohl so: Angesichts einer Aufgabe spürt mancher, wie klein die Kräfte sind und wie kurz der Atem durchzuhalten. Angesichts einer Aufgabe wird der, der ehrlich ist zu sich selbst, sich über seine eigene Situation klar und über seine Möglichkeiten. Wie oft scheitert auch eine an ihrer Aufgabe?

Ist es eine Frage von Qualifikation?

Heute ist es in aller Munde, wie nötig es ist, sich ständig fortzubilden, will man nicht zurückbleiben. In allen Bereichen ist es so.

In unserer Geschichte ist es aber eine Frage von Vertrauen. Mose hört: „Ich will mit dir sein. Ich, Gott, will mit dir sein, verlaß dich nur darauf.“

Könnte es bei einem Auftrag, wenn einer meint: „Wer bin ich schon?“ etwas Schöneres geben als dies, daß einer von Gott hört „Ich will mit dir sein.“?

Wenn einer von uns das heute morgen hörte und es dann damit wagte wäre es schon genug.

Dann könnte es sein, daß eine ihren Auftrag erkennt und in ihrer Einsamkeit sieht, wie sie die Hände falten kann, und so verbunden ist mit den Menschen, an deren Weg sie denkt.

Und es könnte sein, daß einer seinen Auftrag darin sieht dankbarer zu werden, weil er auf der Straße unterwegs schon so oft bewahrt worden ist und ganz knapp am Unfall vorbeigekommen.

Und es könnte sein, daß einer seinen Auftrag spürt darin, doch endlich auch über eigene Fehler hinweg das klärende Gespräch mit der Kollegin zu wagen und dabei merkt, wieviel Befreiung darin stecken kann und Neuanfang.

Die Aufträge sind so verschieden wie unsere Gesichter verschieden sind, und immer führen sie zum anderen, zum Menschen neben mir. Und auf diesem Weg, so weit und so schwer und so unüberwindlich er manchmal erscheinen mag darf jeder dieses unvergleichliche Wort hören: Ich bin mit dir.

Das will gewagt werden.

Der Name Gottes

„Wie ist sein Name?“, so werden die Israeliten ihn fragen, mutmaßt Mose. Wahrscheinlich zu Recht.

Offenbar genügt es Menschen nicht zu sagen: Es gibt einen Gott, an den Väter und Mütter geglaubt haben.

Offenbar reicht es nicht allein, daß sich Gott Müttern und Vätern zu erkennen gegeben hat.

Offenbar hilft es wenig zu sagen: Was den Alten gut war, wird auch für euch gut sein. Es muß wohl noch etwas mehr dazu kommen.

Mose erhält deshalb auf seine Einwände hin ohne Widerspruch diesen „Namen“ Gottes als Antwort. Ein Name, über den heute noch viel gerätselt wird: „Ich werde sein, der ich sein werde.“

Gott verweigert sich nicht und bleibt nicht nur geheimnisvoll, sondern er macht sich mit einem Namen bekannt und läßt sich so ansprechen.

Es ist ein Name, der zwar schwer deutbar ist, aber nun doch in die Zukunft weist, ein Name der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verbindet.

Der erste Monat eines neuen Jahres ist nun schon fast wieder um. Und manchem wird es vorkommen, als sei das Weihnachtsfest schon lange vorbei. Und wir wissen auch nicht, was das Jahr noch mit sich bringen wird.

Heute morgen darf einer, den dabei die Angst befällt das hören: so wie Gott in der Vergangenheit sein Volk herausgeführt hat aus der Not in Ägypten, so wird er auch in Zukunft für Menschen da sein. Gott ist der Herr über die Zeiten. „Ich erweise mich als der Getreue“ sagt der Name in einer anderen Übersetzung.

Wer ist Gott?

Vielleicht merken wir im Blick auf die Erscheinung im Dornbusch, im Auftrag und im Namen Gottes, daß Gott nicht in irgendwelche Formeln paßt. Gott sperrt sich auch gegen die vielen Schablonen, die wir gern bereithalten. Die Geschichte vom brennenden Dornbusch läßt spüren, daß Gott immer auch ein unauslotbares Geheimnis bleibt, ein Geheimnis freilich, das sich seinem Volk zuwendet, den Menschen zuwendet, mir zuwendet. Mit diesem Versprechen können wir unsere Schritte ins Neue Jahr hinein tun wie in ein gutes und weites Land.

Amen.

Gemeinde: Kanon, Jahreslosung

Pfarrerin: Abkündigungen

Gemeinde: EG 70, 5 + 6

Pfarrerin: Fürbittengebet

Gott, Licht und Dunkel, Hoffnungen und Ängste haben wir dir genannt.

Du schenkst uns das Licht des Leben,

wir machen so selten Gebrauch davon.

Wir bitten dich für uns Frauen und Männer,

nicht nur, dass uns ein Licht aufgeht,

wir bitten, dass wir es auch nützen.

Leuchte unsere Wege aus, dass wir nicht in die Irre gehen.

Wir bitten dich für alle,

die kein Land mehr sehen,

die sich nichts zutrauen,

die es schwer mit sich selbst und mit den

Menschen um sich haben,

zeige ihnen Wege aus ihrer Dunkelheit.

Wir bitten für die Menschen in Not,

in Kriegen, für die Menschen auf der Flucht und in Unrechtssystemen,

lass es hell werden auf dieser Erde,

dass sie aufatmen können und endlich

Freude finden am Leben.

Gib uns allen das kostbarste Licht,

das unter uns so spärlich brennt,

gib uns Vertrauen in deine Liebe.

Lass uns spüren, dass du da bist. Amen.

Gemeinde: Abendmahlslied: EG 66, 6-8

Pfarrerin: Gebet:

Gott, du teilst aus, und wir leben davon:

Du gibst Brot, und wir werden satt;

du tränkst uns, und wir leben auf;

du kommst zu uns, und wir sind nicht allein.

Verbunden mit allen Hungrigen

in Jesus, dem Bruder, bitten wir:

Für alle, die hungern nach dem täglichen Brot,

dass unter uns gerechtes Teilen gelingt

und jeder bekommt, was er zum Leben braucht.

Für alle, die hungern nach Gerechtigkeit,

dass ihre Stimme gehört, ihre Arbeit voll bezahlt

und ihre Würde geachtet wird.

Für alle, die hungern nach Liebe,

dass jemand unter uns Zugang findet zu ihrem Herzen und sie herauskommen aus ihrer Einsamkeit.

Gott, du teilst aus, damit wir leben.

Lass uns dankbar empfangen und weitergeben.

Gemeinde: Heilig, heilig, heilig

Pfarrerin und Gemeinde

Gemeinsam beten wir, wie Christus uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft

und die Herrlichkeit

in Ewigkeit. Amen.

Pfarrerin: Einsetzungsworte

Unser Herr Jesus Christus,

in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot,

dankte und brachs und gabs seinen Jüngern und sprach:

Nehmet hin und esset;

Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird.

Solches tut zu meinem Gedächtnis.

Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl, dankte und gab ihnen den und sprach:

Nehmet hin und trinket alle daraus;

Dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.

Solches tut, so oft ihrs trinket, zu meinem Gedächtnis.

Gemeinde: Christe, du Lamm Gottes

Austeilung des Mahls:

Wir sind nun eingeladen, das Brot zu essen und den Wein zu trinken und dabei Gemeinschaft zu haben durch unseren Herrn Jesus Christus.

Nimm hin und iss. So spricht der Herr: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern.

Nimm hin und trink. So spricht der Herr: Wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.

Worte nach der Austeilung:

Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Ich will den Herrn loben allezeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.

Gebet nach dem Mahl:

Du bist uns nahe gekommen in Brot und Wein. Du hast uns angenommen mit unseren Schwächen und Wunden und hast uns reich gemacht mit deiner Herrlichkeit. Das ist ein Vorgeschmack auf dein Kommen am Ende der Zeit. Dafür danken wir dir, Gott. Dir sei Ehre in Ewigkeit. Amen.

Gemeinde: EG 70, 7

Segen:

Geht in diesen Tag, in diese Woche mit dem Segen unseres Gottes.

Gott segne dich und behüte dich,

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.

Orgelnachspiel

Eine Oase unverplanter Zeit

Ein Ruhetag in der Woche wird nicht nur in den zehn Geboten gefordert, er ist auch im Grundgesetz geschützt. Doch die Sonntagsruhe wird ausgehöhlt: In Frankfurt sollen dieses Jahr erstmals an vier Sonntagen die Geschäfte öffnen.

Bild
Sonntagsbrötchen und Sonntagszeitung – weil Behörden, Baumärkte und Möbelhäuser ohnehin geschlossen sind, kann man sonntags das Frühstück guten Gewissens in die Länge ziehen. Erledigen kann man ja ohnehin nichts, egal wie dringend es ist. Doch die kollektive Aus-Zeit „am siebten Tag“ wird immer weiter aufgeweicht. – Foto: Oeser

Sonntags hält das öffentliche Leben inne. Die U- und Straßenbahnen fahren nach einem besonderen Fahrplan, es gibt keinen Berufsverkehr. Auch in den Wohnungen erwacht das Leben später. Endlich einmal ausschlafen, im Schlafanzug frühstücken, Sendung mit der Maus gucken. Der Sonntag gehört der Familie, den Kindern, den Freunden. Er ist eine Oase der unverplanten Zeit oder auch der geplanten Familienrituale. In manchen Familien kommen etwa die Kinder und Enkel immer sonntags zum Kaffee zu den Großeltern,oder es gibt Ausflüge in den Zoo, in den Wald, ins Museum.
Ein solcher Tag der Ruhe ist durch das Grundgesetz geschützt. In Artikel 140 heißt es: „Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung geschützt.“ Doch dieser Schutz wird zunehmend ausgehöhlt. Die Ausnahmegenehmigungen zur Öffnung der Läden häufen sich. Schon hat man sich daran gewöhnt, dass Tankstellen mit ihren Minisupermärkten rund um die Uhr geöffnet haben, und sonntags eben auch Fitness-Studios und Bäckereien.
Der Druck der Wirtschaft auf die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wächst. Flexibilisierung heißt das Zauberwort. Und auch den Verbraucherinnen und Verbrauchern wird die Möglichkeit vom schönen, neuen Einkaufssonntag vorgegaukelt: Einkaufsbummel statt Kaffeetrinken mit der Oma. Doch nüchtern betrachtet bedeutet Sonntagsarbeit, dass es eigentlich keine Sonntage mehr gibt. Dann ist nämlich jeder Tag ein Werktag.
Die Wurzeln dieses einen Tages, der den Alltag unterbricht und dem Leben seinen Rhythmus gibt, liegen in der Religion. Feierten die frühen Christen wie die Juden den siebenten Tag der Woche, den Sabbat, so veränderte sich dieses im Laufe der Zeit. In christlichen Ländern wurde das Gebot der Sabbatheiligung auf den Sonntag, den Tag der Auferstehung, übertragen. Kaiser Konstantin machte im Jahre 321 den Sonntag zum allgemeinen Feiertag im ganzen Römischen Reich. Theologisch gibt es keine Wertigkeit der Sonntage. Alle Sonntage haben die gleiche theologische Wurzel, alle Sonntage sind gleich wichtig.
Der Sonntag ist heute noch der Tag des Sich-Zurücknehmens, des Zu-Hörens, des Spielens, des Miteinanders und für manche auch der Tag des Kirchgangs. Für all dieses nutzt es nichts, wenn die Verkäuferin an der Theke der Bäckerei dann am Mittwoch frei hat. Der Sonntag ist eben auch eine soziale Errungenschaft. Wichtig für das Familienleben, das soziale Miteinander – ob in Kirche oder Verein.
Kurt-Helmuth Eimuth

Evangelisches Frankfurt: Januar 2005 · 29. Jahrgang · Nr. 1

Kein Kinderkram! Bd 1

Anja Berkemeier, Dietmar Böhm, Stefanie Dreißen, Kurt-Helmuth Eimuth u.a.

Die Erzieherinnen- und Erzieherausbildung in Lernfeldern
geeignet für: alle Bundesländer
Schulform: Berufsschule
Beruf: Erzieher

Als zweibändiges Kompendium deckt „Kein Kinderkram!“ die gesamten fachbezogenen Inhalte der Erzieherinnen- und Erzieherausbildung ab. Dabei wurden die Lehrpläne der verschiedenen Bundesländer ebenso berücksichtigt wie die Lernfeldorientierung. In fünf Lernfeldern wird der Stoff in einem für die Zielgruppe ansprechenden Layout, unterstützt durch zahlreiche Farbfotos, aufbereitet. Eine Gruppe von Studierenden als „Musterklasse“ schafft in den jeweiligen Einstiegssituationen der Kapitel den Praxisbezug für die Auszubildenden. Die beiden Bücher sind chronologisch, analog dem Ausbildungsfortschritt, aufgebaut. In den jeweiligen Aufgabenkomplexen pro Kapitel wird der geforderten Handlungsorientierung besonders Rechnung getragen.

Vorwort

Erzieherinnen* bilden. Und wer bildet, muss selbst gebildet sein. Muss etwas wissen von dem, wie kleine und größere Menschen lernen. Muss die Zusammenhänge verstehen. Muss bereit sein sich lebenslang „weiter“zubilden. Und wer Bildungsprozesse selbst gestalten will, muss sein eigenes Wirken kennen.

Es ist keineswegs kinderleicht, sich mit diesem „Kinderkram“ auseinander zu setzen. Wie bedeutend die Bildungsprozesse von Anfang an sind, ist der Allgemeinheit in der Diskussion um die Ergebnisse der PISA-Studie bewusst geworden. Der Bildungsauftrag in Kindertagesstätten und Horten besteht schon lange. Schließlich ist die Erkenntnis sprichwörtlich: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!“

Die Anforderungen an diejenigen, die solches umsetzen sollen, sind enorm. Anforderungen, denen sich nicht nur jede Erzieherin und jeder Erzieher stellen muss, sondern denen sich auch dieses vorliegende Lehrbuch stellt Es ist das erste Werk dieser Art, das als zweibändiges Kompendium die wesentlichsten Inhalte der Erzieherausbildung abbildet Dabei wurden die Lehrpläne der einzelnen Bundesländer ebenso wie die Lernfeldorientierung berücksichtigt. Eine Gruppe von Studierenden beschreibt eingangs eine Situation in einer Tageseinrichtung für Kinder, die im anschließenden Kapitel theoretisch aufgearbeitet wird. Fragen zur Vertiefung und der Hinweis auf weiterführende Literatur runden die einzelnen Kapitel ab.

„Kein Kinderkram!“ hat den Anspruch, die wesentlichsten Inhalte für den Beruf der Erzieherin übersichtlich zusammengestellt zu haben. Es stellt eine Sammlung dessen dar, was eine Erzieherin heute in der Ausbildung mindestens gelernt haben sollte. Nicht mehr und nicht weniger. Insofern kann sich jede Studierende am Ende der Ausbildung selbst prüfen, ob sie fit für den Beruf ist Und sicher eignet sich dieses Werk auch als Nachschlagewerk für die Einrichtungen. Hier kann man eben mal schnell nachschlagen, was bei der Projektarbeit zu beachten ist wie ein Beobachtungsbogen aussehen könnte oder ob denn offene Planung auch in der eigenen Einrichtung machbar ist.

„Kein Kinderkram!“ wurde von einem Autorenteam aus Fachschulen der verschiedenen Bundesländer erarbeitet Es ist ein Buch aus der Praxis für die Praxis. Deshalb würde sich das Autorenteam auch über Rückmeldungen aus der Praxis freuen.

Im Januar 2005

Kurt-Helmuth Eimuth
im Namen des Autorenteams

Eine Oase unverplanter Zeit

Sonntagsbrötchen und Sonntagszeitung – weil Behörden, Baumärkte und Möbelhäuser ohnehin geschlossen sind, kann man sonntags das Frühstück guten Gewissens in die Länge ziehen. Erledigen kann man ja ohnehin nichts, egal wie dringend es ist. Doch die kollektive Aus-Zeit „am siebten Tag“ wird immer weiter aufgeweicht. - (Foto unabh. entnommen von: Wikimedia/Deut. Bundesarchiv)

Evangelisches Frankfurt: Januar 2005 · 29. Jahrgang · Nr. 1

Eine Oase unverplanter Zeit

Sonntags hält das öffentliche Leben inne. Die U- und Straßenbahnen fahren nach einem besonderen Fahrplan, es gibt keinen Berufsverkehr. Auch in den Wohnungen erwacht das Leben später. Endlich einmal ausschlafen, im Schlafanzug frühstücken, Sendung mit der Maus gucken. Der Sonntag gehört der Familie, den Kindern, den Freunden. Er ist eine Oase der unverplanten Zeit oder auch der geplanten Familienrituale. In manchen Familien kommen etwa die Kinder und Enkel immer sonntags zum Kaffee zu den Großeltern,oder es gibt Ausflüge in den Zoo, in den Wald, ins Museum.
Ein solcher Tag der Ruhe ist durch das Grundgesetz geschützt. In Artikel 140 heißt es: „Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung geschützt.“ Doch dieser Schutz wird zunehmend ausgehöhlt. Die Ausnahmegenehmigungen zur Öffnung der Läden häufen sich. Schon hat man sich daran gewöhnt, dass Tankstellen mit ihren Minisupermärkten rund um die Uhr geöffnet haben, und sonntags eben auch Fitness-Studios und Bäckereien.
Der Druck der Wirtschaft auf die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wächst. Flexibilisierung heißt das Zauberwort. Und auch den Verbraucherinnen und Verbrauchern wird die Möglichkeit vom schönen, neuen Einkaufssonntag vorgegaukelt: Einkaufsbummel statt Kaffeetrinken mit der Oma. Doch nüchtern betrachtet bedeutet Sonntagsarbeit, dass es eigentlich keine Sonntage mehr gibt. Dann ist nämlich jeder Tag ein Werktag.
Die Wurzeln dieses einen Tages, der den Alltag unterbricht und dem Leben seinen Rhythmus gibt, liegen in der Religion. Feierten die frühen Christen wie die Juden den siebenten Tag der Woche, den Sabbat, so veränderte sich dieses im Laufe der Zeit. In christlichen Ländern wurde das Gebot der Sabbatheiligung auf den Sonntag, den Tag der Auferstehung, übertragen. Kaiser Konstantin machte im Jahre 321 den Sonntag zum allgemeinen Feiertag im ganzen Römischen Reich. Theologisch gibt es keine Wertigkeit der Sonntage. Alle Sonntage haben die gleiche theologische Wurzel, alle Sonntage sind gleich wichtig.
Der Sonntag ist heute noch der Tag des Sich-Zurücknehmens, des Zu-Hörens, des Spielens, des Miteinanders und für manche auch der Tag des Kirchgangs. Für all dieses nutzt es nichts, wenn die Verkäuferin an der Theke der Bäckerei dann am Mittwoch frei hat. Der Sonntag ist eben auch eine soziale Errungenschaft. Wichtig für das Familienleben, das soziale Miteinander – ob in Kirche oder Verein.
Kurt-Helmuth Eimuth

Evangelisches Frankfurt: Januar 2005 · 29. Jahrgang · Nr. 1

Spenden ist Bürgerpflicht

Evangelisches Frankfurt, Januar 2005

Spenden ist Bürgerpflicht

Globalisierung bekam in den letzten Wochen ein menschliches Gesicht. Nach der Tsunami-Katastrophe nahm die Menschheit Anteil am Schicksal der Völker in Südasien. Es wurde in seltener Eintracht gesammelt und gespendet. Selbst Deutschlands Elitefußballer trafen sich zum Kick zugunsten der Opfer. Möglicherweise wächst hier eine neue Form von Bürgerengagement. Tradition hätte das. Gerade Frankfurt verdankt dem Gemeinsinn seiner Bürgerinnen und Bürger viel, zum Beispiel das Clementinenhospital oder das Senckenberg-Museum. Auch die Kirche wird für ihre Arbeit künftig verstärkt auf Spenden angewiesen sein. Trotz Kirchensteuer, denn diese zahlt nur jedes dritte Mitglied. Hier zeigt sich der steigende Altersdurchschnitt der Gesellschaft. Der Pressesprecher der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Stephan Krebs, verweist zu Recht darauf, dass viele ältere Mitglieder zwar gute und sehr gute Renten und Pensionen erhalten, aber keine oder nur wenig Kirchensteuern zahlen. Fundraising und Sponsoring – wie das Spendensammeln auf Neudeutsch heißt – müssen zum zweiten Standbein der Kirchenfinanzierung werden. Neue Ideen gibt es bereits, zum Beispiel ein Bonus-Modell, das Gemeinden ermutigen soll, sich auf diesen Weg zu begeben: Für drei eingeworbene Euros legt die Landeskirche noch einen zusätzlich in den (virtuellen) Klingelbeutel. Professionelle Spendensammler können durch Information Lust aufs Spenden machen. Wer die Not der anderen kennt, hilft gerne. Auch eine kleine menschliche Schwäche kann man sich zunutze machen: Wer möchte nicht, dass sein Name, seine Person unvergesslich werden? Einen Weg hierzu bieten Stiftungen, die dann meist nach den wohl betuchten Stiftern oder Stifterinnen benannt werden. Der Vorteil liegt auf der Hand: Stiftungen können für die laufende Arbeit nur ihre Zinserträge verwenden und sind deshalb auf Dauer angelegt. So mancher sozialen Einrichtung kann mit einem Stiftungskapital von 100000 Euro geholfen werden – immerhin bringt es etwa 5000 Euro an Zinsen pro Jahr. Die Gesellschaft ist ebenso wie die Kirche auf die Solidarität derer angewiesen, die etwas geben können. Wenn man nicht will, dass sich die Kirche aus immer mehr Arbeitsfeldern zurückzieht, reicht es nicht zu sagen: „Die Kirche soll mal machen.“ Denn die Kirche sind wir alle.
Kurt-Helmuth Eimuth

Evangelisches Frankfurt, Januar 2005

Christvesper, Obereisenhausen

Christvesper, Obereisenhausen 2004

Marion Eimuth

Einzug Projektchor mit Kerzen:

Sanctus Dominus (Kanon auf Empore)

Begrüßung:

Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit.

Mit diesen Worten aus dem Johannesevangelium begrüße ich Sie heute abend zur Christvesper.

Wir feiern miteinander, dass Jesus in die Welt gekommen ist, damit es heller werde auf dieser dunklen Welt.

Mit den Liedern, die wir heute singen, und der Musik, die wir hören, wollen wir Gott loben und wir wollen hören, was uns der Evangelist Lukas von der Geburt Jesu erzählt.

Gemeindelied: 35, 1-4: Nun singet und seid froh

Votum:

Wir beginnen diesen Weihnachtsgottesdienst im Namen Gottes. Gott ist Liebe.

Jesus Christus lehrt uns an Weihnachten

die Welt mit den Augen eines Kindes zu sehen.

Gottes Geist lässt längst abgestorbenes Leben neu sprießen. Amen

Psalm 2: im Wechsel

Chor: Maria durch ein Dornwald ging

Schriftlesung:

Lukas 2, 1-7

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.

Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Flöten: Corelli

Schriftlesung:

Lukas 2, 8 – 14

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Gemeindelied: EG 49, 1-4 Der Heiland ist geboren

Schriftlesung:

Lukas 2, 15:

Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.

Chor: Weil Gott in tiefster Nacht

Schriftlesung:

Lukas 2, 16 – 17

Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war.

Posaunenchor

Schriftlesung:

Lukas 2, 18 – 20

Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatt, wie denn zu ihnen gesagt war.

Flöten: Marsch von Händel

Meditation:

Der Engel –

Geheimnisvolle Gestalt der Weihnachtsgeschichte.

Keiner hat ihn gesehen,

aber – was wäre Weihnachten ohne ihn?

Der Engel –

Das ist der, der das Unsagbare benennt.

Der das Unerklärbare sagt.

Der das Verhüllte aufdeckt.

Ohne seine Stimme

wäre das Kind in der Krippe

nur ein Kind der Armut geblieben.

Seine Stimme deutete;

Euch ist heute der geboren, der Heilung bringt.

Geht hin und schaut.

Werden wir die Stimme der Engel hören,

die heute erklären, deuten, hinweisen?

Engel –

Gibt es nicht nur damals.

Gottes Engel haben gewiß keine Flügel,

aber sie haben Stimme.

Man kann sie hören.

Wenn ich nun einen Engel sehe –

in welcher Form und Gestalt auch immer

am Weihnachtsbaum oder über einer Krippe,

dann will ich daran denken:

Gottes Engel haben Stimme.

Man kann sie hören –

Bis zum heutigen Tage.

Gemeindelied: EG 30, 1-4 Es ist ein Ros entsprungen

Predigt:

Liebe Gemeinde!

Nun können wir zur Ruhe kommen.

Die Vorbereitungen sind abgeschlossen. Das Fest kann beginnen.

Hinter uns liegen Wochen der Planung und hek­tischen Betriebsamkeit. Geschenke mußten aus­gesucht und besorgt, verpackt und verschickt werden.

Ich lade Sie ein, auf das zu hören, was der Anlaß für die vielfältigen Aktivitäten der letzten Wochen war. Wie notwendig dieses ist, zeigte eine kurze Blitzumfrage in meiner Schule. Die Schülerinnen und Schüler konnten den Sinn des Weihnachtsfestes nicht benennen. Auferstehung sei da gewesen oder zumindest die Kreuzigung.

Erinnerung und Vergewisserung ist die Grundvoraussetzung um sich in der Geschichte, in der eigenen Tradition zu verorten. Ohne Erinnerung wissen wir nicht wo wir her kommen, wo wir stehen und wo wir womöglich hingehen.

Ich lade Sie ein, sich mit mir heute Abend der Ursprünge des Weihnachtsfestes zu vergewissern.

Ich lade Sie ein, sich mit mir auf die Suche nach den Wurzeln der Weihnachtsgeschichte zu machen.

Die eben gehörte Weihnachtsgeschichte nach dem Evangelisten Lukas ist wohl eine der bekanntesten Erzählungen der Bibel. Von Anfang an waren die Christinnen und Christen eine Erzählgemeinschaft. Sie erzählten sich die Geschichten von Jesu Kreuzigung, von seiner Auferstehung, aber auch Geschichten aus dem Leben Jesu, wie er Kranke heilt und wie er Menschen am Rande der Gesellschaft, den Niedrigen, den Armen, den kleinen Leuten, neue Hoffnung und neuen Mut zum Leben gibt.

Diese Geschichten vermitteln den Gott, von dem Jesus erzählte. Sie tragen diesen Gott auch heute noch zu uns.

Markus war der erste, der diese Geschichten von Jesus aufgeschrieben hat. Bis dahin wurden sie meistens mündlich überliefert. Nur weniges war schon schriftlich fixiert.

Doch in dem Evangelium des Markus fehlt die Weihnachtsgeschichte. Vermutlich wird er von Jesu Geburt noch nichts gewußt haben. Weihnachten wurde zur Zeit des Markus nicht gefeiert.

Einige Zeit später kam dann die Frage auf: wie hat es eigentlich mit dem Leben Jesu angefangen? Denn über sein Leben, sein Wirken und Predigen, sein Tod und seine Auferstehung war viel erzählt und weitergegeben worden. Doch von der Familie und der Kindheit des Mannes aus Galiläa wusste man nichts.

Dann, irgendwann in der Zeit als Lukas sein Evangelium schrieb, war die Weihnachtsgeschichte da. Die Geschichte, die vom Stall erzählt, von der Krippe, von Hirten und Engeln und vom Frieden auf Erden.

Dann gab es noch eine zweite Weihnachtsgeschichte. Sie hat der Evangelist Matthäus aufgeschrieben. Es ist die Geschichte vom Stern, der stehen blieb über dem Haus in dem Jesus geboren wurde und die die Sterndeuter aus dem Zweistromland von Euphrat und Tigris zu Jesus kommen ließ.

Beide Geschichten haben ihre eigene Vorgeschichte. Beide sind eigentlich miteinander nicht verein­bar. Sie können nicht vermengt werden. Bei unseren Weihnachtsbildern bringen wir sie aber zusammen. Bei der Krippe sind die Sterndeuter inzwischen Könige geworden, die neben den Hirten stehen, und der Stern steht über dem Stall.

Allerdings ist beiden Überlieferungen gemeinsam, daß sie das Geheimnis von Jesu Geburt beschreiben. Seine Nähe zu Gott, die auch uns berührt und uns Gott näher bringen will.

Etwas genauer gehe ich auf den Evangelisten Lukas ein: Seine Worte haben wir in dieser Christvesper gehört. Sie sind etwa 60 Jahre nach Jesu Tod und Auferstehung aufgeschrieben worden. Die ersten Christinnen und Christen wußten nichts über Jesu Geburt, aber sie kannten sein Ende. Sie wußten, daß die Menschen für Jesus keinen Platz hatten. Sie wußten, dass Jesus aus unserer Welt herausgedrängt wurde; sie wußten vom Kreuz ebenso wie von Jesu Aufer­stehung. Und für sie war klar: so wie das Ende so muß auch der Anfang gewesen sein.

Für Jesus gab es keinen Platz in unserer Welt, damals nicht, am Kreuz und damals nicht als er geboren wurde. Kein Raum in der Herberge, keine Wiege, kein Bett. Im Abseits wird er geboren, in einem Stall oder in einer Höhle.

So wird es wohl gewesen sein, dachten die ersten Christinnen und Christen.

Ein Kreuz am Ende – eine Krippe am Anfang. So wird Jesus in unsere Welt gekommen sein. Die Welt hatte für ihn keinen Platz. Damals wie heute. Die ersten Christinnen und Christen erzählten also den Anfang vom Ende

her. Sie wußten von Ostern, von Kreuz und Auferstehung. Wer das weiß, versteht, daß die Krippe in unserer Weihnachtsgeschichte Jesu Kreuz vertritt. Aber zum Kreuz gehört die Auferstehung.

So wie Gott sich am Ende, am Grab, durch einen Engel zu Wort gemeldet hat, so wird er sich auch am Anfang ge­meldet haben. Engel sind erschienen und haben gesagt: der Heiland ist geboren, denn Gott liebt uns Menschen und Frieden soll sein auf Erden.

Wer das weiß, versteht, daß die Engel in unserer Weihnachtsgeschichte den Gott vertreten, der dem Tod widersprochen hat, weil er will, daß wir leben.

Wem werden die Engel wohl erschienen sein, bei Jesu Geburt?

Bekannt war, daß Jesus zu den Ausgestoßenen und Außenseitern gegangen ist und ihnen vom Reich Gottes erzählt hat. Eben solchen Leuten werden auch die Engel erschienen sein, wie z.B.den Hirten. Sie waren nachts bei ihren Schafen. Die Hirten galten als Diebesgesindel und Lügner. Vor Gericht waren sie als Zeugen nicht zuge­lassen. Für die ersten Christinnen und Christen war klar: diesen Menschen wurde die gute Nach­richt von Jesu Geburt zuerst übermittelt.

Auch die Frage, wo das Ereignis stattgefunden hat, war für die junge Christenheit keine offene Frage. Die ersten Christinnen und Christen glaubten und wußten, daß Jesus der Christus, der Messias ist. Die alten Weissagungen über Gottes Gesalbten, seinen Messias, be­richten, daß er aus der Stadt Davids und aus seinem Geschlecht kommen soll.

Die Stadt Davids ist Bethlehem. Demnach muß Jesus in Bethlehem geboren sein. Obwohl die Geschichte von Jesus in Nazareth, seiner Vater­stadt, und nicht in Bethlehem erzählt wird.

Doch Lukas weiß, daß damals diese Volkszählung stattfand, die soviel Unruhe ins Land brachte. Alle mußten sich in die römischen Listen ein­schreiben lassen, und zwar an ihrem Geburtsort. Deshalb mußten sich auch die Eltern von Jesus in Bethlehem einschreiben. Und in Bethlehem wurde Jesus dann geboren. Gott führt die Menschen ja manchmal seltsame Wege.

So könnte die Weihnachtsgeschichte entstanden sein, die Lukas aufgeschrieben hat. Diese Ge­schichte will keine niedliche Idylle schildern, sondern zeigen, wie in scheinbarer Armut und Ausweglosigkeit Gottes Liebe hineinspricht. Sie zeigt etwas von Gottes Liebe, die leuchtet.

In der Weihnachtsgeschichte, die uns Lukas überliefert hat, können alle erfahren, daß Gott

zu uns gekommen ist. Er ist zu den Hirten eben­so gekommen, wie zu denen, die heute einsam in ihren Wohnungen sitzen. Er ist zu denen gekommen, die diesen Tag im Krankenhaus ver­bringen müssen, ebenso wie zu denen, die den Verlust eines lieben Menschen beklagen.

Uns allen begleitet das Licht, das vom Kind in der Krippe ausgeht.

Ich hoffe, daß dieses Leuchten die dunklen Orte unserer Erde und die dunklen Orte unseres Lebens erhellt, tagtäglich und eben auch heute, an diesem Heiligen Abend 2004 hier in Steffenberg.

Amen.

Gemeindelied: EG 45, 1-4 Herbei, o ihr Gläubigen

Pfarrerin: Fürbittengebet

Guter Gott,

schenke uns dein Weihnachten:

dass wir Dir vertrauen wie die Kinder

und darauf hoffen, dass Du bei uns bist,

als Mensch unter Menschen,

als unser Bruder.

Schenke uns Zuversicht, wenn alle Hoffnung uns verlässt;

Lass den Zauber deines Festes unter uns sein,

dass wir uns miteinander freuen

und im Vertrauen auf Dich leben können.

Sei Du bei allen,

die heute nicht mit Menschen zusammen sind:

bei den Einsamen

  1. die ihre Einsamkeit besonders bedrückend erleben; bei den Gefangenen
  2. dass sie Zuversicht und Hoffnung gewinnen auf einen neuen Anfang; bei den Kranken
  3. dass sie wissen: Du bist bei ihnen. Sei Du bei allen, die im Streit leben:
  4. dass sie es neu miteinander versuchen;
  5. dass sie Wege finden, miteinander zu leben.

Hilf denen, deren Wege sich trennen, Abschied zu nehmen. Hilf ihnen über den Trennungsschmerz hinweg.

Sei Du bei allen, die sich um ihren Arbeitsplatz sorgen oder die so notwendig einen suchen. Schenke ihnen Mut und Zuversicht.

Schenke allen Vertrauen auf Dich,

dass sie Dich finden und suchen.

Schenke Frieden auf Erden,

im Nahen wie im Fernen,

in unserer Familie, in unserem Land, in unserem Kontinent und in der ganzen Welt.

Und was uns persönlich bewegt, tragen wir in der Stille vor Dich

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Gemeindelied: EG 44, 1-3 O du fröhliche

Segen:

Geht in diesen Abend unter dem Segen unseres Gottes:

Gott segne dich und behüte dich,

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich und

gebe dir Frieden. Amen.

Posaunen

Diesseits und jenseits des Autobahnkreuzes

Die Kirche steht in Hausen noch mitten im Dorf. Die drei Gemeindebezirke Alt-Hausen, Westhausen und Industriehof werden jedoch durch breite Straßen und die Autobahn voneinander getrennt. (Foto: T.h./Wikimedia, Aufnahme unabh. vom Artikel)

Evangelisches Frankfurt: Dezember 2004 · 28. Jahrgang · Nr. 7

Diesseits und jenseits des Autobahnkreuzes

Der Stadtteil Hausen ist ein altes Dorf. Und die Kirche steht hier, wie es sich gehört, mitten im Dorf, und gegenüber der Kirche das Pfarrhaus, gebaut 1775. Doch um die Gebäude herum hat sich in den letzten Jahrhunderten so ziemlich alles verändert. Von dörflichen Strukturen kann kaum mehr die Rede sein. Im Grunde besteht die Kirchengemeinde heute aus drei eigenständigen Teilen. Da ist der alte Dorfkern, dann Westhausen mit der May-Siedlung, und zum dritten der Industriehof, in dem heute einige Outlet-Läden und die neue Börse untergekommen sind. Daneben gibt es die alten Siedlungsbauten aus den 50er Jahren. Neben Gemeinde-, Pfarrhaus und Kirche in Alt-Hausen gibt es auch noch einen Gemeindestützpunkt in Westhausen, zwischen Liebig-Schule und Westhausener Friedhof gelegen. Auch dort finden regelmäßig Gottesdienste statt. „Eigentlich“, konstatiert Pfarrer Holger Wilhelm, „sind es in der Wahrnehmung zwei Gemeinden“. Nach der Reduzierung der Pfarrstellen erlebe die Gemeinde so etwas wie eine „gefühlte Fusion“. Während früher die beiden Stadtteile links und rechts der vierspurigen Ludwig-Landmann-Straße und der A 66 jeweils eigenständige Pfarrbezirke waren, versorgt Pfarrer Wilhelm das ganze Gebiet jetzt (fast) alleine. Im Pfarramt wird er unterstützt von Jürgen Moser, der als hauptamtlicher Dekan des Dekanates Nord aber nur einen kleinen Teil seiner Arbeitskraft der Gemeinde widmen kann. Pfarrer Wilhelm will „die Dinge zusammenführen“. Wahrlich keine einfache Aufgabe, trennen doch die Stadtteile Straßen von den Ausmaßen eines Autobahnkreuzes. Wilhelm, der erst zwei Jahre in der Gemeinde ist, weiß aus Berichten, dass man vor dem Bau der A66 über die Wiesen von Westhausen in die Kirche kam. Auch heute ist dieses möglich. „Aber es fühlt sich völlig anders an.“ Trotz dieser städtebaulichen Hürde ist die Gemeinde mit ihren 2300 Mitgliedern vielfältig engagiert, ist Gastgeberin für eine westafrikanische, japanische und koreanische Gemeinde, bietet ein „Wellnessprogramm“ für Geist und Seele, zählt ein Marionettentheater zu ihren Angeboten, hat einen jungen Organisten, der Bewährtes schätzt und Neues ausprobiert, lädt zu alternativen Gottesdiensten ein, veranstaltet jährlich einen großen Basar und vieles mehr. Besonders freut sich Wilhelm über die zwanzig Konfirmandinnen und Konfirmanden, eine für diese Gemeinde große Zahl. Bewegt und beherzt unterstützen die Hausener auch den Unterhalt ihrer Kirche. 70000 Euro haben sie bisher aus eigenen Mitteln aufgebracht. Wer die Gemeinde kennen lernen will, kann dies zum Beispiel bei einem Vortrag von Pfarrer Wilhelm am Mittwoch, dem 8. Dezember, um 15 Uhr im Gemeindezentrum, Alt Hausen. Der Theologe, der einen Studienaufenthalt in Südafrika verbrachte, berichtet unter dem Titel „Christbaum und Sonnenbrand“ von den Weihnachtsbräuchen auf der Südhalbkugel.
Kurt-Helmuth Eimuth
Evangelisches Frankfurt: Dezember 2004 · 28. Jahrgang · Nr. 7

Erste Hilfe für die Seele

Der ZDF-Gottesdienst am Sonntag, 10. Oktober, wurde aus dem Frankfurter Feuerwehrzentrum am Marbachweg gesendet. Die Ausbildungshalle der Feuerwehr diente als Gottesdienstraum. Das Kreuz an der Wand war aus zwei Leitern gebildet worden. Feuerwehr, Brandschutz und Rettungsdienste feierten gemeinsam mit der Notfallseelsorge den Gottesdienst.
Die Rettungsdienste und Notärzte leisten erste Hilfe für den Körper des Menschen. Die Feuerwehr leistet technische erste Hilfe. Die Aufgabe der Notfallseelsorge ist die erste Hilfe für die Seele. Die Arbeit geschieht meist im Verborgenen. Wenn eine Mutter ihr Kind leblos im Bett findet oder wenn einer Ehefrau die Nachricht vom Tod ihres Mannes überbracht werden muss, dann, so Notfallseelsorger Dieter Roos, „schreit die Seele“. Die Notfallseelsorge kommt jedoch nicht nur bei den direkt Betroffenen und Angehörigen zum Einsatz. Der persönliche Beistand von Feuerwehrleuten, Rettungsdiensten, anderen Einsatzkräften ist genauso wichtig und notwendig, weil viele der Hilfeleistenden mit der Verarbeitung einer schwierigen Situation oftmals nicht alleine zurechtkommen.
In seiner Predigt betonte Dieter Roos, dass es immer wieder darum gehe, die Nöte der Menschen zu verstehen und sie auch in diesen Extremsituationen miteinander auszuhalten. „Wir können uns gemeinsam an Gott wenden. Wo menschliche Worte an ihre Grenzen stoßen, ist für viele Menschen das Gebet das Einzige, was sie trägt.“

Kurt-Helmuth Eimuth
Evangelisches Frankfurt November 2004

Die Taufe ist ein Anfang

Taufgottesdienst, 10. 10. 2004

Gethsemanekirche

Predigttext: aaronitischer Segen

Marion Eimuth

Begrüßung und Votum:

Guten Morgen

Ich begrüße die Kinder und alle Erwachsenen sehr herzlich zu diesem Taufgottesdienst, den wir heute miteinander feiern!

Mo, Nomi und Keanu werden heute getauft. Mit der Taufe danken wir Gott für die Einmaligkeit, die mit jedem Kind neu geboren wird.

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes, der uns das Leben schenkt.

Und im Namen Jesu,

der uns zu leben lehrt.

Und im Namen des Heiligen Geistes,

der uns am Leben hält. Amen.

Lied: EG 445, 1-5, Gott des Himmels..

Psalm: 1, Nr. 702

Im Wechsel:

Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen noch tritt auf den Weg der Sünder

Noch sitzt, wo die Spötter sitzen,

sondern hat Lust am Gesetz des Herrn

und sinnt über seinem Gesetz Tag und

Nacht!

Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit,

und seine Blätter verwelken nicht.

Und was er macht, das gerät wohl.

Aber so sind die Gottlosen nicht,

sondern wie Spreu, die der Wind verstreut.

Darum bestehen die Gottlosen nicht im

Gericht noch die Sünder in der

Gemeinde der Gerechten.

Denn der Herr kennt den Weg der Gerechten,

aber der Gottlosen Weg vergeht.

Kommt lasst uns anbeten

Gemeinde: Ehr sei dem Vater und dem Sohn

Ankündigung der Taufe und Taufbefehl:

An einem Tag wie diesem freuen wir uns – bejahen die Welt, die uns glücklich macht. Aber sie macht auch Sorgen. Wir zweifeln, ob es uns gelingt, in Güte und Frieden miteinander zu leben.

Jesus sagt: Fürchtet euch nicht! Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Darum geht hin und macht zu Jüngerinnen und Jüngern alle Völker: Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Denn ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Mt. 28, 19-20)

Gebet:

Guter Gott, wie gut ist es zu wissen,

dass du zu uns stehst und uns liebhast.

Wie gut ist es zu spüren und zu erfahren,

dass Menschen um uns sind,

die es gut mit uns meinen und für uns da sind.

Wir danken dir für die Kinder,

die uns anvertraut sind.

Wir danken dir für die Eltern, die für uns da sind und uns ins Leben geleiten.

Wir danken dir für die Geschwister und Freunde, mit denen wir spielen und vieles miteinander erleben und bewältigen können.

Wir sind hier in deinem Namen zusammen, um dich miteinander zu loben.

In deinem Namen taufen wir diese Kinder und bitten dich um deinen Segen für sie und für das, was wir tun. Amen.

Taufansprache:

Liebe Kinder, liebe Eltern, liebe Gemeinde,

wir wollen heute morgen, Mo, Nomi und Keanu taufen. Wir wollen die Kinder Gott anvertrauen und sie unter seinen Segen stellen.

Die Taufe ist keine christliche Erfindung, sondern stammt aus der jüdischen Tradition.

Soweit wir wissen, hat Jesus keine Menschen getauft. Aber er selbst hat sich taufen lassen, bevor er anfing herumzuziehen und den Leuten Geschichten von Gott und von einem besseren, gerechteren Leben zu erzählen.

Jesus ist damals zu Johannes, der auch Täufer genannt wurde, an den Jordan gegangen.

Der Jordan ist auch heute noch der größte Fluß in Israel. Johannes hat Jesus im Fluß untergetaucht, so wurde damals getauft. Heute taufen wir, indem wir Wasser über den Kopf geben.

Wasser brauchen wir zum Leben. Zum Trinken, wenn wir Durst haben, und für die Pflanzen zum Wachsen und für die Tiere.

Wasser ist auch zum Waschen ganz wichtig, damit wir nicht ständig klebrig und stinkend in der Gegend herumlaufen müssen. Und Wasser zum Schwimmen ist gerade im Sommer eine tolle Sache.

Alles Leben kommt aus dem Wasser: Die kleinen Planktons und Amöben im Meer und in den Seen genauso wie wir Menschen.

Bevor wir geboren werden, schwimmen wir im Wasser in einer kleinen Blase, die erst platzen muss, damit wir auf diese Welt und in dieses Leben kommen können.

Aber Wasser kann auch gefährlich sein. Wir erleben oder sehen das, wenn es so heftig regnet, dass das Wasser nicht mehr abfließt, sondern in die Keller und Häuser eindringt. Und wenn die Flüsse über ihre Ufer treten, dann wird es gefährlich. Oder auch, wenn wir im Schwimmbad jemanden zu lange untertauchen, kann das gefährlich werden.

Bei der Taufe denken wir an beide Seiten vom Wasser: An das Wasser, das unser Leben bedeutet. Und an das Wasser, in dem wir auch umkommen können.

Die Taufe ist ein Anfang. Durch die Taufe will Gott sagen: Ich kenne dich, ich bin bei dir. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Ich brauche mir nicht erst bei Gott einen Namen zu machen. Für ihn bin ich so wichtig und wertvoll, dass bei der Taufe mein Name mit seinem Namen verbunden wird. Ich gehöre zu Gott.

Die Taufe ist kein „Wundermittel“, das mich vor Krankheit oder Gefahren schützt. Aber ich weiß: Gott hat mich lieb, er meint es gut mit mir, er lässt mich nicht allein.

Mo, Nomi und Keanu werden auf den Namen Gottes getauft und somit in die Gemeinschaft der Christenheit aufgenommen. Sie sind Kinder von Gott.

Taufkerze:

Zur Erinnerung an Jesu Tod und Auferstehung wird in der Osternacht die Osterkerze angezündet. An dieser Kerze werden alle Taufkerzen angezündet. Die Taufkerze soll uns daran erinnern, wie von Jesus ein besonderes Licht ausgegangen ist, das noch heute in uns weiterbrennt.(Kerzen anzünden).

Tauflied: Liedblatt

Glaubensbekenntnis:

Lasst uns Gott loben und preisen mit dem Bekenntnis unseres Glaubens:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde;

und an Jesus Christus,

seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,

empfangen durch den Heiligen Geist,

geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus,

gekreuzigt, gestorben und begraben,

hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten,

aufgefahren in den Himmel;

er sitzt zur Rechten Gottes,

des allmächtigen Vaters;

von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,

die heilige, christliche Kirche,

Gemeinschaft der Heiligen,

Vergebung der Sünden,

Auferstehung der Toten

Und das ewige Leben . Amen.

Tauffrage:

Nun wende ich mich besonders an Sie, liebe Eltern, Paten und Taufzeuge:

Sie sind es, die ihre Kinder hier zur Taufe bringen.

Von Ihnen werden die Kinder lernen, welche Wege zum Leben führen.

Ich frage Sie:

Wollen Sie, dass diese Kinder in den Namen des dreieinigen Gottes getauft werden, so antworten Sie: „Ja“.

Wollen Sie auch dazu beitragen, dass diese Kinder das Evangelium von Jesus Christus kennen lernen und den Weg in die christliche Gemeinde finden, so antworten Sie: „Ja, mit Gottes Hilfe“.

So taufen wir diese Kinder und hoffen, dass sich unser Glaube bewährt.

Taufhandlung:

Sarah-Mo, ich taufe dich auf den Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Taufspruch: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. (Ps 23, 1)

Kreuzzeichen – Friede sei mit dir.

Nomi-Noelle, ich taufe dich auf den Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Taufspruch: Denn ich weiß, an wen ich glaube (2. Tim. 1, 12)

Kreuzzeichen – Friede sei mit dir.

Keanu-Luis, ich taufe dich auf den Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Taufspruch: Alle eure Dinge lasset in Liebe geschehen (1. Kor. 16, 14)

Kreuzzeichen – Friede sei mit dir.

Segen für die Eltern,

Liebe Eltern,

Gott segne Sie, er behüte Sie und mache Sie stark. Er mache Ihre Liebe kräftig und Ihre Geduld unverwüstlich. Er lasse Sie Zeit und gute Einfälle finden für Ihre Kinder.

Er gebe Ihnen und Ihren Kindern alles, was gut ist und glücklich macht. Amen.

Gebet eines Paten:

Dankgebet:

Guter Gott, uns liegen die Kinder am Herzen.

Du willst, dass sie für uns sehr wichtig sind. So bringen wir unsere Wünsche und Bitten für sie vor dich.

Wir bitten für sie, dass sie immer ein gutes Zuhause haben, wo sie Wärme und Geborgenheit erfahren,

dass sie Menschen um sich haben, die ihnen gute Begleiter und Freundinnen und Freunde fürs Leben sind,

dass sie viel Freude erfahren und sich über die kleinen Dinge freuen können,

dass sie in eine Welt hineinwachsen, in der sie leben können und mit allem, was zum Leben dazugehört.

Wir bitten dich für uns alle. Bleib du uns Hoffnung und Ziel unseres Lebens. Amen.

Lied (v.Pr.): EG 200, 1+2, 5+6 Ich bin getauft

Predigt:

In Frieden leben kann. So meint Schalom umfassend: alles, was ich zu meinem Leben brauche.

Der Segen Gottes ist ein verlässlicher Begleiter besonders an den Wendepunkten unseres Lebens. Hier wird der Segen persönlich zugesprochen, bei der Taufe, der Konfirmation, der Trauung und der Bestattung.

Wer weiß, dass er von Gott behütet ist, dass er in seiner Gnade und seinem Frieden lebt, der wird diese Segensgaben Gottes weitergeben.

Amen.

Lied: EG 331, 1-3, 9 Großer Gott wir loben dich

Abkündigungen:

Lied: EG 590, Herr, wir bitten.

Fürbitten:

Um Deinen Segen bitten wir Dich, Gott

Wenn wir jetzt nach Hause, in die kommende Woche gehen, damit wir uns nicht abhängig machen von dem, was man allgemein so denkt und meint; damit wir nicht aufgeben, für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung deiner Schöpfung einzutreten.

Um Deinen Segen bitten wir Dich, Gott, für Mo, Nomi und Keanu und ihre Eltern, sei und bleibe bei ihnen auf allen ihren Wegen

Um Deinen Segen bitten wir Dich, Gott, für alle Menschen, die unter Gewalt, Hunger und den Folgen von Naturkatastrophen zu leiden haben.

Wir denken heute an die Menschen, die den Bombenanschlägen auf der Sinai-Halbinsel zum Opfer fielen.

Um Deinen Segen bitten wir Dich, Gott,

für alle, die unter uns als Fremde, als Flüchtlinge leben,

für alle, die krank und alt sind, alleingelassen sind, für alle, die sich von einem lieben und wichtigen Menschen trennen mussten,

kein Gegenüber für ihre Trauer finden:

Wir denken heute besonders an Dieter Kolb, der im Alter von 69 Jahren verstorben ist. Tröste die Hinterbliebenen. Lass sie Kraft gewinnen aus dem Glauben, dass auch der Tod uns durch deine Liebe nicht trennen kann.

Um deinen Segen bitten wir dich, Gott, damit wir zum Segen werden können für die, denen wir begegnen.

Gemeinsam beten wir, wie Jesus uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde dein Name,

dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen:

Gott segne dich und behüte dich,

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich

Und schenke dir Frieden. Amen.

Orgelnachspiel

Kein Beruf wie jeder andere

Pfarrer oder Pfarrerinnen haben keinen Beruf wie jeden anderen. Sie sind rund um die Uhr „im Dienst“, und sogar von ihren Familien wird oft erwartet, dass sie aktiv mithelfen. Doch diese traditionelle „Einheit von Berufs- und Lebensform“ löst sich auf, wie eine aktuelle Studie zeigt.

In der Fernsehserie „Oh Gott, Herr Pfarrer“ vor fast zwanzig Jahren rankte sich die Handlung um das Leben im Pfarrhaus: Der stets zum Dienst am Nächsten verpflichtete Pfarrer hatte eine selbstbewusste Ehefrau, die nicht nur „Frau Pfarrer“ sein wollte, sondern ihrem eigenen Beruf nachging, was oft zu Konflikten führte. Heute sind die Erwartungen anders – auch weil der Pfarrer inzwischen sehr oft eine Pfarrerin ist. Von männlichen „Pfarrfrauen“ wird aber nicht stillschweigend vorausgesetzt, dass sie Gemeindesekretärinnen, Kindergottesdienstleiterinnen und Gemeindepädagoginnen zugleich sind.
Aber vielleicht ist damit auch etwas verloren gegangen. Denn das evangelische Pfarrhaus ist mehr als eine Dienstwohnung. Idealtypisch sei es ein Ort der Andacht, der diakonischen Hilfe und der Bildung, schreiben die Autoren einer Studie, die im Auftrag der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau die Zukunft des Pfarrberufs untersuchte. Das Pfarrhaus war schon immer eine Keimzelle gemeindlicher Aktivität. Die Gemeindehäuser sind dagegen eine relativ junge Erfindung. Sie dienen der Geselligkeit, während die geistlichen Impulse aus dem Pfarrhaus kommen (sollten).
Heute aber begreifen sich viele Pfarrer und Pfarrerinnen eher als Angestellte der Kirche und nicht als Menschen, die rund um die Uhr im Dienst sind – und deren Familien dieses Engagement unterstützen müssen. Das liegt natürlich auch daran, dass es inzwischen viele Teilzeitstellen gibt. Und die Frage, wie man rund um die Uhr ein guter Teilzeitpfarrer sein soll, bleibt weitgehend unbeantwortet. Auch haben sich die Rahmenbedingungen für den geistlichen Berufsstand in den letzten Jahren deutlich verschlechtert. Das Gehalt wurde gekürzt, Beförderungen zeitlich gestreckt, und Pfarrdienstwohnungen sind teurer geworden – bei gleichzeitiger „Residenzpflicht“. Welche „professionstypischen Zumutungen“ da in Zukunft noch angemessen sind, muss wohl weiter diskutiert werden.
Kurt-Helmuth Eimuth

Evangelisches Frankfurt Oktober 2004

Die Umfrage
Wann sind Pfarrerinnen und Pfarrer gut?

Hans Springorum (39), Versicherungsangestellter und Kirchenvorsteher in der Petersgemeinde
Das wichtigste ist für mich der Gottesdienst. Da sammle ich mich, denke über die Woche nach, über mich und ein Bibelwort. Sehr schön finde ich es, wenn die Pfarrerin in der Liturgie Zeichen setzt: wenn sie einen besonderen Segen spricht für eine Konfirmandin, die für ein soziales Praktikum ins Ausland geht, oder bei einer Taufe auch die Kinder einbezieht, die nicht selbst getauft werden, oder am Totensonntag für jeden eine Kerze hat. Eine gute Pfarrerin ist meiner Ansicht aber auch eine geniale Netzwerkerin. Dabei muss sie viele Leute kennen und sie zu den ungewöhnlichsten Aktionen zusammenbringen und aktivieren. Noch wichtiger ist aber, dass sie sehr aufmerksam ist und mitkriegt, was einzelne Gemeindemitglieder brauchen, auch wenn sie nicht ständig in Kontakt mit ihr stehen, wie es in der Großstadt ja ganz normal ist.

Renate Menzel (70), Rentnerin
Ein guter Pfarrer muss vor allem ein guter Seelsorger sein. Er sollte für die Belange und Probleme der Menschen da sein und auch offen für die Ideen der Jüngeren. Und er muss gut predigen können. Das heißt für mich, dass er auf traditionelle Weise biblische Texte mit heutigem Zeitgeschehen und heutigen Problemen der Menschen verknüpft und erklärt. Dabei sollten die Predigten nicht nur ermahnend, sondern aufbauend und ermutigend sein. Natürlich hat ein Pfarrer heute viele zusätzliche Aufgaben, die er früher nicht erfüllen musste, wie zum Beispiel die Verwaltungsarbeit oder die Gremien- und übergemeindliche Arbeit. Das ist ein richtiger Knochenjob. Meine Gemeinde wird sich demnächst mit der Nachbargemeinde zusammen schließen. So ein Fusionsprozess erfordert viel Zeit und Arbeit für ein Gemeindeoberhaupt.

Arnolf Schade-James (47) Pfarrer in der Friedensgemeinde im Gallusviertel
Pfarrerinnen und Pfarrer sollten die Theologie, die sie verkündigen, auch leben. Die von Gott geschenkte Liebe ist die Quelle, aus der sie schöpfen, um diese Liebe an andere weiter zu geben. Ich versuche meinen Vikarinnen und Vikaren immer zu vermitteln, dass wir die Menschen ernst nehmen, uns um sie be-mühen müssen. Nichts von dem, was wir tun, ist heute noch selbstverständlich. Mir ist auch wichtig, die Gemeinde zu führen ohne Führungsanspruch. Nach dem Motto: Ich kann euch den Weg zeigen, gehen müsst ihr ihn alleine. Natürlich hat sich das Gemeindedasein verändert. Ich zum Beispiel bin permanent damit beschäftigt, irgendwas zu organisieren. Ich bin ein professioneller Geburtstagskartenschreiber geworden. Da helfen natürlich auch Computerkenntnisse. Das muss ein Pfarrer heute auch können.

Birgit Rosenberger (35), Bürokauffrau
Das ist jemand, der Verständnis für meine Wünsche und Bedürfnisse aufbringt, der auch mal flexibel ist. Zum Beispiel, wenn es darum geht, mein Kind zu taufen, obwohl ich nicht verheiratet bin, oder einen Tauf gottesdienst ausnahmsweise samstags statt sonntags zu halten. Ich habe da leider ganz schlechte Erfahrungen gemacht. Das hat mich echt schockiert. Vor allem bei der evangelischen Kirche hätte ich das nicht erwartet. Wegen der Samstagstaufe meines jüngsten Kindes habe ich mich dann an das evangelische Info-Center gewandt, durch das ich einen für mich guten Pfarrer gefunden habe. Für jüngere Kirchenmitglieder wie mich spielt das Fromme, das Traditionelle eine untergeordnete Rolle. Kirche ist für mich wichtig und gibt mir Halt, aber etwas Offenheit und Service würde ich mir heutzutage schon wünschen.