Die Taufe ist ein Anfang

Taufgottesdienst, 10. 10. 2004

Gethsemanekirche

Predigttext: aaronitischer Segen

Marion Eimuth

Begrüßung und Votum:

Guten Morgen

Ich begrüße die Kinder und alle Erwachsenen sehr herzlich zu diesem Taufgottesdienst, den wir heute miteinander feiern!

Mo, Nomi und Keanu werden heute getauft. Mit der Taufe danken wir Gott für die Einmaligkeit, die mit jedem Kind neu geboren wird.

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes, der uns das Leben schenkt.

Und im Namen Jesu,

der uns zu leben lehrt.

Und im Namen des Heiligen Geistes,

der uns am Leben hält. Amen.

Lied: EG 445, 1-5, Gott des Himmels..

Psalm: 1, Nr. 702

Im Wechsel:

Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen noch tritt auf den Weg der Sünder

Noch sitzt, wo die Spötter sitzen,

sondern hat Lust am Gesetz des Herrn

und sinnt über seinem Gesetz Tag und

Nacht!

Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit,

und seine Blätter verwelken nicht.

Und was er macht, das gerät wohl.

Aber so sind die Gottlosen nicht,

sondern wie Spreu, die der Wind verstreut.

Darum bestehen die Gottlosen nicht im

Gericht noch die Sünder in der

Gemeinde der Gerechten.

Denn der Herr kennt den Weg der Gerechten,

aber der Gottlosen Weg vergeht.

Kommt lasst uns anbeten

Gemeinde: Ehr sei dem Vater und dem Sohn

Ankündigung der Taufe und Taufbefehl:

An einem Tag wie diesem freuen wir uns – bejahen die Welt, die uns glücklich macht. Aber sie macht auch Sorgen. Wir zweifeln, ob es uns gelingt, in Güte und Frieden miteinander zu leben.

Jesus sagt: Fürchtet euch nicht! Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Darum geht hin und macht zu Jüngerinnen und Jüngern alle Völker: Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Denn ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Mt. 28, 19-20)

Gebet:

Guter Gott, wie gut ist es zu wissen,

dass du zu uns stehst und uns liebhast.

Wie gut ist es zu spüren und zu erfahren,

dass Menschen um uns sind,

die es gut mit uns meinen und für uns da sind.

Wir danken dir für die Kinder,

die uns anvertraut sind.

Wir danken dir für die Eltern, die für uns da sind und uns ins Leben geleiten.

Wir danken dir für die Geschwister und Freunde, mit denen wir spielen und vieles miteinander erleben und bewältigen können.

Wir sind hier in deinem Namen zusammen, um dich miteinander zu loben.

In deinem Namen taufen wir diese Kinder und bitten dich um deinen Segen für sie und für das, was wir tun. Amen.

Taufansprache:

Liebe Kinder, liebe Eltern, liebe Gemeinde,

wir wollen heute morgen, Mo, Nomi und Keanu taufen. Wir wollen die Kinder Gott anvertrauen und sie unter seinen Segen stellen.

Die Taufe ist keine christliche Erfindung, sondern stammt aus der jüdischen Tradition.

Soweit wir wissen, hat Jesus keine Menschen getauft. Aber er selbst hat sich taufen lassen, bevor er anfing herumzuziehen und den Leuten Geschichten von Gott und von einem besseren, gerechteren Leben zu erzählen.

Jesus ist damals zu Johannes, der auch Täufer genannt wurde, an den Jordan gegangen.

Der Jordan ist auch heute noch der größte Fluß in Israel. Johannes hat Jesus im Fluß untergetaucht, so wurde damals getauft. Heute taufen wir, indem wir Wasser über den Kopf geben.

Wasser brauchen wir zum Leben. Zum Trinken, wenn wir Durst haben, und für die Pflanzen zum Wachsen und für die Tiere.

Wasser ist auch zum Waschen ganz wichtig, damit wir nicht ständig klebrig und stinkend in der Gegend herumlaufen müssen. Und Wasser zum Schwimmen ist gerade im Sommer eine tolle Sache.

Alles Leben kommt aus dem Wasser: Die kleinen Planktons und Amöben im Meer und in den Seen genauso wie wir Menschen.

Bevor wir geboren werden, schwimmen wir im Wasser in einer kleinen Blase, die erst platzen muss, damit wir auf diese Welt und in dieses Leben kommen können.

Aber Wasser kann auch gefährlich sein. Wir erleben oder sehen das, wenn es so heftig regnet, dass das Wasser nicht mehr abfließt, sondern in die Keller und Häuser eindringt. Und wenn die Flüsse über ihre Ufer treten, dann wird es gefährlich. Oder auch, wenn wir im Schwimmbad jemanden zu lange untertauchen, kann das gefährlich werden.

Bei der Taufe denken wir an beide Seiten vom Wasser: An das Wasser, das unser Leben bedeutet. Und an das Wasser, in dem wir auch umkommen können.

Die Taufe ist ein Anfang. Durch die Taufe will Gott sagen: Ich kenne dich, ich bin bei dir. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Ich brauche mir nicht erst bei Gott einen Namen zu machen. Für ihn bin ich so wichtig und wertvoll, dass bei der Taufe mein Name mit seinem Namen verbunden wird. Ich gehöre zu Gott.

Die Taufe ist kein „Wundermittel“, das mich vor Krankheit oder Gefahren schützt. Aber ich weiß: Gott hat mich lieb, er meint es gut mit mir, er lässt mich nicht allein.

Mo, Nomi und Keanu werden auf den Namen Gottes getauft und somit in die Gemeinschaft der Christenheit aufgenommen. Sie sind Kinder von Gott.

Taufkerze:

Zur Erinnerung an Jesu Tod und Auferstehung wird in der Osternacht die Osterkerze angezündet. An dieser Kerze werden alle Taufkerzen angezündet. Die Taufkerze soll uns daran erinnern, wie von Jesus ein besonderes Licht ausgegangen ist, das noch heute in uns weiterbrennt.(Kerzen anzünden).

Tauflied: Liedblatt

Glaubensbekenntnis:

Lasst uns Gott loben und preisen mit dem Bekenntnis unseres Glaubens:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde;

und an Jesus Christus,

seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,

empfangen durch den Heiligen Geist,

geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus,

gekreuzigt, gestorben und begraben,

hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten,

aufgefahren in den Himmel;

er sitzt zur Rechten Gottes,

des allmächtigen Vaters;

von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,

die heilige, christliche Kirche,

Gemeinschaft der Heiligen,

Vergebung der Sünden,

Auferstehung der Toten

Und das ewige Leben . Amen.

Tauffrage:

Nun wende ich mich besonders an Sie, liebe Eltern, Paten und Taufzeuge:

Sie sind es, die ihre Kinder hier zur Taufe bringen.

Von Ihnen werden die Kinder lernen, welche Wege zum Leben führen.

Ich frage Sie:

Wollen Sie, dass diese Kinder in den Namen des dreieinigen Gottes getauft werden, so antworten Sie: „Ja“.

Wollen Sie auch dazu beitragen, dass diese Kinder das Evangelium von Jesus Christus kennen lernen und den Weg in die christliche Gemeinde finden, so antworten Sie: „Ja, mit Gottes Hilfe“.

So taufen wir diese Kinder und hoffen, dass sich unser Glaube bewährt.

Taufhandlung:

Sarah-Mo, ich taufe dich auf den Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Taufspruch: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. (Ps 23, 1)

Kreuzzeichen – Friede sei mit dir.

Nomi-Noelle, ich taufe dich auf den Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Taufspruch: Denn ich weiß, an wen ich glaube (2. Tim. 1, 12)

Kreuzzeichen – Friede sei mit dir.

Keanu-Luis, ich taufe dich auf den Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Taufspruch: Alle eure Dinge lasset in Liebe geschehen (1. Kor. 16, 14)

Kreuzzeichen – Friede sei mit dir.

Segen für die Eltern,

Liebe Eltern,

Gott segne Sie, er behüte Sie und mache Sie stark. Er mache Ihre Liebe kräftig und Ihre Geduld unverwüstlich. Er lasse Sie Zeit und gute Einfälle finden für Ihre Kinder.

Er gebe Ihnen und Ihren Kindern alles, was gut ist und glücklich macht. Amen.

Gebet eines Paten:

Dankgebet:

Guter Gott, uns liegen die Kinder am Herzen.

Du willst, dass sie für uns sehr wichtig sind. So bringen wir unsere Wünsche und Bitten für sie vor dich.

Wir bitten für sie, dass sie immer ein gutes Zuhause haben, wo sie Wärme und Geborgenheit erfahren,

dass sie Menschen um sich haben, die ihnen gute Begleiter und Freundinnen und Freunde fürs Leben sind,

dass sie viel Freude erfahren und sich über die kleinen Dinge freuen können,

dass sie in eine Welt hineinwachsen, in der sie leben können und mit allem, was zum Leben dazugehört.

Wir bitten dich für uns alle. Bleib du uns Hoffnung und Ziel unseres Lebens. Amen.

Lied (v.Pr.): EG 200, 1+2, 5+6 Ich bin getauft

Predigt:

In Frieden leben kann. So meint Schalom umfassend: alles, was ich zu meinem Leben brauche.

Der Segen Gottes ist ein verlässlicher Begleiter besonders an den Wendepunkten unseres Lebens. Hier wird der Segen persönlich zugesprochen, bei der Taufe, der Konfirmation, der Trauung und der Bestattung.

Wer weiß, dass er von Gott behütet ist, dass er in seiner Gnade und seinem Frieden lebt, der wird diese Segensgaben Gottes weitergeben.

Amen.

Lied: EG 331, 1-3, 9 Großer Gott wir loben dich

Abkündigungen:

Lied: EG 590, Herr, wir bitten.

Fürbitten:

Um Deinen Segen bitten wir Dich, Gott

Wenn wir jetzt nach Hause, in die kommende Woche gehen, damit wir uns nicht abhängig machen von dem, was man allgemein so denkt und meint; damit wir nicht aufgeben, für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung deiner Schöpfung einzutreten.

Um Deinen Segen bitten wir Dich, Gott, für Mo, Nomi und Keanu und ihre Eltern, sei und bleibe bei ihnen auf allen ihren Wegen

Um Deinen Segen bitten wir Dich, Gott, für alle Menschen, die unter Gewalt, Hunger und den Folgen von Naturkatastrophen zu leiden haben.

Wir denken heute an die Menschen, die den Bombenanschlägen auf der Sinai-Halbinsel zum Opfer fielen.

Um Deinen Segen bitten wir Dich, Gott,

für alle, die unter uns als Fremde, als Flüchtlinge leben,

für alle, die krank und alt sind, alleingelassen sind, für alle, die sich von einem lieben und wichtigen Menschen trennen mussten,

kein Gegenüber für ihre Trauer finden:

Wir denken heute besonders an Dieter Kolb, der im Alter von 69 Jahren verstorben ist. Tröste die Hinterbliebenen. Lass sie Kraft gewinnen aus dem Glauben, dass auch der Tod uns durch deine Liebe nicht trennen kann.

Um deinen Segen bitten wir dich, Gott, damit wir zum Segen werden können für die, denen wir begegnen.

Gemeinsam beten wir, wie Jesus uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde dein Name,

dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen:

Gott segne dich und behüte dich,

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich

Und schenke dir Frieden. Amen.

Orgelnachspiel

Kein Beruf wie jeder andere

Pfarrer oder Pfarrerinnen haben keinen Beruf wie jeden anderen. Sie sind rund um die Uhr „im Dienst“, und sogar von ihren Familien wird oft erwartet, dass sie aktiv mithelfen. Doch diese traditionelle „Einheit von Berufs- und Lebensform“ löst sich auf, wie eine aktuelle Studie zeigt.

In der Fernsehserie „Oh Gott, Herr Pfarrer“ vor fast zwanzig Jahren rankte sich die Handlung um das Leben im Pfarrhaus: Der stets zum Dienst am Nächsten verpflichtete Pfarrer hatte eine selbstbewusste Ehefrau, die nicht nur „Frau Pfarrer“ sein wollte, sondern ihrem eigenen Beruf nachging, was oft zu Konflikten führte. Heute sind die Erwartungen anders – auch weil der Pfarrer inzwischen sehr oft eine Pfarrerin ist. Von männlichen „Pfarrfrauen“ wird aber nicht stillschweigend vorausgesetzt, dass sie Gemeindesekretärinnen, Kindergottesdienstleiterinnen und Gemeindepädagoginnen zugleich sind.
Aber vielleicht ist damit auch etwas verloren gegangen. Denn das evangelische Pfarrhaus ist mehr als eine Dienstwohnung. Idealtypisch sei es ein Ort der Andacht, der diakonischen Hilfe und der Bildung, schreiben die Autoren einer Studie, die im Auftrag der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau die Zukunft des Pfarrberufs untersuchte. Das Pfarrhaus war schon immer eine Keimzelle gemeindlicher Aktivität. Die Gemeindehäuser sind dagegen eine relativ junge Erfindung. Sie dienen der Geselligkeit, während die geistlichen Impulse aus dem Pfarrhaus kommen (sollten).
Heute aber begreifen sich viele Pfarrer und Pfarrerinnen eher als Angestellte der Kirche und nicht als Menschen, die rund um die Uhr im Dienst sind – und deren Familien dieses Engagement unterstützen müssen. Das liegt natürlich auch daran, dass es inzwischen viele Teilzeitstellen gibt. Und die Frage, wie man rund um die Uhr ein guter Teilzeitpfarrer sein soll, bleibt weitgehend unbeantwortet. Auch haben sich die Rahmenbedingungen für den geistlichen Berufsstand in den letzten Jahren deutlich verschlechtert. Das Gehalt wurde gekürzt, Beförderungen zeitlich gestreckt, und Pfarrdienstwohnungen sind teurer geworden – bei gleichzeitiger „Residenzpflicht“. Welche „professionstypischen Zumutungen“ da in Zukunft noch angemessen sind, muss wohl weiter diskutiert werden.
Kurt-Helmuth Eimuth

Evangelisches Frankfurt Oktober 2004

Die Umfrage
Wann sind Pfarrerinnen und Pfarrer gut?

Hans Springorum (39), Versicherungsangestellter und Kirchenvorsteher in der Petersgemeinde
Das wichtigste ist für mich der Gottesdienst. Da sammle ich mich, denke über die Woche nach, über mich und ein Bibelwort. Sehr schön finde ich es, wenn die Pfarrerin in der Liturgie Zeichen setzt: wenn sie einen besonderen Segen spricht für eine Konfirmandin, die für ein soziales Praktikum ins Ausland geht, oder bei einer Taufe auch die Kinder einbezieht, die nicht selbst getauft werden, oder am Totensonntag für jeden eine Kerze hat. Eine gute Pfarrerin ist meiner Ansicht aber auch eine geniale Netzwerkerin. Dabei muss sie viele Leute kennen und sie zu den ungewöhnlichsten Aktionen zusammenbringen und aktivieren. Noch wichtiger ist aber, dass sie sehr aufmerksam ist und mitkriegt, was einzelne Gemeindemitglieder brauchen, auch wenn sie nicht ständig in Kontakt mit ihr stehen, wie es in der Großstadt ja ganz normal ist.

Renate Menzel (70), Rentnerin
Ein guter Pfarrer muss vor allem ein guter Seelsorger sein. Er sollte für die Belange und Probleme der Menschen da sein und auch offen für die Ideen der Jüngeren. Und er muss gut predigen können. Das heißt für mich, dass er auf traditionelle Weise biblische Texte mit heutigem Zeitgeschehen und heutigen Problemen der Menschen verknüpft und erklärt. Dabei sollten die Predigten nicht nur ermahnend, sondern aufbauend und ermutigend sein. Natürlich hat ein Pfarrer heute viele zusätzliche Aufgaben, die er früher nicht erfüllen musste, wie zum Beispiel die Verwaltungsarbeit oder die Gremien- und übergemeindliche Arbeit. Das ist ein richtiger Knochenjob. Meine Gemeinde wird sich demnächst mit der Nachbargemeinde zusammen schließen. So ein Fusionsprozess erfordert viel Zeit und Arbeit für ein Gemeindeoberhaupt.

Arnolf Schade-James (47) Pfarrer in der Friedensgemeinde im Gallusviertel
Pfarrerinnen und Pfarrer sollten die Theologie, die sie verkündigen, auch leben. Die von Gott geschenkte Liebe ist die Quelle, aus der sie schöpfen, um diese Liebe an andere weiter zu geben. Ich versuche meinen Vikarinnen und Vikaren immer zu vermitteln, dass wir die Menschen ernst nehmen, uns um sie be-mühen müssen. Nichts von dem, was wir tun, ist heute noch selbstverständlich. Mir ist auch wichtig, die Gemeinde zu führen ohne Führungsanspruch. Nach dem Motto: Ich kann euch den Weg zeigen, gehen müsst ihr ihn alleine. Natürlich hat sich das Gemeindedasein verändert. Ich zum Beispiel bin permanent damit beschäftigt, irgendwas zu organisieren. Ich bin ein professioneller Geburtstagskartenschreiber geworden. Da helfen natürlich auch Computerkenntnisse. Das muss ein Pfarrer heute auch können.

Birgit Rosenberger (35), Bürokauffrau
Das ist jemand, der Verständnis für meine Wünsche und Bedürfnisse aufbringt, der auch mal flexibel ist. Zum Beispiel, wenn es darum geht, mein Kind zu taufen, obwohl ich nicht verheiratet bin, oder einen Tauf gottesdienst ausnahmsweise samstags statt sonntags zu halten. Ich habe da leider ganz schlechte Erfahrungen gemacht. Das hat mich echt schockiert. Vor allem bei der evangelischen Kirche hätte ich das nicht erwartet. Wegen der Samstagstaufe meines jüngsten Kindes habe ich mich dann an das evangelische Info-Center gewandt, durch das ich einen für mich guten Pfarrer gefunden habe. Für jüngere Kirchenmitglieder wie mich spielt das Fromme, das Traditionelle eine untergeordnete Rolle. Kirche ist für mich wichtig und gibt mir Halt, aber etwas Offenheit und Service würde ich mir heutzutage schon wünschen.

Kain und Abel

Andacht,

1. Buch Mose 4, 1 – 6a

06.09.2004

Lied EG: 593, 1+5

Votum:

Guten Morgen

Den Wochenspruch für diese Woche finden wir im Psalm 103 . Dort heißt es im Vers 2

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir gutes getan hat.

Psalm: 146 Nr. 757

Lied: EG 401, 1-3

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

Zwei Kinder spielen im Sandkasten. Eins- hat eine großartige Sandburg gebaut.

Mit Straßen, Kreuzungen, Türmen und Mauern. Fantasievoll und mit Lust am Ge­stalten hat es mit Sand etwas gebaut. Das andere Kind sitzt daneben. Ihm ist keine so schöne Burg gelungen. Sein Sand ist ein unförmiger Haufen geblieben. Ob ihm Kunstfertigkeit oder Ausdauer fehlte? Wer weiß. Neiderfüllt sieht dies Kind auf die schöne Sandburg des anderen. Dann handelt es. Mit beiden Füßen springt es hinein in die Burg seines Nachbarn. Noch ein paar Schritte, schon ist die kunstvolle Anlage wieder ein einfacher Sandhaufen. Das Geschrei über die Tat ist groß. Böser Streit entsteht. Hinterher heißt es über den Zerstörer: Mit dem spiele, ich nicht mehr. Der macht alles kaputt. Eine besondere Geschichte? Nein, keine besondere Geschichte. Wer Kindern beim Spielen zusieht, wird das gelegentlich erleben. Aber auch bei Erwachsenen spielt sich dergleichen ab. In der Bibel wird darüber berichtet.

Bibeltext verlesen1. Buch Mose 4.1-6a

Und Adam erkannte sein Weib Eva, und sie ward schwanger und gebar den Kain und sprach: Ich habe einen Mann gewonnen mit Hilfe des HERRN. 2Danach gebar sie Abel, seinen Bruder. Und Abel wurde ein Schäfer, Kain aber wurde ein Ackermann. 3Es begab sich aber nach etlicher Zeit, daß Kain dem HERRN Opfer brachte von den aFrüchten des Feldes. 4Und auch Abel brachte von den bErstlingen seiner Herde und von ihrem cFett. Und der HERR sah gnädig an Abel und sein Opfer, 5aber Kain und sein Opfer dsah er nicht gnädig an. Da ergrimmte Kain sehr und senkte finster seinen Blick. 6Da sprach der HERR zu Kain: Warum ergrimmst du? Und warum senkst du deinen Blick?

Die Geschichte von Kain und Abel. Eine Geschichte, die böse ausgeht. Sie hat

kein gutes Ende. Eine Geschichte von Neid, unglückseliger Wut und verzehrendem Hass. Alles das, was das Zusammenleben der Menschen gewährleisten soll, wird verletzt. Ein Mensch erschlägt einen anderen. Die Tat bleibt nicht verbor­gen. Das Kainszeichen ist bis heute sprichwörtlich das Kennzeichen eines Men­schen, der schlimmstes Unrecht getan hat.

Meistens wähnen wir uns weit entfernt von dergleichen Taten. Aber das Sand­kastenbeispiel zeigt, wie nahe wir dem sein können. Wie sich bewahren und schützen vor diesem Neid, dieser Wut, diesem Hass und dem daraus erwachsen­den Tun des Bösen? Ein Patentrezept, das unfehlbar hilft, kenne ich nicht. Aber ich kenne Jesu Doppelgebot der Liebe: „Liebe Gott, liebe deinen Nächste wie dich selbst.“ Als Lebenshilfe ist das gedacht. In guter Absicht ist das gesagt. Gut für uns alle.

Amen.

Lied: EG 414, 1+4

Mitteilungen

Gebet:

Herr, unser Gott, Vater im Himmel!

Jeden Augenblick leben wir von deiner Liebe.

Liebtest du uns nicht, was wären wir – und wozu?

Wir danken dir für die Gaben deiner Schöpfung,

für das Geschenk der Sprache, das uns in Beziehung bringt,

für die Sehnsucht nach Liebe, die uns in Bewegung setzt,

für alle Momente gelingender Partnerschaft,

die uns das Herz weiten.

Und wir bitten dich für diese Welt und ihre Menschen,

für alle, die der Liebe nachjagen, immer wieder neu,

dass sie an ein Ziel finden;

für alle, die sich ungeliebt fühlen,

dass ihnen Liebe begegnet;

für alle Liebenden in Ehen und Partnerschaften,

dass sie ihr Glück entdecken und genießen.

Wir bitten dich für die Einsamen und Kranken,

für die Alten und für die, die ohne Lebensmut

sind.

Wir denken an diesem 13. September an all die Opfer des Terrorismus, ob in den USA oder in Belsan.

Gott, gib diesen Menschen Trost in ihrer Trostlosigkeit, Mut in ihrer Mutlosigkeit und Hoffnung in ihrer Hoffnungslosigkeit.

Gemeinsam beten wir, wie Jesus uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde dein Name,

dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen:

Gott, der Ursprung und Vollender aller Dinge.

segne dich, gebe dir Gedeihen und Wachstum,

Erfüllung deiner Hoffnungen, Frucht deiner Mühe,

und am Ende das Ziel deiner Wege. Amen.

Lied: EG 421 (1)

Jonas aus Eritrea ist jetzt Mehrsprachler

Jonas kam vor drei Jahren in die Kindertagesstätte der Sossenheimer Regenbogengemeinde. Der Dreijährige kam mit seiner Familie aus Eritrea. Verfolgung, Flucht und die ungewisse Zukunft hatten auch schon auf seine Seele einen Schatten geworfen. Nun stand er da, im deutschen Kindergarten, staunend und auch ängstlich. Die fremde Sprache verstand er nicht.
„Sprachförderung beginnt bei uns schon bei den 3- bis 4-jährigen“, sagt Ingrid Marth, die Leiterin des Kindergartens Regenbogenland, „sie gelingt aber nur, wenn es eine gute Beziehung zwischen dem Kind und der Erzieherin gibt.“ Was gibt es Schöneres, als sich gemeinsam mit der Erzieherin ein Bilderbuch anzuschauen? So einfach kann Sprachförderung sein.
Aufgeschreckt von den Ergebnissen bei der internationalen Vergleichsstudie Pisa, die den deutschen Schülerinnen und Schülern in Sachen Lesekompetenz ein schlechtes Zeugnis ausstellte, hat die hessische Landesregierung beschlossen, die Sprachkompetenz bei der Einschulung zu überprüfen und die Kinder wenn nötig vorab zu fördern. In Sossenheim haben die beiden Grundschulen und die 13 Kindertagesstätten dazu ein „Sossenheimer Modell“ entwickelt. Gemeinsam fördert man nicht nur die ausländischen, sondern alle Vorschulkinder. Beim Lernen bezieht man die Alltagswelt der Kinder ein. So geht etwa die eine Gruppe in den Stadtteil einkaufen: Zum Türken an der Ecke, zum italienischen Gemüseladen oder zum deutschen Kiosk. Und da wird keineswegs nur deutsch gesprochen, sondern auch mal italienisch oder türkisch. „Die meisten Kinder haben Sprachkompetenz in einer anderen Sprache, aber wir definieren sie als Kinder mit Defiziten“ kritisiert Ingrid Marth eine verbreitete Haltung.
Eine andere Gruppe machte sich auf die Suche nach Buchstaben und malte sie in ihr Heft ab. „HL“ zum Beispiel oder – vor allem bei Jungen beliebt – Automarken und Nummernschilder. Insgesamt nahmen 94 Kinder aus 21 Nationen am „Sossenheimer Modell“ teil. Jetzt soll es auch ein Kursangebot für die Eltern geben. Allerdings lastet die Durchführung fast ganz auf den Einrichtungen. Die Materialien seien, so Marth, auf dem Stand der 80er Jahre, und ausreichend Stunden für die Förderung wurden auch nicht zur Verfügung gestellt. Trotzdem zeigt das Projekt Wirkung. Jonas’ Deutsch ist inzwischen so gut, dass er eine gute Grundlage für die Schule hat.
Kurt-Helmuth Eimuth

Evangelisches Frankfurt Mai 2004

Du machst Winde zu deinen Boten und Feuerflammen zu deinen Dienern.

Fachschule für Sozialpädagogik

1.4.2004

Wir feiern diese Andacht

im Namen Gottes

Gott ist uns nahe – immer und überall,

im Namen Jesu Christi

So sind wir geliebt,

und im Namen des Heiligen Geistes

So sind wir verbunden als Schwestern und Brüder.

Lied 563

Psalm 43 (724)

Franken

Ansprache

Liebe Schülerinnen und Schüler,

Liebe Studierende,

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Liebe Schwestern,

wir sind hier zusammengekommen um noch einmal innezuhalten bevor wir in die Osterferien gehen.

Kirchlich gesehen leben wir in der Passionszeit. In den letzten beiden Wochen vor Ostern tritt die Passion Jesu in den Blickpunkt. Passion ist lateinisch und heißt zu deutsch Leiden. Anders als im Film von Mel Gibbson dargestellt geht es nicht darum die unsäglichen Qualen eines Foltertodes nachzuempfinden.

Offenbar ist der frühere Actiondarsteller Gibbson von missionarischem Eifer getrieben. Er selbst gehört ja einer sektenähnlichen fundamentalistischen Gruppe an. Das Leid des langen Foltertodes scheint für ihn – und für viele Amerikaner, wie der Erfolg des Films in den USA zeigt – quasi ein Gottesbeweis.

Gibson wollte nach eigenen Aussagen einen historisch genauen Film machen. Dabei hätte ein Blick in die Bibel genügt, um Zweifel zu säen. Vergleicht man die vier Evangelien- und einige Klassen haben das ja sehr genau getan – , so wird schnell deutlich, dass es vier verschiedene Berichte sind, die so etwa zwischen 70 und 100 nach Christus entstanden. Die Quellenlage ist – historisch gesehen – in Einzelheiten ungenau. So war Jesus zwischen 30 und 35 Jahre alt . Die Kreuzigung wird zwischen den Jahren 26 und 36 n. Chr. datiert. Üblicherweise trugen die Verurteilten nicht das Kreuz sondern nur den Querbalken. Dass Annageln erfolgte nicht durch die Handflächen sondern durch die Handgelenke.

Doch zweifelsohne richtig ist, dass uns die Kirche einlädt, das Leiden Jesu zu betrachten.

Der Mensch flieht gerne vor dem Leiden. Doch zum Menschsein gehört notwendigerweise das Leiden. Der Mensch ist endlich und so gehört das Sterben eben zum Leben wie die Nacht zum Tag.

Doch viele wollen nicht wahrhaben, dass sie endlich sind. Sie gebärden sich wie Gott. Sie wollen immer toll, immer gut drauf sein, ja sie wollen sogar selbst über alles bestimmen. Kurz: Sie wollen sein wie Gott.

Die Passionszeit erinnert uns aber daran, dass der Mensch ein Mensch ist, mit all seinen Stärken und Schwächen, seinem Glück und auch seinem Unglück, mit seinen Siegen und seinen Niederlagen.

Ihnen allen wünsche ich eine schöne, aber auch gelegentlich nachdenkliche Ferien- und Passionszeit.

Franken

Gebet (S. 57)

Und alles was uns noch bewegt, bringen wir vor dich mit den Worten, die Christus uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Lied Chor

Segen

Amen

So will es Gott,

der von Ewigkeit zu Ewigkeit bleibt.

So steht es fest nach seinem Willen für Dich.

Dir Frieden bringen.

Kinderglaube stärkt für's Leben

Evangelisches Frankfurt: April 2004 · 28. Jahrgang · Nr. 2

„Brauchen Kinder Religion?“ –

150 Fachleute diskutierten in Frankfurt

Kinder & Kirche, Bild: Paul M. Walsh, Wikimedia

„Wohnt Gott im Wind?“ oder „Warum lebe ich, wenn ich doch eines Tages sterben muss?“ Kinder stellen religiöse Fragen. Aber wer gibt ihnen Antworten? Bei einer Fachtagung im Frankfurter Dominikanerkloster, die die Stiftung Ravensburger Verlag veranstaltete, diskutierten gut 150 Fachleute über die Frage „Brauchen Kinder Religion?“ Im Grunde waren sie sich einig: Ein gesunder Kinderglaube stärkt für’s ganze Leben. Der evangelische Religionspädagoge Friedrich Schweitzer sprach sogar von einem „Recht des Kindes auf religiöse Erziehung“. In einer immer kompli zierter werdenden Welt suchten Kinder vermehrt nach Orientierungshilfen. Religiöse Frühförderung müsse deshalb den gleichen Rang haben wie Frühenglisch, Sportförderung oder Medienerziehung. Schweitzer geht jedoch davon aus, dass religiöse Erziehung künftig eher schwieriger als einfacher wird. Viele Eltern seien bei religiösen Fragen ihrer Kinder verunsichert und wüssten oft nicht, wie sie antworten sollen. Der katholische Religionspädagoge Albert Biesinger wünscht sich deshalb mehr „religiöse Elternkompetenz“. Allerdings sieht er in der Distanz vieler Eltern zu einer traditionellen Frömmigkeit auch eine Chance. Die 20- bis 40-Jährigen heute gingen meist unbefangener an religiöse Themen heran als noch die Generation vor ihnen. Viele von ihnen hätten keinerlei Erfahrungen mit Religion gemacht – und also auch keine negativen. Oft werde den Eltern in spiritueller Hinsicht auch zu wenig zugetraut, kritisierte Biesinger: „Warum wird eigentlich die religiöse Erziehung so kompliziert gemacht?“ Vielleicht ist es ja wirklich so einfach: Kinderbibel aufschlagen, gemeinsam anschauen, und schon ist man im Gespräch. Der Berliner Sozialpädagoge Richard Münchmeier wies jedoch darauf hin, dass die Eltern heute nicht mehr der selbstverständliche Garant einer religiösen Erziehung seien, sondern sich ihre Prägekraft mit vielen anderen „Erziehungsmächten“ teilen. Zudem gelte Religion heute als etwas durch und durch Privates und damit als nachrangig gegenüber den vermuteten Anforderungen in Ausbildung und Beruf, an denen sich viele Eltern bei der Erziehung immer mehr orientieren. Der Tübinger Psychiater Gunther Klosinski unterstrich die positive Wirkung von Religion. Religiöse Erziehung und eine religiöse Einstellung förderten ein positives soziales Verhalten. So sei etwa das Bild vom „Schutzengel“ aus entwicklungspsychologischer Sicht für Kinder sehr hilfreich. Klosinski wies aber auch auf die Gefahren einer streng moralisierenden Religion hin. „Wenn Religion zum Austragungsort sozialer und psychischer Konflikte wird, dann wird sie missbraucht.“ Nicht nur die Eltern seien für die Vermittlung einer religiösen Entwicklung von Bedeutung, sondern vor allem auch die Großeltern. Mit ihrem Vorbild könnten sie etwas von ihrer Glaubenspraxis weitergeben.
Kurt-Helmuth Eimuth
Evangelisches Frankfurt: April 2004 · 28. Jahrgang · Nr. 2

Der Baum

Sr Ulrike

23.2.2004

Begrüßung:

Eröffnung:

1. Person:

Ich zünde ein Licht an im Namen des Schöpfers.

Er hat die Welt erleuchtet und den Atem des Lebens

In mich gehaucht.

2. Person:

Ich zünde ein Licht an im Namen des Sohnes.

Er hat die Welt errettet und seine Hand nach

Mir ausgestreckt.

3. Person:

Ich zünde ein Licht an im Namen des Geistes.

Er umfasst die Welt und segnet mein Leben

Mit Verlangen.

4. Person:

Drei Lichter als Zeichen für die Trinität der Liebe:

Gott über uns, Gott neben uns, Gott unter uns:

Der Anfang, das Ende, Das Ewige.

Lied: 181.6 laudate omnes gentes

Gruß:

Gesegnet ist der Mensch,

der sich auf Gott verlässt.

Er ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt,

der seine Wurzeln zum Bach hinstreckt.

Er fürchtet sich nicht in der Hitze,

und seine Blätter bleiben grün.

Er sorgt sich nicht im dürren Jahr,

sondern bringt Früchte zu jeder Zeit.

(Jeremia 17, 7+8)

Psalm 31 gesungen, Frau Franken und Frau Knauf

Meditation:

Der Baum ist ein religiöses Symbol in fast allen Kulturen: Es gibt den Weltenbaum, wir kennen den siebenarmigen Leuchter, die Menorah, den Lebensbaum, den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Die Germanen sahen den Baum als Wohnung der Götter, z.B. die Wodans-Eiche, die Bonifazius fällte. Ein Baum war Treffpunkt des Dorfes. Bäume waren Wegweiser, Bäume galten als Glücksbringer, und auch wir haben im Weihnachts- und Maibaum noch den Gebrauch des Festbaumes.

Bäume sind mehr als einfache Pflanzen. Menschliche Lebenserfahrung hat sich mit dem Erleben von Bäumen verbunden. Es gibt die Sitte, bei der Geburt eines Kindes einen Baum zu pflanzen. Manche Menschen meinen im Wald eher dem Göttlichen zu begegnen als in unseren Gottesdiensten. Von Bäumen geht etwas aus. Die meisten Menschen tragen das Bild ihres Lebensbaumes in sich.

Der Baum, fest verwurzelt im Erdreich, aufgewachsen zum Licht, sich ausstreckend, beharrlich, Jahr für Jahr, ist Symbol für Stärke, für Festigkeit und Beharrlichkeit, für Gegründetsein. Im Grünwerden, im Sichverfärben, Kahlwerden und Neuentsprießen ist der Baum Symbol für Leben und Wandlung, für Werden und Vergehen. Das Atmen der Blätter spendet Sauerstoff für uns. Der Baum gibt Schatten und Feuchtigkeit, Erquickung und sorgt für den Ausgleich unseres Klimas und des Wasserhaushalts der Erde. Blüten und Früchte des Baumes erfreuen unser Auge und Herz, sie schmecken und nähren uns, wir empfinden Lust, wir genießen sie.

Sie liebe Sr. Ulrike empfinde ich oftmals wie einen solchen Baum. Sie sind lebendig und doch merkt spürt man etwas von ihren tiefen Wurzeln. Wie ein Baum, so verwöhnen auch sie uns oft mit süßen Früchten. Wenn wir uns ausgelaugt und matt vorkommen, da spenden Sie uns schon ein Glas Wasser.

Schwester Ulrike, so ein runder Geburtstag hat ja immer viele Facetten. Da kann man etwas Bilanz ziehen, neue Pläne schmieden und vor allem Freunde treffen. Für uns, für mich ist dieser Geburtstag ein guter Anlass Ihnen öffentlich zu danken, Dank zu sagen für all die tägliche Mühe, die sie sich geben, die sie sich mit uns geben, Dank zu sagen für die gemeinsame Sorge um die Schule, Dank zu sagen für Ihren Einsatz im Internat. Kurz: An allen Ecken und Enden spüren wir etwas von Ihrem Einsatz. „Ihr sollt ein Segen „ lautete das Motto des Ökumenischen Kirchentages in Berlin. Sie liebe Schwester Ulrike sind ein Segen, ein Segen für die Schule, für das Frankfurter Diakonissenhaus, für uns alle.

Die Verheißung unseres Textes lautet: Wir müssen kein Baum in der Wüste sein, kein kranker Baum. Wir haben unser Lebenssystem, das uns gesund erhalten kann. Wir sollen sein wie ein Baum am lebendigen, gesunden Wasser. Gott ist das Strömen in der Tiefe unseres Seins, die Lebenskraft, die immer neues Werden und Wandlung schafft. Ich muss sie nicht aus mir selbst schaffen. Ich bin geschaffen, um mein Leben zu empfangen von Gott und von ihm darf ich etwas weitergeben; dass ich bin wie dieses lebendige Gefüge des Baumes, das ist Gottes Gabe.

Lied: 599, Selig seid ihr

Gebet:

Mein Baum,

der Baum meines Lebens,

wachsen möchte er auf fruchtbarem Erdreich,

tief seine Wurzeln gründen,

aus der Tiefe schöpfen die Kraft,

die er braucht, um lebendig zu bleiben,

zum Sprießen und Grünen,

sich zu belauben,

zu blühen und Früchte zu tragen.

Aber so vieles scheint vergeblich

An Mühe, Arbeit und Leiden

Und auch an Lachen,

und was mir zukommt an Begegnung,

an Freude und Glück,

scheint schnell zu verfliegen.

Lass mich gegründet sein in mir,

tiefer noch, in dir, mein Gott!

Und was uns noch bedrängt bringen wir vor dich

mit den Worten die Christus uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Lied: 170 Komm Herr segne uns

Dankesworte Sr. Ulrike

Segen:

Gott gehe dir voraus, Schwester und Bruder,

und zeige dir den rechten Weg,

Gott sei nahe bei dir

Und lege seinen Arm um dich.

Gott sei hinter dir,

dich gegen alle dunkle Macht zu bewahren.

Er sei unter dir,

dich aufzufangen, wenn du fällst.

Er sei neben dir,

dich zu trösten, wenn du traurig bist.

Gott sei in dir,

dich zu heilen.

Er sei um dich her,

dich zu schützen in der Angst.

Er sei über dir

Wie die Sonne am Himmel

Und stärke dich mit seiner Kraft.

Amen.

Chor: O happy day

Dem Zappelphilipp kann geholfen werden

Evangelisches Frankfurt November 2003

Dem Zappelphilipp kann geholfen werden

Paul war ein liebenswertes, aufgewecktes Kind. Dass man mit ihm kaum in ein Restaurant gehen konnte, irritierte die Eltern zunächst nur wenig. Kinder sind halt lebhaft. Beim Übergang vom Kindergarten zur Schule gab es dann die ersten Probleme, doch Dank einer engagierten Lehrerin kam Paul glimpflich durch die Grundschulzeit. Natürlich fiel auf, dass er sehr unruhig und lebhaft war und kaum auf seinem Stuhl sitzen konnte. Auch zuhause war Paul extrem anstrengend. Das Einhalten von Regeln war nicht seine Stärke, ständig musste sich alles um ihn drehen.
Der Start ins Gymnasium war eine halbe Katastrophe. Der Mathelehrer empfahl die Realschule. Schließlich gingen die Eltern mit Paul zu einem Intelligenztest.
Ergebnis: Paul ist überdurchschnittlich begabt. Der Besuch bei einer Kinderneurologin brachte Klarheit: Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) oder auch ADHS (Aufmerksamkeits-Hyperaktivstörung). Für Wolfgang Schrödter von der Psychologischen Beratungsstelle Höchst ist Paul kein Einzelfall. „Eigentlich“, so der Psychologe, sind wir seit mehr als 30 Jahren damit befasst.“ Es habe schon immer Kinder gegeben, die besonders unruhig sind. Seit der Diskussion um ADS beziehungsweise ADHS suchen Eltern verstärkt Beratungsangebote auf. Für Wolfgang Schrödter ist eine sorgfältige Diagnose wichtig. Die Familiengeschichte etwa oder Komplikationen bei der Geburt.
„Der Konflikt muss nicht da liegen, wo er zu liegen scheint“, weiß Schrödter. Da schickt etwa ein Lehrer ein Kind in die Beratungsstelle, weil es immer so unruhig ist. Aber ist das vielleicht nur die gesunde Reaktion auf einen langweiligen Unterricht? Auch bei der Frage, ob ADHS medikamentös behandelt werden sollte, ist Schrödter vorsichtig. Oft werde das Beruhigungsmittel Ritalin ohne fundierte Diagnose verschrieben. „Die internationalen Zahlen legen den Verdacht nahe, dass weit über den Bedarf verschrieben wird.“ Doch im Einzelfall könne eine medikamentöse Therapie durchaus angebracht sein. Die Psychologische Beratungsstelle Höchst ist unter Telefon 3399980 zu erreichen.
Kurt-Helmuth Eimuth

Evangelisches Frankfurt November 2003

Der Generationenkrieg

Das 4. Gebot mahnt nicht nur, sondern es hat auch eine ganz praktische Konsequenz: Wer heute Vater und Mutter auf das finanzielle Abstellgleis schiebt, braucht sich nicht zu wundern, wenn die Kinder in einigen Jahren mit ihm ebenso verfahren.Das 4. Gebot mahnt nicht nur, sondern es hat auch eine ganz praktische Konsequenz: Wer heute Vater und Mutter auf das finanzielle Abstellgleis schiebt, braucht sich nicht zu wundern, wenn die Kinder in einigen Jahren mit ihm ebenso verfahren. - Foto: wikimedia/Pmikkola

Möglicherweise ist nicht mehr viel von der Bibel bekannt, aber der Satz „Du sollst Vater und Mutter ehren“, also das 4. Gebot, hat sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt. Es steht als moralischer Imperativ, der auch für Nicht-Christen Bedeutung hat. Mit gutem Grund.
Seit die Großfamilie nicht mehr für den würdevollen Lebensabend der Alten sorgt, tritt die staatliche Rente als solidarischer Ersatz ein. Unumstritten schien, dass diejenigen, die lange gearbeitet haben, in Würde und ohne Armut alt werden können. Dass es heute weitgehend keine Altersarmut gibt und die medizinische Versorgung die Lebenserwartung ständig steigen lässt, ist ein hohes Gut.
Doch jetzt, bei steigenden Sozialausgaben und sinkenden Steuereinnahmen, wird dieser Konsens aufgekündigt. Es wird nach der Generationengerechtigkeit gefragt, manche Beobachter sprechen sogar schon vom Generationenkrieg. In der Tat tobt ein Verteilungskampf zwischen Alten und Jungen. Falsche Alternativen werden aufgemacht: Mehr Bildung oder mehr Rente? Mehr Kinderbetreuung oder Hüftgelenke auch für 85-Jährige? Eine unsägliche Debatte.
Das 4. Gebot mahnt nicht nur, sondern es hat auch eine ganz praktische Konsequenz: Wer heute Vater und Mutter auf das finanzielle Abstellgleis schiebt, braucht sich nicht zu wundern, wenn die Kinder in einigen Jahren mit ihm ebenso verfahren.

Kurt-Helmuth Eimuth
Evangelisches Frankfurt Oktober 2003

Nein, Herr Koch

Roland Koch, CDU

Kommentar

Der Vorgang ist ohne Beispiel: Da wird gestrichen und gekürzt nach Gutsherrenart. Was gestern noch gefördert wurde, ist heute überflüssig. Die „Giftliste“ trifft Bereiche, die der CDU schon immer eher ein Dorn im Auge waren: Frauenförderung oder die Arbeit mit Migranten. Wirklich überraschend ist das nicht.
Schon eher verwunderlich ist der Umgang der Christdemokraten mit den freien Trägern, mit der Kirche. Sie waren bisher der Garant für eine qualifizierte soziale Arbeit. Und sie verließen sich auf die staatlichen Zuwendungen. Diese Zuwendungen sind keine Subventionen kirchlicher Arbeit, sondern im Gegenteil: Das soziale Engagement gesellschaftlicher Gruppen, hier der Kirche, erspart es dem Staat, selbst tätig zu werden, und spart zudem Geld, denn die Kirche legt ja immer noch etwas dazu.
Doch dieses Prinzip funktioniert nur, wenn es eine vertrauensvolle Basis für die Zusammenarbeit gibt. Wer kurzfristig Kürzungen in diesem Ausmaß beschließt, zieht zahlreichen Trägern den Teppich unter den Füßen weg. Einige Einrichtungen werden schließen, andere ihr Angebot einschränken. Auf die Folgen wurde schon vielfältig hingewiesen. Tatsächlich steht nichts Geringeres als der soziale Frieden auf dem Spiel. Angesichts dieser Dimension sind die Folgen für die Kirche eher kleine, nichts desto trotz aber ärgerlich. Denn die Kirchen tragen das unternehmerische Risiko. Sie haben Räume angemietet und Personal eingestellt. Schließlich hat man auch eine Verantwortung der Mitarbeiterschaft gegenüber. Wie radikal die Regierung Koch vorgeht, zeigt sich am Flughafen. Der Vertrag zum Betrieb des Flughafensozialdienstes, den beide Kirchen gemeinsam betreiben, wurde zum Jahresende einseitig gekündigt. Nein, Herr Koch, so geht man nicht mit Partnern um!
Nach dieser Erfahrung wird die Kirche ihre Arbeit neu ausrichten müssen. Möglicherweise wird man sich davon verabschieden, mit Hilfe des Staates immer neue Projekte anzugehen und seine Arbeit ständig auszuweiten. Bisher schielte man auch auf die Refinanzierungsmöglichkeiten. Wird Erziehungsberatung gefördert, wird sie angeboten, wird Mediation gefördert, wird eben diese ins Programm genommen. Künftig wird man stärker exemplarisch arbeiten und sich verstärkt fragen: Was ist unser kirchlicher Auftrag, was kann nur die Kirche anbieten? Im Management nennt man einen solchen Prozess die Konzentration auf das Kerngeschäft. So gesehen liegt eben in jeder Krise auch eine Chance.

Kurt-Helmuth Eimuth
Evangelisches Frankfurt: Oktober/November 2003 · 27. Jahrgang · Nr. 7