Sep 01

„Sicherheit und Wertschätzung“

Evangelisches Frankfurt September 2009

„Sicherheit und Wertschätzung“

Seit 100 Jahren wird Frauen in sozialen Notlagen am Zoo geholfen

„Die Arbeit ist absolut notwendig und verdient Anerkennung“ konstatierte die Chefredakteurin des ZDF-Magazins Mona Lisa, Sybille Bassler, anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Hauses „Lilith – Wohnen für Frauen“, das in Not geratenen Frauen Hilfe bietet. Als Teil des Zentrums für Frauen am Alfred-Brehm-Platz unterstützt die Einrichtung Frauen, die wohnungslos sind.

Das Haus bietet 28 Einzelzimmer und 4 Notbetten, sodass auch Frauen in akuten Krisen mit ihren Kindern aufgenommen werden können. Es gelingt den Frauen, eine neue Perspektive zu entwickeln, da die ärgste Not wie Obdachlosigkeit entfällt. Ergänzend zur individuellen Hilfe bietet Lilith das Leben in einer Wohngruppe an. Hier hören die Frauen, wie andere Frauen in ähnlichen Situationen gehandelt haben.

1909 eröffnete der Verein „Weibliche Stadtmission“ das Haus „für hilfs- und ratbedürftige, ferner für gefährdete sowie für verwahrloste oder gefallene Personen weiblichen Geschlechts.“ Übrigens sehr zum Ärger der Anwohner und des Frankfurter Magistrats, der den Betrieb in dieser wohlsituierten Wohngegend nicht zulassen wollte. 1944 wurde das Haus durch einen Bombenangriff zerstört. Alle Bewohnerinnen sowie zwei Betreuerinnen kamen dabei ums Leben. 1952 konnte man das Haus wieder aufbauen.

In den 1970er Jahren kam es im Zuge der Neuausrichtung der Heimpädagogik zu einem radikalen Wandel. Der Evangelische Regionalverband übernahm das Haus. Frauen konnten jetzt bis zu sechs Monaten hier verweilen. Im Zuge der weiteren Professionalisierung und Arbeitsteilung entstand am Alfred-Brehm-Platz noch die Beratungsstelle für Frauen, später kamen „Tamara – Beratung und Hilfe für Prostituierte“ und „17 Ost – Tagesstreff für Frauen“ hinzu.

Heute ist Lilith ein Haus, das in erster Linie Hilfe zur Selbsthilfe bietet. Ein Haus, in dem Frauen „Sicherheit, Halt und Vertrauen und vor allem Wertschätzung erfahren“, wie Karin Kühn, Leiterin des Hauses, betont. „In den Anfängen war der moralische Anspruch hoch und man hat diese Frauen entmündigt. Heute stehen Privatsphäre, Selbstbestimmung und individuelle Hilfestellung im Mittelpunkt.“

Pfarrerin Esther Gebhardt, die Vorsitzende des Evangelischen Regionalverbandes, dessen Diakonie das Haus betreibt, wies darauf hin, dass sich zwar die Notlagen der Frauen verändert hätten, es aber immer noch strukturell benachteiligte Frauen gebe. Sybille Bassler benannte in ihrer Festrede zahlreiche Beispiele: Frauen verdienen in Deutschland ein Viertel weniger als Männer. Ursache sei, dass zahlreiche Frauen in Frauenberufen wie Krankenschwester, Friseurin oder in Teilzeit arbeiteten. Auch das Elterngeld habe trotz anfänglicher Euphorie weder mehr Männer zur Elternzeit ermutigt noch eine erhöhte Geburtenrate gebracht. Armut sei immer noch weiblich. 6,8 Millionen Menschen lebten von Hartz IV, davon seien zwei Millionen Kinder.

Kurt-Helmuth Eimuth

Feb 01

Stiftungen helfen schon seit 1531

Evangelisches Frankfurt Februar 2009

Stiftungen helfen schon seit 1531

Die erste Frankfurter Stiftung, der heute noch existierende „Almosenkasten“, wurde bereits 1531 gegründet. Wie vielen mittelalterlichen Stiftungen lag ihm der Gedanke des Almosens zugrunde. Der Name deutet auch auf die Form des Spendens hin: Vermutlich stand tatsächlich eine Truhe in einer Kirche, in die man seine Gabe hineinwarf.

Nach der Trennung von Staat und Kirche blieb dieser „allgemeine Almosenkasten“ bei der Stadt. Noch heute werden aus diesem Vermögen Mittel für soziale Zwecke aufgewandt. Die evangelisch-lutherische Kirche gründete dann 1828 ihren eigenen, den Evangelischen Almosenkasten. Im Beschluss des Gemeindevorstands heißt es: „Dieser neu errichtete Almosenkasten bildet eine Sektion des Evangelisch-Lutherischen Gemeindevorstands und hat die von letzterem im Betreff der Einrichtung und Verbesserung des lutherischen Armenwesens gefassten Beschlüsse zum Vollzug zu bringen.“ Man wollte also die Unterstützung bedürftiger Personen für die evangelisch-lutherischen Gemeindemitglieder weiterführen. Die Katholiken und die Reformierten gründeten in der Stadt ähnliche Stiftungen.

Dieser evangelische „Almosenkasten“ existiert ebenfalls noch heute als eine Stiftung und wendet Mittel auf, um bedürftigen Menschen, die die Gemeinden benennen, eine einmalige oder regelmäßige Unterstützung zukommen zu lassen. Das Kapital beträgt etwa 500000 Euro, sodass etwa fünfzig Personen durch die ausgeschütteten Zinsen Unterstützung erfahren können. Der Gemeindebezug ist für Michael Frase, den Leiter des Diakonischen Werks für Frankfurt, besonders wichtig, da der Pfarrer oder die Pfarrerin die tatsächliche Notlage bestätigen können.

Im Lauf der Jahrhunderte haben sich die Motive für die christliche Unterstützung der Bedürftigen verändert, betont Frase: „Mitleid und Barmherzigkeit gab es selbstverständlich zu allen Zeiten, aber viele Stiftungen sind aus dem Verständnis einer Werkgerechtigkeit entstanden – man wollte sich mit guten Werken den Himmel verdienen.“ Es sei eine Errungenschaft von Humanismus und Reformation, diesen Verdienstgedanken überwunden zu haben. „Soziales Handeln wurde auf die Ursprünge gelebter Nächstenliebe und auf die sozialen Normen und Werte einer humanistischen Idealen verpflichteten Gesellschaft hingeführt.“

Kurt-Helmuth Eimuth

Feb 01

Soziale Arbeit für Zukunft sichern

Evangelisches Frankfurt Februar 2009

Soziale Arbeit für Zukunft sichern
Evangelische Diakoniestiftung ins Goldene Buch eingetragen

„In einer Zeit, da selbst Banken als Bettler auftreten, wagt es der Evangelische Regionalverband, Geld auf Dauer für bestimmte wohltätige Zwecke festzulegen“, freute sich Stadtrat Christof Warnke aus Anlass der Eintragung einer neuen Frankfurter Diakoniestiftung ins Goldene Buch der Stiftungen im Frankfurter Römer. Die Stiftung soll dazu beitragen, die soziale Arbeit der evangelischen Kirche in Frankfurt langfristig zu sichern und vom Kirchensteueraufkommen unabhängiger zu machen.

Stadtrat Christof Warnke - sitzend - freut sich über eine weitere Stiftung in Frankfurt: Pfarrerin Esther Gebhardt, Karsten von Köller und Pfarrer Michael Frase vom Stiftungsvorstand der neuen Diakoniestiftung sowie Pfarrer Burkhard Sulimma von deren Verwaltungsrat - stehend von links nach rechts - bei der Eintragung ins Goldene Buch der Stiftungen im Römer. | Foto: Rolf Oeser

Stadtrat Christof Warnke – sitzend – freut sich über eine weitere Stiftung in Frankfurt: Pfarrerin Esther Gebhardt, Karsten von Köller und Pfarrer Michael Frase vom Stiftungsvorstand der neuen Diakoniestiftung sowie Pfarrer Burkhard Sulimma von deren Verwaltungsrat – stehend von links nach rechts – bei der Eintragung ins Goldene Buch der Stiftungen im Römer.
Foto: Rolf Oeser

Der Regionalverband überträgt ihr dafür ein Barvermögen in Höhe von 1,5 Millionen Euro und hofft auf weitere Zustiftungen engagierter Bürgerinnen und Bürger. „Die Stiftung soll dazu beitragen, Schwerpunkte in der Arbeit der Kinder-, Jugend- und Familienbetreuung zu setzen sowie Hilfeleistungen für Menschen in Lebenskrisen, für Menschen mit Behinderungen, für Menschen, die auf medizinische Hilfe und Pflege angewiesen sind, zu erbringen“, erläuterte Pfarrer Michael Frase, Leiter des Diakonischen Werks für Frankfurt. „Des Weiteren will sie die Möglichkeit eines selbst bestimmten Lebens im Alter sowie in der letzten Lebensphase schaffen.“

Aus Erbschaften der evangelischen Blindenarbeit, die eine Zweckbindung haben, werden Hilfen für blinde und sehbehinderte Menschen finanziert. Frase kündigte an, dass auch eine Unterstiftung zur Förderung der Hospizarbeit in der evangelischen Kirche eingerichtet werden soll.

Nach Überzeugung von Stadtrat Warnke zeigt der Evangelische Regionalverband mit seiner Initiative ein Vertrauen, nach dem heute allenthalben Ausschau gehalten werde. Er wies darauf hin, dass Frankfurt die „Stiftungshauptstadt“ Deutschlands sei. Immerhin verwalten am Main 470 Stiftungen den Betrag von sechs Milliarden Euro, was mehr als das Doppelte des Frankfurter Jahresetats ist.

Für Frase ist die Diakoniestiftung eine moderne Organisationsform für diakonisches Handeln: „Man kann sagen, dass sie die moderne zeitgemäße Interpretation der Ausrichtung des Handelns auf die Not des Nächsten ist, wie sie uns im Neuen Testament grundlegend erklärt und als Aufgabe aufgegeben wird.“

Kurt-Helmuth Eimuth

Mai 01

Umtriebiger Politiker- Armin Clauss

Evangelisches Frankfurt Mai 2008

Umtriebiger Politiker

Festschrift zum 70. Geburtstag von Armin Clauss

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Offizielle Feierlichkeiten und Lobreden wollte Armin Clauss, der am 16. März seinen 70. Geburtstag feierte, nicht. Der frühere hessische Sozialminister (1976-1987) und Fraktionsvorsitzende der Landtags-SPD ist auch nach seinem Abschied von der politischen Bühne im Jahr 2003 aktiv, vor allem als Funktionär in der Diakonie. Clauss leitet die Hauptversammlung des Diakonischen Werks in Hessen und Nassau, führt die Gesellschafterversammlung der Frankfurter Diakoniekliniken und sitzt im Aufsichtsrat des kirchlichen Krankenhaus-Konzerns Agaplesion. Das Bockenheimer Markuskrankenhaus führte er 1993 aus der wirtschaftlichen Krise und war Mitbegründer der Frankfurter Diakoniekliniken.

Eben dieser Krankenhaus-Verbund widmet seinem ehrenamtlichen Funktionär nun eine Festschrift. Auf gut hundert Seiten wird das Leben des umtriebigen Mannes vor allem in Gewerkschaft und Politik geschildert. Da wird die hessische Politik lebendig. Schließlich gehörte Clauss dem ersten rot-grünen Kabinett an, und Joschka Fischer fühlte sich in jener Zeit von seinem Minister-Kollegen schlicht „überrumpelt“.

Dies und vieles andere ist nachzulesen in: Sabine Hock, 70 Mosaiksteine zur Biographie des hessischen Sozialpolitikers Armin Clauss, Frankfurt 2008. Die Festschrift ist kostenlos zu beziehen bei Agaplesion, Telefon 95332172, E-Mail info@agaplesion.de.

Kurt-Helmuth Eimuth

Mai 01

Kinderkrippen droht „Profit von Anfang an“

Evangelisches Frankfurt Mai 2008

Kommentar:
Kinderkrippen droht „Profit von Anfang an“

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Ohne Zweifel: Familienministerin Ursula von der Leyen gebührt Anerkennung. Sie hat die Kinderbetreuung in Deutschland nicht nur in den Mittelpunkt der Familienpolitik gestellt, sondern gegen viele Widerstände – auch in der eigenen Partei – den flächendeckenden Ausbau des Krippenangebots durchgesetzt. Doch mit ihrem jüngsten Vorschlag, auch private Anbieter von Kinderbetreuungsplätzen staatlich zu fördern, kehrt die CDU-Politikerin zurück in das Lager konservativer Ideologien.

Ohne Not sollen private Investoren mit öffentlichen Geldern geködert werden. Dem Argument, dass dieses womöglich die Qualität der Betreuung schmälert, begegnet die Ministerin mit dem Hinweis auf „Qualitätsstandards“. Doch die Erfahrung zeigt, dass dies immer nur Mindeststandards sein können. Auf dem ambulanten Pflegemarkt ist das längst zu sehen. Private Pflegedienste arbeiten mit Hilfs- statt mit Fachkräften, bezahlen geringere Löhne und können dadurch deutlich billiger sein.

Im Bereich der Betreuung von Kleinkindern ist die Sache noch einmal komplizierter. Wie kann bei so komplexen Bildungsprozessen, die von der Beziehung zwischen Kind und Erzieherin abhängen, Qualität objektiv gemessen werden? Sie lässt sich allenfalls beschreiben. Die wirkliche Zuwendung zum Kind entzieht sich aber jeder Mess-Skala. Messbar dagegen ist der Profit. Wenn Kapital eingesetzt wird, muss eine Rendite herauskommen. So funktioniert dieses Wirtschaftssystem nun einmal. Dagegen ist auch überhaupt nichts zu sagen. Doch es ist klar: Die private Kinderkrippe mit staatlicher Unterstützung wird nicht nur das Kind, sondern auch die Bilanz in den Mittelpunkt stellen. Das ist schlecht für die Steuerzahler, die private Gewinne subventionieren, und es ist schlecht fürs Kind, das Mittel zum Zweck der Profitmaximierung wird.

Die Stadt Frankfurt hat in einer einzigartigen Anstrengung vorgemacht, wie es anders gehen kann. Sie hat die Zahl der Erzieherinnen in den Kindertagesstätten gesteigert, und im Dialog mit den gemeinnützigen Trägern wird weiter an der Qualitätssteigerung gearbeitet. Dazu bedarf es weder elitärer noch privater Einrichtungen. Jeder in eine Kindertagesstätte investierte Euro bringt, volkswirtschaftlich betrachtet, ein Vielfaches an Nutzen für die Allgemeinheit. Es bleibt das Geheimnis von Ursula von der Leyen, warum sie einen Teil dieses so dringend benötigten Geldes privaten Investoren in den Rachen werfen will. Mit dem Motto „Bildung von Anfang an“ ist doch wohl nicht „Profit von Anfang an“ gemeint.

Kurt-Helmuth Eimuth

Mrz 01

Einfach etwas bewirken

Evangelisches Frankfurt März 2008

Einfach etwas bewirken
Juristen helfen obdachlosen Menschen mit ihrem Fachwissen

Dem studentischen Milieu sind sie noch verhaftet, die beiden Doktoranten der Jurisprudenz: Treffpunkt zum Interview ist ein stadtbekanntes Café in der Bockenheimer Grempstraße. An den blanken, naturbelassenen Tischen sitzen zwei sportliche junge Herren, die sich für die Allgemeinheit engagieren: Sie sind die Gründer des eingetragenen Vereins „Frankfurter Nächstenhilfe“. Man glaubt Christian Zeller (29) und Stefan Köhler (30) sofort, dass sie die Dinge in die Hand nehmen.

Gründeten die „Frankfurter Nächstenhilfe“: Die beiden Juristen Christian Zeller - rechts - und Stefan Köhler. | Foto: Kurt-Helmuth Eimuth

Gründeten die „Frankfurter Nächstenhilfe“: Die beiden Juristen Christian Zeller – rechts – und Stefan Köhler.
Foto: Kurt-Helmuth Eimuth

Die beiden Juristen hatten sich überlegt, wie sie armen Menschen helfen könnten. Dabei sollte jeder die eigene Begabung einbringen. Juristen können reden, schreiben, verhandeln. Und so boten sie ihre Kompetenz und ihre Zeit dem diakonischen Tagestreff für obdachlose Menschen im Bahnhofsviertel an.

„Weser 5“, wie sich der Treffpunkt nach der Anschrift des Hauses in der Weserstraße nennt, freut sich über die Zusammenarbeit. Das Angebot einer Unterstützung beim Umgang mit Behörden, Banken oder Vermietern kann man hier gut gebrauchen. „Viele Menschen, die zu Weser 5 kommen, legen uns ungeöffnete Briefe vor, die schon Monate alt sind“, erzählt Köhler. „Meistens wissen sie gar nicht, um was es in den Schreiben geht.“ Köhler betont aber auch die andere Seite – denn auch der, der hilft, bekommt etwas zurück: „Wir kommen vom Studium, und plötzlich können wir etwas tun. Mit einem einfachen Schreiben kann man etwas bewirken. Das ist ein Motivationsschub. Da sieht man ein Ergebnis.“

Der Name „Frankfurter Nächstenhilfe“ ist keineswegs zufällig. „Die Wortwahl“, so Zeller, „verrät den christlichen Hintergrund.“ Dies wundert nicht, denn beide sind in enger Bindung an die evangelische Kirche groß geworden. Zeller, aufgewachsen in Pforzheim, besuchte den kirchlichen Kindergarten, ging später in die Jungschar und spielte im Posaunenchor. Köhler kommt aus Erfurt. Zur „Wende“ war er zwölf Jahre alt. Seine Familie gehörte zur evangelischen Kirche. Er besuchte Freizeiten, machte Fahrten mit und ging in die „Christenlehre“, wie der außerhalb der Schule stattfindende Religionsunterricht in der DDR hieß. Kennengelernt haben sich die beiden beim Studium in Mannheim, eine enge Verbindung wurde es beim gemeinsamen Auslandsstudium in London.

Frankfurt haben sie inzwischen kennen und schätzen gelernt. „Deshalb heißt der Verein ja auch „Frankfurter Nächstenhilfe“, betonen sie. Zeller, verheiratet mit einer Hessin und Familienvater, sagt: „Ich fühle mich als Hesse.“ Die Vorzüge Frankfurts? „Die Campus-Universität. Das ist einmalig in ganz Deutschland“, sagt Zeller und Köhler nickt zustimmend. Ja und dann ist da noch die internationale Prägung der Stadt. „Das fand ich von Anfang an am anziehendsten“, ergänzt Köhler und verweist auf die Erfahrung in London.

Für die engagierten Juristen hat Frankfurt ein großstädtisches Kultur- und Freizeitangebot. Das ist wichtig für sie, denn sie sind auch in Sportvereinen aktiv. Und wenn alles klappt, wird Christian Zeller in diesem Jahr den Ironman in Frankfurt durchstehen. Wer weiß, vielleicht stehen dann ja einige von den Leuten aus „Weser 5“ zum Anfeuern an der Strecke. Denn sie wissen: Dieser Mann kann durchhalten.

Kurt-Helmuth Eimuth

Feb 01

"Kinder müssen selbst aktiv werden“

Fachtag für Erzieherinnen über neue frühpädagogische Erkenntnisse

Die Frühpädagogik ist im Umbruch. Erzieherinnen in den Kindertagesstätten sollen die Kinder nicht nur beaufsichtigen, sondern fördern und bilden. Unter dem Motto „Bildung bewegt“ stand daher ein Fachtag für die Erzieherinnen und Erzieher in den 78 evangelischen Kindertagesstätten in Frankfurt, die täglich von fast 5000 Kindern besucht werden.

Erstmals waren auch die Grundschullehrerinnen und -lehrer eingeladen. Damit setzten die beiden Veranstalter, das Religionspädagogische Amt und das Diakonische Werk für Frankfurt, die Forderung des Hessischen Bildungsplans nach verstärkter Kooperation von Schule und Kindergarten um.

Die Freude an Büchern ist ganz wichtig für die frühkindliche Bildung. Bei den „Kinderlesetagen“ der Christuskirchengemeide in Nied konnten Kinder aller Altersstufen sich spannende Geschichten vorlesen lassen und in Büchern schmökern. | Foto: Oeser

Die Freude an Büchern ist ganz wichtig für die frühkindliche Bildung. Bei den „Kinderlesetagen“ der Christuskirchengemeide in Nied konnten Kinder aller Altersstufen sich spannende Geschichten vorlesen lassen und in Büchern schmökern.
Foto: Oeser

Die Bedeutung der frühen kindlichen Bildung hob Bernhard Kalicki vom Staatsinstitut für Frühpädagogik in München hervor. Die neuere Hirnforschung zeige, so der Hochschullehrer, dass die strukturelle Reifung des Gehirns bei der Geburt noch lange nicht abgeschlossen sei, sondern sich bis zur Pubertät fortsetze. Be­ einflusst von Sinnessignalen vollziehe sich ein stetiger Umbau von Nerven­ verbindungen, wobei nur ein Drittel der Verbindungen erhalten blieben. Deshalb gelte es, einen aktiven Konstruktionsprozess zu fördern. Die Kinder müssten selbst aktiv werden. Dies gelte für alle Bereiche des Lernens, für den Spracherwerb ebenso wie für motorische Fähigkeiten. Erzieherinnen müssten sich deshalb als „Moderatorinnen von aktiven Bildungsprozessen“ verstehen, so Kalicki.

Wie dies konkret umgesetzt werden kann, erfuhren die über 200 Teilnehmerinnen des Fachtages in zahlreichen Seminaren. So ist etwa die Hinführung zu den Naturwissenschaften und zur Mathematik in den Kindergärten keineswegs mehr exotisch. Allerdings staunten die Erzieherinnen, als der Hochschullehrer die Kindergruppengröße im internationalen Vergleich präsentierte: In Amerika sind 18 Kinder, in der Europäischen Union 12 bis 15 Kinder in einer Gruppe untergebracht; in Frankfurt dagegen sind es 21, in Hessen sogar 25 Kinder.

Als „ureigenste Aufgabe von Kirche“ bezeichnete Kurt-Helmuth Eimuth vom Diakonischen Werk für Frankfurt die Arbeit der Kindertagesstätten. Bildung gehöre zum Kerngeschäft der Kirche, denn mit der Geburt trete der Mensch in den Raum der Bildung ein. Der Pädagoge betonte, dass schon am Anfang der kirchlichen Kinderbetreuung im 17. Jahrhundert den Kindern eben nicht nur eine warme Suppe, sondern auch schon Bildung vermittelt wurde. Die damalige Bezeichnung „Kleinkinderschule“ weise darauf hin. Eimuth: „Bildung ist ein Markenzeichen des Protestantismus. Schon immer gehörten Diakonie und Bildung zusammen.“

truk

Evangelisches Frankfurt Feb 2007

Nov 01

Pflegeversicherung in der Pflicht

Die ambulante Pflege durch die evangelische Kirche ist auf Jahre gesichert. Das Frankfurter Kirchenparlament, die Evangelische Regionalversammlung, debattierte intensiv und mit Leidenschaft, als es um die Zukunft der Diakoniestationen ging. Etwa drei Millionen Mark wird die Kirche jährlich zur Versorgung der Kranken zuschießen. Gut angelegtes Geld allemal. Doch gemessen an den erwarteten gut fünfzig Millionen Kirchensteuer, die nach Frankfurt fließen, wahrlich kein großer Brocken.
Theoretisch sollten die ambulanten Dienste vollständig von der Pflegeversicherung bezahlt werden. Zur Abrechnung werden dabei die einzelnen Handgriffe der Krankenschweister wie in der Autowerkstatt im Minutentakt eingeteilt – das ist Pflege im Akkord. Zum Beispiel darf die Schwester fünfzehn Minuten für Anfahrt und Begrüßung brauchen. Wer in Bornheim oder Sachsenhausen schon einmal einen Parkplatz gesucht hat, weiß, wie unrealistisch das ist. Die Statistik der Diakoniestationen weist aus, dass die evangelischen Schwestern im Durchschnitt achtzehn Minuten für Anfahrt und Begrüßung benötigen. Drei Minuten zuviel also, aber dafür sprechen sie auch mal ein aufmunterndes Wort zu Patienten und Angehörigen. Gerade von einem evangelischen Pflegedienst wird zu Recht erwartet, dass auch Zeit ist, sich Sorgen und Nöte anzuhören. Doch so etwas sieht die Pflegeversicherung nicht vor. Und so addieren sich eben die drei Minuten bei zehn Patientinnen und Patienten am Tag ganz schnell auf eine halbe Stunde. Das macht in der Woche zweieinhalb Stunden und im Monat gut zehn Stunden Arbeitszeit aus – die die Kirche voll zu tragen hat. Von all den anderen Leistungen, die erbracht werden und nicht abgerechnet werden können, ganz zu schweigen. Die Schwester der Diakoniestationen bringt auch mal Arzeneien aus der Apotheke mit oder es wird Nachtwache bei einem Sterbenden gehalten. Alles nicht abrechenbar, aber trotzdem notwendig.
Allein in Frankfurt zahlen Caritas und Diakonie jährlich Millionen, um diese Qualität der Pflege zu sichern. Es ist ein Standard, der eigentlich nicht übertrieben anspruchsvoll ist. Es sollte doch selbstverständlich sein, dass Pflegedienste Kranke nicht abweisen, nur weil ihr Haus nicht auf der im Fünfzehn-Minutentakt zu erreichenden Fahrtroute liegt. Hier ist die Pflegeversicherung gefordert. Sie sollte ihr Finanzierungssystem überprüfen. Die von der Kirche angemahnten Leistungen sind ja nun wirklich kein Luxus, sondern ein Mindestmaß an menschlicher Zuwendung. Man sollte daran denken, dass wir alle einmal auf solche Pflege angewiesen sein könnten.
Kurt-Helmuth Eimuth

Evangelisches Frankfurt, Ausgabe November 2000 · 24. Jahrgang · Nr. 6

Nov 01

Pflegeversicherung in der Pflicht

Die ambulante Pflege durch die evangelische Kirche ist auf Jahre gesichert. Das Frankfurter Kirchenparlament, die Evangelische Regionalversammlung, debattierte intensiv und mit Leidenschaft, als es um die Zukunft der Diakoniestationen ging. Etwa drei Millionen Mark wird die Kirche jährlich zur Versorgung der Kranken zuschießen. Gut angelegtes Geld allemal. Doch gemessen an den erwarteten gut fünfzig Millionen Kirchensteuer, die nach Frankfurt fließen, wahrlich kein großer Brocken.
Theoretisch sollten die ambulanten Dienste vollständig von der Pflegeversicherung bezahlt werden. Zur Abrechnung werden dabei die einzelnen Handgriffe der Krankenschweister wie in der Autowerkstatt im Minutentakt eingeteilt – das ist Pflege im Akkord. Zum Beispiel darf die Schwester fünfzehn Minuten für Anfahrt und Begrüßung brauchen. Wer in Bornheim oder Sachsenhausen schon einmal einen Parkplatz gesucht hat, weiß, wie unrealistisch das ist. Die Statistik der Diakoniestationen weist aus, dass die evangelischen Schwestern im Durchschnitt achtzehn Minuten für Anfahrt und Begrüßung benötigen. Drei Minuten zuviel also, aber dafür sprechen sie auch mal ein aufmunterndes Wort zu Patienten und Angehörigen. Gerade von einem evangelischen Pflegedienst wird zu Recht erwartet, dass auch Zeit ist, sich Sorgen und Nöte anzuhören. Doch so etwas sieht die Pflegeversicherung nicht vor. Und so addieren sich eben die drei Minuten bei zehn Patientinnen und Patienten am Tag ganz schnell auf eine halbe Stunde. Das macht in der Woche zweieinhalb Stunden und im Monat gut zehn Stunden Arbeitszeit aus – die die Kirche voll zu tragen hat. Von all den anderen Leistungen, die erbracht werden und nicht abgerechnet werden können, ganz zu schweigen. Die Schwester der Diakoniestationen bringt auch mal Arzeneien aus der Apotheke mit oder es wird Nachtwache bei einem Sterbenden gehalten. Alles nicht abrechenbar, aber trotzdem notwendig.
Allein in Frankfurt zahlen Caritas und Diakonie jährlich Millionen, um diese Qualität der Pflege zu sichern. Es ist ein Standard, der eigentlich nicht übertrieben anspruchsvoll ist. Es sollte doch selbstverständlich sein, dass Pflegedienste Kranke nicht abweisen, nur weil ihr Haus nicht auf der im Fünfzehn-Minutentakt zu erreichenden Fahrtroute liegt. Hier ist die Pflegeversicherung gefordert. Sie sollte ihr Finanzierungssystem überprüfen. Die von der Kirche angemahnten Leistungen sind ja nun wirklich kein Luxus, sondern ein Mindestmaß an menschlicher Zuwendung. Man sollte daran denken, dass wir alle einmal auf solche Pflege angewiesen sein könnten.

Kurt-Helmuth Eimuth
Evangelisches Frankfurt, Ausgabe November 2000 · 24. Jahrgang · Nr. 6