
HAMBURG. Wer beim Filmfest Hamburg an Champagner, roten Teppich und Empfänge denkt, wird rasch ernüchtert. Für freie Berichterstatter wie Dr. Thomas Heuer und Anne-Elisabeth Eimuth von der Medienplattform Infomedia.SH besteht das Festival vor allem aus Terminnot, Arbeitsdruck und knappen Karten. »Ich habe keine Häppchen gesehen, weder gesehen noch gegessen«, resümiert Heuer den pragmatischen Festivalalltag jenseits des Prunks.
Der Zugang zu den Filmen gleicht einem digitalen Wettlauf. Jeden Morgen um Punkt acht Uhr müssen Akkreditierte im Online-System Karten sichern, die oft in Sekunden vergriffen sind. Für die Verleihung des Douglas-Sirk-Preises blieben 31 Sekunden, beim Historiendrama »Coward« vergingen gar nur neun Sekunden.
Dennoch bietet Hamburg Raum für große Momente. Die 81-jährige Helen Mirren wurde für ihr Lebenswerk geehrt und betonte in einer ergreifenden Rede, »wie schwierig es ist als Frau in der Filmbranche überhaupt noch Fuß zu fassen im Alter«. Regisseur Fatih Akin holte nach der Vorführung spontan 58 Teammitglieder auf die Bühne.
Im Unterschied zur Berlinale besitzt Hamburg keinen Filmmarkt. Obwohl Branchenvertreter bei den »Industry Days« zusammentreffen, hatten im Festivaljahr rund zwanzig gezeigte Filme keinen deutschen Verleih. Das inhaltliche Profil bleibt jedoch gesellschaftskritisch: Werke wie »Call me Queen« verhandeln den Kampf gegen Aids und Pharmamonopole in Afrika, während »Conversation with the Sea« nahöstliche Konflikte subtil spiegelt. Die Dokumentation »Everybody to Can Street« zeigt den Bürgerprotest gegen eine Abschiebung in Glasgow.
Das Engagement freier Beobachter bleibt dabei unverzichtbar. Die unabhängige Redaktion Infomedia.SH feiert ihr 25-jähriges Bestehen und begleitet das norddeutsche Filmgeschehen weiterhin mit Leidenschaft.
Zur Person
Anne-Elisabeth Eimuth, Redakteurin Infomedia.SH
Dr. Tohmas Heuer, Medienwissenschaftler, Redakteur Infomedia.SH