Kirchenvorstände werden gewählt

Evangelisches Frankfurt 2009

Kirchenvorstände werden gewählt

Annähernd tausend Männer und Frauen kandidieren für die Kirchenvorstände in den Frankfurter Gemeinden. Diese werden am 21. Juni für sechs Jahre neu gewählt. Derzeit liegen die Wahl-listen in den Gemeinden aus. Wahlberechtigt sind alle Mitglieder der evangelischen Kirche, die am Wahltag 14 Jahre alt sind.

Bis 14 Tage vor der Wahl können Gemeindemitglieder Auskunft darüber verlangen, ob sie im Wählerverzeichnis aufgeführt werden. Eine Berichtigung ist bis zum Wahltag möglich.

Der Kirchenvorstand ist das oberste Organ der Kirchengemeinde. Er verwaltet die Finanzen, wählt die Pfarrerin oder den Pfarrer und verantwortet die Gemeindearbeit. Vorsitzender des Kirchenvorstandes soll ein ehrenamtliches Mitglied sein.

Kurt-Helmuth Eimuth

„Immer mehr“ – das klappt nicht

Evangelisches Frankfurt April 2009

„Immer mehr“ – das klappt nicht

Der Medienkritiker Neil Postman fragte vor gut einem Jahrzehnt: „Amüsieren wir uns zu Tode?“ Angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise muss diese Frage wohl umformuliert werden: „Konsumieren wir uns zu Tode?“

Alle Wirtschaftswissenschaftler sind sich einig: Einzig der Konsum hilft der Wirtschaft wieder auf die Beine. Konsum bedeutet Absatz. Und Absatz bedeutet Gewinn und Arbeitsplätze. Gewinn bedeutet Investition, also Konsum, und so weiter. Sicher, eine Renditeerwartung von 25 Prozent ist unmoralisch. Aber warum nicht 10, 12 oder 15 Prozent? Alle haben bei dem weltweiten Monopoly mitgemacht – auch die Kirchen. Die einen mehr, die anderen weniger.

Noch ein „Konsumtempel“ mehr in der Stadt – Ende Februar eröffnete in Frankfurt mit großem Andrang von Neugierigen das „MyZeil“. Ob's gegen die Krise hilft, wird sich zeigen. | Foto: Rolf Oeser

Noch ein „Konsumtempel“ mehr in der Stadt – Ende Februar eröffnete in Frankfurt mit großem Andrang von Neugierigen das „MyZeil“. Ob’s gegen die Krise hilft, wird sich zeigen.
Foto: Rolf Oeser

Konsum, Produktivitätssteigerung und Rendite sind das Schmiermittel dieses Wirtschaftssystems, das sich in den vergangenen Jahren ungebändigt entfalten durfte. Die „Fesseln“ der sozialen Marktwirtschaft hatte diese Art globalisierter Raubtierkapitalismus längst abgestreift. Ohne Scham ging man auf Profitjagd. Das Mehr-Haben-Wollen ist, wenn es auch moralisch nicht hoch im Kurs steht, so doch die eigentliche Triebfeder des Kapitalismus.

Und nun kommen wieder die alten Rezepte. Konjunkturprogramme sollen den Konsum anschieben. Bei den Autos funktioniert es offenbar, und dass Schulen renoviert werden und Krabbelstuben entstehen, ist sicher gut und seit langem überfällig. Doch ein Wirtschaftssystem, das jedes Jahr eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts benötigt, läuft sich auf lange Sicht tot. Der Verbrauch an Wasser, an Energie, an Fläche, an Nahrungsmitteln kann für eine stetig weiter wachsende Weltbevölkerung nicht gedeckt werden. Jedes Jahr mehr, das bedeutet – trotz aller technologischen Fortschritte – eben immer auch ein Mehr an Ressourcenverbrauch. Auf diese Weise ist keine Gerechtigkeit in einer näher zusammenrückenden Welt herzustellen.

Übrigens war der Auslöser der derzeitigen Finanzkrise gerade die Ankurbelung des Konsums in den USA durch sehr, sehr niedrige Zinssätze. Es muss sich erst noch zeigen, ob Konjunkturprogramme und Zinssenkungen wirklich helfen, oder ob sie nicht im Moment ihrer Wirksamkeit bereits der Anfang der nächsten Krise sind. Immerhin muss man der Politik zugute halten, dass es im derzeitigen System keine Alternative zu Konjunkturprogrammen gibt, auch wenn man sie angesichts der unbestritten heranziehenden Klimakatastrophe hätte ökologischer akzentuieren müssen.

Doch gilt: Wenn die Menschheit langfristig in Frieden leben will, muss sie um der Gerechtigkeit willen menschliche Gier eindämmen und den Raubtierkapitalismus zähmen.

Kurt-Helmuth Eimuth

Die Krabbel-Offensive

Evangelisches Frankfurt April 2009

Die Krabbel-Offensive

Krabbelstuben sind nichts Böses – vorausgesetzt, die Qualität stimmt. In den nächsten vier Jahren will die evangelische Kirche in Frankfurt tausend neue Plätze für Kinder unter drei Jahren schaffen und ihr derzeitiges Angebot damit fast verfünffachen. Die Bedürfnisse und Bildungschancen der Kinder selbst stehen dabei im Mittelpunkt.

Es ist ein sonniger Tag, und die Kinder in der evangelischen Krabbelstube in Zeilsheim freuen sich, raus zu kommen – eifrig steigen sie in ihre Stiefel und Anoraks und toben kurz darauf im Außengelände herum. Lena hingegen ist müde und hat sich in ihr Bettchen im Schlafraum gelegt, Samantha knabbert an ihrem Tischchen an einem Brot, während der kleine Stefan, der noch nicht laufen kann, auf eigene Faust den Raum erkundet. „Bei uns machen nie alle Kinder zur gleichen Zeit dasselbe“, sagt Leiterin Tanja Stadtmüller, „wir passen uns ganz dem Rhythmus jedes einzelnen Kindes an.“

Neuankömmling Jarne weiß noch nicht genau, ob es ihm in der Krabbelstube gefällt. Aber er hat ja Zeit, sich daran zu gewöhnen – mindestens vier Wochen lang sind Mama oder Papa jederzeit erreichbar. | Foto: Ilona Surrey

Neuankömmling Jarne weiß noch nicht genau, ob es ihm in der Krabbelstube gefällt. Aber er hat ja Zeit, sich daran zu gewöhnen – mindestens vier Wochen lang sind Mama oder Papa jederzeit erreichbar.
Foto: Ilona Surrey

Dreh- und Angelpunkt dieses Konzeptes, das sich an den Vorschlägen der ungarischen Kinderärztin Emmi Pikler orientiert, ist die Beziehung zwischen Erzieherin und Kind. So ist in der Eingewöhnungsphase, die in der Regel vier bis sechs Wochen dauert, eine einzige Erzieherin für das Kind zuständig – wird sie krank, muss der Eingewöhnungsprozess unterbrochen werden. „Nur wenn die Bindung zwischen Kind und einer festen Bezugsperson stark und sicher ist, wird es anfangen, die Umgebung aktiv zu erkunden“, sagt Vanessa Hoch, die im Diakonischen Werk für Frankfurt die fachliche Ausrichtung betreut.

Es ist jedoch nicht immer leicht, konsequent die Bedürfnisse der Kinder in den Mittelpunkt zu stellen. Da komme es vor, dass Eltern sich beklagen, wenn ihre Kleinen am Nachmittag zu lange geschlafen haben – weil sie dann am Abend wach sind und beschäftigt werden wollen. Andere fragen schon in der Krabbelstube nach Frühenglisch und sind skeptisch, wenn die Erzieherinnen die Kleinen nicht ständig „bespielen“ und beim Lernen vorantreiben.

Vielleicht ist diese Erwartungshaltung kein Wunder, denn schließlich wurde der massive Ausbau von Krippenplätzen in Deutschland nicht zuerst aus pädagogischen, sondern vielmehr aus wirtschaftlichen und ordnungspolitischen Gründen angestoßen: Junge Frauen sollen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und der Nachwuchs „bildungsferner“ Schichten möglichst früh gefördert werden. Auch Tanja Stadtmüller weiß um den Druck, dem viele Eltern heute im Alltag ausgesetzt sind. „Deshalb bemühen wir uns sehr, ihnen möglichst entgegen zu kommen.“ Feste Bring- und Abholzeiten gibt es nicht, Verbesserungsvorschläge sind jederzeit willkommen.

Wann immer die Kleinen Hunger haben, gibt's etwas zu essen. Die Wünsche der Kinder werden von den Erzieherinnen sehr ernst genommen. | Foto: Ilona Surrey

Wann immer die Kleinen Hunger haben, gibt’s etwas zu essen. Die Wünsche der Kinder werden von den Erzieherinnen sehr ernst genommen.
Foto: Ilona Surrey

Viel zu lange sind in Deutschland Familien und öffentliche Einrichtungen beim Thema Kleinkinderbetreuung gegeneinander ausgespielt worden. Es wird höchste Zeit, dass sie an einem Strang ziehen. „Der Weg zu einer Institutionalisierung der Kinderbetreuung auch unter drei Jahren ist richtig und notwendig“, bekräftigt Pfarrer Michael Frase, der Leiter des Diakonischen Werkes für Frankfurt. Auch in der Kirche – lange Zeit ein Hort überkommener Familienmodelle – hat sich diese Erkenntnis inzwischen durchgesetzt.

Beim Ausbau der Krabbelstuben dürfe es aber nicht einfach um „Betreuungsplätze“ gehen, sondern vielmehr um Bildung, ist der zuständige Arbeitsbereichsleiter Kurt-Helmuth Eimuth überzeugt. Wobei sich der Bildungsbegriff nicht länger an dem klassischen Schulmodell orientiert, wo die Lehrer vorgeben, was wann gelernt wird. Eher steht das Verhalten einer Mutter Modell, die verlässlich da ist, dem Kind erklärt, was es wissen will, und ihm im ganz normalen Lebensalltag Anregungen bietet.

„Der Mensch lernt durch Nachahmung, Ausprobieren und Kommunikation“, erläutert Eimuth diesen Prozess. Material dazu gibt es in den Krabbelstuben zur Genüge: Holzrampen und Treppen, Sachen zum Rütteln, Betasten, Auf- und Zuschrauben. „Wir nehmen gerne Alltagsgegenstände“, sagt Tanja Stadtmüller und deutet auf leere Plastikflaschen, Cremedosen, bemalte Würfel und vieles mehr, das auf den Entdeckungsdrang der Kleinsten wartet. Die Erzieherinnen fragen regelmäßig nach den Wünschen der Kinder und erklären ihnen alles, was sie selbst tun. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Windelwechseln, das nicht etwa als lästige Notwendigkeit, sondern als wichtiger Teil des Bildungsprozesses verstanden wird. „Diese intime Interaktion trägt ganz entscheidend zur Vertrauensbildung bei“, sagt Vanessa Hoch. Wobei das Kind selbst entscheidet, wann die Windel gewechselt werden soll.

Auch für viele Erzieherinnen ist so ein Konzept eine Herausforderung. „Sie müssen lernen, sich selbst zurückzunehmen und die Kinder machen zu lassen.“

In den meisten Ausbildungsgängen gibt es in punkto Frühpädagogik jedoch noch einen gewissen Nachholbedarf. Forderungen nach einer Akademisierung der Erzieherinnenausbildung sieht Kurt-Helmuth Eimuth zwiespältig. Er setzt eher auf differenzierte Ausbildungsgänge und „multiprofessionelle“ Teams: akademisch ausgebildete „Bildungsorganisatorinnen“ in der Einrichtungsleitung, dazu Spezialistinnen für interkulturelle oder religiöse Bildung, die mit ihren Fachkenntnissen diejenigen unterstützen, die als erste Bezugspersonen für die Kinder da sind.

Antje Schrupp

Frankfurt braucht 4500 zusätzliche Erzieherinnen

Ab dem Jahr 2013 haben Eltern in Deutschland einen Rechtsanspruch auf einen Krabbelstuben-Platz für ihre Kinder. Zuständig sind die Kommunen. Für die Stadt Frankfurt heißt das: In nur vier Jahren müssen rund 5500 neue Plätze geschaffen werden. Die evangelische Kirche will sich mit 1000 neuen Plätzen an diesem gewaltigen Ausbau beteiligen. Dafür ist ein Bauvolumen von rund 20 Millionen Euro vorgesehen, finanziert ganz überwiegend von der Kommune sowie aus Landes- und Bundeszuschüssen.

Dabei stellen sich vor allem zwei Probleme. Erstens gilt es, geeignete Liegenschaften zu finden. Sie müssen aus Sicherheitsgründen im Erdgeschoss liegen und über ein Außengelände verfügen – keine leichte Sache, vor allem im Innenstadtbereich. Noch schwieriger wird es jedoch sein, genügend Erzieherinnen zu finden. Die Stadt Frankfurt schätzt den Bedarf in den kommenden vier Jahren auf 4500 zusätzliche Kräfte. Dem stehen aber in diesem Zeitraum nur rund 1500 Absolventinnen und Absolventen der Berta-Jourdan-Schule gegenüber.

Antje Schrupp

Erzieherinnen braucht das Land

Erzieherinnen und Erzieher braucht das Land

Während derzeit viele Menschen um ihren Arbeitsplatz bangen, gibt es eine Berufsgruppe, die sich diesbezüglich überhaupt keine Sorgen machen muss: Erzieherinnen. Allein in Frankfurter Kindertagesstätten und Krabbelstuben werden in den nächsten vier Jahren schätzungsweise 4500 neue Kräfte gebraucht. Wo die herkommen sollen, weiß derzeit noch niemand. In derselben Zeit werden nämlich in der Berta-Jourdan-Schule, der einzigen Ausbildungsstätte für Erzieherinnen in der Stadt, nur rund 1500 Absolventinnen – und wenige Absolventen – ihren Abschluss machen.

Der Grund für diesen großen Bedarf ist die Tatsache, dass ab 2013 Eltern in Deutschland einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz für ihre Kinder haben. Auch in der evangelischen Kirche, lange ein Hort überkommener Familienmodelle, hat sich diese Erkenntnis inzwischen durchgesetzt: „Der Weg zu einer Institutionalisierung der Kinderbetreuung auch unter drei Jahren ist richtig und notwendig“, betont Pfarrer Michael Frase, der Leiter des Diakonischen Werkes im Evangelischen Regionalverband Frankfurt.

Von den rund 5500 neuen Krippenplätzen, die nach Schätzungen der Stadt in den nächsten vier Jahren geschaffen werden müssen, sollen 1000 in evangelischer Trägerschaft sein. Das bedeutet, dass die Kirche ihr derzeitiges Angebot fast verfünffachen will. Dabei kommt es vor allem auf die Qualität an, betont Kurt-Helmuth Eimuth, der im Diakonischen Werk für Kitas und Krabbelstuben zuständig ist. „Es geht um Bildung“, so Eimuth. Allerdings kann Bildung bei Ein- oder Zweijährigen nicht so ablaufen wie in der Schule, wo die Lehrer vorgeben, was wann gelernt wird. Die evangelischen Krabbelstuben arbeiten vielmehr nach einem Konzept, das die Bedürfnisse der Kinder selbst konsequent in den Mittelpunkt stellt. „Der Mensch lernt durch Nachahmung, Ausprobieren und Kommunikation“, so Eimuth.

Was das praktisch bedeutet, erläutert Tanja Stadtmüller, die Leiterin der evangelischen Krabbelstube in Zeilsheim: „Bei uns machen nie alle Kinder zur gleichen Zeit dasselbe.“ Die Kinder selbst entscheiden, wann sie schlafen, essen, spielen oder die Windeln gewechselt haben möchten. Die Erzieherinnen bieten ihnen kein „Programm“, sondern begleiten die Kleinen bei ihrem Entdeckungsdrang. Überall gibt es etwas zu erkunden, zum Beispiel Alltagsgegenstände wie leere Cremedosen oder Plastikflaschen. Rampen und Stufen animieren zum Klettern, die Kinder dürfen auch im Waschbecken plantschen oder sich in die Kuschelecke verziehen – je nachdem, was gerade ihr Interesse weckt. Das pädagogische Konzept dazu stammt von der ungarischen Kinderärztin Emmi Pikler.

Auch das Windelwechseln wird dabei nicht etwa als lästige Notwendigkeit angesehen, sondern als wichtiger Teil des Bildungsprozesses, erklärt Vanessa Hoch, die für die fachliche Ausrichtung der evangelischen Krabbelstuben zuständig ist: „Diese intime Interaktion trägt ganz entscheidend zur Vertrauensbildung bei.“ Und weil das Vertrauen zwischen Kind und Erzieherin so wichtig ist, ist in der Eingewöhnungsphase, die vier bis sechs Wochen dauert, eine einzige Kollegin für ein Kind zuständig. Wird sie zum Beispiel krank, muss die Eingewöhnungsphase unterbrochen werden. „Nur wenn die Bindung zwischen Kind und einer festen Bezugsperson stark und sicher ist, wird es anfangen, die Umgebung aktiv zu erkunden“, erklärt Hoch.

Auch für viele Erzieherinnen ist so ein Konzept eine Herausforderung, denn sie müssen sich selbst zurücknehmen und großen Respekt vor den Kleinen mitbringen. In der Ausbildung haben sie das nicht unbedingt gelernt – hier gibt es selten einen speziellen Schwerpunkt auf Frühpädagogik. Kurt-Helmuth Eimuth kritisiert die „Allround“-Pädagogik, die heute oft noch das Berufsbild Erzieherin prägt – sie müssen alles können, von der Krabbelstube bis zum Heim für Jugendliche.

Forderungen nach einer Akademisierung des Berufs sieht Eimuth allerdings zwiespältig. Er setzt eher auf differenzierte Ausbildungsgänge und „multiprofessionelle“ Teams aus „Bildungsorganisatorinnen“ in der Einrichtungsleitung und Spezialistinnen, etwa für interkulturelle oder religiöse Bildung, die mit ihren inhaltlichen Kenntnissen dann diejenigen unterstützen, die als erste Bezugspersonen für die Kinder verlässlich da sind und Vertrauen aufbauen.

Krabbelstuben: Eine Aufgabe, die alle angeht

Nachdem in Punkto Kinderbetreuung für unter Dreijährige lange Zeit Familien und öffentliche Einrichtungen gegeneinander ausgespielt wurden, hat jetzt endlich ein Umdenken eingesetzt. Mit ungefähr vierzig Jahren Verspätung vollzieht die deutsche Gesellschaft das, was Feministinnen schon lange vorschlagen: Sie begreift, dass die Versorgung und Erziehung kleiner Kinder eine Aufgabe ist, die alle angeht und für die es ordentliche Konzepte braucht – und zwar ökonomische ebenso wie pädagogische.

Was die pädagogische Seite betrifft, so hat sich bereits vieles verändert. Das Konzept der ungarischen Kinderärztin Emmi Pikler, nach dem die evangelischen Krabbelstuben in Frankfurt arbeiten, ist durchaus überzeugend. Zentral ist der Respekt vor den Kindern, auch bereits den Kleinsten, die als eigenwilliges Gegenüber ernst genommen werden. Modell für dieses Verständnis von Bildung ist nicht mehr der autoritäre Lehrer, der Wissen einpaukt, sondern eher die Mutter, die verlässlich da ist, dem Kind erklärt, was es interessiert, und ihm im ganz normalen Alltag Anregungen bietet. Im Zentrum steht die Vertrauensbeziehung zwischen einem Kind und einer erwachsenen Person – ob es nun die Mutter, der Vater oder eben die Erzieherin ist.

Nicht richtig durchdacht ist aber nach wie vor die ökonomische Seite. Wenn es nicht so traurig wäre, wäre es zum Lachen: Der massive Ausbau an Krippenplätzen, der jetzt holterdipolter aus dem Boden gestampft werden muss, droht nämlich daran zu scheitern, dass es schlicht und ergreifend nicht genügend Erzieherinnen gibt. Was ja auch kein Wunder ist, wenn gleichzeitig jungen Mädchen bei „Girls Days“ beigebracht wird, dass sie doch besser Kfz-Mechanikerin oder Ingenieurin werden sollen anstatt etwas „typisch Weibliches“.

Hier liegt also durchaus ein Fehler im System. Zwar ist es inzwischen Konsens, dass junge Mütter berufstätig sein sollen. Doch die Frage bleibt, wer dann eigentlich die Arbeit der ehemaligen „Hausfrauen“, die ja auch nicht den ganzen Tag nur Däumchen gedreht haben, übernehmen soll – und vor allem unter welchen Bedingungen. Denn Tätigkeiten, die auf Beziehungen, Vertrauen, Fürsorge gründen, lassen sich nun mal nicht in unser derzeitiges Verständnis von „Wirtschaft“ integrieren. Sie „rechnen“ sich nicht, bringen keinen Profit, versprechen nicht Macht und allgemeine Anerkennung. Sie entziehen sich der betriebswirtschaftlichen Logik, und trotzdem muss irgendjemand sie erledigen.

Wer die eigene Berufstätigkeit nach streng „kapitalistischer“ Logik plant, also vor allem auf Einkommen und Status achtet, ist dazu kaum motiviert. Deshalb ist der Anteil von Männern an der Kindererziehung im institutionellen Bereich genauso winzig wie früher in der Familie. Vielleicht bietet ja die Finanzkrise, die eine Wirtschaftsexpertin kürzlich sehr treffend „Testosteronkrise“ genannt hat, einen Anlass zum Umdenken. Es wäre jedenfalls nicht das Schlechteste, wenn demnächst arbeitslose Ingenieure und Kfz-Mechaniker auf Erzieher umschulen müssten. Denn Autos haben wir längst genug, Zeit für Kinder aber nicht.

In: Kirche Intern, April 2009

Musiker sind "Laut gegen Gewalt"

Hinterländer Anzeiger 27.3.2009

Dom Hélder Câmara

Befreiungstheologie

Andacht, Helder Camara

9.2.2009

Kurt-Helmuth Eimuth

Orgel

Lied: EG 452, 1-3, Er weckt mich alle Morgen

Votum:

In Gottes Namen wollen wir beginnen

Gott ist allen Zweifelnden, Verzagten und Suchenden besonders nah.

In Jesu Namen wollen wir beginnen,

denn Jesus ließ diese Nähe Ausgestoßene, Verachtete, Verzweifelte spüren.

In der Hoffnung auf das Geschenk des Heiligen Geistes wollen wir beginnen,

um Mut und Ideen bitten, heute diese Nähe weiterzugeben.

Amen.

Psalm 31, Nr. 716

Lied: EG 593, 1-5, Licht das in die Welt gekommen

Ansprache:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die katholische Kirche hat ja zur Zeit so ihre Probleme. Dies ist kein Anlass zur klammheimlichen Freude. Doch just in diesen Tagen jährt sich zum einhundersten Mal der Geburtstag eines Mannes, dessen Name untrennbar mit der Befreiungstheologie und dem Zweiten Vatikanischen Konzil verbunden ist: Dom Hélder Câmara. Er wurde am 7. Februar 1909 in Fortaleza (Brasilien) als elftes von dreizehn Kindern eines Buchhalters und einer Grundschullehrerin geboren. Er gehört mit Mahatma Gandhi, Martin Luther King, Albert Schweitzer und Mutter Teresa zu den Persönlichkeiten, die das soziale Bewusstsein des letzten Jahrhunderts bleibend geprägt haben. Sein Weg ist von einer steten Unruhe des Herzens gekennzeichnet, die ihn immer wieder zur persönlichen Ein- und Umkehr führte. Wie bei vielen, war auch sein Weg nicht geradlinig.

Die Befreiungstheologie ist ursprünglich eine Theologie der Armen selbst. Die Entwicklung der Basisgemeinden mit gemeinsamen, von keinen Amtsträgern geleiteten Gottesdienstformen war weit fortgeschritten, als die ersten „Befreiungstheologen“ auf dem internationalen Buchmarkt zu Gehör kamen. Ihre Autoren verstehen sich nicht als „Erfinder“ einer neuen Theologie, sondern als Sprachrohr der Unterdrückten. Diese selbst waren es, die in der Bibel ihr ureigenstes Thema, die Befreiung aus jeder Form der Sklaverei, wiederentdeckten und daraus politische Folgerungen für ihre Realität ableiteten.

1931 zum Priester geweiht, war er in den dreissiger Jahren ein glühender Anhänger der brasilianischen Klerikalfaschisten. Später sollte er dies als eine «Jugendsünde» bezeichnen. Für seinen weiteren Weg war die pastorale Tätigkeit in den Elendsvierteln von Rio de Janeiro entscheidend, ebenso die Begegnung 1950 in Rom mit Montini, dem späteren Papst Paul VI. 1952 wurde er Weihbischof von Rio de Janeiro. Im selben Jahr war er an der Gründung der brasilianischen Bischofskonferenz (CNBB), deren erster Generalsekretär er wurde, massgeblich beteiligt, ebenso 1955 an der Gründung des Lateinamerikanischen Bischofsrats (CELAM). Während des Konzils gehörte er zu denjenigen, die in der ersten Sitzung die Ablehnung der kurialen Geschäftsordnung erkämpften. Ansonsten hat er keine einzige Rede bei den Plenarsitzungen im Petersdom gehalten.

Der schmächtige kleine Mann mit dem stets aufmerksamen Blick wirkte eher im Hintergrund: durch seine Gespräche mit Kardinal Montini und durch seinen Einsatz in der Gruppe der «Kirche der Armen». Nach dem Militärputsch von 1964 wurde er aus Rio de Janeiro entfernt und zum Erzbischof von Recife im armen brasilianischen Nordosten ernannt. Hier setzte er seine engagierte Tätigkeit als Armenbischof, Regimekritiker, Verteidiger der Menschenrechte und als Pionier der Theologie der Befreiung fort. Er wollte sichtbar zur Welt der Armen gehören, vermietete sein bischöfliches Palais und lebte bescheiden in einer kleinen Zweizimmer-Wohnung. Solidarität war für ihn die wichtigste Tugend: Dom Helder Camara, Erzbischof von Recife, besaß kein Auto, die Armen trafen ihn unterwegs im Bus. Er war überzeugt: Die Kirche muss sich radikal verändern, will sie sich im Ernst auf die Botschaft des armen Jesus von Nazareth beziehen.

Für die Befreiungstheologie ist die Befreiung das durchgehende Hauptthema der Bibel und die Armen und Unterdrückten die zentralen Adressaten dieser Befreiung. Dabei kommt der Exodustradition entscheidende Schlüsselbedeutung zu: Hier erscheint der Gott Israels als der, der das Elend seines Volkes sieht und die Schreie über ihre Bedränger hört (Ex 3,7). Und man beruft sich auch auf das Lukasevangelium. Dort heißt es: Er stößt die Mächtigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen. (Lk 1,53)

Darum wird Erlösung als Zentralbegriff der biblischen Heilsbotschaft nicht ausschließlich spirituell verstanden, sondern als eine sozialpolitische und ökonomische revolutionäre Veränderung. Das Heil, das die Bibel verkündet, wird nicht mehr nur auf das Jenseits bezogen, sondern auf die gesellschaftliche Realität im Diesseits. Die Befreiungstheologen betonen, dass sie diese Deutung nicht willkürlich, sondern im Anschluss an den Eigensinn der Bibel gewinnen. Sie folgern daraus eine grundsätzliche Neuorientierung der Kirche an der Zukunft der Armen:

Methodisch vertreten Befreiungstheologen eine Kontextuelle Bibelexegese. Dabei wird zunächst eine aktuelle Analyse der Gegenwart vorgenommen, um daraus Leitlinien für die Textauslegung zu gewinnen, die sich wiederum auf die eigene Lage zurückbeziehen .

In seiner Heimat war Camara als «roter Bischof» verschrieen. Er selbst fasste seine Situation so zusammen: „ Wenn ich den Armen Essen gebe, dann nennen sie mich einen Heiligen. Wenn ich frage, warum die Armen kein Essen haben, nennen sie mich einen Kommunisten.“

Er, der nie eine Doktorarbeit geschrieben hat, erhielt ab 1969 über 36 Ehrendoktortitel in Theologie, Sozial-, Rechts-, und Literaturwissenschaften, einen der ersten 1971 von der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg. Der Friedensnobelpreis, für den er vom deutschen Episkopat vorgeschlagen wurde, blieb ihm wegen der wirksamen Hintertreibung durch die brasilianische Militärdiktatur versagt; 1974 wurde ihm aber zumindest der alternative Friedenspreis in Oslo verliehen. Seitdem hat er so gut wie alle Ehrungen erhalten, die Verteidigern der Menschenrechte zugesprochen werden können. Johannes Paul II. nannte ihn «Bruder der Armen und meinen Bruder», verweigerte ihm aber den Kardinalshut und ernannte einen konservativen Nachfolger für sein Bistum, sobald Hélder Câmara die kanonisch vorgeschriebene Altersgrenze erreicht hatte.

Wer angesichts des himmelschreienden Unrechts nicht bloss «caritativ», sondern auch «politisch» das messianische Programm Christi zu verwirklichen sucht, der eckt an und wird zum Stein des Anstosses.

Er forderte immer zum Handeln auf. Seine Aufforderung gilt auch noch heute:

Mach aus Gott nicht
dein Kopfkissen,
noch aus dem Gebet
dein Federbett.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen sie uns mit dieser Aufforderung in diesen Tag, in diese Woche gehen:

Lied: EG, 625, 1-3, Wir strecken uns nach dir

Mitteilungen:

Gebet:

Lassen Sie uns mit den Worten beten, die Dom Helder Camara formulierte: Gott wir müssen in unser Gebet die ganze Menschheit miteinbeziehen, 
denn dein göttlicher Sohn, unser Bruder Jesus Christus, 
hat sein Blut vergossen für alle Menschen, an allen Orten, zu allen Zeiten.
Trotzdem erlaube uns, Herr, heute ein besonderes Gebet 
für die Völker der Welt, die keine Stimme haben. 
Es gibt hunderte Millionen Menschen, 
wahrscheinlich sogar Milliarden Menschen, 
in den armen Ländern und in den Armenvierteln der reichen Länder, 
die kein Recht haben, ihre Stimmen zu erheben, 
die keinerlei Möglichkeit haben, Einspruch zu erheben und zu protestieren, 
so gerecht ihre Sache auch ist, die sie verteidigen wollen. Die Menschen ohne ein Dach, ohne Nahrung, ohne Kleidung, ohne Gesundheit, ohne die geringste Bildungsmöglichkeit, ohne Arbeit, ohne Zukunft, ohne Hoffnung, 
sind in Gefahr, dem Fatalismus zu verfallen; 
ihr Mut versinkt, ihre Stimme versagt, sie werden zu Menschen ohne Stimme.
Sende, Herr, deinen Geist! 
Er allein kann das Angesicht der Erde erneuern! 
Er allein wird die Egoismen zerbrechen; 
denn das ist unerlässlich, wenn die Strukturen, die Millionen in Sklaverei halten, 
überwunden werden sollen. 
Er allein wird uns helfen, eine Welt zu errichten, die menschlicher, christlicher ist.
Dass wir, Vater, jedes Mal mehr eins seien mit deinem Sohn! 
Dass Christus sehe durch unsere Augen, höre durch unsere Ohren, rede durch unsere Lippen. Text nach: Dom Helder Camara, in: Beten im Alltag, Frankfurt 1995

Mit den Worten, die Jesus uns gelehrt hat, beten wir:

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib unsheute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen:

Geht in diesen Tag, in diese Woche mit dem Segen unseres Gottes:

Gott, segne uns und behüte uns

Gott schütze unser Leben und bewahre unsere Hoffnung.

Gott, lass dein Angesicht leuchten über uns,

dass wir leuchten für andere.

Gott, erhebe dein Angesicht auf uns und halte uns fest

im Glauben, dass das Leben stärker ist als der Tod. Amen.

Lied: EG 590, Herr, wir bitten: Komm und segne uns.

"Man hat mir gesagt, da musst du unbedingt hin“

Evangelisches Frankfurt Februar 2009

„Man hat mir gesagt, da musst du unbedingt hin“

Mit Politikerbesuchen hat man inzwischen schon Erfahrung im Gallusviertel. Nachdem Bundeskanzlerin und Ministerpräsident schon da waren, kündigte sich im Januar der Hessische Innenminister Volker Bouffier an und besuchte die evangelische Versöhnungs-Kindertagesstätte.

Innenminister im Kindergarten: Volker Bouffier informierte sich in der Frankfurter Versöhnungs-Kita über das Projekt „Frühstart“. Er und eine Elternbegleiterin lasen den Kindern zweisprachig Geschichten vor. | Foto: Rolf Oeser

Innenminister im Kindergarten: Volker Bouffier informierte sich in der Frankfurter Versöhnungs-Kita über das Projekt „Frühstart“. Er und eine Elternbegleiterin lasen den Kindern zweisprachig Geschichten vor.
Foto: Rolf Oeser

„Man hat mir im Ministerium gesagt, da musst du unbedingt hin.“ Regelmäßig besuche er Kindertagesstätten, denn als Innenminister sei er ja auch für Integration zuständig, so Bouffier. Und so informierte er sich über das Projekt „Frühstart“, eine besondere Form der frühkindlichen Sprachförderung. Kita-Leiterin Birgit Liebow hob hervor, dass insbesondere die „Elternbegleiter“ eine besondere Qualität darstellen. Sie sind selbst mehrsprachig und ebnen Kindern den Weg in das deutsche Bildungssystem.

Kurt-Helmuth Eimuth

Attraktives Fastfood – Esoterik spricht vor allem Frauen an

Evangelisches Frankfurt Februar 2009

Attraktives Fastfood
Esoterik spricht vor allem Frauen an

„Du musst vertrauen. Du bist ein wunderbares Kind Gottes.“ Es sind Sätze wie diese, die nach Meinung der evangelischen Weltanschauungsbeauftragten Annette Kick vor allem Frauen ansprechen. „Sie haben das Bedürfnis nach Anerkennung, danach, gesehen zu werden als einzigartige Person, die interessant, wertvoll, wichtig ist, ohne dass sie für jemanden Funktionen erfüllt.“

Gerade Frauen im Alter von 40 bis 50 Jahren hätten häufig Sehnsucht nach Anerkennung und einem erfüllten Leben, stellte die württembergische Pfarrerin bei einer Veranstaltung im Haus am Dom heraus. „Familienfrauen erleben sich macht- und einflusslos. Sie haben zu reagieren auf Anforderungen anderer und sehen wenig eigene Einfluss- und Gestaltungsmöglichkeiten.“

Nach der Abnabelung der Kinder stoßen dann esoterische Angebote in das Vakuum und versprechen, dass man mit dem richtigen Bewusstsein alles erreichen könne, so Kick. Selbst der Weltfriede sei durch das Meditieren derer, die ihr Bewusstsein weiterentwickelten, erreichbar. Frauen stoßen sich häufiger als Männer an der „Entzauberung der Welt“ durch Wissenschaft und Technik. Viele suchen nach einem Zugang, der ihre eigenen Intuitionen ernst nehme.

Die Esoterik mache ihnen vor allem im Bereich der Medizin und der Spiritualität Angebote. So erlebten viele Frauen die Schulmedizin als ignorant. Ihr Gefühl und ihr Wissen von ihrem Körper werde nicht ernst genommen. Demgegenüber gingen esoterische Heilerinnen und Heiler auf die Lebenssituation von Frauen ein. Dass dabei oft völlig unrealistische Heilsversprechen gemacht würden und die Ursachen für einen möglichen Misserfolg im mangelnden Bewusstsein der Frau selbst gesucht würden, was wiederum weitere Schulungsprogramme erfordere, sei den Patientinnen zunächst nicht deutlich.

Auch die Kirche mache diesen Frauen kein überzeugendes Angebot. „Mit Recht klagen spirituell hungrige Frauen über die Verkopftheit der Gottesdienste, über Dogmen und Rituale, die mit ihrem Leben nichts zu tun haben“, urteilte Kick. In Kirchengemeinden würden diesen Frauen statt spiritueller Nahrung oft nur helfende Dienste, etwa beim Gemeindefest oder Basar, angeboten. Da komme das „esoterische Fastfood“ anders daher. Kick über einen solchen Erfahrungsweg: „Die spirituelle Meisterin hat der Frau von den Engeln ausgerichtet, welch besondere Seele in ihr wohne, und dass es höchste Zeit sei, diese verkümmerte Seele zu retten, zu nähren, zu entwickeln. Und nach kurzer Zeit konnte auch sie schon kosmische Energien bewegen.“

Kurt-Helmuth Eimuth

Stiftungen helfen schon seit 1531

Evangelisches Frankfurt Februar 2009

Stiftungen helfen schon seit 1531

Die erste Frankfurter Stiftung, der heute noch existierende „Almosenkasten“, wurde bereits 1531 gegründet. Wie vielen mittelalterlichen Stiftungen lag ihm der Gedanke des Almosens zugrunde. Der Name deutet auch auf die Form des Spendens hin: Vermutlich stand tatsächlich eine Truhe in einer Kirche, in die man seine Gabe hineinwarf.

Nach der Trennung von Staat und Kirche blieb dieser „allgemeine Almosenkasten“ bei der Stadt. Noch heute werden aus diesem Vermögen Mittel für soziale Zwecke aufgewandt. Die evangelisch-lutherische Kirche gründete dann 1828 ihren eigenen, den Evangelischen Almosenkasten. Im Beschluss des Gemeindevorstands heißt es: „Dieser neu errichtete Almosenkasten bildet eine Sektion des Evangelisch-Lutherischen Gemeindevorstands und hat die von letzterem im Betreff der Einrichtung und Verbesserung des lutherischen Armenwesens gefassten Beschlüsse zum Vollzug zu bringen.“ Man wollte also die Unterstützung bedürftiger Personen für die evangelisch-lutherischen Gemeindemitglieder weiterführen. Die Katholiken und die Reformierten gründeten in der Stadt ähnliche Stiftungen.

Dieser evangelische „Almosenkasten“ existiert ebenfalls noch heute als eine Stiftung und wendet Mittel auf, um bedürftigen Menschen, die die Gemeinden benennen, eine einmalige oder regelmäßige Unterstützung zukommen zu lassen. Das Kapital beträgt etwa 500000 Euro, sodass etwa fünfzig Personen durch die ausgeschütteten Zinsen Unterstützung erfahren können. Der Gemeindebezug ist für Michael Frase, den Leiter des Diakonischen Werks für Frankfurt, besonders wichtig, da der Pfarrer oder die Pfarrerin die tatsächliche Notlage bestätigen können.

Im Lauf der Jahrhunderte haben sich die Motive für die christliche Unterstützung der Bedürftigen verändert, betont Frase: „Mitleid und Barmherzigkeit gab es selbstverständlich zu allen Zeiten, aber viele Stiftungen sind aus dem Verständnis einer Werkgerechtigkeit entstanden – man wollte sich mit guten Werken den Himmel verdienen.“ Es sei eine Errungenschaft von Humanismus und Reformation, diesen Verdienstgedanken überwunden zu haben. „Soziales Handeln wurde auf die Ursprünge gelebter Nächstenliebe und auf die sozialen Normen und Werte einer humanistischen Idealen verpflichteten Gesellschaft hingeführt.“

Kurt-Helmuth Eimuth

Wie soziale Arbeit organisiert ist

Evangelisches Frankfurt Februar 2009

Wie soziale Arbeit organisiert ist

Soziale Arbeit will organisiert sein. Da sie für das Gemeinwohl besondere Bedeutung hat, hat der Gesetzgeber verschiedene Organisationsformen vorgesehen und sie von der Zahlung von Steuern weitgehend befreit.

Beim Eingetragenen Verein (e.V.) beantragen mindestens sieben Personen mit einer Satzung die Eintragung in das Vereinsregister. Die Gemeinnützigkeit und damit das Privileg, steuerabzugsfähige Spenden anzunehmen, bescheinigt das Finanzamt. Ein Verein darf kein Geld anhäufen, denn sein Zweck ist es, das gesammelte Geld gezielt dem Vereinszweck zuzuführen.

Die gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung (gGmbH) ist dagegen eine Organisationsform, die kontinuierliches professionelles Handeln ermöglicht. Allerdings darf auch sie keine Gewinnabsicht verfolgen. Auch in diesem Fall bescheinigt das Finanzamt die Ge­meinnützigkeit.

Eine Stiftung wiederum ist auf Dauer angelegt. Das Kapital darf nicht ausgegeben werden, sondern bildet einen Grundstock, um aus Zinsen und anderen Kapitalerträgen den Stiftungszweck erfüllen zu können. Über die Verwendung der Gelder wacht die staatliche Stiftungsaufsicht.

Kurt-Helmuth Eimuth