Archiv für 1. März 2008

Nicht immer alles berechnen

Evangelisches Frankurt März 2008

Nicht immer alles berechnen

„Geiz ist geil“– mit diesem Werbeslogan brachten die professionellen Texter einer Elektronikkette das Lebensgefühl der letzten Jahre auf den Punkt. Ausgerechnet für die Fastenzeit ruft die evangelische Kirche nun zur Verschwendung auf.

Seit 25 Jahren fordert die Aktion „Sieben Wochen ohne“ Verzicht. Die alte Tradition des Fastens in der Passionszeit zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag soll damit zeitgemäß wiederbelebt werden. Inzwischen beteiligen sich Jahr für Jahr zwei Millionen Menschen daran. Sie verzichten auf Alkohol, auf Süßigkeiten, auf Fernsehen oder was immer für sie eine besondere Markierung dieser sieben Wochen beinhaltet. Ziel ist es, zu prüfen, was man wirklich für das eigene Leben braucht, was wirklich Lebensqualität ist.

Fasten ist Verzicht. Diese Gleichung ist so alt wie die Religion selbst. Alle Religionen kennen den Verzicht auf leibliche Genüsse als spirituelle Übung. Durch das Verzichten kann eine besondere Konzentration auf die andere Dimension des Lebens möglich werden. Alle großen Religionsstifter haben eine Phase des Verzichts erfahren. Mohammed fastete, bevor ihm der Koran offenbart wurde, Mose stieg auf den Berg Sinai und fastete vierzig Tage, bevor er Gottes Wort empfing, und auch Jesus zog sich vor seinem öffentlichen Wirken vierzig Tage zum Fasten in die Wüste zurück.

Und jetzt: Fasten ist Verschwendung. „Die Menschen in unserer Welt brauchen dringend einen Frühling der Herzen“, schreiben die Initiatoren: „Die ständigen Fragen – was bringt es mir? – die Erwartung, dass man für heute Investiertes schon morgen Erträge bekommen müsse, tötet jede spontane Geste. Eine geizige Welt schlittert in eine zweite, in eine soziale Klimakatastrophe – außen die Erderwärmung, innen die Eiszeit kalter Berechnung.“

Einen Tag verschwenderisch verbringen kann bedeuten: Lange im Bett liegen bleiben, gut frühstücken, ein Buch lesen, den Müßiggang üben; aber auch: einfach zusammen mit den Kindern auf dem Spielplatz sein, Freunde einladen oder jemandem unverhofft Blumen schenken. Aus keinem besonderen Anlass, sondern einfach so, als Geste.

Geiz als Lebensmotto macht arm. Verschwendung von Zeit und Zuwendung macht nicht nur das Leben erträglicher, sondern auch menschlicher. Weitere Informationen und Materialien zur Fastenaktion im Internet auf www.7-wochen-ohne.de oder unter Telefon 58098247.

Kurt-Helmuth Eimuth

„Auch Pfarrer auf Seiten der Unruhestifter“

Evangelisches Frankfurt März 2008

„Auch Pfarrer auf Seiten der Unruhestifter“

Sie waren aufregend, lebendig, inspirierend: Vor vierzig Jahren sorgten die ‘68er auch in Frankfurter Kirchengemeinden für neue Aufbrüche.

Während die evangelische Jugend zu einem Seminar über die „Annalen des Kolonialismus in Lateinamerika“ einlud, polemisierte Pfarrer Erich Schmidt im Rundbrief der Petersgemeinde gegen die jungen Rebellen: „Es ist beschämend, dass sich auch evangelische Pfarrer und Laien auf die Seite dieser Unruhestifter stellen.“ Die ‘68e–Bewegung vor vierzig Jahren ließ auch die Frankfurter Kirchengemeinden nicht unberührt.

Protest im Karfreitagsgottesdienst 1968: Jochen Krahl vom Sozialistischen Deutschen Studentenbund besetzt die Kanzel der Frankfurter Peterskirche, um gegen den Mordanschlag auf den Studentenführer Rudi Dutschke zu protestieren. Auf den Plakattexten wird dem Springer-Konzern eine Mitschuld zugesprochen.
Foto: kna

Themen wie Vietnamkrieg, Imperialismus, Dritte Welt oder auch freie Sexualität schwappten, ebenso wie Formen des Protests, aus der Universität herüber. So kam es am dritten Advent 1968 zum Eklat bei, einem so genannten „Go-In“ in der Epi-phaniaskirche im Nordend. Pfarrer Ernst Schäfer versuchte zunächst, den Protest mit Hilfe der Orgel übertönen zu lassen, um dann den Gottesdienst abzubrechen und die ungebetenen Gäste zur Diskussion ins Gemeindehaus zu bitten.

Die Störer hatten sich zuvor in einem neu gegründeten „Politischen Arbeitskreis“ des Stadtjugendpfarramtes zusammengefunden. Später kam es – typisch für diese Zeit – zu einer Spaltung der Gruppe, da man die Aktionsformen unterschiedlich bewertete. Der Arbeitskreis hatte sich zur Aufgabe gesetzt, „das politische Bewusstsein in der evangelischen Jugend und in den Gemeinden durch seine Arbeit zu fördern“, so eine Selbstdarstellung. Doch die meisten Gemeinden lehnten solche Protestformen ab. „Der Arbeitskreis wurde immer radikaler“, erinnert sich Klaus Würmell, der damals Bildungsreferent im Stadtjugendpfarramt war. „Solche Aktionen brachten mich und den Stadtjugendpfarrer Dieter Trautwein durchaus innerkirchlich in Schwierigkeiten.“ Die Folge: Das Stadtjugendpfarramt zog sich aus der Verantwortung für den Arbeitskreis zurück.

Für die Kirche als Institution hatte der Aufbruch der Studenten in der Tat beängstigende Auswirkungen. Die jährliche Austrittsquote schnellte von 0,2 auf 0,8 Prozent der Kirchenmitglieder hoch, gleichzeitig sank der Besuch der Gottesdienste von 15 auf 8 Prozent. Die Kirche war eben ein Teil der „alten Zöpfe“, die es abzuschneiden galt.

Einladung mit Che Guevara: Flyer des „Politischen Arbeitskreises“ im Stadtjugendpfarramt 1968.

Einladung mit Che Guevara: Flyer des „Politischen Arbeitskreises“ im Stadtjugendpfarramt 1968.

Und im Rückblick muss man sagen: durchaus zu Recht. Denn noch 1959 konnte sich der damalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Otto Dibelius, eine Obrigkeit nur in patriarchalischen Formen denken. Eine demokratisch gewählte Regierung besaß für ihn, da sie prinzipiell abwählbar war, „keine wirkliche Autorität“. Der heutige Ratvorsitzende Wolfgang Huber stellt deshalb fest: „Es war ein weiter Weg bis zur uneingeschränkten Anerkennung der demokratischen Staatsform durch die evangelische Kirche.“ Voll und ganz zur Demokratie bekenne sich die evangelische Kirche in ihrer Gesamtheit erst seit Mitte der achtziger Jahre.

Dass die Kirche 1968 nicht mehr so gefragt war, erlebte auch Hermann Düringer als Theologiestudent. „Plötzlich sprangen Kommilitonen ab und studierten Soziologie.“ Für den heutigen Direktor der Evangelischen Akademie Arnoldshain im Taunus waren jene Jahre eine „lebendige, aufgeregte und inspirierende Zeit.“ Zum Lebensgefühl dieser Tage gehörte auch „der Stolz, wenn man vom Wasserwerfer nass gespritzt worden war “.

Kristallisationspunkt der Proteste in Frankfurt war der Umgang mit „Fürsorgezöglingen“, wie Jugendliche, die in Heimen lebten, damals genannt wurden. Einige Dutzend waren aus dem Heim „Staffelberg“ in Biedenkopf ausgebrochen und lebten nun in Frankfurt. Die spätere RAF-Terroristin Gudrun Ensslin hatte zum „Aufstand der Betroffenen“ aufgerufen. Tatsächlich besaß die Heimunterbringung jener Tage eher Gefängnischarakter.

Aufgeschreckt durch die Proteste suchte man aber auch in den Institutionen nach Alternativen. In Frankfurt zum Beispiel gründete schließlich der Evangelische Volksdienst gemeinsam mit dem Stadtjugendpfarramt und auf Bitten der Stadt in der Altkönigstraße ein „Lehrlingskollektiv“.

Im Umfeld dieses Kollektivs kam es auch zu Begegnungen mit Andreas Baader und Gudrun Ensslin. Nach ihrer politisch motivierten Brandstiftung im Kaufhaus Schneider auf der Zeil im April 1968 waren sie zu drei Jahren Haft verurteilt worden, kamen aber durch einen Revisionsantrag zunächst wieder frei und beteiligten sich an der „Heimkampagne“ der außerparlamentarischen Opposition. „Sie wollten das politische Bewusstsein der Lehrlinge entwickeln“, erinnert sich Würmell. Er weiß noch gut, wie er sich damals in den Räumen des Stadtjugendpfarramtes mit Baader ein lautstarkes Rededuell lieferte, während die Pfarrerstochter Ensslin zu vermitteln suchte.

Die gesellschaftlichen Veränderungen im Zuge der ‘68er bewirkten auch in der evangelischen Jugend neue Aufbrüche. Im Jahr 1970 beteiligten sich 1500 junge Leute an einem „Hungermarsch“ und thematisierten die eigene Mitschuld an Verarmung und Krieg. Es entstanden Jugendgottesdienste, Politische Nachtgebete und Auseinandersetzungen mit einer überkommenen Sexualmoral.

Dass Reform eine dauernde Aufgabe ist, gilt als Grundeinsicht evangelischer, reformatorischer Kirchen. Das Lebensgefühl einer ganzen Generation nach 1968 wurde von Willy Brandt in dem Motto zusammengefasst: „Wer morgen sicher leben will, muss heute für Reformen kämpfen.“

Für Bischof Wolfgang Huber ist dies die Schnittmenge zwischen der ‘68er-Bewegung und dem Protestantismus: „Die leitende Grundüberzeugung heißt: Gesellschaft und Kirche müssen immer wieder zu neuen Aufbrüchen bereit sein.“

Kurt-Helmuth Eimuth

Kurzer Sommer – lange Wirkung: Die Kirche und die 68er

Unter dem Motto „Kurzer Sommer – lange Wirkung“ startet im Mai eine Sonderausstellung im Historischen Museum, die sich mit verschiedenen Aspekten der Studentenunruhen beschäftigt. Dazu gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm, an dem auch die Evangelische Stadtakademie, Am Römerberg 9, beteiligt ist. Unter dem Motto „Protest und Protestantismus“ berichtet dort am Montag, 26. Mai, um 19.30 Uhr der damalige Theologiestudent und heutige Direktor der Evangelischen Akademie Arnoldshain, Hermann Düringer, von seinen Erlebnissen. Kommentiert wird sein Vortrag von der Kabarettistin Hilde Wackerhagen, die 1968 im Frankfurter Weiberrat dabei war. Mehr zur Ausstellung im Historischen Museum unter www.die-68er.de.

Krippen akut in Not

Frankfurter Rundschau 23.2.08
VON MARTIN MÜLLER-BIALON
Schwierig ist die Lage ist schon jetzt: Besonders wenn Virusinfektionen umgehen, kommt es in den Krippen und Krabbelstuben immer wieder zu Engpässen. Denn bei dem besonders engen Kontakt zwischen Kleinkindern und Betreuern sind oft auch die Erzieher betroffen. „Es kommt immer wieder vor, dass ich meinen Sohn beim Abholen mit einer ihm nicht vertrauten Person in nicht vertrauten Räumen vorfinde“, berichtet eine Mutter der städtischen Krippe „Kunterbunt“ in Bornheim. Sie habe oft „kein gutes Gefühl“, wenn sie ihr Kind zur Krippe bringe. „Das liegt aber nicht an den Erzieherinnen, es gibt zu wenig Personal.“

Nach den Vorgaben der hessischen Verordnung für die frühkindliche Betreuung ist das Personal ausreichend. „Wenn alle da sind, reicht der Stellenplan aus“, sagt „Kunterbunt“-Leiterin Christina Spaethen. Immer wieder gebe es aber Ausfälle wegen Fortbildungen oder Erkrankungen der Kolleginnen.

„Wir versuchen dann, im Sinne der berufstätigen Eltern die Gruppen trotzdem offen zu halten.“ Die Zahl der „Springerinnen“ – zurzeit ist eine für zwei Krippen zuständig – zu verdoppeln, wie es der Kita-Gesamtelternbeirat fordert, hält die Leiterin für wünschenswert.
Erzieher in Frankfurt
3200 Erzieher-Stellen gibt es nach der jüngsten Erhebung (Stand 2005) in den Krippen, Kindergärten und Horten städtischer sowie freier und kirchlicher Träger. Seitdem sind mehr als 2200 neue Betreuungsplätzen – das macht etwa 150 weitere Stellen – geschaffen worden.Das Ausbauprogramm (6000 zusätzliche Krippenplätze, Personalaufstockung in den Kitas) macht die Schaffung weiterer 1600 Jobs bis 2013 erforderlich. Ab dann gilt der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz.

Keine gute Ausgangslage für die gigantische Aufgabe, die die Stadt in den kommenden fünf Jahren zu stemmen hat: Der vom Bund beschlossene Rechtsanspruch für einen Krippenplatz ab 2013 bedeutet eine glatte Verdreifachung der Plätze und des Fachpersonals. Zu den derzeit 3200 Krippenplätzen bei der Stadt sowie freien und kirchlichen Trägern müssen weitere 6000 geschaffen werden.

Bei einem Stellenschlüssel von 1:5 (eine Erzieherin, fünf Kinder) bedeutet das 1200 neue Stellen – derzeit sind es 640. Weitere 400 Erzieher-Stellen will die Stadt freiwillig schaffen – die Aufstockung des Personalschlüssels von eineinhalb auf zwei Stellen je Kindergartengruppe läuft derzeit.

Wie das gehen soll, weiß zurzeit niemand. „Engpässe gibt es schon jetzt, der Ausbau kommt oben drauf“, sagt etwa Kurt-Helmuth Eimuth, Abteilungsleiter im für die evangelischen Kitas zuständigen Diakonischen Werk. Eimuth leitete bis 2005 die Erzieherschule im Diakonissenhaus, deren Betrieb ausläuft.

Fehlende Ausbildungsplätze

Eine Entscheidung, die sich nun rächt. Denn die Berta-Jourdan-Schule kann als Berufsschule für pädagogische Berufe den Bedarf nicht decken. So wird nun im Schul- wie im Sozialdezernat nach alternativen Lösungen gesucht. Bildungsdezernentin Jutta Ebeling (Grüne) hat bereits eine Werbekampagne für den Erzieherberuf angekündigt, wobei besonders die in den Kitas stark unterrepräsentierten Männer angesprochen werden sollen.

Zudem erwäge man, wie Eimuth berichtet, ein Quereinsteigerprogramm. „Dabei könnten Leute qualifiziert werden, die eine ähnliche Ausbildung oder Qualifikation mitbringen.“ In Einzelfällen sei auch die Einarbeitung von Naturwissenschaftlern denkbar. Gegen solche Überlegungen steht freilich die Kita-Verordnung, wie Rainer Lossa vom Stadtschulamt betont. „Wir dürfen den Fachkraft-Status nicht aufgeben.“

Das Qualifizierungs-Modell der Werkstatt Frankfurt würde diese Problem lösen. Im Benehmen mit der Berta-Jourdan-Schule erwägt die Werkstatt, arbeitslose und allein erziehende Frauen für den Erzieher-Beruf zu gewinnen. „Ich gehe davon aus, dass etwa 100 bis 120 von ihnen die nötige Eignung haben“, sagt Geschäftsführer Conrad Skerutsch. Diesen Frauen soll eine stark praxisorientierte Umschulung angeboten werden.

Oskar Schindlers letzte Jahre in Frankfurt

von Kurt-Helmuth Eimuth 1. Februar 2008

Oskar Schindler rettet im Nationalsozialismus über 1200 Menschen das Leben. Berühmt wurde er erst nach seinem Tod 1974. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Schindler in Frankfurt, als eher  unbekannter Mann, der in einfachen Verhältnissen lebt.

Oskar Schindler im Jahr 1947. Foto: seetheholyland.net/Flickr.com (cc by-sa)
Oskar Schindler im Jahr 1947. Foto: seetheholyland.net/Flickr.com (cc by-sa)

Mit einigem Herzklopfen, so erinnerte sich später der inzwischen verstorbene Frankfurter Propst Dieter Trautwein, stieg er damals die Treppen im Haus Am Hauptbahnhof 4 hinauf. Trautwein hatte den Namen Oskar Schindler 1966 in Israel entdeckt. In Yad Vashem, der Gedenkstätte für die sechs Millionen während des Nationalsozialismus ermordeten Jüdinnen und Juden, standen dieser Name und der Länderhinweis „Allemagne“ an einem Baum in der „Allee für die andersgläubigen gerechten Helfer“.

Wenig später bekam Trautwein für eine „Werkmappe zur Reformation“ die Geschichte jenes Mannes, der über 1200 Menschen vor dem Tode bewahrt hatte, als literarisches Beispiel geliefert. Als Trautwein, der damals Jugendpfarrer in Frankfurt war, schließlich noch den Hinweis bekam, dass Oskar Schindler keineswegs eine literarische Erfindung, sondern eine höchst reale Person sei, die zudem noch in Frankfurt wohne, machte er sich kurzentschlossen auf den Weg. „Oben im letzten Stock an der letzten Tür rechts war tatsächlich ein kleines handgeschriebenes Schild „Oskar Schindler“, so Trautwein.

„Ich klingelte. Ein Mann öffnete. Ich fragte: ‚Heißen Sie…sind Sie…?’ ‚Ja’, antwortete mein Gegenüber. Ich stellte mich vor, und er ließ mich eintreten. Sofort hielt ich ihm die Druckfahnen hin und fragte: ‚Sagen Sie mir bitte, ob das, was hier steht, mit Ihnen zu tun hat?’ Bald schon gab er mir das Papier zurück und sagte: Ja, das ist meine Geschichte, es stimmt nicht im Einzelnen so genau, aber das Wesentliche ist schon wiedergegeben.“

Wenige Wochen später saß Oskar Schindler beim Evangelischen Jugendtag 1967 im Dominikanerkloster auf dem Podium, um dort nicht nur die – möglicherweise erste – literarische Verarbeitung seiner Rettungstat zu sehen, sondern auch, um aus seinem Leben zu berichten. Auf dem Podium war damals auch Leopold Pfefferberg, einer jener geretteten „Schindler-Juden“. Es war dieser Leopold Page, wie er sich in seiner neuen Heimat Los Angeles nannte, der die Geschichte von Oskar Schindler dem australischen Schriftsteller Thomas Keneally erzählte. Keneally schrieb daraufhin den biografischen Roman „Schindlers Liste“, den Steven Spielberg später verfilmte und durch den der Name von Oskar Schindler und seine Rettungstat, die über 1200 Jüdinnen und Juden vor dem Tod im Konzentrationslager bewahrte, in aller Welt bekannt wurde.

Doch diese Berühmtheit kam erst zwanzig Jahre nach Schindlers Tod im Jahr 1974. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Schindler als eher unbekannter Mann, der in einfachen Verhältnissen lebte, in Frankfurt. Hier versuchte er auch einen wirtschaftlichen Neubeginn, musste aber mit seiner Zementfabrik Konkurs anmelden.

Am 28. April 2008 wäre Oskar Schindler hundert Jahre alt geworden. Heute erinnert an ihn in Frankfurt nicht nur eine Ausstellung im Jüdischen Museum, sondern auch eine Bronzetafel an seinem letzten Wohnhaus im Bahnhofsviertel sowie seit 1976 die Oskar Schindler-Straße in Bonames: kein großes Denkmal, wie Dieter Trautwein seinerzeit, kritisierte, sondern „lediglich eine Kleinstraße am Ortsrand.“

Zum Weiterlesen: Dieter Trautwein: Oskar Schindler – immer neue Geschichten, Societäts-Verlag.