Jan 23

Die Liebe kam für Bonhoeffer nur an zweiter Stelle

 

„Jahrzehntelang die Braut eines Heiligen zu sein, erweist sich nicht gerade als Vergnügen. Das können Sie mir glauben.“ Diese Worte spricht Maria von Wedemeyer in dem Roman des hessischen Theologen und Kabarettisten Fabian Vogt („Duo Camillo“). Es geht um die Liebesgeschichte zwischen dem Theologen und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus Dietrich Bonhoeffer und der 18 Jahre jüngeren Wedemeyer. Der Text basiert auf einem Briefwechsel des Paares – Bonhoeffer war kurz nach ihrer Verlobung im Januar 1943 verhaftet worden.

Es ist ein einfühlsamer, bewegender und in die Tiefe menschlicher Existenz vordringender Roman. Bonhoeffer waren Professuren im Ausland angeboten worden, aber er kehrte immer wieder nach Deutschland zurück, „weil er,“ so Wedemeyer im Roman, „der Überzeugung war, dass nur derjenige das Recht hat, Verantwortung in einem erneuerten Nachkriegsdeutschland zu übernehmen, der auch bereit war, die dunklen Tage gemeinsam durchzustehen.“

Eine Art des Denkens, die Bonhoeffer bis zum Ende durchhielt. Als er kurz vor Kriegsende zum Tode verurteilt wurde, verweigerte er sich Versuchen, ihn zu befreien. So wurde er am 9. April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg erhängt.

Wohl nicht ganz zu Unrecht resumiert Maria von Wedemeyer im Roman: „Ich blieb in seinem Leben am Ende eben doch nur die zweite Liebe. Womöglich der wichtigste Faktor in seiner menschlichen Sehnsucht nach Erfüllung, aber im Angesicht Gottes eben nicht heilsnotwendig.“

Kurt-Helmuth Eimuth

Feb 16

Lehrbuch einführen

Kurt-Helmuth Eimuth: Kein Kinderkram! Die Erzieherinnen- und Erzieherausbildung in Lernfeldern

Kurt-Helmuth Eimuth: Kern-Bechtold u. a.: Kein Kinderkram! Die Erzieherinnen- und Erzieherausbildung in Lernfeldern. Bd. 2: Entwicklung Bildung, Professionalisierung. Winklers (Darmstadt) 2005. 488 Seiten. ISBN 3-8045-9612-6. 28,50 EUR.

Einführung in das Thema

Die „Rahmenvereinbarung zur Ausbildung und Prüfung von Erziehern/Erzieherinnen“ der Kultusministerkonferenz vom 28.1.2000 zielt auf einen lernfeld- und handlungsorientierten Unterricht, der nun per Ländererlass in die Fachschulen und -akademien eingezogen ist. Die schulischen Lerninhalte sollen sich dabei weniger an den Fachwissenschaften als an den beruflichen Handlungsfeldern der zukünftigen Erzieherinnen und Erzieher ausrichten. Dies stellt die ErzieherInnenausbildung vor neue Herausforderungen, denen das Buch „Kein Kinderkram“ Band 2 Bundesländer übergreifend begegnet.

Aufbau und Inhalt des Buches

Der zweite Band der Reihe „Kein Kinderkram!“ beinhaltet im Anschluss an die drei Lernfelder des ersten Bandes zwei weitere Lernfelder: Entwicklung und Bildung fördern (Lernfeld 4) und Professionalisierung des Berufsbildes (Lernfeld 5). Im Lernfeld 4 (Entwicklung und Bildung fördern) geht es um:

  • Spielpädagogik
  • Bewegung, Tanz und Theater
  • Musikalische Bildung
  • Kreativitätsförderung
  • Gehirnentwicklung
  • Sprache
  • Kinder- und Jugendliteratur
  • Medienpädagogik
  • Naturwissenschaften
  • Bildung

Im Lernfeld 5 (Professionalisierung des Berufsbildes ) geht es um:

  • Professionalisierung des Berufsbildes
  • Arbeiten im Team
  • Elternarbeit
  • Die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen
  • Qualitätsmanagement
  • Professionelle Kindererziehung in anderen europäischen Ländern
  • Die eigene Rolle als ErzieherIn und die berufliche Identität

Jedes Kapitel besteht aus Informationstexten, einem zusammenfassenden Fazit und daran anknüpfenden Aufgaben und Anregungen einschließlich Hinweisen zu weiterführender Literatur. Eingebettet wird das Ganze in die Erlebnisse und Gespräche einiger fiktiver Studierender.

Diskussion

Die Beurteilung des Buches stellt mich – bezogen auf das Lernfeld 4 – vor Probleme: Einerseits wird die Palette der Themen, die für die bildende Arbeit mit Kindern wichtig sind, breit abdeckt und dabei die neueste Literatur und auch Möglichkeiten des Internets berücksichtigt. Es ist spürbar, dass hier SpezialistInnen für das jeweilige Gebiet am Werk waren, die immer auch den Bezug und die Einsatzmöglichkeiten im erzieherischen Alltag verdeutlichen.  Andererseits frage ich mich aber, wie das Buch in der Ausbildung (genau genommen: Weiterbildung) von ErzieherInnen einsetzbar ist. Viele der oben genannten Themen des Lernfeldes 4 werden beispielsweise im Lehrplan des Landes Nordrhein-Westfalen durch eigene Fächer repräsentiert. Als solche dringen sie in die jeweilige Materie tiefer ein, als das Buch es hergibt. Hierfür gibt es dementsprechend häufig geeignetere Lehrwerke. Gleichzeitig bestehen die Fächer während der gesamten schulischen Ausbildungszeit und nicht nur während des Lernfeldes 4. Hier entspricht der Aufbau des Buches nicht der Ausbildungsrealität, wiewohl ich meine, dass das Buch den Lehrplänen hier möglicherweise einen Schritt voraus ist, indem es die Fachgebiete den Lernfeldern unterordnet und nicht umgekehrt, was einer konsequenteren Umsetzung der Lernfelddidaktik gleichkommt.

Dennoch kann es einen gewichtigen Grund geben, das Buch als Lehrbuch in der ErzieherInnenausbildung einzuführen. Den Studierenden bietet es die Möglichkeit EIN Buch zu haben, in dem sie quer zu den Fächern blättern können und so innerhalb der Lernsituationen auf Ideen und weiterführende Literatur zu stoßen ohne sich gleich in der einer Bibliothek innewohnenden Komplexität oder auf den Irrwegen des Internets zu verlieren. Als Nachschlagwerk kann es ihnen auch nach der Ausbildung noch wertvolle Dienste leisten.

Einfacher ist es die Tauglichkeit des Lernfeldes 5 für potentielle LeserInnen zu beurteilen. Hier werden für das Anerkennungsjahr relevanten Themen in praxisnaher und anschaulicher Weise bearbeitet. Fachwissenschaftlich bleibt manches dünn, ein Manko, das der Lernfelddidaktik geschuldet ist.

Fazit

Alles in allem ein informatives und gut zu lesendes Buch!


Rezensentin
Dr. Anke Meyer
Lehrerin an einer Fachschule für Sozialpädagogik



Zitiervorschlag
Anke Meyer. Rezension vom 14.02.2006 zu: Kurt-Helmuth Eimuth: Kein Kinderkram! Die Erzieherinnen- und Erzieherausbildung in Lernfeldern. Winklers (Darmstadt) 2005. 488 Seiten. ISBN 3-8045-9612-6. In: socialnet Rezensionen unter http://www.socialnet.de/rezensionen/3425.php, Datum des Zugriffs 16.02.2006.

© 2006 socialnet GmbH, Bonn

Aug 01

Sekten – Unauffällig aber allgegenwärtig

Rainer Fromm / Kurt-Helmuth Eimuth

Materialien für Unterricht und Erwachsenenbildung

Frankfurt 1998 GEP-Verlag ISBN 3-932194-13-6
erschienen in der Reihe Forum – Streifzüge durch die Welt der Religionen, hrsg. von Kurt-Helmuth Eimuth und Lutz Lemhöfer
Bei der Behandlung des Themas Sekten in der Schule oder in der Erwachsenenbildung stellt sich immer wieder die Frage nach geeignetem Material. Der ZDF-Journalist Rainer Fromm und der Publizist Kurt-Helmuth Eimuth, beider beschäftigen sich schon seit Jahren mit politischen und religiösen Extremgruppen, schließen mit dem hier vorgelegten Band eine Lücke. Dabei kommen ihnen ihre Erfahrungen in den unterschiedlichen Bereichen der Bildungsarbeit zugute.
Beispielhaft wird heir Material aus dem Umfeld der Zeugen Jehovas, Scientology, Universelle Leben, Thakar Singh als auch derEsoterik veröffentlicht. Die Autoren wählten beispielhafte Erlebnisberichte sowie Originalmaterialien aus.
Angeregt wurden die Autoren durch ihre gleichnamige Filmreihe, die sie für Matthias-Film Stuttgart produzierten.

Aug 01

Aufklärung statt Panikmache

Kurt-Helmuth Eimuth
Sekten-Ratgeber. Informationen und Ratschläge für Betroffene, Freiburg (Herder-Spektrum) 1997, 189 Seiten

Kirchliche Stellen, die über Sekten und Psychokulte informieren, stoßen in der Öffentlichkeit auf ein zwiespältiges Echo. Einerseits wird ihnen eine geradezu ausufernde Kompetenz angetragen, von der Seriosität psychologischer Außenseitermethoden bis zu zweifelhaften Finanzjongleuren nahezu alles zu beurteilen, was böse oder bedrohlich erscheint. Umgekehrt wittern wirkliche oder vermeintliche Liberale rasch in kirchlicher Sektenkritik bloße Schleichwerbung für den je eigenen großkirchlichen Auftraggeber. Um so nützlicher ist ein Ratgeber, der sowohl die von Sekten ausgehenden Gefahren nüchtern einschätzt und darstellt als auch solide Tips für den Konfliktfall bereitstellt. Jetzt hat der Weltanschauungs-Beauftragte des Evangelischen Regionalverbands Frankfurt(Main), Kurt-Helmuth Eimuth, einen solchen Ratgeber vorgelegt, dessen Informationsfülle und Praxisnähe der Qualität kirchlicher Beratung ein gutes Zeugnis ausstellt.

Eimuth arbeitet zunächst die Merkmale und Kriterien von Sekten heraus. Dabei stützt er sich auf einen sozialsychologischen Sektenbegriff, der nicht auf Ketzereien in der Lehre, sondern auf totalitäre Gruppenstrukturen abhebt. Die Kennzeichen der von solchen Gruppen ausgehenden Bewußtseinskontrolle (in Anlehnung an den amerikanischen Psychologen R. Lifton) werden durch markante Beispiele aus der aktuellen Sektenszene illustriert und dadurch auch für Außenstehende nachvollziehbar. Das ist nicht neu, aber eine solide Zusammenfassung des aktuellen Diskussionsstandes in journalistisch griffiger Sprache.

Neu ist hingegen der bisher so nicht leicht zugängliche Überblick über die unterschiedliche Zielsetzung und Praxis von „Ausstiegsberatung“‚. Mit der Bodenhaftung des Praktikers greift Eimuth all die Fragen auf, die in der Beratung gestellt werden: Wie können verunsicherte Angehörige mit einem frisch geworbenen „Sektenjünger“ umgehen? Welche rechtlichen Probleme können auftauchen vom Erbstreit bis zum Sorgerecht? Welche Organisationen geben Hilfe und Rat? Mit welchem Ansatz arbeiten sie? Dabei verzichtet Eimuth auf falsche Dramatisierung und berichtet in gebotener Nüchternheit über die relativ hohe Ausstiegsquote der Sekten. In aller Deutlichkeit verwirft er Formen der Ausstiegsberatung, die mit Gewalt (Deprogramming) oder auch subtileren Formen von Druck und Manipulation arbeiten. Seine eigenen Vorschläge zu Gesprächsstrategien und Umgangsformen nehmen das „Sektenopfer“ als Ratsuchenden ernst, dessen Recht auf 000 Selbstbestimmung auch die Entscheidung für die Sekte einschließt. Aber die Beratung kann die Selbstheilungskräfte, nämlich das nie völlig verschüttete Potential zu selbständigem Fühlen und Denken jenseits der Sekten-Autoritäten, aktivieren und fördern. Dafür gibt Eimuth gerade den mittelbar Betroffenen im familiären Umfeld lebensnahe Hinweise, wonach z.B. ein gemeinsamer Urlaub nützlicher sein kann als eifernde Kritik und Vorwürfe. Bisher unveröffentlichte Berichte von Ehemaligen (zu Scientology, den früheren „Kindern Gottes“ und Thakar Singh) ergänzen und illustrieren die vorherige Analyse. Ein Adressenverzeichnis von Beratungsstellen auf dem neuesten Stand (leider nicht selbstverständlich!) rundet das Bändchen ab.

Eimuth hält in diesem Buch die schwierige Balance zwischen Panikmache einerseits und Verharmlosung andererseits. Sein Ratgeber ist informationsreich, praxisnah und ausgesprochen lesbar geschrieben. Er ist empfehlenswert nicht nur für Fachstellen und Bibliotheken, sondern auch und gerade für’s breite Publikum.

Lutz Lemhöfer

in: Imprimatur

Okt 01

Erziehung zur Unfreiheit


Kurt-Helmuth Eimuths Buch über die Sektenkinder

Jugendsekten sind seit langem ein Thema in den Medien. Weniger Aufmerksamkeit schenkt man bisher den Sektenkindern. Gemeint sind damit jene Kinder, die in eine Sekte hineingeboren werden bzw. durch den Eintritt der Eltern in eine Sekte gelangen und so von klein auf im Sinne der Sekte erzogen werden. Über diese Kinder hat der Leiter der Evangelischen Arbeitsstelle für Religions- und Weltanschauungsfragen in Frankfurt/M. Kurt-Helmuth Eimuth jetzt ein Buch vorgelegt.

Beispielhaft wird an acht Sekten aufgezeigt, welche Formen eine solche Erziehung, die auf totale Vereinahmung ausgerichtet ist, annehmen kann. Und welche Folgen sie für die Kinder hat! Auch wenn die von Eimuth ausgewählten Gruppen ein buntes Spektrum an Weltanschauungen repräsentieren – von Fernöstlichem wie Krishna und Thankar Singh über Altbekanntes wie Zeugen Jehovas und Scientology bis hin zu Modernem wie der Neocharismatischen Bewegung – eines haben sie alle gemeinsam: Die Grundwerte der Erziehung, wie sie unser Kinder- und Jugendhilfegesetz formuliert, nämlich Förderung der Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit, werden durch vollständige Anpassung und blinden Gehorsam gegenüber der Sekte ersetzt. Das Buch belegt dies durch zahlreiche Beispiele, die zum Teil eine erschütternde Lektüre darstellen.

Eimuth stellt zurecht die Frage, ob derartige Praktiken durch die vom Grundgesetz verbriefte Religionsfreiheit gedeckt werden oder ob hier nicht Reaktionen von staatlicher Seite erforderlich sind. Die SPD-Fraktion im Bundestag hat jedenfalls vor einigen Wochen das Buch von Eimuth zum Anlaß genommen, die Einrichtung einer Kommission aus Parlamentariern und Sachverständigen zu fordern, die sich mit diesem Problemkreis befaßt.
(da)

Kurt-Helmuth Eimuth:
Die Sektenkinder. Mißbraucht und betrogen –
Erfahrungen und Ratschläge.
Reihe Herder Spektrum.
Herder Verlag, Freiburg/Br., 1996