Okt 01

Wohlfühlen und Einmischen

Evangelisches Frankfurt Oktober 2008

Wohlfühlen und Einmischen

Niederrad ist einer jener Stadtteile, die zwar weltoffen, aber dennoch als Sozialsystem abgeschlossen sind. Begrenzt von Main, Universitätsklinik und Autobahn bietet es eine hohe Lebensqualität in City-Nähe.

Insofern war es für die ehemals zwei evangelischen Gemeinden naheliegend, sich zu vereinen. Die Paul-Gerhardt-Gemeinde ist heute mit 4500 Mitgliedern eine der großen Gemeinden Frankfurts. „Wir können stolz sein. Unsere Fusion war erfolgreich“, bilanziert denn auch Pfarrerin Ulrike Hofmann. Als größtes Problem für den Gottesdienstbesuch stellte sich nicht der Weg zur Kirche heraus, vielmehr sind es die zahlreichen Stufen, die zur Paul-Gerhardt-Kirche hinaufführen. „Als weise hat sich die Entscheidung des Kirchenvorstandes erwiesen, immer nur in einer Kirche Gottesdienst zu feiern. Wir wollten keine Parallelstrukturen,“ erläutert die Pfarrerin.

Noch ist die neue Kindertagesstätte der Paul-Gerhardt-Gemeide im Rohbau. Für Pfarrerin Ulrike Hofmann, die im Eingang des neuen Gebäudes steht, ist das durchaus typisch für die Gemeindearbeit. Obgleich die Tradition in der Gemeinde bewahrt wird, ist man in Niederrad offen für neue Konzepte, auch für neue Gebäudekonzepte. Hort und Kindertagesstätte werden künftig unter einem Dach und unter einer Leitung sein. | Foto: Kurt-Helmuth Eimuth

Noch ist die neue Kindertagesstätte der Paul-Gerhardt-Gemeide im Rohbau. Für Pfarrerin Ulrike Hofmann, die im Eingang des neuen Gebäudes steht, ist das durchaus typisch für die Gemeindearbeit. Obgleich die Tradition in der Gemeinde bewahrt wird, ist man in Niederrad offen für neue Konzepte, auch für neue Gebäudekonzepte. Hort und Kindertagesstätte werden künftig unter einem Dach und unter einer Leitung sein.
Foto: Kurt-Helmuth Eimuth

Natürlich habe es auch in Niederrad im Vorfeld der Fusion skeptische Stimmen gegeben. So sei etwa das Schlagwort herumgegangen, die eine sei eher eine „Wohlfühl-“, die andere eine „Einmisch-Gemeinde“. Tatsächlich hat das Einmischen in Niederrad Tradition: Ob Flughafenausbau oder Dritte Welt, das gesellschaftliche Engagement war vielen engagierten Christinnen und Christen hier schon immer wichtig. Doch für Ulrike Hofmann bildet das Sich-Einmischen keinen Gegensatz zu einer Gemeinde, in der man sich wohlfühlt und spirituelle Gemeinschaft findet: „Ich stehe dafür, dass das eine gute Ergänzung ist.“

Die Gemeinde hat drei hervorgehobene Arbeitsfelder. Da ist die Diakonie mit der Seniorenarbeit und dem Besuchsdienst. Das ökumenische „Wohnprojekt Hoffnung“ erhielt in diesem Jahr den Frankfurter „Senfkornpreis“ für ihr beispielhaftes soziales Engagement. Mit kleinen Geldbeträgen unterstützt die Gemeinde ehemalige Obdachlose, die eine Wohnung gefunden haben. Auch gibt es für diesen Personenkreis alle zwei Wochen in einer Teestube Kaffee, Kuchen und ein kostenloses Abendessen.

Als weiteren Schwerpunkt benennt Ulrike Hofmann die Kinder- und Jugendarbeit, ein offenes Angebot für den Stadtteil. Außerdem gibt es noch eine Teilstelle für eine Gemeindepädagogin, die allerdings künftig auch für die Gemeinden in Schwanheim und Goldstein zuständig sein wird.

Zu erwähnen ist noch die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen. Sei es in der Friedensdekade oder durch den Verkauf fair gehandelter Produkte. Und da sind noch all die anderen Aktivitäten, wie etwa der „aufblühende Kirchenchor“, der in seiner Zusammensetzung noch recht jung ist. Oder die Arbeit der über einhundert Ehrenamtlichen, die auch die Gemeindezeitung in jeden Haushalt Niederrads tragen. Natürlich setzt sich die Gemeinde auch mit dem Neubau der Kindertagesstätte auseinander, der in den nächsten Monaten für zwei Millionen Euro fertig gestellt sein wird. Eine neue Konzeption ist geschrieben und wartet jetzt auf die Umsetzung.

Ein Teil der jetzigen Gemeindefläche soll neu mit Wohnungen bebaut werden. Pfarrerin Hofmann wird selbst davon betroffen sein. Derzeit sucht sie einen neue Bleibe, denn das Pfarrhaus muss weichen. Aber so ist das eben in Niederrad: Kontinuität und Erneuerung, Tradition und Wandel bilden hier ebenso wie die „Wohlfühl-“ und „Einmisch-Gemeinde“ eine Einheit.

Kurt-Helmuth Eimuth

Sep 01

Spaß an Finanzen und Musik

Evangelisches Frankfurt September 2008

Spaß an Finanzen und Musik

Seit Jahrzehnten prägt Burkhard Sulimma die Frankfurter Kirche mit. Nun geht der Schwanheimer Pfarrer in Ruhestand. Als Finanzexperte bleibt er dem Evangelischen Regionalverband jedoch erhalten.

Burkhard Sulimma war fast drei Jahrzehnte Pfarrer in Schwanheim. | Foto: Kurt-Helmuth Eimuth

Burkhard Sulimma war fast drei Jahrzehnte Pfarrer in Schwanheim.
Foto: Kurt-Helmuth Eimuth

Musik und Mathematik haben mehr gemeinsam als man gemeinhin denkt: Beide basieren auf den Gesetzen der Logik. Vielleicht ist dies das Geheimnis des Schwanheimer Pfarrers Burkhard Sulimma. Der Theologe verstand es immer, vermeintliche Gegensätze zu vereinbaren. Wenn er zurückblickt, wird sofort der Musikliebhaber und Sänger, aber auch der Finanzexperte sichtbar.

Seit bald drei Jahrzehnten bestimmt Sulimma die Geschicke der Frankfurter Kirche mit. Er gehörte von 1980 bis 1991 dem Vorstand des Evangelischen Regionalverbandes an, ist seit 1991 im Finanzausschuss der Regionalversammlung und seit vielen Jahren dessen Vorsitzender. Diese Kompetenz nutzte auch die Landeskirche. Zwölf Jahre lang war Sulimma Delegierter in der Synode – und natürlich auch dort im Finanzausschuss.

Zu verdanken hat Sulimma diese Kompetenz einem anderen Gegensatz. Vor seiner Zeit als Pfarrer war er Politiker. Als Fraktionsassistent der SPD war er im Römer zuständig für Kultur, Schule und Freizeit. „Da musste ich mich intensiv auf die Haushaltsdebatten vorbereiten, also war es fast zwangsläufig, dass ich mich auch in der Kirche mit den Finanzen auseinandersetzte.“ Und schmunzelnd fügt er hinzu: „Es macht auch Spaß zu schauen, wo wird was versteckt.“

Viele Funktionen hatte Sulimma inne. Eine besondere Herausforderung war sicher die zweijährige Leitung des Stadtjugendpfarramtes Anfang der 80er Jahre. Sulimma war viele Jahre Vorsitzender des Vereins für Jugendsozialarbeit, der zahlreiche Jugendhäuser betreibt. Die Entwicklung der Kirche, die ständigen Reformen, kommentiert er mit Humor und Altersweisheit: „Seit dreißig Jahren läuft der Prozess des Stellenabbaus. Wir können machen, was wir wollen. Wir kriegen die Kirche nicht kaputt.“ Und fügt ernster hinzu: „Das Evangelium ist nicht abhängig von Strukturdebatten.“

Kritisch geht Sulimma mit dem eigenen Berufsstand um. So habe er in der Synode vorgeschlagen, Pfarrer nur noch als Angestellte einzustellen und nicht wie bisher als Kirchenbeamte. Auch könnten die Bezüge abgesenkt werden. „Lieber den Pfarrern weniger zahlen und dafür eine größere Anzahl einstellen“, meint Sulimma. Schließlich werde man ja nicht Pfarrer des Gehalts wegen. Aber solche Vorschläge kamen nicht gut an. Da würde keiner mehr Theologie studieren, habe man ihm entgegengehalten.

Die nahe Zukunft kirchlicher Strukturen in der Großstadt sieht Sulimma in größeren Gemeinden: Um die 10000 Mitglieder hält er für sinnvoll, derzeit sind es im Durchschnitt etwas mehr als
2000. Wie die städtische Entwicklung weitergehen wird, lasse sich aber nicht genau vorhersagen. Stadtteile wie Schwanheim mit hoher Lebensqualität würden für Familien wohl immer attraktiver. „Schließlich kann man von hier aus mit dem Fahrrad 100000 Arbeitsplätze erreichen.“

Burkhard Sulimma wird auch im Ruhestand die Geschicke seiner Kirche mitgestalten. So gehört er den Verwaltungsräten der Diakoniestiftung, der Kirchenstiftung und der Versorgungsstiftung, die das Vermögen für die Pensionäre verwaltet, an. Auch der Evangelische Regionalverband sicherte sich weiterhin die Kompetenz des Finanzexperten: Sulimma wurde in die Regionalversammlung berufen, damit er auch im Ruhestand dem Finanzausschuss vorstehen kann.

Kurt-Helmuth Eimuth

Nov 01

Fechenheimer Gemeindezeitung ausgezeichnet

Evangelisches Frankfurt November 2007

Zum sechsten Mal hat die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) ihren Förderpreis für Gemeindezeitungen vergeben. Bei der Preisverleihung in der Bockenheimer Jakobskirche überreichte Kirchenpräsident Peter Steinacker den Hauptpreis an die Gemeinde in Mainz-Hechtsheim. Auch die Gemeinde Fechenheim aus Frankfurt wurde für ihre farbige, journalistisch hochwertige Gemeindezeitung ausgezeichnet. Insgesamt hatten sich 117 Redaktionen beworben. Wolfgang Weinrich, der den Preis 1999 ins Leben gerufen hatte, fasste die Trends zusammen. Die Gemeindezeitungen würden äußerlich immer attraktiver und farbiger. Die journalistische Qualität nehme zu. Kritisch beurteilte die Jury aber eine starke Fixierung auf das innergemeindliche Geschehen.

Der „Förderpreis Gemeindebrief“ der EKHN ist mit insgesamt 4500 Euro Preisgeld der höchstdotierte Preis seiner Art und wird alle zwei Jahre verliehen. Seine Sponsoren sind das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (gep), die Zeitung „Evangelisches Frankfurt“, die Bruderhilfe PAX Familienfürsorge und die Evangelische Kreditgenossenschaft. Eine Jury, zu der Journalisten aus dem kirchlichen und dem säkularen Bereich sowie Förderer der Idee gehören, prämiert Redaktionen, die mit ihrer Gemeindezeitung bewusst nach Qualität streben. Kriterien sind Originalität, Themenvielfalt, Aktualität, journalistische Darstellungsformen, überschaubares Layout und Druckqualität.

Kurt-Helmuth Eimuth

Mai 01

Geschichte und Geschichtchen aus Schwanheim

So einen Löwen zu restaurieren kostet 3000 Euro: Silke Wedekind-Hirschberger und Burkhard Sulimma werben um Spenden für die Martinuskirche. - (Foto: Eimuth)

Evangelisches Frankfurt: Mai/Juni 2005 · 29. Jahrgang · Nr. 3

Geschichte und Geschichtchen aus Schwanheim

Traditionsbewusst ist man im Westen Frankfurts. Die evangelische Martinusgemeinde im ehemals katholischen Dorf Schwanheim, direkt am Main gelegen, hat ihre Geschichte und ihre Geschichtchen. Es geht die Sage, dass der (katholische) Fährmann den evangelischen Pfarrer vom gegenüberliegenden Griesheim des öfteren etwas langsamer über den Main schipperte, damit dieser sich beim sonntäglichen Gottesdienst in Schwanheim verspäte. Doch längst sind die Zeiten des konfessionellen Behakelns vorbei. Pfarrer Burkhard Sulimma bleibt völlig gelassen, als ihm ein Bauarbeiter in der Kirche erklärt, dass es mit der Konfirmation Mitte Mai ja wohl nichts würde. Der Termin sei nicht zu halten. „Dann gehen wir halt in die katholische Kirche.“ Ökumene ist heute selbstverständlich.
Genauso selbstverständlich ist der kreative Umgang mit Veränderungsprozessen. Vor bald einhundert Jahren baute man die Martinuskirche. In die alte Kapelle zog der Kindergarten ein. Schon 1907 eröffnete er seine Pforten. Inzwischen verfügt die Gemeinde außerdem noch über einen integrativen Kindergarten und über einen Hort. Eine Krabbelstube, in Regie des Diakonischen Werks für Frankfurt, wird demnächst das Angebot komplettieren. „Ein Schwerpunkt ist die Arbeit mit Kindern“, stellt denn auch Sulimma fest. Krabbelgruppen, Miniclubs, Kindergruppen am Nachmittag und Kochgruppen – auch für Jungen! – und die Kindergottesdienstarbeit belegen dies.
Als die Kirchenmusikerstelle kürzlich dem Rotstift zum Opfer fiel, ließ man sich etwas einfallen. Es gelang, die Dekanatskantorin für Gemeinde-, Senioren-, Kinder- und „Spatzenchor“ zu gewinnen. Auch als immer deutlicher der Zahn der Zeit nicht nur am Putz der Kirche im romanischen Stil nagte, ging man das Problem offensiv an. Flugs gründete die Gemeinde einen Förderverein, der inzwischen die stolze Summe von 30 000 Euro für die Restaurierungsarbeiten gesammelt hat. Insgesamt belaufen sich die Kosten auf 220 000 Euro. Silke Wedekind-Hirschberger, Vorsitzende des Kirchenvorstandes, berichtet, dass sich die Gemeinde nicht leicht tat mit der Entscheidung, soviel Geld in den Bau zu stecken: „Aber letztlich gab das Votum der Denkmalpflege den Ausschlag.“ Und so entsteht wieder der ursprüngliche blaue Sternenhimmel in der Apsis. Für nur 50 Euro kann man „Pate“ eines Sternes werden. Bei den Portallöwen wird’s allerdings richtig happig: 3000 Euro kostet die Restauration und die Patenschaft.
Das ehemals katholische Dorf Schwanheim hat längst, so der Gemeindeprospekt, ein „kleinstädtisches und mittelständiges Gesicht“ und wird zunehmend multikulturell. Im altenPfarr-haus ist ein therapeutisches Wohn heim für Flüchtlinge untergebracht. Obgleich es vom Evangelischen Regionalverband getragen wird, ist es doch Teil der Gemeinde. „Wir sind eben“, so Pfarrer Sulimma, „eine typische Gemeinde im Umbruch.“
Kurt-Helmuth Eimuth

Evangelisches Frankfurt: Mai/Juni 2005 · 29. Jahrgang · Nr. 3

Dez 01

Diesseits und jenseits des Autobahnkreuzes

Die Kirche steht in Hausen noch mitten im Dorf. Die drei Gemeindebezirke Alt-Hausen, Westhausen und Industriehof werden jedoch durch breite Straßen und die Autobahn voneinander getrennt. (Foto: T.h./Wikimedia, Aufnahme unabh. vom Artikel)

Evangelisches Frankfurt: Dezember 2004 · 28. Jahrgang · Nr. 7

Diesseits und jenseits des Autobahnkreuzes

Der Stadtteil Hausen ist ein altes Dorf. Und die Kirche steht hier, wie es sich gehört, mitten im Dorf, und gegenüber der Kirche das Pfarrhaus, gebaut 1775. Doch um die Gebäude herum hat sich in den letzten Jahrhunderten so ziemlich alles verändert. Von dörflichen Strukturen kann kaum mehr die Rede sein. Im Grunde besteht die Kirchengemeinde heute aus drei eigenständigen Teilen. Da ist der alte Dorfkern, dann Westhausen mit der May-Siedlung, und zum dritten der Industriehof, in dem heute einige Outlet-Läden und die neue Börse untergekommen sind. Daneben gibt es die alten Siedlungsbauten aus den 50er Jahren. Neben Gemeinde-, Pfarrhaus und Kirche in Alt-Hausen gibt es auch noch einen Gemeindestützpunkt in Westhausen, zwischen Liebig-Schule und Westhausener Friedhof gelegen. Auch dort finden regelmäßig Gottesdienste statt. „Eigentlich“, konstatiert Pfarrer Holger Wilhelm, „sind es in der Wahrnehmung zwei Gemeinden“. Nach der Reduzierung der Pfarrstellen erlebe die Gemeinde so etwas wie eine „gefühlte Fusion“. Während früher die beiden Stadtteile links und rechts der vierspurigen Ludwig-Landmann-Straße und der A 66 jeweils eigenständige Pfarrbezirke waren, versorgt Pfarrer Wilhelm das ganze Gebiet jetzt (fast) alleine. Im Pfarramt wird er unterstützt von Jürgen Moser, der als hauptamtlicher Dekan des Dekanates Nord aber nur einen kleinen Teil seiner Arbeitskraft der Gemeinde widmen kann. Pfarrer Wilhelm will „die Dinge zusammenführen“. Wahrlich keine einfache Aufgabe, trennen doch die Stadtteile Straßen von den Ausmaßen eines Autobahnkreuzes. Wilhelm, der erst zwei Jahre in der Gemeinde ist, weiß aus Berichten, dass man vor dem Bau der A66 über die Wiesen von Westhausen in die Kirche kam. Auch heute ist dieses möglich. „Aber es fühlt sich völlig anders an.“ Trotz dieser städtebaulichen Hürde ist die Gemeinde mit ihren 2300 Mitgliedern vielfältig engagiert, ist Gastgeberin für eine westafrikanische, japanische und koreanische Gemeinde, bietet ein „Wellnessprogramm“ für Geist und Seele, zählt ein Marionettentheater zu ihren Angeboten, hat einen jungen Organisten, der Bewährtes schätzt und Neues ausprobiert, lädt zu alternativen Gottesdiensten ein, veranstaltet jährlich einen großen Basar und vieles mehr. Besonders freut sich Wilhelm über die zwanzig Konfirmandinnen und Konfirmanden, eine für diese Gemeinde große Zahl. Bewegt und beherzt unterstützen die Hausener auch den Unterhalt ihrer Kirche. 70000 Euro haben sie bisher aus eigenen Mitteln aufgebracht. Wer die Gemeinde kennen lernen will, kann dies zum Beispiel bei einem Vortrag von Pfarrer Wilhelm am Mittwoch, dem 8. Dezember, um 15 Uhr im Gemeindezentrum, Alt Hausen. Der Theologe, der einen Studienaufenthalt in Südafrika verbrachte, berichtet unter dem Titel „Christbaum und Sonnenbrand“ von den Weihnachtsbräuchen auf der Südhalbkugel.
Kurt-Helmuth Eimuth
Evangelisches Frankfurt: Dezember 2004 · 28. Jahrgang · Nr. 7

Jun 01

Der Übergang zu etwas Neuem

Konfirmation und was dann? Oft wünschen sich Pfarrer und Pfarrerinnen oder auch die Eltern, dass die Jugendlichen nach der Konfirmandenzeit weiter in der Kirche aktiv bleiben. Doch dies klappt, trotz vieler attrak tiver Angebote, in den wenigsten Fällen.
Früher erfüllte die Konfirmation einen klaren gesellschaftlichen Zweck: Jungen und Mädchen wurden zunächst im Katechismus unterwiesen und dann in die Gemeinde aufgenommen. Die Konfirmation stand also für den Übergang vom Kindes- in das Erwachsenenalter. Sie ist ein so genannter „Passageritus“, bei dem die feierlich gekleideten Kinder mit einem Rosmarinsträußchen am Kragen aus der Schule „ins Leben hinaus konfirmiert“ wurden. Das zeigte sich zum Beispiel in einer neuen Kleiderordnung: Von nun an trugen die Jungen lange Hosen, die Mädchen die ersten Schuhe mit höheren Absätzen, in ländlichen Gebieten durften sie zum ersten Mal die ortsübliche Tracht der Ledigen anziehen. Und: Seit der Konfirmation wurde man mit „Sie“ angesprochen.
Für die Paten war der Übergang vom Kind zur Frau oder zum Mann oft teuer: mit Goldschnitt verzierte Bibeln, fein gestickte Hemden oder auch lebende Tiere, die den Grundstock für das spätere Auskommen bilden sollten, gab es als Geschenk. Noch immer gehören Geschenke zur Konfirmation – auch wenn es heute nicht mehr die Ziege ist. Und es gibt ein großes Fest: In manchen Gemeinden konfirmiert man inzwischen sogar samstags. Das entfernt zwar die Konfirmation von der Gemeinde, ist aber enorm praktisch für die große Familienfeier.
Doch die Konfirmandinnen und Konfirmanden werden immer jünger und die Ausbildung junger Menschen dauert immer länger. Deshalb markiert dieser Passageritus heute in den allermeisten Fällen nicht mehr den Eintritt in das Berufsleben, sondern fällt mit einer anderen Lebensphase zusammen: der Pubertät. Die Konfirmation ist also zwar immer noch ein öffentliches Signal dafür, dass die Kindheit nun vorbei ist. Aber das heißt nicht mehr, dass man dann erwachsen ist. Gerade zu dieser Entwicklungsphase der Pubertät gehört nämlich die Absetzbewegung von allem, was etabliert ist. Jugendliche mit 13, 14 Jahren wollen anders sein als die Erwachsenen, sie kleiden sich anders, haben „null Bock“, wollen eigene, neue Wege finden. In dieser Lebensphase hat es die Kirche als etablierte Institution extrem schwer.
Es kommt deshalb gar nicht so sehr darauf an, die jungen Leute nach der Konfirmation irgendwie in der Kirche zu halten. Wichtiger ist, ihnen Raum zu geben für ihre Suche nach einem eigenen Lebensstil. Evangelische Jugendhäuser sind zum Beispiel solche Orte. Wenn junge Menschen nach der Konfirmation erst einmal auf Distanz gehen, heißt das nicht, dass sie aus der Kirche „hinauskonfirmiert“ werden. Denn viele junge Erwachsene engagieren sich nach einer Zeit der Distanz später doch wieder.
Kurt-Helmuth Eimuth

Evangelisches Frankfurt: Juni 2003 · 27. Jahrgang · Nr. 4