Feb 01

Attraktives Fastfood – Esoterik spricht vor allem Frauen an

Evangelisches Frankfurt Februar 2009

Attraktives Fastfood
Esoterik spricht vor allem Frauen an

„Du musst vertrauen. Du bist ein wunderbares Kind Gottes.“ Es sind Sätze wie diese, die nach Meinung der evangelischen Weltanschauungsbeauftragten Annette Kick vor allem Frauen ansprechen. „Sie haben das Bedürfnis nach Anerkennung, danach, gesehen zu werden als einzigartige Person, die interessant, wertvoll, wichtig ist, ohne dass sie für jemanden Funktionen erfüllt.“

Gerade Frauen im Alter von 40 bis 50 Jahren hätten häufig Sehnsucht nach Anerkennung und einem erfüllten Leben, stellte die württembergische Pfarrerin bei einer Veranstaltung im Haus am Dom heraus. „Familienfrauen erleben sich macht- und einflusslos. Sie haben zu reagieren auf Anforderungen anderer und sehen wenig eigene Einfluss- und Gestaltungsmöglichkeiten.“

Nach der Abnabelung der Kinder stoßen dann esoterische Angebote in das Vakuum und versprechen, dass man mit dem richtigen Bewusstsein alles erreichen könne, so Kick. Selbst der Weltfriede sei durch das Meditieren derer, die ihr Bewusstsein weiterentwickelten, erreichbar. Frauen stoßen sich häufiger als Männer an der „Entzauberung der Welt“ durch Wissenschaft und Technik. Viele suchen nach einem Zugang, der ihre eigenen Intuitionen ernst nehme.

Die Esoterik mache ihnen vor allem im Bereich der Medizin und der Spiritualität Angebote. So erlebten viele Frauen die Schulmedizin als ignorant. Ihr Gefühl und ihr Wissen von ihrem Körper werde nicht ernst genommen. Demgegenüber gingen esoterische Heilerinnen und Heiler auf die Lebenssituation von Frauen ein. Dass dabei oft völlig unrealistische Heilsversprechen gemacht würden und die Ursachen für einen möglichen Misserfolg im mangelnden Bewusstsein der Frau selbst gesucht würden, was wiederum weitere Schulungsprogramme erfordere, sei den Patientinnen zunächst nicht deutlich.

Auch die Kirche mache diesen Frauen kein überzeugendes Angebot. „Mit Recht klagen spirituell hungrige Frauen über die Verkopftheit der Gottesdienste, über Dogmen und Rituale, die mit ihrem Leben nichts zu tun haben“, urteilte Kick. In Kirchengemeinden würden diesen Frauen statt spiritueller Nahrung oft nur helfende Dienste, etwa beim Gemeindefest oder Basar, angeboten. Da komme das „esoterische Fastfood“ anders daher. Kick über einen solchen Erfahrungsweg: „Die spirituelle Meisterin hat der Frau von den Engeln ausgerichtet, welch besondere Seele in ihr wohne, und dass es höchste Zeit sei, diese verkümmerte Seele zu retten, zu nähren, zu entwickeln. Und nach kurzer Zeit konnte auch sie schon kosmische Energien bewegen.“

Kurt-Helmuth Eimuth

Feb 01

Stiftungen helfen schon seit 1531

Evangelisches Frankfurt Februar 2009

Stiftungen helfen schon seit 1531

Die erste Frankfurter Stiftung, der heute noch existierende „Almosenkasten“, wurde bereits 1531 gegründet. Wie vielen mittelalterlichen Stiftungen lag ihm der Gedanke des Almosens zugrunde. Der Name deutet auch auf die Form des Spendens hin: Vermutlich stand tatsächlich eine Truhe in einer Kirche, in die man seine Gabe hineinwarf.

Nach der Trennung von Staat und Kirche blieb dieser „allgemeine Almosenkasten“ bei der Stadt. Noch heute werden aus diesem Vermögen Mittel für soziale Zwecke aufgewandt. Die evangelisch-lutherische Kirche gründete dann 1828 ihren eigenen, den Evangelischen Almosenkasten. Im Beschluss des Gemeindevorstands heißt es: „Dieser neu errichtete Almosenkasten bildet eine Sektion des Evangelisch-Lutherischen Gemeindevorstands und hat die von letzterem im Betreff der Einrichtung und Verbesserung des lutherischen Armenwesens gefassten Beschlüsse zum Vollzug zu bringen.“ Man wollte also die Unterstützung bedürftiger Personen für die evangelisch-lutherischen Gemeindemitglieder weiterführen. Die Katholiken und die Reformierten gründeten in der Stadt ähnliche Stiftungen.

Dieser evangelische „Almosenkasten“ existiert ebenfalls noch heute als eine Stiftung und wendet Mittel auf, um bedürftigen Menschen, die die Gemeinden benennen, eine einmalige oder regelmäßige Unterstützung zukommen zu lassen. Das Kapital beträgt etwa 500000 Euro, sodass etwa fünfzig Personen durch die ausgeschütteten Zinsen Unterstützung erfahren können. Der Gemeindebezug ist für Michael Frase, den Leiter des Diakonischen Werks für Frankfurt, besonders wichtig, da der Pfarrer oder die Pfarrerin die tatsächliche Notlage bestätigen können.

Im Lauf der Jahrhunderte haben sich die Motive für die christliche Unterstützung der Bedürftigen verändert, betont Frase: „Mitleid und Barmherzigkeit gab es selbstverständlich zu allen Zeiten, aber viele Stiftungen sind aus dem Verständnis einer Werkgerechtigkeit entstanden – man wollte sich mit guten Werken den Himmel verdienen.“ Es sei eine Errungenschaft von Humanismus und Reformation, diesen Verdienstgedanken überwunden zu haben. „Soziales Handeln wurde auf die Ursprünge gelebter Nächstenliebe und auf die sozialen Normen und Werte einer humanistischen Idealen verpflichteten Gesellschaft hingeführt.“

Kurt-Helmuth Eimuth

Feb 01

Wie soziale Arbeit organisiert ist

Evangelisches Frankfurt Februar 2009

Wie soziale Arbeit organisiert ist

Soziale Arbeit will organisiert sein. Da sie für das Gemeinwohl besondere Bedeutung hat, hat der Gesetzgeber verschiedene Organisationsformen vorgesehen und sie von der Zahlung von Steuern weitgehend befreit.

Beim Eingetragenen Verein (e.V.) beantragen mindestens sieben Personen mit einer Satzung die Eintragung in das Vereinsregister. Die Gemeinnützigkeit und damit das Privileg, steuerabzugsfähige Spenden anzunehmen, bescheinigt das Finanzamt. Ein Verein darf kein Geld anhäufen, denn sein Zweck ist es, das gesammelte Geld gezielt dem Vereinszweck zuzuführen.

Die gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung (gGmbH) ist dagegen eine Organisationsform, die kontinuierliches professionelles Handeln ermöglicht. Allerdings darf auch sie keine Gewinnabsicht verfolgen. Auch in diesem Fall bescheinigt das Finanzamt die Ge­meinnützigkeit.

Eine Stiftung wiederum ist auf Dauer angelegt. Das Kapital darf nicht ausgegeben werden, sondern bildet einen Grundstock, um aus Zinsen und anderen Kapitalerträgen den Stiftungszweck erfüllen zu können. Über die Verwendung der Gelder wacht die staatliche Stiftungsaufsicht.

Kurt-Helmuth Eimuth

Feb 01

Soziale Arbeit für Zukunft sichern

Evangelisches Frankfurt Februar 2009

Soziale Arbeit für Zukunft sichern
Evangelische Diakoniestiftung ins Goldene Buch eingetragen

„In einer Zeit, da selbst Banken als Bettler auftreten, wagt es der Evangelische Regionalverband, Geld auf Dauer für bestimmte wohltätige Zwecke festzulegen“, freute sich Stadtrat Christof Warnke aus Anlass der Eintragung einer neuen Frankfurter Diakoniestiftung ins Goldene Buch der Stiftungen im Frankfurter Römer. Die Stiftung soll dazu beitragen, die soziale Arbeit der evangelischen Kirche in Frankfurt langfristig zu sichern und vom Kirchensteueraufkommen unabhängiger zu machen.

Stadtrat Christof Warnke - sitzend - freut sich über eine weitere Stiftung in Frankfurt: Pfarrerin Esther Gebhardt, Karsten von Köller und Pfarrer Michael Frase vom Stiftungsvorstand der neuen Diakoniestiftung sowie Pfarrer Burkhard Sulimma von deren Verwaltungsrat - stehend von links nach rechts - bei der Eintragung ins Goldene Buch der Stiftungen im Römer. | Foto: Rolf Oeser

Stadtrat Christof Warnke – sitzend – freut sich über eine weitere Stiftung in Frankfurt: Pfarrerin Esther Gebhardt, Karsten von Köller und Pfarrer Michael Frase vom Stiftungsvorstand der neuen Diakoniestiftung sowie Pfarrer Burkhard Sulimma von deren Verwaltungsrat – stehend von links nach rechts – bei der Eintragung ins Goldene Buch der Stiftungen im Römer.
Foto: Rolf Oeser

Der Regionalverband überträgt ihr dafür ein Barvermögen in Höhe von 1,5 Millionen Euro und hofft auf weitere Zustiftungen engagierter Bürgerinnen und Bürger. „Die Stiftung soll dazu beitragen, Schwerpunkte in der Arbeit der Kinder-, Jugend- und Familienbetreuung zu setzen sowie Hilfeleistungen für Menschen in Lebenskrisen, für Menschen mit Behinderungen, für Menschen, die auf medizinische Hilfe und Pflege angewiesen sind, zu erbringen“, erläuterte Pfarrer Michael Frase, Leiter des Diakonischen Werks für Frankfurt. „Des Weiteren will sie die Möglichkeit eines selbst bestimmten Lebens im Alter sowie in der letzten Lebensphase schaffen.“

Aus Erbschaften der evangelischen Blindenarbeit, die eine Zweckbindung haben, werden Hilfen für blinde und sehbehinderte Menschen finanziert. Frase kündigte an, dass auch eine Unterstiftung zur Förderung der Hospizarbeit in der evangelischen Kirche eingerichtet werden soll.

Nach Überzeugung von Stadtrat Warnke zeigt der Evangelische Regionalverband mit seiner Initiative ein Vertrauen, nach dem heute allenthalben Ausschau gehalten werde. Er wies darauf hin, dass Frankfurt die „Stiftungshauptstadt“ Deutschlands sei. Immerhin verwalten am Main 470 Stiftungen den Betrag von sechs Milliarden Euro, was mehr als das Doppelte des Frankfurter Jahresetats ist.

Für Frase ist die Diakoniestiftung eine moderne Organisationsform für diakonisches Handeln: „Man kann sagen, dass sie die moderne zeitgemäße Interpretation der Ausrichtung des Handelns auf die Not des Nächsten ist, wie sie uns im Neuen Testament grundlegend erklärt und als Aufgabe aufgegeben wird.“

Kurt-Helmuth Eimuth

Feb 01

Den Kindern vertrauen, nicht den Noten

Evangelisches frankfurt Februar  2009

Kommentar:
Den Kindern vertrauen, nicht den Noten

Foto

Bildung ist entscheidend. Deshalb ist es gut, dass die Politik in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gerade hier investiert. So manche Schule wartet seit Jahrzehnten auf Sanierung. Da ist jeder Euro aus dem Konjunkturprogramm gut angelegt. Doch nicht nur die Gebäude müssen in Ordnung gebracht werden. Auch die Rahmenbedingungen stimmen nicht. Die Klassen sind zu groß, die Ausstattung ist schlecht. Der Markt hat längst reagiert. Fast jedes sechste Kind in Frankfurt besucht eine Privatschule. Tendenz steigend.

Die Kehrseite der Medaille: Wenn Schulnoten höchsten Stellenwert bekommen, spüren die Kinder das. Beste Noten werden zur Norm. Wer mittelmäßig oder gar schlecht ist, gehört nicht mehr dazu. Und Kinder können brutal sein. Auch im Ausgrenzen.

Doch Schulnoten sagen nichts über Bildung aus. Leider ist die Schule immer mehr dazu übergegangen, Wissen abzufragen. Das eingeführte Zentralabitur fördert dies. Abfragbares Wissen ist sicher nicht schlecht, aber eben nur ein Teil von Bildung. Bildung ist Verstehen im umfassenden Sinne. Zusammenhänge begreifen und kritisch zu reflektieren gehört ebenso dazu wie Fußball- oder Gitarrespielen. Soziale Kompetenz ist heute auch in Unternehmen eine Schlüsselqualifikation. Die lässt sich aber nur sehr eingeschränkt in der Schule vermitteln oder gar im Zeugnis ablesen.

Es ist jedoch zu befürchten, dass der eingeschlagene Weg der Wissensvermittlung, das Eintrichtern, landespolitisch beibehalten und sogar auf den Kindergarten übertragen wird. Das von der FDP ultimativ geforderte Vorschuljahr lässt diesbezüglich nichts Gutes ahnen. Ein gemeinsames Abendessen kann aber mehr Bildung vermitteln als so manche Unterrichtsstunde. Rücksichtnahme, das Einhalten von Regeln und anregende Gespräche über Gott und die Welt bilden die Grundlagen für das Verstehen von Zusammenhängen. Schade, dass viele Familien den Ritus des täglichen gemeinsamen Essens nicht mehr kennen.

Eines gilt leider immer noch: Der Zugang zu den Gymnasien wird in der vierten Klasse über die Noten gesteuert. Finnland und andere Staaten zeigen, dass dies ein Irrweg ist. Er setzt schon Zehnjährige unter Leistungsdruck, dem manche Eltern mit der Gabe von Beruhigungsmitteln begegnen. Dieses Aussortieren ist bildungspolitischer Unsinn und muss aufhören. Der Kinder wegen. Die brauchen Zeit zum eigenen Forschen, sie brauchen ihre Zeit zum Lernen und zum Aneignen der Welt. Vertrauen wir ihrem Interesse, ihrer Intelligenz. Dazu bedarf es keiner Noten.

Kurt-Helmuth Eimuth