Archiv für khe

Augenzwinkernder Humor und bodenständige Aufrichtigkeit

Grußwort von Oberstudiendirektor Dirk Ruber

Sehr verehrte Damen und Herren,

Dirk Ruber würdigt Marion Eimuth

mein Name ist Dirk Ruber, ich bin Leiter der Georg-Kerschensteiner-Schule in Obertshausen im Landkreis Offenbach, einer beruflichen Schule mit 2300 Schülerinnen und Schülern und 130 Lehrkräften, verteilt auf verschiedene Schulformen im Voll- und Teilzeitbereich. Davon umfasst unser Berufliches Gymnasium mit den Fachrichtungen Wirtschaft und Verwaltung, Ernährung und Gesundheit aktuell ca. 500 Schülerinnen und Schüler. In dieser Schulform, dem Beruflichen Gymnasium, wirktest Du, liebe Marion, 14 Jahre lang als Religionslehrerin mit Leib und Seele … wobei die Seele bei Religionslehrkräften wahrscheinlich ein stärkeres Gewicht einnimmt als bei den eher „weltlich“ ausgerichteten Kolleginnen und Kollegen. Obwohl – eigentlich bist Du ja auch eine Berufsschullehrerin, denn als gelernte Industriekauffrau und einem anschließenden Jahr Berufserfahrung in der Buchhaltung der Firma „Filter-Schmidt“ in Steffenberg-Niedereisenhausen bringst Du beste Voraussetzungen für eine berufliche Schule mit dem Schwerpunkt Wirtschaft und Verwaltung mit. An dieser Stelle muss ich einfach erwähnen, dass auch mir Steffenberg-Niedereisenhausen sehr vertraut ist, denn Marion und ich waren im Marburger Hinterland fast Nachbarn – beide aufgewachsen in kleinen Dörfern, Marion in Steinperf – ich in Frechenhausen, nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Jahrelang habe ich das nicht gewusst – bis Marion einmal morgens auf dem Weg zur Schule mit ihrem schnittigen MX-5-Cabrio sehr rasant vor mir her durch die Kurven brauste und ich sie auf dem Lehrerparkplatz fragte, wo sie so Autofahren gelernt habe, das würde ich eigentlich nur aus dem Hinterland kennen (das steckt da einfach in den Genen … da fahren alle sehr sportlich Auto …) Liebe Marion, als bekennendem Schnellfahrer war mir das außerordentlich sympathisch … auch das ist ein Teil Deines erfrischenden, liebenswerten Wesens. Gepaart mit höchster fachlicher und pädagogischer Kompetenz wurdest du so sehr schnell von der gesamten Schulgemeinde wertgeschätzt und bist ein Teil der GKS geworden – man hatte einfach das Gefühl, Du gehörtest hierher und warst schon immer da … Ich musste tatsächlich in Deiner Akte nachschauen, wann Du an die Schule gekommen bist, weil auch ich die Zeitspanne nicht einschätzen konnte. Deine ruhige, besonnen-nachdenkliche Art, gewürzt mit einem augenzwinkernden Humor und bodenständiger Aufrichtigkeit hat uns, die Lehrkräfte und Schulleitungsmitglieder, und natürlich viele, viele Schülerinnen und Schüler Deiner Religionskurse, bereichert und vorangebracht. Als Lehrerin und in Deiner Aufgabe als langjährige Fachschaftsleiterin warst Du stets ein Fels in der Brandung, nicht starr und unbeweglich, sondern standhaft und wahrhaftig. Gerade die Fachschaftsleitung war sicherlich nicht immer eine leichte Aufgabe, denn die Religions- und Ethik- Kolleginnen und Kollegen zählen doch oftmals eher zur „sensitiv-diskursfreudigen Spezies“, um es ein wenig euphemistisch auszudrücken. Dennoch konnte Dich nichts aus der Ruhe bringen und es ist Dir über Jahre hinweg gelungen, die unterschiedlichsten Bedürfnisse und Befindlichkeiten diplomatisch-geschickt auzutarieren und zu befrieden.

Liebe Marion, ich danke Dir im Namen des gesamten Kollegiums und des Leitungsteams der Georg-Kerschensteiner-Schule für Deine großartige Arbeit – Du warst eine wunderbare Kollegin und wirst für immer in unseren Herzen bleiben! Vielen Dank.

Kirche muss ein Ort des Dialogs sein – auch mit den Gedanken der AfD

von Kurt-Helmuth Eimuth 13. Januar 2018

Die Kirchen versammeln ein breites Spektrum gesellschaftlicher Milieus in ihren Reihen. Daher haben sie eine besondere Verantwortung dafür, den demokratischen politischen Diskurs auch über politische Gräben hinweg zu führen. 

Kurt-Helmuth Eimuth ist Mitglied in der Redaktion des EFO-Magazins.  |  Foto: Tamara Jung
Kurt-Helmuth Eimuth ist Mitglied in der Redaktion des EFO-Magazins. | Foto: Tamara Jung

Die Diskussion hört nicht auf. Die AfD sitzt mit 94 Abgeordneten, meist Männern, im Bundestag. Ein Ergebnis der GroKo, der Großen Koalition, so lauten viele Erklärungsversuche. Wenn die Parteien in der Mitte kaum noch zu unterscheiden seien, stärke dies die Ränder, so die These. Doch stimmt das?

Selbstkritisch fragt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), ob in den Gemeinden die Fragen und Ängste aller 23 Millionen Protestantinnen und Protestanten Platz haben. In einem Impulspapier zum Thema Konsens und Konflikt stellt sie fest: „Als Kirchen können wir nur dann als politische Akteure für die Stärkung des demokratischen Gemeinwesens ernst genommen werden, wenn wir berücksichtigen, dass auch in unserer Mitte die Ängste vor dem Wandel und die Versuchung zur Abgrenzung anzutreffen sind. Die evangelische Kirche mit ihren knapp 23 Millionen Mitgliedern ist ein Spiegel der pluralistischen Gesellschaft.“  

Den klaren Positionierungen der kirchenleitenden Personen und Gremien, dem  Engagement vieler Gemeinden und Verbände für die Aufnahme geflüchteter Menschen stehe bei einem beachtlichen Teil der Kirchenmitglieder Skepsis hinsichtlich der wachsenden Vielfalt und des sozialen Wandels gegenüber. 

Hier mahnt die EKD: „Unbeschadet des klaren und richtigen Eintretens für die Rechte von Minderheiten und Geflüchteten müssen wir wahrnehmen, dass die Sorge angesichts des Wandels und der Herausforderungen, die eine pluraler werdende Gesellschaft und gerade auch die technologisch-ökonomischen Veränderungen mit sich bringen, bis in die Leitungsebenen der evangelischen Kirchen hineinreicht.“

Die Botschaft des Evangeliums ist eminent politisch. Der erste und vornehmste Ort dieser politischen Praxis der Kirchen ist das Miteinander sehr unterschiedlicher Menschen in den Gemeinden. Die Kirchen mit ihrer tiefen und breiten sozialen Verankerung sollen und wollen damit Foren sein, auf denen Konflikte ausgetragen werden, Ängste gehört und bearbeitet werden. Denn die Kirche ist „mitverantwortlich für die politische Kultur unseres Landes und für die Gestaltung unseres Gemeinwesens“, wie die EKD richtigerweise schreibt.

Die Demokratie ist mehr als eine Regierungsform: Sie beschreibt, wie Bürgerinnen und Bürger ihre eigenen Interessen und Freiheiten mit den Vorstellungen anderer in einen für alle förderlichen Ausgleich bringen können. Deshalb ist eine Demokratie nur stabil, wenn sie eingebettet ist in eine politische Kultur, in der alle sich gegenseitig als Freie und Gleiche anerkennen und achten.

Kirchengemeinden haben hier eine besondere Chance, aber auch einen Auftrag.

„Zusammenhalt gibt es nur, wenn für alle dieselben Regeln gelten“

von Kurt-Helmuth Eimuth 17. Januar 2018

Reich und Arm driften immer weiter auseinander, der Rechtspopulismus hat Aufwind, und traditionelle Institutionen verlieren das Vertrauen der Menschen: „Was hält die Gesellschaft zusammen? Darüber diskutierten Kirchen und Gewerkschaften in der Evangelischen Akademie am Römerberg.

Großes Interesse: Podiumsdiskussion unter anderem mit Kirchenpräsident Volker Jung und Bischof Georg Bätzing in der Evangelischen Akademie am Römerberg. Foto: Rolf Oeser
Großes Interesse: Podiumsdiskussion unter anderem mit Kirchenpräsident Volker Jung und Bischof Georg Bätzing in der Evangelischen Akademie am Römerberg. Foto: Rolf Oeser

Die Ausgangslage ist klar. Noch nie waren so viele Menschen in Deutschland in bezahlter Arbeit wie heute. Und doch klafft die Kluft zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander. Ein Fünftel aller Arbeitsplätze sind im Niedriglohnsektor. Den Bereich der prekären Beschäftigungsverhältnisse schätzen manche gar auf 40 Prozent. Private Vermögen haben einen Höchststand erreicht, und gleichzeitig wächst die Armut. Dies verstärkt auch in der Mittelschicht Abstiegsängste, nicht nur angesichts steigender Mietpreise. Und dann ist noch die AfD mit ihren Wahlerfolgen und ihrem Populismus, der vor rechtsextremen Parolen nicht halt macht.

Grund genug für die Kirchen und die Gewerkschaften in Hessen zu fragen: „Was hält die Gesellschaft zusammen“? Drei katholische Bistümer (Fulda, Mainz und Limburg), drei evangelische Landeskirchen (Rheinland, Hessen-Nassau und Kurhessen-Waldeck) sowie der Deutsche Gewerkschaftsbund hatten erstmals zu einer gemeinsamen Diskussion geladen.

Ulrike Eifler vom DGB-Südosthessen entwarf ein düsteres Bild der derzeitigen Risse in der Gesellschaft. Das politische Klima sei nach rechts verschoben, die Bundestagswahl eine Zäsur, mit der man näher an die Weimarer Verhältnisse in den 1920er Jahren rücke.

Der Baseler Soziologe Oliver Nachtwey warf einen analytischen Blick auf die heutigen gesellschaftlichen Prozesse. Sicher, die Gesellschaft erodiere und im Arbeitsleben vermissten viele die Solidarität. Doch trotz aller Dramatik komme man in Deutschland noch zusammen. Grundsätzlich gelte, dass eine Gesellschaft dann zusammenhält, wenn die Menschen den Eindruck haben, dass alle sich an die gleichen Regeln halten. Das bedeutet nicht, dass es keine Unterschiede gibt. Nachtwey verglich das mit einem Haus, wo unten Menschen in einfachen Wohnungen leben, im ersten Stock die Wohnungen schon besser seien und oben geradezu luxuriös – aber es richten sich doch alle nach derselben Hausordnung. Es gibt keine Sonderrechte und auch keine Parallelgesellschaften , anders als sie sich derzeit bei den „oberen ein Prozent“ der Superreichen herausbildeten.

Die neoliberale Ausrichtung der Politik überlasse alles dem Markt, der so etwas wie ein „anonymer Gott“ geworden sei. Der Markt müsse aber eingebettet sein in andere Bezugsgrößen wie Familie, Freundschaften oder eine Dorfgemeinschaft. Der Limburger katholischen Bischof Georg Bätzing wies darauf hin, dass der Markt nicht an Normen interessiert ist. Gerechtigkeit, Gleichheit und die Würde der Einzelnen müssten daher als gesellschaftliche Norm durchgesetzt werden. Dazu sei, so Kirchenpräsident Volker Jung, auch Empathie notwendig, also dass Menschen sich in die Lage von anderen hineinversetzen. Jung rief dazu auf die Demokratie weiterzuentwickeln, um Partizipation zu ermöglichen.

Neben der neoliberalen Ausrichtung sieht Nachtwey noch eine zweite Ursache für die derzeitigen gesellschaftlichen Spannungen, nämlich die Individualisierung. Frühere Formen der Vergemeinschaftung wie zum Beispiel Vereine verlieren an Bedeutung, die Einzelnen seien  zunehmend auf sich alleine gestellt. Damit werden sie auch immer abhängiger von gesellschaftlichen Institutionen: Wer keine Großeltern in der Nähe hat, ist mehr auf Krippe oder Kindergarten angewiesen, wer keine Kinder oder Verwandte in der Nähe hat, muss bei Pflegebedürftigkeit ins Heim. Und so entstehe das Paradox, dass die modernen Individuen gerade wegen ihres Individualismus immer abhängiger von der Gesellschaft werden.

Und was also nun tun? Nachtwey forderte Kirchen und Gewerkschaften dazu auf, sich einzumischen und auch für konkrete politische Ziele einzutreten, etwa für die Einführung einer Vermögenssteuer oder die Abschaffung von Leiharbeit. Bischof Bätzing war der Ansicht, dass die die meisten Probleme nicht auf der Ebene des Nationalstaates gelöst werden könnten. Angesichts der Globalisierung der Märkte brauche es eine größere Solidarität: „Es gibt keine Alternative zu Europa. Europa muss stärker werden.“

Michael Rudolph vom DGB Hessen-Thüringen sieht die Gewerkschaften durchaus als einen Ort der Solidarität. Hier seien die unterschiedlichsten Berufsgruppen vereint, und es würden nicht nur Einzelinteressen vertreten, wie in den Spartengewerkschaften. Um die „Würde der Arbeit“ wieder herzustellen, müsse die prekäre Beschäftigung abgeschafft werden. Die gemeinsam von Kirchen und Gewerkschaften durchgeführte Kampagne für einen arbeitsfreien Sonntag sei zum Beispiel ein Beitrag gegen die Entgrenzung der Arbeitswelt und gegen die zunehmende Vermischung von Freizeit und Arbeit.

Allerdings wies Nachtwey auch darauf hin, dass das Vertrauen in traditionelle Institutionen wie eben Kirchen und Gewerkschaften ebenfalls bei vielen Menschen verloren gegangen sei. Jedes Jahr gebe es in Deutschland 300.000 Kirchenaustritte, die Mitgliederzahl der Gewerkschaften stagniere.

„Lieber Gott, nimm es hin, dass ich was Besond‘res bin“ – Robert Gernhardt in der Caricatura

von Kurt-Helmuth Eimuth 15. Dezember 2017

Der Frankfurter Satiriker Robert Gernhardt setzte sich in seinen vielfältigen Werken oft und gerne auch mit Religion auseinander. In diesem Monat wäre er 80 Jahre alt geworden. Das Caricatura-Museum zeigt aus diesem Anlass zahlreiche seiner Cartoons und Illustrationen.

Foto: Kurt-Helmuth Eimuth
Foto: Kurt-Helmuth Eimuth

Als „genialen Freund“ bezeichnete Pit Knorr in seiner Laudatio zur Ausstellungseröffnung gestern seinen Kollegen Robert Gernhardt. Knorr und Gernhardt gehörten beide zum Gründungsteam der Satirezeitschrift Titanic. Über vier Jahrzehnte lebte Gernhardt in Frankfurt, wo er 2006 auch starb. Er war, so Knorr, „unglaublich fleißig und produktiv“. Gernhardt habe fast immer alleine gezeichnet – außer wenn er beim Signieren seiner Bücher den Verehrerinnen und Verehrern schnell noch ihr Lieblingstier neben seine Unterschrift gemalt hätte.

Als Künstler war Gernhardt außerordentlich vielseitig. 351 Exponate sind in der jetzigen Ausstellung  zu sehen, zusammengetragen aus einigen Leihgaben und dem großen Fundus des Museums selbst. „Das komische Zeichnen ist nur Wenigen gegeben“, stellte Laudator Knorr fest. Dass Gernhardt definitiv zu diesen Wenigen gehörte, davon kann man sich zum Beispiel in der Begegnung mit dem Nilpferd namens „Schnuffi“ überzeugen: Allein gut 50 Schnuffi-Abenteuer zeigt die Ausstellung.

Aber nicht nur der Zeichner von Bildergeschichten, Cartoons und Illustrationen ist in der Ausstellung präsent. Auf großen Postern kommt auch der Dichter Robert Gernhardt zu Wort: „Lieber Gott, nimm es hin, dass ich was Besond‘res bin. Und gib ruhig einmal zu, dass ich klüger bin als du. Preise künftig meinen Namen, denn sonst setzt es etwas. Amen“ – solche Verse geben einen Eindruck vom Humor des Mannes, der in diesem Monat 80 Jahre alt geworden wäre. Noch besser erfassen lässt sich der Lyriker Gernhardt an den eingerichteten Hörstationen.

Gernhardt war zu Lebzeiten mit dem Caricatura-Museum eng verbunden. Immer wieder hatte er zur Gründung eines solchen Zentrums für Komische Kunst ermuntert. Und dem Leiter des Museums Achim Frenz schrieb er folgende Widmung: „Ein Volk, das seine Caricatura nicht ernähren und am Leben erhalten kann, ist nicht wert, dass es existiert.“ 

Die Ausstellung im Caricatura-Museum, Weckmarkt 17, ist bis zum 15. April 2018 zu sehen.

Volle Kirchen, überall Luther – was vom Reformationsjubiläum bleibt

von Kurt-Helmuth Eimuth 17. November 2017

Wer hätte das gedacht: Ausgerechnet das Reformationsjubiläum führte evangelische und katholische Kirche wieder näher zusammen. Das ist wichtig, gerade in Frankfurt.

Reformationsjubiäum ist, wenn der evangelische und der katholische Stadtdekan gemeinsam auf der Kanzel stehen. Foto: Rolf Oeser
Reformationsjubiäum ist, wenn der evangelische und der katholische Stadtdekan gemeinsam auf der Kanzel stehen. Foto: Rolf Oeser

Luther überall. Ein zusätzlicher Feiertag. Große Fernsehproduktionen in ARD und ZDF. Schlangen vor der Katharinenkirche bis auf die Zeil. Ein Frankfurter Bürgermeister, der dafür wirbt, dass der 31. Oktober als Reformationstag dauerhaft zum Feiertag wird. Nach vielen anfänglichen Unkenrufen kann man wohl sagen, dass das 500. Reformationsjubiläum doch noch ein Erfolg wurde.

Manche fanden die Flut an Luthersocken und Lutherbieren vielleicht übertrieben. Aber selbst solche Witzigkeiten waren nachgefragt. Über eine Million verkaufte Playmobil-Lutherfiguren haben den Reformator zur erfolgreichsten Figur des Spielzeugherstellers gemacht.

Und nicht nur die zentralen „Events“ zum Reformationsjubiläum waren erfolgreich, auch die Veranstaltungen in den Gemeinden waren sehr gut nachgefragt, gelegentlich sogar überfüllt. Wirklich bemerkenswert ist aber, dass die Feiern jenes Ereignisses, das vor 500 Jahren zu einer Trennung von evangelischer und katholischer Kirche geführt hat, nun ganz im Zeichen der Versöhnung standen.

Schon der Auftakt zum Reformationsjahr hatte in Frankfurt das Signal gesetzt: Die evangelische Kirche wollte nicht nur im eigenen Kreis feiern. Beim Ökumenischen Pfingstfest kamen zahlreiche Persönlichkeiten aus der Stadtgesellschaft auf den Römerberg, um an einer langen Tafel Tischreden zu halten. Am 31. Oktober dann standen der katholische und der evangelische Stadtdekan, Johannes zu Eltz und Achim Knecht, gemeinsam auf der Kanzel in der Katharinenkirche. Im Dom hatte man bereits einige Tage zuvor bei einer Vesper mit dem evangelischen Kirchenpräsident Volker Jung, seiner Stellvertreterin Ulrike Scherf, dem katholischen Bischof Georg Bätzing und Generalvikar Dietmar Giebelmann in eine gemeinsame Zukunft geblickt.

Aber nicht nur in Frankfurt stand das Reformationsjubiläum im Zeichen der Versöhnung. Bei einem Versöhnungs-Gottesdienst in Hildesheim sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands, Heinrich Bedford-Strohm, die beiden Konfessionen wollten „nicht vergessen, was sie einander angetan haben, und zugleich Gott für alles danken, was sie aneinander haben“. Er leitete den Gottesdienst gemeinsam mit dem Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, der sagte: „Dieser Gottesdienst soll nicht folgenlos bleiben.“ Für die Zukunft kündigte Bedford-Strohm konkrete Schritte an, „die unser Gebet, unsere Lehre und unser Handeln im Geist der ökumenischen Geschwisterlichkeit verändern.“ Und das ist nicht auf evangelische und katholische Kirche begrenzt. Auch eine methodistische Bischöfin und ein griechisch-orthodoxer Erzpriester waren am Gottesdienst beteiligt.

Auch der Kirchentag in Berlin und die Weltausstellung in Wittenberg waren sicher kein Flop, auch wenn sie die hochgesteckten Ziele an Publikumszahlen nicht erreichten. Was sich hier zeigte war, dass die Kirche vor allem dort funktioniert, wo sie auf ihre bestehende Strukturen zurückgreift.

In andere Milieus vorzudringen gelingt ihr nur schwer. Nicht nur der Kirchentag ist in Ehren ergraut. Genau hier liegt die Herausforderung für beide Kirchen in den kommenden Jahren – gerade in Frankfurt, wo sie inzwischen in der Situation von Minderheitenkirchen sind, wie Stadtdekan Knecht in der Katharinenkirche betonte.

Dass nach vielen Jahren der Stagnation evangelische und katholische Kirche wieder gemeinsam auftreten, macht Mut. Auch weil die nächste Bewährungsprobe schon bald bevorsteht: 2021 wird der Ökumenische Kirchentag hier in der Mainmetropole sein. 

Großes Publikumsinteresse beim ersten Frankfurter Tag der Religionen in der Römerhalle

von Kurt-Helmuth Eimuth 23. Oktober 2017

Das Interesse war riesengroß: Dicht gedrängt schoben sich die Besucherinnen und Besucher beim ersten Frankfurter „Tag der Religionen“ durch die Römerhalle und informierten sich über die verschiedenen Glaubensgemeinschaften.

Am buddhistischen Stand beim Tag der Religionen im Römer. Foto: Ilona Surrey
Am buddhistischen Stand beim Tag der Religionen im Römer. Foto: Ilona Surrey

„Wir sind von dem Andrang überwältigt“ sagte Joachim Valentin. Der Katholik ist Vorsitzender des Frankfurter Rats der Religionen, der den Tag veranstaltet hat. Trotz des Trubels gebe es an den Ständen gute Gespräche: „Hier gibt es Religion zum Anfassen: Menschen, Essen, Gebete und Gesänge.“

Die neun im Rat der Religionen vertretenen Glaubensgemeinschaten – Hinduismus, Buddhismus, Christentum, Islam, Judentum, die Sikh-Religion, die Baha’i, die Ahmadiyya-Muslime, die Mormonen – präsentierten sich und ihren Glauben an Info-Ständen. Besonders wichtig war dabei die persönliche Präsenz: Vertreterinnen und Vertreter der einzelnen Gemeinschaften standen dem Publikum für alle Fragen zur Verfügung. Ergänzt wurde das messeähnliche Geschehen durch ein reichhaltiges Bühnenprogramm, bei dem auch Gebete und Gesänge erklangen.

Muslimisch-christliche Gespräche am Stand der Kirchen beim Tag der Religionen. Foto: Ilona Surrey
Muslimisch-christliche Gespräche am Stand der Kirchen beim Tag der Religionen. Foto: Ilona Surrey

Der Hindu Sunny Narulla zeigte sich ebenfalls überwältigt von der Resonanz: „Unsere Erwartung wurde übertroffen.“ Daniel Kempin von der jüdischen Gemeinde ist nicht nur vom Zuspruch begeistert, sondern auch vom gewählten Veranstaltungsort: „Aus politischen Gründen ist es ganz wichtig, dass wir hier im Römer versammelt sind.“

Kempin bedauert, dass der deutsche Staat die hohen Feiertage der religiösen Gemeinschaften nicht würdigte. Er vermisse etwa ein Grußwort der Bundeskanzlerin zum Neujahrsfest oder zum Ramadan. Die Religionsgemeinschaften, auch die kleineren, wollten stärker wahrgenommen werden: „Die Gesellschaft ist längst multireligiös, und nicht nur der Islam gehört zu Deutschland.“ In Frankfurt hat die Hälfte der Einwohnerinnen und Einwohner einen Migrationshintergrund. Zwar gehören viele von ihnen christlichen Gemeinschaften an, es kommen aber auf diese Weise eben auch zahlreiche andere Religionen aus aller Welt hierher. „Und die meisten dieser Menschen sind hoch religiös“, betont Joachim Valentin.

Am muslimischen Stand beim Tag der Religionen im Römer. Foto: Ilona Surrey
Am muslimischen Stand beim Tag der Religionen im Römer. Foto: Ilona Surrey

Vielleicht auch deshalb veröffentlicht der Frankfurter Kirchendezernent Uwe Becker zu den unterschiedlichsten religiösen Feiertagen Grußworte. Und seine Kollegin Sylvia Weber, Bildungs- und Integrationsdezernentin in Frankfurt, betonte, dass trotz aller Vielfalt die Religionen in Frankfurt gemeinsame Werte vertreten.

Dieses Jahr ist der 31. Oktober gesetzlicher Feiertag. Warum eigentlich nicht immer?

Luther hat in Deutschland vieles verändert. Ohne ihn würde es so schöne Worte wie „Lästermaul“ oder „Geizhals“ nicht geben. Nun beschert er uns noch einen Feiertag.

Kurt-Helmuth Eimuth. Foto: Rui Camilo

Der Reformationstag am 31. Oktober ist aus Anlass des 500. Jubiläums der Reformation in ganz Deutschland arbeitsfrei. Und zudem ein wunderbarer Brückentag. Er soll allerdings eine einmalige Sache bleiben.

Warum nicht den Reformationstag dauerhaft zum gesetzlichen Feiertag machen? Ökonomen schätzen, dass ein arbeitsfreier Tag die Jahres-Wirtschaftsleistung um ungefähr 0,1 Prozent verringert. Es geht also um mehr als zehn Milliarden Euro. Ist es uns das wert?

In einer Gesellschaft, die geprägt ist von ständiger Veränderung, ist eine Feiertags- und Erinnerungskultur unbezahlbar. Allerdings, wenn ich zu entscheiden hätte, würden wir erst einmal den Buß- und Bettag wieder einführen, der 1995 zur Finanzierung der Pflegeversicherung abgeschafft wurde.

Dieses Jahr ist der 31. Oktober gesetzlicher Feiertag. Warum eigentlich nicht immer?

Luther hat in Deutschland vieles verändert. Ohne ihn würde es so schöne Worte wie „Lästermaul“ oder „Geizhals“ nicht geben. Nun beschert er uns noch einen Feiertag.

Der Reformationstag am 31. Oktober ist aus Anlass des 500. Jubiläums der Reformation in ganz Deutschland arbeitsfrei. Und zudem ein wunderbarer Brückentag. Er soll allerdings eine einmalige Sache bleiben.

Warum nicht den Reformationstag dauerhaft zum gesetzlichen Feiertag machen? Ökonomen schätzen, dass ein arbeitsfreier Tag die Jahres-Wirtschaftsleistung um ungefähr 0,1 Prozent verringert. Es geht also um mehr als zehn Milliarden Euro. Ist es uns das wert?

In einer Gesellschaft, die geprägt ist von ständiger Veränderung, ist eine Feiertags- und Erinnerungskultur unbezahlbar. Allerdings, wenn ich zu entscheiden hätte, würden wir erst einmal den Buß- und Bettag wieder einführen, der 1995 zur Finanzierung der Pflegeversicherung abgeschafft wurde.

Luther-Lieder mitten im Trubel

Spontankonzert auf dem Friedrich-Stoltze-Platz
Foto: Kurt-Helmuth Eimuth

Mit einer Art Flashmob erfreuten Mitglieder der verschiedenen Posaunenchöre Frankfurter Passanten auf dem Friedrich-Stoltze-Platz , hinder der Katharinenkirche an der Hauptwache. Sie waren zusammengekommen, um unter der Leitung von Nicole Lauterwald für ihr Konzert am Reformationstag, 31. Oktober, 17 Uhr, in der der Heiliggeistkirche, Dominikanergasse 1, zu werben. Motto. „Luthers Lieder: modern?!“ Tapfer spielten sie gegen den Straßenlärm an und erfreuten so doch eine kleine Schar von Zuhörerinnen und Zuhörern.

Protestantismus und Demokratie

Andacht, Demokratie

25.9.2017

Orgel

Lied: EG 447, 1-3, 7+8

Votum:

In Gottes Namen wollen wir beginnen

Gott ist allen Zweifelnden, Verzagten und Suchenden besonders nah.

In Jesu Namen wollen wir beginnen,

denn Jesus ließ diese Nähe Ausgestoßene, Verachtete, Verzweifelte spüren.

In der Hoffnung auf das Geschenk des Heiligen Geistes wollen wir beginnen,

um Mut und Ideen bitten, heute diese Nähe weiterzugeben.

Amen.

Psalm 145, Nr. 756

Lied: EG 621, 1-3

Ansprache:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

heute morgen können wir feststellen: Wir haben es geschafft. Die Bundestagswahl ist vorüber. Vorüber die Diskussionen um Rente, soziale Gerechtigkeit und Steuern. Viele fanden diesen Wahlkampf ermüdend. Ich fand es gut, dass diese Themen kontrovers diskutiert wurden. Denn die Auswirkungen erleben wir täglich. Gerade in der Diakonie sehen wir, was es bedeutet, wenn 40 Prozent der Bevölkerung am steigenden Wohlstand nicht teilhaben.

Doch wenn wir uns in der Welt so umschauen, so müssen wir auch konstatieren: Die viel gescholtene Politik hat unser Land in den letzten 70 Jahren gut hindurch gesteuert. Insgesamt geht es uns gut. Und vor allem: Die Nachkriegsgeneration hat keinen Krieg auf deutschem Boden erlebt. Dies ist keineswegs selbstverständlich.

Wir Deutschen haben inzwischen Demokratie gelernt. Die Kirchen haben mit dieser Staatsform durchaus gefremdelt. „Die evangelischen Kirchen in Deutschland gelangten nur schrittweise, nach dem Zusammenbruch von 1945 und im Angesicht des Grauens, das der Nationalsozialismus hinterlassen hatte, zu einer positiven Würdigung der Demokratie. Sie interpretieren heute die freiheitliche Grundordnung des Grundgesetzes als eine Entsprechung zu der Freiheit, die das Evangelium von Jesus Christus ermöglicht und verbürgt. Diese Freiheit beinhaltet immer zugleich die Freiheit zur Verwirklichung eigener Lebenschancen und die Verantwortung gegenüber dem Nächsten. Dass die unveräußerlichen Menschenrechte anerkannt sind, dass die staatliche Gewalt an das Recht gebunden ist, dass alle Entscheidungen des staatlichen Handelns grundsätzlich korrigierbar sein müssen: Diese Grundlagen der freiheitlichen Demokratie verstehen die Kirchen in Deutschland heute als Entsprechung zum christlichen Menschenbild, das von der Würde und Freiheit des Menschen ebenso spricht wie von seinen Begrenztheiten und seiner Anfälligkeit für Fehler. Auch im politischen Raum gilt: Der Mensch ist gerecht und Sünder zugleich.“ Dies stellte die EKD vor wenigen Wochen in einem Impulspapier fest.

Erinnern wir uns: Es waren aufgewühlte Zeiten Anfang der 1980er Jahre des letzten Jahrhunderts: Der Streit über Nachrüstung und Atomenergie bestimmte die Agenda. Nachwirkungen der 68er Bewegung und der Beginn der langen Ära Kohl sorgten auch in der evangelischen Kirche für Kontroversen.

Im Linksprotestantismus gab es viel Sympathie für die neuen sozialen Bewegungen und Protestformen, wie Blockaden, Boykotte oder Steuerstreiks. In der Politik löste dies wiederum Fragen aus, wie es um die Demokratiefähigkeit des Protestantismus bestellt sei. So registrierte etwa Helmut Schmidt als Bundeskanzler 1981, beiden Kirchen falle es schwer, der fehlerhaften Demokratie einen Vertrauensvorschuss einzuräumen.

Auf die Frage, wie sich der Protestantismus, der lange mit dem Obrigkeitsstaat liiert und auch keine Stütze der Weimarer Republik war, zum demokratischen Verfassungsstaat verhält, gab es erst 40 Jahre nach Gründung der EKD eine Antwort: Nach kontroversen Beratungen legte die EKD im Oktober 1985 eine Denkschrift vor, die unter der Überschrift „Der Staat des Grundgesetzes als Angebot und Auftrag“ eine grundsätzliche Neujustierung im Verhältnis des Protestantismus zur Demokratie vornahm.

„Als evangelische Christen stimmen wir der Demokratie als einer Verfassungsform zu, die die unantastbare Würde der Person als Grundlage anerkennt und achtet“, hält das Dokument fest. Die Demokratie sei keine“christliche Staatsform“, aber die positive Beziehung von Christen zum demokratischen Staat sei mehr als äußerlicher Natur. „Die politische Verantwortung ist im Sinne Luthers ‚Beruf‘ aller Bürger in der Demokratie.“

Das Bekenntnis zur Demokratie begründet die EKD mit der Achtung der Menschenwürde, einer Konsequenz der biblischen Lehre von der Gottesebenbildlichkeit des Menschen. Neben diesen theologischen Einsichten zum evangelischen Verständnis von Demokratie werden in dem knappen Text auch neuralgische Punkte wie Machtmissbrauch, Legitimität und ziviler Ungehorsam, die Unterscheidung zwischen Widerspruch und Widerstand, sowie Fortentwicklung der Demokratie etwa durch direkte Bürgerbeteiligung nicht ausgeklammert – jedoch zumeist konservativ beantwortet.

Vorbereitet wurde die Denkschrift in der Kammer für Öffentliche Verantwortung. Maßgebliche Kammermitglieder waren etwa der damalige Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichtes, Roman Herzog, die SPD-Politiker Erhard Eppler und Jürgen Schmude, Liselotte Funcke (FDP), aber auch der damalige Kirchentagspräsident Wolfgang Huber.

Die EKD und die Bischofskonferenz mahnten 2006 in einem gemeinsamen Kirchenwort mit dem Titel:“Demokratie braucht Tugenden“, der abnehmenden Partizipation an politischen Prozessen entgegenzuwirken.

So sehr die politische Kultur durch sie tragende religiöse, gerade auch christliche Überzeugungen gestärkt wird, so sehr sind die Vertreterinnen und Vertreter dieser Überzeugungen aufgerufen, für deren freie Anerkennung zu werben, sie argumentativ zu vertreten und nicht als unhinterfragbar zu dekretieren. Für die Kirchen bedeutet das zum einen, im Anerkennen und Aneignen der Demokratie deren enge Verbindung mit den Werten des Christentums selbstbewusst zu vertreten. Zugleich aber müsse deutlich werden, dass die Überzeugungen, die die freiheitliche Demokratie stützen, für eine Ordnung einstehen, die auch die Freiheit anderer Religionen, Weltanschauungen und Überzeugungen garantiert.

Die EKD ist aber nicht blind. In dem kürzlich erschienenen Impulspapier stellt sie fest.: „Als Kirchen können wir nur dann als politische Akteure für die Stärkung des demokratischen Gemeinwesens ernst genommen werden, wenn wir berücksichtigen, dass auch in unserer Mitte die Ängste vor dem Wandel und die Versuchung zur Abgrenzung anzutreffen sind. Die evangelische Kirche mit ihren knapp 23 Mio. Mitgliedern ist ein Spiegel der pluralistischen Gesellschaft. Den klaren Positionierungen der kirchenleitenden Personen und Gremien, dem außerordentlichen Engagement vieler Gemeinden, der Diakonie und der Werke und Verbände für die Aufnahme geflüchteter Menschen steht bei einem beachtlichen Teil der Kirchenmitglieder Skepsis hinsichtlich der wachsenden Vielfalt und des sozialen Wandels gegenüber. Unbeschadet des klaren und richtigen Eintretens für die Rechte von Minderheiten und Geflüchteten müssen wir wahrnehmen, dass die Sorge angesichts des Wandels und der Herausforderungen, die eine pluraler werdende Gesellschaft und gerade auch die technologisch-ökonomischen Veränderungen mit sich bringen, bis in die Leitungsebenen der evangelischen Kirchen hineinreicht.

Das Evangelium von Jesus Christus als Grund der Kirche verkündigt die in Gottes Sohn geschenkte Versöhnung des Menschen mit Gott. Jeder einzelne Mensch ist ein mit unverlierbarer Würde begabtes Geschöpf Gottes, dem gerade in seiner Einmaligkeit und Unterschiedenheit von anderen Respekt gebührt. Das Evangelium ruft Menschen auf den Weg des Glaubens, des Friedens und der Versöhnung. Dieser Grund der Kirche soll auch ihre tatsächliche Gestalt und ihre Praxis prägen. Die Kirchen selbst sollen Orte sein, an denen Menschen diese Anerkennung und diesen Frieden erfahren und dann selbst dafür eintreten.

Die Botschaft des Evangeliums ist eminent politisch. Der erste und vornehmste Ort dieser politischen Praxis der Kirchen ist das Miteinander sehr unterschiedlicher Menschen in den Gemeinden, Gemeinschaften und Werken. Die Kirchen mit ihrer tiefen und breiten sozialen Verankerung sollen und wollen damit Foren sein, auf denen Konflikte ausgetragen werden, Ängste gehört und bearbeitet, Gespräche geführt und Menschen einbezogen werden: Sie sind Orte demokratischer Beteiligung. Als Kirchen sind wir mitverantwortlich für die politische Kultur unseres Landes und für die Gestaltung unseres Gemeinwesens. …

Die moralischen Dimensionen von politischen Streitfragen dürfen in den Argumentationen nicht ignoriert werden. Sie anzusprechen ist legitim. Allerdings müssen wir angesichts der beschriebenen Herausforderungen der Demokratie darauf achten, dass eine auf moralischen Überzeugungen beruhende Argumentation die liberale rechtsstaatliche Ordnung stützt und sie nicht schwächt.“ Soweit das Impulspapier.

Die Demokratie ist mehr als eine Regierungsform: Sie beschreibt, wie Bürgerinnen und Bürger ihre eigenen Interessen und Freiheiten mit den Vorstellungen anderer in einen für alle förderlichen Ausgleich bringen können. Deshalb ist eine Demokratie nur stabil, wenn sie eingebettet ist in eine politische Kultur, in der die Bürgerinnen und Bürger sich gegenseitig als Freie und Gleiche anerkennen und achten. Das Grundgesetz nimmt diese Überzeugung auf, indem es die Achtung der Menschenwürde an den Beginn der Verfassung setzt und damit zum Auftrag und Maßstab des staatlichen Handelns macht (Art. 1 Abs. 1 GG). Eine solche politische Kultur ist nicht selbstverständlich gegeben, sie muss immer wieder neu errungen und verteidigt werden. Die EKD resümiert: „In diesem Auftrag erkennen Christinnen und Christen ihre eigene, im befreienden Evangelium von Jesus Christus verankerte Berufung wieder.“

Amen

Lied 625

Mitteilungen:

Geburtstage

Gebet:

Christus, wir danken für das Angebot,

mit dir deinen Weg zu gehen.

Schenke uns Kraft und Ausdauer für ein mutiges Leben,

das deinen Spuren nachgeht.

Ermutige uns, wenn wir den Weg nach unten scheuen

und den leidvollen Erfahrungen ausweichen wollen.

Wir brauchen Kraft an jedem Tag.

Wir brauchen festen Grund,

wenn unser Vertrauen missbraucht wird und der Glaube wankt.

Gib uns Gelassenheit, vor dem Unabänderlichen nicht zu fliehen,

sondern es tapfer anzunehmen.

Gib uns Klarheit, das Machbare zu erkennen

und ihm eine menschenfreundliche Gestalt zu geben.

Gib uns Vertrauen,

dann wird jede Lebensstufe, im Glück wie im Leid,

zum fruchtbaren Land,

auf dem Glaube, Liebe und Hoffnung wachsen.

Wir bitten nicht nur für uns.

Wir bitten auch für die Menschen,

die in der Nähe und in der Ferne in Mühen und Sorgen leben,

ungesehen und unbeachtet:

für die Traurigen und Enttäuschten,

für Menschen, die alleinstehen.

Wir bitten für die Opfer von Krieg und Gewalt in aller Welt.

Lass die Politikerinnen und die Machthaber

Wege zum Frieden suchen und finden.

Lass immer mehr Menschen zum Werkzeug deines Friedens werden.

Und was uns noch bewegt, bringen wir vor dich mit den Worten, die Christus uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen:

Geht in diesen Tag, in diese Woche mit dem Segen unseres Gottes:

Gott, segne uns und behüte uns

Gott schütze unser Leben und bewahre unsere Hoffnung.

Gott, lass dein Angesicht leuchten über uns,

dass wir leuchten für andere.

Gott, erhebe dein Angesicht auf uns und halte uns fest

im Glauben, dass das Leben stärker ist als der Tod. Amen.

Lied: EG 425, 1-3 Gib uns Frieden