Archiv für 15. Juni 2014

15 Jahre Warten hat sich gelohnt

Von Kurt-Helmuth Eimuth – 15. Juni 2014

Fünfzehn Jahre habe er Briefe geschrieben und gebeten die Kindertagesstätte in der Bornheimer Eichwaldstraße zu sanieren, sagt berichtete Pfarrer Thomas Diemer. Und nun ist es Wirklichkeit geworden: Für bald eine Million Euro wurde die alte Kita der Wartburggemeinde umgebaut. 

Die Gruppenräume sind jetzt lichtdurchflutet. Foto: Kurt-Helmuth Eimuth

Im Zuge des Umbaus wurden die Raumzuschnitte verändert, und durch den Anbau eines separaten Treppenhauses entstanden lichtdurchflutete Raumerweiterungen für die 57 Kinder. Elektrik und Sanitäranlagen sind ebenfalls erneuert worden.

Mit großem Stift verdeutlichte Pfarrer Thomas Diemer, dass er jahrelang in Briefen um die Sanierung der Kita bat. Foto: Kurt-Helmuth Eimuth

Lärmschutzplatten, helles Licht, klare Linien und bunte Farben prägen nun die Einrichtung. Während der Bauarbeiten von 14 Monaten fanden die Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren mit ihren Erzieherinnen in den  Räumen der kurz zuvor eröffneten Krabbelstube „Kirchwiese“, ebenfalls in der Trägerschaft der Wartburggemeinde, Unterschlupf.

Der Bedarf an Betreuungsplätzen ist im dicht bebauten Bornheim groß, deshalb wollte auch die Stadt Frankfurt die Betreuungsplätze an dieser Stelle erhalten. Da die Kita in einer auch als Wohnhaus genutzten geschlossenen Bebauung liegt, war der Umbau aufwändig. So mussten alle Materialien für das neue Treppenhaus mittels Kran über das Haus gehoben werden.

Beitrag von Kurt-Helmuth Eimuth, veröffentlicht am 15. Juni 2014 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe Web.

Pröpstin würdigt gesellschaftliches Engagement

Von Kurt-Helmuth Eimuth – 9. Juni 2014

Trotz großer Hitze kamen am Pfingstmontag wieder viele Menschen zum Internationalen Ökumenischen Pfingstfest auf dem Römerberg und ins Dominikanerkloster.

Trotz sengender Sonne versammelten sich auf dem Römerberg etwa 1500 Gottesdienstbeucherinnen und -besucher. Foto: Kurt-Helmuth Eimuth

Pröpstin Gabriele Scherle machte in ihrer Predigt am Pfingstmontag auf dem Frankfurter Römerberg Mut sich als Christen und Christinnen zu engagieren so wie es die Gottesdienstgemeinde in Cantate Domino im Norden Frankfurts beim letzten Reformationsfest getan habe. Die Gemeinde hatte 22 afrikanische Flüchtlinge aufgenommen.

Pröpstin Scherle wörtlich „Auch wenn damit der zivilisatorische Bruch nicht geschlossen wird, aus dem sich die Flüchtlingsströme dieser Erde speisen, so ist damit doch ein Zeichen gesetzt worden. So wie das in diesen Tagen immer mehr evangelische und katholische Gemeinden tun und verfolgten Menschen Kirchenasyl gewähren.“ Und sie fügte hinzu: „Wir Christen erwarten eine Welt, in der alle Menschen aus Nord und Süd, aus Ost und West dasselbe Bürgerrecht haben und an Gottes gedecktem Tisch Platz nehmen.“

Scherle benannte in diesem Zusammenhang den Beschluss der Synode der Evangelischee Kirche in Hessen und Nassau „im Hören auf das Wort Gottes nur heterosexuelle, sondern auch schwule und lesbische Paare in Traugottesdiensten zu segnen.“

Pröpstin Gabriele Scherle rief in ihrer Pfingstpredigt auf dem Frankfurter Römerberg zum gesellschaftlichen Engagement auf. Foto: Kurt-Helmuth Eimuth

Auch im Jahre 2014 gäbe es genügend Grund zur Angst. „Das gilt nicht nur für den eigenen Lebensentwurf, der durch Krankheit, durch Verlust der Arbeit oder durch eine Trennung jederzeit zerbrechen kann.“ Mit Blick auf die Krisenherde dieser Welt führte Scherle aus: „Die Situation in der Ukraine ist bedrohlich. Und die Leichtfertigkeit, mit der Politiker und Wählerinnen die zivilisierende Macht Europas zersetzen ebenso. Es braucht nicht viel, dass auch unser Leben ver-rückt wird. Wir haben Grund zur Angst.“

Auch Christinnen und Christen dürften Angst haben, aber sie sähen ihren Trost in der Macht Gottes über den Tod. „Das ist der Geist, der die Jerusalemer am ersten Pfingsten so ergriffen hat, dass sie für verrückt gehalten wurden.“ Scherle rief den rund 1500 Gottesdienstbesuchern zu: „Diese Erinnerung, liebe Pfingstgemeinde, sollte Grund genug sein, uns auch heute nicht von unserer Angst bestimmen zu lassen.“

Scherle erinnerte an den Mut der wenigen evangelischen Christen, die in der Barmer Theologische Erklärung 1934 gegen die Ideologie des Nationalsozialismus Stellung bezogen.

Gemeinsam mit den zahlreichen ausländischen Gemeinden feierte man nach dem Gottesdienst im Dominikanerkloster weiter. Foto: Kurt-Helmuth Eimuth

Beitrag von Kurt-Helmuth Eimuth, veröffentlicht am 9. Juni 2014 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe Web.

Geschenk des Himmels

Von Sabine Fröhlich – 6. Juni 2014

„Was Pfingsten bedeutet? – Weiß ich nicht!“ sagt eine Freundin. Kurze Denkpause. „Es gibt keine Geschenke.“ Vermutlich sehen das viele Menschen ähnlich. Pfingsten lässt sich schlecht für den Konsum vermarkten. Dabei ist die Pfingstgeschichte spannend und vielsagend.

Die biblische Pfingstgeschichte beginnt in Angst und Isolation und endet mit Freiheit, Inspiration und Begegnungsfreude. Nach der Hinrichtung Jesu am Kreuz stehen seine Jüngerinnen und Jünger noch unter Schock. Sie trauern, auch um ihre zerschlagenen Hoffnungen. Und sie haben Angst – Angst, als vermeintliche Unruhestifter ebenfalls von den Römern verhaftet und unter Anklage gestellt zu werden.

Im Obergeschoss eines Hauses in Jerusalem halten sie sich deshalb versteckt. Sie brauchen ein Wunder, damit es weitergehen kann. Und das Wunder kommt: Der heilige Geist fährt als brausender Wind vom Himmel herab und bringt Luft und Licht in die dunkle Kammer und in die schweren Herzen.

Als Feuerzunge über jedem ihrer Häupter nimmt ihr neu entfachter Lebensmut Gestalt an. Sie lösen sich aus der Starre, öffnen Fenster und Türen und rufen ihre Freude laut heraus, so dass es jeder hören kann.

Und verstehen! Jerusalem hat sich zum jüdischen Wochenfest wieder mit Pilgern und Pilgerinnen aus vielen Ländern gefüllt. Und sie alle verstehen die Predigerinnen und Prediger Jesu in ihren jeweils eigenen Sprachen. Die Begeisterung derer, die kurz vorher noch ängstlich im Verborgenen geblieben waren, ist so groß, dass manche sie für betrunken halten. Aber das sind sie nicht. Sie sind beflügelt von dem Gespür neuer Möglichkeiten und beseelt von der Freude gelungener Mitteilung.

Die Pfingstgeschichte ist also eine Mut-Mach-Geschichte, sie erzählt von der ungeheuren Wandlungskraft des Geistes. Vielleicht ist sie auch deshalb so wenig bekannt, weil der heilige Geist als Gottesvorstellung eher abstrakt und schlecht zu fassen scheint. Oft wird er mit „frischem Wind“ in Verbindung gebracht, es ist eine Kraft und Energie, die die gesamte Welt bewegt und belebt. Sie türmt Meere auf, verändert Landschaften und wohnt zugleich in jedem Lebewesen, in jedem Menschen.

Der Pfingstmontag wird in Frankfurt jedes Jahr international gefeiert, mit einem Open-Air-Gottesdienst um 11 Uhr auf dem Römerberg und anschließendem Fest im Dominikanerkloster am Börneplatz. Am Pfingstsonntag, 8. Juni, ist in fast allen Kirchen Gottesdienst. Wer auch da im Freien feiern will, geht um 9.30 Uhr auf den Pfingstberg, wer hochkarätige Musik von Bach liebt, ist um 10 Uhr in der Katharinenkirche an der Hauptwache richtig. Foto: Kurt-Helmuth Eimuth

Der Atem, ohne den wir nach kurzer Zeit sterben müssten, verbindet uns unmittelbar mit dieser göttlichen Kraft. Wie bei den ersten Jüngerinnen und Jüngern, so kann es auch heute geschehen, dass Menschen Gottes Geist in ihrem Inneren wahrnehmen, dass ihre geistigen und seelischen Kräfte belebt werden. Der heilige Geist steht dafür, wie Gott den Menschen in ihrem Alltag begegnet. Das kann im Blick eines anderen Menschen sein, in einem Regenschauer, in einem Lied oder einem Buch. Der heilige Geist ist keineswegs abstrakt, sondern konkret, in den vielen kleinen Dingen des Lebens.

Außerdem macht dieses Bild für das Göttliche auch Platz für weibliche Vorstellungen von Gott. Im Hebräischen heißt „Geist“ nämlich „Ruach“, ein weibliches Wort, das auch als „die Geistkraft“ übersetzt wird. Sie nimmt in der Bibel als weibliche Gestalt der Weisheit einen Platz an Gottes Seite ein. Die heilige Geistkraft durchbricht mit Schwung und Farbigkeit die ansonsten oft eher von männlichen Bildern geprägten Gottesvorstellungen. Auch in einer Taube mit ihren flirrenden Bewegungen der Flügel wird die göttliche Geistkraft häufig dargestellt: ein Bild dafür, dass das Geistliche „unfassbar“ ist – im doppelten Sinn des Wortes.

Sie ist unfassbar, aber machtvoll, diese Geistkraft. Wer von ihr beflügelt ist, öffnet Türen, geht auf andere zu, versteht Dinge, die vorher völlig unverständlich waren, bringt Luft und Licht in die Erstarrungen der Welt und des Lebens. Es stimmt also: An Pfingsten gibt es keine Geschenke aus dem Kaufhaus. Dafür gibt es aber ein Geschenk des Himmels, eines, das uns Menschen jederzeit geschenkt werden kann. Wir müssen nur dafür offen sein.