Dez 01

Religion für Kinder

In der Vorweihnachtszeit produziert der Buchmarkt sta­pel­weise neue Bücher zum Thema „Kinder und Religion“. Hier zwei Empfehlungen gegen die Qual der Wahl.

Nina Ruge erzählt die schönsten biblischen Geschichten, Gütersloher Verlagshaus 2006, 17,95 Euro.

Nina Ruge erzählt die schönsten biblischen Geschichten, Gütersloher Verlagshaus 2006, 17,95 Euro.

Man kennt sie als nette Dampfplauderin, die täglich im ZDF aus der Welt der Reichen und angeblich Schönen berichtet. Und nun erzählt Nina Ruge biblische Geschichten für Kinder. Mit ihrem Buch legt sie eine klu­ge Auswahl an biblischen Geschichten vor. Aus dem Alten Testament die Schöpfungsmythen, die Sintflut und die Geschichte von Jona, aus dem Neuen Testament Jesu Geburt und Wirken sowie einige Wundergeschichten. Nina Ruge hat, wie sie im Vorwort bemerkt, den einen oder anderen Schlüssel für das Verständnis des tieferen Sinns erzählerisch hinzugefügt.

So bindet sie etwa die beiden Schöpfungsgeschichten in eine kleine Rahmenhandlung ein, verbindet damit gar die wissenschaftliche Erklärung der Welt mit den Schöpfungserzählungen der Bibel. Mittels dieses geschickten dramaturgischen Kunstgriffes bleibt das Faszinosum des Ursprungstextes erhalten und kann vom Kind doch in die eigene Erlebniswelt eingeordnet werden. Gelegentlich erklärt Ruge in einfacher Sprache Begriffe, etwa wenn sie erläutert, dass die Menschen damals unter Evangelium Botschaften verstanden hätten, „die ihnen Heil brachten.“

Nina Ruge öffnet mit ihren Nacherzählungen Kindern (und sicher nicht nur diesen) ein Tor zur biblischen Lebenswelt. Kritisch anzumerken bleibt, dass die allzu plakativen Illustrationen für die Altersgruppe, die der Text gut erreicht (6 bis 9 Jahre), nicht geeignet sind. Auch dass die Autorin einfach so an der Jungfrauengeburt festhält, ist nicht nachvollziehbar. Trotzdem bleibt der
positive Gesamteindruck eines hand­werklich guten Kinderbuches.

Frieder Harz, Kinder & Religion, Kallmeyer 2006, 16,90 Euro.

Frieder Harz, Kinder & Religion, Kallmeyer 2006, 16,90 Euro.

Ganz anders, aber ebenso em­p­fehlenswert ist das Buch des Nürnberger Hochschullehrers Frieder Harz. Mit seinem Band „Kinder und Religion – was Erwachsene wissen sollten“ hat der Religionspädagoge Wissenswertes über die Religionen zusammengetragen. Hintergründe und Praxis werden beleuchtet. Das Buch zeichnet sich vor allem durch die Hinweise zur Praxis aus. Etwa wenn Harz anmerkt, dass sich zum Beten zunächst vor allem einfache Reimgebete eignen, dass die Atmosphäre angenehm sein soll und es eines festen Rahmens bedarf. Natürlich finden sich auch einige Gebete. Für Pädagoginnen und Pädagogen sollte dieses Buch ein Muss sein, aber auch alle Eltern mit Interesse an der religiösen Entwicklung werden es zu schätzen wissen.

Kurt-Helmuth Eimuth

vangelisches Fankfurt Dez 2006

Dez 01

Fechenheimer Gemeinden wieder eins

Rückblende in der Gemeindezeitung: „Bei wachsenden Bevölkerungszahlen war absehbar, dass mehr als 3000 Evangelische den Fechenheimer Norden bevölkern würden. Da lag es nahe, dort 1954 eine Hauptpfarrstelle, so hieß das damals, zu errichten. Zwei Jahre später folgte der Bau des Gemeindezentrums.“

Heute leben in dem Gebiet zwischen Mainkur und Industriegebiet Riederwald noch nicht einmal 900 Evangelische. Der Zusammenschluss der beiden Fechenheimer Gemeinden, der Glaubenskirchengemeinde im Norden und der Melanch­ thongemeinde in Alt-Fechenheim, ist da nur konsequent. Einstimmig beschlossen die Kirchenvorstände beider Gemeinden die Fusion zur Evangelischen Gemeinde Fechenheim, die nun am 1. Januar auch formal vollzogen wird.

Hier ist städtebaulich getrennt, was jetzt kirchlich zusammengehört: Die Hanauer Landstraße zerschneidet die beiden Quartiere Fechenheims, und doch sehen die bisher selbstständigen Gemeinden Vorteile darin, sich zusammenzuschließen. | Foto: Eimuth

Hier ist städtebaulich getrennt, was jetzt kirchlich zusammengehört: Die Hanauer Landstraße zerschneidet die beiden Quartiere Fechenheims, und doch sehen die bisher selbstständigen Gemeinden Vorteile darin, sich zusammenzuschließen.
Foto: Eimuth

Die beiden Pfarrer, Karl Langensiepen und Wilfried Steller, beschreiben den Zusammenschluss als notwendigen Prozess, den sie schon längst in ihrer Arbeit vollzogen haben. Zuerst gab es eine gemeinsame Konfirmandengruppe, dann eine gemeinsame Pfarrdienstordnung, und jetzt ist auch die Liturgie, der Gottesdienstablauf, in den Gemeinden links und rechts der Hanauer Landstraße gleich. „Insgesamt“, so das Fazit der Pfarrer, „war die Fusion weniger kompliziert als gedacht.“

Doch beide sind sich auch der Schwierigkeiten bewusst. Die Hanauer Landstraße stellt ein nur schwer überwindbares Hindernis dar. Die Busverbindung vom einen zum anderen Quartier ist gerade sonntags schlecht, und ein von der Gemeinde angebotener Fahrdienst wird kaum angenommen, berichtet Langensiepen. Wohl auch deshalb soll trotz Fusion an den beiden Standorten festgehalten werden.

„Wenn alles glatt läuft“, sagt Steller, „merken die Gemeindemitglieder die Fusion gar nicht. Selbst das Gemeindebüro im Nordbezirk ist zumindest an einem Tag in der Woche geöffnet.“ Möglich wird dies durch das Engagement von Gemeindemitgliedern, die diesen Dienst ehrenamtlich übernehmen.

Vor der Zukunft ist zumindest den Pfarrern nicht bange. „Wir haben bei besonderen Veranstaltungen einen großen Zuspruch“, berichtet Langensiepen. Da sind die Konzerte, die mit einem sich anschließenden Essen zu dem werden, was früher ein gesellschaftliches Ereignis war und heute „Event“ genannt wird. Die Kirchengemeinde ist ohne Zweifel der Kulturträger im Stadtteil. Und sie ist fest verwurzelt, zum Beispiel im Stadtteilarbeitskreis. Dort arbeiten die verschiedenen Kirchen, Vereine und Initiativen zusammen. Besonders die Zusammenarbeit zwischen Gemeinde, Schule und Kindertagesstätte hebt Steller hervor. Da sei schon etwas von dem gewachsen, was der neue Hessische Bildungsplan jetzt fordert: Vor allem mit ihren drei Kindertagesstätten stärkt die Fechenheimer Gemeinde den Zusammenhalt im Stadtteil. Umso wichtiger, als die Ansiedlung der Großmärkte an der Hanauer dem Stadtteil die Kaufkraft und damit auch die Basis für
urbane Lebensqualität entzieht.

„Das Gemeindehaus stand für eine bessere Zukunft“, steht im Rückblick auf die Errichtung im Gemeindeblatt. Die Zukunft ist für Gemeinde noch lange nicht vorbei.

Kurt-Helmuth Eimuth

Evangelisches Fankfrt Dez 2006

Dez 01

Schenken macht das Leben reicher

Betteln ist eine Herausforderung. Die Bettler und zunehmend auch die Bettlerinnen stören. Unwillkürlich schaut man hin, um doch so zu tun, als sähe man nichts. Die Bettler unterbrechen den Gang, sie brechen die weihnachtliche Einkaufsstimmung, sie verunsichern.

Betteln gehört zum städtischen Leben einfach dazu. Und es gab noch nie so wenige Bettler wie heute. In früheren Jahrhunderten, als es noch keine Sozialversicherungen gab, wuchsen die Bettler in den Städten zu Scharen heran. Im Mittelalter bettelte etwa ein Drittel der städtischen Bevölkerung. Die Ursachen waren damals wie heute gleich: Arbeitslosigkeit, Unfälle, Alter oder auch die Verweigerung der staatlichen Hilfe. Also bleibt nur das Betteln.

Bettlerin auf der Zeil – gerade in der Vorweihnachtszeit kein seltenes Bild. Geben oder nicht geben? Hilft mein Geld - oder wird es in Drogen und Alkohol investiert? Keine leichte Entscheidung. | Foto: Oeser

Bettlerin auf der Zeil – gerade in der Vorweihnachtszeit kein seltenes Bild. Geben oder nicht geben? Hilft mein Geld – oder wird es in Drogen und Alkohol investiert? Keine leichte Entscheidung.
Foto: Oeser

Ob sich die Art des Bettelns heute im Kern von der in der Dreigroschenoper dargestellten unterscheidet, darf bezweifelt werden. Die Mütter mit ihren Kindern auf dem Arm sind in letzter Zeit verschwunden, dafür sieht man jetzt vermehrt die Menschen in besonders demutsvoller Haltung. Betteln ist eben auch nur Marketing.

Und doch, es gibt sie, die anrührenden Einzelschicksale. Menschen, die nach einem Arbeitsunfall als schwervermittelbar gelten, die aussortiert sind. Menschen, deren Ehe scheiterte und die in ihrer Verzweiflung zum Alkohol greifen. Menschen, die es nicht mehr aushielten, dass sie zu den Millionen gehören, die der Arbeitsmarkt fallengelassen hat wie eine heiße Kartoffel. Im heutigen Soziologendeutsch nennt man es prekäre Lebensverhältnisse.

Also doch lieber den Euro in den Hut werfen? Patentrezepte gibt es nicht. Aber bedenkenswert ist doch, dass alle großen Religionen die Unterstützung der Armen als eine Tugend sehen. Die Verpflegung und Beherbergung von Armen und Kranken ist ein Werk der Barmherzigkeit. Der barmherzige Samariter ist geradezu sprichwörtlich geworden.

Doch die Beziehung zwischen dem Schenkenden und dem Beschenkten ist nicht einseitig. Gerade das Mittelalter ist da lehrreich. So soll es Brauch gewesen sein, dass die Bettler für den Geber beteten. Der Bettler hatte eine Aufgabe, erbrachte quasi im Gegenzug für die Gabe eine Dienstleistung. Die Fürbitte war der Nutzen des Gebers. Einem anderen Menschen in der Zwiesprache mit Gott Gutes wünschen, ihn zu bedenken, ist nicht wenig.

Doch auch in anderer Weise ist der Bettler dem Schenkenden eine Hilfe. Die Freiheit zu haben, etwas abzugeben, ist auch eine Form von Lebenserfüllung. Zur Fülle des Lebens gehört offenbar das Bedürfnis des Gebens und Schenkens. Trotz des zu Recht beklagten Egoismus in der Gesellschaft hat der Mensch so etwas wie ein Grundbedürfnis, anderen etwas zu schenken.

Der andere muss aber ein sichtbares Gegenüber sein. Dem anonymen Staat gibt man nichts, den Opfern der Flutkatastrophe schon. Einfach etwas zu schenken, ohne Vorbedingung und ohne die Erwartung, etwas zurückzubekommen – das kann das Leben bereichern.

Kurt-Helmuth Eimuth

Evangelisches Frankfurt Dezember 2006