Nov 01

Finanzen nachhaltig sichern

Evangelischer Regionalverband gründet zwei neue Stiftungen

Um Platz Eins auf der Rangliste der Städte mit der größten Stiftungsdichte liefert sich Frankfurt ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Hamburg. In beiden Städten entfällt nach einer Erhebung des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen auf je 2000 Einwohnerinnen und Einwohner eine Stiftung.

Die evangelische Kirche unternimmt derzeit verstärkte Anstrengungen, die Frankfurt im Ranking weiter nach vorne bringen könnten. Zwei neue große Stiftungen wurden allein im September gegründet. „Die evangelische Kirche wird finanziell immer ärmer, daran ändern auch kurze Zwischenhochs nichts“, stellte die Vorsitzende des Evangelischen Regionalverbandes, Pfarrerin Esther Gebhardt, vor dem Frankfurter Kirchenparlament fest. Weniger Taufen und mehr Sterbefälle seien die Ursache. Die Kirche habe deshalb künftig immer weniger laufende Einnahmen zu erwarten. Gleichzeitig wüchse der Bedarf.

Auch manche Kirchengemeinden gründen Stiftungen, um sich finanziellen Spielraum zu verschaffen: Ingeborg Höly und Pfarrer Richard Birke freuten sich über den großen Erfolg ihrer „Stiftung Emmaus“, für die 26000 Euro an privatem Stiftungkapital zusammen kamen. Die Emmausgemeinde hat diesen Betrag dann noch einmal verdoppelt. Die Stiftung, die Ende Oktober mit einer großen Torte in Kirchenform gefeiert wurde, soll die Gemeindearbeit unterstützen, vor allem die mit Kindern, Jugendlichen und älteren Menschen. | Foto: Rolf Oeser

Auch manche Kirchengemeinden gründen Stiftungen, um sich finanziellen Spielraum zu verschaffen: Ingeborg Höly und Pfarrer Richard Birke freuten sich über den großen Erfolg ihrer „Stiftung Emmaus“, für die 26000 Euro an privatem Stiftungkapital zusammen kamen. Die Emmausgemeinde hat diesen Betrag dann noch einmal verdoppelt. Die Stiftung, die Ende Oktober mit einer großen Torte in Kirchenform gefeiert wurde, soll die Gemeindearbeit unterstützen, vor allem die mit Kindern, Jugendlichen und älteren Menschen.
Foto: Rolf Oeser

Die Evangelische Regionalversammlung hat nun der Gründung einer Zukunfts- und einer Diakoniestiftung zugestimmt. Die beiden Stiftungen sollen dazu beitragen, die Arbeit der evangelischen Kirche in Frankfurt auch langfristig zu sichern. Der Regionalverband überträgt der Evangelischen Zukunftsstiftung ein Barvermögen in Höhe von 5 Millionen Euro und der Diakoniestiftung eines in Höhe von 1,5 Millionen Euro.

Stiftungen zeichnen sich im Gegensatz zu Vereinen dadurch aus, dass lediglich die Kapitalerträge für den jeweiligen Zweck verwendet werden dürfen. So bleibt der Grundstock immer erhalten. Wie nachhaltig Stiftungen wirken können, zeigt ein Blick in die Geschichte. So entstand im 18. Jahrhundert in Frankfurt die bis heute wirkende „von Cronstetten- und Hynspergis adlige evangelische Damenstiftung“. Im Jahre 1828 wurde der „Evangelisch-lutherische Almosenkasten“ gegründet, der auch heute noch bedürftige Bürgerinnen und Bürger finanziell unterstützt. Allerdings hatte es anfangs unter den Evangelischen auch große Vorbehalte gegen das Geldsammeln gegeben. Schließlich war ja der Ablasshandel ein Auslöser für die Reformation, und die Gleichstellung von Geldspenden mit guten Werken lehnte man ab. Dies hatte zur Folge, dass es in den evangelischen Gebieten in den ersten hundert Jahren nach der Reformation kaum zu größeren Stiftungsgründungen kam.

Esther Gebhardt wies auch auf das erfolgreiche Wirken der Frankfurter Kirchenstiftung hin. Diese 2001 gegründete Stiftung hilft, Kirchengebäude in der Stadt zu unterhalten. Mit beträchtlichen Summen wurden so die Um­ bau- und Sanierungsarbeiten in der Epiphaniaskirche im Nordend, der Schwanheimer Martinuskirche, der Preungesheimer Kreuzkirche und auch der Peterskirche, die
zur Jugendkulturkirche umgebaut wurde, ermöglicht. Auch der Erlös aus einem eventuellen Verkauf der Matthäuskirche am Hauptbahnhof soll dieser Stiftung zugute kommen und somit helfen, die Zukunft anderer Kirchen zu sichern.

Kurt-Helmuth Eimuth

Evangelisches Frankfurt Nov 2007
Nov 01

Mit ihm muss man rechnen

Volker Stein ist als provokanter Mahner auch kirchenpolitisch aktiv

Man kennt ihn in Frankfurt aus der Politik: Volker Stein, Fraktionsvorsitzender der FDP im Römer. Weniger bekannt ist sein jahrzehntelanges Engagement für die evangelische Kirche. Dabei hat der 56-Jährige die klassische Sozialisation durchlaufen: Jungschar, Kindergottesdienst, Heiland-Pfadfinder und dann seit 1973 Mitglied im Kirchenvorstand der Festeburggemeinde in Preungesheim. Er folgte in diesem Amt seinem Vater Paul Stein.

Foto: Oeser

Foto: Oeser

Doch was nach glattem Übergang aussieht, war eher kämpferisch. Die Jugend setzte Volker Stein damals nachträglich in der Gemeindeversammlung auf die Kandidatenliste. Volker Stein ist eben einer, mit dem man rechnen muss. Seit 1999 ist er Vorsitzender des Kirchenvorstandes. Die kleine Gemeinde in Preungesheim hat sich unter seiner Führung für die Zukunft fit gemacht. Pfarr- und Gemeindehaus wurden der schwedischen Gemeinde verkauft, um mit dem Erlös einen Anbau für den eigenen Bedarf zu finanzieren. Die Kirche wird man gemeinsam nutzen. „Eine Kirche, die rund um die Uhr genutzt wird, ist mir lieber als eine, die tageweise genutzt wird“, sagt Stein. Auch werde die Kooperation mit der schwedischen Gemeinde nach Steins Einschätzung „unproblematisch sein, da sie aus unserem Kulturkreis kommt“.

Seit nunmehr 15 Jahren gehört Volker Stein – mit Unterbrechung – dem Vorstand des Evangelischen Regionalverbandes an und ist seit 1998 dessen stell­ vertretender Vorsitzender. Als gelernter Lehrer mit den Fächern Sport und evangelische Religion unterrichtete er fast zehn Jahre an der Paul-Hindemith-Schule, bevor er beruflich in die Politik wechselte. Seine wirtschaftspolitischen Vorstellungen will er auch in der Kirche umgesetzt wissen: „Man kann nur das verteilen, was man einnimmt.“

Steins Positionen klingen oft provokativ. Zum Beispiel wenn er sagt: „Die Kirche kann nicht nur für soziale Randgruppen da sein. Als Volkskirche hat sie in allen Generationen und Schichtungen ihren Stellenwert und ihre Aufgabe.“ Es mache keinen Sinn, die einkommensstarken Schichten aus der Kirche herauszudrängen und dann den fehlenden Kirchensteuermitteln nachzuweinen: „Man muss die Bedürftigen vor den Faulen schützen.“ Nicht alle, die sich für bedürftig hielten, seien es auch, meint Stein. Er prangert aber auch die fragwürdigen Praktiken von Unternehmen an. Wenn etwa die Vorstandsgehälter bei Fraport erhöht werden und gleichzeitig den Pensionären das Weihnachtsgeld gestrichen wird, dann ist das für ihn einfach „un­ anständig“. Es sei unabdingbar für den sozialen Frieden, dass Führungspersönlichkeiten mit gutem Beispiel vorangingen.

Bei aller Kritik und Auseinandersetzung sagt Stein: „Ich bin stolz auf meine Kirche.“ Und ist schon beim nächsten Thema: „Als Kirche haben wir uns immer mehr zurückgenommen. Wir haben gefragt, ob Mission im eigenen Land denn sein dürfe. Ich sage Ja. Und die katholische Kirche, die islamischen Glaubensgemeinschaften und auch Sekten praktizieren dieses seit Jahren.“ Stein formuliert schnell, markant und provokant. Aber es gibt auch die andere, die fürsorgliche Seite. Wenn seine siebenjährigen Zwillinge auf dem Fußballplatz Beistand benötigen, ist er da. „Dann sage ich auch schon mal offizielle Termine ab.“

Kurt-Helmuth Eimuth

Evangelisches Frankfurt Nov 2006