Feb 25

Die Impfdebatte an der Kita-Tür

Von Kurt-Helmuth Eimuth – 25. Februar 2015

Seit Jahren tobt eine teils ideologisch geführte Debatte über Impfpflichten für Kinder. In diesen Tagen wird sie am Beispiel der Masern wieder heftiger geführt. Und das nicht nur in den Zeitungen, auf Twitter oder am Küchentisch, sondern auch an einem Ort, wo sie viele wohl nicht vermutet hätten: im Aufnahmegespräch in der Kita.

Kurt-Helmuth Eimuth ist Leiter der Redaktion von „Evangelisches Frankfurt“. Foto: Rolf Oeser

Darf, muss ein Kind geimpft werden? Und wenn es nicht geimpft ist, bekommt es dann einen Kita-Platz?

Das hessische Kindergesundheitsgesetz legt seit Sommer 2008 fest, dass vor der Aufnahme eines Kindes in einer Kita von den Eltern eine Impfbescheinigung des Kinderarztes vorzulegen ist. Wer das eigene Kind nicht hat impfen lassen, muss dies nicht nur schriftlich erklären, sondern sich auch vom Arzt bescheinigen lassen, dass eine Information über die Folgen erfolgt ist. Auch wird darauf hingewiesen, dass die nicht geimpften Kinder beim Auftreten einer Krankheit wie Masern – auch bei anderen Kindern – vom Besuch der Kita ausgeschlossen werden.

Das ist eine komplizierte Vorschrift, und sie wird oft auf einen falschen Nenner gebracht: Nicht-geimpfte Kinder dürften eine Kita nicht besuchen, wird behauptet. Was eben nicht stimmt.

Aber diese Regelung (auch andere Bundesländer haben ähnliche Vorschriften auf den Weg gebracht) verunsichert, auch wenn sie sicher in guter Absicht getroffen wurde. Dass die Impfquote bei Kindern rückläufig ist, ist ja schon seit langem bekannt. Ein wirksamer Schutz der Bevölkerung ist aber nur nur mit Impfquoten oberhalb der 95 Prozent gewährleistet.

Doch die Politik scheut die Auseinandersetzung über die Frage, ob eine Impfpflicht eingeführt werden soll. Zu stark prallen die Interessen und Ideologien einer Gesellschaft, die sich dem gesunden Leben verschrieben hat, aufeinander. Die einen, oft aus einem alternativen oder anthroposophischen Milieu, warnen vor negativen Folgen von Impfungen, die anderen warnen vor den möglichen Folgen der Erkrankungen.

Zurück bleibt dann eine Kita-Leiterin, die doch beim Aufnahmegespräch eigentlich den Eltern das pädagogische Konzept erläutern will und keine Impfdiskussion führen.

Nein, die Diskussion muss dort geführt werden, wo sie in einer Demokratie hingehört: in den Parlamenten. Deshalb, liebe Politikerinnen und Politiker: Übernehmt die Verantwortung, für die ihr gewählt wurdet. Trefft eine Entscheidung. Und wir, das Volk, werden die Entscheidung mit öffentlicher Auseinandersetzung begleiten. Nur so funktioniert ein Meinungsbildungsprozess. Und nur so kann eine Akzeptanz, auch eine Akzeptanz für das Impfen, erreicht werden.

Das würde vor allem den Kindern helfen – und so nebenbei auch zahlreichen Kita-Leiterinnen.

Beitrag von Kurt-Helmuth Eimuth, veröffentlicht am 25. Februar 2015 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe Web.

Feb 19

Container-Anlage für Flüchtlinge

Von Kurt-Helmuth Eimuth – 19. Februar 2015

Frankfurt braucht dringend Platz für Flüchtlinge. Jetzt werden sie auch in Containern untergebracht – zum Beispiel im Apfel-Carré in Preungesheim.

Künftig Unterkunft für 80 Flüchtlinge. Die Containeranlage in Preugesheim. Foto: Kurt-Helmuth Eimuth

Mit einer Containeranlage im Apfel-Carré in Preungesheim schafft die Stadt Frankfurt eine weitere Unterbringungsmöglichkeit für Flüchtlinge, die in Deutschland Schutz vor Verfolgung und Krieg suchen.

Mit Unterstützung des Evangelischen Vereins für Wohnraumhilfe werden hier künftig 80 Flüchtlinge in Zwei-Bett-Zimmern wohnen können. Wie Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld am Mittwoch ausführte, gibt es eine hohe Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung. Sie rief dazu auf, die Flüchtlinge nicht nur zu betreuen, „sondern sie mitzunehmen in den Kirchenchor, in den Sportverein“. Nur so könne Integration gelingen. Die Stadt Frankfurt unterstütze sie auch durch die Möglichkeit eines Sprachkurses und durch den Frankfurt-Pass.

Die Flüchtlinge wohnen in Zwei-Bett-Zimmern in denen auch ein Kühlschrank aufgesttellt werden kann. Foto: Kurt-Helmuth Eimuth

Betreut werden die Flüchtlinge durch Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter des Evangelischen Vereins für Wohnraumhilfe. Die oftmals vom Kriegsgeschehen traumatisierten Flüchtlinge werden seelsorglich von Pfarrerin Heike Seidel-Hoffmann begleitet.

Die Stadt rechnet auch weiterhin mit einem steigenden Zustrom von Schutzsuchenden. Derzeit kommen in der Woche vierzig Flüchtlinge für die die Stadt Unterbringungsmöglichkeiten schaffen muss. In letzter Zeit, so Birkenfeld, kämen nicht mehr nur Einzelpersonen sondern vermehrt Familien.

Beitrag von Kurt-Helmuth Eimuth, veröffentlicht am 19. Februar 2015 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe 2015/2 – April, Web.