{"id":99,"date":"2004-10-01T13:47:34","date_gmt":"2004-10-01T13:47:34","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=99"},"modified":"2004-10-01T13:47:34","modified_gmt":"2004-10-01T13:47:34","slug":"kein-beruf-wie-jeder-andere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=99","title":{"rendered":"Kein Beruf wie jeder andere"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\">\n<p>Pfarrer oder Pfarrerinnen haben keinen Beruf wie jeden anderen. Sie sind rund um die Uhr \u201eim Dienst\u201c, und sogar von ihren Familien wird oft erwartet, dass sie aktiv mithelfen. Doch diese traditionelle \u201eEinheit von Berufs- und Lebensform\u201c l\u00f6st sich auf, wie eine aktuelle Studie zeigt.<\/p>\n<p>In der Fernsehserie \u201e<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Oh_Gott,_Herr_Pfarrer   \" target=\"_blank\">Oh Gott, Herr Pfarrer<\/a>\u201c vor fast zwanzig Jahren rankte sich die Handlung um das Leben im Pfarrhaus: Der stets zum Dienst am N\u00e4chsten verpflichtete Pfarrer hatte eine selbstbewusste Ehefrau, die nicht nur \u201eFrau Pfarrer\u201c sein wollte, sondern ihrem eigenen Beruf nachging, was oft zu Konflikten f\u00fchrte. Heute sind die Erwartungen anders \u2013 auch weil der Pfarrer inzwischen sehr oft eine Pfarrerin ist. Von m\u00e4nnlichen \u201ePfarrfrauen\u201c wird aber nicht stillschweigend vorausgesetzt, dass sie Gemeindesekret\u00e4rinnen, Kindergottesdienstleiterinnen und Gemeindep\u00e4dagoginnen zugleich sind.<br \/>\nAber vielleicht ist damit auch etwas verloren gegangen. Denn das evangelische Pfarrhaus ist mehr als eine Dienstwohnung. Idealtypisch sei es ein Ort der Andacht, der diakonischen Hilfe und der Bildung, schreiben die Autoren einer Studie, die im Auftrag der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau die Zukunft des Pfarrberufs untersuchte. Das Pfarrhaus war schon immer eine Keimzelle gemeindlicher Aktivit\u00e4t. Die Gemeindeh\u00e4user sind dagegen eine relativ junge Erfindung. Sie dienen der Geselligkeit, w\u00e4hrend die geistlichen Impulse aus dem Pfarrhaus kommen (sollten).<br \/>\nHeute aber begreifen sich viele Pfarrer und Pfarrerinnen eher als Angestellte der Kirche und nicht als Menschen, die rund um die Uhr im Dienst sind \u2013 und deren Familien dieses Engagement unterst\u00fctzen m\u00fcssen. Das liegt nat\u00fcrlich auch daran, dass es inzwischen viele Teilzeitstellen gibt. Und die Frage, wie man rund um die Uhr ein guter Teilzeitpfarrer sein soll, bleibt weitgehend unbeantwortet. Auch haben sich die Rahmenbedingungen f\u00fcr den geistlichen Berufsstand in den letzten Jahren deutlich verschlechtert. Das Gehalt wurde gek\u00fcrzt, Bef\u00f6rderungen zeitlich gestreckt, und Pfarrdienstwohnungen sind teurer geworden \u2013 bei gleichzeitiger \u201eResidenzpflicht\u201c. Welche \u201eprofessionstypischen Zumutungen\u201c da in Zukunft noch angemessen sind, muss wohl weiter diskutiert werden.<br \/>\nKurt-Helmuth Eimuth<\/p>\n<p><strong>Evangelisches Frankfurt Oktober 2004<\/strong><\/p>\n<p>Die Umfrage<br \/>\nWann sind Pfarrerinnen und Pfarrer gut?<\/p>\n<p>Hans Springorum (39), Versicherungsangestellter und Kirchenvorsteher in der Petersgemeinde<br \/>\nDas wichtigste ist f\u00fcr mich der Gottesdienst. Da sammle ich mich, denke \u00fcber die Woche nach, \u00fcber mich und ein Bibelwort. Sehr sch\u00f6n finde ich es, wenn die Pfarrerin in der Liturgie Zeichen setzt: wenn sie einen besonderen Segen spricht f\u00fcr eine Konfirmandin, die f\u00fcr ein soziales Praktikum ins Ausland geht, oder bei einer Taufe auch die Kinder einbezieht, die nicht selbst getauft werden, oder am Totensonntag f\u00fcr jeden eine Kerze hat. Eine gute Pfarrerin ist meiner Ansicht aber auch eine geniale Netzwerkerin. Dabei muss sie viele Leute kennen und sie zu den ungew\u00f6hnlichsten Aktionen zusammenbringen und aktivieren. Noch wichtiger ist aber, dass sie sehr aufmerksam ist und mitkriegt, was einzelne Gemeindemitglieder brauchen, auch wenn sie nicht st\u00e4ndig in Kontakt mit ihr stehen, wie es in der Gro\u00dfstadt ja ganz normal ist.<\/p>\n<p>Renate Menzel (70), Rentnerin<br \/>\nEin guter Pfarrer muss vor allem ein guter Seelsorger sein. Er sollte f\u00fcr die Belange und Probleme der Menschen da sein und auch offen f\u00fcr die Ideen der J\u00fcngeren. Und er muss gut predigen k\u00f6nnen. Das hei\u00dft f\u00fcr mich, dass er auf traditionelle Weise biblische Texte mit heutigem Zeitgeschehen und heutigen Problemen der Menschen verkn\u00fcpft und erkl\u00e4rt. Dabei sollten die Predigten nicht nur ermahnend, sondern aufbauend und ermutigend sein. Nat\u00fcrlich hat ein Pfarrer heute viele zus\u00e4tzliche Aufgaben, die er fr\u00fcher nicht erf\u00fcllen musste, wie zum Beispiel die Verwaltungsarbeit oder die Gremien- und \u00fcbergemeindliche Arbeit. Das ist ein richtiger Knochenjob. Meine Gemeinde wird sich demn\u00e4chst mit der Nachbargemeinde zusammen schlie\u00dfen. So ein Fusionsprozess erfordert viel Zeit und Arbeit f\u00fcr ein Gemeindeoberhaupt.<\/p>\n<p>Arnolf Schade-James (47) Pfarrer in der Friedensgemeinde im Gallusviertel<br \/>\nPfarrerinnen und Pfarrer sollten die Theologie, die sie verk\u00fcndigen, auch leben. Die von Gott geschenkte Liebe ist die Quelle, aus der sie sch\u00f6pfen, um diese Liebe an andere weiter zu geben. Ich versuche meinen Vikarinnen und Vikaren immer zu vermitteln, dass wir die Menschen ernst nehmen, uns um sie be-m\u00fchen m\u00fcssen. Nichts von dem, was wir tun, ist heute noch selbstverst\u00e4ndlich. Mir ist auch wichtig, die Gemeinde zu f\u00fchren ohne F\u00fchrungsanspruch. Nach dem Motto: Ich kann euch den Weg zeigen, gehen m\u00fcsst ihr ihn alleine. Nat\u00fcrlich hat sich das Gemeindedasein ver\u00e4ndert. Ich zum Beispiel bin permanent damit besch\u00e4ftigt, irgendwas zu organisieren. Ich bin ein professioneller Geburtstagskartenschreiber geworden. Da helfen nat\u00fcrlich auch Computerkenntnisse. Das muss ein Pfarrer heute auch k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Birgit Rosenberger (35), B\u00fcrokauffrau<br \/>\nDas ist jemand, der Verst\u00e4ndnis f\u00fcr meine W\u00fcnsche und Bed\u00fcrfnisse aufbringt, der auch mal flexibel ist. Zum Beispiel, wenn es darum geht, mein Kind zu taufen, obwohl ich nicht verheiratet bin, oder einen Tauf gottesdienst ausnahmsweise samstags statt sonntags zu halten. Ich habe da leider ganz schlechte Erfahrungen gemacht. Das hat mich echt schockiert. Vor allem bei der evangelischen Kirche h\u00e4tte ich das nicht erwartet. Wegen der Samstagstaufe meines j\u00fcngsten Kindes habe ich mich dann an das evangelische Info-Center gewandt, durch das ich einen f\u00fcr mich guten Pfarrer gefunden habe. F\u00fcr j\u00fcngere Kirchenmitglieder wie mich spielt das Fromme, das Traditionelle eine untergeordnete Rolle. Kirche ist f\u00fcr mich wichtig und gibt mir Halt, aber etwas Offenheit und Service w\u00fcrde ich mir heutzutage schon w\u00fcnschen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pfarrer oder Pfarrerinnen haben keinen Beruf wie jeden anderen. Sie sind rund um die Uhr \u201eim Dienst\u201c, und sogar von ihren Familien wird oft erwartet, dass sie aktiv mithelfen. 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