{"id":9,"date":"2000-11-01T09:31:12","date_gmt":"2000-11-01T09:31:12","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=9"},"modified":"2000-11-01T09:31:12","modified_gmt":"2000-11-01T09:31:12","slug":"pflegeversicherung-in-der-pflicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=9","title":{"rendered":"Pflegeversicherung in der Pflicht"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die ambulante Pflege durch die evangelische Kirche ist auf Jahre gesichert. Das Frankfurter Kirchenparlament, die Evangelische Regionalversammlung, debattierte intensiv und mit Leidenschaft, als es um die Zukunft der Diakoniestationen ging. Etwa drei Millionen Mark wird die Kirche j\u00e4hrlich zur Versorgung der Kranken zuschie\u00dfen. Gut angelegtes Geld allemal. Doch gemessen an den erwarteten gut f\u00fcnfzig Millionen Kirchensteuer, die nach Frankfurt flie\u00dfen, wahrlich kein gro\u00dfer Brocken.<br \/>\nTheoretisch sollten die ambulanten Dienste vollst\u00e4ndig von der Pflegeversicherung bezahlt werden. Zur Abrechnung werden dabei die einzelnen Handgriffe der Krankenschweister wie in der Autowerkstatt im Minutentakt eingeteilt &#8211; das ist Pflege im Akkord. Zum Beispiel darf die Schwester f\u00fcnfzehn Minuten f\u00fcr Anfahrt und Begr\u00fc\u00dfung brauchen. Wer in Bornheim oder Sachsenhausen schon einmal einen Parkplatz gesucht hat, wei\u00df, wie unrealistisch das ist. Die Statistik der Diakoniestationen weist aus, dass die evangelischen Schwestern im Durchschnitt achtzehn Minuten f\u00fcr Anfahrt und Begr\u00fc\u00dfung ben\u00f6tigen. Drei Minuten zuviel also, aber daf\u00fcr sprechen sie auch mal ein aufmunterndes Wort zu Patienten und Angeh\u00f6rigen. Gerade von einem evangelischen Pflegedienst wird zu Recht erwartet, dass auch Zeit ist, sich Sorgen und N\u00f6te anzuh\u00f6ren. Doch so etwas sieht die Pflegeversicherung nicht vor. Und so addieren sich eben die drei Minuten bei zehn Patientinnen und Patienten am Tag ganz schnell auf eine halbe Stunde. Das macht in der Woche zweieinhalb Stunden und im Monat gut zehn Stunden Arbeitszeit aus &#8211; die die Kirche voll zu tragen hat. Von all den anderen Leistungen, die erbracht werden und nicht abgerechnet werden k\u00f6nnen, ganz zu schweigen. Die Schwester der Diakoniestationen bringt auch mal Arzeneien aus der Apotheke mit oder es wird Nachtwache bei einem Sterbenden gehalten. Alles nicht abrechenbar, aber trotzdem notwendig.<br \/>\nAllein in Frankfurt zahlen Caritas und Diakonie j\u00e4hrlich Millionen, um diese Qualit\u00e4t der Pflege zu sichern. Es ist ein Standard, der eigentlich nicht \u00fcbertrieben anspruchsvoll ist. Es sollte doch selbstverst\u00e4ndlich sein, dass Pflegedienste Kranke nicht abweisen, nur weil ihr Haus nicht auf der im F\u00fcnfzehn-Minutentakt zu erreichenden Fahrtroute liegt. Hier ist die Pflegeversicherung gefordert. Sie sollte ihr Finanzierungssystem \u00fcberpr\u00fcfen. Die von der Kirche angemahnten Leistungen sind ja nun wirklich kein Luxus, sondern ein Mindestma\u00df an menschlicher Zuwendung. Man sollte daran denken, dass wir alle einmal auf solche Pflege angewiesen sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<address>Kurt-Helmuth Eimuth<br \/>\n<\/address>\n<pre><strong>Evangelisches Frankfurt, Ausgabe November 2000 \u00b7 24. Jahrgang \u00b7 Nr. 6<\/strong><\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die ambulante Pflege durch die evangelische Kirche ist auf Jahre gesichert. Das Frankfurter Kirchenparlament, die Evangelische Regionalversammlung, debattierte intensiv und mit Leidenschaft, als es um die Zukunft der Diakoniestationen ging. 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