{"id":87,"date":"2003-06-01T13:26:38","date_gmt":"2003-06-01T13:26:38","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=87"},"modified":"2003-06-01T13:26:38","modified_gmt":"2003-06-01T13:26:38","slug":"der-ubergang-zu-etwas-neuem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=87","title":{"rendered":"Der \u00dcbergang zu etwas Neuem"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Wiesenfeld-Kirche.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-88\" title=\"kirc\" src=\"https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/kirc-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Konfirmation und was dann? Oft w\u00fcnschen sich Pfarrer und Pfarrerinnen oder auch die Eltern, dass die Jugendlichen nach der Konfirmandenzeit weiter in der Kirche aktiv bleiben. Doch dies klappt, trotz vieler attrak tiver Angebote, in den wenigsten F\u00e4llen.<br \/>\nFr\u00fcher erf\u00fcllte die Konfirmation einen klaren gesellschaftlichen Zweck: Jungen und M\u00e4dchen wurden zun\u00e4chst im Katechismus unterwiesen und dann in die Gemeinde aufgenommen. Die Konfirmation stand also f\u00fcr den \u00dcbergang vom Kindes- in das Erwachsenenalter. Sie ist ein so genannter \u201ePassageritus\u201c, bei dem die feierlich gekleideten Kinder mit einem Rosmarinstr\u00e4u\u00dfchen am Kragen aus der Schule \u201eins Leben hinaus konfirmiert\u201c wurden. Das zeigte sich zum Beispiel in einer neuen Kleiderordnung: Von nun an trugen die Jungen lange Hosen, die M\u00e4dchen die ersten Schuhe mit h\u00f6heren Abs\u00e4tzen, in l\u00e4ndlichen Gebieten durften sie zum ersten Mal die orts\u00fcbliche Tracht der Ledigen anziehen. Und: Seit der Konfirmation wurde man mit \u201eSie\u201c angesprochen.<br \/>\nF\u00fcr die Paten war der \u00dcbergang vom Kind zur Frau oder zum Mann oft teuer: mit Goldschnitt verzierte Bibeln, fein gestickte Hemden oder auch lebende Tiere, die den Grundstock f\u00fcr das sp\u00e4tere Auskommen bilden sollten, gab es als Geschenk. Noch immer geh\u00f6ren Geschenke zur Konfirmation \u2013 auch wenn es heute nicht mehr die Ziege ist. Und es gibt ein gro\u00dfes Fest: In manchen Gemeinden konfirmiert man inzwischen sogar samstags. Das entfernt zwar die Konfirmation von der Gemeinde, ist aber enorm praktisch f\u00fcr die gro\u00dfe Familienfeier.<br \/>\nDoch die Konfirmandinnen und Konfirmanden werden immer j\u00fcnger und die Ausbildung junger Menschen dauert immer l\u00e4nger. Deshalb markiert dieser Passageritus heute in den allermeisten F\u00e4llen nicht mehr den Eintritt in das Berufsleben, sondern f\u00e4llt mit einer anderen Lebensphase zusammen: der Pubert\u00e4t. Die Konfirmation ist also zwar immer noch ein \u00f6ffentliches Signal daf\u00fcr, dass die Kindheit nun vorbei ist. Aber das hei\u00dft nicht mehr, dass man dann erwachsen ist. Gerade zu dieser Entwicklungsphase der Pubert\u00e4t geh\u00f6rt n\u00e4mlich die Absetzbewegung von allem, was etabliert ist. Jugendliche mit 13, 14 Jahren wollen anders sein als die Erwachsenen, sie kleiden sich anders, haben \u201enull Bock\u201c, wollen eigene, neue Wege finden. In dieser Lebensphase hat es die Kirche als etablierte Institution extrem schwer.<br \/>\nEs kommt deshalb gar nicht so sehr darauf an, die jungen Leute nach der Konfirmation irgendwie in der Kirche zu halten. Wichtiger ist, ihnen Raum zu geben f\u00fcr ihre Suche nach einem eigenen Lebensstil. Evangelische Jugendh\u00e4user sind zum Beispiel solche Orte. Wenn junge Menschen nach der Konfirmation erst einmal auf Distanz gehen, hei\u00dft das nicht, dass sie aus der Kirche \u201ehinauskonfirmiert\u201c werden. Denn viele junge Erwachsene engagieren sich nach einer Zeit der Distanz sp\u00e4ter doch wieder.<br \/>\nKurt-Helmuth Eimuth<\/p>\n<p><strong>Evangelisches Frankfurt: Juni 2003 \u00b7 27. Jahrgang \u00b7 Nr. 4<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Konfirmation und was dann? 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