{"id":805,"date":"2000-11-24T20:39:38","date_gmt":"2000-11-24T20:39:38","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=805"},"modified":"2000-11-24T20:39:38","modified_gmt":"2000-11-24T20:39:38","slug":"nachbarn-und-doch-fremd-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=805","title":{"rendered":"Nachbarn und doch fremd"},"content":{"rendered":"<h4><span>Im Alltag ist der Dialog zwischen den Religionen oft schwieriger als in der Theorie<\/span><\/h4>\n<p>Juden, Christen und Muslime sind l\u00e4ngst Nachbarn geworden und doch ist das Gespr\u00e4ch \u00fcber den eigenen Glauben weniger selbstverst\u00e4ndlich als der gemeinsame Einkauf im Supermarkt. Wie schwierig und problematisch das Miteinander ist, zeigt derzeit zum Beispiel die Diskussion um die Errichtung eines islamischen Kulturzentrums in R\u00f6delheim. Auch ein von der Cyriakusgemeinde veranstalteter Diskussionsabend brachte keine Klarheit, ob es bei der Kritik am Standort ausschlie\u00dflich um Sachargumente wie eine weitere Verkehrsbelastung im Stadtteil geht, oder ob da auch die Angst vor dem Fremden mitschwingt.<br \/>\nMit den Schwierigkeiten des interreligi\u00f6sen Dialogs besch\u00e4ftigte sich k\u00fcrzlich auch eine Veranstaltung der Evangelischen Stadtakademie. Provokativ stellte dort der Mainzer Hochschullehrer Notger Slenczka fest: &#8222;Das Christentum ist urspr\u00fcnglich nicht eine tolerante Tradition&#8220;. Vielmehr sei die heutige eher tolerante Ausrichtung des Christentums geschichtlich gewachsen. Der Wahrheitsanspruch geh\u00f6re in einem gewissen Grad zu jeder Religiosit\u00e4t. Deshalb m\u00fcsse auch der \u00f6ffentliche Bereich weltanschaulich neutral sein, meinte Slenczka.<br \/>\nVon einem solch weltanschaulich freien Bereich merke er allerdings in Deutschland wenig, entgegnete Daniel Krochmalnik als Vertreter f\u00fcr das Judentum. Es sei nicht einfach, gegen den christlichen Wochenrhythmus den Sabbat zu begehen. Im Bezug auf den h\u00e4ufig als intolerant eingesch\u00e4tzten Islam betonte Amir Zaidan von der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen, dass es im muslimischen Denken keinen Platz f\u00fcr Rassismus gebe. Alle Menschen seien vor Gott gleich. Allerdings r\u00e4umte Zaidan ein, dass es ein Problem mit der Abkehr vom Islam gebe. &#8222;Abtr\u00fcnnige&#8220; seien heute jedenfalls theoretisch noch mit der Todesstrafe bedroht, auch wenn diese nicht ausgef\u00fchrt werde.<br \/>\nAls ein markantes Kriterium stellte sich bei der Diskussion die &#8222;Binnentoleranz&#8220; heraus. Eine Religion k\u00f6nne nur dann tolerant sein, wenn sie das auch innerhalb der eigenen Gemeinschaft sei. H\u00e4ufig sei der Kampf gegen den Einfluss anderer Religionen ein Zeichen f\u00fcr den eigenen Glaubenszweifel, die eigene Unsicherheit.<br \/>\nEs ist zu w\u00fcnschen, dass in R\u00f6delheim der Konflikt um den Standort des islamischen Kulturzentrums als Chance f\u00fcr einen offenen, kritischen Dialog genutzt wird. Der interreligi\u00f6se Alltag ist eben viel schwieriger als der akademische Dialog.<br \/>\n<span>Kurt-Helmuth Eimuth<\/span><\/p>\n<p><!-- Seitenende1 --> <script type=\"text\/javascript\">\/\/ <![CDATA[\nschreibeseitenende1()\n\/\/ ]]><\/script><!-- Artikelende --><span>Evangelisches Frankfurt, Ausgabe November 2000 \u00b7 24. Jahrgang \u00b7 Nr. 6 <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Alltag ist der Dialog zwischen den Religionen oft schwieriger als in der Theorie Juden, Christen und Muslime sind l\u00e4ngst Nachbarn geworden und doch ist das Gespr\u00e4ch \u00fcber den eigenen Glauben weniger selbstverst\u00e4ndlich als der gemeinsame Einkauf im Supermarkt. 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