{"id":799,"date":"2000-02-01T20:34:23","date_gmt":"2000-02-01T20:34:23","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=799"},"modified":"2000-02-01T20:34:23","modified_gmt":"2000-02-01T20:34:23","slug":"die-flimmerkiste-gehort-heute-zur-kindheit-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=799","title":{"rendered":"Die Flimmerkiste geh\u00f6rt heute zur Kindheit"},"content":{"rendered":"<p><span><strong>Kinder und Fernsehen: Die Elterngeneration hat gelernt, dass Fernsehen dumm macht.<\/strong> Doch in der Mediengesellschaft des 21. Jahrhunderts f\u00fchrt (fast) kein Weg am Fernsehen vorbei. In einem Workshop, veranstaltet vom evangelischen Medienhaus und dem Netzwerk Kommunikation und Medien (Komed) wurde das Kinderfernsehen untersucht und auch die Frage nach der Religion im allgegenw\u00e4rtigen Medium gestellt. <\/span><\/p>\n<p><span>Kurt-Helmuth Eimuth zum Stand der Diskussion.<\/span><\/p>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"2\" width=\"10\" align=\"left\" bgcolor=\"#975fa1\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"file:\/\/\/C:\/Dokumente%20und%20Einstellungen\/Kurt\/Eigene%20Dateien\/homepage\/eimuth\/bilder\/Maus.gif\" alt=\"Maus\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Maus<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Der Stress in der Vorweihnachtszeit erreichte bei vielen Eltern, Gro\u00dfeltern, Tanten und Onkeln seinen H\u00f6hepunkt mit einem scheinbar harmlosen Kinderwunsch. In diesem Jahr sollten unter`m Weihnachtsbaum Tinky Winky, Dipsy, Laa-Laa oder Po liegen. Die vier Windelpakete aus England haben innerhalb weniger Wochen die Herzen der Kleinstkinder erobert. Geschickt und teuer lief die Vermarktung des Frotteequartetts. Ob als Hausschuhe, Schmusepuppe oder Spiel, die Teletubbies sind immer dabei. Eine regelrechte Tubbie-Mania scheint den Nachwuchs und mithin die f\u00fcrsorglichen Eltern erfasst zu haben. &#8222;L\u00e4ngst hat&#8220;, wie es der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Medienhauses, Helwig Wegner, formuliert, &#8222;die Fernsehwirklichkeit den Apparat verlassen&#8220;.<br \/>\nSeit Anfang der 70er Jahre die &#8222;Sesamstra\u00dfe&#8220; das Vorschulfernsehen einl\u00e4utete, hat sich die Fernsehlandschaft, gerade f\u00fcr die Drei- bis Sechsj\u00e4hrigen, gewaltig ge\u00e4ndert. Fernsehen bietet Unterhaltung, f\u00fcr die Kinder im Fragealter, gibt aber auch Antworten, die zudem die Flimmerkiste geduldig wiederholt. Doch mit den Teletubbies \u2013 und dies ist die eigentliche Herausforderung \u2013 hat ein Programm f\u00fcr Zweij\u00e4hrige Einzug in die Familien gehalten. Im Rundfunkrat soll es nach Angaben des zust\u00e4ndigen ARD-Programmkoordinators Gerhard Fuchs &#8222;entsetzte Mienen&#8220; bei der Beschlussfassung gegeben haben. Gesichtsz\u00fcge, die heute zahlreichen Eltern unweigerlich im Antlitz stehen, wenn es morgens um 9 Uhr im Kinderkanal vor &#8222;Ohs&#8220; und &#8222;Ahs&#8220; nur so gurgelt. Doch die kleinen Zuschauer machen mit, freuen sich, sprechen einzelne Worte (Winke, Winke) nach. \u00c4ltere Kinder hingegen wenden sich schnell ab. Das ist einfach zu langweilig.<\/p>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"2\" width=\"10\" align=\"right\" bgcolor=\"#975fa1\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"file:\/\/\/C:\/Dokumente%20und%20Einstellungen\/Kurt\/Eigene%20Dateien\/homepage\/eimuth\/bilder\/B%E4r.gif\" alt=\"B\u00e4r\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>B\u00e4r<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Sebastian Debertin vom Kinderkanal kann \u2013 wie auch erste wissenschaftliche Untersuchungen \u2013 keine Gefahr im munteren Treiben der Vier sehen. Sicher habe man, so sein Bericht in Frankfurt, auch innerhalb der Redaktion diskutiert, ob Zweij\u00e4hrige vor den Bildschirm geh\u00f6ren. &#8222;Doch wenn Kinder in die R\u00f6hre schauen, dann sollten sie auch das Richtige ansehen&#8220;, so Debertin. Und letzten Endes entscheiden die Eltern was, wann und wieviel an TV konsumiert wird.<br \/>\nAllein an einem gew\u00f6hnlichen Samstagvormittag werden die Kindersendungen von rund 3,2 Millionen Kindern gesehen. Doch ganz so erschreckend scheint diese Zahl nun auch wieder nicht, denn die Kinder sitzen etwa eineinhalb Stunden vor dem Apparat, Erwachsene gut doppelt so lang. Betrachtet man diese Statistik genauer, geh\u00f6rt zu den Vielsehern ein Viertel der Kinder. Sie nutzen das Fernsehen t\u00e4glich mehr als zwei Stunden. Auf der anderen Seite schauen fast die H\u00e4lfte der Kindergartenkinder weniger als eine halbe Stunde. Mehr als Teletubbies und Sandm\u00e4nnchen ist da nicht drin.<br \/>\nKinder folgen ihren Eltern in den Konsumgewohnheiten. So wundert es nicht, dass im Osten Deutschlands auch bei Kindern und Jugendlichen die Privatsender deutlich beliebter sind als die \u00f6ffentlich-rechtliche Konkurrenz. Und noch eines f\u00e4llt auf: Wer nicht mehr klein sein will, sieht Programme f\u00fcr Kinder und Jugendliche. W\u00e4hrend bei den Kleinen &#8222;Die Sendung mit der Maus&#8220; unschlagbar ist, schauen die gro\u00dfen Kinder (10 bis 13 Jahre) durchaus nicht die typischen Kinderprogramme. So steht neben Sport\u00fcbertragungen f\u00fcr diese Altersgruppe etwa &#8222;Wetten dass&#8220; ganz oben auf der Hitliste. Unter den Top Ten dieser Altersgruppe finden sich auch die Asterix-Verfilmungen oder die Daily-Soap &#8222;Gute Zeiten, schlechte Zeiten.&#8220; Die von den Fernsehbeitr\u00e4gen angepeilten Zielgruppen werden immer j\u00fcnger.<br \/>\nDagegen h\u00e4lt sich hartn\u00e4ckig die geschlechtsspezifische Aufteilung. W\u00e4hrend die Jungen eher zu Abenteuer- und Sportsendungen (Autorennen) neigen, bevorzugen M\u00e4dchen Figuren in phantastischen Welten oder Serien, bei denen es um Liebe und Freundschaft geht. Nicht unwichtig ist ein anderer Unterschied: M\u00e4dchen sehen weniger fern als Jungen. So finden sich unter den so genannten Vielsehern (120 Minuten) weniger M\u00e4dchen.<\/p>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"2\" width=\"10\" align=\"left\" bgcolor=\"#975fa1\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"file:\/\/\/C:\/Dokumente%20und%20Einstellungen\/Kurt\/Eigene%20Dateien\/homepage\/eimuth\/bilder\/Teletabbies.gif\" alt=\"Teletubbies\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Teletubbies<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Das Medium Fernsehen geh\u00f6rt zur Lebenswirklichkeit der Kinder. Es ist nicht zu verteufeln, aber der Umgang mit ihm will gelernt sein. Medienkompetenz wird nicht von Enthaltsamkeit bewirkt. Vielmehr muss sehr fr\u00fch der aktive, kreative Umgang mit dem Medium gelernt werden. Warum sollte eine Dreij\u00e4hrige nicht die Videokamera nutzen k\u00f6nnen? Schlie\u00dflich ist die Bedienung kinderleicht.<br \/>\nZur Lebenswirklichkeit von Kindern geh\u00f6rt aber auch Religion. Die Frage, warum Tinky Winky nicht betet, konnte der Workshop zwar nicht beantworten. Allerdings wies Dieter Saldecki vom WDR und einer der &#8222;Maus&#8220;-Macher darauf hin, dass die Fernsehleute Fragen nach religi\u00f6sen Deutungen nicht auswichen. Ziel sei es, mit den Sendungen den Wert des Lebens zu vermitteln. Dennoch ist Religion als Alltagswirklichkeit im Fernsehen eher eine Randerscheinung, beispielsweise wenn die Familie Simpson sich mit Gottesbildern auseinander setzt.<br \/>\nGanz anders die verwendeten Bilder und Symbole: Haben die Teletubbies nicht dort wo das Gef\u00fchl sitzt, im Bauch, einen gro\u00dfen Fernsehapparat? Und bedeutet nicht diese pralle Sonne als Symbol Leben pur? Fragen, die wom\u00f6glich der n\u00e4chste Medienworkshop aufgreifen wird.<\/p>\n<p><small>Evangelisches Frankfurt, Februar 2000<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kinder und Fernsehen: Die Elterngeneration hat gelernt, dass Fernsehen dumm macht. Doch in der Mediengesellschaft des 21. Jahrhunderts f\u00fchrt (fast) kein Weg am Fernsehen vorbei. 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