{"id":785,"date":"2006-05-01T20:23:18","date_gmt":"2006-05-01T20:23:18","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=785"},"modified":"2006-05-01T20:23:18","modified_gmt":"2006-05-01T20:23:18","slug":"dabeisein-ist-nicht-alles","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=785","title":{"rendered":"Dabeisein ist nicht alles"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><strong>Es gibt viele Gr\u00fcnde, sich \u00fcber die Fu\u00dfball-Weltmeisterschaft zu freuen. Da wird es spannende Spiele geben, da werden die Apfelweinlokale in Sachsenhausen \u00fcberlaufen. \u201eZu Gast bei Freunden\u201c hei\u00dft das ambitionierte Motto, und es schlie\u00dft auch die Gesch\u00e4ftst\u00fcchtigkeit der Gastgeber mit ein. Jeder will mit verdienen oder doch wenigstens mit dabei sein. Auch die Kirche. Manche Aktion schie\u00dft dabei jedoch \u00fcber das Ziel hinaus.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" width=\"10\" align=\"right\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" title=\"Laufwunder, Himmelsst\u00fcrmerin, Kabinenprediger: Die Aufschriften auf den T-Shirts des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik ziehen augenzwinkernd eine Parallele zwischen Fu\u00dfball und Religion. - Foto: Hansisches Druck- und Verlagshaus\" src=\"file:\/\/\/C:\/Dokumente%20und%20Einstellungen\/Kurt\/Eigene%20Dateien\/homepage\/eimuth\/bilder\/Himmelsst%FCrmer.gif\" alt=\"Bild\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Laufwunder, Himmelsst\u00fcrmerin, Kabinenprediger: Die Aufschriften auf den T-Shirts des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik ziehen augenzwinkernd eine Parallele zwischen Fu\u00dfball und Religion. &#8211; Foto: Hansisches Druck- und Verlagshaus<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Man stelle sich vor: Hunderte von Schlachtenbummlern kommen in Trikots in die Stadien. Nein, nicht in Trikots ihrer Lieblingsmannschaft, sondern in wei\u00dfen T-Shirts mit Aufschriften wie \u201eHimmelsst\u00fcrmerin\u201c, \u201eLaufwunder\u201c oder gar \u201eKabinenprediger\u201c. Und damit man auch erkennt, dass sie alle zusammengeh\u00f6ren, tragen sie nach dem Willen des solche Utensilien feilbietenden Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik auch noch eine Kappe mit der Aufschrift \u201eFangemeinde\u201c.<br \/>\nGemeinsam mit dem Magazin \u201eChrismon\u201c versucht die Evangelische Kirche in Deutschland auf den WM-Zug aufzuspringen und hat daf\u00fcr unter www.fangemeinde-ekd.de sogar eine eigene Internetseite inklusive Online-shop eingerichtet. Weitere Fu\u00dfballprodukte von Tassen bis zum Fu\u00dfballmagnetspiel werden angeboten. Besonders praktisch und ganz ohne religi\u00f6se Doppeldeutigkeit ist etwa der \u201eSoccer-Hocker\u201c: Damit wird angeblich jeder Bierkasten zur \u201ekomfortablen Sitzgelegenheit\u201c.<br \/>\nFu\u00dfball und Religion. Sie haben in der Tat ja so manches gemeinsam. Da sind vor allem die Rituale. F\u00fcr manchen Fan beginnt der Spieltag mit dem feierlichen Anlegen der Kluft, die er aus einer Art Schrein holt. So gewandet schreitet er unter Absingen \u201eheiliger\u201c Lieder quasi prozessionsartig in die Kathedrale des Sports, das nagelneue WM-Stadion.<br \/>\nAber kann man daraus wirklich, wenn auch ironisch augenzwinkernd, auf inhaltliche Parallelen schlie\u00dfen? Zahlreiche Soziologen haben die Gemeinsamkeiten von Fu\u00dfball und Religion beschrieben. Die Analyse ist eindeutig. Fu\u00dfball ist eine Art Pseudoreligion. Pseudo deshalb, weil dem Fu\u00dfball \u2013 anders als den echten Religionen \u2013 die befreiende Heilsbotschaft fehlt. Der Mainzer Weltanschauungsbeauftragte Eckhard T\u00fcrk dr\u00fcckt es in einem Beitrag f\u00fcr \u201ePublik Forum\u201c so aus: \u201eWirkliche Religionen wollen den Menschen mit einer ihn und die Welt restlos \u00fcbersteigenden und un\u00fcberbietbaren Wirklichkeit in Beziehung bringen, die das wirkliche Heil f\u00fcr den Menschen bedeutet.\u201c Beim Fu\u00dfball ist das aber anders. Bei diesem Kult geht es nicht darum, sich mit einer h\u00f6heren Macht in Verbindung zu setzen. Vielmehr muss man das Heil erst selbst herstellen, um dann auf dieses zu vertrauen. Nur wer Tore schiesst, wird hier als Held gefeiert.<br \/>\nIn der \u00fcbersch\u00e4umenden Freude auf die Weltmeisterschaft und angetrieben von dem Wunsch, bei diesem Mega-Event auch dabei zu sein, scheinen einige in der Kirche ihre eigene Heilsbotschaft aus den Augen und das rechte Ma\u00df verloren zu haben. So wird auf der Internetseite des hessen-nassauischen WM-Pfarrers, der f\u00fcr ein ganzes Jahr von seinen Gemeindepflichten frei gestellt wurde, das (Facetten-)Kreuz in einen Fu\u00dfball eingepasst, ganz so, wie die Telekom den Berliner Funkturm als magentafarbenen Fu\u00dfball hat dekorieren lassen. Und auch nur bedingt lustig ist das W\u00f6rterbuch auf der Startseite von <a href=\"http:\/\/www.kirche-spielt-mit.de\/\">www.kirche-spielt-mit.de<\/a>: Da wird die Vereinshymne zum Choral, die Fans werden zu Gemeindemitgliedern und das Gebet zur Kommunikation mit h\u00f6heren M\u00e4chten vor einem Elfmeter.<br \/>\nSo werden die eigenen Inhalte banalisiert. Im Fu\u00dfball heisst das Eigentor.<br \/>\nKurt-Helmuth Eimuth<\/p>\n<p>Evangelisches Frankfurt Mai 2006<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt viele Gr\u00fcnde, sich \u00fcber die Fu\u00dfball-Weltmeisterschaft zu freuen. 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