{"id":762,"date":"2002-10-29T19:57:35","date_gmt":"2002-10-29T19:57:35","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=762"},"modified":"2002-10-29T19:57:35","modified_gmt":"2002-10-29T19:57:35","slug":"gib-mir-mal-die-skin-colour","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=762","title":{"rendered":"&quot;Gib mir mal die skin colour&quot;"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: arial;\"><strong><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif;\">Frankfurter Rundschau, 29.10.2002<br \/>\n<\/span><\/strong><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\"><strong><br \/>\n<\/strong><\/span><span style=\"font-family: Arial; font-size: small;\"><strong>Kindersprachkurse haben Konjunktur: Schon im Vorschulalter wird spielerisch gelernt <\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica; font-size: x-small;\"><strong><em>Von Martin M\u00fcller-Bialon <\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica; font-size: x-small;\">Ein Wort Englisch kann jedes  Kind, da braucht es keine Lehrerin: &#8222;cool&#8220;. Das gilt auch f\u00fcr die acht  Racker im Kindergarten der evangelischen Katharinengemeinde in der  Leerbachstra\u00dfe, die sich auf Anweisung von Erica Swift &#8222;on the carpet&#8220;  niedergelassen haben. &#8222;Is today a beautiful day?&#8220; fragt die  Englisch-Lehrerin. &#8222;Yes, yes&#8220;, antworten Jan, Nora, Hendrik, Vincent,  Luis, Lukas, Melissa und Clara, ohne die Frage recht verstanden zu  haben. Macht aber nichts, denn Twiggy wei\u00df immer die richtige Antwort.  Twiggy ist eine Tiger-Fingerpuppe, die Erica Swift aus ihrer Hosentasche  zaubert. &#8222;No, no, it&#8217;s raining.&#8220;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica; font-size: x-small;\">Die Lehrerin, eine geb\u00fcrtige  US-Amerikanerin, redet ausschlie\u00dflich in ihrer Muttersprache mit den  Kindern des Fr\u00fchenglischkurses. Die Kinder, die schon mit &#8222;Bobby-Cars&#8220;  aufgewachsen sind, reagieren auf ihre Anweisungen, bei dem Kommando  &#8222;calm down&#8220; wird es prompt ruhiger. Auch den &#8222;Incy-wincy-spider-&#8220; und  den &#8222;Hoky-poky-song&#8220; k\u00f6nnen einige schon mitsingen. Die Farben bunter  B\u00e4lle zu wissen und sie z\u00e4hlen zu k\u00f6nnen, macht nicht allen Teilnehmern  des Junior-Sprachkurses Spa\u00df, einige fangen an, Faxen zu machen.  Schlie\u00dflich machen aber doch alle beim Ausmalen von Halloween-Bildern  mit, die Erica Swift mitgebracht hat. Dabei zeigt sich, dass die Vier-  bis Sechsj\u00e4hrigen die neu gelernten W\u00f6rter sofort in ihre Alltagssprache  integrieren: &#8222;Ich brauch&#8216; &#8217;ne black&#8220;, &#8222;gib mir mal die skin colour&#8220;.  &#8222;Englisch ist unverzichtbar f\u00fcrs Berufsleben&#8220;, sagt Claras Mutter Monika  Labus. &#8222;Au\u00dferdem werden die Kinder sowieso st\u00e4ndig damit konfrontiert.&#8220;  Sie selbst sei auf ein humanistisches Gymnasium ohne  Englisch-Unterricht gegangen. Diesen Karriere-Nachteil soll die kleine  Clara nicht haben. Der Englisch-Unterricht soll auch weiter gehen, wenn  sie in die Schule geht. &#8222;Das macht ihr Spa\u00df&#8220;, ist sich Monika Labus  sicher, &#8222;au\u00dferdem lernen Kinder im fr\u00fchen Alter leicht.&#8220;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica; font-size: x-small;\">105 Euro pro Vierteljahr zahlen  Claras Mama und Papa an die Lehrerkooperative, damit ihr T\u00f6chterchen  fr\u00fchzeitig eine Fremdsprache lernt. Einmal pro Woche kommt Erica Swift  im Kindergarten vorbei, der Unterricht dauert jeweils 45 Minuten. &#8222;Sie  sollen Tiere, Pflanzen und Farben kennen, bis 20 z\u00e4hlen, Adjektive  verwenden und einfache S\u00e4tze sprechen k\u00f6nnen&#8220;, z\u00e4hlt die Lehrerin als  ihre Lernziele auf. Wichtig sei ihr aber vor allem, den Kindern &#8222;Lust  auf Englisch zu machen&#8220;.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica; font-size: x-small;\">Es war nicht die Idee des  Kindergartens, den Kindern einen Sprachkurs anzubieten. &#8222;Aus der  Elternschaft&#8220; sei der Wunsch gekommen, berichtet Leiterin Elke Erbe. &#8222;Im  Westend wohnen viele Eltern, die darauf Wert legen.&#8220; Einige der  Kindergartenkinder w\u00fcrden anschlie\u00dfend eine internationale Schule  besuchen. &#8222;Bei den anderen ist das Gelernte zwar bis zur f\u00fcnften Klasse  nicht mehr pr\u00e4sent&#8220;, sagt Erbe, &#8222;aber es ist nicht verloren&#8220;.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica; font-size: x-small;\">Die Lehrerkooperative bietet  derzeit insgesamt neun Sprachkurse f\u00fcr Kinder an, davon sechs f\u00fcr  Vorschulkinder. Au\u00dfer Englisch geh\u00f6rt auch Franz\u00f6sisch und Spanisch zum  Programm. Es gibt freilich auch kommerzielle Anbieter auf dem Markt der  Kinder-Sprachkurse. So unterrichtet ebenso die Berlitz Sprachschule in  Kinderg\u00e4rten. Zehn Gruppen bietet Berlitz derzeit in Frankfurt an, wei\u00df  &#8222;Kids Direktor&#8220; Gabriela Kluge &#8211; unter anderem in Schwanheim, Oberrad,  Niederrad und Preungesheim. Insgesamt seien es 70 Gruppen im  Rhein-Main-Raum, wozu allerdings auch Kurse f\u00fcr Grundsch\u00fcler z\u00e4hlen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica; font-size: x-small;\">Im Gegensatz zur  Lehrerkooperative arbeiten die Berlitz-Lehrerinnen nach einem vorgegeben  Konzept. &#8222;Sesame English&#8220; hei\u00dft das Programm, das in Zusammenarbeit mit  der &#8222;Children&#8217;s Television Network&#8220; entstand. Die Kinder lernen  Englisch mit Ernie, Bert und dem Kr\u00fcmelmonster. 195 Euro kostet ein  viermonatiger Kurs mit 15 Doppelstunden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica; font-size: x-small;\">In den vergangenen Jahren sei  der Bedarf nach den Kindersprachkursen gestiegen, berichtet  Berlitz-Koordinatorin Kluge. Gleichzeitig seien Bedenken gegen die  Vorschulkurse ausger\u00e4umt: &#8222;Vor vier oder f\u00fcnf Jahren hat man uns noch  gesagt: ,Das \u00fcberfordert die Kinder&#8216;. Jetzt ist davon keine Rede mehr.&#8220;  Auch die Erziehungswissenschaft gibt gr\u00fcnes Licht: &#8222;Mit nachahmendem  Lernen k\u00f6nnen sich Kinder gut in eine andere Sprache einh\u00f6ren&#8220;, sagt  Professorin Heide Kallert von der Goethe-Uni. Wenn das didaktische  Konzept stimme, sei eine \u00dcberforderung der Kinder nicht zu bef\u00fcrchten.  Bedenken gegen fr\u00fches Lernen einer Fremdsprache h\u00e4lt auch der Kieler  Anglistik-Professor Henning Wode f\u00fcr v\u00f6llig unbegr\u00fcndet. &#8222;Jeder Mensch  kann mehrere Sprachen lernen.&#8220; Dies sei beispielsweise in Regionen  Westafrikas Normalit\u00e4t. Der Professor h\u00e4lt Sprachenlernen im  Kindergarten sogar f\u00fcr notwendig. &#8222;Jeder muss heute zwei Fremdsprachen  k\u00f6nnen. Wo soll die Zeit herkommen, wenn wir nicht fr\u00fchzeitig anfangen?&#8220;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica; font-size: x-small;\">Wode hat in der N\u00e4he von Kiel  1995 einen Pilotversuch gestartet: In einem Kindergarten werden die  Kinder unter anderem von einer Erzieherin betreut, die ausschlie\u00dflich  Englisch spricht. Auch in der anschlie\u00dfenden Grundschule wird 70 Prozent  des Unterrichts in Englisch erteilt. &#8222;Phantastische Ergebnisse&#8220; habe  man damit erzielt, sagt Wode. Dagegen sei eine Stunde pro Woche viel zu  wenig. &#8222;Da kommt nichts bei raus.&#8220; Entwicklungspsychologische  Untersuchungen h\u00e4tten gezeigt, dass kleine Kinder besonders leicht und  gern mit einer fremden Sprache umgingen, wenn diese als Teil eines  spielerischen Alltags pr\u00e4sentiert werde.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica; font-size: x-small;\">Einen ersten Schritt in  Richtung Zweisprachigkeit geht inzwischen die Erzieherschule am  Diakonissenhaus. Dort geh\u00f6rt Fr\u00fchenglisch k\u00fcnftig zum Lehrplan. &#8222;Es ist  nicht so toll, wenn man sich immer jemand von au\u00dfen holen muss&#8220;, sagt  Leiter Kurt-Helmuth Eimuth. Auch er h\u00e4lt Fremdsprachen f\u00fcr &#8222;notwendig in  der globalisierten Welt&#8220;. &#8222;Wir wollen aber keine Vorschule sein.&#8220;  Wichtig sei, in den Kinderg\u00e4rten darauf zu achten, &#8222;was gerade dran ist.  Wenn dort zum Beispiel Deutsch eine Fremdsprache ist, brauche ich nicht  mit Englisch zu kommen&#8220;.<\/span><\/p>\n<p><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frankfurter Rundschau, 29.10.2002 Kindersprachkurse haben Konjunktur: Schon im Vorschulalter wird spielerisch gelernt Von Martin M\u00fcller-Bialon Ein Wort Englisch kann jedes Kind, da braucht es keine Lehrerin: &#8222;cool&#8220;. 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