{"id":739,"date":"2005-06-25T19:41:27","date_gmt":"2005-06-25T19:41:27","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=739"},"modified":"2005-06-25T19:41:27","modified_gmt":"2005-06-25T19:41:27","slug":"parolen-lassen-erschaudern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=739","title":{"rendered":"Parolen lassen erschaudern"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" width=\"100%\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">www.mittelhessen.de<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\"><big><big><big>Hinterl\u00e4nder Anzeiger<\/big><\/big><\/big><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\"><big><big>Parolen lassen erschaudern<\/big><\/big><\/p>\n<p>25.06.2005<\/p>\n<p>Von Irmela D\u00f6rries-M\u00fcller<br \/>\nTel.: (0 64 61) 92 81 44<br \/>\nE-Mail: I.Doerries@mail.mittelhessen.de<\/p>\n<p>Es war ein Thema, bei dem es einem eiskalt den R\u00fccken herunter laufen konnte: Die &#8222;Apologetischen Studientage&#8220;, zu denen der Evangelische Bund Hessen und Nassau regelm\u00e4\u00dfig einl\u00e4dt, besch\u00e4ftigten sich in der Holzh\u00e4user Freizeit-und Bildungsst\u00e4tte des Dekanates Gladenbach mit der &#8222;Religion von rechts&#8220;. Die Zuh\u00f6rer begegneten der &#8222;neuheidnischen Szene&#8220; in ihren unterschiedlichen Auspr\u00e4gungsformen. Und sie h\u00f6rten dabei S\u00e4tze von solch menschenverachtender H\u00e4rte, dass man kaum glauben mochte, dass sie im Deutschland des 21. Jahrhundert noch so propagiert werden. Referent des aufkl\u00e4rerischen Abends war Kurt-Helmuth Eimuth. Der Diplom P\u00e4dagoge war zehn Jahre lang Weltanschauungsbeauftragter der evangelischen Kirche in Frankfurt,<\/p>\n<table border=\"0\" cellpadding=\"0\" width=\"174\" align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"183\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"183\" valign=\"top\">\u00dcber Neuheidentum und Rechtsradikalismus informierte das Seminar der evangelischen Kirche. Anlass waren auch die Nazi-Demonstrationen in Gladenbach.(Archivfoto: Tietz)<\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Dautphetal-Holzhausen. Eimuth stellte die lange Tradition der antichristlichen Bewegung vor, die einen H\u00f6hepunkt w\u00e4hrend des Dritten Reiches erlebte. Die Gruppen, die bereits Ende des 19. Jahrhunderts existierten, legten mit ihrem v\u00f6lkischen Denken den Grundstein f\u00fcr die nationalsozialistische Rassenideologie. Die NSDAP habe so manchen Kader aus den nordisch-heidnischen Zirkeln rekrutieren k\u00f6nnen, so Eimuth. Diese neogermanischen Gruppierungen lehnten sowohl das Christentum als auch das Judentum und den Islam als &#8222;artfremde orientalische Religionen&#8220; ab. Sie seien nicht nordisch, entspr\u00e4chen der germanischen Rasse also nicht. Die neogermanische Ideologie, so erkl\u00e4rte Eimuth, fu\u00dfe auf drei Prinzipien: der nationalen Gesinnung, dem Rassengedanken und dem Blutmythos. Hiermit werde ein &#8222;F\u00fchrungsanspruch&#8220; der &#8222;germanischen Rasse&#8220; begr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Eimuth machte aber auch deutlich, dass nicht jede neuheidnische Gruppierung automatisch eine rechtsradikale sei. Es gebe unter den Gruppierungen auch solche, die sich ausdr\u00fccklich von Rechtsextremismus und Demokratiefeindlichkeit abgrenzten. Eimuth nannte als Beispiel die Gruppe &#8222;Rabenclan&#8220;.<\/p>\n<p>Es gebe aber eben auch andere, denen man offenen Rechtsradikalismus nachweisen k\u00f6nne. Wenn dieser heidnisch begr\u00fcndet werde, sei es gef\u00e4hrlich. Eimuth zitierte den Extremismus-Forscher Heitmeyer, der als entscheidende Merkmale benennt: die Theorie der Ungleichheit sowie die Akzeptanz von Gewalt.<\/p>\n<p>Warnend wies der Referent auf die Deckm\u00e4ntel des neuen Rechtsextremismus hin. Er nannte sie &#8222;neogermanische Romantik&#8220; oder auch &#8222;Germanenkult&#8220;. Auch Wikinger, Kelten oder Walhalla m\u00fcssten oft genug herhalten, um die extremen Anliegen der Neuheiden zu transportieren. Eimuth sah den Versuch &#8222;unter dem Deckmantel der Brauchtumspflege sowie des Heimat- und Naturschutzes Jugendliche an rechtsextremistisches Gedankengut heran zu f\u00fchren.&#8220;<\/p>\n<p>Die &#8222;Einflugschneise&#8220; f\u00fcr radikale Theorien in der Esoterik sei breit, meinte der Referent. Er nannte als Umschlagpl\u00e4tze f\u00fcr das Gedankengut esoterische Kleingruppen, satanistisch-sozialdarwinistische Gruppen, jugendsubkulturelle &#8222;Dark Wave&#8220; Musik- und Kulturprojekte und verschw\u00f6rungstheoretische Literatur.<\/p>\n<p>Allerdings stelle der Rechtsextremismus anders als die meisten linksextremen Str\u00f6mungen keine theoretisch durchgearbeitete Ideologie dar, sondern weise &#8222;unterschiedliche Begr\u00fcndungen und Ziele auf&#8220;, wie der Extremismusforscher Rainer Fromm festgestellt hat.<\/p>\n<p>Eimuth skizzierte in seinem Vortrag verschiedene Gruppierungen, die in der rechten neuheidnischen Szene besonders aktiv sind. Er nannte die 1981 gegr\u00fcndete &#8222;Universale Kirche&#8220; und zitierte deren radikale Aussagen zum Judentum. Weiter stellte er den &#8222;Armanenorden&#8220; vor, der eine neue &#8222;Urreligion&#8220; verk\u00fcnden will. Die heutige Kirche enthalte den Germanen ihre ureigene Religion in einer permanenten Inquisition vor, kritisiert die Gruppe. Sie setzt dem christianisierten Europa ein neuheidnisches Glaubensmodell entgegen und beansprucht f\u00fcr sich die &#8222;wahre Erkenntnis der g\u00f6ttlichen Weltordnung&#8220; aufgrund germanischen und keltischen &#8222;Weistums&#8220;.<\/p>\n<p>Bund der Goden<\/p>\n<p>Der &#8222;Bund der Goden&#8220; mit Sitz in Herborn gelte als aktivste Organisation im v\u00f6lkisch-religi\u00f6sen Spektrum, berichtete Eimuth. Die Gruppe sehe das Praktizieren von Christentum als &#8222;schizophrenen Akt&#8220;.<\/p>\n<p>Gr\u00f6\u00dfte heidnisch-germanische Gruppe in Deutschland sei die &#8222;Artgemeinschaft e.V. Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgem\u00e4\u00dfer Lebensgestaltung&#8220;. Die Gruppe habe 120 Mitglieder, sei aber im Stande, zu ihren Veranstaltungen sehr viel mehr Menschen zu mobilisieren.<\/p>\n<p>In der abschlie\u00dfenden Diskussion, an der sich auch Sch\u00fcler eines Religionskurses der Gladenbacher Freiherr-vom-Steinschule lebhaft beteiligten, unterstrich Eimuth, die neuheidnische Bewegung sei zwar keine Massenbewegung, dennoch d\u00fcrfe man sie nicht verharmlosen. Ihr Gedankengut falle bei manchem auf fruchtbaren Boden. Das rechtsextreme Potenzial in Deutschland sei nicht zu untersch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Position beziehen<\/p>\n<p>&#8222;Christen m\u00fcssen heute deutlich Position beziehen.&#8220; Dazu ermutigte Dekan Matthias Ullrich in seinen abschlie\u00dfenden Worten. Ullrich erinnerte an die erfolgreiche Mobilisierung aller demokratischen Kr\u00e4fte gegen die Nazi-Demonstrationen in Gladenbach. Die Erfahrungen dort seien auch Anlass daf\u00fcr gewesen, das Thema Rechtsradikalismus w\u00e4hrend eines apologetischen Seminares aufzugreifen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>www.mittelhessen.de Hinterl\u00e4nder Anzeiger Parolen lassen erschaudern 25.06.2005 Von Irmela D\u00f6rries-M\u00fcller Tel.: (0 64 61) 92 81 44 E-Mail: I.Doerries@mail.mittelhessen.de Es war ein Thema, bei dem es einem eiskalt den R\u00fccken herunter laufen konnte: Die &#8222;Apologetischen Studientage&#8220;, zu denen der Evangelische Bund Hessen und Nassau regelm\u00e4\u00dfig<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11,15],"tags":[64,412],"class_list":["post-739","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-presse","category-sekten","tag-rechte","tag-sekten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/739","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=739"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/739\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=739"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=739"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=739"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}