{"id":695,"date":"2006-12-01T18:32:40","date_gmt":"2006-12-01T18:32:40","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=695"},"modified":"2006-12-01T18:32:40","modified_gmt":"2006-12-01T18:32:40","slug":"schenken-macht-das-leben-reicher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=695","title":{"rendered":"Schenken macht das Leben reicher"},"content":{"rendered":"<p><strong>Betteln ist eine Herausforderung.<\/strong> Die  Bettler und zunehmend auch die Bettlerinnen st\u00f6ren. Unwillk\u00fcrlich schaut  man hin, um doch so zu tun, als s\u00e4he man nichts. Die Bettler  unterbrechen den Gang, sie brechen die weihnachtliche Einkaufsstimmung,  sie verunsichern.<\/p>\n<p>Betteln geh\u00f6rt zum st\u00e4dtischen Leben einfach dazu. Und es gab noch  nie so wenige Bettler wie heute. In fr\u00fcheren Jahrhunderten, als es noch  keine Sozialversicherungen gab, wuchsen die Bettler in den St\u00e4dten zu  Scharen heran. Im Mittelalter bettelte etwa ein Drittel der st\u00e4dtischen  Bev\u00f6lkerung. Die Ursachen waren damals wie heute gleich:  Arbeitslosigkeit, Unf\u00e4lle, Alter oder auch die Verweigerung der  staatlichen Hilfe. Also bleibt nur das Betteln.<\/p>\n<div><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/evangelischesfrankfurt.de\/images\/2006\/12\/seite04_oben.jpg\" alt=\"Bettlerin auf der Zeil \u2013 gerade in der Vorweihnachtszeit kein seltenes Bild. Geben oder nicht geben? Hilft mein Geld - oder wird es in Drogen und Alkohol investiert? Keine leichte Entscheidung. | Foto: Oeser\" \/><\/p>\n<div>\n<div>Bettlerin  auf der Zeil \u2013 gerade in der Vorweihnachtszeit kein seltenes Bild.  Geben oder nicht geben? Hilft mein Geld \u2013 oder wird es in Drogen und  Alkohol investiert? Keine leichte Entscheidung.<\/div>\n<div>Foto: Oeser<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Ob sich die Art des Bettelns heute im Kern von der in der  Dreigroschenoper dargestellten unterscheidet, darf bezweifelt werden.  Die M\u00fctter mit ihren Kindern auf dem Arm sind in letzter Zeit  verschwunden, daf\u00fcr sieht man jetzt vermehrt die Menschen in besonders  demutsvoller Haltung. Betteln ist eben auch nur Marketing.<\/p>\n<p>Und doch, es gibt sie, die anr\u00fchrenden Einzelschicksale. Menschen,  die nach einem Arbeitsunfall als schwervermittelbar gelten, die  aussortiert sind. Menschen, deren Ehe scheiterte und die in ihrer  Verzweiflung zum Alkohol greifen. Menschen, die es nicht mehr  aushielten, dass sie zu den Millionen geh\u00f6ren, die der Arbeitsmarkt  fallengelassen hat wie eine hei\u00dfe Kartoffel. Im heutigen  Soziologendeutsch nennt man es prek\u00e4re Lebensverh\u00e4ltnisse.<\/p>\n<p>Also doch lieber den Euro in den Hut werfen? Patentrezepte gibt es  nicht. Aber bedenkenswert ist doch, dass alle gro\u00dfen Religionen die  Unterst\u00fctzung der Armen als eine Tugend sehen. Die Verpflegung und  Beherbergung von Armen und Kranken ist ein Werk der Barmherzigkeit. Der  barmherzige Samariter ist geradezu sprichw\u00f6rtlich geworden.<\/p>\n<p>Doch die Beziehung zwischen dem Schenkenden und dem Beschenkten ist  nicht einseitig. Gerade das Mittelalter ist da lehrreich. So soll es  Brauch gewesen sein, dass die Bettler f\u00fcr den Geber beteten. Der Bettler  hatte eine Aufgabe, erbrachte quasi im Gegenzug f\u00fcr die Gabe eine  Dienstleistung. Die F\u00fcrbitte war der Nutzen des Gebers. Einem anderen  Menschen in der Zwiesprache mit Gott Gutes w\u00fcnschen, ihn zu bedenken,  ist nicht wenig.<\/p>\n<p>Doch auch in anderer Weise ist der Bettler dem Schenkenden eine  Hilfe. Die Freiheit zu haben, etwas abzugeben, ist auch eine Form von  Lebenserf\u00fcllung. Zur F\u00fclle des Lebens geh\u00f6rt offenbar das Bed\u00fcrfnis des  Gebens und Schenkens. Trotz des zu Recht beklagten Egoismus in der  Gesellschaft hat der Mensch so etwas wie ein Grundbed\u00fcrfnis, anderen  etwas zu schenken.<\/p>\n<p>Der andere muss aber ein sichtbares Gegen\u00fcber sein. Dem anonymen  Staat gibt man nichts, den Opfern der Flutkatastrophe schon. Einfach  etwas zu schenken, ohne Vorbedingung und ohne die Erwartung, etwas  zur\u00fcckzubekommen \u2013 das kann das Leben bereichern.<\/p>\n<p>Kurt-Helmuth Eimuth<\/p>\n<p>Evangelisches Frankfurt Dezember 2006<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Betteln ist eine Herausforderung. Die Bettler und zunehmend auch die Bettlerinnen st\u00f6ren. Unwillk\u00fcrlich schaut man hin, um doch so zu tun, als s\u00e4he man nichts. Die Bettler unterbrechen den Gang, sie brechen die weihnachtliche Einkaufsstimmung, sie verunsichern. Betteln geh\u00f6rt zum st\u00e4dtischen Leben einfach dazu. 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