{"id":652,"date":"2007-09-01T17:52:23","date_gmt":"2007-09-01T17:52:23","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=652"},"modified":"2007-09-01T17:52:23","modified_gmt":"2007-09-01T17:52:23","slug":"abschied-vom-pfarrhaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=652","title":{"rendered":"Abschied vom Pfarrhaus"},"content":{"rendered":"<h3>Der Trend geht zur Multifunktions-Kirche<\/h3>\n<p>Welche R\u00e4ume eine Kirchengemeinde braucht, h\u00e4ngt immer auch mit dem  gesellschaftlichen Umfeld zusammen. Bis ins fr\u00fche 20. Jahrhundert stand  das Pfarrhaus im Zentrum des evangelischen Gemeindelebens. Vorbild war  dabei das Wittenberger Heim des Reformators Martin Luther und seiner  Ehefrau, Katharina von Bora.<\/p>\n<p>Glaubt man den zahlreichen Beschreibungen in der Belletristik, so  lebten die Pfarrersleut\u2019 fr\u00fcher in einer geradezu biedermeierlichen  Idylle. Ihr Haus wurde zum Beispiel f\u00fcr eine christliche Lebenskultur.  Dort war der Ort f\u00fcr Hausandachten, f\u00fcr diakonische T\u00e4tigkeiten wie die  Speisung von Armen \u2013 meist durch die Frau des Pfarrers \u2013 und  Bildungsveranstaltungen, etwa dem Konfirmandenunterricht. Wie  selbstverst\u00e4ndlich war die ganze Pfarrfamilie im Gemeindeleben  engagiert. Selbst in Sachen des Gem\u00fcseanbaus war der Pfarrgarten  beispielgebend.<\/p>\n<p>In der Folge wurde das evan\u00adgelische Pfarrhaus, so der  Schriftsteller Rolf Schneider, \u201ef\u00fcr Deutschland eine Institution, ein  fester zivilisatorischer Topos.\u201c Das protestantische Pfarrhaus in  Deutschland ist demnach \u201estreng patriarchalisch organisiert und  kinderreich. Die R\u00e4ume sind dunkel. Im B\u00fccherschrank stehen die  gesammelten Musterpredigten aus dem Hause Bertelsmann. Der Nachwuchs tut  flei\u00dfig mit im Kirchenchor. Die Frau Pastor ist eine graue Maus, die  das Gew\u00fcrzg\u00e4rtlein bestellt und sonst wenig zu bestimmen hat. Der  Hausherr selbst ist ein dauerl\u00e4chelnder selbstverliebter Pfeifenraucher,  umwimmelt von l\u00e4rmenden Konfirmanden und dem\u00fctigen Diakonissen.\u201c<\/p>\n<p>So wenig man heute noch junge Frauen bei den Diakonissen findet, so  wenig gibt es noch das klassische evangelische Pfarrhaus, auch wenn die  Pfarrwohnungen oft noch Amtszimmer und Konfirmandensaal aufweisen. Mit  der Ver\u00e4nderung der Lebensr\u00e4ume entstanden am Anfang des 20.  Jahrhunderts \u00fcberall Gemeindeh\u00e4user. Neben neuen Gottesdienstorten f\u00fcr  eine geradezu explodierende Stadtbev\u00f6lkerung konnten so auch weitere  Bed\u00fcrfnisse abgedeckt werden. In den kleinen Stadtwohnungen gab es meist  keinen Platz f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Versammlungen. So wurden die Kirchengemeinden  zu einem wichtigen Ort \u00f6ffentlichen Lebens.<\/p>\n<p>In den 1960er Jahren kamen weitere Aufgaben hinzu: Kirchen\u00ad  musikalische Arbeit, Frauenkreise, Gruppen der Familien- und  Erwachsenenbildung, Jungschar, Jugendkreis, Pfadfinder oder  Theaterkreise fanden hier ihre Heimat. Oft wurden diese Angebote  initiiert und unterst\u00fctzt von Gemeindep\u00e4dagoginnen und -p\u00e4\u00ad dagogen, die  in den 70er Jahren in gro\u00dfer Zahl angestellt wurden.<br \/>\nHeute zeichnet sich hingegen eine Konzentration auf eher funktional  genutzte Kirchen ab. Gemeinden stellen wieder st\u00e4rker Gottesdienst und  Seel\u00ad sorge in den Mittelpunkt. Eine Renaissance des protestantischen  Pfarrhauses im Stil des 19. Jahrhunderts d\u00fcrfte allerdings  ausgeschlossen sein. Da gibt es wohl keinen Bedarf.<\/p>\n<p>Kurt-Helmuth Eimuth<\/p>\n<h6>Evangelisches Frankfurt Sept 2007<\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Trend geht zur Multifunktions-Kirche Welche R\u00e4ume eine Kirchengemeinde braucht, h\u00e4ngt immer auch mit dem gesellschaftlichen Umfeld zusammen. Bis ins fr\u00fche 20. Jahrhundert stand das Pfarrhaus im Zentrum des evangelischen Gemeindelebens. 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