{"id":636,"date":"2007-11-01T17:35:05","date_gmt":"2007-11-01T17:35:05","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=636"},"modified":"2007-11-01T17:35:05","modified_gmt":"2007-11-01T17:35:05","slug":"anlass-zur-umkehr-gibt-es-genug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=636","title":{"rendered":"Anlass zur Umkehr gibt es genug"},"content":{"rendered":"<div id=\"eintrag-603\">\n<h6>Evangelisches Frankfurt November 2007<\/h6>\n<div><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/evangelischesfrankfurt.de\/images\/2007\/11\/seite02_links.jpg\" alt=\"Foto\" \/><\/div>\n<p>Vor gut zehn Jahren verschwand er als gesetzlicher Feiertag, und  heute, so scheint es, ist er schon v\u00f6llig in Vergessenheit geraten: der  Bu\u00df- und Bettag. Selbst die evangelische Kirche scheint ihn nicht so  richtig ernst zu nehmen. Wie sonst ist es zu erkl\u00e4ren, dass auch der  Terminkalender kirchlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am 21.  November so prall gef\u00fcllt ist wie an jedem anderen Tag? Das ist wohl  auch der Grund, warum der zentrale Gottesdienst in der Katharinenkirche  an der Hauptwache von 10 Uhr auf 19 Uhr verlegt wurde. Auch der  kirchliche Betrieb legt eben f\u00fcr den Bu\u00df- und Bettag keine Pause mehr  ein.<\/p>\n<p>So halbherzig wie die evangelische Kirche mit diesem  protestantischen Feiertag umgeht, so halbherzig hat sie seinerzeit auch  ihre Stimme gegen seine Abschaffung erhoben. Schlie\u00dflich sollte der  Verzicht auf den arbeitsfreien Tag einem guten Zweck dienen, n\u00e4mlich der  Finanzierung der Pflegeversicherung: Die Mehrarbeit der Arbeitnehmer  sollte die Mehrbelastung der Arbeitgeber ausgleichen. \u00dcbrigens gab es  den Bu\u00df- und Bettag als arbeitsfreien Tag auch in der DDR. Dort hat man  ihn 1966 f\u00fcr die Einf\u00fchrung der F\u00fcnf-Tage-Woche gestrichen.<\/p>\n<p>Am Bu\u00df- und Bettag geht es um die Umkehr zu Gott, um eine  Haltungs\u00e4nderung also. In Frankfurt gab es  fr\u00fcher die Tradition eines  \u00f6kumenischen Bu\u00dfgangs an diesem Tag. Es war ein Gang  zu Orten der  Stadtzerst\u00f6rung und der sozialen Herausforderung. Heute w\u00e4ren wohl das  Arbeitsamt und die Obdachlosenunterkunft, die Stadtautobahn oder der  Hauptbahnhof geeignete Stationen. Schlie\u00dflich schreien Themen wie  Arbeitslosigkeit, Armut, Umweltzerst\u00f6rung oder Privatisierung der Bahn  geradezu nach Umkehr. Es ist gut, wenn Christinnen und Christen konkrete  Schlussfolgerungen aus dem Auftrag ziehen, die Sch\u00f6pfung zu bewahren.  Doch mit der Abschaffung des Bu\u00df- und Bettages wurde ein regelm\u00e4\u00dfiger  Anlass daf\u00fcr aus dem kollektiven Ged\u00e4chtnis entfernt.<\/p>\n<p>Die Abschaffung des Bu\u00df- und Bettages war ein Schritt hin zu einer  Gesellschaft, die zwischen Alltag und Feiertag nicht mehr unterscheidet.  Nur m\u00fchsam und mit Einschr\u00e4nkungen gelang es, den Sonntag vor den  Interessen des Einzelhandels vorerst zu sch\u00fctzen. Doch die  Begehrlichkeiten bleiben. Kurzsichtiges Konsumdenken sollte das  Kulturgut der arbeitsfreien Tage nicht zerst\u00f6ren. Menschliches Leben ist  mehr als Arbeiten und Konsumieren. Daf\u00fcr stehen Feiertage. Sie  abzuschaffen macht die Einzelnen, aber auch eine s\u00e4kular gepr\u00e4gte  Gesellschaft \u00e4rmer.<\/p>\n<p>Kurt-Helmuth Eimuth<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Evangelisches Frankfurt November 2007 Vor gut zehn Jahren verschwand er als gesetzlicher Feiertag, und heute, so scheint es, ist er schon v\u00f6llig in Vergessenheit geraten: der Bu\u00df- und Bettag. Selbst die evangelische Kirche scheint ihn nicht so richtig ernst zu nehmen. 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