{"id":634,"date":"2007-11-01T17:32:27","date_gmt":"2007-11-01T17:32:27","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=634"},"modified":"2007-11-01T17:32:27","modified_gmt":"2007-11-01T17:32:27","slug":"kirchen-in-konkurrenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=634","title":{"rendered":"Kirchen in Konkurrenz"},"content":{"rendered":"<h6>Evangelisches Frankfurt November 2007<\/h6>\n<p><strong>In Zeiten zur\u00fcckgehender Mitgliederzahlen  und nachlassender Milieubindung setzen die Konfessionen auf Abgrenzung,  um das eigene Profil zu sch\u00e4rfen.<\/strong><\/p>\n<p>Als \u00d6kumene wird gemeinhin das Miteinander der katholischen und  evangelischen Kirche bezeichnet. Nach r\u00f6mischem Verst\u00e4ndnis ist dieser  Satz schon falsch, denn die katholische Kirche ist nach eigener  Auffassung die einzig wahre Kirche. Die Orthodoxen werden als  Schwesterkirchen verstanden, alle anderen, ob lutherisch, reformiert,  anglikanisch oder baptistisch, sind \u2013 so der feine Unterschied \u2013  lediglich \u201ekirchliche Gemeinschaften\u201c.<\/p>\n<p>Solchen theologischen Spitzfindigkeiten zum Trotz geht auf der  praktischen Ebene dennoch vieles gemeinsam: In Frankfurt zum Beispiel  erscheint seit 1970 das \u201e\u00d6kumenische Kirchliche Jahrbuch\u201c, in dem alle  Anschriften kirchlicher Dienststellen gesammelt sind. Oder es gibt das  \u00f6kumenische Reformationsgedenken: Ausgerechnet an dem Tag, der wie kein  anderer f\u00fcr die Trennung der Kirchen steht, setzen Evangelische und  Katholische sich gemeinsam mit einem aktuellen Thema auseinander. Diese  Traditionen stammen jedoch aus einer Zeit des \u00f6kumenischen Aufbruchs. Ob  so etwas heute noch einmal gestartet werden k\u00f6nnte, erscheint fraglich.  Denn auch am Main weht zwischen den Konfessionen heute ein rauerer  Wind. Der \u00f6kumenische Beratungsdienst an der Hauptwache wurde  geschlossen \u2013 beiden Partnern war wohl der Einspareffekt wichtiger als  die Symbolkraft einer gemeinsamen Einrichtung. Der katholische  Kirchenladen an der Liebfrauenkirche h\u00e4tte als \u00f6kumenischer Kirchenladen  ein Gewinn f\u00fcr die Mitglieder beider Kirchen sein k\u00f6nnen. Doch das  wurde vom katholischen Bischof strikt abgelehnt. Andererseits verkaufte  der Kirchenladen auch Eintrittskarten zum evangelischen Kirchentag.<\/p>\n<p>Bei der wichtigsten Frage, die beide Kirchen derzeit umtreibt, der  Nutzung von Kirchen und Gemeindeh\u00e4usern, gibt es ebenfalls kein  Gespr\u00e4ch. Besonders absurd ist das im Neubaugebiet am Riedberg: Eine  gemeinsame Kirche f\u00fcr beide Konfessionen und daneben je ein eigenes  Gemeindezentrum h\u00e4tte doch f\u00fcr Organisationen, die unter einer  angespannten Finanzlage leiden, nahe gelegen.<\/p>\n<p>Immerhin ist in vielen Stadtteilen der so genannte Kanzeltausch  selbstverst\u00e4ndlich. Dies bedeutet, dass die Geistlichen im Gottesdienst  der jeweils anderen Konfession predigen. In der kirchlichen Praxis vor  Ort werden dogmatische Unterschiede n\u00e4mlich weit weniger beachtet als an  der Spitze. Theologische Probleme h\u00e4lt man hier eher f\u00fcr \u201eProbleme der  Theologen\u201c.<\/p>\n<p>Kurt-Helmuth Eimuth<\/p>\n<h3>\u201eWir kommen in den Himmel!\u201c<\/h3>\n<p>Im Privaten hat die evangelisch-katholische Zusammenarbeit schon  immer weit besser funktioniert als auf kirchenoffizieller Ebene. Mit  ironischem Augenzwinkern schilderte etwa der Frankfurter Dichter  Friedrich Stoltze seine \u201eMischehe\u201c mit der Katholikin Mary Messenzehl.  Als die beiden im Jahr 1849 in der Katharinenkirche heirateten, war Mary  bereits zum dritten Mal schwanger. Stoltzes Gedicht \u201eMischehe\u201c erschien  am 26. August 1882 in der \u201eFrankfurter Latern\u201c:<\/p>\n<div><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/evangelischesfrankfurt.de\/images\/2007\/11\/seite04_rechts.jpg\" alt=\"Foto\" \/><\/div>\n<p>Wir armes altes Ehepaar!<br \/>\nAch wehe! Wehe! Wehe!<br \/>\nWir leben schon so manches Jahr<br \/>\nIn einer wilden Ehe!<\/p>\n<p>Den lutherischen Dickkopf, ach,<br \/>\nAnstatt ihn zu verfehmen,<br \/>\nWarst du, o Frau, dereinst so schwach,<br \/>\nZu lieben und zu nehmen!<\/p>\n<p>Und weil du Katholikin bist<br \/>\nUnd ich hab\u2019 dir gefallen,<br \/>\nSo hat dich nun der Antichrist,<br \/>\nDer Teufel in den Krallen.<\/p>\n<p>Ein Pfarrer hat uns zwar getraut,<br \/>\nDoch luth\u2019risch-diabolisch,<br \/>\nUnd Gott war nicht davon erbaut,<br \/>\nDenn Gott ist streng katholisch.<\/p>\n<p>Und was mich ganz besonders beugt,<br \/>\nDenn es verdiente Hiebe:<br \/>\nDie Kinder all, die wir erzeugt,<br \/>\nSind Kinder, ach, der Liebe!<\/p>\n<p>Verschlossen ist die Kirche dir,<br \/>\nZu meiner ist\u2019s noch weiter;<br \/>\nWenn Andre beten, m\u00fcssen wir<br \/>\nSpazieren gehen leider.<\/p>\n<p>Du darfst zu keiner Ohrenbeicht<br \/>\nUnd mu\u00dft sie ewig missen; \u2013<br \/>\nDu machst dir selbst die Seele leicht:<br \/>\nDu hast ein gut Gewissen!<\/p>\n<p>Und stie\u00df man dich auch grausam aus<br \/>\nWie S\u00fcndenrost und Schimmel, \u2013<br \/>\nWir machen uns den Teufel draus<br \/>\nUnd kommen in den Himmel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Evangelisches Frankfurt November 2007 In Zeiten zur\u00fcckgehender Mitgliederzahlen und nachlassender Milieubindung setzen die Konfessionen auf Abgrenzung, um das eigene Profil zu sch\u00e4rfen. 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