{"id":5602,"date":"2025-09-11T15:31:43","date_gmt":"2025-09-11T13:31:43","guid":{"rendered":"https:\/\/eimuth.de\/?p=5602"},"modified":"2025-09-11T15:31:43","modified_gmt":"2025-09-11T13:31:43","slug":"differenzfeminismus-und-die-fragilitaet-der-demokratie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=5602","title":{"rendered":"Differenzfeminismus und die Fragilit\u00e4t der Demokratie:"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Antje Schrupp erh\u00e4lt Luise-B\u00fcchner-Preis<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Antje.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"655\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Antje-655x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5604\" style=\"width:164px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Antje-655x1024.jpg 655w, https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Antje-192x300.jpg 192w, https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Antje-768x1200.jpg 768w, https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Antje-983x1536.jpg 983w, https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Antje-1310x2048.jpg 1310w, https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Antje.jpg 1553w\" sizes=\"auto, (max-width: 655px) 100vw, 655px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>In ihrem neuen Buch \u201eUnter allen Umst\u00e4nden frei\u201c stellt Antje Schrupp drei revolution\u00e4re Feministinnen vor, die zwischen 1870 und 1920 aktiv waren. Ein roter Faden durch das Werk ist die Figur Anthony Comstocks, eines ehemaligen Postinspektors, der sich im fr\u00fchen 20. Jahrhundert der Bek\u00e4mpfung von freier Liebe, Pornografie, Empf\u00e4ngnisverh\u00fctung, Abtreibung und geschlechtlicher Vielfalt verschrieben hatte. Comstocks Gesetze gegen den Versand \u201eobsz\u00f6nen Materials\u201c seien heute noch in Kraft und w\u00fcrden in der Trump-Administration reaktiviert, um beispielsweise den Versand von Abtreibungsmedikamenten zu verhindern. Dies zeige exemplarisch, wie gesellschaftliche Errungenschaften, die als selbstverst\u00e4ndlich galten, schnell wieder au\u00dfer Kraft gesetzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die drei von Schrupp portr\u00e4tierten Feministinnen \u2013 Victoria Woodhull, Lucy Parsons und Emma Goldman \u2013 vertraten sehr unterschiedliche Ansichten. W\u00e4hrend Woodhull, die erste Pr\u00e4sidentschaftskandidatin, sich f\u00fcr das Wahlrecht einsetzte, kritisierten Parsons (eine aus der Sklaverei befreite Anarchistin) und Goldman (eine bekannte Anarchistin) das Wahlrecht scharf. Sie argumentierten, es sei nutzlos, solange die Gesellschaft durch Armut, Rassismus und Ausbeutung ungerecht bleibe und diene letztlich nur dazu, Unterdr\u00fcckung zu legitimieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Luise B\u00fcchner-Gesellschaft \u201ezeichnet mit dem Luise-B\u00fcchner-Preis 2025 eine engagierte Publizistin aus, die sich f\u00fcr das Begehren der Frauen einsetzt, historische Bez\u00fcge erl\u00e4utert und zu aktuellen Themen klar Stellung bezieht.\u201c, so die Begr\u00fcndung der Jury. Es wird hervorgehoben, dass f\u00fcr sie nicht die Gemeinsamkeit von Frauen, sondern gerade deren Verschiedenheit entscheidend ist. Sie versteht Feminismus nicht als Durchsetzung von \u201eFraueninteressen\u201c, sondern als Plattform, um die vielf\u00e4ltigen und oft kontroversen Themen, die Frauen untereinander diskutieren, in den gesellschaftlichen Mittelpunkt zu r\u00fccken und ihnen mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Schrupp-Sendeband.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Differenzfeminismus und die Fragilit\u00e4t der Demokratie: Antje Schrupp erh\u00e4lt Luise-B\u00fcchner-Preis\" width=\"495\" height=\"278\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/AUHsaT5ojRI?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n\n\n<p>Feminismus sei nach Schrupps \u00dcberzeugung selbstverst\u00e4ndlich weiterhin notwendig. Gleichberechtigung allein reiche nicht aus, da sie \u201ekein Naturgesetz\u201c sei und schnell wieder verloren gehen k\u00f6nne, wie die aktuellen Entwicklungen in den USA zeigen. Es bed\u00fcrfe eines kulturellen Wandels und einer Autorit\u00e4t f\u00fcr Frauen in dem, was sie sagen \u2013 etwas, das noch lange nicht gegeben sei. Auch in emanzipierten Gesellschaften gebe es noch offene Baustellen, wie das Abtreibungsverbot in einigen L\u00e4ndern oder die ungeregelte Care-Arbeit, die \u00fcberwiegend von Frauen unbezahlt geleistet wird und in der Volkswirtschaft kaum Ber\u00fccksichtigung findet. Diese unbezahlte Arbeit sei jedoch fundamental f\u00fcr das Funktionieren der Gesellschaft und Wirtschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Schrupp zieht Parallelen zwischen diesem \u201eGoldenen Zeitalter\u201c vor dem Ersten Weltkrieg in den USA und der heutigen Situation. Damals wie heute seien ungez\u00fcgelter Kapitalismus, Rassismus und Ausl\u00e4nderfeindlichkeit pr\u00e4gend gewesen. Die Geschichte der sozialen K\u00e4mpfe in dieser Zeit sei nicht von stetigem Fortschritt gepr\u00e4gt gewesen, sondern von einem permanent schlechter werdenden Zustand, gegen den die Menschen ank\u00e4mpfen mussten. Die Autorin warnt davor, die Nachhaltigkeit unserer Demokratie zu \u00fcbersch\u00e4tzen und sich auf formale Gleichheit zu verlassen. Die zunehmende politische Macht sehr reicher Individuen und globalisierter Unternehmen in den USA erinnere an die \u201eTrusts\u201c der damaligen Zeit und stelle die Neutralit\u00e4t des Staates in Frage.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts der systematisch geplanten \u201eKulturrevolution\u201c in den USA und des Erstarkens antifeministischer und antidemokratischer Bewegungen weltweit \u2013 von Russland \u00fcber die T\u00fcrkei bis hin zu nationalistischen Tendenzen in Europa \u2013 sei die Frage berechtigt, ob wir \u201eein bisschen zu wenig revolution\u00e4r\u201c gewesen seien. Die These, dass das, was Frauen in den letzten 100 Jahren ins Rollen gebracht haben, nicht mehr zur\u00fcckzudrehen sei, teilt Schrupp zwar im Grundsatz, jedoch warnt sie vor Selbstzufriedenheit. Das Vertrauen in einen neutralen und gerechten Staat stehe auf dem Pr\u00fcfstand, insbesondere wenn sich der Kipppunkt der Funktionsf\u00e4higkeit staatlicher Strukturen in L\u00e4ndern wie den USA bereits \u00fcberschritten zu haben scheint.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Preisverleihung des Luise-B\u00fcchner-Preises an Anti Schrup findet am 23. November um 11 Uhr in der Orangerie Darmstadt statt<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zur Person:<\/strong><br>Dr. Antje Schrupp: Die 1964 in Weilburg promovierte im Fachbereich Gesellschaftswissenschaften in Frankfurt mit einer Arbeit zur weiblichen politischen Ideengeschichte, \u00fcbernahm 2001 kommissarisch die Leitung der Evangelischen \u00d6ffentlichkeitsarbeit, war Redakteurin<br>der Zeitung \u201eFrauen unterwegs\u201c und Mitbegr\u00fcnderin des Online-Forums \u201eBeziehungsweise weiterdenken\u201c. Antje Schrupp lebt in Frankfurt. Sie schreibt B\u00fccher, Essays und Radiobeitr\u00e4ge, sie ist Bloggerin und ver\u00f6ffentlicht ihre Artikel in der Taz, Zeit-Online, Deutschlandfunk Kultur und vielen anderen Medien. Zuletzt sind ihre B\u00fccher \u201eReproduktive Freiheit. Eine feministische Ethik der Fortpflanzung\u201c (2022) im Unrast Verlag erschienen, \u201eSchwangerwerdenk\u00f6nnen. Essay \u00fcber K\u00f6rper, Geschlecht und Politik\u201c (2019) im Ulrike Helmer Verlag. Weitere Titel sind u.a. \u201eWas w\u00e4re wenn? \u00dcber das Begehren und die Bedingungen weiblicher Freiheit\u201c und \u201eMethusalems M\u00fctter. Chancen des demografischen Wandels\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Antje Schrupp erh\u00e4lt Luise-B\u00fcchner-Preis In ihrem neuen Buch \u201eUnter allen Umst\u00e4nden frei\u201c stellt Antje Schrupp drei revolution\u00e4re Feministinnen vor, die zwischen 1870 und 1920 aktiv waren. 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