{"id":542,"date":"2008-03-01T22:03:19","date_gmt":"2008-03-01T22:03:19","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=542"},"modified":"2008-03-01T22:03:19","modified_gmt":"2008-03-01T22:03:19","slug":"schindlers-letzte-jahre-in-frankfurt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=542","title":{"rendered":"Schindlers letzte Jahre in Frankfurt"},"content":{"rendered":"<div id=\"eintrag-662\">\n<h6>Evangelisches Frankfurt M\u00e4rz 2008<\/h6>\n<h2>Schindlers letzte Jahre in Frankfurt<br \/>\nDer Retter von 1200 Menschen w\u00e4re in diesem Jahr 100 geworden<\/h2>\n<p>Mit einigem Herzklopfen, so erinnerte sich sp\u00e4ter der inzwischen  verstorbene Frankfurter Propst Dieter Trautwein, stieg er damals die  Treppen im Haus Am Hauptbahnhof 4 hinauf. Trautwein hatte den Namen  Oskar Schindler 1966 in Israel entdeckt. In Yad Vashem, der Gedenkst\u00e4tte  f\u00fcr die sechs Millionen w\u00e4hrend des Nationalsozialismus ermordeten  J\u00fcdinnen und Juden, standen dieser Name und der L\u00e4nderhinweis  \u201eAllemagne\u201c an einem Baum in der \u201eAllee f\u00fcr die andersgl\u00e4ubigen  gerechten Helfer\u201c.<\/p>\n<p>Wenig sp\u00e4ter bekam Trautwein f\u00fcr eine \u201eWerkmappe zur Reformation\u201c  die Geschichte jenes Mannes, der \u00fcber 1200 Menschen vor dem Tode bewahrt  hatte, als literarisches Beispiel geliefert. Als Trautwein, der damals  Jugendpfarrer in Frankfurt war, schlie\u00dflich noch den Hinweis bekam, dass  Oskar Schindler keineswegs eine literarische Erfindung, sondern eine  h\u00f6chst reale Person sei, die zudem noch in Frankfurt wohne, machte er  sich kurzentschlossen auf den Weg. \u201eOben im letzten Stock an der letzten  T\u00fcr rechts war tats\u00e4chlich ein kleines handgeschriebenes Schild \u201eOskar  Schindler\u201c, so Trautwein.<\/p>\n<p>\u201eIch klingelte. Ein Mann \u00f6ffnete. Ich fragte: \u201aHei\u00dfen Sie\u2026sind  Sie\u2026?\u2019 \u201aJa\u2019, antwortete mein Gegen\u00fcber. Ich stellte mich vor, und er  lie\u00df mich eintreten. Sofort hielt ich ihm die Druckfahnen hin und  fragte: \u201aSagen Sie mir bitte, ob das, was hier steht, mit Ihnen zu tun  hat?\u2019 Bald schon gab er mir das Papier zur\u00fcck und sagte: Ja, das ist  meine Geschichte, es stimmt nicht im Einzelnen so genau, aber das  Wesentliche ist schon wiedergegeben.\u201c<\/p>\n<p>Wenige Wochen sp\u00e4ter sa\u00df Oskar Schindler beim Evangelischen  Jugendtag 1967 im Dominikanerkloster auf dem Podium, um dort nicht nur  die \u2013 m\u00f6glicherweise erste \u2013 literarische Verarbeitung seiner  Rettungstat zu sehen, sondern auch, um aus seinem Leben zu berichten.  Auf dem Podium war damals auch Leopold Pfefferberg, einer jener  geretteten \u201eSchindler-Juden\u201c. Es war dieser Leopold Page, wie er sich in  seiner neuen Heimat Los Angeles nannte, der die Geschichte von Oskar  Schindler dem australischen Schriftsteller Thomas Keneally erz\u00e4hlte.  Keneally schrieb daraufhin den biografischen Roman \u201eSchindlers Liste\u201c,  den Steven Spielberg sp\u00e4ter verfilmte und durch den der Name von Oskar  Schindler und seine Rettungstat, die \u00fcber 1200 J\u00fcdinnen und Juden vor  dem Tod im Konzentrationslager bewahrte, in aller Welt bekannt wurde.<\/p>\n<p>Doch diese Ber\u00fchmtheit kam erst zwanzig Jahre nach Schindlers Tod im  Jahr 1974. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Schindler als eher  unbekannter Mann, der in einfachen Verh\u00e4ltnissen lebte, in Frankfurt.  Hier versuchte er auch einen wirtschaftlichen Neubeginn, musste aber mit  seiner Zementfabrik Konkurs anmelden.<\/p>\n<p>In diesem Jahr, am 28. April, w\u00e4re Oskar Schindler hundert Jahre alt  geworden. Heute erinnert an ihn in Frankfurt nicht nur eine Ausstellung  im J\u00fcdischen Museum, sondern auch eine Bronzetafel an seinem letzten  Wohnhaus im Bahnhofsviertel sowie seit 1976 die Oskar Schindler-Stra\u00dfe  in Bonames: kein gro\u00dfes Denkmal, wie Dieter Trautwein seinerzeit,  kritisierte, sondern \u201elediglich eine<br \/>\nKleinstra\u00dfe am Ortsrand.\u201c<\/p>\n<p>Kurt-Helmuth Eimuth<\/p>\n<p>Zum Weiterlesen: Dieter Trautwein: Oskar Schindler \u2013 immer neue Geschichten, Societ\u00e4ts-Verlag.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Evangelisches Frankfurt M\u00e4rz 2008 Schindlers letzte Jahre in Frankfurt Der Retter von 1200 Menschen w\u00e4re in diesem Jahr 100 geworden Mit einigem Herzklopfen, so erinnerte sich sp\u00e4ter der inzwischen verstorbene Frankfurter Propst Dieter Trautwein, stieg er damals die Treppen im Haus Am Hauptbahnhof 4 hinauf.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[4,82,14],"class_list":["post-542","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel","tag-frankfurt","tag-schindler","tag-trautwein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/542","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=542"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/542\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=542"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=542"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=542"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}