{"id":516,"date":"2008-05-01T21:34:21","date_gmt":"2008-05-01T21:34:21","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=516"},"modified":"2008-05-01T21:34:21","modified_gmt":"2008-05-01T21:34:21","slug":"wie-konnte-gott-das-zulassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=516","title":{"rendered":"Wie konnte Gott das zulassen?"},"content":{"rendered":"<div id=\"eintrag-771\">\n<h6>Evangelisches Frankfurt Mai 2008<\/h6>\n<h2>Wie konnte Gott das zulassen?<\/h2>\n<p>Es war eine Trag\u00f6die mit Symbolwert: Vor 25  Jahren st\u00fcrzte ein Starfighter w\u00e4hrend einer Milit\u00e4r-Flugschau auf das  Auto eines friedensbewegten Pfarrers: Martin J\u00fcrges und seine Familie  verbrannten in den Tr\u00fcmmern.<\/p>\n<p>Weit \u00fcber tausend Menschen waren am 30. Mai 1983 zur Trauerfeier in  die Katharinenkirche  gekommen. Bis auf die Zeil standen sie, um der  Familie J\u00fcrges die letzte Ehre zu geben, die auf unfassbare Weise ums  Leben gekommen war.<\/p>\n<p>Pfingstsonntag vor 25 Jahren: Pfarrer Martin J\u00fcrges h\u00e4lt in der  Gutleutkirche den Gottesdienst. Es ist Bilderbuchwetter \u2013 genau richtig  f\u00fcr einen Familienausflug. Am fr\u00fchen Nachmittag f\u00e4hrt die Familie los.  Zur gleichen Zeit vergn\u00fcgen sich Tausende bei der Kirmes vor dem  W\u00e4ldchestag am Oberforsthaus sowie bei einer Flugschau der  amerikanischen Streitkr\u00e4fte am Rhein-Main-Flughafen.<\/p>\n<div><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/evangelischesfrankfurt.de\/images\/2008\/05\/seite07_rechts.jpg\" alt=\"Pfarrer Martin J\u00fcrges beim Kirchentag in N\u00fcrnberg im Jahr 1979. | Foto: Kurt-Helmuth Eimuth\" \/><\/p>\n<div>\n<div>Pfarrer Martin J\u00fcrges beim Kirchentag in N\u00fcrnberg im Jahr 1979.<\/div>\n<div>Foto: Kurt-Helmuth Eimuth<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Als sich einer der Milit\u00e4rjets aus der Formation l\u00f6st, passiert der  hellblaue Peugot-Kombi der Pfarrersfamilie gerade den Autobahnzubringer  beim Waldstadion. Die brennenden Wrackteile des abst\u00fcrzenden Flugzeugs  knallen auf den Wagen. Martin J\u00fcrges (40), seine Frau Irmtraud (38),  sein Sohn Jan (11), seine Tochter Katharina (1) und seine Mutter Erna  (77) verbrennen im Auto. Die 19j\u00e4hrige Nichte Gesine Wagner erliegt 81  Tage sp\u00e4ter ihren schweren Verletzungen. Auch heute, nach einem  Vierteljahrhundert, schaut man sich fassungslos die Bilder an. Eine  ganze Familie ausgel\u00f6scht. Warum?<\/p>\n<p>Martin J\u00fcrges und Irmtraud J\u00fcrges-Kiesling haben in Frankfurt viele  junge Menschen gepr\u00e4gt. Beide arbeiteten im Stadtjugendpfarramt, er als  Stadtjugendpfarrer, sie als Sozialarbeiterin. Ihre Mitwirkung beim Kir\u00ad  chentag, die Ausrichtung von Sacro-Pop-Festivals, ihre Einmischung in  die Kommunalpolitik mit der Initiative \u201ePolitische Obdachlose\u201c, die  Untersuchung alternativer Lebensstile, die aktive Jugendpolitik, die  praktizierte \u00d6kumene \u2013 alles Stichworte, die die Breite und den  Aktionsradius der beiden andeuten.<\/p>\n<p>Die Nato wollte damals aufr\u00fcsten. Dagegen formierte sich die  Friedensbewegung unter dem Slogan \u201eFrieden schaffen ohne Waffen\u201c. Lila  T\u00fccher, mit diesem Motto bedruckt, lagen schon im Keller der  Gutleutgemeinde bereit, wo Martin J\u00fcrges seit knapp zwei Jahren Pfarrer  war. Und dann kommt die Familie genau durch so eine Waffe ums Leben.<\/p>\n<p>Wie konnte Gott dieses Ungl\u00fcck nur zulassen? Diese Frage ist wohl so  alt wie die Vorstellung von Gott selbst. Krieg, Naturkatastrophen und  famili\u00e4res Ungl\u00fcck lassen zweifeln. Doch der Mensch, so erz\u00e4hlt die  Bibel, ist geschaffen als Wesen mit eigenem Willen. Es stimmt eben  nicht, dass Gott lenkt und der Mensch denkt. Die \u00dcbel dieser Welt sind  oft genug Menschenwerk. Aber Gott ist bei den Leidenden. Gott leidet  mit. Gott war an diesem Pfingstsonntag vor 25 Jahren auch bei der  Familie J\u00fcrges. Dies symbolisiert das Kreuz, das von der  Paul-Gerhardt-Gemeinde zur Erinnerung am Rand der Einfahrt zu den  Sportverb\u00e4nden aufgestellt wurde.<\/p>\n<p>Trotzdem machen solche Trag\u00f6dien sprachlos. Da darf man klagen, so  wie es ein Lied der Gruppe Habakuk sagt, das damals zur Trauerfeier  gespielt wurde: \u201eMeine ganze Ohnmacht, was mich beugt und hemmt, bringe  ich vor Dich. Wandle sie in St\u00e4rke, Gott erbarme dich.\u201c<\/p>\n<p>Die Hoffnung, dass trotz Zerst\u00f6rung Neues wachsen kann, war auch die  Hoffnung von Martin J\u00fcrges. Im Jahr 1978 hatte er zu einem  Sacro-Pop-Konzert, das den Titel \u201eUnkraut Leben\u201c trug, geschrieben: \u201eUnd  das Unkraut Jesus war so lebendig, dass es nach dem Zertreten  weiterwuchs. Die Wurzeln waren so stark, sie waren nicht auszurotten.  Aus dieser Wurzel kommt auch heute neues Leben, sie sind stark genug, um  rauszuwachsen aus dem gleichgemachten Leben, und Mensch zu werden \u2013  eines sch\u00f6nen Tages.\u201c<\/p>\n<p>Kurt-Helmuth Eimuth<\/p>\n<p>An das Leben und Wirken der Familie J\u00fcrges erinnert  eine Ausstellung vom 21. Mai bis 1. Juni im Martin-J\u00fcrges-Haus der  Gutleutgemeinde, Gutleutstra\u00dfe 131. Er\u00f6ffnet wird sie am Dienstag, 20.  Mai, um 19 Uhr, einen Abend mit Texten und Musik gibt es dort am  Dienstag, 27. Juni, um 19 Uhr. Ein Gedenkgottesdienst findet am Sonntag,  25. Mai, um 10 Uhr in der Gutleutkirche, Gutleutstra\u00dfe 121, statt.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Evangelisches Frankfurt Mai 2008 Wie konnte Gott das zulassen? Es war eine Trag\u00f6die mit Symbolwert: Vor 25 Jahren st\u00fcrzte ein Starfighter w\u00e4hrend einer Milit\u00e4r-Flugschau auf das Auto eines friedensbewegten Pfarrers: Martin J\u00fcrges und seine Familie verbrannten in den Tr\u00fcmmern. 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