{"id":5130,"date":"2002-02-10T20:16:00","date_gmt":"2002-02-10T18:16:00","guid":{"rendered":"https:\/\/eimuth.de\/?p=5130"},"modified":"2023-06-08T20:21:34","modified_gmt":"2023-06-08T18:21:34","slug":"religioes-motivierter-terror-10-02-2002","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=5130","title":{"rendered":"Religi\u00f6s motivierter Terror (10.02.2002)"},"content":{"rendered":"\n<p>von Kurt-Helmuth Eimuth, Erschienen im FORUM<\/p>\n\n\n\n<p>Nichts ist so wie es einmal war. Nach dem 11. September 2001 hat die Welt sich ver\u00e4ndert. Ohne Zweifel. Der so \u00fcberraschende und in seiner Perfektion und Wirkung so kaltbl\u00fctig vorbereitete und durchgef\u00fchrte Terroranschalg in den USA ist unvergleichbar. Doch leider gab es schon h\u00e4ufiger Anla\u00df zu der Frage: was geht in einem Menschen vor, der sich und andere einem vermeintlich h\u00f6herem Ziel wegen umbringt?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Massen(selbst)mord im Urwald<\/p>\n\n\n\n<p>Das Recht, anderen Menschen die Existenzberechtigung zu- und abzuerkennen, nehmen sich Sektenf\u00fchrer auch in bezug auf ihre eigene Gefolgschaft. Die gro\u00dfen Sektenkatastrophen in den letzten drei Jahrzehnten belegen diesen grausamen Umstand.<\/p>\n\n\n\n<p>Im November 1978 war die Welt geschockt.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Auf Befehl ihres F\u00fchrers Jim Jones hatten 914 Mitglieder der Sekte &#8222;Peoples&#8216; Temple&#8220; (Volkstempel) in Guayana Selbstmord begannen. Diejenigen, die sich gestr\u00e4ubt hatten, waren ermordet worden. Unter den Opfern waren zahlreiche Kinder, die vom Staat Kalifornien der Sekte als Pflegekinder \u00fcberlassen worden waren. Vergeblich hatten die Beh\u00f6rden versucht, diese Kinder zur\u00fcckzuholen. Als eine Delegation von Kongre\u00dfabgeordneten die Machenschaften der Sekte untersuchen wollte, wurde sie auf dem Flughafen von Guayana niedergeschossen. Zwei Menschen starben bei diesem Mordanschlag, den die Anh\u00e4nger der &#8222;Peoples&#8216; Temple&#8220; ausf\u00fchrten. Nach diesem Mordanschlag wu\u00dfte Jim Jones keinen anderen Ausweg als den &#8222;w\u00fcrdigen Tod&#8220; f\u00fcr seine Anh\u00e4nger in der &#8222;white night&#8220; (wei\u00dfen Nacht).<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ranch Apocalypse&#8220;: Die Davidianer<\/p>\n\n\n\n<p>Im Fr\u00fchjahr 1993 folgte das Drama von Waco. Als die Polizei das festungsartig ausgebaute Anwesen der Davidianer-Sekte namens &#8222;Ranch Apocalypse&#8220; in Texas durchsuchen wollte, kam es zu einem heftigen Schusswechsel. Die Polizei schien auf solchen Widerstand nicht vorbereitet. Vier Polizisten starben, sechzehn wurden zum Teil schwer verletzt. Sechs Sektenmitglieder starben vermutlich ebenfalls bei dieser Schie\u00dferei. Die Polizei zog sich zur\u00fcck und belagerte das Anwesen. Sektenf\u00fchrer Vernon Wayne Howell, der sich selbst David Koresh nannte, hielt sich f\u00fcr den wiedergekommenen Christus. Er erwartete das Ende der Welt. Sollte er im Kampf get\u00f6tet werden, so werde er den sofortigen Einzug als Herrscher im Himmel halten, war er \u00fcberzeugt. Die 51 Tage dauernde Belagerung durch die Polizei hatte leider die grauenhafte Wiederholung der Ereignisse von Jonestown zur Folge. Die Davidianer z\u00fcndeten die Geb\u00e4ude an und suchten den Flammentod. Man fand 86 verkohlte Leichen in den Geb\u00e4uden, darunter zwanzig Kinder. Nur wenige \u00fcberlebten das Inferno.<\/p>\n\n\n\n<p>Transit zum Sirius: Die Sonnentempler<\/p>\n\n\n\n<p>War der Urwald von Guayana noch weit weg, so brach mit dem Sekteninferno von Waco das Problem extrem radikalisierter, religi\u00f6s motiverter totalit\u00e4rer Gruppen unmittelbar in die westliche Hemisph\u00e4re ein. Doch w\u00e4hrend man hierzulande noch \u00fcber die Ursachen des Dramas spekulierte und in den Vereinigten Staaten dar\u00fcber gestritten wurde, ob mit einer anderen Polizeitaktik Menschenleben h\u00e4tten gerettet werden k\u00f6nnen, radikalisierte sich eine zun\u00e4chst harmlos erscheinende Gruppe in Europa, der &#8222;Orden des Sonnentempels&#8220;. Am 4. und 5. Oktober 1994 fand man 53 Leichen in Kanada und der Schweiz, s\u00e4mtlich Anh\u00e4nger der Sonnentempler. Die meisten von ihnen waren erschossen worden. Am 23. Dezember 1995 entdeckte die Polizei im franz\u00f6sischen Saint-Pierre-de-Cherenes im Wald 16 Tote, die ausnahmslos Schu\u00dfwunden aufwiesen. Ein solches Sektendrama im Herzen von Europa hatte niemand erwartet. Dabei schien alles auf den ersten Blick so harmlos.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Lehre der Sonnentempler ist eine eigenwillige Mischung aus New-Age-Gedankengut, Esoterik und \u00f6stlichen Lehren. Kernpunkt der Mischung: Vor 15 Milliarden Jahren habe es einen sogenannten &#8222;big bang&#8220;, einen Urknall, gegeben, der unser Universum geschaffen habe. Die Energien des Ursprungs seien dem &#8222;Meister der Energie&#8220; verf\u00fcgbar, der sie an andere verteilen k\u00f6nne. Bei den Sonnentemplern war dies Jo Di Mambro, oberster Chef der Gruppe.<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Di Mambro war ein erfolgreicher Gesch\u00e4ftsmann, der geschickt ein Doppelleben f\u00fchrte. F\u00fcr seine J\u00fcnger war er, von der \u00d6ffentlichkeit unbemerkt, &#8222;der Gro\u00dfe&#8220;, ein Wiedergeborener der legend\u00e4ren Bruderschaft &#8222;Rose und Kreuz&#8220;. &#8222;Deren Mitgliedern obliege es, so Di Mambro, sich in kritischen Phasen der Geschichte den Irdischen zu offenbaren, um in der Gestalt eines Sterblichen vor dem Weltende zu warnen und dann aus der Welt zu scheiden.&#8220;<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Diese Lehre war es, die den kollektiven (Selbst-)Mord von 48 Menschen im Okrober 1994 bedingte, unter ihnen Sektenchef Di Mambro.<\/p>\n\n\n\n<p>Das sinnlose Sterben sollte noch kein Ende haben. Am 23. Dezember 1995 fand die Polizei im franz\u00f6sischen Saint-Pierre-de-Cherennes (Grenoble) sechzehn Tote, die alle Schu\u00dfwunden aufwiesen. Die Sekte hat weiter funktioniert. Die toten F\u00fchrer hatten f\u00fcr die Sektenmitglieder nichts von ihrer Anziehungskraft verloren. Sie sa\u00dfen sozusagen weiterhin mitten in der Seele der Sektenj\u00fcnger.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Beh\u00f6rden m\u00fcssen sich harte Vorw\u00fcrfe gefallen lassen. Sie hatten zahlreiche Hinweise und Spuren mi\u00dfachtet. So hatten mehrere der in Grenoble ums Leben gekommenen Sektenmitglieder weiterhin in Sektenzentren gelebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Hugo Stamm listet in einem Zeitungsartikel weitere Vers\u00e4umnisse der Beh\u00f6rden auf. Sein Fazit: &#8222;Die Rekonstruktion der Ereignisse rund um die Sonnentempler zeigt deutlich, dass die Untersuchungsbeh\u00f6rden l\u00e4ngst wu\u00dften oder h\u00e4tten wissen m\u00fcssen, dass die verbliebenen Kultanh\u00e4nger ebenfalls die &#8222;gro\u00dfe Reise&#8220; antreten und ein zweites Drama anrichten wollten&#8220;.<a href=\"#_ftn4\" id=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der wenige Monate sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlichte Untersuchungsbericht \u00fcber das Sonnentempler-Drama konnte auch nicht mehr Licht in die Dunkelheit dieser todbringenden Sekte bringen. Doch die franz\u00f6sischen Beh\u00f6rden wollten die Fehler ihrer schweizerischen Kollegen nicht wiederholen. Um ein drittes Blutbad zu verindern, nahmen sie \u00fcber drei\u00dfig mutma\u00dfliche Sektenmitglieder im M\u00e4rz 199 vor\u00fcbergehend fest. Auch nach ihrer Freilassung werden Sektenmitglieder polizeilich beobachtet. Im Jahre 1997 wurden in Kanada weitere f\u00fcnf Sektenmitglieder tot aufgefunden.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Der spirituelle Diktator&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Tokio, 20. M\u00e4rz 1995. Mitglieder der Aum-Sekte (H\u00f6chste Wahrheit) deponieren in einer U-Bahn-Station Plastikbeutel, aus denen das Giftgas darin entweicht. Durch diesen Anschlag soll der japanische Staat gel\u00e4hmt werden, damit die eigene historische Mission der Weltbeherrschung beginnen kann. Der Terror war akribisch vorbereitet. Die Bilanz: Zw\u00f6lf Menschen sterben, und mehr als f\u00fcnftausend werden verletzt. Der Spiegel berichtet:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Die Menschen knicken, buchst\u00e4blich mit Schaum vor dem Mund, auf dem Bahnsteig zusammen und erbrechen sich. Drei junge Frauen sind, \u00e4ngstlich wie kleine Kinder, kniend ineinander verklammert. Sie schreien. Aber man kann sie nicht h\u00f6ren. Denn das Gift hat ihre Stimmb\u00e4nder gel\u00e4hmt.&#8220;<a href=\"#_ftn5\" id=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Sarin ist zwanzigmal so giftig wie Zyanid. Die Opfer sterben innerhalb von drei\u00dfig Minuten an Erstickung oder Herzstillstand. Wer \u00fcberlebt, kann bleibende Hirnsch\u00e4den davontragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das t\u00f6dliche Gift war in den Labors in der Zentrale der Aum-Sekte hergestellt worden. Zu jenem Zeitpunkt hatte sie etwa zehntausend Anh\u00e4nger in Japan und mindestens f\u00fcnfundzwanzigtausend in Ru\u00dfland. Zwei Tage nach dem Anschlag durchsuchten zweitausendf\u00fcnfhundert Polizeibeamte gleichzeitig die f\u00fcnfundzwanzig Aum-B\u00fcros und Niederlassungen im ganzen Land. Sie fanden Maschinengewehre, Gasmasken, Schutzanz\u00fcge sowie einige Kisten Dynamit. Nicht viel, wie sich sp\u00e4ter herausstellen wird. Offensichtlich war der Plan f\u00fcr die Polizeiaktion vorzeitig durchgesickert. Das letzte, was die Aum-Anh\u00e4nger von ihrem Gutu Shoko Asahara dem &#8222;verehrungsw\u00fcrdigen Meister&#8220;, h\u00f6ren, ist eine Botschaft, in der offen zum Massenselbstmord aufgerufen wird. Man solle nun den &#8222;gro\u00dfen Rettungsplan&#8220; verwirklichen. &#8222;Sch\u00fcler, die Zeit des Erwachens ist gekommen. Nehmt den Tod ohne Bedauern!&#8220;<a href=\"#_ftn6\" id=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Zum Gl\u00fcck kommt es hierzu nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Shoko Asahara hatte seinen Anh\u00e4ngern wiederholt von apokalyptischen Visionen berichtet. &#8222;Im Fr\u00fchjahr 1993<a href=\"#_ftn7\" id=\"_ftnref7\">[7]<\/a> hatte Asahara eine weitere Schreckensvision gehabt. Monatelang war der Termin des Weltuntergangs immer n\u00e4her ger\u00fcckt &#8211; 2002, 2001, 1999. Nun legte der gequ\u00e4lte Geist des Meisters das Datum f\u00fcr die Apokalypse bereits auf das Jahr 1996 fest. In diesem Jahr, so prophezeite er, werde die Zivilisation ihren Abstieg ins apokalyptische Feuer beginnen. Asahara warnte seine Gefolgsleute vor einem schrecklichen Genozid, der von einem unerwarteten Feind &#8211; den Vereinigten Staaten &#8211; ausgehend \u00fcber Japan hereinbrechen w\u00fcrde. Die Amerikaner w\u00fcrden Japan angreifen, alle Inseln im Meer versenken und einen Weltkrieg ausl\u00f6sen.&#8220;<a href=\"#_ftn8\" id=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Eine Vorstellung, die offenbar in Japan nicht so absurd erscheint. Jedenfalls gelang es Asahara geschickt, die Vorurteile \u00fcber den ehemaligen Kriegsgegner und Sieger Amerika auszunutzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der 1955 geborene Asahara besuchte eine Internatsschule f\u00fcr Blinde, da er auf einem Auge nichts sehen konnte. Er strebte ein Studium an einer der besten Universit\u00e4ten des Landes an. Doch das Eintrittsexamen bestand er nicht. Im Jahre 1984 gr\u00fcndete er mit Frau und Sch\u00fclern eine Yoga-Gruppe, die sich 1987 den Namen Aum Shinrikyo gab. Angeblich hatte Asahara zuvor auf einer Indienreise die Erleuchtung erlangt. Um seine religi\u00f6se Autorit\u00e4t zu unterstreichen, besuchte er mehrmals den Dalai-Lama und andere hohe Lamas. Martin Repp beschreibt Asaharas Pers\u00f6nlichkeit so:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Asaharas Leben bewegt sich zwischen den Polen von sozialer Ablehnung und eigenem Ehrgeiz, zwischen Minderwertigkeitsgef\u00fchlen und Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung. Er wei\u00df seine Behinderung der halben Sehf\u00e4higkeit gut zu kompensieren, um diejenigen zu leiten, die \u00fcberhaupt nicht sehen k\u00f6nnen. Das gilt sowohl von seinen Mitsch\u00fclern als auch sp\u00e4ter &#8211; im \u00fcbertragenen Sinne &#8211; von seinen Sch\u00fclern.&#8220;<a href=\"#_ftn9\" id=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Asahara war gepr\u00e4gt von einem ausgepr\u00e4gten Verlangen nach Macht. So ist es auch zu erkl\u00e4ren, da\u00df Asahara mit weiteren vierundzwanzig Sektenanh\u00e4ngern im Februar 1990 unter dem Parteinamen &#8222;Shinrit\u00f3`&#8220; erfolglos f\u00fcr die Unterhauswahl kandidierte.<a href=\"#_ftn10\" id=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die Militarisierung und Radikalisierung erfolgte Schlag auf Schlag. So reisen etwa Aum-Anh\u00e4nger in &#8222;medizinischer Mission&#8220; nach Zaire, um eine Probe des t\u00f6dlichen Ebola-Virus zu erhalten. Zu jenem Zeitpunkt war Aum bereits seit einigen Monaten (Juni 1992) vom russischen Justizministerium als offizielle religi\u00f6se organisation registriert. Der Damm war gebrochen. Shoko Asahara war auf dem besten Weg, das zu werden, was er werden wollte. &#8222;Ich beabsichtige, ein spiritueller Diktator zu werden, ein Weltbeherrscher.&#8220;<a href=\"#_ftn11\" id=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die Bilanz der spirituellen Diktatur: neben den zw\u00f6lf Toten und f\u00fcnftausend Verletzten beim Giftgasanschlag in Tokio sind zahlreiche Gegner von Aum ebenfalls ermordet worden. Im Februar 1995 wurde ein Dorfbeamter entf\u00fchrt und durch eine Drogeninjektion get\u00f6tet. Sein K\u00f6rper wurde in einem speziellen Mikrowellen-Ein\u00e4ascherungsofen, der im Untergescho\u00df eines Aum-Labors eingerichtet wurde, verbrannt. Zwischen Oktober 1988 und Februar 1995 starben insgesamt dreiunddrei\u00dfig Aum-Anh\u00e4nger infolge von Unfall, Mord, Suizid oder extremen religi\u00f6sen \u00dcbungen. Ferner gelten weitere einundzwanzig Mitglieder als vermi\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Es bleibt die Frage, wie vorwiegend gebildete Menschen sich einer solchen Sekte anschlie\u00dfen k\u00f6nnen. Hier wie anderswo folgen sie einem Guru, der die h\u00f6chste Wahrheit und einen spirituellen Initiationsweg versprach, mit bedingungslosem Vertrauen. War man erst einmal ein Anh\u00e4nger, so war man bedingungslos den Mechanismen der Bewu\u00dftseinskontrolle, auch der mit k\u00f6rperlicher Gewalt arbeitenden Gehirnw\u00e4sche ausgesetzt. &#8222;Die Gl\u00e4ubigen bekamen nur wenig zu essen und durften h\u00f6chstens drei Stunden pro Tag schlafen. Das machte sie f\u00fcr Aums Lehren, die ununterbrochen auf sie einprasselten, gef\u00fcgig. Zus\u00e4tzlich sorgten die gekappten Familienbande daf\u00fcr, da\u00df die Sch\u00fcler allm\u00e4hlich keine andere Lebensweise mehr kannten.&#8220;<a href=\"#_ftn12\" id=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Heute versucht die Gruppe sich zu reorganisieren. Man entschuldigt sich f\u00fcr die Verbrechen, beteuert, dass man sich gewandelt habe und nimmt einen neuen Namen an. Unter der Bezeichnung Aleph, dem ersten Buchstaben des hebr\u00e4ischen Alphabets,&nbsp; versammelt man sich nach dem Verlust des inhaftierten F\u00fchrers. Doch trotz des beteuerten Neuanfangs spricht man auch weiterhin vom \u201eerrhabenen F\u00fchrer\u201c, der \u201eein Genie auf dem Gebiet des Yogas und der buddhistischen Meditation\u201c sei.<a href=\"#_ftn13\" id=\"_ftnref13\">[13]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>All diese Katastrophen belegen einen besorgniserregenden Wandel. Da ist zun\u00e4chst eine scheinbar harmlose Gruppe einiger &#8222;religi\u00f6ser Spinner&#8220;. Sie backen ihr Brot selbst, betreiben Hatha-Yoga. Nicht gef\u00e4hrlich, eher liebenswert anders. Doch dann erfolgt pl\u00f6tzlich und von der \u00d6ffentlichkeit unbemerkt eine Radikalisierung. Der Fanatismus wird immer gr\u00f6\u00dfer, das apokalyptische Szenario der Gruppe wird f\u00fcr die Sektenmitglieder zur unmittelbar bevorstehenden Realit\u00e4t. Leider lassen sich solche Ver\u00e4nderungen nicht prognostizieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Der nahende Weltuntergang am Ende des Jahrtausends war auch f\u00fcr eine Gruppe um den 65 j\u00e4hrigen Kultchef Marshall Herff Applewhite zur Realit\u00e4t geworden. Sie begab sich eine Woche vor Ostern (1997) auf die Reise zu einem &#8222;h\u00f6heren Ort&#8220; und 17 M\u00e4nner im Alter von 26 bis 72 Jahren verlie\u00dfen, wie Videodokumentationen belegen, l\u00e4chelnd ihre &#8222;Container&#8220;, wie sie ihre K\u00f6rper nannten. Sektengr\u00fcnder Applewhite hatte die Parole ausgegeben: &#8222;Planet Erde wird recycelt. Die wahre Bedeutung von Selbstmord besteht f\u00fcr uns darin, sich der n\u00e4chsten Ebene zu \u00f6ffnen, wenn sie sich anbietet.&#8220;<a href=\"#_ftn14\" id=\"_ftnref14\">[14]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der Spiegel beschreibt die Sekte so: &#8222;Die meisten Sektenmitglieder hatten, oft schon vor Jahren, jeden Kontakt zu ihren Familien verloren. Sie glaubten an Kultchef Applewhite als den &#8222;Einen&#8220;, der sie als Christus unserer Tage, zum &#8222;h\u00f6heren Ort&#8220; f\u00fchren konnte. Sie lie\u00dfen sich ihre Haare kurz schneiden und verzichteten f\u00fcr ihren F\u00fchrer auf jeden Sex, acht M\u00e4nner waren kastriert. Sie hatten offensichtlich akzeptiert, da\u00df sie sich von der Au\u00dfenwelt der Nichtgl\u00e4ubigen abschlie\u00dfen mu\u00dften &#8211; wer zweifelte wurde vom Chef isoliert und einer gr\u00fcndlichen &#8222;Entgiftung&#8220; unterzogen.&#8220;<a href=\"#_ftn15\" id=\"_ftnref15\">[15]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>So abstrus die Mischung aus Science Fiction und Weltuntergangsglauben sich auch auf den sekteneigenen Internetseiten pr\u00e4sentierte, so t\u00f6dlich war sie doch f\u00fcr ihre Mitglieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Die einzige M\u00f6glichkeit, als Gesellschaft dieser Versektung entgegenzuwirken, ist das st\u00e4ndige Gespr\u00e4ch mit den Mitgliedern. Der Kontakt zur gesellschaftlichen Realit\u00e4t kann f\u00fcr diese \u00fcberlebensnotwendig sein. Und dort, wo sich Katastrophen abzeichnen, darf nicht gez\u00f6gert werden. In Japan haben die Beh\u00f6rden nicht energisch eingegriffen, der zweite (Selbst-)Mord in der Schweiz h\u00e4tte durch Schutzhaft wom\u00f6glich verhindert werden k\u00f6nnen. Doch damit die Beh\u00f6rden zu solch weitreichenden Ma\u00dfnahmen bereit sind, m\u00fcssen sie zun\u00e4chst von der Gef\u00e4hrlichkeit radikalisierter und fanatisierter Sekten \u00fcberzeugt werden. Der Staat kann jedoch nicht auf Dauer seine B\u00fcrger vor sich selbst sch\u00fctzen. Vielmehr geht es darum, die Ursachen f\u00fcr die Anf\u00e4lligkeit der Menschen f\u00fcr Seelenf\u00e4nger zu bek\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei solch komplexen innerpsychischen Vorg\u00e4ngen m\u00fcssen Erkl\u00e4rungsmodelle auf Hauptstr\u00f6mungen reduzieren. Solche Modelle, wie sie etwa Robert Jay Lifton f\u00fcr den Proze\u00df der Selbstaufgabe im Sektenmillieu entwickelt hat, soll das Verstehen f\u00fcr ein v\u00f6llig unverst\u00e4ndliches Ph\u00e4nomen f\u00f6rdern. Denn letzten Endes bleibt es ein Geheimnis, wie eine Mutter von drei Kindern, die mitten im Leben steht, sich f\u00fcr die gute Sache (in diesem Fall der Pal\u00e4stinenser) in die Luft sprengt.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch bevor ein solches Modell aus der Sektenforschung vorgestellt wird, bedarf es nochmals des genauen Blickes auf das Umfeld heutiger Selbstmordattent\u00e4ter und \u2013t\u00e4terinnen. Gerade in der islamischen Welt ist in den letzten Jahren eine Art kollektiven Minderwertigkeitsgef\u00fchl zu erkennen.&nbsp; Die Hoffnung auf eine Verbesserung der Lebensverh\u00e4ltnisse ist der Einsicht der wahren Gesetze der Globalisierung gewichen. Man selbst f\u00fchlt sich unterlegen. Ein Muslim-Aktivist wird so zitiert: \u201eWir verf\u00fcgen nicht \u00fcber die Waffen, die der Feind besitzt. Deshalb ist das M\u00e4rtyrertum eine legitime Taktik.\u201c<a href=\"#_ftn16\" id=\"_ftnref16\">[16]<\/a> Terrorismus entsteht vor allem dort, wo sich Menschen extrem ungerecht behandelt f\u00fchlen. Neben dem pers\u00f6nlichen Erleben von Armut kommt dann noch eine als pers\u00f6nliche Niederlage empfundene Perspektivlosigkeit hinzu. \u201eAll das,\u201c so die Geo-Autoren, \u201el\u00e4sst Menschen t\u00e4glich den Druck einer unabl\u00e4ssigen Existenzbedrohung versp\u00fcren, und zwar selbst dann, wenn sie selbst nicht zu den Beteiligten geh\u00f6ren. Es ist ein Syndrom, das ein ganzes Kollektiv erfassen kann.\u201c<a href=\"#_ftn17\" id=\"_ftnref17\">[17]<\/a> Dieses psoxhosoziale Setting findet sich in einigen der Heimatl\u00e4nder der terroristen des 11. Septembers: in Saudi-Arabien, im Libanon und in \u00c4gypten. Aber auch in anderen besonders von dieser Form des Terrors gepeinigten Regionen findet sich dieses kollektive Ohnmachtsgef\u00fchl. Wie erleben denn 20J\u00e4hrige, die unter den Bedingungen der Intifada aufgewachsen sind?<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Selbstmorattentade scheint sich der religi\u00f6se Tranmantel besonders zu eignen. Wurden 1995 nach Sch\u00e4tzungen von Experten 25 Prozent aller internationaler Anschl\u00e4ge von religi\u00f6s motivierten Gruppen ver\u00fcbt, so waren sie doch f\u00fcr 58 Prozent der Terror-Todesopfer verantwortlich.<a href=\"#_ftn18\" id=\"_ftnref18\">[18]<\/a>&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Gef\u00e4hrliche Abh\u00e4ngigkeit<\/p>\n\n\n\n<p>Der Begriff &#8222;Sekte&#8220; bezeichnet &#8211; umgangssprachlich &#8211; also nicht eine Lehre, sondern vielmehr Gruppenstrukturen. Sekten produzieren anstelle von individueller Freiheit Verantwortung, Abh\u00e4ngigkeit. Und sicher ist dem Weltanschuungsbeauftragten des katholischen Bistums Limburg, Lutz Lemh\u00f6fer, zuzustimmen, wenn er feststellt:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Formen von Abh\u00e4ngigkeit und Intoleranz gibt es sicherlich auch in den gro\u00dfen Kirchen und Weltreligionen. Auch hier gibt es Menschen und Gruppen mit sektenhaften Z\u00fcgen. Aber sie pr\u00e4gen nicht das Gesamtbild. Wo es lebendige Diskussion um die Wahrheit gibt, wo abwichende Meinungen ernst genommen werden und zu Reformen f\u00fchren k\u00f6nnen, kann man nicht von einer Sekte sprechen. Das kann man vielmehr dort, wo Unterdr\u00fcckung nach innen und Fanatismus nach au\u00dfen sozusagen systembedingt und vom guten Willen des einzelnen nicht korriegierbar sind. Ob wir von einer Sekte sprechen k\u00f6nnen, entscheidet sich also nicht am Inhalt der Lehre, sondern an der Gruppenstruktur.&#8220;<a href=\"#_ftn19\" id=\"_ftnref19\">[19]<\/a> &nbsp;Die Bewertung dieser Gruppenstruktur dr\u00fcckt sich dann darin aus, ob wir von einer Sekte sprechen oder nicht. Wer etwa der Meinung ist, da\u00df politische Gruppierungen von Strukturen dialogunf\u00e4higer Ausschlie\u00dflichkeit gepr\u00e4gt sind, der mag von einer Politsekte sprechen. Und wer bestimmten Angeboten auf dem Psychomarkt nachsagt, sie w\u00fcrden seelische Abh\u00e4\u00fcngigkeiten schaffen, der spricht von Psychosekten. In diesem Sinn wird auch in diesem Buch der Begriff Sekte als zugegebenerma\u00dfen subjektive Wertung und Bewertung einer Organisation verwendet.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich treffen die aufgef\u00fchrten Kriterien niemals auf alle Sekten gleicherma\u00dfen zu. Die Intensit\u00e4t jener Faktoren, die abh\u00e4ngig machen, wird zudem bei den einzelnen Gruppierungen auch unterschiedlich sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die vorgenommene Definition hilft freilich aus einem Dilemma nicht heraus: Der Begriff Sekte beschreibt nach wie vor sehr unterschiedliche soziale Erscheinungsweisen. Dies hat er mit anderen generalisierenden Begriffen gemeinsam. Auch &#8222;Fundamentalismus&#8220; beschreibt ja sehr verschiedene Erscheinungen. Die Fundamentalisten innerhalb der Gr\u00fcnen sind etwas v\u00f6llig anderes als bombenlegende islamische (christliche, j\u00fcdische) Fundamentalisten.<a href=\"#_ftn20\" id=\"_ftnref20\">[20]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Und doch k\u00f6nnen solche generalisierenden Begriffe f\u00fcr die Beschreibung von Grundstrukturen notwendig und hilfreich sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie arbeiten Sekten?<\/p>\n\n\n\n<p>Immer wieder h\u00f6rt man in Diskussionen \u00fcber Sektenmitglieder: &#8222;Das m\u00fcssen doch alles labile Menschen sein. Mir k\u00f6nnte das nicht passieren!&#8220; Doch es verh\u00e4lt sich anders.<\/p>\n\n\n\n<p>Sicherlich haben Sektenmitglieder eine gewisse Grunddisposition. Derjenige, der sich der Osho-Bewegung anschlie\u00dft, findet die Zeugen Jehovas mit ihren rigiden Moralvorstellungen sicherlich h\u00f6chst unattraktiv. Auf der anderen Seite wird die Vereinigungskirche kaum f\u00fcr potentielle Krishna-J\u00fcnger interessant sein. Doch grunds\u00e4tzlich sind wir alle empf\u00e4nglich f\u00fcr geschickte \u00dcberzeugungsrechniken, man k\u00f6nnte auch sagen Manipulationstechniken. Oder haben Sie etwa noch niemals etwas spontan gekauft, das sich hinterher bestenfalls als unn\u00f6tig, schlimmstenfalls als v\u00f6llig \u00fcberfl\u00fcssig herausstellte? Die Seelenmanipulateure sind \u00fcberall. Sie spielen im Kaufhaus funktionale Musik, schaffen dort f\u00fcr uns Inseln der Kommunikation oder pr\u00e4sentieren im Supermarkt vor der Kasse S\u00fc\u00dfigkeiten in Griffh\u00f6he uneres Nachwuchses.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir alle unterliegen tagt\u00e4glich den Versuchen, unser Bewu\u00dftsein zu beeinflussen. Jedes Werben ist ein solcher Beeinflussungsversuch. Doch wann wird der Versuch zu \u00fcberzeugen zu einem unredlichen Manipulationsversuch? Die \u00dcberg\u00e4nge sind nicht nur in der Werbung flie\u00dfend. Auch Sekten arbeiten mit Manipulationstechniken. Jede Sekte nutzt die eine oder andere Technik mehr oder weniger intensiv. Der amerikanische Psychiater und Psychologe Robert J. Lifton hat diese Techniken in besonders pr\u00e4gnanter Weise beschrieben.<a href=\"#_ftn21\" id=\"_ftnref21\">[21]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Bewu\u00dftseinskontrolle<\/p>\n\n\n\n<p>Lifton setzte sich unter anderem auch mit Methoden der Gehirnw\u00e4sche auseinander, so wie sie die Chinesen im Koreakrieg praktizierten. Doch w\u00e4hrend die Gehirnw\u00e4sche an Gefangenen gegen ihren erkl\u00e4rten Willen durchgef\u00fchrt wird, haben wir es bei Sekten mit einer v\u00f6llig anderen Situation zu tun. Die einzelnen Sektenmitglieder unterziehen sich der Bewu\u00dftseinskontrolle (mind control, wie es Lifton nennt) scheinbar freiwillig. Es entsteht das Paradoxon der &#8222;manipulierten Freiwilligkeit&#8220;. Der Zustand der manipulierten Freiwilligkeit wird erreicht durch Techniken wie das &#8222;Love-Bombing&#8220;. Lifton spricht von einem ideologischen Totalitarismus. Als Kennzeichen des ideologischen Totalitarismus benennt er acht Kriterien:<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 1. Milieukontrolle<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 2. Mystische Manipulation (geplante Spontanit\u00e4t)<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 3. Forderung nach Reinheit<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 4. Kult des S\u00fcndenbekenntnisses (Beichtkult)<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 5. Geheiligte Wissenschaft<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 6. Manipulation der Sprache<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 7. Vorrang der Lehre vor dem Menschen<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 8. Zu- und Aberkennung der Existenzberechtigung.<\/p>\n\n\n\n<p>Milieukontrolle:<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Die Welt wird durch den Sektenschleicher betrachtet<\/h1>\n\n\n\n<p>Sekten steuern die Kommunikation ihrer Mitglieder. Sie m\u00fcssen die Kontrolle \u00fcber sie gewinnen. Das bedeutet zun\u00e4chst, da\u00df die Au\u00dfenkontakte auf das notwendige Ma\u00df reduziert werden. Am besten gl\u00fcckt dies durch eine ausgepr\u00e4gte Besch\u00e4ftigung des Neulings. Seminare sind zu besuchen, die Hausarbeit und der Alltag sind zu organisieren. Lifton: &#8222;Oft gibt es eine festgelegte Abfolge von Ereignissen, wie Seminare, Vortrage und Gruppentreffen, die immer intensiver und immer isolierter werden und es einem dadurch &#8211; k\u00f6rperlich und geistig &#8211; au\u00dferordentlich schwer mach zu gehen.&#8220;<a href=\"#_ftn22\" id=\"_ftnref22\">[22]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Wer das Milieu seiner Anh\u00e4nger wirkungsvoll kontrollieren m\u00f6chte, schafft auch r\u00e4umlich eine gro\u00dfe Distanz zwischen dem &#8222;alten&#8220; Milieu und dem neuen Umfeld. Es ist also kein Zufall, da\u00df die Erfahrungsberichte der siebziger Jahre immer wieder davon erz\u00e4hlen, da\u00df die jungen Leute innerhalb von wenigen Tagen nach der Anwerbung in ein fremdes Land gingen, um dort bei der Mission zu helfen. Ihre P\u00e4sse wurden sicherheitshalber von den Gruppenleitern verwahret. Der Telefonkontakt ist dabei kaum m\u00f6glich. Aufgrund des Geldmangels k\u00f6nnen die Mitglieder nicht einfach Ferngespr\u00e4che mit dem Ausland f\u00fchren, und das Telefon der Sekte steht wom\u00f6glich im f\u00fcr alle zug\u00e4nglichen Gruppenraum. Hinzu kommt die Gruppendynamik. Neue Menschen sind kennenzulernen, man selbst mu\u00df seinen Platz in der neuen Gruppe suchen und finden. Wom\u00f6glich mu\u00df man sich dabei einer fremden Sprache bedienen.<\/p>\n\n\n\n<p>Lifton weist auch auf den Umstand hin, da\u00df der Neuling einer v\u00f6llig neuen Interpretation der Welt begegnet. Pl\u00f6tzlich wird alles durch die Brille der Sekte gesehen. Es legt sich gewisserma\u00dfen ein Sektenschleier \u00fcber die Welt. Deshalb spielt auch die Nutzung von Medien keine Rolle. Auch dies ist ein Beitrag zur Milieukontrolle.<\/p>\n\n\n\n<p>Mystische Manipulation (geplante Spontanit\u00e4t)<\/p>\n\n\n\n<p>Mit &#8222;mystischer Manipulation&#8220; oder geplanter Spontanit\u00e4t ist ein systematischer Proze\u00df gemeint, der scheinbar spontan entsteht, in Wirklichkeit aber von der F\u00fchrung geplant ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch au\u00dferhalb von Sekten finden wir dieses Phanomen. Viele von uns kennen die scheinbar spontanen Bekehrungserlebnisse w\u00e4hrend einer Zeltmission. Selbstverst\u00e4ndlich kann niemand in Abrede stellen, da\u00df es sich bei solchen Bekehrungen um das Wirken des Heiligen Geistes handelt. Und die Zeltmission ist sicherlich keine Sekte. Aber zumindest wird dem Heiligen Geist auf die Spr\u00fcnge geholfen, denn der Ablauf der Veranstaltung, die Musik und die Bekenntnisse von wiedergeborenen Christen schaffen ein Klima f\u00fcr solche scheinbar spontanen Bekehrungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und als beispielsweise Mun noch nicht offen als Messias gehandelt wurde, mu\u00dfte diese &#8222;Erkenntnis&#8220; den Mitgliedern nahegelegt werden, In einem Sechs-StundenVortrag \u00fcber die &#8222;g\u00f6ttlichen Prinzipien&#8220;, das theologische Grundwerk der Vereinigungskirche, hei\u00dft es:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Die g\u00f6ttlichen Prinzipien st\u00fctzen sich nicht auf konventionelle theologische Theorien, sondern sind eine neue Offenbarung die uns durch Reverend San Myung Mun von Gott gegeben wurde und uns den Willen Gottes sowie die Bedeutung seiner Vorhersehung der Erl\u00f6sung ganz klar vor Augen f\u00fchrt. Wir wissen, da\u00df Gott durch Noah und Abraham arbeitete und sein Wort durch Mose und Jesus kundtat. Warum sollte der gleiche lebendige Gott uns nicht auch heute eine neue Offenbarung zuteil werden lassen? &#8230; Gott hat sein Schweigen schon gebrochen. H\u00f6ren wir Gottes Stimme im Gewitter oder finden wir ihn in Naturkatastrophen auf Erden? Die Geschichte beweist, da\u00df Gottes Stimme in der Stille zu vernehmen war und zur st\u00e4rksten Quelle des menschlichen Lebens wurde. Reverend Mun erhielt Gottes Offenbarung in der Stille im fernen Osten, &#8230;&#8220;<a href=\"#_ftn23\" id=\"_ftnref23\">[23]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Lifton beschreibt diesen Mechanismus so: &#8222;Ein Schema der Sekten ist heute, in einem bestimmten, &#8222;auserw\u00e4hlten&#8220; Menschen den Erl\u00f6ser oder eine Quelle des Heils zu sehen. Die mystische Manipulation kann in diesen Sekten eine ganz besondere Qualit\u00e4t annehmen, da die F\u00fchrer zu Mittelsm\u00e4nnern Gottes werden. Die gottzentrierten Grunds\u00e4tze k\u00f6nne zwingend vorgebracht und exklusiv beansprucht werden, so da\u00df die Sekte und ihre Glaubensideen zum einzig wahren Heilsweg werden. Das kann der mystischen Manipulation Nachdruck verleihen und sowohl denjenigen, die sie betreiben, als oftmals auch denjenigen, die sie von unten her rezipieren, eine Rechtfertigung bieten.&#8220;<a href=\"#_ftn24\" id=\"_ftnref24\">[24]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Diese Rechtfertigung schlie\u00dft auch das Ph\u00e4nomen der &#8222;himmlischen T\u00e4uschung&#8220; ein. Denn wer der Sekte nicht angeh\u00f6rt, befindet sich im Reich des B\u00f6sen. Und um der gerechten Sache willen, darf man schon einmal Au\u00dfenstehende t\u00e4uschen. So wird bei der Stra\u00dfenmission der Gruppenname verschwiegen, oder man umgeht das Soindernutzungsverbot von \u00f6ffentlichen Stra\u00dfenraum, also das Verbot, auf den B\u00fcrgersteigen einen Informationsstand aufzubauen, indem man mit einem Rucksack auf dem Buckel pausenlos die Einkaufspassage entlang geht und gezielt Flugbl\u00e4tter verteilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zeugen Jehovas werden in dieser Hinsicht recht deutlich: &#8222;Das L\u00fcgen schlie\u00dft im allgemeinen eine Falschaussage gegen\u00fcber einer Person ein, die berechtigt ist, die Wahrheit zu wissen, mit der Absicht, sie oder jemand anders zu t\u00e4uschen oder ihr bzw. dem anderen zu schaden. &#8230; B\u00f6sartiges L\u00fcgen wird zwar in der Bibel deutlich verurteilt, aber das bedeutet nicht, da\u00df man verpflichtet ist, jemandem wahrheitsgem\u00e4\u00df irgendwelche Informationen zu geben, die zu erhalten er kein Recht hat.&#8220;<a href=\"#_ftn25\" id=\"_ftnref25\">[25]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Forderung nach Reinheit und Kult des S\u00fcndenbekenntnisses<\/p>\n\n\n\n<p>Die Forderung nach Reinheit ist eng verkn\u00fcpft mit dem Kult des S\u00fcndenbekenntnisses. Die Lehre der Sekte, dies haben wir bereits gesehen, ist die absolute Wahrheit. Dies impliziert ein Schwarz-Wei\u00df-Denken. &#8222;Entweder Du bist f\u00fcr Gott, oder gegen Gott&#8220;, k\u00f6nnte ein Sektenj\u00fcnger in der Anwerberphase dem Neuling sagen. &#8222;Schlie\u00dflich kannst Du ja auch nicht halbschwanger sein.&#8220; Es geht bei Sekten um die einzig wahre, letztg\u00fcltige Wahrheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Beichtkult: Schuld- und Schammechanismen als Druckmittel<\/p>\n\n\n\n<p>Die reine Lehre mu\u00df bewahrt werden. Jede Form von Verunreinigung, und seien es nur unreine Gedanken, mu\u00df getilgt werden. Man mu\u00df seine unreinen Gedanken meist vor der Gruppe bekennen, was den Leitern wiederum Macht \u00fcber den einzelnen verleiht. So werden Schuldgef\u00fchle und Scham verst\u00e4rkt. Oft haben Sekten diesen Vorgang institutionalisiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Lifton nennt dies den &#8222;Kult des S\u00fcndenbekenntnisses&#8220;: &#8222;Ideologische Bewegungen, egal welcher Intensit\u00e4t, machen sich die Schuld- und Schammechanismen des Individuum szu eigen, um intensiven Einflu\u00df auf diese Ver\u00e4nderungen zu gewinnen, denen der betreffende unterworfen ist. Dies wird erreicht in einem Bekenntnisproze\u00df, der seine eigene Struktur hat. In Sitzungen, in denen man seine S\u00fcnden bekennt, wird gleichzeitig nach bestimmten Mustern Kritik und Selbstkritik ge\u00fcbt. Dies geschieht meist in kleinen Gruppen unter einem aktiven und dynamischen Druck hin zur pers\u00f6nlichen Ver\u00e4nderung.&#8220;<a href=\"#_ftn26\" id=\"_ftnref26\">[26]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Im Universellen Leben soll allw\u00f6chentlich bei Kerzenlicht und in festlicher Kleidung ein Abendmahl abgehalten werden. Die Regieanweisungen sind geoffenbart durch &#8222;Schwester Gabriele&#8220;. Durch sie hat Christus angeblich gesagt:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Vor dem Mahl halten einer oder zwei der \u00c4ltesten den Wochenr\u00fcckblick: Alles Wesentliche, das F\u00fcr und Wider, sollte offen ausgesprochen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00c4ltesten, die der Gemeinde vorstehen, stellen der Gemeinde die Frage: Was war in der vergangenen Woche allgemein positiv und aufbauend und weshalb? Und: Wer oder was hat dazu beigetragen?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gemeinde berichtet \u00fcber das &#8222;F\u00fcr&#8220;. Die \u00c4ltesten, die der Gemeinde vorstehen, werden sodann im Buch der Gemeinde die entsprechenden Vermerke anbringen. Auch die bemerkenswerten Taten der Glieder der Gemeinde f\u00fcr den Geist Christi, die zum Wohle und zum Wachstum der Gemeinde beigetragen haben, sollen im Gemeindebuch festgehalten werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das gleiche geschieht mit dem &#8222;Wider&#8220;. Wer oder was waren die Ursachen der negativen Aspekte in der vergangenen Woche? Auch dar\u00fcber werden Vermerke in das Buch der Woche eingetragen, das ein Teil der Gemeindeb\u00fccher ist; auch wer die Verursacher oder Mitverursacher waren &#8211; und weshalb sie Schwierigkeiten und Probleme hatten oder noch haben.&#8220;<a href=\"#_ftn27\" id=\"_ftnref27\">[27]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Man kann sich die Szene allein anhand dieser &#8222;g\u00f6ttlichen Offenbarung&#8220; gut vorstellen. Doch es geht noch weiter. Bei &#8222;schwerwiegenden Problemen&#8220; ist wie folgt zu verfahren:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Nach dem Abendmahl sollen \u00c4lteste, die hierf\u00fcr in Frage kommen, mit eventuell noch von Schwierigkeiten oder Problemen Beladenen sprechen. Und so es um Zweite oder Dritte geht, sollen diese mit bei der Aussprache sein.&#8220;<a href=\"#_ftn28\" id=\"_ftnref28\">[28]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Wissenschaftsgl\u00e4ubigkeit<\/p>\n\n\n\n<p>In einer Zeit, in der der Glaube an den permanenten Fortschritt zwar ersch\u00fcttert, aber dennoch weit verbreitet ist, mu\u00df selbst im ideologischen Bereich die Wissenschaft alles beweisen. Beispielsweise umgibt sich die Vereinigungsbewegung gerne mit Wissenschaftlern, die sie zu Seminaren einl\u00e4dt. Sie hat hierf\u00fcr vornehmlich zwei Organisationen geschaffen: &#8222;The International Conference on the Unity of Sciences&#8220; und die &#8222;Professors World Peace Academy&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Transzendentale Meditation des Hindum\u00f6nches Maharishi Mahesh Yogi versteht sich als Entspannungstechnik, deren Wirkung wissenschaftlich bewiesen werden k\u00f6nne. Eine eigene Privatuniversit\u00e4t, die &#8222;Maharishi International University&#8220; und deren europ\u00e4ischer Ableger, die &#8222;Maharishi European Research Universitiy&#8220; (MERU), entwickeln und verbreiten die &#8222;Wissenschaft der Kreativen Intelligenz&#8220;. In einem Forschungsergebnis der MERU wird darauf verwiesen, da\u00df sich bei Studenten, die die Transzendentale Meditation praktizierten, im Vergleich mit Nichtmeditierenden eine Zunahme der Intelligenz ergab. Die eigenwillige Interpretation:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Diese Ergebnisse weisen darauf hin, da\u00df das Programm der Transzendentalen Meditation allgemein die Fl\u00fcssigkeit der intellektuellen Abl\u00e4ufe erh\u00f6ht. Das bef\u00e4higt den Menschen, auf neue Situationen mit gr\u00f6\u00dferer Anpassungsf\u00e4higkeitm mehr Kreativit\u00e4t und besserem Verst\u00e4ndnis einzugehen&#8220;.<a href=\"#_ftn29\" id=\"_ftnref29\">[29]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Manipulation der Sprache:<\/p>\n\n\n\n<p>Einfache Sprache &#8211; einfaches Denken<\/p>\n\n\n\n<p>Sprache ist das Spiegelbild des Denkens. Je differenzierter die Sprache, desto differenzierter das Denken. Ein einfaches Beispiel: Die Eskimos sollen gut zwei Dutzend Ausdr\u00fccke f\u00fcr &#8222;Schnee&#8220; haben. In ihrer Umwelt spielt der Schnee eine besondere Rolle, was auch an der Sprache festzustellen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Sekten gehen den umgekehrten Weg. Sie reduzieren die Sprache. Wer nur im Schwearz-Wei\u00df-Schema denkt, braucht Farben erst gar nicht unterscheiden zu k\u00f6nnen. Es entwickelt sich eine Sprache der Einfachheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch dar\u00fcber hinaus benutzt man die Sprache auch zur Milieukontrolle. Durch Umdefinition und neue Kunstw\u00f6rter igelt sich beispielsweise Scientology gedanklich ein. &#8222;Scientology&#8220; selbst ist ein Kunstwort. Es soll aus dem lateinischen Wort &#8222;scire&#8220; und dem griechischen Wort &#8222;logos&#8220; zusammengesetzt sein. Dieses &#8222;Wissen vom Sissen&#8220; bringt dann W\u00f6rter und Begriffe wie &#8222;Aberration&#8220;, &#8222;Assist&#8220;, &#8222;Chaos-H\u00e4ndler&#8220;, &#8222;Clear&#8220;, &#8222;Entheata&#8220; (bedeutet &#8222;enturbuliertes Theta&#8220;) oder &#8222;Mest&#8220; hervor.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch werden Begriffe umdefiniert. F\u00fcr Kommunikation findet sich folgende Definition:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Die Betrachtung und Handlung, einen Impuls oder ein Partikel vom Ursprungspunkt \u00fcber eine Entfernung zum Empfangspunkt hin zu schicken, mit der Absicht, am Empfangspunkt eine Duplikation und ein Verstehen dessen zu erzeugen, was vom Ursprungspunkt ausgesandt wurde.&#8220;<a href=\"#_ftn30\" id=\"_ftnref30\">[30]<\/a> Der Brockhaus definiert Kommunikation dagegen so:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Kommunikation (lat.), Austausch, Verst\u00e4ndigung, \u00dcbermittlung und Vermittlung von Wissen, i. w. S. alle Prozesse der \u00dcbertragung von Nachrichten oder Informationen durch Zeichen aller Art unter Lebewesen (Menschen, Tiere, Pflanzen) und\/oder technischen Einrichtungen (Maschinen) durch technische, biologische, psychologische, soziale u.a. Informationsvermittlungssysteme.&#8220;<a href=\"#_ftn31\" id=\"_ftnref31\">[31]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Auch das &#8222;Universelle Leben&#8220; ver\u00e4ndert Sprache. Da wird keine Mitarbeiterin f\u00fcr die Apostelapotheke gesucht, sondern eine &#8222;Biene&#8220;, oder der Kr\u00e4uterhof sucht &#8222;Bienen&#8220; f\u00fcr Land- und Hauswirtschaft. Die Sektenanh\u00e4nger sind so auch in ihrem eigenen Selbstverst\u00e4ndnis zu Arbeitsbienen geworden, sie arbeiten nicht, sie &#8222;bienen&#8220; eben.<a href=\"#_ftn32\" id=\"_ftnref32\">[32]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Vorrang der Lehre:<\/p>\n\n\n\n<p>Es kann nicht sein, was nicht sein darf<\/p>\n\n\n\n<p>Die Lehre wird \u00fcber den Menschen gestellt. Sie hat Vorrang vor dem Menschen. Auch wenn es Widerspr\u00fcche zwischen der jeweiligen Dogmatik und dem eigenen Erlegen gibt, f\u00fchren diese nicht zur Kritik. Eher zu Schuldgef\u00fchlen, da man ja unwillk\u00fcrlich den Gedanken &#8222;Hier stimmt was nicht&#8220; in den Kopf bekommt. Das eigene Erleben wird also im Sinne der jeweiligen Lehre interpretiert. &#8222;Man lernt, Zweifel als eine Reflexion des eigenen B\u00f6sen zu empfinden.&#8220;<a href=\"#_ftn33\" id=\"_ftnref33\">[33]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die Lust des Gurus Bhagwan\/Osho am automobilen Luxus wurde von seinen Anh\u00e4ngern folgerichtig nicht als materieller Charakterzug des Gurus interpretiert. Vielmehr antworteten zahlreiche seiner Anh\u00e4nger und Anh\u00e4ngerinnen, wenn man sie auf die zahlreichen Rolls-Roys ihres Gurus ansprach, etwa in diesem Sinn: &#8222;Bhagwan hat mir soviel gegeben, da ist es doch nur eine kleine Gabe, wenn wir ihm dieses erm\u00f6glichen.&#8220; Sie huldigten ihm, wenn er im Ashram selbst kruze Strecken in der Luxuskarosse zur\u00fccklegte.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu- und Aberkennung der Existenzberechtigung<\/p>\n\n\n\n<p>Der letzte Schritt der Bewu\u00dftseinskontrolle f\u00fchrt zu dem, was Lifton die &#8222;Zu- und Aberkennung der Existenzberechtigung&#8220; nennt. Kennzeichen totalit\u00e4rer Systeme ist es, da\u00df sie einen absoluten Wahrheitsanspruch verfechten. W\u00e4hrend man selbst im Besitz der Wahrheit ist, leben die anderen Menschen bestenfalls im Zustand der Unwissenheit, schlimmstenfalls sind sie Feinde, die mit dem B\u00f6sen paktieren. Diejenigen, die der Wahrheit entgegenstehen, sind Feinde, die keine Existenzberechtigung mehr haben. Sie werden bestenfalls im Endgericht blutig gerichtet, \u00fcberleben das Ende der Welt nicht, oder sie werden schlimmstenfalls massiv bek\u00e4mpft.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zeugen Jehovas reden von Krieg, von einem theokratischen Kriegszug, und berufen sich dabei auf die Bibel:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Gottes Wort gebietet: &#8222;Redet die Wahrheit&#8220; ein jeder von euch mit seinem N\u00e4chsten (&#8230;) Dieses Gebot verlangt von uns jedoch nicht, da\u00df wir jedem, der etwas von uns wissen will, alles sagen. Denen, die ein Recht haben, die Wahrheit zu erfahren, m\u00fcssen wir die Wahrheit sagen, doch jemandem, der hierzu nicht berechtigt ist, k\u00f6nnen wir eine ausweichende Antwort geben. Aber wir d\u00fcrfen nie die Unwahrheit sagen &#8230; Eine Ausnahme sollte der Christ jedoch stets im Sinn behalten. Als Soldat Christi nimmt er an einem theorkatischen Kriegszug teil, und den Feinden Gottes gegen\u00fcber mu\u00df er gr\u00f6\u00dfte Vorsicht walten lassen. Die Bibel zeigt, da\u00df es zum Schutz der Interessen der Sache Gottes angebracht ist, die Wahrheit vor den Feinden Gottes zu verdecken &#8230; Das k\u00e4me unter die Bezeichnung &#8222;Kriegslist&#8220;, wie dies im Wachtturm vom 15. April 1956 erkl\u00e4rt wurde, und w\u00e4re in \u00dcbereinstimmung mit dem Rat Jesu &#8230;&#8220;<a href=\"#_ftn34\" id=\"_ftnref34\">[34]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der Scientology-Konzern geht nicht zimperlich mit seinen Kritikern um. Ganz im Sinne seines Gr\u00fcnders Hubbard. Dessen \u00dcberzeugung war:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wir fanden niemals Kritiker der Scientology, die keine kriminelle Vergangenheit hatten. Wenn sie sich der Scientology in den Weg stellen, werden wir sofort nach ihren strafbaren Handlungen schauen &#8211; und wir werden sie finden und blo\u00dflegen. Wenn sie uns aber in Ruhe lassen, werden auch wir sie in Ruhe lassen.&#8220;<a href=\"#_ftn35\" id=\"_ftnref35\">[35]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Offenbar wird dies von den Sektenmitgliedern durchaus eindeutig verstanden. Da werden Scientology-Werbepakete an Industrieverb\u00e4nde und -vereinigungen mit folgendem Anschreiben verschickt:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Anbei sende ich Ihnen ein paar Unterlagen zur Kenntnisnahme. Ich hoffe, da\u00df einige Leute soviel Durchblick haben und mithelfen, die Unterdr\u00fccker im zweiten Nazi-Deutschland langsam mal zu eliminieren.&#8220;<a href=\"#_ftn36\" id=\"_ftnref36\">[36]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Dies ist in der Tat die Sprache von neuen Herrenmenschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gem\u00e4\u00df der bei Scientology \u00fcblichen Sprachverwirrung spricht Scientology von &#8222;Ethik&#8220; und meint etwas v\u00f6llig anderes. &#8222;Ethik&#8220; meint hier die Methode, &#8222;andere Absichten&#8220;, beispielsweise kritische, zu entfernen. So l\u00e4\u00dft Hubbard am 18. 10. 66 verlauten:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Eine Person, die in den Ethik-Zustand des Feindes zur\u00fcckgestuft worden ist, gilt als vogelfrei: Man darf ihr Eigentum abnehmen, sie in jeder Weise verletzen, ohne da\u00df man von einem Scientologen bestraft wird. Man darf ihr Streiche spielen, sie verklagen, sie bel\u00fcgen oder vernichten.&#8220;<a href=\"#_ftn37\" id=\"_ftnref37\">[37]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Diese sogenannte &#8222;Fair game policy&#8220; wurde inzwischen offiziell zur\u00fcckgenommen. Interessant ist die Begr\u00fcndung: &#8222;Die Praxis, Leute zu Freiwild zu erkl\u00e4ren, wird eingestellt. Fair Game darf in keiner Ethik-Anweisung erscheinen. Es verursacht schlechte \u00d6ffentlichkeitsarbeit. Dieser Richtlinienbrief hebt keine Richtlinie \u00fcber die Behandlung oder Handhabung von &#8218;unterdr\u00fcckerischen Personen&#8216; au\u00dfer Kraft.&#8220;<a href=\"#_ftn38\" id=\"_ftnref38\">[38]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Obgleich also die Order zur Kritikerverfolgung, zynischerweise &#8222;fair game&#8220; genannt, formal aufgehoben ist, soll die Behandlung wie bisher weitergehen. Denn die Anweisung erzeugte ein schlechtes Bild in der \u00d6ffentlichkeit. Das ist wirkliches Sektendenken.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Zu- und Aberkennen der Existenzberechtigung ist schon im sogenannten scientologischen &#8222;Ehrenkodex&#8220; verankert. Der Punkt 12 lautet:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;F\u00fcrchte dich nie davor, einem anderen in einer gerechten Sache weh zu tun.&#8220;<a href=\"#_ftn39\" id=\"_ftnref39\">[39]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die &#8222;gerechte Sache&#8220; ist eben die der jeweiligen Gruppe. Dieser Satz ist Kern jedes totalit\u00e4ren Denkens und kann die Mitglieder in solche Katastrophen f\u00fchren, wie sie in den letzten Jahren leider h\u00e4ufig geschahen. Wenn sich Menschen anma\u00dfen \u00fcber die Existenz anderer Menschen entscheiden zu d\u00fcrfen, dann erheben sie sich \u00fcber alle anderen. Wenn dies eine Gruppe tut, ob nun unter religi\u00f6sem oder politischen Vorzeichen, dann ist sie eine Gefahr f\u00fcr den Frieden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a>Vgl. Charles A. Krause, Die Trag\u00f6die von Guayana, Frankfurt 1978.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a>Vgl. Pascal Auchlin\/Pierre-Andr\u00e9 Schmitt, Die Reise in den Abgrund, in: facts Nr. 1\/1996.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[3]<\/a>Russell Miller, Eine t\u00f6dliche Verirrung, in: SZ-Magazin vom 13. 4. 1995.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\" id=\"_ftn4\">[4]<\/a>Hugo Stamm, Sektenmassaker voraussehbar, in: Tagesanzeiger vom 31. 12. 1995.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\" id=\"_ftn5\">[5]<\/a>Faszination des Wahnsinns, in: Der Spiegel, 22. 5. 1995.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\" id=\"_ftn6\">[6]<\/a>Ebd.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\" id=\"_ftn7\">[7]<\/a>Nach anderen Quellen hatte sich Asahara bereits 1988 mit der Johannes-Apokalypse besch\u00e4ftigt.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref8\" id=\"_ftn8\">[8]<\/a>David E. Kaplan\/Andrew Marshall, Aum &#8211; Eine Sekte greift nach der Welt, D\u00fcsseldorf und M\u00fcnchen 1996, S. 113.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref9\" id=\"_ftn9\">[9]<\/a>Martin Repp, Religion und Gewalt im gegenw\u00e4rtigen Japan &#8211; Der Fall Auom Shinrikyo, in: Dialog der Religionen, 6. Jahrgang, Heft 2\/96, S. 190 ff.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref10\" id=\"_ftn10\">[10]<\/a>Repp f\u00fchrt die Radikalisierung von Aum auf die Erfahrung der Ablehnung, beispielsweise bei der Unterhauswahl, zur\u00fcck. So habe sich Aum seit 1990 radikalisiert. Sicher ist eine Radikalisierung festzustellen, doch bereits im November 1989 werden der Rechtsanwalt Sakamoto, der mit der juristischen Vertretung von Anti-Aum-Gruppen befa\u00dft ist, seine Frau und sein Kind get\u00f6tet. Eine Aum-Anstecknadel wird in der Wohnung gefunden.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref11\" id=\"_ftn11\">[11]<\/a>Zitiert nach David E. Kaplan\/Andrew Marshall, a.a.O.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref12\" id=\"_ftn12\">[12]<\/a>Ebd.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref13\" id=\"_ftn13\">[13]<\/a> Vgl. Robert Jay Lifton, Terror f\u00fcr die Unsterblichkeit \u2013 Erl\u00f6sungssekten proben den Weltuntergang, M\u00fcnchen 2000, S. 366<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref14\" id=\"_ftn14\">[14]<\/a>Der Spiegel, vom 7. 4. 1997, S. 119.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref15\" id=\"_ftn15\">[15]<\/a>Ebd.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref16\" id=\"_ftn16\">[16]<\/a> Zitiert nach: Christoph Kucklick, Hania Luczak, Christopher Reuter, Die Macht der Ohnm\u00e4chtigen, in Geo 11\/2001 S. 112 ff.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref17\" id=\"_ftn17\">[17]<\/a> Ebd.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref18\" id=\"_ftn18\">[18]<\/a> Ebd.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref19\" id=\"_ftn19\">[19]<\/a>Lutz Lemh\u00f6fer, Was ist eine Sekte?, Hessischer Rundfunk, 2. Programm, 7. 4. 1997.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref20\" id=\"_ftn20\">[20]<\/a>Vgl.: Werner Huth, Fundamentalismus. Flucht in die Gewi\u00dfheit, M\u00fcnchen 1995, das Interview mit Werner Huth in : Psychologie Heute, Februar 1997, S. 30 ff.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref21\" id=\"_ftn21\">[21]<\/a>Vgl. Robert Jay Lifton, The Future of Immortality and Other Essays for a Nuclear Age, New York, 1987. Die entscheidende Passage f\u00fcr unseren Zusammenhang findet sich bei Steven Jassan, Ausbruch aus dem Bann der Sekten, Reinbek bei Hamburg 1993, S. 315, 321. Die hier begrauchten Zitate sind dieser Fassuang entnommen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref22\" id=\"_ftn22\">[22]<\/a>Robert Jay Lifton, a. a. O.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref23\" id=\"_ftn23\">[23]<\/a>Sechs-Stunden-Vortrag zitiert nach Eimuth\/Oelke (Hg.), Jugendreligionen und religi\u00f6se Subkultur, Frankfurt 1979<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref24\" id=\"_ftn24\">[24]<\/a>Robert Jay Lifton in: Steven Hassan, a. a. O., S. 317<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref25\" id=\"_ftn25\">[25]<\/a>Einsichten \u00fcber die Heilige Schrift, Bd. 2, 1992, S. 236-237<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref26\" id=\"_ftn26\">[26]<\/a>Robert Jay Lifton in: Steven Hassan, a. a. O., S. 319.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref27\" id=\"_ftn27\">[27]<\/a>Universelles Leben (Hg.), Das ist mein Wort, W\u00fcrzburg 1991, S. 979 f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref28\" id=\"_ftn28\">[28]<\/a>Ebd.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref29\" id=\"_ftn29\">[29]<\/a>Grundsatzprogramm der Naturgesetz-Partei, die zum Umfeld der TM geh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref30\" id=\"_ftn30\">[30]<\/a>L.Ron Hubbard, Das Handbuch f\u00fcr den ehrenamtlichen Geistlichen, Kopenhaben 1980, S. 761.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref31\" id=\"_ftn31\">[31]<\/a>Brockhaus-Lexikon, Wiesbaden 1984<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref32\" id=\"_ftn32\">[32]<\/a>Vgl. Kurt-Helmuth Eimuth, Sekten als Wirtschaftsunternehmen in: Christ\/Goldner, Sekten in der Wirtschaft, FORUM-Spezial 10, 1996. S. 49.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref33\" id=\"_ftn33\">[33]<\/a>Robert Jay Lifton in: Steven Hassan, a. a. O, S. 320.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref34\" id=\"_ftn34\">[34]<\/a>Der Wachtturm. 1. 8. 1960, S. 479 f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref35\" id=\"_ftn35\">[35]<\/a>Scientology-Kirche Deutschland, &#8222;Freiheit&#8220;, Juli\/August 1979, zitiert nach Christoph Minhoff\/Holger L\u00f6sch, Neureligi\u00f6se Bewegungen, M\u00fcnchen 1994, S. 149.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref36\" id=\"_ftn36\">[36]<\/a>Schreiben vom 2. 2. 1997 von K.S. (Der Name ist dem Autor bekannt).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref37\" id=\"_ftn37\">[37]<\/a>HCO PL &#8211; eine interne Verwaltungsabk\u00fcrzung bei Scientology &#8211; vom 18. 10. 66.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref38\" id=\"_ftn38\">[38]<\/a>HCO PL vom 21. 10. 68.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref39\" id=\"_ftn39\">[39]<\/a>Church of Scientology International, Was ist Scientology?, Kopenhagen 1993, S. 583.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Kurt-Helmuth Eimuth, Erschienen im FORUM Nichts ist so wie es einmal war. Nach dem 11. September 2001 hat die Welt sich ver\u00e4ndert. Ohne Zweifel. Der so \u00fcberraschende und in seiner Perfektion und Wirkung so kaltbl\u00fctig vorbereitete und durchgef\u00fchrte Terroranschalg in den USA ist unvergleichbar.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19,10,15],"tags":[717,1124,1123,1125,1126,1122,638,65],"class_list":["post-5130","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-forum-religioser-dialog","category-publikationen","category-sekten","tag-aum-sekte","tag-bewusstseinskontrolle","tag-davidianer","tag-lifton","tag-manipuklation","tag-massenselbstmord","tag-sonnentempler","tag-terror"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5130","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5130"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5130\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5131,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5130\/revisions\/5131"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5130"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5130"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5130"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}