{"id":4931,"date":"2023-03-02T12:48:00","date_gmt":"2023-03-02T10:48:00","guid":{"rendered":"https:\/\/eimuth.de\/?p=4931"},"modified":"2023-04-11T17:03:13","modified_gmt":"2023-04-11T15:03:13","slug":"friedrich-karl-bart-zum-85-geburtstag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=4931","title":{"rendered":"Friedrich Karl Barth zum 85. Geburtstag"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Beitrag basiert auf Reportagen von Georg Magirius <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.magirius-aktuell.de\/tag\/friedrich-karl-barth\/\">https:\/\/www.magirius-aktuell.de\/tag\/friedrich-karl-barth\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Am 23. Januar 2012 erinnerte ich in einer Andacht in der Frankfurter Heiliggeistkirche an Friedrich Karl Barth, der am 7. Februar 2023 seinen 85. Geburtstag feierte. Seinen 85. kommentierte er im im Hessischen Pfarrblatt \u201eDas Magazin\u201c in seiner ganz eigenen Weise: \u201eIm Kopfe wach &amp; kritisch, in F\u00fc\u00dfen polyneuropatisch.\u201c<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Friedrich-Karl-Barth.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Friedrich-Karl-Barth-769x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4932\" width=\"307\" height=\"409\" srcset=\"https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Friedrich-Karl-Barth-769x1024.jpg 769w, https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Friedrich-Karl-Barth-225x300.jpg 225w, https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Friedrich-Karl-Barth-768x1023.jpg 768w, https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Friedrich-Karl-Barth.jpg 817w\" sizes=\"auto, (max-width: 307px) 100vw, 307px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Heute Morgen will ich an den Texter Friedrich Karl Barth erinnern. Einige von Ihnen kennen ihn noch, da er lange Zeit die Beratungsstelle f\u00fcr Gottesdienste im Haus am wei\u00dfen Stein geleitet hat. Zahlreiche seiner Lieder haben Eingang in das Kirchengesangbuch gefunden, \u201eKomm bau ein Haus\u201c, \u201eBrich mit den Hungrigen das Brot\u201c, \u201eWir strecken uns nach Dir\u201c, \u201eSelig seid ihr\u201c und das wohl meist gesungene Tauflied \u201eKind, du bist uns anvertraut\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Komm, bau ein Haus, das uns besch\u00fctzt,<br>pflanz einen Baum, der Schatten wirft,<br>und beschreibe den Himmel, der uns bl\u00fcht,<br>und beschreibe den Himmel, der uns bl\u00fcht.<br><br><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Kehrvers, Typisch f\u00fcr Friedrich Karl Barth. Heiter, spielerisch und kindlich vision\u00e4r &#8211; so klingt die Glaubenssprache Friedrich Karl Barths. Welch wunderbares Bild entstand&nbsp; bei Ihnen als wir die zweite Stophe sangen:<\/p>\n\n\n\n<p>Lad viele Kinder ein ins Haus<br>versammle sie bei unsrem Baum,<br>lass sie dort fr\u00f6hlich tanzen,<br>wo keiner ihre Kreise st\u00f6rt,<br>lass sie dort lange tanzen,<br>wo der Himmel bl\u00fcht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sehe da vielleicht den Spielplatz einer unserer Krabbelstuben. Ja, dass k\u00f6nnte so ein Ort sein. Ein Ort der Geborgenheit, ein Ort an dem die Kreise der Kinder keiner st\u00f6rt, ein Ort an dem Kinder um einen Baum tanzen, ein Ort wo der Himmel bl\u00fcht. Ja und hat Friedrich Karl Barth nicht vision\u00e4r schon 1977, als das Lied entstand, vision\u00e4r die Konzeption des Mehrgenerationanhauses vorweggenommen: Die Zeilen<\/p>\n\n\n\n<p>Lad viele Alte ein ins Haus<br>bewirte sie bei unsrem Baum,<br>lass sie dort frei erz\u00e4hlen,<br>von Kreisen, die ihr Leben zog,<br>lass sie dort lang erz\u00e4hlen,<br>wo der Himmel bl\u00fcht.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Zeilen sind ja eine Aufforderung zum Miteinander der Generationen. Auch zur Weitergabe des eigenen Glaubens der eigenen Glaubenserfahrung.<\/p>\n\n\n\n<p>Heiter, spielerisch und kindlich vision\u00e4r &#8211;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Lieder sind in Gesangb\u00fccher und das Ged\u00e4chtnis unz\u00e4hliger Menschen eingegangen. Oft sind sie zuerst auf Kirchentagen gesungen worden, sie sind auf frische Weise klassisch geworden und wirken wie die Kirchentagsbewegung insgesamt: Unbeschwert und festlich. Barths Worte wirken federleicht, k\u00f6nnen befl\u00fcgeln und \u00fcbergehen dennoch nicht die Schattenseiten des Lebens. Ebenfalls 1977 textete er:<\/p>\n\n\n\n<p><br>&#8222;Ich bin verloren<br>im Augenblick,<br>einsamer kleiner Vogel<br>auf einem gro\u00dfen Dach.&#8220;<br><br>Im Radiointerview erz\u00e4hlt er freim\u00fctig:<br><br>&#8222;Das war kurz vor meinem Schlaganfall, da f\u00fchlte ich mich ganz beschissen. Und ich habe dieses beschissene Gef\u00fchl in dieses Lied gebracht: Ich bin ein kleiner Vogel, einsam auf dem Dach &#8211; der sa\u00df so auf einem Dach wie hier eins ist, dr\u00fcben &#8211; so ein kleiner Vogel in einem gewittrigen Nachmittag. Und da habe ich gesagt: Ich will entkommen, w\u00fcnsch&#8216; mir gro\u00dfe Fl\u00fcgel und einen weiten Tag.&#8220;<br>Und so lauten denn auch die Zeilen weiter:<\/p>\n\n\n\n<p><br>&#8222;Ich w\u00fcnsch&#8216; mir gro\u00dfe Fl\u00fcgel,<br>im Augenblick<br>will ich entkommen,<br>wie eine schwarze Nacht<br>f\u00fchl&#8216; ich das ganze Elend,<br>im Augenblick<br>bin ich verloren.&#8220;<br><br>Dem Dunklen und Schweren entkommen &#8211; das ist der Impuls, weshalb Friedrich Karl Barth 1958 Theologie zu studieren beginnt. &#8222;Die aus dem Krieg kommende V\u00e4tergeneration war theologisch sprachlos&#8220;, sagt er. Allenfalls Phrasendrusch habe in den Kirchen geherrscht. Nach seinem Studium in Bethel, T\u00fcbingen und Marburg wird Barth Vikar in Kassel, dann Pfarrer im hessischen Bad Hersfeld. 1971 schlie\u00dflich &#8211; mit 32 Jahren &#8211; wird er Leiter der neu gegr\u00fcndeten Beratungsstelle f\u00fcr Gottesdienste hier in Frankfurt. Eine gute Schule f\u00fcr seine Suche nach einer Glaubenssprache, die Menschen heute erreicht, war vor allem der erste Studienort Bethel. Der Theologiestudent h\u00f6rt n\u00e4mlich nicht nur Vorlesungen, sondern arbeitet auch in den von Bodelschwinghschen Anstalten, wo geistig Behinderte leben.<br><br>&#8222;Dann hatten wir die harte Wirklichkeit der Kranken in Bethel. Und am Wochenende musste gepflegt werden. Und sp\u00e4ter musste ich meinen Freund pflegen beziehungsweise damit fertig werden, dass der eben schwer krank war. Damit bin ich nicht fertig geworden &#8211; bis heute nicht. Aber die Fragestellung ist immer geblieben: Wie macht man das mit dem Glauben? Und irgendwann bin ich auf die Sprache gekommen.&#8220;<br><br>Der Tod des besten Freundes Roderich kurz nach dem Studium hinterl\u00e4sst in der Seele des angehenden Pfarrers eine tiefe Spur. Sie scheint aber auch zur Br\u00fccke zu werden, \u00fcber die seine Worte anderen nahe kommen. Sie ber\u00fchren, bewegen &#8211; und bringen Menschen in Bewegung, im konkreten Sinn des Wortes. Als Leiter der Beratungsstelle f\u00fcr Gottesdienste war Barth 1973 mit verantwortlich an einem gro\u00dfen Aufbruch des Kirchentags, der damals einen Vortrags-, Papier- und Resolutionencharakter hatte.<br><br>Der D\u00fcsseldorfer Kirchentag war ein ziemlich kleiner Kirchentag. Es waren noch ganze 7000 Menschen angemeldet. Der Kirchentag&nbsp; war in der Krise, er stand auf der Kippe.&nbsp;<br><br>Barth konzipiert mit anderen zusammen die Liturgische Nacht, jenen Meilenstein, dessen festlicher Charakter den Kirchentag bis heute pr\u00e4gt. 4000, also mehr als die H\u00e4lfte der Dauerteilnehmer, kamen in D\u00fcsseldorf zu dem f\u00fcnfst\u00fcndigen n\u00e4chtlichen Fest. Neue Lieder wurden gesungen, es wurde gemalt und getanzt &#8211; und es gab ein feierliches Mahl. Die Liturgische Nacht in D\u00fcsseldorf war auch der Anfang einer langen Zusammenarbeit des katholischen Musikers Peter Janssens mit dem evangelischen Liederdichter Barth. Sie traten nicht &#8211; wie man das heute vielleicht sagen w\u00fcrde &#8211; in einen interkonfessionellen Diskurs, nein, es war viel einfacher: Beide verband die Musikalit\u00e4t des Glaubens.<\/p>\n\n\n\n<p>Und diese strahlte auch nach Frankfurt aus. Es war Friedrich Karl Barth der Peter Janssens \u00f6fter nach Frankfurt lotste. Nicht nur zum Kirchentag. Nein auch zu einigen Sacro-Pop-Veranstaltungen des Stadtjugendpfarramts in die Peterskirche. Damals in den 70er Jahren keine selbstverst\u00e4ndlichen Veranstaltungen in der Kirche. Und noch eines geh\u00f6rt zu Friedrich Karl Barth und dem Kirchentag: Der Papphocker. Er hat ihn erfunden. 1975 kam ihm bei den Vorbereitungen zum Kirchentag und der Suche nach Sitzgelegenheiten die z\u00fcndende Idee: Bei Bierk\u00e4sten war die Verletzungsgefahr zu hoch, gefragt war eine leichtere und g\u00fcnstigere Alternative &#8211; zum Beispiel aus Pappe. &#8222;Meine Sekret\u00e4rin gab, am eigenen Hintern abgemessen, Ma\u00dfe f\u00fcr L\u00e4nge, Breite, H\u00f6he an, und ich beschrieb die gew\u00fcnschte Belastbarkeit&#8220;, erinnert sich Barth. Laut Wikipedia sind die Papphocker heute Kultobjekt.<br><br><\/p>\n\n\n\n<p>Zur\u00fcck zum Texter und Theologen Friedrich Karl Barth. Seine Verse klingen manchmal wie eine Litanei, wie Kinderverse oder Abz\u00e4hlreime. Sie sind einfach, ohne banal zu sein &#8211; denn immer ist da auch ein Widerhaken, der zum Denken reizt. Sie sind merkw\u00fcrdig und pr\u00e4gen sich rasch ein. So auch in dem Lied, das wir eingangs sangen:<br><br>&#8222;Brich mit den Hungrigen dein Brot<br>Sprich mit den Sprachlosen ein Wort<br>Sing mit den Traurigen ein Lied,<br>teil mit dein Einsamen dein Haus.<br><br>Such mit den Fertigen ein Ziel,<br>brich mit den Hungrigen dein Brot,<br>sprich mit den Sprachlosen ein Wort,<br>sing mit den Traurigen ein Lied.&#8220;<br><br>Heute verfolgt der 73-J\u00e4hrige die Kirchentagsbewegung eher aus der Distanz. Barth geht es nicht darum, dass von ihm einst gepr\u00e4gte Formen bestehen bleiben. Wichtig ist ihm aber das, weshalb er sich damals selber an die Arbeit machte: Eine Sprache, die Menschen heute tr\u00f6stet und ber\u00fchrt. \u201eIch galt als bunter Hund, war frech, habe mich vor nichts und niemandem gef\u00fcrchtet. Das Macht-Gen aber habe ich nie gehabt, bin im Leben nie etwas geworden.\u201c sagt er r\u00fcckblickend.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kunst mit wenigen Worten das Wesentliche zu sagen, die Kunst die christliche Botschaft auf den Punkt zu bringen zeigt sich in den Versen Barths. So auch in dem Lied, das wir jetzt anstimmen wollen. Es dr\u00fcckt wie kaum ein anderes das Gef\u00fchl der Geborgenheit in Gottes Liebe aus:<\/p>\n\n\n\n<p>1. Wir strecken uns nach dir, in dir wohnt die Lebendigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir trauen uns zur dir, in dir wohnt die Barmherzigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir \u00f6ffnen uns vor dir, in dir wohnt die Wahrhaftigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir freuen uns an dir, in dir wohnt die Gerechtigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir halten uns bei dir, in dir wohnt die Best\u00e4ndigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sehnen uns nach dir, in dir wohnt die Vollkommenheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Du bist, wie du bist: Sch\u00f6n sind deine Namen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Beitrag basiert auf Reportagen von Georg Magirius https:\/\/www.magirius-aktuell.de\/tag\/friedrich-karl-barth\/ Am 23. Januar 2012 erinnerte ich in einer Andacht in der Frankfurter Heiliggeistkirche an Friedrich Karl Barth, der am 7. Februar 2023 seinen 85. Geburtstag feierte. 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