{"id":4750,"date":"2022-10-11T14:15:15","date_gmt":"2022-10-11T12:15:15","guid":{"rendered":"https:\/\/eimuth.de\/?p=4750"},"modified":"2022-10-11T14:15:15","modified_gmt":"2022-10-11T12:15:15","slug":"die-welt-im-mikrokosmos-herkunftsgeschichten-roedelheimer-geschaeftsleute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=4750","title":{"rendered":"Die Welt im Mikrokosmos: Herkunftsgeschichten R\u00f6delheimer Gesch\u00e4ftsleute"},"content":{"rendered":"\n<p>von <a href=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/magazin\/autoren\/kurt-helmuth-eimuth\/\">Kurt-Helmuth Eimuth<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>11. Oktober 2022<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Menschen, denen wir oft begegnen, von denen wir aber meist kaum etwas wissen, hat Christoph Busch als Stadtteilhistoriker in den Mittelpunkt gestellt. Der fr\u00fchere Pfarrer lebt seit Jahrzehnten im Frankfurter Stadtteil R\u00f6delheim und f\u00fchrte dort im Rahmen eines Projektes der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Gespr\u00e4che mit Gesch\u00e4ftsleuten mit Migrationshintergrund.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Busch.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Busch-741x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4751\" width=\"299\" height=\"413\" srcset=\"https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Busch-741x1024.jpg 741w, https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Busch-217x300.jpg 217w, https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Busch-768x1062.jpg 768w, https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Busch-1111x1536.jpg 1111w, https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Busch-1482x2048.jpg 1482w, https:\/\/eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Busch.jpg 1800w\" sizes=\"auto, (max-width: 299px) 100vw, 299px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\" alt=\"Christoph Busch: Herkunftsgeschichten R\u00f6delheimer Gesch\u00e4ftsleute, Schreibwerkstatt Pappmarch\u00e9, Alexanderstr. 27, 60489 Frankfurt, 10 Euro.\" width=\"900\" height=\"504\"> Christoph Busch: Herkunftsgeschichten R\u00f6delheimer Gesch\u00e4ftsleute, Schreibwerkstatt Pappmarch\u00e9, Alexanderstr. 27, 60489 Frankfurt, 10 Euro.<\/p>\n\n\n\n<p>Vierzehn Gespr\u00e4che hat Christoph Busch, Pfarrer im Ruhestand, protokolliert, und das ohne technische Hilfsmittel. Keine Angaben auf Frageb\u00f6gen wollte er bekommen, sondern offene Gespr\u00e4che mit besonderem Interesse f\u00fcr das Gegen\u00fcber f\u00fchren. Sie sind die Grundlage seines Buches mit Herkunftsgeschichten R\u00f6delheimer Gesch\u00e4ftsleuten. Im Zentrum der Gespr\u00e4che stand die Frage: \u201eWas haben Sie von dort mitgebracht, von wo Sie nach R\u00f6delheim gekommen sind, um hier ein Gesch\u00e4ft zu er\u00f6ffnen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Busch hat seine lesenswerten Protokolle durch zwei Gespr\u00e4che mit Fachleuten erg\u00e4nzt und unter verschiedenen Stichworten \u2013 Arbeit, Bildung, Familie, Weggehen und Ankommen, Rassismus oder auch Religion \u2013 geordnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Zehn Prozent der Weltbev\u00f6lkerung k\u00f6nnen nicht lesen und schreiben. und auch drei der im Buch interviewten Frauen konnten als Kinder nicht zur Schule gehen. Doch sie haben dies nicht als \u201elebenslanges Urteil\u201c akzeptiert und die Initiative ergriffen. Bemerkenswert ist der hohe Stellenwert von Familie bei Migrant:innen. Und noch ein Befund des Buches ist interessant und mehr als ein Schmunzeln wert: Einige der R\u00f6delheimer Gesch\u00e4ftsleute gaben ihrer Niederlassung den Namen ihrer Kinder. So steht beim Schneider Ercan Dirik in gro\u00dfen Lettern der Name seines Sohnes Kalo an der Scheibe des Ladenlokals. Und das Restaurant \u201eMilly\u201c ist nach der Tochter des Eigent\u00fcmers benannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Busch weist darauf hin, dass der \u00d6kumenische Rat der Kirchen Rassismus als S\u00fcnde gegei\u00dfelt hat. Auch R\u00f6delheimer Gesch\u00e4ftsleute haben Rassismus erleben m\u00fcssen, doch dar\u00fcber wollen sie nicht \u00f6ffentlich sprechen. Auch das ist eine Zustandsbeschreibung deutscher Wirklichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Thema Religion gibt es vermutlich weniger Unterschiede zwischen Eingewanderten und Angestammten als man landl\u00e4ufig meint. Die Religion der von ihm interviewten Menschen, res\u00fcmiert Busch, \u201eist keine Religion der Dogmen oder Liturgien. Die Religion, von der sie reden, ist eher eine Herzensangelegenheit. Es ist eine pers\u00f6nliche, eine geradezu intime Religion, die sie mit ihren Worten mehr andeuten als erkl\u00e4ren.\u201c Busch sieht dies im Einklang mit Dorothee S\u00f6lles Verst\u00e4ndnis von Religion nach \u201eerfahrenem Sinn\u201c, als Versuch einer unendlichen Bejahung des Lebens.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Autor ist es gelungen, den globalen Mikrokosmos R\u00f6delheim einzufangen. Dabei l\u00e4sst er vor allem die Protagonist:innen selbst zu Wort kommen. Fast alle zeigen sich auch auf den au\u00dfergew\u00f6hnlich gelungenen Fotografien. Die Ver\u00f6ffentlichung entspricht genau dem, was Busch ihr als Zitat seines verstorbenen Freundes und fr\u00fcheren Frankfurter Dezernenten f\u00fcr Integration, Jean-Claude Diallo, vorangestellt hat: \u201eDer Zugang zu einer Kultur kann immer nur partiell und subjektiv sein. Das beinhaltet, den anderen Mann oder die andere Frau wirklich anzusehen und sich ihm oder ihr als Gleichwertigem zu n\u00e4hern.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Kurt-Helmuth Eimuth 11. Oktober 2022 Menschen, denen wir oft begegnen, von denen wir aber meist kaum etwas wissen, hat Christoph Busch als Stadtteilhistoriker in den Mittelpunkt gestellt. 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