{"id":462,"date":"2009-04-01T20:42:22","date_gmt":"2009-04-01T20:42:22","guid":{"rendered":"http:\/\/eimuth.de\/?p=462"},"modified":"2009-04-01T20:42:22","modified_gmt":"2009-04-01T20:42:22","slug":"immer-mehr-das-klappt-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=462","title":{"rendered":"\u201eImmer mehr\u201c \u2013 das klappt nicht"},"content":{"rendered":"<h6>Evangelisches Frankfurt April 2009<\/h6>\n<h2>\u201eImmer mehr\u201c \u2013 das klappt nicht<\/h2>\n<p>Der Medienkritiker Neil Postman fragte vor  gut einem Jahrzehnt: \u201eAm\u00fcsieren wir uns zu Tode?\u201c Angesichts der Finanz-  und Wirtschaftskrise muss diese Frage wohl umformuliert werden:  \u201eKonsumieren wir uns zu Tode?\u201c<\/p>\n<p>Alle Wirtschaftswissenschaftler sind sich einig: Einzig der Konsum  hilft der Wirtschaft wieder auf die Beine. Konsum bedeutet Absatz. Und  Absatz bedeutet Gewinn und Arbeitspl\u00e4tze. Gewinn bedeutet Investition,  also Konsum, und so weiter. Sicher, eine Renditeerwartung von 25 Prozent  ist unmoralisch. Aber warum nicht 10, 12 oder 15 Prozent? Alle haben  bei dem weltweiten Monopoly mitgemacht \u2013 auch die Kirchen. Die einen  mehr, die anderen weniger.<\/p>\n<div><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/evangelischesfrankfurt.de\/images\/2009\/04\/seite04_oben.jpg\" alt=\"Noch ein \u201eKonsumtempel\u201c mehr in der Stadt \u2013 Ende Februar er\u00f6ffnete in Frankfurt mit gro\u00dfem Andrang von Neugierigen das \u201eMyZeil\u201c. Ob's gegen die Krise hilft, wird sich zeigen. | Foto: Rolf Oeser\" \/><\/p>\n<div>\n<div>Noch  ein \u201eKonsumtempel\u201c mehr in der Stadt \u2013 Ende Februar er\u00f6ffnete in  Frankfurt mit gro\u00dfem Andrang von Neugierigen das \u201eMyZeil\u201c. Ob\u2019s gegen  die Krise hilft, wird sich zeigen.<\/div>\n<div>Foto: Rolf Oeser<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Konsum, Produktivit\u00e4tssteigerung und Rendite sind das Schmiermittel  dieses Wirtschaftssystems, das sich in den vergangenen Jahren  ungeb\u00e4ndigt entfalten durfte. Die \u201eFesseln\u201c der sozialen Marktwirtschaft  hatte diese Art globalisierter Raubtierkapitalismus l\u00e4ngst abgestreift.  Ohne Scham ging man auf Profitjagd. Das Mehr-Haben-Wollen ist, wenn es  auch moralisch nicht hoch im Kurs steht, so doch die eigentliche  Triebfeder des Kapitalismus.<\/p>\n<p>Und nun kommen wieder die alten Rezepte. Konjunkturprogramme sollen  den Konsum anschieben. Bei den Autos funktioniert es offenbar, und dass  Schulen renoviert werden und Krabbelstuben entstehen, ist sicher gut und  seit langem \u00fcberf\u00e4llig. Doch ein Wirtschaftssystem, das jedes Jahr eine  Steigerung des Bruttoinlandsprodukts ben\u00f6tigt, l\u00e4uft sich auf lange  Sicht tot. Der Verbrauch an Wasser, an Energie, an Fl\u00e4che, an  Nahrungsmitteln kann f\u00fcr eine stetig weiter wachsende Weltbev\u00f6lkerung  nicht gedeckt werden. Jedes Jahr mehr, das bedeutet \u2013 trotz aller  technologischen Fortschritte \u2013 eben immer auch ein Mehr an  Ressourcenverbrauch. Auf diese Weise ist keine Gerechtigkeit in einer  n\u00e4her zusammenr\u00fcckenden Welt herzustellen.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens war der Ausl\u00f6ser der derzeitigen Finanzkrise gerade die  Ankurbelung des Konsums in den USA durch sehr, sehr niedrige Zinss\u00e4tze.  Es muss sich erst noch zeigen, ob Konjunkturprogramme und Zinssenkungen  wirklich helfen, oder ob sie nicht im Moment ihrer Wirksamkeit bereits  der Anfang der n\u00e4chsten Krise sind. Immerhin muss man der Politik zugute  halten, dass es im derzeitigen System keine Alternative zu  Konjunkturprogrammen gibt, auch wenn man sie angesichts der unbestritten  heranziehenden  Klimakatastrophe h\u00e4tte \u00f6kologischer akzentuieren  m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Doch gilt: Wenn die Menschheit langfristig in Frieden leben will,  muss sie um der Gerechtigkeit willen menschliche Gier eind\u00e4mmen und den  Raubtierkapitalismus z\u00e4hmen.<\/p>\n<p>Kurt-Helmuth Eimuth<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Evangelisches Frankfurt April 2009 \u201eImmer mehr\u201c \u2013 das klappt nicht Der Medienkritiker Neil Postman fragte vor gut einem Jahrzehnt: \u201eAm\u00fcsieren wir uns zu Tode?\u201c Angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise muss diese Frage wohl umformuliert werden: \u201eKonsumieren wir uns zu Tode?\u201c Alle Wirtschaftswissenschaftler sind sich einig:<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-462","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/462","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=462"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/462\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=462"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=462"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=462"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}