{"id":4496,"date":"2021-09-06T00:50:00","date_gmt":"2021-09-05T22:50:00","guid":{"rendered":"https:\/\/eimuth.de\/?p=4496"},"modified":"2021-10-31T00:57:38","modified_gmt":"2021-10-30T22:57:38","slug":"4496","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=4496","title":{"rendered":"Bastian Bergerhoff: \u201eIn Frankfurt haben wir Religionsfrieden\u201c"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\"><\/h1>\n\n\n\n<p>von <a href=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/magazin\/autoren\/anne-lemh%C3%B6fer\/\">Anne Lemh\u00f6fer<\/a><br>und <a href=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/magazin\/autoren\/kurt-helmuth-eimuth\/\">Kurt-Helmuth Eimuth<\/a> 6. September 2021<\/p>\n\n\n\n<p>Bastian Bergerhoff (53) ist der neue Frankfurter Kirchendezernent. Der Gr\u00fcnen-Politiker ist nicht getauft, geht aber trotzdem gelegentlich in den Gottesdienst. Wir haben mit ihm \u00fcber Bach, den interreligi\u00f6sen Dialog und seine Lieblingskirche gesprochen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/media\/images\/2108_oes_Bergerhoff01_wXlt91j.width-900.jpg\" alt=\"Der neue Kirchendezernent Bastian Bergerhoff auf dem R\u00f6merberg. Zust\u00e4ndig ist er unter anderem f\u00fcr den Unterhalt der historischen Kirchengeb\u00e4ude in Frankfurt. | Foto: Rolf Oeser\"\/><figcaption>Der neue Kirchendezernent Bastian Bergerhoff auf dem R\u00f6merberg. Zust\u00e4ndig ist er unter anderem f\u00fcr den Unterhalt der historischen Kirchengeb\u00e4ude in Frankfurt. | Foto: Rolf Oeser<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Herr Bergerhoff, Sie sind frisch gek\u00fcrter Frankfurter Stadtk\u00e4mmerer, au\u00dferdem sind Sie ab sofor zust\u00e4ndig f\u00fcr die Bereiche Personal und Kirchen innerhalb der Stadtregierung. Warum braucht Frankfurt als multireligi\u00f6se Stadt, in der auch viele Atheist:innen leben, eigentlich einen Kirchendezernenten?<br><\/strong>Als Kirchendezernent bin ich in erster Linie f\u00fcr die Kirchengeb\u00e4ude und deren Unterhalt im historischen Stadtkern zust\u00e4ndig, die sich im Eigentum der Stadt Frankfurt befinden. Diese Zust\u00e4ndigkeit hat historische Gr\u00fcnde. Das hat mit dem Dotationsvertrag von 1830 zu tun, durch den die kirchlichen R\u00e4ume, vor allem die Innenstadtkirchen, an die Stadt \u00fcbertragen wurden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gehen Sie selbst in den Gottesdienst?<br><\/strong>Ja, gelegentlich. Als ich noch in einem Kirchenchor gesungen habe, bin ich regelm\u00e4\u00dfig zum Singen im Gottesdienst gewesen. Aber auch zu anderen Anl\u00e4ssen gehe ich manchmal in den Gottesdienst. Ich wurde nicht getauft, habe heute aber famili\u00e4r und kulturell eine starke N\u00e4he zu den Kirchen. Mein pers\u00f6nlicher Zugang war dabei immer insbesondere die Musik.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Haben Sie selbst Musik gemacht?<br><\/strong>Ich mache privat sehr viel Musik. Aber Sie fragen wahrscheinlich nach Musik in Kirchengemeinden. Ja, ich habe lange im Chor der Thomas-Gemeinde in Heddernheim gesungen und habe in einer anderen Gemeinde gelegentlich sonntags in Vertretung die Orgel gespielt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Haben Sie ein Lieblingslied?<br><\/strong>Mir geht \u201eAus tiefster Not schrei ich zu dir\u201c \u2013 gerade im Satz von Johann Sebastian Bach \u2013 sehr nahe, es ber\u00fchrt mich sowohl musikalisch wie auch textlich stark.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>F\u00fcr manche mag das seltsam anmuten, dass ein Kirchendezernent nicht getauft ist.<br><\/strong>Vielleicht. Aber auch nur auf den ersten Blick. Die Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr kirchlich Angelegenheiten ist ja tats\u00e4chlich keine inhaltliche Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr den Glauben. Glaube ist zum Gl\u00fcck etwas sehr Pers\u00f6nliches. Und dass Religion auch heute noch ein Faktor im gesellschaftlichen Alltag ist, war auch f\u00fcr mich immer klar und ich habe das immer positiv erlebt \u2013 neben meiner Begeisterung f\u00fcr Musik hat das bei mir zum Beispiel dadurch Spuren hinterlassen, dass ich im katholischen Haus der Begegnung meinen Zivildienst geleistet habe.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Haben Sie eine Lieblingskirche?<br><\/strong>Ich wohne im Bereich der Dreik\u00f6nigskirche. Die hat in Frankfurt sicherlich gro\u00dfe Bedeutung f\u00fcr die Kirchenmusik, von der wir ja schon viel gesprochen haben. Daneben gibt es andere, auch kleinere Kirchen, die mir aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden im Laufe meines Lebens Besonderes bedeutet haben. Ein Ranking liegt mir fern. Als zust\u00e4ndiger Dezernent sehe ich aber nat\u00fcrlich, dass gerade unsere Innenstadtkirchen ein hohes kulturelles Gut f\u00fcr die Stadt darstellen, das es zu pflegen gilt. Nicht zuletzt an der St. Leonhardskirche ist zu sehen, wie gut das der Stadt die letzten Jahre gelungen ist. Alle unsere Innenstadtkirchen sind pr\u00e4gende Orte, jede auf ihre eigene Art.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie beurteilen Sie den interreligi\u00f6sen Dialog in Frankfurt?<br><\/strong>Ich finde, dass er sehr gut funktioniert! Die Interreligiosit\u00e4t reflektiert Frankfurt in seiner Vielfalt \u2013 ich glaube, es gibt keine Religionsgemeinschaft, und sei sie noch so klein, die hier keine Vertreter:innen hat. Auch der Rat der Religionen arbeitet sehr erfolgreich. Es gibt in Frankfurt kaum unl\u00f6sbare Konflikte um das Thema Religion \u2013 es wird immer versucht, zu vermitteln und L\u00f6sungen zu finden. Ich habe den Eindruck, dass wir in Frankfurt Religionsfrieden haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Funktion von Kirche ist Ihrer Meinung nach in Frankfurt die Wichtigste?<br><\/strong>Religion ist sicher ein Element, das die Stadt und die Gesellschaft zusammenh\u00e4lt. Wenn Menschen ihren Glauben als etwas Trennendes begreifen, dann habe ich daf\u00fcr wenig Verst\u00e4ndnis. Das betrifft aber sicher nur eine verschwindende Minderheit. Die meisten Menschen betrachten ihren Glauben als etwas Zusammenbringendes und leben ihn auch so. Ich finde es toll, dass sich die Kirchen an gesellschaftlichen Diskussionen beteiligen, in allen Bereichen. Dar\u00fcber hinaus sind sie eine tragende S\u00e4ule unserer sozialen Infrastruktur, die unerl\u00e4sslich f\u00fcr uns ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Anne Lemh\u00f6ferund Kurt-Helmuth Eimuth 6. September 2021 Bastian Bergerhoff (53) ist der neue Frankfurter Kirchendezernent. Der Gr\u00fcnen-Politiker ist nicht getauft, geht aber trotzdem gelegentlich in den Gottesdienst. Wir haben mit ihm \u00fcber Bach, den interreligi\u00f6sen Dialog und seine Lieblingskirche gesprochen. 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