{"id":4392,"date":"2021-05-16T20:10:50","date_gmt":"2021-05-16T18:10:50","guid":{"rendered":"https:\/\/eimuth.de\/?p=4392"},"modified":"2021-05-18T00:53:32","modified_gmt":"2021-05-17T22:53:32","slug":"schaut-auf-die-bildschirme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=4392","title":{"rendered":"Schaut auf die Bildschirme!"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/media\/images\/2105_oes_kirchentags_h.width-900.jpg\" alt=\"Manchmal schien auch strahlend die Sonne: Kirchentags-Buchstabe an der Alten Oper. | Foto: Rolf Oeser\"\/><figcaption>Manchmal schien auch strahlend die Sonne: Kirchentags-Buchstabe an der Alten Oper. | Foto: Rolf Oeser<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>von <a href=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/magazin\/autoren\/kurt-helmuth-eimuth\/\">Kurt-Helmuth Eimuth<\/a> 16. Mai 2021<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSchaut hin\u201c hie\u00df das Motto des \u00d6kumenischen Kirchentags. Und wir haben geschaut! TV. Den ganzen Samstag und nat\u00fcrlich auch an den anderen Tagen. Und in der Stadt unterwegs waren wir au\u00dferdem.<\/p>\n\n\n\n<p>Der 3. \u00d6kumenische Kirchentag sollte das Stadtbild Frankfurts an diesen Tagen beherrschen. \u00dcberall fr\u00f6hliche Menschen, die in den U-Bahnen singen und an den Stra\u00dfenecken die Posaunen erklingen lassen. So war die Erwartung. Es kam bekannterma\u00dfen anders.<\/p>\n\n\n\n<p>Man war schon froh, dass man einige Tage zuvor die Fahnen des Kirchentages auf dem R\u00f6merberg sah. Und dann die Aktion mit den \u00fcberdimensionalen Tischen an der Hauptwache. Als wir davor standen, kam ein leichtes Kribbeln auf. Jetzt geht es los, jetzt wird Kirche sichtbar, und bekannte Gesichter sah man auch. Der Kirchentag war nicht nur digital und dezentral, sondern in diesem Moment ganz analog vor Ort.<\/p>\n\n\n\n<p>Und die einzelnen Buchstaben des Mottos \u201eSchaut hin\u201c, verstreut in der City. Genial. Wir fuhren die Orte mit dem Fahrrad ab, machten halt an der Hauptwache, konnten im Gespr\u00e4ch mit einem Pfadfinder einen dieser Schals abstauben und uns sodann, passend gekleidet, zum n\u00e4chsten Buchstaben aufmachen. Gut, als Frankfurter kennt man all die Orte. Aber so eine Art Kirchentags-Caching macht doch Spa\u00df. Zumal der Weg an der Weseler Werft vorbeif\u00fchrte. Da wurde schon die B\u00fchne f\u00fcr den Schlussgottesdienst aufgebaut. Das ist der richtige Ort, um Frankfurt in Szene zu setzen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Er\u00f6ffnungsgottesdient. Sch\u00f6ne Predigt. Aber die Musik!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Dach des Parkhauses an der Konstablerwache, dem Ort des Himmelfahrtsgottesdienstes, \u00fcberzeugte indes nicht. Nur 1 B-Lage. Immer wieder musste die Kamera m\u00fchsam die Skyline ins Bild setzen. Die H\u00e4userzeile der Zeil als unvermeidlicher Hintergrund kann da nat\u00fcrlich nicht punkten. Und noch etwas war bei diesem strahlenden Sonnenschein auff\u00e4llig. Palmen, Sand und gar ein Boot als Kulisse. Mediterranes Flair am Main? In der Tat tobt hier im Sommer eine Beach Party. Okay ein paar wirklich sch\u00f6ne Bilder gab es.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber die Musik! Es ist die Musik meiner Generation, also 60 plus, aber vorgetragen in einem \u2013 Tempo ist hier der falsche Ausdruck \u2013 in einer Beschaulichkeit, die selbst das in die Jahre gekommene Liedgut nicht verdient hat. Einzig die Predigt von Fr\u00e8re Alois, dem Prior der Gemeinschaft von Taiz\u00e9, ragte heraus. Und er gab gleich die Richtung f\u00fcr das Christ:innentreffen vor: \u201eAuf keinen Fall d\u00fcrfen wir uns mit dem Skandal unserer Spaltungen abfinden. Unsere Kirchen k\u00f6nnen noch nicht alle Glaubenssch\u00e4tze miteinander teilen. Aber Christus ist nicht geteilt. Er ist unsere Einheit.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die T\u00fccken der Technik<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>War der in der ARD \u00fcbertragene Himmelfahrtsgottesdienst so etwas wie die inoffizielle Er\u00f6ffnung, so wurde am Freitag die offizielle aus der Messe gestreamt. Mit aller Prominenz, etwas Musik und unaufgeregt. Aufregender war allerdings der Umgang mit der Technik. Immer wieder brach die Verbindung ab. Ob die Planer:innen kleingl\u00e4ubig waren und nicht mit so vielen Zugriffen gerechnet hatten?<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/media\/images\/2105_khe_marion.width-300.jpg\" alt=\"Kirchentag im Wohnzimmer. | Foto: Kurt-Helmuth Eimuth\"\/><figcaption>Kirchentag im Wohnzimmer. | Foto: Kurt-Helmuth Eimuth<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die technischen Probleme bekamen sie nie in den Griff. Auch schienen die Zug\u00e4nge zu den Veranstaltungen zu kompliziert. Vor allem, wenn es hakte. Und warum Workshops ausgebucht waren und man somit keinen Zutritt mehr erhielt, blieb ein Geheimnis. Denn passives Zuschauen, also ohne Fragerecht, h\u00e4tte doch m\u00f6glich sein k\u00f6nnen!<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberhaupt die Plattform. Hier muss man sich noch einmal Gedanken machen. Viele haben Youtube ihrem TV-Ger\u00e4t voreingestellt. W\u00e4re das eine Alternative? So war der Kunstgenuss f\u00fcr das opulente Oratorium Eins, technisch bedingt, gest\u00f6rt. Doch es war sicher ein H\u00f6hepunkt und mit 40.000 Menschen im Stadion, wie es sich einer der Texter, Eugen Eckert, gew\u00fcnscht hatte, w\u00e4re es ein nachhaltiges Erlebnis gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>K\u00e4ssmann, Hirschhausen und Co.: die Bibelarbeiten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Blieben noch die fast hundert Veranstaltungen am Samstag. Voran die Bibelarbeiten. Wie immer lehrreich und unterhaltsam Margot K\u00e4\u00dfmann in ihrem kurzen Beitrag, wenn auch mediendidaktisch optimierbar. Die Aufnahme von Medienprofi Eckhart von Hirschhausen, hergestellt im eigenen Studio, war hingegen so perfekt wie die l\u00e4ssige Unterhaltung mit Gr\u00e4fin Fernanda Wolff Metternich, Referentin bei der Stiftung \u201eGesunde Erde \u2013 Gesunde Menschen\u201c, einer Hirschhausen Stiftung. Sie lie\u00dfen keinen Zweifel, dass die Klimafrage noch bedeutender als die Corona-Pandemie ist. Lehrreich und unterhaltsam. Und da war doch noch was. Wie kriegt er nur die Kurve? Hirschhausen singt gerne und zum Schluss in der Regel mit dem gesamten Publikum. Mir unvergessen, der Gesang eines umgetexteten Beatles-Klassikers in der Dresdner Messehalle. Aber selbst online animiert der Moderator zum Singen. Karaoke zum Ermutigen. Ein Lied, dass an die Sch\u00f6nheit der Welt erinnert. Er l\u00e4sst den Text und die Musik des Klassikers von Louis Armstrong \u201eWhat a wonderful world\u201c als Einladung zum Mitsingen \u00fcber den Bildschirm flimmern. Da kann man nur mit der letzten Liedzeile ausrufen \u201eOhh yeah\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Wunderbar ist die M\u00f6glichkeit, viele Bibelarbeiten, die sonst ja parallel stattfinden, in der Mediathek sp\u00e4ter anzuschauen. Da findet sich das auf den ersten Blick kuriose Dialoggespann zweier Ministerpr\u00e4sidenten. Bodo Ramelow, Die Linke, seit vielen Jahren Gast auf Kirchentagen und Volker Bouffier, CDU. Doch man erf\u00e4hrt, die beiden kennen und sch\u00e4tzen sich seit ihrer Studentenzeit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Polit-Prominenz auf den Podien<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Podien waren wie die Talkrunden, die man sonst so kennt. Angela Merkel versteht die Ungeduld der Jugend in Sachen Klima und verweist auf die Spielregeln der Demokratie und des Rechtsstaates. Jede neue Stromtrasse m\u00fcsse erst durchgeklagt werden. Und ihr Vize Olaf Scholz betont, dass die Kosten der Pandemie bezahlbar sind und die Starken eben etwas mehr schultern m\u00fcssten. Nett und gut, dass man hierf\u00fcr nicht eine Stunde Anfahrt hatte, um dann vielleicht doch vor einer \u00fcberf\u00fcllten Halle zu stehen. Hier ist der digitale Kirchentag klar im Vorteil. Und es wundert nicht, dass die Planungen f\u00fcr die weiteren Veranstaltungen eben auch digitale Formate einbeziehen. Da war man sich auf der Abschlusspressekonferenz einig.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Gef\u00fchl von Kirchentagsstimmung kam bei der \u00dcbertragung des Abschlussgottesdienstes auf. Da \u00fcbertrug sich die Fr\u00f6hlichkeit bei schwungvoller Musik auch ins heimische Wohnzimmer. Und Frankfurt pr\u00e4sentierte sich trotz einiger Regentropfen von seiner besten Seite. Wie sagte doch Peter Feldmann zum Abschluss: \u201eAls Frankfurter Oberb\u00fcrgermeister bin ich stolz, dass wir Gastgeber dieses ganz besonderen Kirchentages sein durften.\u201c \u00dcbrigens war Feldmann an allen Tagen au\u00dferordentlich pr\u00e4sent, auch bei der Podiumsdiskussion \u00fcber Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Bundespr\u00e4sident Frank-Walter Steinmeier braucht es solche Veranstaltungen. Er setzt auf ihre vers\u00f6hnende Kraft: \u201eWir m\u00fcssen Wunden heilen, die Corona in unserer Gesellschaft geschlagen hat.\u201c Die zunehmende Entfremdung der Menschen im Blick, f\u00fcgte er hinzu: \u201eDie Zukunft gewinnen wir nicht im Streit miteinander. Wir m\u00fcssen Br\u00fccken bauen, zwischen Menschen und Gruppen, die die Pandemie verfeindet hat. Wir m\u00fcssen nicht einer Meinung sein, aber wir brauchen einander.\u201c Doch eine Botschaft ging unbestritten von Frankfurt aus: Das \u00f6kumenische Miteinander ist selbstverst\u00e4ndlicher geworden.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch es bleibt dabei: Kirchentage sind Orte der Begegnung. Meine Highlights waren deshalb auch analog. Der Besuch der Installation an der Hauptwache und die Buchstabentour durch die City. Da lag der Zauber eines Kirchentages in der Luft. Der 3. \u00d6KT war ein Kirchentag zum Nachdenken, sozusagen geistliche und geistige Nahrung. Das ist ja keineswegs wenig.<\/p>\n\n\n\n<p>Evangelisches Frankfurt Offenbach<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Kurt-Helmuth Eimuth 16. Mai 2021 \u201eSchaut hin\u201c hie\u00df das Motto des \u00d6kumenischen Kirchentags. Und wir haben geschaut! TV. Den ganzen Samstag und nat\u00fcrlich auch an den anderen Tagen. Und in der Stadt unterwegs waren wir au\u00dferdem. Der 3. \u00d6kumenische Kirchentag sollte das Stadtbild Frankfurts<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[666,133,104],"class_list":["post-4392","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-digital","tag-kirchentag","tag-okumene"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4392","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4392"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4392\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4396,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4392\/revisions\/4396"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4392"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4392"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/eimuth.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4392"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}