{"id":4381,"date":"2021-04-26T17:54:32","date_gmt":"2021-04-26T15:54:32","guid":{"rendered":"https:\/\/eimuth.de\/?p=4381"},"modified":"2021-04-26T17:54:32","modified_gmt":"2021-04-26T15:54:32","slug":"wie-den-kollaps-der-pflege-verhindern-warum-die-resolution-der-kirchensynode-zu-unkonkret-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eimuth.de\/?p=4381","title":{"rendered":"Wie den Kollaps der Pflege verhindern? Warum die Resolution der Kirchensynode zu unkonkret ist"},"content":{"rendered":"\n<p>von <a href=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/magazin\/autoren\/kurt-helmuth-eimuth\/\">Kurt-Helmuth Eimuth<\/a> 26. April 2021<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.efo-magazin.de\/media\/images\/Kommentar-KHE_Pflege.width-900.jpg\" alt=\"Kurt-Helmuth Eimuth ist Mitglied in der Redaktion des EFO-Magazins. | Foto: Tamara Jung\"\/><figcaption>Kurt-Helmuth Eimuth ist Mitglied in der Redaktion des EFO-Magazins. | Foto: Tamara Jung<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat bei ihrer Tagung im April eine Resolution zur Pflege beschlossen. Gut, dass sich das Kirchenparlament mit dieser uns alle betreffenden Situation auseinandersetzt. Leider bleibt das Papier zu unkonkret. So wurde eine Chance vertan.<\/p>\n\n\n\n<p>Allein im Laufe des Jahres 2020 haben in Deutschland 9.000 Pflegekr\u00e4fte ihren Beruf verlassen. Der Mangel an Pflegefachkr\u00e4ften wird immer gr\u00f6\u00dfer. Das geht uns alle an, und sei es nur, dass wir mal wegen eines Beinbruchs ins Krankenhaus m\u00fcssen. \u201eDie Arbeitsbedingungen f\u00fcr Pflegekr\u00e4fte machen den Beruf unattraktiv\u201c, stellt die EKHN-Synode in ihrer Resolution fest. Nur, was folgt daraus? Fordert die Kirche andere Pflegeschl\u00fcssel und bessere Bezahlung? Setzt sie sich daf\u00fcr ein, dass in evangelischen Krankenh\u00e4usern und Pflegeheimen familienfreundliche Arbeitszeitmodelle und bessere Bezahlung eingef\u00fchrt werden? Gibt es Modellprojekte, die m\u00f6gliche Verbesserungen ausloten?<\/p>\n\n\n\n<p>Der Hinweis, dass Einrichtungen in diakonischer Tr\u00e4gerschaft gemessen an anderen Tarifvertr\u00e4gen ihre Fachkr\u00e4fte relativ gut bezahlen, reicht nicht. Von einer Institution, die gerade in diesem Bereich ein so gro\u00dfer und wichtiger Arbeitgeber ist, w\u00e4re da mehr zu erwarten.<\/p>\n\n\n\n<p>In der ambulanten Pflege sieht es nicht besser aus. Von den rund 3,5 Millionen pflegebed\u00fcrftigen Menschen werden gut drei Viertel zu Hause versorgt, wie eine Datenerhebung des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2017 ergeben hat. 1,76 Millionen werden demnach allein durch Angeh\u00f6rige gepflegt. Die Kirchensynode schreibt dazu in ihrer Resolution: \u201eDie wesentliche S\u00e4ule der Pflegeversorgung, die Familie, wird br\u00fcchig, weil die \u00dcbernahme von Sorget\u00e4tigkeiten Frauen zunehmend in die Armut f\u00fchrt, die Zahl der Kinder zur\u00fcckgegangen und die der Kinderlosen gestiegen ist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Auch hier mangelt es an einer Konkretisierung. Zum Beispiel h\u00e4tte man die Regierungsparteien auffordern k\u00f6nnen, die zahllosen verschiedenen F\u00f6rdertatbest\u00e4nde zusammenzuf\u00fchren, um Hilfen und Zusch\u00fcsse transparenter und f\u00fcr die Pflegenden unb\u00fcrokratischer zu machen. Eigentlich war das im Koalitionsvertrag verabredet, umgesetzt ist es aber noch nicht. Nur ein F\u00fcnftel der pflegenden Angeh\u00f6rigen nehmen derzeit die F\u00f6rderung f\u00fcr Kurzeitpflege in Anspruch. Und eine neu eingef\u00fchrte monatliche Entlastung von 120 Euro ist an Bedingungen der Bundesl\u00e4nder gekn\u00fcpft, die dazu f\u00fchren, dass sie kaum eine wirkliche Entlastung bedeutet.<\/p>\n\n\n\n<p>Man h\u00e4tte auch gerne gewusst, wie die EKHN in Zukunft mit ihren eigenen ambulanten Pflegediensten umgehen will. Denn als Teil eines Pflegemarktes stehen auch die kirchlichen Anbieter hier unter einem erheblichen Finanzierungsdruck.<\/p>\n\n\n\n<p>Grunds\u00e4tzlich stellt die Synode fest, dass Pflege eine \u201egesamtgesellschaftliche Aufgabe\u201c sei und man eine umfassende \u201eStruktur- und Finanzreform\u201c brauche. Dem wird kaum jemand widersprechen. Doch die Gelegenheit, Ross und Reiter zu nennen, wird leider nicht genutzt. Ein zum gro\u00dfen Teil privatwirtschaftlich organisiertes Pflegesystem muss nicht nur das Wohl der Patientinnen und Patienten im Blick haben, sondern auch die Rendite \u2013 inzwischen sind europaweit agierende Aktiengesellschaften auf dem Pflegemarkt aktiv. \u201eWir brauchen eine Finanz- und Strukturreform, die gew\u00e4hrleistet, dass Pflegeleistungen an allen Orten in gleicher Weise finanziell gef\u00f6rdert und qualitativ hochstehend erbracht werden, also unabh\u00e4ngig davon, wo die Pflege geleistet wird\u201c, hei\u00dft es in der Resolution dazu. In der Tat: Die \u00d6konomisierung des Gesundheitswesens war ein Fehler, der kaum r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden kann. Allenfalls ist er zu stoppen. Aber genau deshalb bleiben Resolutionen wie diese zu allgemein.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann spricht die Synode noch einen wichtigen Punkt an, der vielen gar nicht klar ist, n\u00e4mlich das \u201eTeilkaskoprinzip\u201c der Pflege. Darunter ist zu verstehen, dass im jetzigen System nur ein Teil der Pflegekosten \u00fcbernommen wird. Die Pflegeversicherung ist, anders als die Krankenversicherung, keine Vollkaskoversicherung, sondern \u00fcbernimmt nur einen Teil der tats\u00e4chlich anfallenden Kosten. V\u00f6llig zu Recht hei\u00dft es in der Resolution, dass dieses Prinzip \u00fcberholt ist und \u201edurch ein solidarisches Finanzierungssystem abgel\u00f6st werden\u201c muss. Aber auch hier dr\u00fcckt man sich vor der Konkretion: Will man also eine Erh\u00f6hung des Pflegebeitrags? Soll die Pflege \u00fcber Steuern finanziert werden? Oder gibt es noch eine andere Idee?<\/p>\n\n\n\n<p>Die hessen-nassauische Kirchensynode hat in ihrer Resolution zur Pflege alle wichtigen Fragen angesprochen \u2013 aber sie hat keine L\u00f6sungen aufgezeigt. Es wird nicht einmal gesagt, an wen sich die Resolution \u00fcberhaupt richtet. Damit wurde eine Chance vertan.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Kurt-Helmuth Eimuth 26. April 2021 Die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat bei ihrer Tagung im April eine Resolution zur Pflege beschlossen. Gut, dass sich das Kirchenparlament mit dieser uns alle betreffenden Situation auseinandersetzt. 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